Heute ist…

…W E L T T H E A T E R T A G

…und ich kann die Stunden, die ich in einem Theatersaal verbracht habe, gar nicht mehr zählen. Natürlich gab es Aufführungen, die mich mal mehr mal weniger begeistert haben, aber ich kann mich nicht erinnern, je einen Theaterbesuch bereut zu haben.

Nicht umsonst werden Theaterhäuser auch als Musentempel bezeichnet. Besonders die älteren Häuser mit der Patina der Jahr(hundert)e haben ein besonderes Flair und spiegeln die Bedeutung der darstellenden Kunst in der Gesellschaft wieder. Eine Theaterpremiere war ein gesellschaftliches Ereignis. Es galt, zu sehen und gesehen zu werden…!

Die beiden schönsten Theater, die ich bisher besuchen durfte, waren das „Det Ny Teater“ in Kopenhagen (2001) und das „Theater des Westens“ in Berlin (2005).


Det Ny Teater

Das „Det Ny Teater“ in Kopenhagen wurde erstmals 1908 eröffnet und gilt mit mehr als 12.000 m² als eines der größten Theater Dänemarks. Es verfügt über zwei Bühnen, den Hauptsaal mit mehr als 1.000 Plätzen und das „Sceneriet“, ein kleineres Theater, das nach einer umfassenden Renovierung des gesamten Theaters 1994 im Keller errichtet wurde. Nun ist es eine Spielstätte hauptsächlich für Musicals und hat eine Reihe großer internationaler Musicals produziert. Das erfolgreichste davon war „The Phantom of the Opera“, das von 2000 bis 2002 lief und nun im Jahre 2018 „zurückgekehrt“ ist. Gespielt wird natürlich in der Landessprache.

Das Theater ist dem Vorbild der Pariser Oper nachempfunden, vereint jedoch eine Mischung verschiedener Stile. So findet man Elemente mit klassischem „Trompe-l’œil-Effekt“ neben Art-Deco-Elementen kombiniert.

Als wir am 8. November 2001 dort im Zuschauerraum Platz nahmen, waren wir ganz gefangen von der Eleganz. Selten hat ein Theater mit dem dort gezeigten Stück eine solche Symbiose gebildet: Es schien, als würden „The Phantom oft he Opera“ und das „Det Ny Teater“ eine kongeniale Einheit bilden.


Theater des Westens

Das „Theater des Westens“ wurde 1895/1896 im Stil des wilhelminischen Historismus errichtet, blickt auf eine sehr abwechslungsreiche Vergangenheit unter verschiedenen Leitungen und wurde hauptsächlich als Opern- und Operettenbühne genutzt. So standen immer wieder in den unterschiedlichsten Produktionen große Stars auf dieser Bühne: Maria Callas, Mario del Monaco, Dietrich Fischer-Dieskau, Anneliese Rothenberger, Hermann Prey und Rudolf Schock.

Ab 1961 wurde es dann Spielstätte des internationalen Musicals und feierte mit der Premiere von „My Fair Lady“ einen fulminanten Einstand. Nachfolgeproduktionen konnten an diesen Erfolg nicht anknüpfen. Erst 1984 unter der Intendanz von Götz Friedrich und mit Helmut Baumann als künstlerischen Direktor schien sich das Blatt zu wenden. Helmut Baumann entwickelte sich zum führenden Musical-Fachmann, der eine gute Mischung aus unbekannten Stücken und Publikumsrennern bot. Mit der Premiere von „La Cage aux Folles“ im Jahre 1985, in der Baumann kurzfristig die Hauptrolle übernahm, sprach die Presse von einem Theaterwunder à la „My Fair Lady“. Das Stück stand 10 Jahre lang immer wieder auf dem Spielplan des Theaters.

Das „Theater des Westens“ war zu dieser Zeit eine der modernsten Musicalbühnen Europas mit raffinierten technischen Einrichtungen und Erfindungen. Das Management unter Götz Friedrich und Helmut Baumann mit ausgesuchten Spitzenkräften war vorbildlich und innovativ. Zum Stamm-Ensemble kamen immer wieder Gäste hinzu: Hildegard Knef, Angelika Milster, Helen Schneider, Caterina Valente, Ute Lemper und Hartwig Rudolz.

Helmut Baumann wurde 1993 auch Intendant des „Theaters des Westens“ und sorgte mit einer abwechslungsreichen Stückwahl und herausragenden Inszinierungen für ein internationales Renommeé des Hauses. Doch das Ziel, hochwertige Musicals dem Publikum zu zeigen, konnte aufgrund geringerer öffentlicher Zuschüsse in Kombination mit einem Einstellungsstopp schlecht realisiert werden. Helmut Baumann verließ darauf das Haus mit Ende der Spielzeit im Sommer 1999. Die Jahre bis 2002 waren eher unrühmlich für dieses wunderbare Haus, bis „Stage Entertainment“ das Theater übernahm. Sie beschäftigt seitdem kein festes Ensemble mehr und zeigt Langzeit-Aufführungen ihrer Produktionen. Als wir am 31. Juli 2005 dort eine Vorstellung von „Die 3 Musketiere“ besuchten, waren wir geblendet von der Opulenz dieses Theaters.


Einen Eindruck vom Können Helmut Baumanns erhielten wir in den Jahren 2000 bis 2004: In dieser Zeit inszenierte er die Musicals „La Cage aux Folles“, „Cabaret“, „My Fair Lady“, „Kiss me, Kate“ und „Victor & Victoria“ am Bremer Theater. Ein wahrgewordener Musical-Traum…!

Erinnerungen: „La Cage aux Folles“ / Bremer Theater (Spielzeit 2000/01)

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