MONTAGSFRAGE #36: Tolle Bücher, starke Mütter – Welche Mutter in einem Buch ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

Montagsfrage (1)

…und wieder schallt ein Schrei lautstark durch unser Haus: Ich schreie montags sehr gerne – besonders nachdem ich die Montagsfrage von Antonia gelesen habe und das Gefühl mich beschleicht, wieder völlig überfordert zu sein. So, zu Ende geschriene: Nun folgt mein obligatorischer Gang zum Bücherregal…!

Mütter! Mütter! Überall tummeln sich Mütter in der Literatur! Ich musste nur genau hinsehen:

In Astrid Lindgrens Werk spielen die Mütter eine immens wichtige Rolle. Natürlich stehen immer die starken Kinderfiguren im Mittelpunkt der Handlung, aber was wären sie ohne ihre Mütter…? Dabei drängen sie sich nie auf: Mit einer Selbstverständlichkeit nehmen sie die Rolle der Mutter ein – ohne Firlefanz und Brimbamborium, ohne große Worte – und stehen ihrer Frau. Ohne die bedingungslose Liebe seiner Mutter, die auch immer einen Blick hinter seine Taten wirft, würde Michel aus dem Schuppen nicht mehr rauskommen. Und Pelle konnte nur ausziehen, da er sich unbewusst dem Rückhalt seiner klugen Mutter sicher war, die ihn ziehen ließ, damit er seine ersten, kleinen Schritte zur Selbständigkeit machen konnte.

Auch Erich Kästner schuf besondere Mutter-Figuren. Bei „Pünktchen und Anton“ stellte er zwei Mütter-Typen nebeneinander: Auf der einen Seite haben wir Frau Pogge, die in erster Instanz von Beruf Direktors-Gattin ist und weder für ihren Mann noch für ihre Tochter Pünktchen viel Interesse aufbringt. Auf der anderen Seite haben wir Frau Gast, die Mutter von Anton, die sich trotz Krankheit und geringem Einkommen nicht unterkriegen lässt und auf ihren Anton stolz ist „wie Bolle“. Oder lasst uns einen Blick auf „Das doppelte Lottchen“ werfen: Welche große Trauer musste Frau Körner (geschiedene Palfy) über Jahre still ertragen, indem sie ein Kind ihrem geschiedenen Mann überlassen musste, ohne dass sie auch nur ein Wort darüber verlieren durfte. Und auch in Kästners  Erwachsenen-Werk „Drei Männer im Schnee“ taucht „am Rande“ eine Mutter-Figur auf: Frau Hagedorn, ihres Zeichens Mutter von einem der Männer im Schnee, hat es trotz Witwendasein und kleiner Rente geschafft, ihrem Sohn das Studium zu ermöglichen, das ihn zwar hochgebildet aber zur Zeit der Geschichte bedauerlicherweise auch ohne Anstellung sein ließ. Lässt sich diese patente Frau von diesem Umstand entmutigen? Nein! Stattdessen bietet sie in ihrer Wohnung Zimmer zur Untermiete an.

In Victor Hugos Epos „Die Elenden“ opfert sich die einfache Fabrikarbeiterin Fantine, um ihrer Tochter Cosette ein besseres Leben und somit eine vorteilhaftere Zukunft zu ermöglichen. Nachdem herauskommt, dass sie ein uneheliches Kind hat, verliert sie ihre Arbeit in der Fabrik. Um die Unterbringung ihrer Tochter bei den Wirtsleuten Thénardier zu finanzieren, verkauft sie erst ihr Amulett, dann Haar und Zähne und zum Schluss ihren Körper. Sie kämpft für ihre Tochter mit aller ihr zur Verfügung stehender Kraft bis zu ihrem Tod und stirbt ohne noch einmal ihr Kind in die Arme schließen zu können. Großes, zu Herzen gehendes Drama…!

Aber nicht nur die Mütter – ob nun in der Literatur oder im realen Leben – sind in der Verpflichtung, auf die Kinder zu achten:

Liebe Erwachsene dort draußen! Wir alle haben eine immense Verantwortung gegenüber unseren Kindern – egal ob als Eltern, Freunde, Verwandte, Nachbarn, Lehrer oder (wie in unserem Fall) als Paten. Wir alle legen den Grundstein für die Zukunft unserer Kinder. Wir alle nehmen Einfluss auf die Entwicklung unserer Kinder. Gebt Acht!

Astrid Lindgren hat es 1978 in ihrer Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels so treffend und wahr formuliert. Hier ein kleiner Auszug ihrer Rede:

Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll behandelt wird und das seine Eltern liebt, gewinnt dadurch ein liebevolles Verhältnis zu seiner Umwelt und bewahrt diese Grundeinstellung sein Leben lang. Und das ist auch dann gut, wenn das Kind später nicht zu denen gehört, die das Schicksal der Welt lenken. Sollte das Kind aber wider Erwarten eines Tages doch zu diesen Mächtigen gehören, dann ist es für uns alle ein Glück, wenn seinen Grundhaltung durch Liebe geprägt worden ist und nicht durch Gewalt. Auch künftige Staatsmänner und Politiker werden zu Charakteren geformt, noch bevor sie das fünfte Lebensjahr erreicht haben – das ist erschreckend, aber es ist wahr.

 Jenen aber, die jetzt so vernehmlich nach härterer Zucht und strafferen Zügeln rufen, möchte ich das erzählen, was mir einmal eine alte Dame berichtet hat. Sie war eine junge Mutter zu der Zeit, als man noch an diesen Bibelspruch glaubte, dieses „Wer die Rute schont, verdirbt den Knaben“.

 Im Grunde ihres Herzens glaubte sie wohl gar nicht daran, aber eines Tages hatte ihr kleiner Sohn etwas getan, wofür er ihrer Meinung nach eine Tracht Prügel verdient hatte, die erste in seinem Leben. Sie trug ihm auf, in den Garten zu gehen und selber nach einem Stock zu suchen, den er ihr dann bringen sollte. Der kleine Junge ging und blieb lange fort. Schließlich kam er weinend zurück und sagte: „Ich habe keinen Stock finden können, aber hier hast du einen Stein, den kannst du ja nach mir werfen.“

 Da aber fing auch die Mutter an zu weinen, denn plötzlich sah sie alles mit den Augen des Kindes. Das Kind musste gedacht haben, „Meine Mutter will mir wirklich weh tun, und das kann sie ja auch mit einem Stein.“

 Sie nahm ihren kleinen Sohn in die Arme, und beide weinten eine Weile gemeinsam. Dann legte sie den Stein auf ein Bord in der Küche, und dort blieb er liegen als ständige Mahnung an das Versprechen, das sie sich in dieser Stunde selber gegeben hatte: „NIEMALS GEWALT!“

Die komplette Rede findet Ihr hier!

Irgendwie habe ich jetzt einen Kloß im Hals: Woher kommt der nur? Ich glaube, ich koche mir erstmal einen Salbei-Tee. Prost!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

9 Kommentare zu „MONTAGSFRAGE #36: Tolle Bücher, starke Mütter – Welche Mutter in einem Buch ist dir besonders im Gedächtnis geblieben?

  1. Lieber Andreas,

    ich mag deine Antworten auf die Montagsfrage wirklich sehr sehr gern.

    Generell erinnerst du mich an Geschichten, die ich selbst gut kenne, und sage mir: Warum bist du nicht selbst drauf gekommen?

    Wie recht du hast! Ein hoch auf die Mütter und natürlich auch auf meine, die wirklich fürsorglich war und mich trotzdem nie gebremst hat 🙂

    Liebe Grüße
    Tina

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