[Komödie] Karl Bunje – UP DÜVELS SCHUVKAR / Niederdeutsche Bühne Waterkant

Komödie von Karl Bunje

Premiere: 28. Januar 2023 / besuchte Vorstellung: 1. Februar 2023

Niederdeutsche Bühne Waterkant / Kleines Haus am Stadttheater Bremerhaven


Inszenierung: Martin Kemner
Bühne: Mathias Betyna
Kostüme: Viola Schütze

Bei der Niederdeutschen Bühne Waterkant stehen – wie übrigens auch bei meiner Heimatbühne Scharmbecker Speeldeel oder (wie sie seit einigen Jahren heißt) TiO – Theater in OHZ – ambitionierte Amateure auf der Bühne, die mit viel Enthusiasmus in ihrer Freizeit dafür sorgen, dass die niederdeutsche Sprache gepflegt wird. Dabei können sie in vielfacher Form die Hilfe von Profis in Anspruch nehmen: So bietet der gemeinsame Dachverband, der Niederdeutsche Bühnenbund, etliche Fortbildungen zu unterschiedlichen Schwerpunkten wie Bühnenbau, Beleuchtung oder Schauspielerei an, an denen die Mitglieder der angeschlossenen Bühnen teilnehmen können. Viele Bühnen engagieren zur Realisation eines Stückes durchaus auch professionelle Regisseur*innen und profitieren von deren Expertise. Trotzdem stehen hier immer noch Abend für Abend, Vorstellung für Vorstellung Amateure auf der Bühne, die neben Familie, Arbeit und/oder Studium sich diesem Hobby mit Elan widmen. All dies habe ich selbstverständlich in meiner Beurteilung einfließen lassen.


Profi-Regisseur Martin Kemner bringt eine solide, doch wenig inspirierende Inszenierung auf die Bretter. Leider versäumte er es, einige typische Fehler, die bei Laienspielern gerne mal auftauchen, auszumerzen: Da steht jemand in der Mitte der Bühne und ruft nach einer Person, die sich hinter der Bühne befindet, die nicht nur sofort auf diesen Ruf antwortet sondern sogar binnen Sekunden hinter einer der Bühnentüren erscheint. Sehr unglaubwürdig! Oder es wird auf die Reaktion eines Mitspielers reagiert, obwohl dieser nicht angesehen wurde. Sehr unglaubwürdig! Mir wurde damals eingebläut, dass eine Reaktion immer begründet sein muss. Der Leitspruch lautete „sehen, analysieren, reagieren“. Hier wäre der helfend-unterstützende Einfluss des Profis vonnöten gewesen.

Das Bühnenbild von Profi Mathias Betyna ist in seiner Kargheit rein zweckmäßig: Nur das Nötigste steht auf der Bühne. Dekorierenden Firlefanz, der für eine zeittypische Atmosphäre sorgen könnte, sucht der Zuschauer vergebens. Ein Lichtblick sind die ansprechenden Kostüme von Viola Schütze, die genau auf jeden Charakter abgestimmt wurden.

Das Ensemble setzt sich aus erfahrenen Platt-Snackern und jungen Frischlingen, denen das Platt weniger geschmeidig über die Zunge kommt, zusammen. Aber nur so kann es funktionieren, dass die plattdeutsche Sprache weiterlebt: Die Jungen lernen von den Alten. Carsten Lappöhn gibt einen plietschen Jan Spin, der es faustdick hinter den Ohren hat. Ein ebenbürtiges Gegenüber findet Lappöhn in Brigitte Grahn, die Taline handfest und herzensgut Leben einhaucht. Heiko Herkens ist bei Sebastian Frese eher der pragmatische Kerl, der ganz auf seine Stellung als Jungbauer setzt und beinah erstaunt feststellt, dass weniger sein Imponiergehabe als vielmehr ein respektvoller Umgang miteinander die gewünschte Wirkung zeigt. Respekt ist genau das, was Marie stets den Menschen in ihrer Umgebung entgegenbringt: Sophia Oetjen porträtiert das Flüchtlingsmädchen als charakterfeste junge Frau mit klaren Prinzipien. Verena Hoechst schafft in ihrer gelungenen Darstellung der Helga das Kunststück, dass das Publikum diesem Flittchen alles Schlechte wünscht. Das Gegenteil wünscht man ihrem Bühnenpapa Fied, dem Wolfgang Wellbrock seine stattliche Figur leiht und mit komödiantischen Attitüden ausstattet.

Alles in allem ist dies – trotz des einen oder anderen Wermuttropfens – eine unterhaltsame und kurzweilige Inszenierung dieses Komödien-Klassikers!


Als ich im Jahr 1991 mit jugendlichen 21 Jahren zum ersten Mal in einem plattdeutschen Schwank mitspielte, gab mir der damalige Bühnenleiter Klaus Fürst, ein erfahrener Theater-Mann, einen guten Rat bzgl. der Rollengestaltung in plattdeutschen Komödien. Er sagte zu mir Weißt Du, Andreas, in den plattdeutschen Schwänken dürfen die Alten alle einen Vogel haben. Doch das junge Paar darf keinen haben. Das junge Paar muss frisch, natürlich und adrett sein – selbstverständlich mit der obligatorischen Kuss-Szene, damit sich die älteren Herrschaften im Publikum an die eigene Jugend erinnern und denken „Hach, wie war das schön!“. Und an dieser Devise habe ich mich gehalten,…

…dann hob sich heute vor genau 27 Jahren der Vorhang in der großen Scheune auf Gut Sandbeck in Osterholz-Scharmbeck zur Premiere von Karl Bunjes Komödien-Klassiker UP DÜVELS SCHUVKAR mit mir in der Rolle des Jungbauern Heiko Herkens. Ich denke sehr gerne an diese Rolle zurück, die gleichzeitig wunderschön aber auch durchaus herausfordernd war. Denn hier konnte ich mich nur bedingt an den Rat von Klaus Fürst halten. Die Hintergründe: Das Stück spielt im Jahre 1946. Der zweite Weltkrieg war gerade vorbei. Die Bevölkerung ist vom Krieg gezeichnet und leidet unter den Entbehrungen der Nachkriegszeit. Jede*r hatte Dinge erlebt oder gesehen, die prägend waren.

In einer Komödie, die zu einer solchen Zeit spielt, konnte auch ein junges Paar nicht „nur“ frisch, natürlich und adrett sein. Wie alle im Stück auftretenden Charaktere ist auch Heiko Herkens von seinen Erlebnissen im Krieg beeinflusst, und trotz aller Dramatik und aller Schwere handelt es sich bei diesem Stück immer noch um eine Komödie. Und so bemühte ich mich in meiner Rollengestaltung um den Spagat zwischen ekeligen Kotzbrocken und liebenswerten Kerl, denn hinter der aufbrausenden Fassade wollte ich immer noch den sympathischen jungen Mann durchschimmern lassen. Schließlich sollte es ja glaubhaft über die Rampe kommen, warum Taline und Jan ihm zur Seite stehen, Helga sich in ihn verguckt und Marie sich sogar in ihn verliebt. Ein durchaus ambivalenter Charakter, dessen Verkörperung gerade darum wunderschön und herausfordernd war. Ich habe diese Rolle geliebt!


Es gibt für Euch noch bis Anfang April etliche Gelegenheiten, um bei der Niederdeutschen Bühne Waterkant UP DÜVELS SCHUVKAR aufzuspringen.

Fotoshooting für das Stadttheater Bremerhaven: „Ich habe heute leider kein Foto für dich!“

„Mir doch egal, ich habe eigene!“

Wie es dazu kam, möchtet ihr nun erfahren? Das kann ich euch gerne verraten! Anfang Mai des vergangenen Jahres traf via Mail folgende Nachricht bei mir ein…

Lieber Herr Kück,

wie Sie wissen, sind wir sehr dankbar für Ihr Engagement und Ihre Treue zum Stadttheater. Deswegen dachten wir bei der Planung unserer neuen Außenwerbung auch als Erstes an Sie: Für unsere neue Abokampagne wollen wir unsere Zuschauer:innen bei uns im Saal zeigen, mit einem kleinen humorvollen Bruch im Bild. Eines der Motive soll eine berufstätige Person sein, die im Stadttheater Inspiration findet und den Alltag hinter sich lässt.

Dabei dachten wir an Sie! Haben Sie Lust sich dafür im Stadttheater professionell fotografieren zu lassen? Die Kampagne wird an Plakatwänden in der Stadt und online zu sehen sein.

Wir freuen uns sehr von Ihnen zu hören.
Liebe Grüße aus dem Stadttheater

Na, selbstverständlich hatte ich Lust: So machte ich mich – nachdem einige weitere Mails hin und her gegangen waren und bei einem erhellenden Telefonat auch meine letzten Fragen beantwortet wurden – am 1. Juni auf den Weg nach Bremerhaven zum dortigen Stadttheater – im Gepäck verschiedene Oberteile (Mantel, Sakko, Hemd) und div. Utensilien, die meinen Beruf symbolisieren sollten. Freundlich begrüßt wurde ich am vereinbarten Treffpunkt bei der Theaterkasse von Evelyn Walton, Referentin Marketing & Öffentlichkeitsarbeit, die mich in den Zuschauersaal des Großen Hauses führte. Dort erwarteten mich schon Kristin Niemann, die Leiterin der Abteilung Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, und die Fotografin Manja Herrmann, deren Arbeit ich schon mehrfach zu div. Inszenierungen an diesem Haus bewundern durfte.

Und da stand ich nun ziemlich dumm da – mitten im Zuschauersaal mit Blick auf die leere Bühne. Während die Damen handfest anpackten und tatkräftig das nächste Setting einrichteten, wurde ich zur Maske geführt, wo mir die Stellen meines Gesichts abgepudert wurden, die glänzten und somit beim Shooting für unschöne Reflektionen hätten sorgen können – will sagen: Mein Gesicht wurde komplett eingepudert!

Danach quetschte ich mich in eine Glitzerweste und schnürte mir einen Rüschenkragen um den Hals – beides von Frau Walton dem Kostümfundus entliehen. Hinter diesem Aufzug verbarg sich folgende Idee: „Mit einem Besuch im Theater dem Alltag entfliehen und neue Welten entdecken!“. So gewandet nahm ich im Zuschauersaal neben einer üppigen Gips-Putte Platz, während passenderweise hinter meinem Rücken ein Kulissenteil im Rokoko-Stil ins Bild geschoben wurde. Um Verwechslungen zu vermeiden: Ich bin auf den Fotos die linke Putte!

Und nachdem das Licht eingerichtet und die Kamera überprüft worden war, ertönten aus drei Kehlen gleichzeitig die Anweisungen, was ich nun zu tun hätte: Kopf höher/ tiefer/ nach links/ nach rechts, Mund schließen, Augen offen lassen, linken/ rechten Arm anheben, Sakko glätten, Armbanduhr entfernen, wahlweise interessiert/ gespannt/ überrascht gucken und bitte dabei gaaanz natürlich wirken. Und nach dem Wechsel der Garderobe begann das Spiel von Vorne!

Glücklicherweise hatte ich dank meiner früheren Tätigkeit bei der Scharmbecker Speeldeel schon etwas Erfahrung bzgl. Posen vor der Kamera. Und so regte sich in mir die alte Rampensau und buddelte sich aus mir heraus an die Oberfläche, um sich hier und jetzt ein wenig auszutoben.

Erstaunlich: Es wurden so viele Fotos in unterschiedlichen Klamotten, Posen und Settings gemacht, in der Hoffnung, dass das Foto dann darunter ist. Eine kleine Auswahl unserer gemeinsamen Bemühungen seht ihr hier:



Am 17. Januar ist die Kampagne nun angelaufen: Die Groß-Plakate hängen quer über Bremerhaven verteilt an öffentlichen Plätzen, schmücken div. Plakatwände und werben so für die Abonnements des Stadttheaters Bremerhaven.

Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, dass es so etwas Ähnliches wie einen BRAVO-Starschnitt geben soll: In den Programmheften des Premieren-Abos wird jeweils ein Teil von mir – sozusagen als Gimmick – beigelegt. Wer jede Premiere besucht und alle Programmhefte sammelt, kann die Teile dann zusammenkleben und mich in Lebensgröße ins Schlafzimmer, aufs Gäste-Klo oder sonst wo hinhängen. Dann könnte ich endlich mit Stolz geschwellter Brust aller Welt verkünden

„Ich bin ein Star, hängt mich hier auf!“
⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️


Anmerkung zum krönenden Abschluss: Vielleicht habe ich oben ein klitze-klein wenig dick aufgetragen und meinen Bericht etwas ironisch überhöht bzw. (dem Ort angemessen) theatralisch überspitzt. Doch Scherz beiseite und bahr jeglicher Ironie: Es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht, und ich danke dem Stadttheater Bremerhaven, insbesondere Kristin Niemann und Evelyn Walton, von Herzen, dass ich diese Erfahrung machen durfte. Mein Dank gilt selbstverständlich auch Manja Herrmann für die sensationellen Fotos. ❤

Ich habe es sehr gerne getan,…

…und ich würde es immer wieder tun!!!

…auch ohne Starschnitt. 😉

[Musical] Marc Shaiman – HAIRSPRAY / Stadttheater Bremerhaven

Musical von Marc Shaiman / Liedtexte von Scott Whitman & Marc Shaiman / Buch von Mark O’Donnell & Thomas Meehan / Deutsche Fassung von Jörn Ingwersen (Dialoge) und Heiko Wohlgemuth (Songs) / Basierend auf dem New Line Cinema Film, Drehbuch und Regie von John Waters

Premiere: 5. November 2022 / besuchte Vorstellung: 8. Januar 2023

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Tonio Shiga
Inszenierung: Toni Burkhardt / nach einem Konzept von Iris Limbarth
Choreografie: Sabine Arthold
Bühne: Britta Lammers
Kostüme: Heike Korn
Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández

Jedes kleinere Mehr-Sparten-Haus kennt diese Probleme bei der Besetzung eines Musicals aus dem hauseigenem Ensemble: Der Sopran kann wunderbar singen aber weniger gut tanzen. Der Schauspieler spielt sich ´nen Wolf, hat´s aber nicht so mit dem Singen. Und der Ballett-Tänzer kann nichts außer tanzen, tanzen und nochmals tanzen. Hinzu kommt ein in die Jahre gekommener Opernchor, dessen Mitglieder auch für die div. Nebenrollen herhalten müssen. Und das Philharmonische Orchester schmachtet sich zwar durch Puccini & Co., doch alles, was nach den 60er Jahren komponiert wurde, gilt als schnöde Populärkultur. Mit Biegen und Brechen würde man so noch eine halbwegs solide „My Fair Lady“ auf die Bretter zimmern, doch der Intendant schielt auf die neueren Werke des Genres, die vor Pop, Jazz und Soul nur so strotzen. Das Stadttheater Bremerhaven kennt diese Probleme…

NICHT! Hier formte Regisseur Toni Burkhadt gemeinsam mit Choreografin Sabine Arthold aus den hauseigenen Künstler*innen der unterschiedlichen Sparten in Kombination mit Gästen ein so homogenes Ensemble, dass sich die scheinbaren Schwächen zu Stärken wandelten. Burkhardts Inszenierung setzt auf Tempo: Leerlauf scheint hier nicht existent. Dafür sorgt er für fließende, beinah filmartige Übergänge. Doch er erlaubt seinem Ensemble auch die leisen, emotionalen Momente, die zum Kreieren glaubhafter Charaktere so wichtig sind. Arthold setzt in ihren tänzerischen Bewegungsabläufen auf zeittypische Elemente der Sixties. Sie lässt die Nicht-Tänzer*innen neben den Profis sehr gut aussehen. Dank ihrer gelungenen Choreografie bilden die Künstler*innen aus den unterschiedlichen Sparten eine homogene Einheit. Abgerundet zu einem gelungenen Gesamtkonzept wird die Inszenierung durch das wandlungsfähige Bühnenbild von Britta Lammers, in dem die Künstler*innen in den herrlich bunten Retro-Kostümen von Heike Korn agieren dürfen.

Doch nun: WELCOME TO THE 60’s!

Baltimore 1962: Die pummelige Schülerin Tracy Turnblad lebt mit ihrer übergewichtigen Mutter Edna, die aufgrund ihrer Figurprobleme alle ihre Träume und Hoffnungen aufgegeben hat, und ihrem Vater Wilbur, der einen schlecht laufenden Scherzartikelladen besitzt, sehr einsam. Ihre einzige echte Freundin ist die Außenseiterin Penny Pingleton, die von ihrer Mutter permanent unterdrückt und bevormundet wird. Tracys größter Traum ist es, in der Corny-Collins-Show mitzutanzen, der angesagtesten Show des Lokalfernsehens, in der nur die beliebtesten Teenager der Stadt tanzen. Außerdem hat sie sich vorgenommen, die „Miss Teenage Hairspray“-Wahl zu gewinnen. Während ihre Mutter skeptisch ist und Angst hat, dass ihre Tochter wegen ihres Aussehens verspottet wird, unterstützt ihr Vater sie und macht ihr Mut, dass man seine Träume verwirklichen soll. Als sie dank ihrer Hartnäckigkeit und ihres Selbstbewusstseins tatsächlich an der Show teilnehmen darf, wird sie – gerade wegen ihres Aussehens und ihrer Natürlichkeit – über Nacht zum Vorbild für viele Teenager, die sich mit ihr identifizieren. Sie verliebt sich in den Star der Show, den jungen Sänger Link Larkin, der auf seinen großen Durchbruch wartet und darum eine kamerataugliche Zweck-Beziehung mit der arroganten Amber von Tussle hat. Durch ihre neugewonnenen Freunde Seaweed, seiner kleinen Schwester Inez und deren Mutter Motormouth Maybelle erfährt Tracy von den vielfältigen Repressalien, denen farbige Menschen ausgesetzt sind. Ihre neue Berühmtheit nutzt sie zu einer Kampagne gegen die Trennung von Schwarzen und Weißen in der Corny-Collins-Show, was Amber von Tussle und ihre Mutter Velma zu verhindern versuchen. Dann geht die „Miss Teenage Hairspray“-Wahl in ihre entscheidende Runde. Amber von Tussle ist siegessicher, doch in letzter Sekunde taucht Tracy auf und wendet – mit Unterstützung ihrer Eltern und Freunde – die Wahl zu ihren Gunsten…!



Ich glaube, ich durfte auf der Bühne des Stadttheaters Bremerhaven noch nie ein so großes Ensemble erleben, das sich aus Künstlern aller Sparten incl. Gäste zusammensetzte: Da waren die wunderbaren Tänzer*innen des Balletts, die agilen Sänger*innen des Opernchores und die entzückenden Kids des Kinderchores. Einem Chor der griechischen Antike gleich sorgten Louisa Heiser, Sharon Isabelle Rupa und Nicole Rushing als The Dynamites verführerisch rotgewandet für einen authentischen Motown-Sound. Schauspieler Karsten Zinser lieferte ein kleines humoristisches Kabinettstückchen als selbstverliebter Corny Collins. Iris Wemme-Baranowski überzeugte als rustikale Gefängnisaufseherin ebenso wie als psychopathische Prudy Pingelton. Sydney Gabbard warf sich als quirlige Penny Pingleton mit Leidenschaft in die Arme ihres Seaweed, den Malcom Quinnten Henry mit geschmeidigem Körper und ebensolcher Stimme zum Leben erweckte. Vanessa Weiskopf gefiel in der liebenswerten Rolle der kleinen Schwester Inez. Getoppt wurden die beiden allerdings durch ihre Bühnenmutter Motormouth Maybelle: Debrorah Woodson verkörpere diese Rolle schon bei der deutschsprachigen Erstaufführung in Köln und hat sie so sehr verinnerlicht, dass jede Geste, die Mimik und jedes Wort ganz natürlich erschienen. Den Song Ich weiß, wo ich war gestaltete sie zu einer berührenden Hymne, die das Publikum für einen Moment still innehalten ließ, bevor Woodson mit einem frenetischen Applaus belohnt wurde.

Mezzo Boshana Milkov als Velma von Tussle sonderte mit einer beängstigenden Selbstverständlichkeit ihre rassistischen Plattitüden ab. Bei der Interpretation der Songs, die sie mit Grandezza darbot, spürte man deutlich ihre Liebe zum Jazz. Ganz als Mini-Me einer übermächtigen Mutter schlüpfte Schauspielerin Julia Lindhorst-Apfeltahler in die Rolle der Amber von Tussle und ließ hinter der schönen Fassade des blonden Dummchens einen willensstarken (nur leider fehlgeleiteten) Geist durchblitzen. Beiden Künstlerinnen gelang das Kunststück, den jeweiligen Part nicht eindimensional böse erscheinen zu lassen, sondern auch den schrägen Humor aus der Rolle herauszukitzeln.

Tenor Andrew Irwin schmachtete sich als umschwärmter Teeny-Star Link Larkin hingebungsvoll durch seine Songs und amüsierte mit überkandidelten Star-Attitüden, indem er z. Bsp. immer wieder seine Haartolle kokett zurück warf. Doch sobald die Scheinwerfer erloschen waren, kam der sympathische Junge von Nebenan zutage, der seine Zweifel und Ängste nicht verbergen konnte, und in den sich Tracy verständlicherweise verlieben musste.

Seit 1988 beschäftige ich mich sehr intensiv mit dem Genre Musical: Einige Werke haben für mich einen herausragenden Stellenwert und sich einen besonderen Platz in meinem Herzen erobert. Da verspüre ich immer, wenn ich ins Theater gehe, eine gewisse Unsicherheit aus Angst, die jeweilige Inszenierung würde diesem Werk nicht gerecht werden. Ähnlich geht es mir mit einigen Rollen, die oberflächlich das pure Entertainment versprechen, aber unter der glitzernden Oberfläche eine wichtige Botschaft transportieren. Eine dieser Rollen ist Zaza aus LA CAGE AUX FOLLES, die andere Rolle ist Edna aus HAIRSPRAY. Beiden Rollen ist gemein, dass ein Mann in Frauenkleider schlüpft: Es besteht durchaus die Versuchung, dem „Affen Zucker zu geben“ und dem Klamauk zu frönen. Oder die Rolle wird wertschätzend behandelt, ohne dass die unterhaltenen Aspekte vernachlässigt werden. Regie und Darstellung wandeln da auf einem schmalen Grat zwischen Trash und Ernsthaftigkeit. Die Fallhöhe kann dabei enorm sein.

Voller Erleichterung spürte ich schon bei ihrem ersten Erscheinen, dass Edna hier am Stadttheater Bremerhaven bei Regisseur und Darsteller in den allerbesten Händen ist. Ein respektvolles Raunen gepaart mit einem überraschten Auflachen waren im Publikum zu vernehmen, als Bass Ulrich Burdack (O-Ton: „ein 2 Meter großer 3 Zentner-Mann“) zum ersten Mal hinter dem Bügelbrett in Erscheinung trat. Burdack verzichtete wohltuend auf eine übertriebene Feminisierung in der Stimme: Er blieb seiner Stimmlage Bass treu, was in manchen Dialogen zur Erheiterung des Publikums führte. Seine Edna ist eine Matriarchin, die pragmatisch die Geschicke der Familie lenkt. Von ihren eigenen Träumen hat sie sich verabschiedet. Dabei wirkt sie durchaus nicht verbittert: Das Leben hatte eben anderes mit ihr vor, und mit diesem Leben hat sie sich arrangiert. Und so bügelt und wäscht sie sich „eine Wölfin“ zum Wohle ihrer Lieben. Doch tief in ihrem Inneren versteckt sich sowohl die Revoluzzerin, die Ungerechtigkeiten vehement mit vollem Körpereinsatz bekämpft, als auch das junge Mädchen, das nach wie vor in ihren Wilbur verliebt ist. Schauspieler Kay Krause bildet zu Ulrich Burdacks Edna einen wunderbaren Gegenpart: Sein Wilbur ist ein ältlicher Harlekin, der sich seine kindliche Freude an den Kuriositäten in seinem Scherzartikelladen (und des Lebens) bewahrt hat, dem Schicksal vorbehaltlos gegenübertritt und seine Edna bedingungslos so liebt wie sie ist. Das gemeinsame Duett Du bist zeitlos für mich entpuppte sich als rührende Liebeserklärung, bei dem Burdack und Krause munter das Tanzbein schwangen, sich ihrer Liebe versicherten und voller Stolz auf ihre Tochter Tracy blickten.

Sopranistin Victoria Kunze begeisterte mich schon in so mancher Rolle des Opern-Repertoires und sang dort die Koloraturen ihrer Partien immer makellos. Als Tracy nahm sie ihre klassische Stimme bescheiden zurück, doch brillierte in den Songs auch in den höchsten Tönen. Zudem tanzte sie sich mit überschäumender Energie die Seele aus dem Leib und gestaltete ihre Rolle mit einer überzeugenden Natürlichkeit, gepaart mit einer immensen Freude am Spiel, die sich über den Orchestergraben hinweg auf das Publikum übertrug. Ihre Tracy Turnblad ist ein wahrer Sonnenschein mit dem Herz am rechten Fleck. Bravo!

„Bravo!“ möchte ich auch dem musikalischen Leiter Tonio Shiga zurufen, der das Philharmonische Orchester zur Höchstleitung anheizte und für einen süffigen Sound sorgte. Die mitreißende Musik mit ihrer Mischung aus R&B, Motown und Rock’n’Roll bahnte sich aus dem Orchestergraben heraus ihren Weg zuerst ins Ohr über das Herz direkt in die Füße, um dort für ein permanentes Wippen zu sorgen. Auf meinem Gesicht nistete sich ein seliges Dauergrinsen ein, und ich konnte mich beim fulminanten Schlussapplaus dem Ruf des Ensembles nur anschließen:

YOU CAN’T STOP THE BEAT!


Im Stadttheater Bremerhaven wird noch bis zum Ende der Saison reichlich HAIRSPRAY versprüht – und das alles mit viel Witz und Esprit!!!

Neues Jahr, neues Glück, neue Ideen…

…ganz bestimmt nicht: Haha, nochmals falle ich nicht darauf rein und verspreche Anfang des Jahres vollmundig und selbstüberschätzend, wie viele tolle Ideen ich habe, und welche bahnbrechenden Veränderungen hier auf meinem Blog stattfinden werden. Und am Ende des Jahres habe ich von all den großkotzig angekündigten Versprechungen gerade einen kaum erwähnenswerten Prozentsatz umgesetzt. Diesen eklatanten Fehler werde ich nicht noch einmal begehen. Diesmal halte ich mich vornehmend bedeckt und übe mich in nonchalanter Zurückhaltung. Lasst Euch einfach überraschen…!

Was ich Euch allerdings getrost und somit sehr gerne verraten kann, sind die Bücher, die teilweise schon auf dem Tischchen neben meinem gemütlichen Lesesessel liegen und auf mich warten…



Wie könnte es bei mir auch anders sein, werden die Kriminalromane selbstverständlich weiterhin einen großen Platz auf meinem Blog einnehmen. Und so beginne ich das Jahr mit einem Klassiker des Genres, mit den kurzweiligen Geschichten um Pater Brown. Tod und Amen von G. K. Chesterton, die schon im Herbst als üppiger Sammelband im Kampa Verlag erschienen sind.

Um einen üppigen Wälzer handelt es sich auch bei Prosaische Passionen. Die weibliche Moderne in 101 Short Stories aus dem Manesse Verlag. Herausgeberin Sandra Kegel hat eine Mamutaufgabe gemeistert und hier Erzählungen und Prosastücke aus über 25 Sprachen zusammengetragen. Dies ist eines der Werke, das mich sicherlich über einen sehr langen Zeitraum begleiten und begeistern wird.

Im Februar erscheint nun endlich mit Blautöne der neuste Roman von Anne Cathrine Bomann bei Hanser blau. Ihr Erstlingswerk „Agathe“ konnte mich schon so sehr begeistern, da bin ich nun auf ihren neusten Streich sehr gespannt.

Wie bei meinem „Lese-Highlights 2022“ schon angekündigt, werden die Klassiker mich auch in diesem Jahr weiter beschäftigen: So warten Der alte Mann und das Meer von Ernest Hemingway (Rowohlt Verlag) und Rebecca von Daphne du Maurier (Insel Verlag) schon auf mich.

Der Reclam Verlag kann nicht nur „klein und gelb“ sondern auch „groß und illustriert“: Da juckt es mir schon sehr in den Fingern, und ich muss mich zurückhalten, um nicht gleich zu einer dieser tollen Prachtexemplare zu greifen: Heinrich Manns Der Untertan (illustriert von Arne Jysch) und Der große Gatsby von F. Scott Fitzgerald (illustriert von Adam Simpson).

Apropos „illustrierte Fassung“: Dank der Büchergilde Gutenberg bin ich da immer gut aufgestellt und freue mich schon sehr sowohl auf Der dritte Mann von Graham Greene als auch auf Arsène Lupin. Der Gentleman-Gauner von Maurice Leblanc. Beiden Romanen schenkte Annika Siems ihre ausdrucksstarken Illustrationen.

Kindheitserinnerungen werden bei mir wach, wenn ich an die Abenteuer-Reihe von Enid Blyton denke. Im Bocola Verlag erscheinen nun alle Bände in einer exklusiven Edition nach den englischen Originalausgaben. Die ersten beiden Bände habe ich mir von einem lieben Menschen schon schenken lassen. 😍

Der Klett-Cotta Verlag bleibt seinem eingeschlagenen Weg treu und schenkt uns Anhängern der klassischen Kriminalliteratur mit Tod im Wunderland von Nicholas Blake wieder ein kleines Schmankerl.

Selbstverständlich darf SIE nicht fehlen: Agatha Christie ist gleich mit zwei Werken aus dem Atlantik Verlag in der ersten Jahreshälfte bei mir vertreten. Weder bei Etwas ist faul noch bei Der Hund des Todes kommt Miss Marple oder Hercule Poirot zum Einsatz. Doch mein Lese-Vergnügen wird diese Tatsache sicherlich in keiner Weise schmälern.

Dieser Prachtband ist so üppig, dass ich ihn nur ohne Gefahr, eine Sehnenscheidenentzündung im Arm zu erhalten,  betrachten und lesen kann, wenn ich ihn auf den großen Esstisch platziere: Der Orient-Express. König der Züge von Guillaume Picon und Benjamin Chelly aus dem Frederking & Thaler Verlag. Natürlich dachte ich bei dieser Thematik sofort an Agatha Christie und freue mich schon sehr, beim Betrachten dieses Bildbandes in Gedanken gemeinsam mit Hercule Poirot durch die Abteile dieses legendären Zuges zu wandern. Dieses traumhafte Buch wurde mir ebenfalls von einem lieben Menschen geschenkt. 😍


Auch im Jahr 2023 werde ich weiterhin voller Freude die Rubrik „Kulturelles Kunterbunt“ mit Inhalten füttern: Die eine oder andere Eintrittskarte hängt schon an meiner Pinnwand und wartet geduldig auf ihren Einsatz und ist dabei deutlich geduldiger als ich es je sein könnte. So warte ich voller Ungeduld aber auch mit einer Menge Vorfreude auf…

…zudem möchten ich endlich gerne eines der KAMMERKONZERTE des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven besuchen. Die Konzerte finden immer im HISTORISCHEN MUSEUM BREMERHAVEN statt, dessen Ausstellung mich auch unabhängig vom Besuch eines Konzertes interessieren würde. Außerdem war ich schon gefühlt seit einer Ewigkeit nicht mehr Gast bei einer Lesung: Die Buchhandlung meines Vertrauens DIE SCHATULLE hat da ein ganz wunderbares Potpourri an Lesungen zusammengestellt. Da werde ich sicher fündig…!


Bücher & Kultur: Beides ist mir immens wichtig und bereichert mich und mein Leben über alle Maßen. Doch was wäre ich ohne die Menschen in meinem nahen und näheren Umfeld? Mein Leben wäre ärmer ohne die vielfältigen Begegnungen, ohne den Austausch, ohne Zuneigung und Bestätigung. Die Welt ist so verrückt geworden: Was vor einigen Jahren unvorstellbar schien, ist heute beinah Normalität. Die Grenzen, was tolerabel und was inakzeptabel ist, haben sich verändert, und – wie ich finde – leider nicht zum Besseren. Darum: Bitte lasst uns aufeinander Acht geben und dafür Sorge tragen, dass unsere Welt ein lebens- und liebenswerter Ort bleibt.

Und: Bitte bleibt ALLE gesund!

F R O H E S   N E U E S   J A H R

Liebe Grüße
Andreas

[Oper] Giuseppe Verdi – MACBETH / Stadttheater Bremerhaven

Melodramma in vier Akten von Giuseppe Verdi / Libretto von Francesco Maria Piave / mit Ergänzungen von Andrea Maffei / nach The Tragedy of Macbeth von William Shakespeare / in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 17. September 2022 / besuchte Vorstellung: 23. November 2022
Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus

Musikalische Leitung: Marc Niemann
Inszenierung & Bühne: Philipp Westerbarkei
Kostüme: Tassilo Tesche
Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández

„Süßer die Glocken nie klingen“ und „Have yourself a merry little christmas“ tönten abwechselnd mit ihren musikalischen Geschwistern um die Wette aus den Lautsprecherboxen, während ich mich der häuslichen Weihnachtsdekoration widmete. Mein Gatte lag derweil grippal lädiert im Bett – nicht besorgniserregend, doch eingeschränkt. Nachdem ich stundenlang an all dem lieblichen Adventszuckerguss in vielfacher Form genascht hatte, stand mir nun der Sinn nach etwas deftigeren. Und so sprang ich zuerst unter die Dusche, dann in die Klamotten und wenig später ins Auto, um mich auf den Weg nach Bremerhaven zu begeben. Im dortigen Stadttheater wartete Verdis Schlachtplatte auf den Verzehr…!

Die Feldherren Macbeth und Banquo kehren von einer siegreichen Schlacht zurück. Hexen weissagen, dass Macbeth Than von Cawdor und König, Banquo aber Vater von Königen sein werde. Boten verkünden, der König habe Macbeth zum Than von Cawdor erhoben. Beide Feldherren ergreift ein Schauder. Lady Macbeth liest einen Brief ihres Gatten, in dem dieser die Ereignisse und die Ankunft des Königs mitteilt. Macbeth selbst trifft ein, er ist dem König, der heute bei ihm übernachten will, vorausgeeilt. Die machthungrige Lady kann ihren Mann überreden, den König in der Nacht zu ermorden. Macbeth wird König, doch die Prophezeiung, dass sein Thron Banquos Erben zufallen wird, lässt ihn nicht zur Ruhe kommen. Er beschließt, Banquo und dessen Sohn ermorden zu lassen. Der Anschlag gelingt nur unvollständig. Während die Mörder Banquo töten, kann sein Sohn entkommen. Banquos Tod durch einen Mörder wird dem König gemeldet, der heuchlerisch sein Fehlen bedauert. Da erscheint ihm der Geist des Toten. Der entsetzte König ist fassungslos und muss durch seine Gattin beruhigt werden. Macbeth befragt noch einmal die Hexen nach der Zukunft und seinem Schicksal. Diese warnen ihn vor Macduff, doch der König beruhigt sich schnell, als er erfährt, dass ihn niemand überwinde, den ein Weib geboren hat. Lady Macbeth kann den König leicht dazu überreden, Macduff, seine Familie und andere Feinde zu vernichten. Macduff kann entkommen und hat sich an der Grenze von Schottland mit Malcolms Truppen vereinigt. Er schwört Macbeth, der seine Kinder töten ließ, bittere Rache. Arzt und Kammerfrau warten spät in der Nacht auf die Königin, die ihr böses Gewissen wahnsinnig werden ließ. Auch an diesem Abend erscheint sie irre redend, gesteht den entsetzten Lauschern ihre Taten und stirbt. Macbeth lässt der Tod seiner Frau gleichgültig, er gerät aber außer sich, als gemeldet wird, dass Truppen gegen ihn anrücken. Auf dem Schlachtfeld begegnet der König Macduff und erfährt, dass dieser nicht geboren, sondern aus dem Mutterleib geschnitten wurde. Macbeths Schicksal erfüllt sich, er fällt im Zweikampf. Macduff und die Krieger grüßen Malcolm, den neuen König.

Zimperlich waren die Beiden wahrlich nicht – weder William Shakespeare, aus dessen Feder die literarische Vorlage stammte, noch der Maestro Giuseppe Verdi bei seiner musikalischen Umsetzung. Blutrünstig geht es zu in diesem Melodramma. Doch wie heißt es so schön:

In der Oper wird mit einem Messer im Rücken zuerst gesungen und dann gestorben!

Und in diesem Fall wird viel gesungen und viel gestorben. Verdi brach mit den damalig vorherrschenden Gewohnheiten und verzichtete auf Heldentenor, Koloratur zwitschernden Sopran, Liebesgeschichte und sonstigem süßlichen Opern-Kitsch. Stattdessen beleuchtete er die psychologische Motivation der Figuren und etablierte den Opernchor als eigenständigen Protagonisten.



Mein spontaner Blick auf den Saalplan offenbarte Überraschendes: Auch so kurzfristig war es durchaus noch möglich, in jeder Preiskategorie gute Sitzplätze zu ergattern. So saß ich (dem Sujet angemessen) königlich in der Mitte der vierten Reihe im Parkett. Links von mir war die restliche Reihe 4 ebenso frei, wie die komplette erste Reihe, und auch hinter mir klafften einige Lücken in den Sitzreihen. Was könnten die Gründe sein, dass das Publikum diese Inszenierung nicht stürmte? Waren es schon die Auswirkungen der Inflation, wo das Geld nicht mehr so locker sitzt, und jede*r von uns sich genau überlegt, wofür er es ausgibt? Lag es an der Stückauswahl mit den Themen Machtmissbrauch, Krieg und Gewalt? Rückte somit das Geschehen auf der Bühne zu nah an unsere eigene Realität? Wer weiß…?!

An der Qualität der Aufführung kann es nicht gelegen haben: Hier bot das Stadttheater wieder Erlesenes. Eingangs betrat Dramaturg Markus Tatzig die Bühne und ließ besonderes erahnen: Ein Ensemblemitglied war leider erkrankt. Aufgrund der Kurzfristigkeit kam es zu einer Rollenteilung: Tenor Michael Müller-Kasztelan von der Oper Kiel würde dankenswerter Weise die Partie des Malcom vom Bühnenrand singen, während Regieassistentin und Abendspielleitung Annika Ellen Osenberg die Rolle auf der Bühne verkörperte. Das ist eben Theater: Nichts ist vorhersehbar! Nichts ist wiederholbar! Alles ist live!

Regisseur Philipp Westerbarkei hat sich das Libretto sehr genau angeschaut und entwickelte aus ihm die Motivation des Handlungspersonals. Jede Reaktion scheint begründet, und jede Emotion ist nachvollziehbar. Gemeinsam mit seinem Ensemble erarbeitete er schlüssige Psychogramme der Personen und gönnte niemanden auf der Bühne eine Verschnaufpause. Alle waren hochkonzentriert präsent und boten somit nicht nur gesanglich sondern auch schauspielerisch hervorragende Leistungen. Sein Bühnenbild vermittelt Endzeitstimmung und lässt die Fiktion mit der Realität verschmelzen: Das Schloss von Macbeth wirkt wie der ausgebrannte bzw. zerbombte Theatersaal des Stadttheaters. Die Kostüme von Tassilo Tesche unterstreichen dieses Konzept.

In Verdis Oper ist der Chor nicht nur schmückendes Beiwerk oder dekorative Menschenmasse. Hier ist er eine eigenständige Hauptperson, die wesentlicher Bestandteil der Handlung ist, und dank der versierten Führung durch den Regisseur auch in den Charakteren Individualität zeigte. Für den grandiosen Klang zeichnete wieder Chorleiter Mario Orlando El Fakih Hernández verantwortlich, der es wunderbar verstand, den Opernchor mit dem Extrachor zu verschmelzen und aus beiden eine homogene Einheit zu formen.

In kleineren Häusern ist es nicht ungewöhnlich, dass kleinere Partien auch von Solisten aus dem Opernensemble verkörpert werden und somit zur Qualität der Aufführung beitragen: Boshana Milkov als Kammerfrau und Marcin Hutek als Arzt überzeugten so auch in ihren wenigen Auftritten. Konstantinos Klironomos gab mit potentem Tenor und dramatischem Spiel einen starken Macduff. Ulrich Burdack vermittelte als Banquo glaubhaft dessen Verzweiflung im Angesicht der unvermeidlichen Ereignisse.

Marion Pop brillierte gesanglich wie darstellerisch in seiner Rollen-Charakterisierung. Einerseits war sein Macbeth ein schmieriger Emporkömmling, der nach Macht dürstet, andererseits fehlten ihm „die Eier in der Hose“, um die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen. Bemerkenswert, wie Pop die Zerrissenheit innerhalb dieser Figur Ausdruck verlieh. „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau!“ In diesem Fall war es ein wahres Monster-Weib, das manipulativ, machthungrig und sexbesessen über Leichen ging. Signe Heiberg gab als Lady Macbeth ihr Rollendebüt: Mal gurrte sie verführerisch, dann scheute sie auch nicht die weniger schönen Töne, um die Ambivalenz ihrer Figur zu verdeutlichen, um im nächsten Moment ihre Stimme mit emotionaler Kraft über das Orchester hinweg in den Zuschauerraum zu schleudern. Grandios!

Ebenso grandios hat GMD Marc Niemann „seine“ Philharmoniker im Griff: Beginnend mit der düsteren Ouvertüre, zu dessen Takte die Lampen im Saal unheilvoll flackerten, um dann gänzlich zu erlöschen; über die mystischen Klänge der Holzbläser, die Unheil erahnen lassen; aufgelockert durch Passagen, die eine unbeschwerte Leichtigkeit vorgaukeln; nur um dann wieder in den dunklen Tonfarben zu verfallen, die die seelischen Abgründe der Protagonisten wiederspiegeln.

Hach, wie schön, dass ich mich nur mal eben auf den Weg nach „nebenan“ machen muss, um begeisterndes und aufwühlendes Theater erleben zu dürfen – auch ganz spontan…!


Studierende der Hochschule Bremerhaven begleiteten im Rahmen eines Seminars des Studiengangs „Digitale Medienproduktion“ einige Proben am Stadttheater und entwickelten hieraus einen äußerst sehenswerten Trailer:


Leider gibt es nur noch eine einzige Gelegenheit, diesen düsteren Opern-Krimi MACBETH auf der Bühne des Stadttheaters Bremerhaven erleben zu können…!

[Konzert] Léo Delibes – COPPÉLIA ODER DAS MÄDCHEN MIT DEN GLASAUGEN / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Léo Delibes / basierend auf einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann

Philharmonisches Orchester Bremerhaven / in Kooperation mit der Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 13. November 2022/ besuchte Vorstellung: 13. November 2022

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Musikalische Leitung & Moderation: Hartmut Brüsch
Choreografie & Inszenierung: Irina & Marius Manole

SCHLAGZEILE:
Zwei Bergtrolle zwischen einer Schar Waldelfen gesichtet

„In den späten Morgenstunden des vergangenen Sonntags wurden im großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven zwei Bergtrolle inmitten einer Schar kleiner Waldelfen erspäht. Ausschreitungen, die ein Eingreifen von Spezialeinheiten erforderlich gemacht hätten, konnten vermieden werden, da die Bergtrolle sich durch Musik und Tanz beruhigen ließen. Nach Ende der Darbietung trollten die Trolle sich friedlich in Richtung ihres Reviers.“

Ich musste wahrlich ein wenig schmunzeln, als mein Gatte und ich unsere Plätze einnahmen: Rechts und links von uns, vor und hinter uns wuselten Mamas und Papas, Omas und Opas, sonstige Anverwandte und viele, viele Geschwisterkinder der jungen Bühnenstars. Zwischen all den kleinen Winzlingen ragten wir mächtig in die Höhe, als hätten sich tatsächlich zwei Trolle zwischen zarten Elfen verirrt.

Seit wir im letzten Jahr so viel Freude mit dem Familienkonzert Der Nussknacker hatten, sind wir zu heimlichen Fans mutiert. Denn auch in diesem Jahr ging das Philharmonische Orchester wieder eine gelungene Kooperation mit der Ballettschule Dance Art von Irina und Marius Manole ein und servierte abermals mit Léo Delibes Ballettmusik „Coppélia oder das Mädchen mit den Glasaugen“ ein Werk, das zwar durchaus schon rein akustisch gefällt aber in dieser optischen Umsetzung ganz und gar bezaubernd war.

Dirigent Hartmut Brüsch stellte eingangs launig das Philharmonische Orchester vor, indem er die einzelnen Instrumentengruppen hervorhob, um sie so in den Fokus zu rücken und dem jungen Publikum näher zu bringen. Ein kluger Schachzug, denn mit Beginn des Konzertes verschwand das Orchester gänzlich hinter der Präsenz von über 90 jungen Tänzer*innen. Irina und Marius Manole hatten wieder eine abwechslungsreiche Choreografie geschaffen, die sowohl das Alter wie auch den unterschiedliches Ausbildungslevel der Elevinnen und Eleven berücksichtigte. Léo Delibes schwelgerische Musik bot mit Mazurka, Walzer, Csárdás, Polka und Marsch vielfältige Möglichkeiten des tänzerischen Ausdrucks, die in der Choreografie vortrefflich berücksichtigt wurden.

Märchenhaftes erleben kleine Konzertbesucher*innen in der Werkstatt des Dr. Coppélius, der übersinnliche Phänomene erforscht. Er hat sich das Ziel gesetzt, eine Puppe zu kreieren, die wie ein echtes Mädchen wirkt. Wird der junge Franz, der sich prompt in diese Coppélia verguckt, seinen Irrtum bemerken oder wird seine Freundin Swanilda ihm die Augen öffnen müssen?

(Inhaltsangabe dem Programmblatt des Stadttheaters Bremerhaven entnommen.)

In verschiedenen Gruppen eingeteilt zeigten die Tänzer*innen ihr Können und boten mehr als nur den dekorativen Rahmen für die Hauptpartien. Ganz im Gegenteil: Dank der amüsanten Inszenierung der Manoles wurde nicht „nur“ getanzt sondern auch charmant miteinander agiert. Swanildas Freundinnen „kommentieren“ keck-kokett das Geschehen. Kleine Mäuschen wuseln drollig durch Coppélius Werkstatt, in der die unterschiedlichsten Puppen zum Leben erwachen. Kinder toben tanzend über den Festplatz. Freche Lausbuben foppen Coppélius bei seinem Spaziergang.

Marius Manole schlüpfte selbst in die Rolle des Coppélius und verkörperte den alten Griesgram mit viel Witz, doch wohldosiert, um die jüngsten Zuschauer nicht zu ängstigen. Katrina Dieckvoß gab mit mechanischen Bewegungen und puppenhaft-unbeteiligter Mine überzeugend die Titelpartie. Ihr Gegenpart und die eigentliche Hauptpartie des Stücks wurde voller Emotionen und Spielfreude von Miriam Manole verkörpert, die auch tänzerisch ihren Part ganz wunderbar ausfüllt. Volodymyr Fomenko vom Ballettensemble am Stadttheater Bremerhaven zeigte als Franz sein tänzerisches Können, das wir schon in vielfältigen Produktionen an diesem Haus bewundern durften.

Bewundernswert wie Marius Manole seine Truppe im Blick hatte: Turnte mal ein kleines Mäuschen aus der Reihe, wurde es liebevoll wieder ins Spiel zurückgeholt. Übrigens gebührt allen Menschen, die sich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern (egal ob beruflich oder als Ehrenamt), meinen uneingeschränkten Respekt. Junge Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen Werte und Tugenden vermitteln und ihre Talente und Kompetenzen fördern.

Nach einer guten Stunde wurden alle Beteiligten mit einem frenetischen Applaus, begeisterten Jubelrufen und einer verdienten Standing Ovation verabschiedet. Und so bleibt mir abschließend nichts anderes übrig, als meinen Schlusssatz vom vergangenem Jahr zu wiederholen:

💛🧡❤️ Es war bezaubernd…! ❤️🧡💛


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr! Zur Homepage der Ballettschule Dance Art geht es in dieser RICHTUNG.

[Ballett] Alfonso Palencia – DORNRÖSCHEN (UA) / Stadttheater Bremerhaven

Märchenballett von Alfonso Palencia / nach dem Märchen von Charles Perrault / mit Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky / Uraufführung

Premiere: 22. Oktober 2022 / besuchte Vorstellung: 30. Oktober 2022

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Davide Perniceni
Choreografie & Inszenierung: Alfonso Palencia
Bühne & Kostüme: Dorin Gal
Video: Rasmus Freese


Wenn ein Ballettmeister seine bisherige Wirkungsstätte verlässt, um sich an einem anderen Ort neuen Herausforderungen zu stellen, ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass ihm mehrere Tänzer*innen aus der Kompagnie folgen. Nicht so in Bremerhaven: Hier entschied sich die Kompagnie beinah vollzählig, der Seestadt an der Weser treu zu bleiben und sich in die fähigen Hände eines neuen Ballettdirektors zu begeben. So konnte Alfonso Palencia für seine Einstands-Produktion auf ein eingespieltes Ensembles zurückgreifen, das durch Akademist*innen (junge Tänzer*innen, die noch in der Ausbildung sind) ergänzt wurde.

Mit dem Märchenballett „Dornröschen“ zur bekannten Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky wählte er ein eher traditionelles Sujet, das einem kundigen Theaterpublikum in der einen oder anderen Form durchaus bekannt sein dürfte.

Zur Taufe von Prinzessin Aurora sind drei Feen eingeladen, die das Kind mit getanzten Segenswünschen ehren, darunter Schönheit, Klugheit, Anmut und Kraft. Die böse Fee Carabosse wurde versehentlich nicht eingeladen. Sie verflucht die Prinzessin und prophezeit den Tod an ihrem 16. Geburtstag. Die gute Fliederfee kann das Unheil gerade noch abwenden. Aurora fällt in einen hundertjährigen Schlaf, aus dem nur ein Prinz sie erlösen kann.

(Inhaltsangabe der Homepage des Stadttheaters Bremerhaven entnommen.)


Zuschauer und Kritiker, die immer lautstark Reformen fordern, könnten diese Wahl durchaus als wenig innovativ bemäkeln. Aber hat ein Theater nicht auch die Verpflichtung – neben der Präsentation zeitgenössischer Werke – die klassischen Stücke zu pflegen und sie neu zu interpretieren, um so ein junges Publikum für das Theater zu begeistern? Alfonso Palencia gelingt dieser Spagat mit seiner Inszenierung zu „Dornröschen“ aufs Vortrefflichste. Seine Choreografie ist sinnlich und voller Grazie, dann wieder energetisch und dynamisch. Er zitiert den traditionellen Spitzentanz ebenso wie dem Modern Dance und findet doch eigenständige tänzerische Ausdrucksformen. Dabei bricht er durchaus auch mit den Erwartungen des Publikums: So lässt er sein Ensemble zum bekannten Walzer von Tschaikowsky eben nicht Walzer tanzen, sondern choreografiert einen Tanz, der wie eine zeitgemäße Variante des Hoftanzes anmutet.

Hatte ich bei seinem Vorgänger eher den Eindruck, dass dieser die Geschichte über den Tanz bzw. über die sich bewegenden Körper der Tanzenden erzählt, erlaubt Palencia seinen Tänzer*innen auch mit Gestik und Mimik, Emotionen zu zeigen, und schuf so eine individuelle Charakterisierung zur jeweiligen Rolle. Dabei blieb er wohltuend den bekannten Rollenprofilen innerhalb eines Märchens treu: So standen auf der Bühne natürlich u.a. eine böse Fee, ein unschuldiges Dornröschen und ein heldenhafter Prinz, und doch waren diese Rollen nicht plakativ in Schwarz oder Weiß unterteilt. Vielmehr erzeugte Palencia eine Spannung in seiner Rollengestaltung, indem er die Nuancen zwischen diesen Extremen fein herausarbeitete.

Ihm zur Seite stand ein talentiertes Tänzer-Ensembles, aus dem er die Rollen kongenial besetzten konnte. Ting-Yu Tsai war in der Titelpartie entzückend, naiv und kess zugleich. Ihr Zusammenspiel bzw. die gemeinsam getanzten Partien mit Stefano Neri, der den Prinz überzeugend verkörperte, waren sowohl anmutig wie auch kraftvoll. In den Rollen der drei guten Feen debütierten an diesem Haus die Elevinnen Yeojin Kim, Miso Yun und Mariagiovanna Bonavita und verzauberten mit ihrem wunderbaren Spitzentanz, wobei Yeojin Kim den Hauptpart als Fliederfee souverän meisterte.

Volodymyr Fomenko und Lidia Melnikova gefielen mir sehr als liebevolles Königspaar und wurden durch Ming-Hung Weng und Melissa Festa als Dienerpaar vortrefflich unterstützt. Renan Carvalho bot als böse Fee Carabosse bzw. der dunkle Prinz eine sensationelle Performance, nutze exzentrisch-diabolisch die Bühne als eine Art Catwalk und zog bei jedem seiner Auftritte die Blicke des Publikums auf sich.

Die farbenfrohen Kostüme von Dorin Gal unterstreichen die Individualität jeder Rolle. Sein Bühnenbild bietet – in Kombination mit den „lebendigen“ Videoprojektionen von Rasmus Freese – viel fürs Auge und ermöglicht schnelle Szenenwechsel ohne an Atmosphäre einzubüßen.

Davide Perniceni sorgte mit seinem straffen Dirigat dafür, dass das Philharmonische Orchester Bremerhaven die traumhafte Musik von Tschaikowsky sowohl lebendig als auch schwelgerisch zu Gehör brachte.

Ich saß staunend wie ein Kind und völlig verzaubert im Zuschauerraum und kann hier nur das wiederholen, was ich dem Schöpfer dieses Abends schon Gelegenheit hatte, in der Pause zu sagen: Es war wunder-wunderschön!

Lieber Alfonso Palencia, Ihr Einstand als Ballettdirektor am Stadttheater Bremerhaven ist Ihnen bestens gelungen!


Noch bis Anfang des nächsten Jahres gibt es mit DORNRÖSCHEN märchenhaftes am Stadttheater Bremerhaven zu bewundern. Unbedingt sehenswert…!

[Konzert] ERÖFFNUNGSGALA 2022/2023 / Stadttheater Bremerhaven

mit der Helios-Ouvertüre von Carl Nielsen sowie Arien und Musiken von Bedrich Smetana, Gioachino Rossini, Wolfgang Amadeus Mozart, Antonio Vivaldi, Carl Maria von Weber, Giacomo Puccini, Pjotr Iljitsch Tschaikowsky und Carl Millöcker

mit Ausschnitten aus „Viel Lärm um Nichts“ von William Shakespeare, „Outfit of the day“ von Inda Buschmann & JUB-Ensemble und den Balletten „Black Angels“ und „Dornröschen“ von Alfonso Palencia

Premiere: 3. September 2022 / besuchte Vorstellung: 3. September 2022

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Musikalische Leitung: Marc Niemann, Davide Perniceni, Hartmut Brüsch
Moderation: Lars Tietje, Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Marcus Tatzig, Alfonso Palencia
Szenische Einrichtung: Annika Ellen Osenberg

Musiktheater: Ulrich Burdack, Signe Heiberg, Andrew Irwin, Konstantinos Klironomos,
Victoria Kunze, Boshana Milkov
Ballett: Renan Carvalho, Melissa Festa, Stefano Neri, Ting-Yu Tsai,
Schauspiel: Henning Bäcker, Marsha Zimmermann
JUB: Philipp Haase, Luca Hämmerle, Coco Plümer, Severine Schabon
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


2½ Monate musste ich schmerzlich darben! 2½ Monate musste ich auf Theater verzichten! Okay, okay, es ist „Leiden auf hohem Niveau!“: Schließlich hatten wir im letzten Jahr eine ganz andere Durststrecke zu bewältigen. Doch was ich mit diesen Worten zum Ausdruck bringen möchte, ist schlicht und ergreifend meine Freude, wieder ins Theater gehen zu dürfen.

Ja, ich darf, und es ist wahrlich nicht selbstverständlich!

Das Philharmonische Orchester unter der Leitung von GMD Marc Niemann eröffnete die Gala mit der Helios-Ouvertüre von Carl Nielsen und verwies so gekonnt auf das Motto natürlich der diesjährigen Konzert-Saison.

Nach einer äußerst gelungenen Einstands-Saison kann Intendant Lars Tietje nun deutlich entspannter dieser Spielzeit entgegen blicken. In seiner Begrüßung brachte er seiner Freude zum Ausdruck, den Zuschauersaal – nach 2 Jahren der reduzierten Platzauslastung – wieder so üppig mit Publikum gefüllt zu sehen. Dabei gestaltete er launig seine Moderationen und ließ bei div. Programmpunkten auch Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Marcus Tatzig und Alfonso Palencia als jeweilige Sparten-Leitung zu Wort kommen.

Henning Bäcker und Marsha Zimmermann boten mit einem Ausschnitt aus William Shakespeares Viel Lärm um Nichts ein komödiantisches Schmankerl: Hier zanken sich die Geschlechter unterhaltsam mit so viel Wortwitz und Intelligenz, dass diese Szene meine Vorfreude auf die komplette Inszenierung schürte.

Philipp Haase, Luca Hämmerle, Coco Plümer und Severine Schabon vom JUB (Junges Theater Bremerhaven) präsentierten frech und amüsant eine Szene aus dem Stück Outfit of the day, das das Ensemble gemeinsam mit der Regisseurin Inda Buschmann entwickelt hatte, und zeigten damit nachdrücklich, dass in Bremerhaven modernes Kinder- und Jugend-Theater gemacht wird.

Ballettdirektor Alfonso Palencia gab gleich in zwei Programmpunkten einen Eindruck seines Choreografie-Stils: Bei „Black Angels“ vertanzten Renan Carvalho und Melissa Festa gekonnt athletisch die Musik aus Vivaldis „The Four Seasons“. Doch besonders der Ausschnitt aus dem Ballett Dornröschen mit der Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky zeigte noch deutlicher die Handschrift des Chefchoreografen: Ting-Yu Tsai und Stefano Neri boten eine sinnlich-anmutige und doch auch dynamische Performance. Dieser verführerische Ausschnitte machte Lust auf ein Mehr.

Auch diesmal teilte sich Marc Niemann die musikalischen Programmpunkte mit seinen Kollegen Davide Perniceni und Hartmut Brüsch, die das Orchester und die Solisten ebenso überzeugend durch die Arien leiteten. Wie in jedem Jahr trauere ich einigen Künstler*innen nach, die Bremerhaven leider verlassen haben. Doch gleichzeitig bin ich äußerst neugierig auf die neuen Sänger*innen und kann es kaum erwarten, sie kennenzulernen. Dabei ist das Bremerhavener Publikum durchaus zugeneigt, Vorschusslorbeeren in Form eines überschäumenden Applauses verteilen wir nicht. So wurden die „Neuen“ bei ihrem ersten Erscheinen auf der Bühne mit einem durchaus wohlwollenden aber nicht euphorischen Applaus bedacht. Boshana Milkov überzeugte mit ihrem vollen, warmen Mezzo in der Arie „Cruda sorte“ aus Rossinis „L’Italiana in Algeri“ und erhielt ihren verdienten Applaus. Tenor Konstantinos Klironomos betrat beinah respektvoll die Bühne: Nach der grandios gesungenen Arie „Recondita Armonia“ aus „Tosca“ von Giacomo Puccini, die mit einem euphorischen Applaus belohnt wurde, war ihm die Erleichterung sichtlich anzumerken.

Eröffnungsgala Stadttheater Bremerhaven 2022-23 - Foto Otto Oberstech

Doch auch das Wiedersehen bzw. –hören mit den „alten“ Häsinnen/Hasen aus dem Musiktheater bereitete mir wieder eine große Freude: Bass Ulrich Burdack bewies mit der Arie „Jeder, der verliebt“ aus der Oper „Die verkaufte Braut“ von Bedrich Smetana erneut, dass in einem stattlichen Körper eine flexible und trotz der Tiefe auch leicht anmutende Stimme stecken kann. Signe Heiberg rief mit ihrer sinnlichen wie kraftvollen Interpretation von „Si, mi chiamano Mimì“ aus Puccinis „La Bohème“ Erinnerungen in mir wach: Anfang der 90er Jahre war „La Bohème“ die erste Oper, die ich auf einer Bühne sehen durfte – natürlich hier in „meinem“ Stadttheater Bremerhaven. Andrew Irwin gestaltete mit Witz und Spielfreude „Schau der Herr mich an als König“ aus Webers Der Freischütz und schäkerte dabei verschmitzt mit den Damen vom Opernchor.

Apropos Opernchor: In meinen Berichten über Aufführungen am Stadttheater Bremerhaven fällt gerne eine Formulierung wie „…der von mir hin und wieder gescholtene Opernchor“. Das muss nun aufhören! Diese kleine verbale Spitze ist noch meinem Eindruck aus einer Zeit geschuldet, als ich den Opernchor am Stadttheater kennenlernte. Damals gewann ich den Eindruck, die Damen und Herren wären ausschließlich zum Singen auf der Bühne, und schauspielern, tanzen, sich allgemein auf der Bühne bewegen, dies alles stand wohl nicht in ihrer Stellenbeschreibung. Besonders prägend war da für mich eine Aufführung der Oper „Nabucco“ mit dem berühmten Gefangenenchor: Der Chor stand auf der Bühne, erhob die Stimme(n), und der Klang war großartig. Doch dummerweise hatte der Regisseur die Idee, dass die Sänger*innen nach und nach vortreten sollten, um auf der Vorderbühne aus einzelnen Fetzen eine Flagge zusammenzusetzen. In dem Moment, als Bewegung in den Chor kam, brach der Klang kläglich zusammen. Doch in der Zwischenzeit fand im Opernchor am Stadttheater Bremerhaven ein Wechsel statt: Ob es nun ein Generationswechsel, ein Paradigmenwechsel oder welcher Wechsle es auch immer war? Egal! Heute zeigt der Chor sich sehr flexibel und spielfreudig, und einzelne Mitglieder brillieren sogar in Nebenrollen. Und auch ihre Auftritte bei dieser Eröffnungsgala waren absolut charmant und amüsant. Darum: Ich gelobe hiermit feierlich, meine Stichelei zukünftig zu unterlassen!

Auch in diesem Jahr war der Höhepunkt der Gala die Verleihung des Herzlieb-Kohut-Preises, mit dem besondere künstlerische Leistungen am Stadttheater Bremerhaven gewürdigt werden. In diesem Jahr fiel das Urteil der Jury auf die Sopranistin Victoria Kunze, die sichtlich ahnungslos mit dieser Würdigung überrascht wurde. Für mich war es immer eine Freude, diese Künstlerin auf der Bühne erleben zu können, da sie eine enorme Spielfreude mit sängerischem Können und komödiantischem Talent paart. Den Beweis erbrachte sie mit der Arie „Zeffiretti lusinghieri“ aus „Idomeneo“ vom Groß-Meister Wolfgang Amadeus Mozart.

Nach der Rausschmeißer-Nummer „Trink nur zu“ aus Carl Millöckers Operette „Der Bettelstudent“, bei der sich die Gesangssolisten nebst Opernchor auf der Bühne versammelten, entließen wir alle beteiligten Künstler*innen erst nach Standing Ovation incl. einem frenetischen Applaus. Meine Hände sind noch heute taub…!


Mit dieser Eröffnungsgala beginnt die SAISON 2022/2023 am Stadttheater Bremerhaven, das mich wieder mit seinem vielfältigen Programm begeistert.

[Oper] Viktor Ullmann – DER KAISER VON ATLANTIS / Stadttheater Bremerhaven

Kammeroper von Viktor Ullmann / Libretto von Viktor Ullmann unter Mitarbeit von Peter Kien

Premiere: 4. Juni 2022 / besuchte Vorstellung: 11. Juni 2022
Stadttheater Bremerhaven / Havenplaza, Am Längengrad 8


Musikalische Leitung: Davide Perniceni
Inszenierung: Edison Vigil
Bühne & Kostüme: Darko Petrovic


Kein leichter Tobak – mir war von Anfang an klar, dass dieses Stück „kein leichter Tobak“ sein würde – nicht mit dem Wissen um dessen Entstehungsgeschichte: In den Jahren 1943/44 komponierte Viktor Ullmann diese Oper im KZ Theresienstadt für ein dort gegründetes Kammerensemble. Gemeinsam mit Peter Kien war er auch für das Libretto zuständig. Während der Proben wurden Texte umgestellt, verworfen oder ausgetauscht. Das Ensemble diskutierte hitzig über den Inhalt: Kann in einer Situation, wo der Tod allgegenwertig ist, ein Stück gespielt werden, indem der Tod sich verweigert?

Die Oper wurde bis zur Generalprobe geprobt. Zur Uraufführung kam es nicht mehr, da Komponist Viktor Ullmann und Librettist Peter Kien sowie ein Großteil des Ensembles nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurden. Vor seiner Deportierung übergab Ullmann alle Kompositionen dem Bibliothekar vom KZ Theresienstadt…!

Der Harlekin, Personifizierung des Lebens, und der Tod philosophieren über ihr Dasein und das Leben. Zeiten des Krieges sind schwer, wenn Menschen nicht lachen und Tode keine Schrecken verursachen. Der Lautsprecher verkündet, was gleich passieren wird. Als der Kaiser von Atlantis durch den Trommler den Krieg aller gegen alle verkünden und sich zum Herrscher über Leben und Tod ausrufen lässt, verweigert der Tod den Dienst. Die Menschen können nicht mehr sterben. Anlässlich einer Hinrichtung erfährt der Kaiser vom Entschluss des Todes. Auch Alte und Kranke müssen ewig Qualen leiden. Um der aufkommenden Panik entgegenzuwirken, stellt er die Verweigerung des Todes als Befreiung von dessen Tyrannei dar. Zwei Soldaten begegnen sich auf einem Schlachtfeld. Im Kampf erkennen sie sich als Frau und Mann. Sie verlieben sich und kehren dem Krieg den Rücken. Der Trommler versucht, den Mann zu bekehren. Durch die Verweigerung des Todes ist die Welt ins Wanken gekommen und die menschliche Ordnung ins Chaos geraten. Der Trommler versucht, den Kaiser zu stützen, auch ihn befällt im aktuellen Zustand immer öfter die Panik. Da tritt ihm der Tod entgegen. Angesichts des Grauens, das sein Entsagen über die Welt gebracht hat, ist er bereit, zu den Menschen zurückzukehren. Seine Bedingung hierfür: Der Kaiser soll als erster von ihm geholt werden. Dieser willigt ein. Die erlöste Menschheit begrüßt den zurückgekehrten Tod. Nie wieder soll seine Macht vereitelt werden.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)



Fragment-artig, rätselhaft, Fragen eher aufwerfend als beantwortend – so möchte ich die Handlung beschreiben, die wenig stringent anmutet. Die kurzen Bilder reihen sich wie Perlen auf einer Schnur aneinander, und ebenso wie eine Perle, die beim Auffädeln an eine andere Perle schlägt und so eine Reaktion verursacht, verhalten sich die Bilder zueinander. Dabei tritt die Botschaft deutlich hervor: Krieg ist ein sinnloses Unterfangen, aus dem niemals ein Sieger hervorgehen kann.

Die Musik von Viktor Ullmann ist einerseits in seinen Anleihen am Jazz ebenso sperrig wie die Handlung, andererseits liefert er mit seinen musikalischen Zitaten zu bekannten Stücken ironische Brüche: So tauchen in der Arie des Trommlers eindeutig Passagen der deutschen Nationalhymne auf. Die Eröffnungsarie des Kaisers mutet wie die Heldenpartie eines Wagner-Heroen an, während der Lautsprecher als Kommentator des Geschehens beinah Brecht-Weill-sche Züge annimmt.

Regisseur Edison Vigil nutzt für seine Inszenierung die volle Weite des Raumes und lässt auch den entferntesten Flecken von seinem überschaubaren Ensemble bespielen. Da werden die Rolltreppen für effektvolle Auf- und Abgänge genutzt. Die geschwungene Brücke mutiert zur Kommandozentrale. Das liebende Paar verschwindet über die Rolltreppe gen Himmel und läuft über die Glasbrücke einer besseren Welt entgegen. Der Tod greift sich den Diktator, führt ihn zum gläsernen Fahrstuhl, um in ihm Richtung Unterwelt zu fahren.

Damit dies alles nicht zur bloßen Effekthascherei verkommt, überzeugt Virgil auch mit symbolhaften Bildern und setzt auf klein(st)e Nuancen im (Zusammen-)Spiel seiner Sänger*innen. Marcin Hutek als Kaiser von Atlantis überraschte mich in dieser Spielzeit nach Viktoria und ihr Husar abermals. Nahm ich ihn zu Beginn seines Engagements in Bremerhaven als etwas statisch in seiner Darstellung wahr, zeigt er sich nun extrem wandelbar vom selbstverliebten zum gebrochenen Diktator, was er auch mit seinem potenten Bariton auszudrücken verstand. Patrizia Häusermann sang mit ihrem vollen Mezzo famos den Trommler bzw. ergebenen Handlanger des Kaisers und vermittelte glaubhaft dessen aufkommende Panik bezgl. der veränderten Situation. Leider verabschiedet sich diese wunderbare Künstlerin mit dieser Partie von Bremerhaven und wird zukünftig das Publikum am Theater Regensburg begeistern.

Mit sonorem Bass und eher gemütlichem Auftreten gab Ulrich Burdack einen wenig bedrohlich wirkenden Tod, der sich seiner Bedeutung aber durchaus bewusst war und eher pragmatisch seiner Arbeit nachging bzw. beinah bockig diese verweigerte. Andrew Irwin erweckte in mir mein Mitgefühl, wie er als Harlekin bei seinen erfolglosen Versuchen, den Menschen Freude und Spaß zu bereiten, beinah tragisch daran verzweifelte. Victoria Kunze und MacKenzie Gallinger überzeugten als anfangs sich bekämpfende Parteien, dann liebendes Paar, und setzten mit dem Klang ihrer hellen Stimmen (Sopran/Tenor) einen Hoffnungsschimmer in die eher dunkel gefärbte Partitur. Rainer Zaun füllte die Partie des Lautsprechers, der als Moderator/ Erzähler/ Vermittler zwar anwesend aber wenig beteiligt schien, prägnant aus. Zusätzlich wurde das Ensemble durch 6 Statisten (4 ältere Herrschaften und 2 Kinder) unterstützt, die als stumme Soldaten fungierten.

Bühnen- und Kostümbildner Darko Petrovic musste zwangsläufig sein Bühnenbild den Gegebenheiten dieses öffentlichen Raumes anpassen. Vor den Amphitheater-ähnlichen Zuschauerreihen baute er eine offene Zirkusarena mit einigen Tischen, Stühlen, einem Vorhang, einer Bar und drei Monitoren, die Originalmaterial aus dem 2. Weltkrieg zeigten. Die Kostüme beließ er in Schwarz-Grau-Weiß ohne eindeutig zeitliche Verortung: Wirkte die Kluft der Soldaten eher wie die moderner Söldner, so nahm er beim Kaiser von Atlantis und dem Trommler deutliche Anleihen an den Uniformen der NS-Schergen des 3. Reiches und komplementierte die Optik mit blass-geschminkten Gesichtern. Einzig beim Harlekin und dem Tod (beides eher mystische Gestalten) erlaubte er sich Freiheiten: So war der Harlekin klassisch „zwiegespalten“ zwischen Tragik und Komik, während das Gesicht des Todes ein dicker schwarzer Balken zierte – sozusagen als symbolisierte Grenze vom Leben zum Tod.

Die musikalische Leitung lag bei Davide Perniceni in gewohnt-fähigen Händen: Wenige Tage zuvor dirigierte er noch die letzte Vorstellung des Pop-Musicals Chess, nun führte er die Musiker*innen des Kammer-Orchesters souverän durch dieses Stück.

Während der Vorstellung wagte niemand im Publikum zu klatschen, wie es sonst üblich wäre nach einem Bild oder einer Arie. Da es die gewohnte Grenze durch den Orchestergraben nicht gab, und wir in unmittelbarer Nähe des Geschehens saßen, wirkte alles viel intensiver, viel direkter. So folgten wir gespannt und ergriffen der Handlung, und erst zum Schluss zollten wir mit unserem Applaus unseren Respekt, für den Mut dieses Stück in ungewöhnlicher Kulisse zu realisieren. Obwohl: Ist die Kulisse wirklich so ungewöhnlich – zwischen Auswandererhaus, Hafen und offener See? Schwingt bei der Konstellation dieses Trios nicht auch Sehnsucht und Hoffnung mit?

Auf dem Heimweg beschäftigte mich das Gesehene natürlich weiterhin. Unwillkürlich – Ich weiß nicht, warum? – kam mir ein Zitat von Hermann Hesse in den Sinn, dass ich vor einiger Zeit gelesen hatte aber nun nur in Teilen zusammen bekam. Zuhause habe ich es dann nochmals nachgeschlagen:

Glück gibt es nur, wenn wir vom
Morgen nichts verlangen und vom
Heute dankbar annehmen, was es bringt,
die Zauberstunde kommt doch immer wieder.
Hermann Hesse


Viel Zeit bleibt nicht mehr, um die Kammeroper DER KAISER VON ATLANTIS auf dem 8. Längengrad der Havenplaza in Bremerhaven zu erleben. Darum: schnell Karten besorgen…!

[Kulturtipps] Juli/ August 2022…

Das Spielzeitheft für die nächste Saison an „meinem“ Stadttheater Bremerhaven ist erschienen und löste bei mir beim Studieren beinah einen Schreikrampf aus – vor Begeisterung!

So viel Schönes gab es dort für mich zu entdecken. So darf ich mich u.a. freuen auf das klassische Ballett „Dornröschen“, das Musical „Hairspray“, die Oper „Der Freischütz“ und Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“. Auch die Konzerte des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven werden mich wieder ins Theater locken – sei es mit dem 1. Familienkonzert „Coppélia“, das wieder in Kooperation mit der Tanzschule Dance Art entsteht, oder das Adventskonzert „Winter Wonderland“. Aber auch meine Gier nach guten Krimi-Stoffen wird gestillt mit Edgar Allen Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Mord im Orientexpress“ nach Agatha Christie. 

Doch auch die anderen Theater der Region bieten wieder Sehenswertes: Das Ohnsorg-Theater eröffnet die neue Spielzeit mit dem Klassiker „Dat Hörrohr“ von Karl Bunje, und am Bremer Theater gibt es das Musical „Hello, Dolly!“ mit Gayle Tufts in der Titelrolle.

Das so genannte Sommerloch könnte u.a. mit „Der Mordssommer“ vom bremer kriminal theater gestopft werden: Krimis, Lesungen, Konzerte u.v.m. finden „open air“ im Hof der Union-Brauerei statt. Oder wie wäre es mit einem Besuch einer Freilichtbühne? Die Freilichtbühne Lilienthal hat z. Bsp. als Familienstück „Peter Pan“ nach James M. Barrie und als Abendstück „Amadeus“ von Peter Shaffer im Programm.

Sehr zu empfehlen ist auch eine der zahlreichen Stadtführungen, die zu unterschiedlichen Themen-Schwerpunkten angeboten werden: Zuerst fein Essen gehen und dann die angefutterten Kalorien bei der Führung wieder abrennen. Perfekt! 😄


AUSSTELLUNG

  • 31. Juli – Vernissage Sommeratelier / Kunstverein Osterholz in Osterholz-Scharmbeck

FÜHRUNGEN


KOMÖDIE / LUSTSPIEL

  • 2. Juli – Premiere Ich lach mich tot von Alexander Houghton / piccolo teatro Haventheater in Bremerhaven
  • 28. August – Premiere Dat Hörrohr von Karl Bunje / Ohnsorg Theater Hamburg

KONZERT


KRIMI

  • bis 24. Juli – Der Mordssommer / div. Veranstaltungen / bremer kriminal theater

MÄRCHEN

  • bis 10. September – Peter Pan nach James M. Barrie / Freilichtbühne Lilienthal

SCHAUSPIEL

  • bis 9. September – Amadeus von Peter Shaffer / Freilichtbühne Lilienthal
  • 28. August – Premiere Drei Schwestern von Anton Tschechow / Theater am Goetheplatz in Bremen

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Bitte beachten: Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr! Aufgrund der Corona-Pandemie kann es kurzfristig zu Änderungen kommen: Für aktuelle Infos wendet Euch bitte direkt an die Veranstalter!