[Kolumne] WELTTAG DER BUCHHANDLUNGEN: …denn sie wissen, was sie tun!

In den verschiedensten Foren auf Social Media las ich schon recht oft Kritik am Buchhandel: Er sei zu verstaubt, zu elitär, nicht mehr zeitgemäß und wenig kundenorientiert. Zudem wurde das Personal als arrogant und herablassend gegenüber der Kundschaft empfunden. Viele der Kritiker*innen zogen es darum vor, ihre Lektüre in den einschlägigen Online-Shops zu bestellen, obwohl eine Buchhandlung in erreichbarer Nähe des Wohnortes vorhanden wäre.

Ich möchte diese Kritik keinesfalls abwerten. Im Gegenteil: Ich nehme sie sehr ernst und musste selbst durchaus schon Negatives erfahren. Wir hatten hier vor Ort vor einigen Jahren eine Buchhandlung mit einer Buchhändlerin, die mir mit Ihrem Verhalten und Auftreten immer das Gefühl vermittelte, ich wäre ein Kulturbanause, da ich „nur“ meine popeligen Krimis bei ihr kaufte und nicht mindestens Rilke, Storm oder Mann auf die Ladentheke gelegt habe. Ich glaube, für diese Person war Hemingway schon Trivial-Literatur.

Ich kann mich noch sehr gut an eine Begebenheit erinnern, die sich mir besonders eingeprägt hat: Es geschah zu einer Zeit, als das Internet noch nicht verbreitet war (Okay, ich weiß, dass es auch jetzt noch Regionen in unserem Land gibt, wo ein funktionierender Netz-Zugang einem 6er im Lotto gleichkommt.), und Buchhandlungen massiv-gebundene und kiloschwere Kataloge, in denen die momentan lieferbare Literatur verzeichnet war, vorhielten. Ich suchte damals zu einem bestimmten Thema die entsprechende Literatur und erhoffte mir in eben jener Buchhandlung bei eben jener Buchhändlerin Rat und Hilfe.

Ach, ich war ja so naiv!

Besagte Buchhändlerin hörte sich mein Anliegen an, und ihr Blick sprach Bände. Wortlos warf sie den Katalog auf den Tisch, schlug die Seite mit dem gewünschten Schlagwort auf und schob mir den Schinken über die Tischplatte zu. Jede*r, der in der Vergangenheit bereits einen Blick in besagten Katalog werfen durfte, weiß, dass es außer Titel, Autor*in, Verlag und ISB-Nummer keine weiteren Informationen zum Werk zu erfahren gab. Ich schaute überfordert auf diese nicht enden wollende Auflistung und stammelte hilflos „Aber wie erfahre ich denn, was drin steht?“. „Steht doch alles da!“ wurde ich angeranzt. Ich war über dieses unverschämte Verhalten weniger verärgert als vielmehr betroffen, da diese Buchhändlerin anscheinend gefangen war in ihrer intellektuellen Blase, ihr Potenzial nicht erkannte und somit auch nicht in der Lage war, es auszuschöpfen. Was habe ich getan? Ich habe mich freundlich lächelnd bedankt und diese besagte Buchhandlung verlassen, mich einer anderen Buchhandlung zugewandt, diese dann (nach einer eingehenden Prüfung) zur BUCHHANDLUNG MEINES VERTTRAUENS gekürt, und was soll ich Euch sagen:

Sie ist es bis heute!!!

Doch jede*r, die/der in einen Buchladen geht und diese oder eine ähnlich unangenehme Erfahrung machen musste, tut mir leid. Jede*r, die/der seitdem lieber einen großen Bogen um diese spezielle Buchhandlungen macht, hat mein Verständnis. Aber bitte verteufelt nicht alle Buchhandlungen. Zum Vergleich: Nur weil ihr bei einem bestimmten Frisör mit dem Ergebnis unzufrieden wart, lasst ihr euch eure Haar doch nicht wachsen, oder? Nein, ihr sucht euch einen Frisör, der zu euch passt. Und genau so ist es auch mit Buchhandlungen. Denn es gibt sie – die Buchhandlungen, die mit der Zeit gehen, interessante Aktionen starten und offen sind für neue Wege. Traut Euch bei nächster Gelegenheit wieder in eine kleine, inhabergeführte Buchhandlung hinein: Neues Spiel – neues Glück! Und vielleicht wird diese Buchhandlung dann die BUCHHANDLUNG EURES VERTTRAUENS. Ich würde es euch so sehr wünschen.

Nur was macht eine Buchhandlung zur BUCHHANDLUNG MEINES VERTTRAUENS? Es sind ganz viele Einzelteile, die dann das große mich überzeugende Ganze bilden.

Die BUCHHANDLUNG MEINES VERTTRAUENS…

  • …bietet div. Aktionen (Autor*innen-Lesungen, Exkursionen, Vorlesewettbewerb, Welttag des Buches, „einschließen lassen“, Bundesweiter Vorlesetag, Woche der unabhängigen Buchhandlungen, ungewöhnliche Werbe-Ideen) an, auf die ich per Mail-Newsletter hingewiesen werde,
  • …ist offen für neue Ideen (Lesen an ungewöhnlichen Orten, Kooperationen mit anderen Geschäften und Vereinen etc.),
  • …zeigt Internet-Präsenz (Homepage mit Shop, Facebook, Instagram, YouTube),
  • …sorgt für kulturelle Vielfalt in meiner Heimatstadt.

Aber neben diesen, eher formalen Gründen spielt für mich das Zwischenmenschliche eine immens wichtige Rolle. So sind meine Buchhändlerinnen und ich in der Zwischenzeit so vertraut miteinander, dass wir uns duzen und durchaus auch über Privates plaudern. Zudem machen sie mich regelmäßig darauf aufmerksam, wenn meine Lieblingsautor*innen wieder etwas Neues veröffentlicht haben, ohne dass ich sie darum gebeten habe – einfach weil sie wissen, was ich gerne lese (…und dafür benötigen sie noch nicht einmal einen Algorithmus). Auch bekomme ich unkomplizierte Unterstützung bei meinen Lesungen, indem sie den Kartenvorverkauf übernehmen und/oder mit einem Büchertisch vor Ort sind.

Aber der wichtigste Grund ist für mich, dass ich mich in ihrem Laden wohl fühle. Ich muss mich nicht verstellen und werde nicht anhand meiner Buchauswahl be- bzw. verurteilt. Zudem überraschen sie mich immer wieder mit außergewöhnlichen Büchern, die ich nicht gesucht habe, die mich aber dann dort finden.

All dies finde ich nicht im Netz, sondern im realen Leben in einem Laden vor Ort hier in meiner Heimatstadt, denn…

Bücher kauft man am Scharmbecker Bach, nicht am Amazonas.

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