[Konzert] Sergei Prokofjew – Peter und der Wolf / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik und Erzähltext von Sergei Prokofjew

geplante Premiere: 8. November 2020 um 11:00 Uhr/ geplanter Besuch des Konzerts: 8. November 2020 um 14:00 Uhr (ausgefallen wegen Corona-Lockdown)

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Musikalische Leitung: Davide Perniceni
Moderation: Tom Baert
Sprecher: Richard Lingscheidt

Die Karten waren besorgt und lachten mich von der Pin-Wand jedes Mals an, wenn ich an ihnen vorbeiging, was sehr häufig am Tag geschah. Ein kurzer Blick zur Pin-Wand genügte, und da war sie wieder, die Vorfreude…! Den Start in mein sechstes Lebensjahrzehnt wollte ich mit einem Konzert begehen, dessen Titel Kindheitserinnerungen in mir wachruft. Ich bin nun in einem Alter, in dem ich mir weniger Gedanken um die Zukunft mache (Ich habe erreicht, was ich erreichen konnte und wollte. Die Karriereleiter überlasse ich gerne anderen. Meine Prioritäten im Leben sind seit einiger Zeit „anders“ gesetzt!), sondern ich werfe vielmehr häufiger einen Blick in die Vergangenheit. Ich war in der 2. Klasse der Grundschule, als wir uns eines Morgens auf den Weg zur damaligen Mehrzweckhalle (heute nach Umbau und Modernisierung: Hamme-Forum) machten, um uns dort das Musikmärchen „Peter und der Wolf“ von Sergei Prokofjew als Puppenspiel anzusehen. Zum ersten Mal in meinem Leben erlebte ich, wie einzelne Musikinstrumente die Figuren eines Theaterstückes charakterisierten, die Musik so ein wesentliches Element der Handlung war und so direkt ihren Weg zu den Emotionen der kleinen Zuschauer fand. Im Laufe der Vorstellung war es für uns Kinder nicht mehr notwendig, dass wir den Wolf wirklich vor uns sahen. Schon allein der Klang der Hörner war ausreichend, dass wir vor Schreck laut aufschrien und versuchten, Peter mit lauten Rufen zu warnen. Kindheitserinnerungen…!

Vor zwei Wochen hätte ich nun „eigentlich“ im Stadttheater Bremerhaven beim 1. Familienkonzert des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven sitzen sollen, um eben diese Kindheitserinnerungen voller Freude wieder aufleben zu lassen. Doch der Lockdown machte mir einen Strich durch die Rechnung: Corona, Du bist ein echt mieses A……..!

Doch das Stadttheater Bremerhaven schläft auch nicht im Lockdown, sondern tüftelt an Formate, mit denen es weiterhin mit seinem Publikum in Kontakt bleibt – so wie es viele Theater, Museen und Kulturschaffende tun. Und so dürfen wir nun das 1. Familienkonzert online genießen.

Die Kamera schwenkt über den leeren Zuschauersaal: Konzertpädagoge Tom Baert begrüßt sein Publikum und begleitet uns bis auf die Bühne. Mit charmanten Akzent erzählt er uns von der Entstehungsgeschichte des Musikmärchens und stellt uns die Hauptpersonen anhand der jeweiligen Instrumente vor. Nach und nach treten die Musiker*innen auf die Bühne, nehmen ihre Plätze ein und stimmen ihre Instrumente. Der Dirigent Davide Perniceni, 1. Kapellmeister des Hauses, erscheint und hebt den Taktstock. Es wird still. Das Musikmärchen kann beginnen…!

Mit Ensemblemitglied Richard Lingscheidt wurde ein schelmischer Erzähler gewonnen, der mit spür- und sichtbarem Spaß die Handlung kommentiert und mit prägnanter Stimme die Personen humorvoll karikiert. Weder er noch Tom Baert sprechen in die Kamera sondern wenden ihren Blick ins Auditorium zum imaginären Publikum und vermitteln so die Atmosphäre eines Live-Konzertes. Die Kamera schwenkt immer wieder über das Orchester, wirft über die Schulter einzelner Orchestermitglieder einen Blick auf die Partitur und gibt so einen wunderbaren Eindruck über das Zusammenspiel innerhalb eines Orchesters. Davide Perniceni schwelgt mit seinen Musiker*innen in der Romantik von Prokofjews eingängigen Melodien. Ein großes Lob gebührt da auch der Produktionsfirma für die sehr gute Bild- und (vor allem) Tonqualität. Beim großen Finale hatte ich eine Gänsehaut, und war gleichzeitig glücklich und traurig: …glücklich über die digitalen Möglichkeiten, die es uns ermöglichen, in diesen schwierigen Zeiten weiterhin Kunst zu genießen, und traurig, dass ich nicht live dabei sein konnte. Denn „Live!“ ist durch nichts zu ersetzten!

Ich danke dem Stadttheater Bremerhaven und allen Beteiligten für dieses wunderbare Konzert!

Doch nun wünsche ich auch Euch viel Vergnügen mit „Peter und der Wolf“:

Das Video ist bis zum 28. Februar 2021 online verfügbar!


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das Programm lohnt sich sehr!

MONTAGSFRAGE #101: Trigger-Warnungen bei Büchern?

Die nächsten hundert Fragen startet Antonia heute mit einem Thema über das ich bisher nicht einen einzigen Gedanken verschwendet habe: Trigger-Warnungen. Natürlich sind mir entsprechende Hinweise auf den Kanälen der s.g. sozialen Medien aufgefallen. Bei einigen Filmchen wird darauf hingewiesen, dass sie gewaltverherrlichende, sexistische, diskriminierende oder andere „geschmackvolle“ Darstellungen beinhalten, deren „Genuss“ einen negativen Einfluss auf die Psyche und die Seele des Zuschauers nehmen kann. Häufig wurden/werden mir diese Filmchen als „Werbeanzeige“ ungefragt in meine Timeline gespült, anfangs mühevoll von mir gemeldet und in der Zwischenzeit geflissentlich ignoriert. Gerade aufgrund der unreflektierten Verbreitung dieser Geschmacklosigkeiten durch einige Anbieter sozialer Medien habe ich mich entschieden, auf den entsprechenden Kanälen meine Aktivitäten massiv zu reduzieren.

Aber sollte es auch für Romane oder Sachbücher entsprechende Hinweise auf dem Cover geben? Ich bin da sehr zwiegespalten: Einerseits sollte jede*r die nötigen Informationen erhalten, um Leid an Leib und Seele zu vermeiden. Nur: Wo anfangen? Wo aufhören? und müsste der Betroffene nicht vielmehr die nötige Hilfe und Unterstützung erhalten (und annehmen), um mit entsprechenden Traumata auslösende Elementen umgehen zu lernen?

Andererseits wage ich die Behauptung, dass Bilder deutlich drastischer wirken als es das geschriebene Wort je könnte. Beim Film habe ich als Zuschauer keinen Einfluss, wie detailliert mir gewisse Szenen präsentiert werden. Schlimmstenfalls verlasse ich den Kinosaal oder betätige den AUS-Knopf der Fernbedienung. Bei der Lektüre eines Romans ist es meiner eigenen Fantasie freigestellt, wie detailreich ich mir eine Szene vorstelle. Meine Vorstellungskraft fungiert als Regisseur und kreiert die Szenerie der Handlung. Und auch hier habe ich es wortwörtlich in der Hand, kann das Buch jederzeit zuklappen und aus der Hand legen.

Vielleicht bin ich da auch sehr naiv, da gewisse Inhalte nie ihren Weg in meinen Blu-Ray-Player bzw. in mein Bücherregal finden würden: Medien, die (um bei meinen o.g. Worten zu bleiben) gewaltverherrlichende, sexistische, diskriminierende oder andere „geschmackvolle“ Darstellungen beinhalten, werden von mir schlicht und ergreifend nicht konsumiert.

Eine Trigger-Warnung bei Büchern halte ich für übertrieben: Als mündiger Leser weiß ich was mich erwartet, wenn ich ein Buch aufschlage. Da müssten die Werbung und der Klappentext zum besagten Buch schon arg nebulös und missverständlich sein, was auf mich dann schon beinah wie ein (gewollter?) Etiketten-Schwindel wirkt.

…und wie ist Eure Meinung? Trigger-Warnung bei Büchern: Ja oder Nein?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Mascha Kaléko – ANSPRACHE EINES BÜCHERWURMS

Der Kakerlak nährt sich vom Mist,
Die Motte frißt gern Tücher,
Ja selbst der Wurm ist, was er ißt.
Und ich – ich fresse Bücher.

Ob Prosa oder Poesie,
Ob Mord- ob Heldentaten –
Ich schmause und genieße sie
Wie einen Gänsebraten.

Ich bin ein sehr belesener Herr,
Nicht wie die anderen Viecher!
Daß Bücher bilden, wißt auch ihr,
Und ich – ich fresse Bücher.

Die Nahrung, sie behagt mir wohl,
Verleiht mir Grips und Stärke.
Was andern Wurst mit Sauerkohl,
Das sind mir Goethes Werke.

Ich fraß mich durch die Literatur
So mancher Bibliotheken;
Doch war`  n das meiste, glaubt es nur,
Bloß elende Scharteken.

Das Bücherfressen macht gescheit.
So denken sich`  s die Schlauen.
Doch wer zuviel frißt, hat nicht Zeit,
Es richtig zu verdauen.

Drum lest mit Maß, doch lest genug,
Dann wird`  s euch wohl ergehen.
Bloß Bücher fressen macht nicht klug!
Man muß sie auch verstehen.

Mascha Kaléko

Der Bundesweite Vorlesetag…

In meinem Kopf schwirren schon einige Ideen wild durcheinander und warten darauf, eindeutige Formen anzunehmen. Dieser kreative Prozess wird erfahrungsgemäß noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Doch sobald sich aus einer diffusen Idee eine konkrete Aktion geformt hat, erfahrt Ihr die Einzelheiten hier auf meinem Blog.“

…hatte ich am 4. August hier an diese Stelle vollmundig von mir gegeben, und dabei in der Tat meinen Mund etwas zu voll genommen. Die Umsetzung einiger Ideen scheiterte schon anfänglich an den vorgegebenen Corona-Maßnahmen, und die schlussendlich geplante Aktion fiel dem aktuellen Lockdown zum Opfer. Der Gedanke, meine Lesung online zu präsentieren, kam mir leider so spät, dass ich (selbst Equipment-frei) keine Möglichkeit mehr hatte, ein entsprechendes Equipment zu besorgen. Ich war/bin in diesem Jahr extrem schlecht vorbereitet, und darum muss der Bundesweite Vorlesetag leider ohne einen Beitrag von mir stattfinden.

Zum Glück waren viele Vor-Leser*innen deutlich besser vorbereitet als ich, und so gibt es „auf allen Kanälen“ eine Vielzahl an abwechslungsreichen Beiträgen zu bewundern. So findet auf den Seiten vom „Vorlesetag“ das Vorlesefestival statt, das auf Instagram oder Facebook verfolgt werden kann und mit einer illustren Schar an Vor-Leser*innen erfreut:

  • 9.30 Uhr: Cornelia Funke Drachenreiter
  • 11.00 Uhr: Thomas Müller Mein Weg zum Fussballprofi
  • 12.30 Uhr: Annette Frier Aschenputtel
  • 14.00 Uhr: Mushda Sherzada Pembo
  • 15.30 Uhr: Nazan Eckes Adrian hat gar kein Pferd

Da das diesjährige Thema „Europa und die Welt“ lautet, wurde im Vorfeld schon ein charmantes internationales und multilinguales Video veröffentlicht: Ein Märchen in 13 Sprachen. Ich habe mich sehr gefreut, dass die Wahl auf das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ fiel. Schließlich lebe ich in der Nähe der Hansestadt Bremen und bin sozusagen der Nachbar der vier tierischen Musiker,…

…aber auch viele andere Institutionen wie Bibliotheken, Universitäten, Verlage, Schulen und Buchhandlungen sowie Prominente aus Kultur, Politik und Sport lassen es sich nicht nehmen und lesen vor. So wird u.a. die wunderbare Autorin Melanie Raabe um 8.45 Uhr aus Jede*r kann was! vorlesen, und der Lesung von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte könnt Ihr auf dem YouTube-Kanal BremerRathaus lauschen.

Unter dem Hashtag #vorlesetag findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu den jeweiligen Beiträgen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom „Vorlesetag“.

Vielleicht verspürt Ihr ja nun auch die Lust in Euch, selbst einmal vorzulesen. Dann haltet Euch bitte nicht zurück. Es ist ganz leicht: Eine schöne Geschichte, ein gemütliches Ambiente, ein Opfer – Äh! – ich meinte natürlich Zuhörer und los geht’s! Ich selbst werde es auch so machen: Mein Göttergatte ist heute Abend „dran“…! 😎

Ich wünsche Euch viel Spaß!

[Rezension] Hans Jürgen Press – Mein Dezemberbuch

Die Advents- und Weihnachtszeit: voller Lichter und Glanz, voller Kitsch und Kommerz, voller Überfluss und doch nie das Passende, voller heimeliger und stressiger Momente. Wie in jedem Jahr wird „Last Christmas“ sich aus Radio-, Kaufhaus- und Fahrstuhl-Lautsprechern über uns ergießen, bis wir das Gefühl haben, unsere Ohren müssten bluten.

Und doch verspüre ich in jedem Jahr erneut die (Vor-)Freude auf diese Zeit. Auch ich gebe mich der Versuchung hin und beginne zu dekorieren, zu backen und zu basteln. Dabei schweifen meine Gedanken ab und wandern zu den Weihnachtsfesten der Vergangenheit. In meiner Kindheit war es noch gang und gäbe, die Geschenke für die Familie selbst herzustellen: Gekauftes war verpönt und wurde auch nicht von mir als Kind erwartet. Während ich heute zunehmend das Gefühl habe, die Zeit verfliegt wie im Fluge viel zu schnell, konnte es mir als kleiner Steppke nie schnell genug gehen bis zum Heiligabend. Ein Buch mit „Spiele und Rätsel für die Weihnachtszeit“ zum Zeitvertreib hätte mir damals außerordentlich gut gefallen.

Bei meiner Recherche zur diesjährigen „Lektüre zum Fest“ stolperte ich über „Mein Dezemberbuch“ von Hans Jürgen Press. Press war der Schöpfer von Die Abenteuer der „schwarzen hand“, die ich damals zu Helden meiner Kindheit erkor. Seitdem bin ich ein Fan seiner Kunst, die darin besteht, innerhalb eines einzigen Bildes eine ganze Welt, eine ganze Geschichte entstehen zu lassen. Dabei sind Press’ Illustrationen durchaus gefällig aber nicht verniedlichend: Sie bilden in kindgerechter Form die damalige Alltags-Realität ab. Seine Zeichnungen strotzen vor charmanten Details und verlieren auch beim wiederholten Betrachten nichts von ihrem Reiz.

In „Mein Dezemberbuch“ versammelt er jeweils auf einer Doppelseite für jeden Tag des Monats eine Fülle an Bastel- und Spielideen, Experimente, Rätsel und Zaubertricks sowie Such- und Wimmelbilder.

Ich sitze auf dem Sofa und versinke in diesem Buch, suche begeistert noch der Lösung in einem Wimmelbild, erfreue mich an den vielen Details und staune über die lehrreichen Rätsel. Beim Betrachten der Bilder macht sich ein Hauch Wehmut in mir breit: Dieses Buch ist für mich pure Nostalgie! Erstmals im Jahre 1984 im damals sehr beliebten Ravensburg-Verlag erschienen, spiegelt es eine völlig andere Zeit, eine völlig andere Wirklichkeit wieder. Damals war nicht unbedingt alles besser, nur anders…!

Damals gab es weder Handy noch Spielekonsole, vor denen die Kinder „geparkt“ wurden. Für die Basteleien und Experimente hätten wir kein elektrisches Equipment benötigt und so mit „weniger“ sehr viel Spaß gehabt!

Dies soll nicht bedeuten, dass ich das Rad der Zeit zurückdrehen und lieber wieder in der Vergangenheit leben möchte. Aber „Mein Dezemberbuch“ von Hans Jürgen Press erinnerte mich auf liebenswerter Weise daran, dass es auch noch heute „einfacher“ und gerne ein wenig schlichter sein darf!


erschienen bei cbj/ ISBN: 978-3570225769

[Literatur & Artverwandtes] Bücherstöbern / Buchhandlung „die schatulle“ Osterholz-Scharmbeck

Bücherstöbern am 14. November 2020 / Buchhandlung „die schatulle“ in Osterholz-Scharmbeck


In diesem Jahr wird die Weihnachtszeit und somit das Weihnachtsgeschäft „dank“ Corona anders verlaufen als in den vergangenen Jahren: Maskenpflicht, Abstandsregelung und max. Anzahl der Kunden im Laden mit evtl. Wartezeit weiterer Kunden vor der Tür lassen einen „mal eben schnellen“ Einkauf der Weihnachtsgeschenke nicht zu. Aber auch ein ausführliches Stöbern im Buchladen wird dem Bücherjunkie mit dem Wissen, dass vor der Ladentür weitere Kunden auf Einlass warten, verleitet.

„Besondere Zeiten erfordern besondere Ideen“

Die Gartmann-Schwestern von der Buchhandlung „die schatulle“ haben darum Altbewährtes mit Neuem kombiniert (Plakat: siehe unten) und bieten ihren Kundinnen und Kunden einen besonderen Service an.

Als ich von dieser Aktion erfuhr, war ich so begeistert, dass ich umgehend eine Anfrage zu Ute Gartmann schickte – natürlich mit meinen ganz persönlichen Extrawünschen:
„Hi Ute, könnte ich auch die erste mit der zweiten Idee kombinieren: Wir kommen an einem Samstag mit bis zu 10 Personen nach Ladenschluss von 13:00-15:00 Uhr und stöbern in aller Ruhe. Ihr seid dabei, um Fragen zu beantworten oder Anregungen zu geben…! Möglicher Termin: 14. November??? Gruß Andreas“

Utes Antwort fiel zwar knapp doch eindeutig freudig aus:
„Perfekt und notiert!“

Mitstreiter*innen für das Bücherstöbern waren schnell gefunden, und so freute ich mich wochenlang auf dieses Treffen und fieberte dem Tag entgegen. Doch dann kam der Lockdown, und in mir keimte die Angst, dass ihm auch unser Bücherstöbern zum Opfer fallen könnte. Doch die Gartmann-Schwestern sorgten vor und informierten sich beim hiesigen Gesundheitsamt, das die erhoffte Entwarnung gab: Unter Einhaltung der Maskenpflicht und der Hygiene- und Abstandsregelung sprach nichts gegen die Durchführung dieser Veranstaltung.

Und so trafen sich sechs erwachsene Buchbegeisterte + das liebste Patenkind der Welt für ein Bücherstöbern der individuellen Art. Zwei Stunden stromerten wir durch die Buchhandlung und stöberten durch unzählige Bücher. In der Ecke mit den Bilderbüchern saß das Patenkind mit Papa ganz in einem Buch über Dinosaurier vertieft, während Mama bei den Romanen fündig wurde. Eine Freundin war beim Regal mit den Ratgebern verschwunden und ward für einige Zeit weder gesehen noch gehört. Ein Freund inspizierte interessiert die Krimi-Literatur und fachsimpelte wenig später mit Patenkinds-Papa über das literarische Werk von Terry Pratchett. Mein Göttergatte wanderte durch den Buchladen von Nord nach Süd, von West nach Ost und trug Historisches, Satirisches, Biografisches und/oder Kulturgeschichtliches von Ken Follett, Lisa Eckhart, Katja Ebstein und Elke Heidenreich zusammen. Doch auch meine Ausbeute war ähnlich vielseitig: Etlichen Postkarten, Weihnachtsgeschichten, „blutrünstige“ Märchen und ein frankophiler Krimi landeten ebenso auf meinem Bücherstapel wie das eine oder andere Kinderbuch, das seinen Weg in naher Zukunft als Geburtstags- bzw. Weihnachtsgeschenk zum liebsten Patenkind der Welt finden wird. Diese Vorgehensweise musste natürlich so tückisch hinterrücks und somit vom Patenkind unbemerkt erfolgen. Doch auch er verließ den Laden nicht mit leeren Händen: Selbstverständlich durfte er sich ein Bilderbuch aussuchen und dieses mit nach Hause nehmen.

Wir plauderten und lachten, zeigten uns unsere Schätze und gaben uns gegenseitig Lese-Tipps. Und es herrschte Einigkeit, dass wir besonders in diesen außergewöhnlich herausfordernden Zeiten entspannte Momente des Miteinanders dringend brauchen.

Buchhändlerin Ute Gartmann stand uns bei Fragen kompetent zur Seite, agierte ansonsten dezent im Hintergrund und ließ uns nach Herzenslust stöbern.

„Liebe Ute, herzlichen Dank, dass Du uns diesen wunderbaren Nachmittag ermöglicht hast!“

plakat_ideen_corona


Weitere Informationen findet Ihr auf der Homepage der Buchhandlung „die schatulle“. Aber bestimmt bietet auch eine Buchhandlung in Eurer Nähe tolle Aktionen an: Einfach hingehen und fragen! Buy Local!

MONTAGSFRAGE #100: Welche Frage würdet ihr in Zukunft gern gestellt sehen?

Erstaunlich: Heute stellt uns Antonia die einhundertste MONTAGSFRAGE! Beinah schon einem Ritual gleich gehört die Beantwortung der MONTAGSFRAGE für meinen Wochenstart einfach dazu. Auch wenn die eine oder andere Frage mir einen Schrei der anfänglichen Hilflosigkeit entlockte und mich kurzzeitig überlegen lies, diesmal zu pausieren. Doch ich habe nicht klein bei gegeben, sondern mich der Herausforderung jeder Frage gestellt und Euch eine mehr oder weniger originelle Antwort präsentiert. In der Zwischenzeit (im Laufe der Jahre) ist sogar der Ehrgeiz in mir erwacht, eine lückenlose MONTAGSFRAGE-Bilanz vorzuweisen…

…somit ist es nicht nur Antonias 100. Frage sondern auch meine 100. Antwort!

Ich finde, zu diesem feierlichen Ereignis darf gerne auch mal eine Fanfare ertönen:


Nachdem ich nun eine Träne der Ergriffenheit von meinem Auge (dem rechten) getupft habe, lasst uns der Jubiläumsfrage zuwenden: Diesmal stellt Antonia uns eine Frage über die Fragen…!

…und auch diesmal kann/will/möchte/muss ich mich selbst zitieren:

„Liebe Antonia, ich selbst möchte keine Fragen stellen. Vielmehr genieße ich sehr den Umstand, dass mir die Fragen gestellt werden. Auch wenn subjektiv betrachtet bei jeder zweiten Frage meine Schreie durch die Hallen hallen (😉), so beantworte ich sie mit äußerster Freude: Geben die Antworten doch so einiges von meiner Persönlichkeit preis, und ich bin mir sicher, dass gerade dieser Umstand den besonderen Reiz dieser Rubrik ausmacht.

Darum: Ich wünsche mir weiterhin Fragen, die mir einen Schrei entlocken, meinen Denkkasten zum Rappeln bringen und auf gar keinem Fall „mal eben“ zu beantworten sind. Aus dem Alter, in dem mir „Ja-Nein-Vielleicht“-Fragen gestellt wurden, bin ich glücklicherweise entwachsen und nun durchaus in der Lage, komplexere Sätze zur Beantwortung zu bilden.“

Liebe Antonia, so sende ich Dir nun meinen herzlichen Dank für die vielen, tollen Fragen rund um das Buch, die Literatur und das Bloggen und freue mich sehr auf die nächsten „gemeinsamen“ Einhundert: Bei der Zweihundert lassen wir dann die Korken tüchtig knallen!

…aber vielleicht habt Ihr ja Fragen, die Ihr unbedingt beantwortet haben möchtet? Ich freue mich auf Eure Vorschläge!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Kulturtipps] Dezember 2020…

Fröhliche Weihnacht überall!
Es ist in diesem verrückten Jahr doch tatsächlich pünktlich bei mir eingetroffen: Das Weihnachtsgefühl! Die Kisten und Kästen mit Advents- und Weihnachtsschmuck habe ich schon hervorgekramt, mit kindlicher Freude meine Schätze gesichtet und diese schon für die jeweiligen Zimmer im Hause sortiert. Und wie in jedem Jahr gibt es die eine oder andere Kleinigkeit, die noch fehlt und dringend besorgt werden muss…!

Tönet durch die Lüfte froher Schall.
Bei jeder sich bietenden Gelegenheit und gleichgültig zu welcher Tageszeit dudelt aus dem CD-Player die passende musikalische Untermalung. Wobei die/der jeweilige Künstler*in inbrünstig von mir vokal begleitet wird…!

Weihnachtston, Weihnachtsbaum,…
Selbstverständlich wird es auch in diesem Jahr einen echten Baum geben, der liebevoll von mir geschmückt wird. Auch das Weihnachtsglöckchen darf nicht fehlen, das uns am Heiligabend den Beginn der Bescherung einläutet…!

…Weihnachtsduft in jedem Raum!
Ist Euch schon mal aufgefallen, dass die Advents- und Weihnachtszeit einen ganz eigenen, sehr besonderen Duft hat? Es ist dieses einzigartige Potpourri aus dem köstlichen Aroma frisch gebackener Kekse, dem rauen Bouquet nach Tannen, Moos und Zapfen und dem warmen Ambiente, das die vielen Wachskerzen, die im ganzen Haus für festliche Stimmung sorgen, ausstrahlen…!

Auch wenn uns Liebgewonnenes wie der Besuch auf einen Weihnachtsmarkt fehlen wird, so werden wir diese stimmungsvolle Zeit wieder mit allen Sinnen genießen. Viele Veranstaltungen sind im Dezember „prophylaktisch“ schon verschoben oder gänzlich abgesagt worden. Doch wir werden (sofern die Corona-Maßnahmen nicht verlängert werden) selbstverständlich die kulturellen Angebote, die sich uns (noch) in diesem Jahr bieten, wahrnehmen.

Kultur wirkt auf mich immer wie eine Frischzellen-Kur für Herz, Hirn und Seele.
Denn: OHNE KUNST & KULTUR WIRD’S STILL!

Ich wünsche Euch eine wunderschöne Advents- und Weihnachtszeit!!!


Ausstellung


Comedy/ Kabarett

  • 4. Dezember – Jörg Knör / TiF: Theater im Fischereihafen in Bremerhaven

Komödie/ Lustspiel


Konzert/ Gala


Krimi


Lesung, Literatur & Artverwandtes

  • 9. Dezember – Jasmin Schreiber liest Mariannengraben / OUT LOUD im Kulturzentrum Lagerhaus in Bremen

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Kleingedrucktes: Die Kulturtipps eines Monats erscheinen in der Mitte des Vor-Monats. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr!

Bitte beachten: Aufgrund der Corona-Pandemie kann es kurzfristig zu Änderungen kommen. Für aktuelle Infos wendet Euch bitte direkt an die Veranstalter!

[Rezension] Reginald Hill – Mord in Dingley Dell

„Träumen auch Sie von einem idyllischen Weihnachtsfest auf dem Lande zu Zeiten von Charles Dickens? Nach einem erfolgreichen Morgen auf der Jagd oder einer inspirierenden Kutschfahrt durch die urwüchsige Natur genießen Sie am prasselnden Feuer des Kamins wohlschmeckende Leckereien. Freuen Sie sich auf stimmungsvolle Feiertage im authentischen Ambiente von Dingley Dell…!“

So oder ähnlich hätte der Text der Werbebroschüre für diese „Dickens‘sche Weihnacht“, in das die junge Engländerin Arabella Allen unfreiwillig geraten ist, lauten können. Eine sowohl illustre wie internationale Gästeschar hat sich im Landsitz Dingley Dell versammelt. Der Gastgeber Jack Wardle verspricht zusammen mit dem designierten Experten Oscar Boswell ein Dickens‘sches Weihnachtsfest bis ins Detail. Doch wie passt der Tote, über den Isabella schon am ersten Abend stolpert, ins Bild. Als der Gastgeber auf mysteriöse Weise verschwindet, und ein Schneesturm den Kontakt von Dingley Dell zur Außenwelt abschneidet, wird schnell deutlich, dass einige Gäste nicht die sind, die sie vorgeben zu sein. Arabella Allen und Oscar Boswell finden sich unversehens in einer verzwickten Spionage-Affäre wieder…!

Wow, es passiert so einiges in diesem Roman aus dem Jahr 1972, der nun erstmals in deutscher Übersetzung vorliegt. Er beginnt wie ein typischer englischer Krimi und bietet die allzeit beliebten wie ebenso typischen Ingredienzien dieses Genres. Doch im Laufe der Handlung änderte sich die Stimmung des Romans: Die heimelige Weihnachtskulisse entpuppte sich zum veritablen Agenten-Thriller mit Industriespionage, wilden Schießereien, Verfolgungen durch das Schneegestöber und einer Jagd mit Helikopter. So musste ich mich von meiner Erwartung auf einen traditionellen Weihnachtskrimi verabschieden. Dafür schienen James Bond und Konsorten mir „Grüße!“ zu schicken. 

Jede Person stand per se unter Verdacht, sich hinter einer falschen Identität zu verstecken. Selbst den beiden Hauptpersonen traute ich nicht über den Weg und rechnete ständig mit einer Überraschung, die noch im Hinterhalt zu lauern schien. Die Figuren werden durchaus ambivalent porträtiert, sodass ich mich nicht entscheiden konnte, ob ich sie nun sympathisch oder doch eher unsympathisch finden sollte – was übrigens ebenso für die Hauptpersonen galt. Zudem erschwerten die Menge der Geschehnisse und die Vielzahl an Personen und Identitäten es mir, den roten Faden nicht zu verlieren. Wie schon erwähnt: Es passiert eine ganze Menge,…

…und gerade weil so viel passiert, liest sich dieser Roman „einfach so weg“: Ich kann wahrlich nicht behaupten, dass ich mich bei der Lektüre übermäßig gelangweilt hätte. Aber bei einer Handlung, die sich Seite für Seite, Schlag auf Schlag entwickelt bzw. verändert, besteht auch die Gefahr, dass wenig im Gedächtnis des Lesers haften bleibt. Zudem hatte es den Anschein, dass der Autor sein Augenmerk mehr auf „Action!“ und weniger auf eine tiefgehende Charakterisierung der Personen gerichtet hat.

Wer nun – auch aufgrund des Cover-Designs – einen gediegenen wie humorvollen Weihnachtskrimi erwartet, wird leider enttäuscht. Denn ebenso wie sich das Handlungspersonal hinter falschen Identitäten verbirgt, versteckt sich ein anderes Genre hinter diesem gefälligen Einband.


erschienen bei DuMont/ ISBN: 978-3832181406

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!