[Rezension] Alan Riding & Leslie Dunton-Downer – DIE OPER. EINE ZEITREISE IN OPULENTEN BILDERN

🎼 Heute ist der WELTOPERNTAG! 🎼


Meine Liebe zur Oper wurde in der Saison 1991/1992 mit dem Besuch einer Inszenierung von LA BOHÈME am Stadttheater Bremerhaven entfacht. Auch nach all den Jahren, nach all den vielen weiteren Opern, die ich kennenlernen durfte, zählt sie nach wie vor zu meiner absoluten Lieblingsoper. Denn in ihr vereint sich alles, was ich an der Kunstgattung Oper so sehr liebe: Wundervolle Musik, traumhafter Gesang, mitreißende Dramatik und höchste Emotionalität. Nach ihrer Uraufführung im Jahre 1896 schrieb eine Turiner Zeitung „So wie LA BOHÈME nur ein schwacher Eindruck beim Publikum hinterließ, so wird sie auch in der Operngeschichte kaum Spuren hinterlassen.“ Tja, so kann man sich täuschen.

Wundervolle Musik, traumhafter Gesang, mitreißende Dramatik und höchste Emotionalität: Steckt dies hinter dem Geheimnis, warum die Oper auch nach all den vielen Jahren nichts an ihrer Faszination eingebüßt hat? Ich bin auf jedem Fall nach wie vor von dieser außergewöhnlichen musikalischen Kunstform fasziniert.

Das Duo Alan Riding und Leslie Dunton-Downer befeuert mit ihrem Prachtband DIE OPER diese Faszination noch zusätzlich und verspricht mit EINE ZEITREISE IN OPULENTEN BILDERN wahrlich nicht zu viel. Nach einer kompetenten Einführung, in der sie die formalen Merkmale einer Oper aufzeigen, auf den Einfluss der Librettisten auf die von ihnen betreuten Werke eingehen und auch den Stellenwert von Opernhäusern und Festivals auf die Popularität des Genres sowie den Starkult um die Sänger*innen nicht unbeachtet lassen, vertiefen sie sich intensiver mit diesem Thema.

Das Hauptaugenmerk dieses Bildbandes liegt natürlich auf den Komponisten und ihren Werken. Es beginnt mit den frühen Opern von Monteverdi bis Mozart und führt uns dann zu den Italienischen, deutschsprachigen, französischen, russischen und tschechischen Opern, denen allen ein eigenes Kapitel gewidmet wurde. Auch ein Abstecher in die moderne Oper ist zu finden. Es gibt zudem Werke, die durchaus Genre-Grenzen überwinden und manchmal wie z. Bsp. bei Franz Lehár, Leonard Bernstein und George Gershwin nicht immer eindeutig einer Kunst-Gattung explizit zugeordnet werden können.

Ich halte eh sehr wenig davon, musikalische Bühnen-Werke strickt einem Genre zuzuordnen. Dies impliziert eine Wertung, die meiner Meinung nach völlig unnötig ist. Es erfolgt so eine Unterteilung in E- oder U-Musik, d.h. dass das eine Werk der Hochkultur zugeschrieben wird, während ein anderes Werk nur der schnöden Unterhaltung dient. Unabhängig, ob es sich nun um Oper, Operette oder Musical handelt, ich möchte unterhalten werden, und ich erwarte vom Produktionsteam eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk und dessen professionelle Umsetzung auf die Bühne. Es geht mir um die qualitative Substanz eines Werkes, und da gibt es sowohl bei der Oper, wie auch der Operette sowie dem Musical viele herausragende Stücke aber ebenso auch so manches Schmonzes.

Was bei einem Bildband im Format eines Coffee Table Books wie diesem selbstverständlich nicht fehlen darf, ist – neben einer ansprechenden Ausstattung – die scheinbar unendliche Fülle an Fotos. Hier überzeugt, ja, überwältigt DIE OPER. EINE ZEITREISE IN OPULENTEN BILDERN mit historischen Aufnahmen, Szenenbildern neueren Datums, Grafiken und Plakaten zu div. Inszenierungen, üppigen Ansichten von Opernhäusern, Kostüm- und Bühnenbild-Entwürfen u.v.m.

Dieses Buch bietet einen wunderbar kurzweiligen Überblick: Es informiert auf hohem Niveau, überfordert aber nicht, indem sich allzu detailliert in das Thema vertieft wird. Somit ist es die perfekte „Einstiegs-Droge“ für alle, die bisher nur wenige Berührungspunkte mit der Kunstgattung Oper hatten aber gerne mehr erfahren möchten.


erschienen bei Dorling Kindersley / ISBN: 978-3831047376 / in der Übersetzung von Andreas Kellermann, Cordula Wehrmeyer & Christiane Wagler

[Rezension] Rebecca Gugger & Simon Röthlisberger – DIE FABELHAFTE GESCHICHTE VON HERRN LEOPOLD, DER SCHWEBEN KONNTE

Es gibt sie, diese Menschen, die ein einzigartiges Talent besitzen, gar reichlich von der Muse geküsst oder mit Genialität überschüttet wurden. Es gibt sie, diese Menschen, die vor Sex-Appeal sprühen, mit Charisma für sich einnehmen oder besondere mentale wie physische Merkmale ihr Eigen nennen.

Es sind Menschen, die absolut außergewöhnlich sind und so von der Norm abweichen, dass sie andere Menschen, die weniger mit Außergewöhnlichem bedacht wurden bzw. ihre ganz eigene Außergewöhnlichkeit für sich noch nicht entdeckt haben, verunsichern, ja, wenn nicht sogar ängstigen können. Auch kann hierbei durchaus Neid und Missgunst eine Antriebsfeder für deren weiteres Verhalten sein. Diese bemitleidenswerten Menschen erkennen das Außergewöhnliche nicht als ein Zugewinn für ihr Leben. Vielmehr wird es als Gefahr betrachtet, da die eigene Mittelmäßigkeit umso deutlicher in den Vordergrund tritt.

Ich persönlich liebe außergewöhnliche Menschen, da ich mich an ihrer Außergewöhnlichkeit erfreuen und vieles lernen kann. Für mich stellt der Austausch mit diesen außergewöhnlichen Menschen eine enorme Bereicherung für mein Leben dar und eröffnet mir unbekannte und spannende Welten, die mir sonst im Verborgenen geblieben wären.

DIE FABELHAFTE GESCHICHTE VON HERRN LEOPOLD, DER SCHWEBEN KONNTE hebt das Besondere an einem Menschen hervor, feiert die Vielfältigkeit und macht Mut, den eigenen Talenten zu vertrauen.

Herr Leopold konnte schweben – und das schon seit seiner Geburt. Niemand hatte dafür eine Erklärung, nicht einmal die Schwebe-Forscher und -Forscherinnen. Leopold störte das nicht, doch die anderen fanden: Schweben ist nichts für Menschen! Da bemühte er sich, am Boden zu bleiben. Um auf Nummer sicher zu gehen, hängte man ihm auch allerlei Gepäck um. So kam Leopold eines Tages wirklich die Leichtigkeit abhanden. Bis, ja bis er die kleine Mathilda traf und sich wieder an die Unbeschwertheit und seine besondere Fähigkeit erinnerte.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)



Das erfolgreiche Erzähler-Duo Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger haben wieder zugeschlagen, indem sie ihre Talente abermals gar wunderbar bündelten, um eine außergewöhnliche Geschichte zu kreieren.

(Das Wort „außergewöhnlich“ wird in dieser Rezension sicherlich noch häufiger auftauchen!)

Denn so vieles ist an dieser Geschichte wahrlich außergewöhnlich. Da ist zum einen unser Held, der älterer Herr Leopold, dem mit jedem Jahr, das er älter wurde, immer mehr von seiner außergewöhnlichen Fähigkeit abhandenkam. Die Leichtigkeit ging ihm verloren, und so nimmt die mentale Gesundheit Einfluss auf das sehr eigene, höchst individuelle Befinden. Doch manchmal braucht es nur einen Anstoß von außen, um sich zu erinnern. Es muss nichts Großes sein. Da reicht es völlig, wenn die kleine Mathilda an ihm vorbeischwebt, um ihn daran zu erinnern, welche außergewöhnliche Fähigkeit er mal besessen hatte. Es ist nie zu spät, diese verschütteten Talente aus dem tiefsten Keller der Erinnerungen wieder ans Tageslicht zu befördern, und – vor allem – man ist nie zu alt, um sich an diesen Talenten zu erfreuen. Denn genau sie sind es, die die Würze in die Suppe des Lebens bringen und sie wahrhaft schmackhaft macht.

Auch die Illustrationen sind so wunderbar außergewöhnlich, indem sie eine bezaubernde Leichtigkeit ausstrahlen. Sie sind so beschwingt und amüsieren mit ihren skurrilen Typen und einer Vielzahl an witzigen Ideen und liebevollen Details. Der positive Eindruck wird durch die geschmackvolle, fein abgestimmte Farbgebung der Illustrationen noch unterstrichen, die alles ordinär Plakative tunlichst vermeidet.

Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger schenkten ihren kleinen und großen Fans eine warmherzige Geschichte voller Humor, die mit zarter Melancholie bestäubt wurde und sie so aufs Schönste verfeinerte und zum Funkeln brachte.


erschienen bei NordSüd / ISBN: 978-3314107788
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Kolumne] WELTTAG DER BUCHHANDLUNGEN: …denn sie wissen, was sie tun!

In den verschiedensten Foren auf Social Media las ich schon recht oft Kritik am Buchhandel: Er sei zu verstaubt, zu elitär, nicht mehr zeitgemäß und wenig kundenorientiert. Zudem wurde das Personal als arrogant und herablassend gegenüber der Kundschaft empfunden. Viele der Kritiker*innen zogen es darum vor, ihre Lektüre in den einschlägigen Online-Shops zu bestellen, obwohl eine Buchhandlung in erreichbarer Nähe des Wohnortes vorhanden wäre.

Ich möchte diese Kritik keinesfalls abwerten. Im Gegenteil: Ich nehme sie sehr ernst und musste selbst durchaus schon Negatives erfahren. Wir hatten hier vor Ort vor einigen Jahren eine Buchhandlung mit einer Buchhändlerin, die mir mit Ihrem Verhalten und Auftreten immer das Gefühl vermittelte, ich wäre ein Kulturbanause, da ich „nur“ meine popeligen Krimis bei ihr kaufte und nicht mindestens Rilke, Storm oder Mann auf die Ladentheke gelegt habe. Ich glaube, für diese Person war Hemingway schon Trivial-Literatur.

Ich kann mich noch sehr gut an eine Begebenheit erinnern, die sich mir besonders eingeprägt hat: Es geschah zu einer Zeit, als das Internet noch nicht verbreitet war (Okay, ich weiß, dass es auch jetzt noch Regionen in unserem Land gibt, wo ein funktionierender Netz-Zugang einem 6er im Lotto gleichkommt.), und Buchhandlungen massiv-gebundene und kiloschwere Kataloge, in denen die momentan lieferbare Literatur verzeichnet war, vorhielten. Ich suchte damals zu einem bestimmten Thema die entsprechende Literatur und erhoffte mir in eben jener Buchhandlung bei eben jener Buchhändlerin Rat und Hilfe.

Ach, ich war ja so naiv!

Besagte Buchhändlerin hörte sich mein Anliegen an, und ihr Blick sprach Bände. Wortlos warf sie den Katalog auf den Tisch, schlug die Seite mit dem gewünschten Schlagwort auf und schob mir den Schinken über die Tischplatte zu. Jede*r, der in der Vergangenheit bereits einen Blick in besagten Katalog werfen durfte, weiß, dass es außer Titel, Autor*in, Verlag und ISB-Nummer keine weiteren Informationen zum Werk zu erfahren gab. Ich schaute überfordert auf diese nicht enden wollende Auflistung und stammelte hilflos „Aber wie erfahre ich denn, was drin steht?“. „Steht doch alles da!“ wurde ich angeranzt. Ich war über dieses unverschämte Verhalten weniger verärgert als vielmehr betroffen, da diese Buchhändlerin anscheinend gefangen war in ihrer intellektuellen Blase, ihr Potenzial nicht erkannte und somit auch nicht in der Lage war, es auszuschöpfen. Was habe ich getan? Ich habe mich freundlich lächelnd bedankt und diese besagte Buchhandlung verlassen, mich einer anderen Buchhandlung zugewandt, diese dann (nach einer eingehenden Prüfung) zur BUCHHANDLUNG MEINES VERTTRAUENS gekürt, und was soll ich Euch sagen:

Sie ist es bis heute!!!

Doch jede*r, die/der in einen Buchladen geht und diese oder eine ähnlich unangenehme Erfahrung machen musste, tut mir leid. Jede*r, die/der seitdem lieber einen großen Bogen um diese spezielle Buchhandlungen macht, hat mein Verständnis. Aber bitte verteufelt nicht alle Buchhandlungen. Zum Vergleich: Nur weil ihr bei einem bestimmten Frisör mit dem Ergebnis unzufrieden wart, lasst ihr euch eure Haar doch nicht wachsen, oder? Nein, ihr sucht euch einen Frisör, der zu euch passt. Und genau so ist es auch mit Buchhandlungen. Denn es gibt sie – die Buchhandlungen, die mit der Zeit gehen, interessante Aktionen starten und offen sind für neue Wege. Traut Euch bei nächster Gelegenheit wieder in eine kleine, inhabergeführte Buchhandlung hinein: Neues Spiel – neues Glück! Und vielleicht wird diese Buchhandlung dann die BUCHHANDLUNG EURES VERTTRAUENS. Ich würde es euch so sehr wünschen.

Nur was macht eine Buchhandlung zur BUCHHANDLUNG MEINES VERTTRAUENS? Es sind ganz viele Einzelteile, die dann das große mich überzeugende Ganze bilden.

Die BUCHHANDLUNG MEINES VERTTRAUENS…

  • …bietet div. Aktionen (Autor*innen-Lesungen, Exkursionen, Vorlesewettbewerb, Welttag des Buches, „einschließen lassen“, Bundesweiter Vorlesetag, Woche der unabhängigen Buchhandlungen, ungewöhnliche Werbe-Ideen) an, auf die ich per Mail-Newsletter hingewiesen werde,
  • …ist offen für neue Ideen (Lesen an ungewöhnlichen Orten, Kooperationen mit anderen Geschäften und Vereinen etc.),
  • …zeigt Internet-Präsenz (Homepage mit Shop, Facebook, Instagram, YouTube),
  • …sorgt für kulturelle Vielfalt in meiner Heimatstadt.

Aber neben diesen, eher formalen Gründen spielt für mich das Zwischenmenschliche eine immens wichtige Rolle. So sind meine Buchhändlerinnen und ich in der Zwischenzeit so vertraut miteinander, dass wir uns duzen und durchaus auch über Privates plaudern. Zudem machen sie mich regelmäßig darauf aufmerksam, wenn meine Lieblingsautor*innen wieder etwas Neues veröffentlicht haben, ohne dass ich sie darum gebeten habe – einfach weil sie wissen, was ich gerne lese (…und dafür benötigen sie noch nicht einmal einen Algorithmus). Auch bekomme ich unkomplizierte Unterstützung bei meinen Lesungen, indem sie den Kartenvorverkauf übernehmen und/oder mit einem Büchertisch vor Ort sind.

Aber der wichtigste Grund ist für mich, dass ich mich in ihrem Laden wohl fühle. Ich muss mich nicht verstellen und werde nicht anhand meiner Buchauswahl be- bzw. verurteilt. Zudem überraschen sie mich immer wieder mit außergewöhnlichen Büchern, die ich nicht gesucht habe, die mich aber dann dort finden.

All dies finde ich nicht im Netz, sondern im realen Leben in einem Laden vor Ort hier in meiner Heimatstadt, denn…

Bücher kauft man am Scharmbecker Bach, nicht am Amazonas.

💖

[Rezension] Élodie Lécadieu – PARIS. STADT DES LICHTS/ mit Fotografien von David Vincent-Sully

„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt,
dann öffnet er das Fenster
und betrachtet die Boulevards von Paris.“
Heinrich Heine

Es gibt eine bestimmte Stadt auf unserer wunderbar bunten Welt, die ich als Sehnsuchtsort ganz tief in mein Herz geschlossen habe. Es ist eine Stadt, die wie keine zweite mein Empfinden für Ästhetik und Schönheit, für Kunst und Kultur, für Romantik und Savoir-vivre zum Vibrieren bringt. Es ist eine Stadt, die nichts versprechen und noch weniger halten muss und trotzdem stets erfüllt. Es ist eine Stadt, bei der ich, wenn ihr Name fällt, immer denke „Da möchte ich unbedingt einmal hin!“. Doch je älter ich werde, umso weniger Möglichkeiten wie auch Zeit verbleiben mir noch, um diesen Sehnsuchtsorte in der Realität erleben, erobern und erspüren zu dürfen. Gleichzeitig macht sich in mir ein ängstliches Bangen breit, dass das, was ich mir von dieser Stadt erhoffe und erträume, nicht der Realität entspricht sondern nur in meiner Phantasie von mir romantisiert wurde. In diesen Momenten lege ich den Traum, diesen Sehnsuchtsort irgendwann einmal selbst aufzusuchen, wehmütig beiseite und versuche, nicht mehr an ihn zu denken. Doch dann fallen mir Bücher wie dieses in die Hände, und – BÄHM! – da ist es wieder dieses Sehnen.

PARIS. STADT DES LICHTS ist schwelgerischer Bildband, informativer Reiseführer und attraktives Coffee Table Book vereint zwischen zwei Buchdeckeln. So hat die Journalistin Élodie Lécadieu fünfzehn recht unterschiedliche Routen ausgearbeitet. Jede Route führt uns unter einem besonderen Thema durch die französische Hauptstadt mit ihren zwanzig Arrondissements. Es sind Themen, die einerseits die Geschichte Paris zwischen Vergangenheit und Moderne widerspiegeln, andererseits die kulturelle Vielfalt der Seine-Metropole feiern.



Bereits während der ersten Tour DEM HIMMEL SO NAH lässt sie uns einen Blick aus der Vogelperspektive auf diese außergewöhnliche Stadt werfen, damit wir die Komplexität der über die Jahrhunderte gewachsenen Strukturen erfassen können. // Dann schlendert sie mit uns AN DER SEINE entlang, an der sich Museen, der Eifelturm und sonstige Sehenswürdigkeiten wie an einer Kette aufreihen und so manche imposante Brücken ein Überqueren ermöglichen. // IM LAUFE DER ZEIT verändert sich natürlich auch eine Stadt wie Paris, die zwar durch die Haussmann’sche Architektur geprägt ist, die aber schon so selbstverständlich zum Alltag der Pariser*innen gehört, dass sie kaum mehr wahrgenommen wird. Hier hilft uns die dritte Route diese „übersehenen“ Gebäude neu zu entdecken. // Der vierte Rundgang widmet sich der HAUTE COUTURE, die in Paris einen enormen Stellenwert hat, indem hier die großen Mode-Label ebenso zu finden sind wie auch kreative Designer*innen, die ihren eigenen, höchst individuellen Stil pflegen. // Literaten, die etwas auf sich hielten, verbrachten im Laufe ihres Lebens gerne eine gewisse Zeit in Paris – sei es zur Inspiration oder um das Nachtleben der Stadt zu „erforschen“. Die Tour LITERATUR führt uns zu Cafés, Buchhandlungen und Bibliotheken, in denen Colette, Wilde oder Hemingway verkehrt haben könnten, und wo noch heute der Odem der ganz großen Genies der Literaturszene zu spüren ist. // Wie keine andere Stadt steht Paris als Sinnbild für die Liebe. Da wäre dieses Buch selbstverständlich nicht komplett, würde in ihm eine ROMATISCHe Tour fehlen, die uns zu verträumten Parks, entzückenden Museen und verschwiegenen Orten führt.

Auch bei den weiteren in diesem Buch zu findenden Touren überzeugt Élodie Lécadieu sowohl durch ihre informativen wie kurzweiligen Texte, denen man ihre Liebe zu Paris anmerkt, als auch durch die wohldurchdachte Auswahl an Orten, Etablissements und Institutionen. So sind bekannte wie beliebte Touristen-Magnete zu finden, wie auch versteckte Plätze, die einen ganz eigenen Zauber, eine ganz eigene Melancholie ausstrahlen.


Diese Diashow benötigt JavaScript.


David Vincent-Sully fängt in seinen Bildern das Flair dieser Stadt ganz und gar wundervoll ein. Da lenkt er eben noch unsere Aufmerksamkeit auf Details einer Hausfassade, um auf der nächsten Seiten einen Blick hinab auf die Straßenschluchten zu werfen. Panorama- und Momentaufnahmen wechseln einander ab. Die Fotos wirken nicht inszeniert sondern atmen durch die auf ihnen zu sehenden Menschen, die mit ihrer Dynamik wesentlich zur Atmosphäre beitragen. Paris erscheint in Vincent-Sullys Fotos nie als museale Stätte voller Vergangenheit sondern strahlt eine enorme Lebendigkeit aus, mit der die Stadt ganz im Hier und Jetzt ist. Es ist ein Ort, an dem gelebt wird.

Auch wenn Élodie Lécadieu und David Vincent-Sully mit ihrer Kunst den Hauptpart zu diesem traumhaften Buch beigetragen haben, so möchte ich auch Manon Bucciarelli nicht unerwähnt lassen und ihr für die edle und geschmackvolle Gestaltung dieses Buches danken.

PARIS. STADT DES LICHTS hat mich auf so vielen Ebenen begeistert, mich emotional berührt, mich staunend gemacht und meine Lust am Träumen erneut entfacht. Hach, so ein schönes Buch!


erschienen bei Prestel / ISBN: 978-3791394923 / in der Übersetzung von Cornelia Panzacchi und Claire Schmartz
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Konzert] ERÖFFNUNGSGALA 2026/2027 / Stadttheater Bremerhaven

mit der Sinfonia bzw. Ouvertüre zu LUISA MILLER von Giuseppe Verdi sowie Arien, Songs und Musiken von Bedřich Smetana, Camille Saint-Saëns, Johann Strauss (Sohn), Giuseppe Verdi, Herbert Grönemeyer und Norbert Schultze

mit Ausschnitten aus TRUE CRIME. DIE THOMASKATASTROPHE von Coco Plümer, DIE MAUSEFALLE von Agatha Christie, DIE LEBEN DER ANDERSEN von John von Düffel und Kai Tietje, AALI MUSS LOS von Dita Zippel und Finn-Ole Heinrich, DIDO AND AENEAS – A LOVE STORY? frei nach Henry Purcell sowie aus dem Tanzabend TANZRAUSCH von Kinsun Chan und Alfonso Palencia

Premiere: 5. September 2026 / besuchte Vorstellung: 5. September 2026

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marco Comin, Davide Perniceni, Hartmut Brüsch
CHOR Kristina Pernat Ščančar
MODERATION Lars Tietje, Marco Comin, Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Alfonso Palencia, Markus Tatzig
SZENISCHE EINRICHTUNG Annika Ellen Flindt
REGIEASSISTENZ Finn Lorenz
INSPIZIENZ Mahina Gallinger

Musiktheater: Kellan Dunlap, Timothy Edlin, Victoria Kunze, Boshana Milkov, Kai Preußker, Weilian Wang
Ballett: Melissa Festa, Marco Marongiu, Pedro Alves Marques, Kiko Noguchi, Melissa Panetta, Adrián Sánchez, Ming-Hung Wenig, Dawon Yang, Javier Zotano Bermúdez
Schauspiel: Frank Auerbach, Marscha B Zimmermann, Anna Caterina Fadda, Lotta Hackbeil, Leon Häder, Ulrike Knospe, Kay Krause, Gernot Schmidt, Alexander Smirzitz, Marc Vinzing, Henning Z Bäcker
JUB: Ümran Algün, Sander Lybeer, Coco Plümer, Tobias Sill

Opernchor am Stadttheater Bremerhaven
Kinderchor am Stadttheater Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


Ich hatte diesem Wochenende so sehr entgegengefiebert und vorab vehement Wünsche für den Dienstplan eingefordert, damit auch nichts, absolut gar nichts meiner Teilnahme an der turbulenten Spielzeiteröffnung an meinem Stadttheater Bremerhaven im Wege stand. Und wehe, irgendjemand hätte sich mir in den Weg gestellt…!!!

Die Zuschauer*innen strömten ins Theater. Überall war die Lust auf den Beginn der neuen Spielzeit spürbar. Voller Enthusiasmus begrüßte ich bekannte Gesichter und schmetterte ihnen vergnügt strahlend „Auf ein Neues!“ oder „Schön, dass es wieder losgeht!“ entgegen. Dann saß ich voller Vorfreude endlich wieder im Zuschauersaal, der rote Samtvorhang öffnete sich, und eine weitere Saison voller Theaterzauber sollte beginnen.

Bereits Ende August hatte Marco Comin, der neue GMD am Haus, sein Antrittskonzert mit dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven vor begeisterten Konzertbesuchern gegeben. Nun stellte er auch seine Qualitäten für das Musiktheater unter Beweis und konnte uns ebenso mit seinem Dirigat der Sinfonia zu LUISA MILLER begeistern. Diese eher selten gespielte Oper von Giuseppe Verdi wird die Spielzeit im Musiktheater eröffnen.

Intendant Lars Tietje führte souverän durch das Programm und holte sich gerne zu den einzelnen Programmpunkten mit Peter Hilton Fliegel, Bianca Sue Henne, Markus Tatzig und Alfonso Palencia die Leitung der jeweiligen Sparte auf die Bühne.

So berichtete Alfonso Palencia vom spannenden Entstehungsprozess des dreigeteilten Tanzabends TANZRAUSCH, zu dem er zwei befreundete Choreografinnen eingeladen hat, um dem Publikum wie auch den Tänzer*innen die Möglichkeit zu geben, unterschiedliche Stile erleben zu können. Als Appetizer präsentierte die Ballettcompagnie aus TANZRAUSCH einerseits die Arbeit mit dem Titel „Storm“ der Choreografin Kinsun Chan sowie direkt nach der Pause „Rush Rojo“ von Alfonso Palencia. Die Tänzer*innen erstaunten mich abermals mit einer schier unendlich scheinenden Ausdruckskraft ihrer Körper. Es ist für mich immer wieder faszinierend, wie Musik über den Tanz visualisiert werden kann.

Das Jahr 2027 wird ganz im Zeichen des Stadtjubiläums von Bremerhaven stehen, und so werden auch am Stadttheater Bremerhaven einige Produktionen zu sehen sein, die einen unmittelbaren Bezug zur Stadt haben. Im kleinen Haus startet die Saison mit TRUE CRIME. DIE THOMASKATASTROPHE und erinnert an einen furchtbaren Tag im Dezember 1875 als im Bremerhavener Hafen eine Bombe explodierte. In diesem Live-Hörspiel, bei dem Frank Auerbach, Lotta Hackbeil und Marc Vinzing unzählige Rollen verkörpern und so ihre enorme Wandelbarkeit zeigen, werden die Geräusche von einer Sounddesignerin ebenso live vor Ort produziert. Der hier gezeigte Prolog machte Lust auf diesen sicherlich spannenden Theaterabend.

Davide Perniceni übernahm den Taktstock und somit die musikalische Leitung bei den Arien aus DIE VERKAUFTE BRAUT von Bedřich Smetana. Sopranistin Victoria Kunze gestaltete die beiden Arien „Gern ja will ich dir vertrauen“ und „Wie fremd und tot ist alles um mich her“ mit schlichter Würde und fein dosierter Melancholie und zeigte so überzeugend den Wandel der Figur von „hoffnungsvoll in die Zukunft schauend“ zu „verzweifelnd über den Verlust ihres Liebsten“. Ergreifend!

Natürlich durfte auch in diesem Jahr die Verleihung des Herzlieb-Kohut-Preises, mit dem besondere künstlerische Leistungen am Stadttheater Bremerhaven gewürdigt werden, nicht fehlen. Insider werfen einen wissenden Blick auf den Programmzettel. Die Wahrscheinlichkeit ist immer recht hoch, dass der Programmpunkt, der nach der Verleihung an der Reihe ist, im direkten Zusammenhang mit dieser steht. In diesem Jahr nützte mir dieses Wissen „nüscht“, da eine Szene mit acht Schauspieler*innen aus dem Krimi DIE MAUSEFALLE folgen sollte. Es blieb somit auch für mich spannend. Preisträger wurde in diesem Jahr der Schauspieler Leon Häder, der in der vergangenen Spielzeit durch sein exzellentes Spiel überzeugen konnte. Die ausführliche Laudatio der Jury versüßte er – sehr zum Vergnügen des Publikums – mit humoristischen Akzenten in Gestik, Mimik und Haltung. Lieber Leon: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Ich jubilierte inner- wie äußerlich als ich erfuhr, dass ein Kriminalstück von Agatha Christie wieder auf dem Spielplan stehen sollte. Mit Marscha B Zimmermann, Anna Caterina Fadda, Leon Häder, Ulrike Knospe, Kay Krause, Gernot Schmidt, Alexander Smirzitz und Henning Z Bäcker standen nun Künstler*innen auf der Bühne, die in der dargebotenen Szene aus DIE MAUSEFALLE ganz wunderbar Christies Figuren zum Leben erweckten. Es wird mir eine immense Freude sein, mich in „Monkswell Manor“ (wiederholt) einzumieten.

Doch die Würdigungen des Abends waren noch nicht vorbei: In diesem Jahr gab es zusätzlich den Herzlieb-Kohut-Sonderpreis zu vergeben, den der Kinderchor des Stadttheaters für DIDO AND AENEAS – A LOVE STORY? in Empfang nehmen durfte. Mit Unterstützung von Edward Mauritius Münch, Bianca Sue Henne, Katharina Diegritz und Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters erarbeiteten sich die Kinder und Jugendlichen eine sehr eigene, höchst individuelle Variation von Henry Purcells Oper, indem sie dessen Musik mit modernen Songs und persönlichen Gedanken rund um das Thema Liebe kombinierten. Wie sehr die Kids diesen Preis verdient hatten, zeigten sie mit ihrer stimmschönen und emotionalen Interpretation von Herbert Grönemeyers „Demo (Letzter Tag)“. Gänsehaut! Auch an euch: HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH!

Dann wurde es plötzlich glitschig: Das JUB – Junges Theater Bremerhaven bringt mit AALI MUSS LOS ein Stück über Veränderung und Abschied aus Sicht der Tiere am und im Fluss auf die Bühne. Daraus boten uns die Schauspieler*innen Ümran Algün, Coco Plümer, Tobias Sill und Sander Lybeer einen äußerst vergnüglichen wie auch erstaunlich beweglichen Ausschnitt.

„Und ewig lockt das Weib“, das war schon in der Bibel so, und so ist es auch noch heute. Mezzosopranistin Boshana Milkov ließ ihre samtene Stimme lockend und gurrend in der Arie „Amour, viens aider ma faiblesse!“ erklingen. Wehe allen Kerlen, die ihrem bezirzenden Ruf verfallen. Die Oper SAMSON ET DALILA von Camille Saint-Saëns kommt als beeindruckendes Konzerterlebnis auf die Bühne.

Deutlich fröhlicher ging es in der Operette EINE NACH IN VENEDIG zu, aus der die beiden Neuzugänge des Musiktheaters Ausschnitte zeigten. Die musikalische Leitung lag in den bewerten Händen von Hartmut Brüsch. Tenor Kellan Dunlop gab mit „Evviva Caramello“ den Barbier Caramello mit leichter flexibler Stimme. Kai Preußker stellte bei „Wenn vom Lido sacht … Pappacoda ist da“ den Makkaronikoch Pappacoda mit seinem charakteristischen Bariton männlich-markant auf die Bretter. Flankiert wurden die Beiden von einem bestens aufgelegten Opernchor.

Es ist immer eine besondere Herausforderung, einen Song zu interpretieren, der im kollektiven Gedächtnis so eng mit der Ursprungsinterpretin verankert ist. Einerseits sollte eine eigene Interpretation gefunden werden, andererseits darf sich auch nicht zu sehr vom Original entfernt werden. Schauspielerin Ulrike Knospe stand sichtbar nervös auf der Bühne. Doch sie gestaltet den bekannten Evergreen „Lili Marleen“ von Lale Andersen so schön und so berührend. Bravo! Als Background-Chor standen ihr die Mannen Frank Auerbach, Marc Vinzing und Henning Z Bäcker mit harmonischem Gesang zur Seite. Auch das Schauspiel mit Musik DIE LEBEN DER ANDERSEN hat wieder einen engen Bezug zur Seestadt und deren Geburtstag.

Mit LUISA MILLER hatte diese Eröffnungsgala begonnen, und mit LUISA MILLER sollte sie nun auch enden. Bei „Ti desta, o Luisa“ zeigten die Sänger*innen des Chores, dass sie nicht nur die leichte Operette beherrschen sondern ebenso im musikalischen Drama brillieren können. Bassbariton Timothy Edlin ließ seine Stimme bei der Arie „Ah! Tutto m´arride … Il mio sangue, la vita darei“ mit fein nuancierter Koloratur erklingen. Weilian Wang brachte seinen potenten Tenor bei „Oh! fede negar potessi … Quando le sere al placido“ vom auftrumpfenden Fortissimo bis zum sensiblen Piano zum Strahlen. So sorgten diese zwei stimmlichen „Schwergewichte“ gemeinsam mit dem Opernchor für den fulminanten Schluss dieser rundum gelungenen Gala.

Beschwingt verließ ich das Theater und machte ich mich bestens gelaunt auf den Heimweg,…


Diese Diashow benötigt JavaScript.


THEATERFEST 2026 …um nur wenige Stunden später meine Karosse wieder gen Bremerhaven zu lenken: Das Stadttheater Bremerhaven hatte zum Theaterfest geladen und versprach ein pickepackevolles Programm mit Konzerten, Führungen, Besuche der verschiedenen Werkstätten, Einblicke in Proben, Lesungen, div. Workshops, Mitmach-Aktionen für Groß und Klein, einer Mini-Gala und vielem mehr. Da fiel es mir wahrlich schwer, eine Entscheidung zu treffen. Wählte ich den einen Programmpunkt würde ich einen anderen ebenso spannenden aber bedauerlich zeitgleich stattfindenden Programmpunkt verpassen. Luxusprobleme „at its best“!

So wählte ich mit Bedacht. Nach der Begrüßung durch Intendant Lars Tietje lauschte ich sowohl dem Opernchor unter der Leitung der neuen Chordirektorin Kristina Pernat Ščančar wie auch den solistischen Auftritten von Tenor Kellan Dunlap und Mezzosopranistin Boshana Milkov. Der von Boshana Milkov brillant vorgetragene Gershwin-Song „Summertime“ schien beinah programmatisch. Die sommerlichen Außentemperaturen trieben mich ins Theaterinnere direkt zum Kuchenbüfett der Landfrauen („Köstlich!“). Bestens gestärkt wartete ich im Foyer auf den Beginn der Theaterführung mit Sopranistin Victoria Kunze, die uns einmal kreuz, einmal quer durch das Theater führte und neben interessanten Infos zum Theateralltag auch köstliche Anekdoten parat hatte, wozu sie gerne die launige Unterstützung von Chefmaskenbildner Henrik Pecher in Anspruch nahm. Beim öffentlichen Balletttraining bestaunte ich voller Hochachtung abermals die Grazie und die Eleganz der Tänzer*innen.

Apropos Anekdote: Ich bog auf der Seitenbühne um die Ecke und stand unvermutet einem Tisch mit  Lebensmitteln gegenüber. Angewidert blickte ich auf einen Teller und dachte „Wie kann man nur ein Mettbrötchen hier ungekühlt liegen lassen? Da tanzen die Salmonellen vor Freude Samba.“ Ich benötigte einige Sekunden, bis ich registrierte, dass hier die Requisite ihre Kunst der täuschend echten Imitation präsentierte.

Nach einem ereignisreichen Nachmittag voller Begegnungen und Eindrücke trug mich meine brave Karosse müde aber sehr, sehr glücklich wieder zurück in Richtung Heimat.


Mit der Eröffnungsgala und dem Theaterfest beginnt offiziell die SAISON 2026/2027 am Stadttheater Bremerhaven, das mich wieder mit einem vielfältigen Programm begeistert.