POETRY on the MARKET…

Eben noch gezittert, dann schon wieder vorbei: So ein Bundesweiter Vorlesetag rauscht an einem vorbei wie nix…! Hatte ich im letzten Jahr noch mit Abwesenheit geglänzt, da ich eine rechtzeitige Planung/ Anmeldung schlicht und ergreifend verpennt hatte, freute ich mich in diesem Jahr umso mehr, wieder dabei zu sein. Eine Idee zu einer Aktion war schnell gefunden: Unter der Überschrift POETRY on the MARKET würde ich auf dem Wochenmarkt mit einer „Lostrommel“ voller Gedichte präsent sein und die Marktbesucher*innen ansprechen, um sie einzuladen, ein Los zu ziehen. Ich würde ihnen das gezogene Gedicht vortragen, das sie hinterher natürlich mit nach Hause nehmen dürfen. Meine Idee war so simple wie genial! Doch ein banges Gefühl blieb: Wie würden die Marktbesucher*innen auf meine Ansprache reagieren???

Die erste Runde, die Ute Gartmann (Buchhändlerin meines Vertrauens) und ich über den Wochenmarkt machten, fiel eher ernüchternd aus: Nur wenige Marktbesucher*innen waren unterwegs, und die, die wir ansprachen, reagierten eher verhalten auf unser Angebot, ihnen nicht nur ein Gedicht zu schenken sondern ihnen dieses auch „Live & in Farbe“ vorzutragen.

Im Gegenteil: Ich erhielt sogar eine Abfuhr! Vor dem Stand eines Blumenhändlers hatte sich ein Trio mittleren Alters versammelt und plauderte miteinander. In meiner mir eigenen, wenig empathischen Art habe ich mich rücksichtslos in dieses Gespräch gedrängt, wagte frech, mich für diese Störung zu entschuldigen, und versuchte ihnen zudem noch brutal ein Gedicht aufzuzwingen. Eine der angesprochenen Damen fühlte sich absolut zu Recht von mir massiv belästigt, und machte mir in der ihr eigenen charmanten Art und in einem freundlich-wertschätzenden Ton deutlich, dass mein Verhalten nicht nur unverschämt sondern auch unpassend wäre. Ich nahm dies zum Anlass, mich dreist abermals zu entschuldigen und ihnen ein beleidigendes „Ich wünsche ihnen einen schönen Tag!“ an den Kopf zu werfen. Jetzt mache ich mir solche Vorwürfe: Hoffentlich habe ich bei dieser Dame kein irreparables Trauma ausgelöst. Wenn ich mich und meine Emotionen weiterhin so wenig im Griff habe, dann wird es schwer für mich, im Diesseits ausreichend positives Karma fürs Jenseits anzusammeln.

Nach einer kurzen Verschnaufpause gestaltete sich die zweite Runde deutlich angenehmer: So wurden wir u.a. von zwei Freundinnen scheinbar schon sehnlichst erwartet, die von der Aktion in der Zeitung gelesen hatten. Die Idee, ein Überraschungsgedicht aus einer „Lostrommel“ zu ziehen, das ihnen dann auch noch vorgetragen wird, fanden die beiden einfach ganz wunderbar. Und so entschieden sie sich, unsere „follower“ zu werden: Während wir langsam über den Wochenmarkt schlenderten, folgten sie uns, um weiteren Gedichten lauschen zu können. Plötzlich schien mein negatives Karma seine Macht verloren zu haben: Egal, wenn wir ansprachen, jede*r reagierte mit Begeisterung auf unsere Idee. Vielmehr lockten wir, während ich ein Gedicht vorlas, weitere Interessierte an, die erstaunt ihren Marktgang unterbrachen, zuhörten, um hinterher äußerst bereitwillig selbst ein Gedicht aus der „Lostrommel“ zu ziehen.

Es wurde gelauscht, gelacht und manchmal sogar gemeinsam rezitiert. Und ebenso schnell wie die Zeit verflog, minimierten sich unsere Lose. Mein Fazit: „Schön war’s!“ und „Wir brauchen beim nächsten Mal mehr Gedichte, definitiv viel mehr Gedichte!“

Den Artikel zum Vorlesetag in Osterholz-Scharmbeck findet ihr hier oder auf facebook.

Der Bundesweite Vorlesetag…

Die Gedichte sind ausgewählt, die Lostrommel ist bestückt, und ich bin hochmotiviert. Es kann losgehen! Ab 10.00 Uhr werde ich heute auf dem Marktplatz von Osterholz-Scharmbeck für POETRY on the MARKET sorgen. Bitte drückt mir die Daumen, damit das Wetter mir wohlgesonnen ist.

Aber auch viele weitere Vor-Leser*innen haben sich intensiv vorbereitet und präsentieren „auf allen Kanälen“ eine Vielzahl an abwechslungsreichen Beiträgen. Auf den Seiten vom „Vorlesetag“ startet wieder das Vorlesefestival, das auf Instagram oder Facebook verfolgt werden kann und mit einer illustren Schar an Vor-Leser*innen aufwartet:

  • 9.00 Uhr: Bülent Ceylan Die Muskeltiere und die große Käseverschwörung
  • 10.00 Uhr: Vanessa Meisinger Peppa Pig: Das große Buch mit den besten Geschichten
  • 11.00 Uhr: Marc-Uwe Kling Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte
  • 12.00 Uhr: Robin Gosens Mister Marple und die Schnüfflerbande
  • 13.00 Uhr: Anne Will Spring doch! sagte die Hexe – Mutprobengeschichten
  • 14.00 Uhr: Beni Weber Arielle: Meerglanz
  • 15.00 Uhr: Jeff Kinney Gregs Tagebuch: Volltreffer

Das Jahresthema lautet diesmal Freundschaft und Zusammenhalt, und natürlich habe ich mich bei der Auswahl der Gedichte bemüht, dies zu berücksichtigen – sofern mir dies möglich war. Doch glücklicherweise sehen die Initiator*innen des Vorlesetages es ganz gelassen: Hauptsache, es wird vorgelesen!

Auch viele andere Institutionen wie Bibliotheken, Universitäten, Verlage, Schulen und Buchhandlungen sowie Prominente aus Kultur, Politik und Sport lassen es sich nicht nehmen und laden zu spannenden Vorlese-Aktionen ein. So organisiert die hiesige Stadtbibliothek ein Storywalk zum Bilderbuch Warten auf Goliath von Antje Damm: Im Stadtzentrum von Osterholz-Scharmbeck finden interessierte Leseratten die einzelnen Seiten des Bilderbuchs in Plakatgröße in den Schaufenstern der Innenstadt. Aber auch die Hansestädte in unserer Nachbarschaft haben einiges zu bieten: Im Überseemuseum in Bremen startet um 15.00 Uhr eine interaktive Vorlesestunde mit der Geschichte Plumi und der Schokoladenfluss, und im Familienzentrum der AWO Bremerhaven gibt es eine Schreib- und Lesewerkstatt für alle Generationen zu entdecken. Vielversprechend klingt auch das Angebot von Michael Helbing und Dominic Richter vom Stimmkontor Hannover, die das Märchen Der gestiefelte Kater als musikalische Lesung online präsentieren.

Unter dem Hashtag #vorlesetag findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu vielfältigen Aktionen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom VORLESETAG.

Na, habt Ihr nun Lust auf’s Vor-Lesen bekommen? Dann ran an die Bücher und los geht’s!

Ich wünsche Euch viel Spaß!

Zum Bundesweiten Vorlesetag: POETRY on the MARKET…

Nur wenige Wochen ziehen noch ins Land, und dann begehen wir am 19. November 2021 den Bundesweiten Vorlesetag. In diesem Jahr werde ich es mir nicht nehmen lassen und mich daran beteiligen. Unsere Aktion findet sich nun sowohl im Veranstaltungskalender der Stadt Osterholz-Scharmbeck als auch auf der Homepage vom VORLESETAG. So „Schwarz auf Weiß“ festgenagelt kann/darf ich wohl keinen Rückzieher mehr machen, aber…

…nichts lege mir ferner: Ich freue mich „wie Bolle“ und kann es kaum erwarten, endlich wieder vor Publikum lesen zu dürfen. Bis dahin stöbere ich durch eine Vielzahl an wunderbaren Gedichten: Erich Kästner, Mascha Kaléko, Wilhelm Busch, Else Lasker-Schüler, Theodor Fontane, Christian Morgenstern, Dorothy Parker, Rainer Maria Rilke, Annette von Droste-Hülshoff, Joachim Ringelnatz, Ingrid Streicher und noch viele, viele weitere Poet*innen sind im Moment bei mir zu Gast, und es fällt mir mehr als schwer zu entscheiden, wer von ihnen mich am Bundesweiten Vorlesetag zum Marktplatz in Osterholz-Scharmbeck begleiten darf.

Naja, mir bleibt ja noch ein wenig Zeit…!!! 😊

Nähere Infos gibt es sowohl hier auf meinem Blog als auch auf meiner Seite bei Facebook.

Ihr möchtet Euch vorab informieren, ob auch in Eurer Nähe etwas passiert? Kein Problem! Unter dem Hashtag #vorlesefestival findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu vielfältigen Aktionen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom VORLESETAG.

Zum Bundesweiten Vorlesetag: POETRY on the MARKET…

Ja ja, es ist mal wieder soweit: DER BUNDESWEITE VORLESETAG nähert sich mit riesigen Schritten. Hatte ich im letzten Jahr anfangs meinen Mund noch allzu voll genommen, um dann kleinlaut zu Kreuze zu kriechen, da ich schlussendlich nichts auf die Reihe bekommen hatte,…

…bin ich in diesem Jahr hochmotiviert und werde meine Idee zum Bundesweiten Vorlesetag diesmal auch in die Tat umsetzten: Am 19. November 2021 werdet Ihr mich auf dem Marktplatz in Osterholz-Scharmbeck antreffen. Unter der Überschrift POETRY on the MARKET werde ich ab 10.00 Uhr auf dem Wochenmarkt mit einer „Lostrommel“ voller Gedichte präsent sein und ahnungslose Passant*innen „erschrecken“ – Äh! Ich meinte natürlich: „ansprechen“. Meine „Opfer“ dürfen dann ein Los ziehen. Ich werde ihnen das gezogene Gedicht vortragen, das sie hinterher natürlich mit nach Hause nehmen dürfen. An meiner Seite werde ich eine wunderbare Assistentin haben: Ute Gartmann, Buchhändlerin meines Vertrauens, wird mich tatkräftig unterstützen.

Ihr möchtet Euch vorab informieren, ob auch in Eurer Nähe etwas passiert? Kein Problem! Unter dem Hashtag #vorlesefestival findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu vielfältigen Aktionen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom VORLESETAG.

Ich werde mich jetzt auf die Lyrik stürzen und meine Auswahl an Gedichten treffen. Und Ihr könnt mir gerne die Daumen drücken, damit am 19. November sowohl meine „Opfer“ als auch der Wettergott mir wohlgesonnen sind.

Der Bundesweite Vorlesetag…

In meinem Kopf schwirren schon einige Ideen wild durcheinander und warten darauf, eindeutige Formen anzunehmen. Dieser kreative Prozess wird erfahrungsgemäß noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch sobald sich aus einer diffusen Idee eine konkrete Aktion geformt hat, erfahrt Ihr die Einzelheiten hier auf meinem Blog.“

…hatte ich am 4. August hier an diese Stelle vollmundig von mir gegeben, und dabei in der Tat meinen Mund etwas zu voll genommen. Die Umsetzung einiger Ideen scheiterte schon anfänglich an den vorgegebenen Corona-Maßnahmen, und die schlussendlich geplante Aktion fiel dem aktuellen Lockdown zum Opfer. Der Gedanke, meine Lesung online zu präsentieren, kam mir leider so spät, dass ich (selbst Equipment-frei) keine Möglichkeit mehr hatte, ein entsprechendes Equipment zu besorgen. Ich war/bin in diesem Jahr extrem schlecht vorbereitet, und darum muss der Bundesweite Vorlesetag leider ohne einen Beitrag von mir stattfinden.

Zum Glück waren viele Vor-Leser*innen deutlich besser vorbereitet als ich, und so gibt es „auf allen Kanälen“ eine Vielzahl an abwechslungsreichen Beiträgen zu bewundern. So findet auf den Seiten vom „Vorlesetag“ das Vorlesefestival statt, das auf Instagram oder Facebook verfolgt werden kann und mit einer illustren Schar an Vor-Leser*innen erfreut:

  • 9.30 Uhr: Cornelia Funke Drachenreiter
  • 11.00 Uhr: Thomas Müller Mein Weg zum Fussballprofi
  • 12.30 Uhr: Annette Frier Aschenputtel
  • 14.00 Uhr: Mushda Sherzada Pembo
  • 15.30 Uhr: Nazan Eckes Adrian hat gar kein Pferd

Da das diesjährige Thema „Europa und die Welt“ lautet, wurde im Vorfeld schon ein charmantes internationales und multilinguales Video veröffentlicht: Ein Märchen in 13 Sprachen. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Wahl auf das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ fiel. Schließlich lebe ich in der Nähe der Hansestadt Bremen und bin sozusagen der Nachbar der vier tierischen Musiker,…

…aber auch viele andere Institutionen wie Bibliotheken, Universitäten, Verlage, Schulen und Buchhandlungen sowie Prominente aus Kultur, Politik und Sport lassen es sich nicht nehmen und lesen vor. So wird u.a. die wunderbare Autorin Melanie Raabe um 8.45 Uhr aus Jede*r kann was! vorlesen, und der Lesung von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte könnt Ihr auf dem YouTube-Kanal BremerRathaus lauschen.

Unter dem Hashtag #vorlesetag findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu den jeweiligen Beiträgen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom „Vorlesetag“.

Vielleicht verspürt Ihr ja nun auch die Lust in Euch, selbst einmal vorzulesen. Dann haltet Euch bitte nicht zurück. Es ist ganz leicht: Eine schöne Geschichte, ein gemütliches Ambiente, ein Opfer – Äh! – ich meinte natürlich Zuhörer und los geht’s! Ich selbst werde es auch so machen: Mein Göttergatte ist heute Abend „dran“…! 😎

Ich wünsche Euch viel Spaß!

[Anekdoten-Archiv] Warum die Liebesmüh vergeblich war…

Auszüge aus „tschik“ von Wolfgang Herrndorf/ Aktion zum Bundesweiten Vorlesetag in der KFZ-Zulassungsstelle in Osterholz-Scharmbeck


Die Gartmann-Schwestern von der Buchhandlung „die schatulle“ hatten eine Idee. Diese Idee war so genial wie einfach: Am Bundesweiten Vorlesetag warten wir nicht darauf, dass Zuhörer zu uns kommen, sondern wir gehen dorthin, wo potentielle Zuhörer schon vorhanden sind. So hatten die Gartmann-Schwestern einige Freiwillige organisiert, die sich bereit erklärten, in „öffentlichen Räumen“ wie z. Bsp. auf dem Bahnhof oder im Wartezimmer einer Hausarztpraxis vorzulesen.

So erreichte mich eine Nachricht von Ute Gartmann via facebook: „Hi Andreas, kannst Du am 11.11. so gegen 11.00 vorlesen? Damit Du es nicht so weit hast, dachten wir an die Zulassungsstelle.“ (An die Zulassungsstelle verknüpfte ich nur negative Erinnerungen: ungeduldige und unfreundliche Kunden, müde und genervte Angestellte…)

Mein 1. Gedanke: „Oh, nein! Nicht da!“
Mein 2. Gedanke: „Ich will tauschen…!“
Mein 3. Gedanke: „Hm! Das wäre jetzt ’ne Herausforderung…!“

11. November 2014: …und da ich mich durchaus Herausforderungen stelle, stand ich nun im Wartebereich der KFZ-Zulassungsstelle des Landkreises und las einen kleinen Ausschnitt aus Wolfgang Herrndorfs Roman „tschick“.

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Ich blickte in die irritierten, überraschten und/ oder genervten Gesichter der Wartenden und dachte: „Tschakka! Euch zeig’ ich’s! Ihr kommt jetzt in den Genuss einer 1A-Mini-Lesung – ob ihr wollt oder nicht!“. Sie wollten…

nicht: Die Reaktionen der Wartenden tendierten gegen Null und waren nicht nur kaum wahrnehmbar – sie waren schlicht nicht existent!

Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben!

Darum: Wenigstens ich fand mich gut!!! 🤩

Warum Suppen etwas für den hohlen Zahn sind…

„Suppen für Syrien“ – Lesung mit Texten von Rafik Schami beim ehem. „Café 99“ in Osterholz-Scharmbeck/ Buchhandlung „die schatulle“


An einem lauen Sommerabend vor genau drei Jahren: Da wurden die Bürgersteige in der Fußgängerzone nicht schon um 18.00 Uhr hochgeklappt, und es kehrte wieder – wenn auch nur vorübergehend – Leben in das ehemalige „Café 99“ ein.

13.06.2017: Die Stadt Osterholz-Scharmbeck hatte gemeinsam mit Studierenden der Stadt- und Regionalentwicklung der Uni Bremen das Pilotprojekt „Zwischennutzung“ ins Leben gerufen. Bei dieser Zwischennutzung wurden 2 leerstehende Geschäfte der Innenstadt genutzt, um Anregungen zu geben, wie diese wiederbelebt werden könnten.

So saß ich nun auf Einladung von Ute und Sabine Gartmann von der Buchhandlung „die schatulle“ mitten in der Fußgängerzone und las vor. Die Gartmann-Schwestern hatten mir ja schon so einiges zugemutet. Wo ich nicht schon überall lesen durfte: KFZ-Zulassungsstelle, Wochenmarkt, leerstehender Laden im „Haus am Markt“ und Rathaussaal. Da ist doch die Fußgängerzone nur eine logische Weiterentwicklung, oder?

Ein kulinarisch-literarischer Hochgenuss wurde versprochen: Während ich das Vorwort (geschrieben von Rafik Schami) aus dem Kochbuch „Suppen für Syrien“ vortrug, wurden entsprechende Süppchen gereicht,…

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…dabei hatte ich mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen: Hinter mir tönten Geräusche aus dem Geschäft, vor mir war die belebte Fußgängerzone mit Fahrradgeklingel, Kinderlachen und Hundegebell, neben mir schlürften die Zuhörer genüsslich ihre Suppen und in mir knurrte und rumorte es,…

…und auch die beiden folgenden von mir vorgetragenen Texte von Rafik Schami blieben dem Essen treu: So handelten sie doch von Nudelsalat und Döner!

…und während die Zuhörer – dank Suppen – immer satter wurden, wurde bei mir der kleine Hunger von seinem großen Bruder abgelöst. Da war das Süppchen, dass ich nach Beendigung der Lesung angeboten bekam, nur der sprichwörtliche „Tropfen auf dem heißen Stein“!

Auf dem Heimweg bin ich dann spontan im Restaurant „Zur goldenen Möwe“ eingekehrt…!

„Every time a good time.“ 🍔

[Lesung] Karsten Dusse – Achtsam morden / Buchhandlung „die schatulle“ Osterholz-Scharmbeck

Lesung am 27. September 2019 / Buchhandlung „die schatulle“ in Osterholz-Scharmbeck


Karsten Dusse (gesprochen „Düss“) war mir durchaus schon vor „Achtsam morden“ bekannt – also: nun nicht unbedingt „namentlich“, sondern eher mehr „optisch“! Jeder von uns kennt folgende Situation: Man (also: ich) liegt zuhause mit einer Erkältung auf dem Sofa dumm rum, mangels vorhandenem Elan zappt man (wieder: ich) durch die TV-Programme. Da bleibt man (immer noch: ich) zwangsläufig bei einer dieser vielfältigen Reality-Soaps hängen. Und da ist er auch schon: In schwarzer Robe, zurück gegeltem Haar und aggressiv-arrogantem Auftreten mimt Karsten Dusse den Strafverteidiger bei „Richterin Barbara Salesch“. Wobei er ein Mimen nicht nötig hatte, da er als promovierter Rechtsanwalt vom Fach ist. Allerdings würde ich aufgrund seines TV-Auftretens diesen Rechtsverdreher lieber nicht im Dunkeln und schon gar nicht im Gerichtssaal begegnen wollen. Sein erster Kriminal-Roman hat mir dafür umso mehr gefallen (hier geht’s zur Rezension).

„Richterin Barbara Salesch“ war die Show, diese Lesung ist die Realität: So sitzt uns ein zurückhaltend-freundlicher und sympathischer Autor gegenüber, der sehr zugewandt jeden Signierwunsch mit meditativer Ruhe erfüllt. Zudem verfügt Karsten Dusse über eine angenehme Lese-Stimme und hatte seine Textpassagen klug gewählt: Der unvoreingenommene Zuhörer bekam einen guten Eindruck über den Stil des Romans, der kundige Zuhörer erfreute sich am Wiedererkennen der vorgetragenen Passagen. Gemeinsam genossen wir einen heiteren und kurzweiligen Abend!

Foto Andreas Kück - Karsten Dusse achtsam morden.jpg

Überdies wuchert Dusse mit einem absoluten Sympathie-Pfund in Form seiner Hündin Rosa. Dieses entzückende Fell-Wesen verbrachte die erste Zeit der Lesung schlummernd zu Herrchens Füßen, um dann einen ausgedehnten Rundgang durch die Buchhandlung zu machen. Überall dort, wo während der Lesung aus scheinbar unerfindlichen Grund ein/e Zuschauer*in sich spontan vorbeugte, bekam Rosa sicher ein paar Streicheleinheiten. Und „wie der Herr so das Gescherr“, so ruhte auch Rosa in ihrer meditativen Mitte.

Zum Abschied verriet uns Karsten Dusse noch folgendes: Zum einen ist eine Verfilmung des Romans in Planung, zum anderen arbeitet er schon an der Fortsetzung.

Die Zeichen für eine weitere Lesung in der Buchhandlung „die schatulle“ stehen somit auf „Heiter“. Bis dahin: Schön achtsam bleiben!


Karsten Dusse ist mit „Achtsam morden“ auf Lesetour: Termine findet Ihr hier.

[Lesung] Rainer Moritz – Lieblingsbücher aus 40 Jahren / Buchhandlung „die schatulle“ Osterholz-Scharmbeck

Lesung am 1. September 2019 / Buchhandlung „die schatulle“ in Osterholz-Scharmbeck


Die Buchhandlung meines Vertrauens feiert ihren 40. Geburtstag und schenkt sich und uns, ihren Fans, Freunden und Kunden, eine Matinee mit dem hochgeschätzten Rainer Moritz. Herr Moritz ist in der „schatulle“ wahrlich kein Unbekannter: Schon zum achten Mal beehrte er die Buchhandlung der Gartmann-Schwestern. Diesmal überzeugte er wieder mit einer Mischung aus Lesung, Vortrag und Plauderei.

„Lieblingsbücher aus 40 Jahren“ – mit dem Leiter des Hamburger Literaturhauses hätten die Gartmann-Schwestern sich wohl keinen kompetenteren Referenten einladen können. Am 1. September 1979 erblickte die Buchhandlung „die schatulle“ das Licht der Welt und versorgt seitdem unzählige Bücher-Junkies mit Lese-Stoff. Apropos Junkies: So wurde 1979 eines der erfolgreichsten deutschen Sachbücher der Nachkriegszeit veröffentlicht „Christiane F – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Gerade die 80er waren von einem Drang nach Aufklärung, Enthüllung und Selbsterkenntnis geprägt. So begab sich Günter Wallraff nach „Ganz unten“, während Robin Norwood in „Wenn Frauen zu sehr lieben“ eine gänzlich andere Form der Sucht thematisierte – die heimliche Sucht, gebraucht zu werden. Während ein Jahrzehnt zuvor Werke wie „Kassandra“ von Christa Wolf auf dem Buchmarkt für Furore sorgten, drängte in den 90er Jahren der „neue, deutsche Frauenroman“ auf den Markt und bescherte uns so süffige Titel wie „Suche impotenten Mann fürs Leben“ von Gaby Hauptmann.

Der Buchmarkt war immer den Strömungen des Zeitgeistes ausgesetzt: War ein Buch mit einer besonderen Thematik außerordentlich erfolgreich, hatte dies zur Folge, dass Nachahmer – sogenannte „Me Too-Werke“ – die Buchhandlungen regelrecht überschwemmten („Me Too“ – ein Begriff, der heute gänzlich anders besetzt ist).

Apropos sexuelle Handlungen: Wie schlagen sich da eigentlich die Autor*innen bzgl. Sex und Erotik in ihren Werken? Herr Moritz weiß die Antwort: Häufig nicht so gut! Selbst ansonsten talentierte Schreiberlinge verfallen bei der Formulierung erotischer Szenen in eine Art talentfreier Schockstarre und „erfreuen“ die Leser*innen mit manchmal unfreiwilliger Komik. Zur Erheiterung des Publikums gab Herr Moritz einige besonders prägnante Passagen zum Besten (Die Namen der Autor*innen verschweigen wir diskret.).

Aber auch große Literatur erblickte im Laufe der Jahrzehnte das Licht der Leselampen: „Der Vorleser“ von Bernhard Schlink, „Die Entdeckung der Langsamkeit“ von Sten Nadolny oder auch Daniela Kriens „Die Liebe im Ernstfall“. Nicht zu vergessen: „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende, die ebenso wie die Buchhandlung „die schatulle“ in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert…!

Scharfzüngig thematisiert Rainer Moritz den momentanen Drang einige Schauspieler sich literarisch zu verewigen. Gegen eine hübsche Biografie hätte er nichts einzuwenden, aber Schauspieler sollten – seiner Meinung nach – keine Romane schreiben, da das Ergebnis häufig wenig überzeugt. Ebenso macht Herr Moritz aus seinem Ressentiment gegenüber Regional-Krimis, die sich inflationär sowohl über die Leser- als auch Landschaft ergießen, keinen Hehl. Jedes Kuh-Kaff hat in der Zwischenzeit seinen eigenen literarischen Ermittler, während die reale Polizei über Personalmangel klagt.

Rainer Moritz nimmt den Literaturbetrieb genüsslich auf’s Korn und äußert ohne Scheu seine ehrliche Meinung. Dies nimmt man ihm nie übel, da er weder verletzt noch entlarvt. Zudem zeichnen ihn zwei Eigenschaften aus, die einen Mann sehr sympathisch machen: Intelligenz und Humor,…

…und so plaudert er sich durch die Literatur aus 40 Jahren, scherzt mit dem Publikum und mit den Gastgeberinnen,…

…und dank seines ausgeprägten Sinns für Humor geizt er auch nicht mit heiter-ironischen Anekdoten aus dem eigenen Umfeld: So meinte seine Mutter noch einer seiner epischen Lesungen „Moritz, immer wenn Du so lange liest, bekomme ich kalte Füße!“

Wir hatten keine kalten Füße, dafür war uns ganz wohlig zumute nach dieser gelungenen Abschlussveranstaltung am Geburtstagswochenende der Buchhandlung unseres Vertrauens.


Weitere Aktivitäten von und mit Rainer Moritz findet Ihr hier. Ein Kurz-Porträt gibt es auf meinem Blog ebenfalls zu entdecken.