[Glosse] Gute Vorsätze…

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Eine entfernte Bekannte sitzt mir im Café gegenüber: „Na? Irgendwelche guten Vorsätze fürs Neue Jahr?“ fragt sie und blickt absolut un-verstohlen auf meinen Bauch, und mir wird wieder bewusst, warum sie eine entfernte Bekannte ist und bleibt: Immer wenn ich sie sehe, spüre ich diesen Drang, mich zu entfernen!

In diesem Fall war es mir leider nicht mehr möglich: Ich saß schon an einem Tisch, schlürfte meinen Kaffee, hatte das Stück Frankfurter Kranz angeknabbert und war in einer Illustrierten vertieft. Als sie plötzlich vor mir stand und wie selbstverständlich den Platz an meinem Tisch für sich einnahm, war es für meine Flucht schon zu spät.

„Fährst Du eigentlich immer noch diesen kleinen Nissan Micra? Erstaunlich, dass Du da reinpasst!“ Ich überlege, ob bei den Toiletten auch der Hinterausgang zu finden ist, unterdrücke aber den Fluchtimpuls und zucke nur leicht mit den Schultern: „Raum ist in der kleinsten Hütte!“ murmle ich. „Also ich ernähre mich jetzt absolut probiotisch mit Chia-Samen“, plappert sie und blickt verächtlich auf meinen Teller „Schon die alten Inkas wussten von deren Wirkung zur Entgiftung und Entschlackung des Körpers. Hach! Du glaubst nicht, welche Wunder diese kleinen Samen schon bei mir vollbracht haben. Guck mal! Habe ich nicht toll abgenommen?“ „Eindeutig!“ sage ich. „Vor allem am Gehirn!“ denke ich.

„Warum machst Du eigentlich keinen Sport?“ Uih, heute fährt sie aber alle Geschütze auf.  „Also ich gehe ja mindestens 4x in der Woche ins Studio: bodyattack, shape up, slim step und strong by zumba – in den Pausen zwischen den Kursen dann noch Fitness- und Cardiotraining“, schwafelt sie selbstverliebt „Wenn ich das nicht mache, würde mir etwas fehlen“. Spontan muss ich wieder an ihr Gehirn denken!

Woher nehmen „dünne“ Menschen sich das Recht heraus, über „dicke“ Menschen ein Urteil zu fällen?

Ich nehme einen großen Schluck Kaffee zu mir, bevor ich zum Vergeltungsschlag aushole. „Oh, ich bewundere Dich so“, sage ich mit allem mir zur Verfügung stehendem Ernst „dass Du das alles machst und schaffst!“ Sie lächelt geschmeichelt! „Aber ich könnte das nicht“, spreche ich weiter „da der Trainer mir das nie erlauben würde!“ Sie verschluckt sich an ihrem Mocha Light Blended Beverage Frappuccino. „Welcher Trainer?“ fragt sie und wischt sich mit der Serviette Milchschaum von der Bluse.

Mein Trainer!“ sage ich betont beiläufig. Dann reiße ich die Augen auf und spiele gekonnt Erstaunen: „Ach, das weißt Du ja noch gar nicht! Wir haben uns aber auch eine Ewigkeit nicht gesehen (weil ich mich immer rechtzeitig entfernen konnte).“ Ich führe nochmals meinen Becher zum Mund, bevor ich ihr den Todesstoß versetze. „Seit einem ¾-Jahr habe ich 3x die Woche Training im Ringen!“

„Ringen?!“ ruft sie fassungslos so laut, dass die anwesenden Gäste empört zu ihr herüber sehen. Ich nicke: „Ja! Ringen! Hach! Du glaubst nicht, welche Wunder dieser Sport schon bei mir vollbracht hat. Guck mal! Habe ich nicht toll zugenommen? Es ist eine so wunderbare Sportart, die geprägt ist durch Respekt, Loyalität und Rücksichtnahme. Wenn ich das nicht mache, würde mir etwas fehlen!“

Nun gebe ich ihr den Rest: „Bei meiner Größe und in meiner Gewichtsklasse darf ich absolut kein Gramm Körpergewicht verlieren. Im Gegenteil! Laut Anweisung von meinem Trainer soll ich möglichst viel Masse aufbauen. Und dabei mag ich dieses ganze süße Zeug überhaupt nicht!“ sage ich und blicke leicht angeekelt auf die kläglichen Reste vom Frankfurter Kranz. Dann zucke ich scheinbar hilflos mit den Schultern. „Aber was soll ich machen? Anweisung vom Trainer!“ Als ich tief Luft hole, um ihr die verschiedenen Grifftechniken beim Ringen zu erklären, hat sie es plötzlich sehr eilig („Ganz vergessen… Termin! Plötzlich eingefallen…!“).

Schade! Ich hätte ihr gerne noch die Unterschiede zwischen dem griechisch-römischen Ringen und dem Freistilringen erläutert. Naja, vielleicht beim nächsten Mal…! Es sei denn, sie schafft es, sich rechtzeitig zu entfernen!!!

[Glosse] Es klingelt an der Tür…

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„Ich bin ein kleiner König, gib mir nicht zu wenig. Lass` mich nicht so lange steh’n, denn ich muss noch weiter geh’n.“

Mehrere Kinderstimmen leiern die Strophen lieblos runter. Noch bevor der letzte Ton verklungen ist, werden die mitgebrachten Plastiktüten fordernd vorgestreckt.

„Daaas habt ihr aber toooll gemacht!“ jubelt die Verkäuferin und versenkt Süßes in die Tüten der Kinder. Die drehen sich ohne Dank oder Gruß um und verschwinden im Gedränge der Fußgängerzone auf der Suche nach ihren nächsten Opfern. Ein wenig erinnert mich diese Vorgehensweise an Mafia-Methoden, und ich möchte laut aufschreien „Nein! Das habt ihr eben NICHT toll gemacht!“ und für „nicht toll gemacht“ gibt es auch keine Süßigkeiten! Gebt Euch Mühe, dann gibt es den gerechten Lohn! Wie sollen die Gören von heute das sonst lernen? Was soll nur aus den heutigen Kindern werden? Youtuber? Influencer? Beauty-Blogger?

Wo sind die Zeiten geblieben, in denen Kinder mit kreativ-bemalten Gesichtern, selbstgebastelten Kronen und selbstgenähten Jutebeutel von Haus zu Haus gingen und mehrstimmig bei Blockflötenbegleitung 3-5 Weihnachtslieder vortrugen, dann mit dankbarem Blick kauintensive Pfeffernüsse, natürlich gealterte Äpfel aus dem eigenen Garten oder die Vorjahres-Kekse von Oma Hanni in Empfang nahmen. Aus Dankbarkeit/ als Zugabe/ zum Abschied gaben sie noch ein Medley der schönsten Weihnachtslieder zum Besten! Das rührte mein Herz: Da gab ich doch mit Freude gerne und vorallem reichlich!

Doch heutzutage…!!!

So, Schluss damit! Ich mache diesen Wahnsinn so nicht mehr mit! Bei mir gibt es für Nix nichts Süßes mehr.

Ich starte eine radikale Gegenoffensive: Ich habe noch eine alte Ausgabe der Brockhaus Enzyklopädie in 24 Bänden. Die werde ich Band für Band an die vorstelligen Gören verteilen. Da schlage ich gleich 3 Fliegen mit einer Klappe: 1). Bei mir steht die Enzyklopädie nur im Weg und verstaubt. 2). Ich tue etwas für die Bildung der Blagen: Vielleicht lernen sie dann endlich, korrekte Sätze auf facebook zu posten. 3). Dank Handy und Vernetzung klingeln spätestens nach dem 10. verteilten Band keine Kinder mehr an meiner Tür!

Die restlichen Bände der Brockhaus Enzyklopädie schenke ich dem unsympathischen Nachbarsjungen: Er feiert im Mai nächsten Jahres seine Konfirmation!

Alles Gute zum Nikolaus!

[Glosse] Sommerzeit vs. Winterzeit…

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Ich war damals dabei!

Ich kann mit Fug und Recht behaupten, ich kenne noch eine Welt ohne „Uhren umstellen“. Und mit „Uhren umstellen“ meine ich nicht, den Wecker mal auf die andere Seite des Bettes platzieren. Ich habe da schon gelebt: In einem weit entfernten Land – vor langer, langer Zeit – als noch nicht 2x im Jahr der hauseigene Pilgergang zu den Zeigerträgern stattfand! (Ohje, so alt bin ich schon!)

Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich das noch erleben darf – in meinem hohen Alter! (theatralisch seufzen/ Träne aus der Drüse drücken)

Das „Uhren umstellen“ scheint bald passé – Okay! Okay! – noch nicht in diesem Jahr…

…naja! – vielleicht auch noch nicht im nächsten Jahr! Aber bald soll es geschehen: „Bald“ ist so ein schönes Wort – so dehnbar und flexibel!

Geht es nach dem Willen der EU-Kommission, wären die Uhren heute ein letztes Mal auf Winterzeit gesprungen. Doch ganz so schnell, wie Kommissionschef Jean-Claude Juncker es sich wünschte, konnten (oder wollten) die EU-Länder nicht reagieren. In den meisten EU-Ländern ist noch nicht einmal geklärt, ob sie für oder gegen eine Zeitumstellung stimmen, und welche Zeit sie dann für ihr Land präferieren – dauerhafte „Summertime“ oder ewige „Temps d`  Hiver“. („Temps d`  Hiver“ klingt schon so nach „frieren“!)

Falls es jemanden interessiert: Ich persönlich favorisiere als Wintertyp eindeutig die Sommerzeit. (Widerspruch? Ach was!)

An diesem Wochenende war es wieder soweit: In der letzten Nacht wurden in den bundesrepublikanischen Haushalten die Uhren auf Winterzeit gestellt. Außer in meinem Haushalt – mir steht diese Tortur noch bevor. Aber was nützt das Klagen – frisch ans Werk!

Noch mal eben die Ausrüstung checken: Frischhaltedose mit Butterbrot und Apfelspalten ✔️, Thermoskanne mit Kaffee ✔️, festes Schuhwerk ✔️, survival kit ✔️, Ersatzbatterien in den gängigen Größen ✔️, …

…mein Pilgergang kann nach Beendigung dieser Zeile beginnen. Also: Jetzt!

Wünscht mir Glück!

Wie war das jetzt nochmal? Muss ich die Uhren nun vor- oder zurückstellen? Ich konnte mir das noch nie merken. Naja, in meinem hohen Alter sei es mir verziehen!

[Glosse] Als David Hasselhoff das Land wiedervereinte…

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Auch wenn die Mauer am Silvester-Abend 1989 schon wackelte, so hat allein ein einziger Mann sie endgültig zum Einsturz gebracht: David Hasselhoff

Den von ihm ausgesandten Schallwellen seiner Hymne „Looking für Freedom“ in Kombination mit den aggressiven Lichtwellen seiner Glühlämpchen-Jacke konnte dieses marode, kommunistische Bauwerk nicht dauerhaft standhalten. Darum verdient er unser aller Respekt: Der Mann hat GROSSES geleistet! Nur wegen ihm kam es zur Wiedervereinigung! Nur wegen ihm jährt sich dieser Tag heute zum 28. Mal!

Er selbst bezeichnet sich stets eher als introvertiert und bestreitet bis heute sein Beteiligung an diesem geschichtlichen Ereignis: Ein wahrer Held, der – nach einer knallharten, kompromisslosen Ausbildung zum Ritterreiter und Buchtbeobachter – stets bescheiden im Hintergrund agierte.

Diese Bescheidenheit blieb auch auf dem internationalen, politischen Parkett nicht unbemerkt: So hauchte auf ihrer Flucht nach Südamerika sogar Margot ihrem Erich ergriffen ins Ohr „Eif bien loking vor friedäm!“ und fühlte sich in diesem Moment ihren geflohenen Landsleuten so nah, wie nie zuvor!

Danke, David!