[Glosse] Midlife Crisis: In the heat of the night!

Ihr Frauen habt es wahrlich gut: Ihr habt über Jahrzehnte die Möglichkeit, Eure Menstruation voll auszukosten! Wir Männer haben da im Vergleich nur einige wenige Jahre für unsere Midlife Crisis! Das ist doch ungerecht! Und: Wann setzt bei mir endlich MC (=Midlife Crisis) ein?

Wie ich wiederholt nicht müde wurde zu betonen, habe ich meinen 50. Geburtstag vor wenigen Wochen gefeiert. Bin ich somit nicht genau im richtigen Alter für MC? Moment! Ich glaube, da passiert was! Ich spüre, da kommt was auf mich zu! Wartet, gleich ist sie da: meine eigene, ganz persönliche MC! Es kann nicht mehr lange dauern. Sobald bei mir MC einsetzt, werde ich sie so hemmungslos wie möglich zelebrieren und voll und ganz auskosten. Mein ganzes Leben war geprägt von Anpassung und Unauffälligkeit: Das wird dann anders…!

Als erstes werde ich meinen Kleiderschrank ausmisten: Diese Klamotten passen durchaus zu einem Typen, der angepasst und unauffällig ist, aber doch nicht zu einem heißen Hengst mit MC. Ein neues Outfit muss her: Zum Polo-Shirt mit Krokodil-Stickerei werde ich lässig einen leichten Kashmir-Pulli über die Schultern werfen, meine dürren Beine durch ein Paar Chinos in grellen Farben verhüllen und barfuß in Segelschuhe schlüpfen.

Auf meiner Solarium gebräunten Haut schmiegt sich der protzige Goldschmuck. Das Sonnenlicht wird entweder durch die Highlights in meinem Haar oder durch die gebleachten Zähne reflektiert – je nachdem in welchem Winkel ich keck meinen Kopf neige.

Galt bisher bei mir eine gutgefüllte Bibliothek als Maß aller Dinge in Sachen „Statussymbol“, so werde ich nun meine schwindende Männlichkeit mit einem möglichst großen und lauten Auto kompensieren, den ich prinzipiell immer über zwei Parkplätze „kreativ“ parken werde. Alternativ käme auch ein werksneuer Sportwagen in die engere Wahl, aus dem ich – aufgrund meines Alters – zwar nicht mehr würdevoll ein- und aussteigen könnte, dafür schmückt ein blondes Jüngelchen dekorativ den Beifahrersitz: Interessenten können sich gerne unter Einsendung der gängigen Bewerbungsunterlagen bei mir vorstellen!

Apropos Jüngelchen: Kann ich beim Kauf eines neuen Models meinen Alten in Zahlung geben? Nein! Wie werde ich ihn denn dann los? Ach, ich setze ihn einfach auf den Deckel der Restmülltonne und schiebe diese zur Abholung an den Straßenrand. Oder gehört er eher in den Sonde- bzw. Biomüll? Über die Zusendung von praxisnahen und erprobten Tipps & Tricks wäre ich äußerst dankbar!

Da fällt mir ein: Auch ein neues Hobby muss her! Lesen käme für mich als favorisierte Freizeitbeschäftigung der ersten Wahl nicht mehr in Frage: Mit diesem profanen Zeitvertreib können sich Krethi und Plethi verlustieren. Für mich käme selbstverständlich nur eine Beschäftigung in die engere Wahl, bei der ich ein möglichst teures Equipment benötige oder ordentlich einen auf „dicke Hose“ machen kann, wie beim Segeln oder Golfen. Besser noch: Beides!

Moment, ich werde die Kosten meiner MC mal eben durchkalkulieren: Um oben genannte Veränderungen meines Lebensstils finanzieren zu können, müsste ich als examinierter Krankenpfleger bei einem tariflich festgesetzten Gehalt einhundertundvierkommasieben Stunden in der Woche arbeiten und das bis zu meinem letzten Atemzug…!

…!?…

…ich glaube, da verzichte ich doch lieber auf meine MC und warte stattdessen geduldig auf meinen MA (=Morbus Alzheimer): Den kann ich wahrlich billiger haben!

Jetzt gehe ich mal eben schnell an die Straße und helfe meinem Mann von der Mülltonne.

Auf Stimmenfang…

Nur noch wenige Tage und dann endet die Frist zur Nominierung zum Buchblog Award 2019…!

Also, ich möchte Dich nicht unter Druck setzen, aber JETZT wäre der geeignete Zeitpunkt, mir Deine Stimme zu geben…!

Also, natürlich erfolgt Deine Nominierung absolut freiwillig und gänzlich frei von Zwang, aber JETZT würde es doch gut passen, oder…?

Ich habe da mal am PC ein wenig gebastelt: Würde Dir ein fesches Wahlplakat bei Deiner Entscheidungsfindung helfen? Was meinst Du?

Wahlplakat Buchblog Award 2019.png

Oder sollte ich mich lieber unter einem Sonnenschirm auf den Marktplatz stellen, um Luftballons und Kugelschreiber unter das vorbeischlendernde Volk zu werfen – oder lieber Bücher von meinem SuB? Ich könnte es auch so einrichten, dass das vorbeischlendernde Volk direkt an meinem Wahlstand ihre Nominierung abgeben kann – völlig unproblematisch mit nur einem „Wisch“ über den eBook-Reader…!

Wie bitte? Was sagst Du? Das wäre Dir zu übertrieben aufwendig? Na, dann bleibt Dir wohl doch nur die Möglichkkeit, oben rechts auf den Button zu drücken…!

😉

 

Ich habe es gewagt,…

…mich selbst für den diesjährigen Buchblog Award zu nominieren. Ich habe gezögert – und mir lange und intensive Gedanken gemacht: „Kann ich mich wirklich selbst nominieren, oder wirkt es zu selbstgefällig?“, „Sollte ich nicht lieber abwarten, ob mich ein mir wohlgeneigter Mensch nominiert?“, „Aber wie würde ich mich fühlen, wenn mich niemand nominiert?“, „…und was sagt diese Tatsache über mich und meinen Buch-Blog aus?“, „…sagt es überhaupt etwas aus?“.

So kam ich zum Entschluss, sämtliche Verantwortung auf mich zu vereinen: Ich habe mich angemeldet! Ich trage die alleinige Schuld an einem Misserfolg!

Also flugs das Anmeldeformular aufgerufen und hurtig die Lücken gefüllt. Dann kam die Spalte „Begründung zur Nominierung“ sprich „Selbstbeweihräucherung“. Da stehe ich ja total drauf, mich selbst anzupreisen, wie „supi“ ich bin! Spontan brach meine ironische Ader hervor und wollte schreiben „…weil ich einfach der Geilste bin!“. Da mir bewusst ist, dass Ironie in der geschriebenen Form durchaus missverstanden werden könnte, habe ich mich für eine unverfänglichere Variante entschieden:

„Andreas Kück – LESELUST ist ein kleiner aber feiner Blog, der zum Lesen von guten Geschichten verführen möchte. Hier richtet er sein Augenmerk durchaus auf aktuelle Publikationen, aber auch die schönen Geschichten vergangener Monate und Jahre werden wiederentdeckt. Zudem werden die Leser*innen animiert, auch „Ausflüge“ in andere Regionen der Kultur zu unternehmen.“

…nun noch schnell auf „Nominierung absenden“ geklickt, und das Schicksal kann seinen Lauf nehmen!

So, nun werde ich ganz entspannt abwarten.

Wie viele Menschen wohl für mich stimmen werden? Naja, 101 Stimmen sind mir ja schon sicher, da ja alle meine Follower selbstverständlich für mich stimmen. Schließlich drücken sie mit ihrer Followerei ja aus, dass sie meinen Blog gut finden. Da werden sie ja sicher auch ihre Verbundenheit mit einer Stimmabgabe zum Ausdruck bringen. Und wenn sie es nicht tun??? Aber warum followern sie mich denn dann, wenn sie mir noch nicht mal ihre Stimme für einen Award geben würden? (Grübel!)

Ja, danke auch: Hätte ich mich bloß nicht selbst nominiert! Jetzt bin ich so überhaupt nicht mehr entspannt,…

…und Ihr seid schuld!

(Höre ich da etwa, wie Paul Watzlawick mit seinem berühmten Hammer gegen den Sargdeckel klopft?) 😉

Bin ich büchersüchtig…?

Gerade am 1. April stellte Blogger-Kollegin Reni Nürnberger auf ihrem Blog „RenisBooks“ sich und dem Rest der Welt die Frage Bin ich büchersüchtig?

Anfangs dachte ich an einen April-Scherz, doch je weiter ich in ihrem Beitrag las, umso faszinierender erschien mir diese Frage, und so musste auch ich sie mir stellen: Bin ich büchersüchtig?

Laut Renis Definition treffen von 5 Symptomen nur 2 auf mich zu (Puh! Glück gehabt!?). Warum habe ich trotzdem nicht das Gefühl, aus dem Schneider zu sein? Warum verspüre ich bei diesem Ergebnis nicht die erwartete Erleichterung?

Ich kann es mir nur so erklären: Ich möchte gerne, unbedingt, ohne schlechtes Gewissen und Angst vor den Nebenwirkungen mit Leib und Seele büchersüchtig sein!!!

Und ich bin es auch! Braucht Ihr Beweise? Ja! Hier kommen sie:

  1. Bücher sind für mich nicht nur irgentwelche Gegenstände: Ich brauche diese Droge als Unterstützung während einer schwierigen Lebensphase.
  2. Bücher werden gehegt und gepflegt: Meine Bücher sehen immer laden-neu aus und werden mind. 2x jährlich abgestaubt. Unreiner Stoff kommt mir nicht ins Haus!
  3. Bücher sind empfindlich: Kaffeebecher auf einem Buch abstellen? Geht gar nicht! Kontaminiertes Material schmälert meine Freude am Konsum!
  4. Wer – Bitteschön! – außer ein Büchersüchtiger macht sich die Mühe und fabriziert einen eigenen Buch-Blog? Es ist ja nicht so, dass es nicht ausreichend Buch-Blogs gibt und das www gerade auf meine geistigen Ergüsse gewartet hätte.

…und der fünfte und letzte Beweis:

  1. Ich bin charakterlich schon so abgestumpft und sittlich schon so sehr verroht, dass ich für sämtliche Rettungsversuche meines sozialen Umfelds absolut unempfänglich bin.

Im Gegenteil: Ich schreie es gerne in die Welt hinau…

„Ja, ich bin büchersüchtig! Und ich bin es mit Vergnügen!“

Jetzt habe ich mich so stark erregt, dass mir die Hände zittern. Oder ist es etwa doch ein Zeichen von Entzug? Dann brauche ich jetzt sofort ein neues Buch – oder lasst mich wenigstens an den Seiten eines neuen Buches schnuppern!

5 Gründe, warum man öfter zum Buch greifen sollte…

Mann - Buch - sexy.jpg

Blogger-Kollegin Daniela Kaufmann-Strässle von „read eat live“ hat einen wunderbaren, kurzweiligen Beitrag zu 5 Gründe, warum man öfter zum Buch greifen sollte verfasst, den ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Daniela ist der Meinung, dass das Lesen das Gehirn trainiert, sowohl den Wortschatz als auch den Horizont erweitert, Stress reduziert UND sexy macht!

Gerade der letzte Punkt lies mich aufhorchen: Daniela behauptet, dass Menschen, die sich mit einem Buch in der Öffentlichkeit zeigen, attraktiver und begehrenswerter erscheinen. Dabei kommt es aber sicher auch auf den Titel des Buches an. Was kann man da alles verkehrt machen! Ich finde, da sollte es eine „dos and don’ts“ -Liste geben,…

…und doch lässt der letzte Punkt hoffen, dass jeder – und zwar ausnahmslos – mit dem richtigen Buch viel sexyer wirkt. Hier der Beweis:

Donald ohne Buch
Donald T. aus W. ohne Buch
Donald mit Buch.jpg
Donald T. aus W. mit Buch

Die positive Veränderung ist verblüffend, oder?

[Rezension] Ralf Butschkow – Wir gehen in die Buchhandlung

Sofie ist traurig! Sie hat sich so sehr auf ihr neues Regal gefreut, doch ihr Vater ist außerstande ihr diesen kleinen Wunsch zu erfüllen. Zu groß ist für ihn die Anstrengung und zu schwer scheint für ihn diese Aufgabe, ein Regal an der Wand zu befestigen. Sofie ist verzweifelt: Was kann sie nur tun, um sich aus dieser prekären Situation zu befreien? Nur in der Buchhandlung ihres Vertrauens „die schatulle“ findet sie ein offenes Ohr für ihre Nöte: Die Buchhändlerin Frau Gartmann weiß genau, was ihr fehlt – ein Buch! Es ist nicht irgendein Buch. – Nein! – Dieses Buch hilft Sophies Mutter sich aus der erdrückenden Dominanz ihres Versager-Ehemanns zu lösen und aus eigener Kraft das Regal an die Wand zu dübeln…!

Dem Autor ist hier ein Standard-Werk der Kinderliteratur gelungen: Schonungslos werden die Sorgen der heutigen Kindergeneration thematisiert – Themen wie Verlust,  Enttäuschung und Zukunftsängste. Zu alledem kommt eine sozialkritische Brisanz: Sophie erfährt, dass die Buchhändlerin ein Seniorenpflegeheim mit Büchern versorgt, um den dort von ihren Angehörigen abgeschobenen Senioren ein wenig Freude in ihren öden Alltag zu bringen. So lernen die Kinder schon früh zu erkennen, dass auf dieser Welt kein Platz ist für Phantastereien, unbekümmertes Spiel und kindlicher Freude. Für alle Zweifler gibt es bestimmt das passende Buch…!

Dieses Werk steht völlig zu Recht auf der SPIEGEL Bestseller-Liste und wurde für den Deutschen Buchpreis nominiert. Das Kultusministerium für Niedersachsen hat per Dekret angeordnet, dass dieses Werk nun Pflichtlektüre an allen Schulen wird.

Endlich ein Lichtblick im kinderliterarischen Einerlei…!!!

erschienen bei pixi (Carlsen)/ ISBN: 978-3551685759

Ich danke dem Verlag herzlich für das nicht zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Ihr Lieben! Die Buchhandlung meines Vertrauens hat nun ein eigenes pixi-Buch (Wie geil ist das denn?!), und ich konnte mir den kleinen Spaß nicht verkneifen, zu diesem entzückenden und gänzlich harmlosen Büchlein eine deprimierende Rezension zu verfassen. Wobei ich den Inhalt absolut wahrheitsgetreu wiedergegeben habe: Schließlich ist es ja alles nur eine Frage der Interpretation! Nicht wahr? 😉 Herzliche Grüße…!

[Glosse] Gute Vorsätze…

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Eine entfernte Bekannte sitzt mir im Café gegenüber: „Na? Irgendwelche guten Vorsätze fürs Neue Jahr?“ fragt sie und blickt absolut un-verstohlen auf meinen Bauch, und mir wird wieder bewusst, warum sie eine entfernte Bekannte ist und bleibt: Immer wenn ich sie sehe, spüre ich diesen Drang, mich zu entfernen!

In diesem Fall war es mir leider nicht mehr möglich: Ich saß schon an einem Tisch, schlürfte meinen Kaffee, hatte das Stück Frankfurter Kranz angeknabbert und war in einer Illustrierten vertieft. Als sie plötzlich vor mir stand und wie selbstverständlich den Platz an meinem Tisch für sich einnahm, war es für meine Flucht schon zu spät.

„Fährst Du eigentlich immer noch diesen kleinen Nissan Micra? Erstaunlich, dass Du da reinpasst!“ Ich überlege, ob bei den Toiletten auch der Hinterausgang zu finden ist, unterdrücke aber den Fluchtimpuls und zucke nur leicht mit den Schultern: „Raum ist in der kleinsten Hütte!“ murmle ich. „Also ich ernähre mich jetzt absolut probiotisch mit Chia-Samen“, plappert sie und blickt verächtlich auf meinen Teller „Schon die alten Inkas wussten von deren Wirkung zur Entgiftung und Entschlackung des Körpers. Hach! Du glaubst nicht, welche Wunder diese kleinen Samen schon bei mir vollbracht haben. Guck mal! Habe ich nicht toll abgenommen?“ „Eindeutig!“ sage ich. „Vor allem am Gehirn!“ denke ich.

„Warum machst Du eigentlich keinen Sport?“ Uih, heute fährt sie aber alle Geschütze auf.  „Also ich gehe ja mindestens 4x in der Woche ins Studio: bodyattack, shape up, slim step und strong by zumba – in den Pausen zwischen den Kursen dann noch Fitness- und Cardiotraining“, schwafelt sie selbstverliebt „Wenn ich das nicht mache, würde mir etwas fehlen“. Spontan muss ich wieder an ihr Gehirn denken!

Woher nehmen „dünne“ Menschen sich das Recht heraus, über „dicke“ Menschen ein Urteil zu fällen?

Ich nehme einen großen Schluck Kaffee zu mir, bevor ich zum Vergeltungsschlag aushole. „Oh, ich bewundere Dich so“, sage ich mit allem mir zur Verfügung stehendem Ernst „dass Du das alles machst und schaffst!“ Sie lächelt geschmeichelt! „Aber ich könnte das nicht“, spreche ich weiter „da der Trainer mir das nie erlauben würde!“ Sie verschluckt sich an ihrem Mocha Light Blended Beverage Frappuccino. „Welcher Trainer?“ fragt sie und wischt sich mit der Serviette Milchschaum von der Bluse.

Mein Trainer!“ sage ich betont beiläufig. Dann reiße ich die Augen auf und spiele gekonnt Erstaunen: „Ach, das weißt Du ja noch gar nicht! Wir haben uns aber auch eine Ewigkeit nicht gesehen (weil ich mich immer rechtzeitig entfernen konnte).“ Ich führe nochmals meinen Becher zum Mund, bevor ich ihr den Todesstoß versetze. „Seit einem ¾-Jahr habe ich 3x die Woche Training im Ringen!“

„Ringen?!“ ruft sie fassungslos so laut, dass die anwesenden Gäste empört zu ihr herüber sehen. Ich nicke: „Ja! Ringen! Hach! Du glaubst nicht, welche Wunder dieser Sport schon bei mir vollbracht hat. Guck mal! Habe ich nicht toll zugenommen? Es ist eine so wunderbare Sportart, die geprägt ist durch Respekt, Loyalität und Rücksichtnahme. Wenn ich das nicht mache, würde mir etwas fehlen!“

Nun gebe ich ihr den Rest: „Bei meiner Größe und in meiner Gewichtsklasse darf ich absolut kein Gramm Körpergewicht verlieren. Im Gegenteil! Laut Anweisung von meinem Trainer soll ich möglichst viel Masse aufbauen. Und dabei mag ich dieses ganze süße Zeug überhaupt nicht!“ sage ich und blicke leicht angeekelt auf die kläglichen Reste vom Frankfurter Kranz. Dann zucke ich scheinbar hilflos mit den Schultern. „Aber was soll ich machen? Anweisung vom Trainer!“ Als ich tief Luft hole, um ihr die verschiedenen Grifftechniken beim Ringen zu erklären, hat sie es plötzlich sehr eilig („Ganz vergessen… Termin! Plötzlich eingefallen…!“).

Schade! Ich hätte ihr gerne noch die Unterschiede zwischen dem griechisch-römischen Ringen und dem Freistilringen erläutert. Naja, vielleicht beim nächsten Mal…! Es sei denn, sie schafft es, sich rechtzeitig zu entfernen!!!

[Glosse] Es klingelt an der Tür…

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„Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig. Lass` mich nicht so lange steh’n, denn ich muss noch weiter geh’n.“

Mehrere Kinderstimmen leiern die Strophen lieblos runter. Noch bevor der letzte Ton verklungen ist, werden die mitgebrachten Plastiktüten fordernd vorgestreckt.

„Daaas habt ihr aber toooll gemacht!“ jubelt die Verkäuferin und versenkt Süßes in die Tüten der Kinder. Die drehen sich ohne Dank oder Gruß um und verschwinden im Gedränge der Fußgängerzone auf der Suche nach ihren nächsten Opfern. Ein wenig erinnert mich diese Vorgehensweise an Mafia-Methoden, und ich möchte laut aufschreien „Nein! Das habt ihr eben NICHT toll gemacht!“ und für „nicht toll gemacht“ gibt es auch keine Süßigkeiten! Gebt Euch Mühe, dann gibt es den gerechten Lohn! Wie sollen die Gören von heute das sonst lernen? Was soll nur aus den heutigen Kindern werden? Youtuber? Influencer? Beauty-Blogger?

Wo sind die Zeiten geblieben, in denen Kinder mit kreativ-bemalten Gesichtern, selbstgebastelten Kronen und selbstgenähten Jutebeutel von Haus zu Haus gingen und mehrstimmig bei Blockflötenbegleitung 3-5 Weihnachtslieder vortrugen, dann mit dankbarem Blick kauintensive Pfeffernüsse, natürlich gealterte Äpfel aus dem eigenen Garten oder die Vorjahres-Kekse von Oma Hanni in Empfang nahmen. Aus Dankbarkeit/ als Zugabe/ zum Abschied gaben sie noch ein Medley der schönsten Weihnachtslieder zum Besten! Das rührte mein Herz: Da gab ich doch mit Freude gerne und vorallem reichlich!

Doch heutzutage…!!!

So, Schluss damit! Ich mache diesen Wahnsinn so nicht mehr mit! Bei mir gibt es für Nix nichts Süßes mehr.

Ich starte eine radikale Gegenoffensive: Ich habe noch eine alte Ausgabe der Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Die werde ich Band für Band an die vorstelligen Gören verteilen. Da schlage ich gleich 3 Fliegen mit einer Klappe: 1). Bei mir steht die Enzyklopädie nur im Weg und verstaubt. 2). Ich tue etwas für die Bildung der Blagen: Vielleicht lernen sie dann endlich, korrekte Sätze auf facebook zu posten. 3). Dank Handy und Vernetzung klingeln spätestens nach dem 10. verteilten Band keine Kinder mehr an meiner Tür!

Die restlichen Bände der Brockhaus Enzyklopädie schenke ich dem unsympathischen Nachbarsjungen: Er feiert im Mai nächsten Jahres seine Konfirmation!

Alles Gute zum Nikolaus!

[Glosse] Sommerzeit vs. Winterzeit…

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Ich war damals dabei!

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich kenne noch eine Welt ohne „Uhren umstellen“. Und mit „Uhren umstellen“ meine ich nicht, den Wecker mal auf die andere Seite des Bettes platzieren. Ich habe da schon gelebt: In einem weit entfernten Land – vor langer, langer Zeit – als noch nicht 2x im Jahr der hauseigene Pilgergang zu den Zeigerträgern stattfand! (Ohje, so alt bin ich schon!)

Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich das noch erleben darf – in meinem hohen Alter! (theatralisch seufzen/ Träne aus der Drüse drücken)

Das „Uhren umstellen“ scheint bald passé – Okay! Okay! – noch nicht in diesem Jahr…

…naja! – vielleicht auch noch nicht im nächsten Jahr! Aber bald soll es geschehen: „Bald“ ist so ein schönes Wort – so dehnbar und flexibel!

Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, wären die Uhren heute ein letztes Mal auf Winterzeit gesprungen. Doch ganz so schnell, wie Kommissionschef Jean-Claude Juncker es sich wünschte, konnten (oder wollten) die EU-Länder nicht reagieren. In den meisten EU-Ländern ist noch nicht einmal geklärt, ob sie für oder gegen eine Zeitumstellung stimmen, und welche Zeit sie dann für ihr Land präferieren – dauerhafte „Summertime“ oder ewige „Temps d`  Hiver“. („Temps d`  Hiver“ klingt schon so nach „frieren“!)

Falls es jemanden interessiert: Ich persönlich favorisiere als Wintertyp eindeutig die Sommerzeit. (Widerspruch? Ach was!)

An diesem Wochenende war es wieder soweit: In der letzten Nacht wurden in den bundesrepublikanischen Haushalten die Uhren auf Winterzeit gestellt. Außer in meinem Haushalt – mir steht diese Tortur noch bevor. Aber was nützt das Klagen – frisch ans Werk!

Noch mal eben die Ausrüstung checken: Frischhaltedose mit Butterbrot und Apfelspalten ✔️, Thermoskanne mit Kaffee ✔️, festes Schuhwerk ✔️, survival kit ✔️, Ersatzbatterien in den gängigen Größen ✔️, …

…mein Pilgergang kann nach Beendigung dieser Zeile beginnen. Also: Jetzt!

Wünscht mir Glück!

Wie war das jetzt nochmal? Muss ich die Uhren nun vor- oder zurückstellen? Ich konnte mir das noch nie merken. Naja, in meinem hohen Alter sei es mir verziehen!

[Glosse] Als David Hasselhoff das Land wiedervereinte…

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Auch wenn die Mauer am Silvester-Abend 1989 schon wackelte, so hat allein ein einziger Mann sie endgültig zum Einsturz gebracht: David Hasselhoff

Den von ihm ausgesandten Schallwellen seiner Hymne „Looking für Freedom“ in Kombination mit den aggressiven Lichtwellen seiner Glühlämpchen-Jacke konnte dieses marode, kommunistische Bauwerk nicht dauerhaft standhalten. Darum verdient er unser aller Respekt: Der Mann hat GROSSES geleistet! Nur wegen ihm kam es zur Wiedervereinigung! Nur wegen ihm jährt sich dieser Tag heute zum 28. Mal!

Er selbst bezeichnet sich stets eher als introvertiert und bestreitet bis heute sein Beteiligung an diesem geschichtlichen Ereignis: Ein wahrer Held, der – nach einer knallharten, kompromisslosen Ausbildung zum Ritterreiter und Buchtbeobachter – stets bescheiden im Hintergrund agierte.

Diese Bescheidenheit blieb auch auf dem internationalen, politischen Parkett nicht unbemerkt: So hauchte auf ihrer Flucht nach Südamerika sogar Margot ihrem Erich ergriffen ins Ohr „Eif bien loking vor friedäm!“ und fühlte sich in diesem Moment ihren geflohenen Landsleuten so nah, wie nie zuvor!

Danke, David!