MONTAGSFRAGE #45: Auf Urlaub im Buch?

Auch in dieser Woche ist Antonia noch ganz und gar im Urlaubsmodus mit ihrer heutigen Montagsfrage: „Gibt es ein Buch, in dem du gern einmal Sommerurlaub machen würdest?“

So verlockend diese Vorstellung auch wäre, doch ich fürchte, meine Antwort muss „Nein!“ lauten, da es ja bedeuten würde, dass ich in die Handlung integriert und somit an ihr beteiligt wäre.

Aber ich wäre gerne an den Orten, wo die Handlung einiger Romane spielt und würde dann aus sicherer Entfernung einen Blick auf die Hauptpersonen der Romane werfen. In Cornelia Funkes „Herr der Diebe“ würde ich von weitem Bo und Prosper zuwinken, während ich auf dem Markusplatz in Venedig einen sündhaft teuren Cappuccino schlürfe. In Astrid Lindgrens „Ferien auf Saltkrokan“ könnte ich mit Bootsmann den Steg am See „bewachen“ und ansonsten „den Tag als ein Leben“ genießen.

Bei „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie wäre ich geblendet von der Eleganz dieses legendären Fortbewegungsmittels, würde mich absolut „underdressed“ und somit völlig fehl am Platze fühlen, und beim Anblick des größten Detektivs aller Zeiten (Originalton!) wäre ich erstmal sprachlos, hätte aber zu gern von ihm erfahren, wie er seinen „Moustache“ pflegt – sozusagen ein Austausch von Bartträger zu Bartträger.

Würde mir in New York unversehens Holly Golightly aus „Frühstück bei Tiffany“ von Truman Capote über den Weg laufen, wäre ich mit Sicherheit in Bruchteilen einer Sekunde schockverliebt. Während sie auf der Feuerleiter des Mietshauses in der East Side sitzt und völlig gedankenverloren – ohne auch nur zu ahnen, dass ich existiere – auf ihrer Klampfe zupft, könnte ich unentdeckt vom gegenüberliegenden Balkon sie aus der sicheren Ferne anschmachten. Hinterher würde ich bei Joe an der Ecke meinen Liebeskummer im Martini ertränken.

Hätte ich die Gelegenheit, „live und in Farbe“ einen Blick auf die Protagonisten meiner favorisierten Romane werfen zu dürfen, wäre ich schier aus dem Häuschen vor Freude. Aber meinen Sommerurlaub verbringe ich lieber dort, wo ich hingehöre und wo ich Einfluss nehmen kann und darf – in die Geschichten meiner Lieblingsromane gehöre ich definitiv nicht und bin in aller Bescheidenheit völlig zufrieden mit meiner Rolle als Leser!

…und in welcher literarischen Welt würdet Ihr gerne Euren Urlaub verbringen?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Karsten Dusse – Achtsam Morden

Karsten Dusse ist in der Medienlandschaft kein Unbekannter mehr: Als Volljurist hat er sich gegen eine Laufbahn in einer Kanzlei und für eine Karriere im Fernsehen entschieden. Hier war er als Strafverteidiger bei „Richterin Barbara Salesch“ ebenso wie als Rechtsexperte bei „Verklag mich doch“ vor der Kamera zu sehen. Als Redakteur schrieb er hinter der Kamera Texte u.a. für TV-Hits wie „Ladykracher“. Für seine Autorenarbeiten wurde er bereits mit dem Deutschen Fernsehpreis und mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Auch als Schriftsteller trat er schon in Erscheinung: In seinen bisher erschienenen juristischen Sachbüchern kombiniert er Entertainment mit Fachwissen. Nun hat er seinen ersten Kriminalroman vorgelegt, in dem er seine Kernkompetenzen bündelt und dessen Held – wie könnte es auch anders sein – als Strafverteidiger seine Brötchen verdient.

Ein stattliches Haus, ein protziger Dienstwagen, ein üppiges finanzielles Polster auf der Bank, zudem eine reizende kleine Tochter mit der dazugehörigen (zugegeben: im Moment nervigen) Ehefrau: Das Leben von Björn Diemel könnte – zumindest oberflächlich betrachtet – so schön sein. Doch nun zwingt ihn seine Angetraute zu einem Achtsamkeits-Seminar bei diesem Esoterik-Guru Joschka Breitner zwecks Rettung ihrer Beziehung. Naja, wenn es hilft, dann soll es ihm recht sein. Und so atmet er seit einiger Zeit den Stress weg und spricht gegen Panik einfach ein Mantra. Und sollte er mal gar nicht mehr „achtsam“ weiter wissen, dann hat er zum Glück immer Joschka Breitners Bibel der Achtsamkeit mit dem Titel „Entschleunigt auf der Überholspur – Achtsamkeit für Führungskräfte“ griffbereit. Die Weisheiten dieses Werkes hätte übrigens auch sein Hauptmandant, der Gangsterboss Dragan Sergowicz berücksichtigen sollen, dann wären einige Mitglieder einer rivalisierenden Gang noch am Leben und eine Busladung mit Schulkindern nicht traumatisiert. Dragan muss untertauchen und erwählt für diese Mission ausgerechnet Björn, der mit seiner Tochter ein ruhiges Wochenende am See verbringen möchte. Während Dragan seine Körpermasse zwecks unerkanntes Entkommen in den Kofferraum von Björns Wagen zwängt, begeht er den unverzeihlichen Fehler, seiner Forderung mittels Bedrohung Björns Tochter Nachdruck zu verleihen. Björn findet dieses Verhalten so ganz und gar nicht nett, schließlich geht ihm das Wohl seiner Kleinen über alles und jeden. Da kann es durchaus passieren, dass er einen im Kofferraum sowohl versteckten als auch eingesperrten Mafioso einige Tage bei sommerlichen Temperaturen „vergisst“ und ganz achtsam im Hier und Jetzt die gemeinsame Zeit mit dem Töchterchen genießt. Alles andere kann später noch weg-geatmet werden: Eine Technik, die sich insbesondere nach dem Öffnen der Kofferraumklappe bewehren sollte…!

Karsten Dusse versteht und beherrscht sein Handwerk: Sein Winkeladvokat Björn Diemel ist mit allen Wassern gewaschen, gleichzeitig gelingt es dem Autor, ihn nie unsympathisch wirken zu lassen – im Gegenteil: Bei jedem Schritt, den wir Leser ihn tiefer in dieser Affäre folgen, kann er sich unserer vollsten moralischen Unterstützung sicher sein. Überraschenderweise empfindet der Leser herzlich wenig Mitgefühl mit Herrn Diemels Opfern (Ja, sie haben richtig gelesen: Es bleibt nicht bei einer einzelnen Kofferraumleiche.). Einerseits konnte ich mich während der Lektüre nicht dem Eindruck verwehren, alle Opfer hätten ein solch schändliches Gemeuchel und Gemetzel mehr als verdient. Andererseits hegte ich den Verdacht, dass die jedem Kapitel vorangestellten Tipps von Esoterik-Guru Joschka Breitner ebenfalls ihre Wirkung auf mich Leser zeigten, denn zu „Achtsam Morden“ gehört eben auch achtsam lesen.

Herrn Dusses Erfahrung mit dem Medium Fernsehen merkt man diesem Krimi deutlich an – und ich möchte diesen Hinweis durchaus positiv besetzen: So verteilt sich der Inhalt über 413 Seiten und auf 37 Kapitel. Schnelle Schnitte sind vorprogrammiert. Die Handlung nimmt zügig an Fahrt auf ohne in Hektik zu verfallen. Für Langeweile bleibt somit kaum Raum, dafür gibt es häufig überraschende Wendungen incl. des einen oder anderen Lachers. Dieser Krimi „schreit“ geradezu nach einer visuellen Umsetzung. Sicherlich liegt zuhause bei Herrn Dusse in irgendeiner Schublade schon fix und fertig ein Drehbuch und wartet auf die Chance, beispielsweise in die „fähigen“ Hände eines Herrn Schweigers zu gelangen. Doch ich werde inbrünstig zum Gott der darstellenden Kunst beten in der Hoffnung, dass für diese Rolle ein richtiger Schauspieler gecastet wird.

Ich werde ja wohl noch hoffen dürfen! Hoffen und beten…!


In diesem Zusammenhang möchte ich auch gerne auf die Lesung mit Karsten Dusse in der Buchhandlung meines Vertrauens hinweisen!


erschienen bei Heyne/ ISBN: 978-3453439689

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Hermann Hesse – MANCHMAL

Manchmal, wenn ein Vogel ruft
Oder ein Wind geht in den Zweigen
Oder ein Hund bellt im fernsten Gehöft,
Dann muß ich lange lauschen und schweigen.

Meine Seele flieht zurück,
bis wo vor tausend vergessenen Jahren
Der Vogel und der wehende Wind
mir ähnlich und meine Brüder waren.

Meine Seele wird Baum
Und ein Tier und ein Wolkenweben.
Verwandelt und fremd kehrt sie zurück
Und fragt mich. Wie soll ich Antwort geben?

Hermann Hesse

MONTAGSFRAGE #44: Sollte man auf Reisen lesen?

Diesmal schenkt uns Antonia eine richtige Urlaubsfrage, die ich lakonisch beantworten möchte mit einem „Ja, warum denn nicht?!“.

Wobei ich bei der Suche einer optimalen Antwort definitiv nicht der optimale Partner bin. Meine Erfahrungen mit Urlaubsreisen sind eher überschaubar, und in ihrer Vorbereitung spielten Bücher eine eher untergeordnete Rolle. Zudem verbinde ich Berge von Bücher im Urlaubsgepäck immer mit Berge von Sand (=Strand) im Urlaubort, und an den Strand hat es mich noch nie gezogen.

Aufgrund einer entsprechenden körperlichen Disposition empfinde ich extreme Hitze mit der einhergehenden Sonnenbeteiligung als absolut überbewertet. Zudem neigt meine Haut unter Sonneneinstrahlung eher zu einer ungesunden Röte statt zu einer vitalen Bräune. So haben wir uns eher in Richtung Norden begeben und häufig die dänischen Ferienhäuser getestet. Da gab es nichts Schöneres als nach einer ausgiebigen Shoppingtour, Besuche der umliegenden Städte und Dörfer oder einem ausgedehnten Strandspaziergang (Huch! Da ist er ja doch: der Strand!) ins Ferienhaus „heimzukehren“, um sich dann vor dem knisternden Kaminofen bei einem Gläschen Wein in ein gutes Buch zu vertiefen.

Bei unseren Städtetouren fand nie ein Buch seinen Weg in unser Gepäck. Wann hätten wir es auch lesen sollen? Unser Hotelzimmer sah uns nur zur Schlafenszeit wieder. Ansonsten waren wir auf den Beinen, um den Flair der Stadt in uns aufzusaugen und uns in Cafés und Restaurants kulinarisch und in Museen und Theatern kulturell verwöhnen zu lassen. Für Lesen war da keine Zeit!

Jeder hat das Recht, seinen Urlaub ganz individuell für sich zu gestalten! Gibt es da ein Richtig oder Falsch? Ich bin der Meinung: Nein!

…wird ein Urlaub erst mit einem Buch perfekt? Was meinst Du…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Kulturtipps] August 2019…

Im August hat das Stadtmarketing Osterholz-Scharmbeck gleich zwei Mega-Events „an Land“ und somit in die Stadt gezogen: Während Wincent Weiss die Mädchenherzen höher schlagen lässt, überzeugt PUR mit anspruchsvollem Deutsch-Pop…!

Beide Open Air-Konzerte sind schon eine echte „Hausnummer“ für unsere kleine Kreisstadt: Hochachtung und Dank an die Organisator*innen!


Feste feiern

  • 17. August – Weinfest / Gut Sandbeck Osterholz-Scharmbeck

Komödie


Konzert


Lesung, Literatur & Artverwandtes


Musical

  • 9. August – Wiederaufnahme The Swinging Detective von Christoph Steinau mit der Musik von Sting & The Police / bremer kriminal theater

Operette

  • 23. August – Premiere Im weißen Rössl von Ralf Benatzky, Hans Müller, Erik Charell und Robert Gilbert / Weyher Theater

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Kleingedrucktes: Die Kulturtipps eines Monats erscheinen in der Mitte des Vor-Monats. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr!

[Rezension] Callie Shell – Hope, Never Fear: Michelle und Barack Obama/ Ein persönliches Porträt

Bisher hatte mich kein amerikanischer Präsident so sehr beindruckt wie Barack Obama! Bisher hatte mich keine First Lady so sehr entzückt wie Michelle Obama! Von beiden ging ein Zauber aus, den ich weder vorher noch hinterher bei einem Politiker und seiner Gattin gespürt habe. Nicht nur, dass mit ihnen das erste afro-amerikanische Präsidenten-Paar die öffentliche Bühne betrat – Nein! – Hier standen plötzlich auch zwei ebenbürtige Partner im Rampenlicht, die sich und ihre Mitmenschen mit Respekt begegneten.

Callie Shell hatte das große Glück diese beiden außergewöhnlichen Persönlichkeiten als Fotografin begleiten zu dürfen. Einleitend berichtet sie von ihrer ersten Begegnung mit den Obamas und gibt einen äußerst wertschätzenden Eindruck über die Charaktere dieser für sie so bewundernswerten Menschen wieder. Aus einer langsamen Annäherung erwuchs Vertrautheit, aus dieser Vertrautheit entwickelte sich eine Freundschaft.

Diese Freundschaft ermöglichte es Callie Shell diese bemerkenswerten und ausdrucksstarken Fotos zu machen: Einerseits gibt es Fotos voller Glamour zu bewundern, dann werden die Obamas sowohl mit ihren Töchtern in ihrem familiärem Umfeld gezeigt als auch bei offiziellen Anlässen wie Staatsempfängen oder bei ihren sozialen Projekten. Besonders berührend empfand ich die Fotos, die die Beiden in sehr intimen, leisen Momenten porträtieren: Die Erschöpfung im Blick von Barack während des Wahlkampfes, das Vertiefen in ein kurzes Gebet vor einer Kundgebung, oder die zärtliche Berührung Michelles vor dem Beginn einer wichtigen Ansprache.

Für einige Fotos hat Shell den Obamas „den Rücken gekehrt“ und die Linse in die entgegengesetzte Richtung – auf die Menschen, die den Obamas begegnet sind – gehalten und so deren mannigfaltigen Gefühle, die sich in ihren Gesichtern wiederspiegeln, im Bild festgehalten. So kann der Betrachter der Fotos zumindest einen Bruchteilen dessen erahnen, was die Faszination der Obamas ausmacht.

Alle diese Fotos zeugen von Authentizität und spiegeln die Liebe und den Respekt der Partner zueinander wieder. Stichwort: Partner – Ja, das sind sie! Hier begegnen sich zwei Menschen auf Augenhöhe.

Abgerundet wird dieser Bildband durch Zitate von Michelle und Barack Obama, die mit ihren klugen Worten zum Innehalten und zum Nachdenken anregen….

„Wenn jemand grausam ist oder sich wie ein Tyrann verhält, begibt man sich nicht auf seine Ebene. Nein, unser Motto lautet: >When they go low, weg go high.< – Wenn die anderen ihre schlechten Seiten zeigen, zeigen wir unsere besten.“ Michelle Obama

…und ich danke diesen beiden außergewöhnlichen Menschen aus ganzem Herzen für die Würde, die Menschlichkeit und den Glanz, den sie in die Welt gebracht haben, und wünsche Ihnen nur das Beste für Ihr weiteres Leben!


erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3945543665

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Alan Bradley – Flavia de Luce: Todeskuss mit Zuckerguss

Endlich läuten die Hochzeitsglocken auf Buckshaw: Ophelia de Luce und Dieter Schrantz geben sich endlich das langersehnte Ja-Wort. Der Himmel hängt voller Geigen, und die Luft ist geschwängert vom Blütenduft. Flavia möchte sich bei dieser geballten Anhäufung von Kitsch am liebsten übergeben, wäre da nicht dieser „klitzekleine“ Zwischenfall während der Feierlichkeiten: Beim Anschneiden der Hochzeitstorte fördert die Braut einen abgetrennten Finger aus dem Backwerk zutage! Flavia ist entzückt und stürzt sich begeistert in die Ermittlungen, hat sie doch gemeinsam mit dem treuen Diener Dogger ein Detektivbüro gegründet. Der erste Fall von „Arthur W. Dogger & Partner – Diskrete Ermittlungen“ überrascht mit pikanten Details und verblüffenden Wendungen…!

Flavia macht süchtig! Die Seiten flogen förmlich vor meinen Augen dahin. In Flavias Welt versinken, heißt „nach Hause kommen“ und sich wohl fühlen: Alles ist so bekannt, so vertraut. Nach 9 Bänden kennen wir die kleine, überschaubare Welt von Bishop’s Lacey aus dem Effeff. Da besteht die berechtigte Gefahr, dass beim Leser Monotonie eintreten könnte. Doch zum Glück lässt Bradley bei seinen Protagonisten eine Weiterentwicklung zu: Flavia ist zwar nach wie vor die penetrante, besserwisserische Göre, die wir alle so sehr lieben, gleichzeitig erlaubt Bradley ihr neustens auch sentimentale Gefühlsregungen, die sie weicher, kindlicher und verletzlicher erscheinen lassen. Bei Dogger lässt er unter der Fassade der vom Krieg traumatisierten Kreatur auch seinen brillanten, hochintelligenten Geist durchschimmern. Aber auch den sogenannten „supporting actors“ erlaubt er kleinen Überraschungen und verhindert so deren eindimensionale und auf Dauer langweilige Charakterisierung.

Einzige Wehrmutstropfen sind die manchmal etwas arg konstruiert wirkenden Wendungen in der Handlung, die knapp ausgearbeiteten Konstellationen einiger Handlungspersonen zueinander und die eine oder andere mangelhafte Auflösung zu noch offenen Fragen.

Aber hier „leide“ ich wahrlich auf extrem hohem Niveau. Werden diese „Mängel“ doch mehr als wettgemacht durch den immensen Charme der Geschichte und der liebenswerten Kauzigkeit der Protagonisten. Zudem lässt der Autor einige neue Personen in Erscheinung treten, die die Begehrlichkeit des Lesers nach weiteren Details (und somit auf nachfolgende Auftritte innerhalb der Serie) wecken. Alan Bradley hat uns mit „Flavia de Luce“ absolute Feel Good-Krimis geschenkt!

Bishop’s Lacey ist auf dem besten Wege, das „St. Mary Mead“ unseres Jahrhunderts zu werden.


erschienen bei Penhaligon/ ISBN: 978-3764531157

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #43: Bücher behalten oder aussortieren?

Sowohl als auch – und zwangsläufig: mehr das Erst- als das Zweitgenannte…!

Wenn ein Buch die Schwelle unseres Hauses überschreitet, stehen seine Chancen ausgesprochen gut, eine Heimat für die Ewigkeit gefunden zu haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir meine Bücher – auch Rezensionsexemplare – sehr bewusst auswähle. Bücher werden von mir sehr bedacht angeschafft, und selbst Rezensionsexemplare werden nicht „in rauen Mengen“ von mir angefordert, nur weil ich es könnte und die Verlockung wahrlich groß ist. Denn was nützt mir ein hoher SuB, wenn ich ihn in diesem Leben höchstwahrscheinlich nicht bewältigen werde. So mache ich in meinem Respekt vor dem gedruckten Wort keine Unterschiede zwischen geschenkten und selbst erworbenen Büchern, zwischen gebrauchten und neuen Büchern.

Womit wir bei meinem Dilemma wären: Irgendwann ist auch der größtmögliche Platz in einem Hause ausgeschöpft! Irgendwann habe auch ich mich – trotz größter Sorgfalt – bei der Wahl meiner Lektüre vergriffen!

Ich kann dann glücklicherweise auch loslassen: Bücher, die ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nochmals lesen werde, dürfen dann ebenso weiterziehen, wie Bücher, die mir schlicht und ergreifend nicht gefallen haben. Diese Bücher schicke ich dann entweder auf die Reise, wie ich sie in der Montagsfrage #11 schon beschrieben habe, oder sie finden im Freundeskreis eine neue Heimstätte.

Liebe Antonia! Jeder Lese-Indianer, der freiwillig die Umzugskartons packt, seine Bücherregale abbricht und sie in einem neuen Territorium wieder „aufschlägt“, verdient meinen uneingeschränkten Respekt.

Ich bin in meinem Leben (zum Glück) erst 2x umgezogen, und bei jedem Umzug nahmen die Bücherkartons einen immer größer werdenden Teil der Umzugsfracht in Anspruch. Allein bei dem Gedanken, JETZT nochmals umziehen zu müssen, bricht sich bei mir der Angstschweiß hemmungslos Bahn, pocht mein Herz völlig außer Rhythmus gegen meinen Brustkorb und lässt mich Schnappatmung hyperventilieren. Eine solche Horrorvorstellung übertrifft für mich jede Geschichte zu Halloween!

Umzug: Möge dies nie geschehen!!!

…Jäger & Sammler oder Verteiler? Oder doch eher von allem etwas…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

Heute ist…

…der erste Jahrestag von .LESELUST!

Vor einem Jahr habe ich meinen ersten (kleinen) Beitrag veröffentlicht, nichtsahnend, welche Welt sich mir eröffnet.

Es sind…

  •     …85 Rezensionen erschienen,
  •     …42 Montagsfragen beantwortet worden,
  •     …insg. 280 Beiträge „on air“ gegangen.

Ich habe…

  •     …viele interessante Buch-Blogs entdeckt,
  •     …die Menschen hinter diesen Blogs „kennengelernt“,
  •     …die Community der Buch-Blogger sehr schätzen gelernt.
  •     …97 Menschen erreicht, die mir regelmäßig folgen.

Aber nicht nur meinen 97 Followern gilt mein Dank, sondern allen Menschen, die sich auf meine Seite verirrt und mich mit einem „like“ oder sogar einem Kommentar bedacht haben. Einen besonderen Dank sende ich an all die Menschen, die mich persönlich angesprochen und mir direkt und unmittelbar ihr Feed-Back geschenkt haben. Nur mit diesem vielfältigen Austausch kann eine solche Seite auch leben! Es ist mir immer wieder eine Freude zu erfahren, dass dieser Buch-Blog eine kleine Bereicherung für Euren Alltag darstellt. Vielen Dank!

Aber auch mein Leben wurde durch diesen Blog immens bereichert. Neben den schon erwähnten Gründen habe ich zudem an mir bemerkt, dass sich mein Leseverhalten in diesem Jahr verändert hat: Ich lese konzentrierter und ausdauernder, lasse mich weniger ablenken, dafür bewegt das Gelesene mein Innerstes langanhaltender. Zudem wage ich mich zunehmend an Bücher jenseits meiner Komfortzone und durfte so schon ganz wunderbare Werke kennenlernen. Ich bin literarisch mutiger geworden! Auch dafür bin ich dankbar!

Darum: Feiert mit mir,…

…füllt „wo immer ihr auch seid“ ein Glas mit einem Getränk Eurer Wahl und stoßt mit mir an auf diesen Jahrestag und auf hoffentlich noch viele weitere Jahre!

Herzliche Grüße

Andreas