[Rezension] Thomas Raab – Walter muss weg: Frau Huber ermittelt

Hannelore Huber ist glücklich: Nach 53 langen, freud- sowie trostlosen Ehejahren war ihr Gatte wenigstens so anständig in den Armen einer der Liebesdienerinnen aus dem heimischen Puff „Marianne“ abzunippeln. Wenigstens DAS hat er ihr erspart! Nun gilt es, das Begräbnis möglichst ohne Blessuren hinter sich zu bringen, und dann steht einem geruhsamen Rest-Leben nichts mehr im Weg. Sehr unangenehm, dass sich im Sarg ihres auf dem Höhepunkt seiner Manneskraft verblichenen Gatten eine falsche Leiche befindet. Der Bestatter selbst liegt dort äußerst unpassend im Satin, und von den sterblichen Überresten des alten Hubers fehlt jede Spur. Im kleinen Örtchen Glaubenthal ist es mit der ländlichen Idylle voller Friede, Freude, Eierkuchen erst mal Essig. Ebenso sauer stößt es Hannelore auf, dass sich aus diesem Grund der Beginn ihres harmonischen Rest-Lebens verzögert. Sie hat schon zu Lebzeiten den alten Huber ertragen müssen, da lässt sie sich von ihm nicht auch noch im Tod triezen. Eine Leiche fehlt? Dann muss eine Leiche eben wieder her! Frau Huber ermittelt…!

Ich stelle es mir ungefähr so vor:

Eines schönen Tages, als er so gar nichts anderes zu tun hatte, saß Thomas Raab bei einem Tässchen Tee und schaute verträumt aus dem Fenster in die Weite. Plötzlich stellt er sich folgende Frage: Was waren im Krimi-Genre bisher die gebräuchlichsten Indigrenzien, die einen Kriminalroman zum Erfolg geführt haben? Er stellte die Tasse zur Seite, griff sich flink Papier und Bleistift und notierte eine „Must Have“-Liste:

  • kauzige, ältere Frau als Laien-Ermittlerin
  • überschaubare Dorfgemeinschaft mit skurrilen Charakteren
  • dusselige Dorfpolizisten
  • niedliche Kinder
  • nervige Kinder
  • verschwindende und/oder auftauchende Leichen (wahlweise auch nur Teile von ebendiesen)
  • Klischees, Klischees, Klischees
  • Political Correctness: „Ach, geh weg mit so ’n Schmarrn!“
  • Sex, Crime & Action

…und was von dieser Liste taucht nun in meinem nächsten Krimi auf, fragte er sich und beantwortete diese Frage hurtig selbst: „Na, alles!“

Aber auch der Leser muss so einiges mitbringen, um diesen Krimi in seiner ganzen Pracht genießen zu können: Als Allererstes sollte er nicht alles allzu ernst nehmen. Auch wäre ein arg zartbesaitetes Gemüht eher hinderlich beim Genuss dieses Krimis. Ein ausreichendes Maß an Humor wäre auch hilfreich,…

…dann entdeckt der Leser mit Thomas Raab einen Sprachkünstler, der eine immense Freunde am Fabulieren hat und viel Wortwitz in seine Zeilen legt (…erstaunlich was er dem Doppelnamen „Unterberg-Sattler“ alles entlocken kann). Hier wird jedes Klischee hemmungslos und voller Genuss ausgewalzt. Raab scheut auch nicht vor Szenen voller Slapstick zurück. Seine Sprache ist schnoddrig, manchmal derb und voller Ironie. Der schwarze Humor lugt im kleinen Örtchen Glaubenthal um jede Häuserecke, versteckt sich hinter jeder Tanne.

Ich hoffe nur, er kann dieses Tempo auch beim zweiten Fall aufrechterhalten. Denn: Frau Huber ermittelt hoffentlich weiter…!!!


erschienen bei Kiepenheuer & Witsch/ ISBN: 978-3462050950

MONTAGSFRAGE #53: Was hat euch zum Bloggen verleitet?

Ein weiteres Jahr mit interessanten Montagsfragen startet heute. Und wir dürfen uns wahrlich auf interessante Fragen freuen. Ich kann nur erleichtert ausrufen „Welch ein Glück…!“.

Welch ein Glück, dass nicht alle Blogger*innen so Frage-faul wie ich waren: Der Aufruf von Antonia entwickelte eine immense Produktivität bei meinen Blogger-Kolleg*innen, sodass mindestens die nächsten zwei Jahre gesichert sind. Die heutige Montagsfrage stammt ursprünglich von meiner lieben Kollegin Tina von Buchpfote.

Da ich zu diesem Thema schon an der einen oder anderen Stelle etwas „abgesondert“ habe, klaue ich zur Beantwortung der heutigen Montagsfrage ganz frech von mir selbst und fasse das Wesentliche für Euch zusammen:

Schon seit frühster Jugend verspüre ich diese LESELUST, die im Laufe der Jahre nie geschwunden, vielmehr gewachsen ist. Auch wenn es ein wenig abgedroschen klingt: Lesen bedeutet für mich Leidenschaft! Ich liebe Bücher mit wunderbaren Einbänden, schönem Papier und kunstvollen Illustrationen. Ich liebe den Geruch eines Buches, wenn ich es von der Cellophan-Umhüllung (sofern noch vorhanden) befreit und zum ersten Mal aufgeschlagen habe. Es ist ein haptisches und olfaktorisches Vergnügen – nicht zu vergessen die Auswirkungen des Lesens auf Seele und Geist!

Bücher sind für mich Freudenspender, Tränenbringer, Ideenfinder, Zwerchfellnutzer, Sorgenstiller, Meinungsbildner, Weltenerschaffer und Gedankenentführer.

Schön, dass es SIE gibt!

Diese Leidenschaft – diese LESELUST möchte ich gerne mit anderen Menschen teilen: DARUM blogge ich!

Zuerst habe ich versucht etwas Blog-Ähnliches auf facebook zu etablieren, habe aber sehr schnell festgestellt, dass dies nicht das richtige Medium für mich ist bzw. für das, was ich mir vorstelle. Zudem gefielen mir auch teilweise das Niveau und der Umgangston dort nicht (…und in der letzten Zeit nervt mich fb zunehmend, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spiele, meinen Account dort zu löschen). So habe ich mich auf die Suche nach möglichen Alternativen gemacht und dabei einen guten Freund interviewt, der selbst schon einen Blog hatte. So kam es, dass ich am 7. Juli 2018 meinen ersten, (sehr) kleinen Beitrag auf meinem brandneuen Blog veröffentlicht habe,…

…und seitdem bin ich hier! Ich freue mich täglich, dass ich mich mit diesem wunderbaren Hobby beschäftigen darf und darüber die Möglichkeit erhalte, mich mit Gleichgesinnten austauschen zu können. Ohne Austausch kein Weiterkommen: Wir sitzen ja alle nicht in unserer persönlichen Blase und dümpeln im luftleeren Raum. Ich brauche die Rückmeldungen und die Inspiration von meinen Mitmenschen – in diesem Fall: von meinen Blogger-Kolleg*innen. Ich liebe diesen Austausch sehr: Mein Eindruck ist, dass wir hier auf einem recht hohen Niveau kommunizieren, das geprägt ist von Respekt und Höflichkeit!

Ich werde weiterhin meinen bescheidenen Teil dazu beitragen, dass dieses Niveau erhalten bleibt!

…und: Was hat Euch zu dieser Lust verführt???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Kulturtipps] Oktober 2019…

Bunt und vielfältig präsentieren sich die Kulturtipps im Oktober, und hoffentlich wird unser Herbst ebenso bunt…!

Die Kunsthalle Bremen verspricht mit ihrer neuen Ausstellung interessante Impulse für die Besucher und geht der Frage nach, was bzw. wen jeder einzelne von uns verehrt. Meine Heimat-Bühne „TiO – Theater in Osterholz-Scharmbeck“ startet mit einem charmanten Lustspiel in die neue Spielzeit,…

…und wer es nicht zur Frankfurter Buchmesse schafft, findet bestimmt auch in der näheren Umgebung interessante Veranstaltungen zur Literatur.


Ausstellung


Ballett


Comedy/ Kabarett


Komödie/ Lustspiel

  • 12. Oktober – Gastspiel Een Mann mit Charakter von Wilfried Wroost / Ohnsorg Theater / Stadthalle Osterholz-Scharmbeck
  • 19. Oktober – Premiere Romys Pool von Stefan Vögel, Niederdeutsch von Gerd Meier / TiO – Theater in OHZ, Osterholz-Scharmbeck

Konzert


Lesung, Literatur & Artverwandtes


Oper


Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Kleingedrucktes: Die Kulturtipps eines Monats erscheinen in der Mitte des Vor-Monats. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr!

[Operette] Ralph Benatzky – Im weißen Rössl / Weyher Theater

Operette von Ralph Benatzky / Text von Ralph Benatzky, Hans Müller-Einigen, Erik Charell / Liedtexte von Robert Gilbert

Premiere: 23. August 2019 / besuchte Vorstellung: 12. September 2019

Weyher Theater


Inszenierung: Frank Pinkus
Musikalische Leitung: Patrick Kuhlmann
Bühne: Hermes Schmid und Lisa Kück
Kostüme: Anika Töbelmann


„Im weißen Rössl am Wolfgangsee“, „Es muss was wunderbares sein“, „Im Salzkammergut, da kann man gut lustig sein“, „Als der Herrgott Mai gemacht“, „Die ganze Welt ist himmelblau“, „Zuschau’n kann i net“, „Was kann der Sigismund dafür“, „’s ist einmal im Leben so“, „Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“…

…wenn ein musikalisches Werk eine solche Hit-Dichte aufweisen kann, bei dem das Publikum bei jedem Lied mitsingen kann, dann spricht man wohl mit Fug und Recht von einem Evergreen.

Das kleine Weyher Theater hat sich an diesen Gassenhauer der leichten Muse gewagt und im Großen und Ganzen auch gewonnen. In „Niedersachsens größtem Privattheater“ – so die Eigenwerbung – wurde in der reduzierten Orchesterfassung der „Bar jeder Vernunft“ ganz auf den boulevardesken Charakter des Werkes gesetzten. Mit Boulevardkomödien kennt sich das Weyher Theater aus, macht diese Gattung doch den Hauptteil des Spielplans aus.

Schon vor Betreten des Zuschauersaals wird der Gast auf das Stück eingestimmt: Rot-weiße Wimpelgirlanden und Tannengrün zieren das Foyer, und zünftige Laugenbrezel und „Berliner Weiße mit Schuss à la Giesecke“ werden von den freundlichen Damen vom Servicepersonal mit schmückenden Blütenkränzen im Haar feilgeboten. Im Saal reicht das Alpenpanorama bis in den Zuschauerraum hinein. Das Bühnenbild offenbart eine bunte Postkarten-Idylle und bietet ausreichend Raum für all die Irrungen und Wirrungen rund um die Liebe am Wolfgangsee.

Antje K. Klattenhoff als Wirtin Josepha Vogelhuber und Kay Kruppa als Zahlkellner Leopold schrammten als primäres Leading-Paar hin und wieder gefährlich nah am Chargieren vorbei. Glücklicherweise fanden sie in ihrer gemeinsamen Szene zum Happy-End doch noch ruhigere Töne und gestalteten diese sehr charmant. Großes Lob: Die Pointen saßen bei den boulevard-erprobten Profis punktgenau!

Auch Frank Pinkus in der Doppelfunktion als Regisseurs und Darsteller im Stück „litt“ an einem Hang zur Übertreibung: Sein Wilhelm Giesecke rollte gefährlich häufig mit den Augen und fand einmal zu oft „…dat is mir lieba!“. Ein wenig weniger laut und dafür ein etwas differenzierteres Spiel wäre mir „lieba“ gewesen. Da stellt sich mir in diesem Zusammenhang folgende Frage: Wenn der Regisseur selbst auf der Bühne steht, wer übernimmt dann bei ihm die Spielleitung? Seine Inszenierung setzte auf Tempo ohne in Hektik zu verfallen und amüsierte mit witzigen Details.

Sarah Kluge als Ottilie Giesecke und Christian Hamann als Otto Siedler entwickelten sich zum heimlichen Leading-Paar und zeigten weniger Klamauk dafür mehr Gefühl im Zusammenspiel. Warum die aparte Sarah Kluge in farbloses 70er-Jahre-Beige gehüllt wurde, blieb mir unverständlich. Sicher sollte ihr Outfit als junge Frau aus der Großstadt Berlin optisch einen Gegenpart zur volkstümlichen Kluft der übrigen Damen bilden. Dies wäre allerdings deutlich besser mit der Mode der 50er gelungen: Accessoires wie Hut, Handschuhe und Handtasche wirken (mit wenig Aufwand) manchmal Wunder. Abgesehen davon gab sie gemeinsam mit dem schmucken Christian Hamann ein äußerst attraktives Paar, das sowohl darstellerisch – auch in den leisen Tönen – wie auch im Gesang völlig überzeugte.

Apropos leise Töne: Diese waren – neben Kluge und Hamann – Hermes Schmid als Professor Dr. Hinzelmann und Joachim Börker als Kaiser Franz Joseph vorbehalten. Wenn Professor Hinzelmann bescheiden berichtet, wie er und seine Tochter Klärchen zwei Sommer lang jeden Taler sparen, um im dritten Sommer auf „große Reise“ zu gehen, oder der Kaiser weise und unaufgeregt sein „’s ist einmal im Leben so“ intoniert, da spürt der Zuschauer im großen Spektakel aus Witz und Spaß ein kleines Stückchen Gefühl.

Apropos Klamauk: Es gibt zwei Rollen im Stück, die von vornherein dafür prädestiniert sind und von der Übertreibung „leben“. Marco Linke stürzte sich mit vollem Körpereinsatz (oder sollte ich lieber sagen: mit voller Körpersprache) in die Rolle des schönen Sigismund Sülzheimer, flatterte hemmungslos über die Bühne und bezirzte seine Angebetete voller Inbrunst. Das Klärchen von Isabell Christin Behrendt er-lispelte sich herrlich komisch die Sympathien des Publikums, lies am Schluss unter der versierten Schulung ihres Sigismunds alle Hemmungen fallen und mutierte von der schüchternen Maid zur leidenschaftlichen Geliebten.

Die kleine, feine Theaterband mit Patrick Kuhlmann (auch musikalische Leitung), Michael Haupt und Kevin Kuhlmann sorgten gekonnt dafür, dass ein großes Orchester nicht vermisst wurde und überraschte mit dem einen oder anderen musikalischen Gag.

Das kleine Weyher Theater wagte sich an die große Operette und landete – mit kleinen Einschränkungen – eine Punktlandung: So gesehen sind meine „Kritikpunkte“ auch nur Nuancen, die einem anderen Besucher vielleicht/sicherlich nicht auffallen und auch meine Freude am positiven Gesamtbild nicht schmälerten.

Ich kann Euch einen vergnüglichen und kurzweiligen Theaterabend versprechen und bin mir sicher, dass Ihr das Theater mit einem Lied auf den Lippen verlassen werdet.


HOLDRIOH! Im weißen Rössl wird noch – mit Unterbrechung – bis zum 24. November 2019 gejodelt und gejubelt!

[Rezension] Carl Nixon – Fish ’n’ Chip Shop Song

Ich habe den Eindruck, dass sich Erzählungen in der letzten Zeit einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Wurden sie häufig „nur“ als Kurzgeschichten belächelt und ihren Schöpfer*innen unterstellt, zur „richtigen“ Literatur fehle ihnen wohl die Ausdauer. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Erzählungen zählen für mich zur Königsdisziplin in der Literatur. Im besten Fall schaffen die wahren Könner das, wofür andere Autor*innen hunderte von Seiten benötigen: Sie verstehen es auf wenigen Seiten eine ganze Welt entstehen zu lassen, incl. Spannungsbogen, Stimmungswechsel und Biografien des Handlungspersonals.

Seit einigen Jahren halte ich stets meine Augen offen, um weitere Talente für mich zu entdecken: Carl Nixon war mir bisher nicht bekannt, dabei kann der neuseeländische Autor schon einigen Erfolg im deutschsprachigen Raum vorweisen,…

…und: Er ist einer dieser wahren Könner im Erschaffen von Erzählungen! All das, was ich eingangs erwähnt habe, versteht er in seinen Erzählungen zu präsentieren. „Fish ’n’ Chip Shop Song“ ist eine Sammlung von 15 sehr unterschiedlichen und doch ähnlichen Erzählungen: Ein Wiederspruch? Ja! und Nein!

Da ist die dieser Anthologie namengebende Geschichte um eine junge Frau, die im Fish ’n’ Chip Shop ihrer Eltern arbeitet und sehnsuchtsvolle Fantasien zu einem Kunden ersinnt:  Hier entwickelt sich die Handlung in Form von Liedstrophen und erzeugt einen pulsierenden Beat.

Ein junger Mann trauert in „Das Badefloss“ um den Tot seines Kindes und gibt hierfür seinem Vater die Schuld: Erst ein weiterer prägnanter Vorfall sprengt die Ketten der Trauer und lässt einen Neuanfang zu.

Bei „Träume von einem Vorstadtsöldner“ schmunzelte ich über den beinah pragmatischen Humor der handelnden Personen: Hier werden die Bewohner eines Wohnparks für Senioren von jugendlichen Diebe heimgesucht und erkämpfen sich mit Hilfe eines angeheuerten Söldners das Gefühl der Sicherheit zurück.

„Seines Auges Apfel“ erinnerte mich in seinem märchenhaft-phantasievollen Grundton an Tim Burtons Film „Big Fish“.

In „Mein Vater und der tote Junge“ erfährt ein Sohn bei der Beerdigung seines Vaters ein tragisches Detail zu dessen Biografie, das Rückschlüsse auf sein Werden zulässt.

Auch wenn der Autor die Art und Weise der Darbietung variiert, so ist allen Erzählungen die leise spürbare Melancholie rund um das Thema „Sehnsucht“ gemein – häufig gepaart mit einer wehmütigen Trauer, die mir die Tränen über die Wangen rinnen ließ.

Dabei empfand ich die Trauer nie als erdrückend, und die Tränen wirkten wie eine Befreiung auf mich. Schon wieder ein Widerspruch? Tja, so bin ich eben: widersprüchlich…

…widersprüchlich ist das Leben,…

…und widersprüchlich ist auch diese wunderbare Sammlung an Erzählungen!


erschienen bei CulturBooks/ ISBN: 978-3959881074

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Das Warten hat ein Ende…

Die Finalisten zum Buchblog Award 2019 stehen fest!

Über 3000 Leser*innen haben aus mehr als 650 Buch-Blogs und –Kanäle ihre Finalisten gewählt. Diese sensationelle Beteiligung empfinde ich als eine Wertschätzung für alle Nominierten. Nun obliegt es der kundigen Fachjury, den Besten in der jeweiligen Kategorie zu küren.

Liebe Kolleginnen & Kollegen! Ich gratuliere Euch herzlich zum Einzug ins Finale und drücke Euch im Kollektiv ganz fest die Daumen: Jede und jeder von Euch hätte es verdient, auf dem Siegertreppchen zu stehen. TOI! TOI! TOI!

Alle, die mehr über den Buchblog Award erfahren oder weitere Infos zu den Finalisten erhalten möchten, finden Wissenswertes hier!

MONTAGSFRAGE #52: Welche Fragen würdet ihr gern stellen?

Heute gibt es einen wunderbaren Grund, um zu feiern: Die 52. Frage erblickte heute das Licht der Bloggersphäre! Die Rubrik „Montagsfrage“ feiert somit ihren 1. Geburtstag unter der Ägide von Antonia von „Lauter & Leise“.

Liebe Antonia! Herzlichen Dank für die vielen, tollen Fragen rund um das Buch, die Literatur und das Bloggen. Ich freue mich schon sehr auf die nächsten 52 Wochen mit weiteren 52 Fragen,…

…und, liebe Antonia, ich selbst möchte keine Fragen stellen. Vielmehr genieße ich sehr den Umstand, dass mir die Fragen gestellt werden. Auch wenn subjektiv betrachtet bei jeder zweiten Frage meine Schreie durch die Hallen hallen (😉), so beantworte ich sie mit äußerster Freude: Geben die Antworten doch so einiges von meiner Persönlichkeit preis, und ich bin mir sicher, dass gerade dieser Umstand den besonderen Reiz dieser Rubrik ausmacht.

Darum: Ich wünsche mir weiterhin Fragen, die mir einen Schrei entlocken, meinen Denkkasten zum Rappeln bringen und auf gar keinem Fall „mal eben“ zu beantworten sind. Aus dem Alter, in dem mir „Ja-Nein-Vielleicht“-Fragen gestellt wurden, bin ich glücklicherweise entwachsen und nun durchaus in der Lage, komplexere Sätze zur Beantwortung zu bilden.

Somit gebe ich die heutige Montagsfrage liebend gerne an meine Leserschaft weiter…!

Dies ist ein Blog zur Literatur im Besonderen und zur Kultur im Allgemeinen: Welche Frage würdet Ihr mir gerne stellen? Was wolltet Ihr von mir schon immer einmal wissen und habt Euch bisher nicht zu fragen getraut? Dies ist Eure Chance…!

Ich warte gespannt auf Eure Fragen!!!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Agatha Christie – Hercule Poirot-Krimis

„Hercule Poirot trat aus dem Nebel hervor, nahm Gestalt an und bekam konkrete Züge. Und es steckte viel mehr in diesem kleinen Mann, als ich erwartet hatte.“ Agatha Christie

1920 löste Hercule Poirot in „Das fehlende Glied in der Kette“ seinen ersten literarischen Fall: Über 30 weitere Romane sowie Kurzgeschichten sollten folgen. Agatha Christie bereute es später, dass sie ihm schon zu Beginn ein so hohes Alter gegeben hatte und somit auf eine überschaubare Zeitspanne in ihren Romanen festgelegt war. Dies tat der steigenden Popularität von diesen besserwisserischen kleinen Mann keinen Abbruch…

Hercule Poirot (Belgier, nicht Franzose/ wie er immer wieder gerne betont) lebt als Privatdetektiv in London und ist, obwohl er eher klein von Statur, eine wahre Erscheinung. Dazu tragen besonders sein äußerst penibles Äußeres incl. Schnurbart sowie sein Hang zur Symmetrie bei. Seine Fälle löst er äußerst analytisch mit Hilfe seiner „kleinen, grauen Zellen“.


Mord im Orientexpress

…ist wohl der bekannteste Poirot-Fall dank einiger erfolgreicher filmischer Adaptionen. Ein Zug steckt  in einer Schneewehe fest, ein Mord geschieht, und es gibt gleich 12 Verdächtige: Interessant bei diesem Krimi ist – neben der Frage „Who done it?“ – der Handlungsaufbau.

Der Leser begleitet Hercule Poirot durch die einzelnen Verhöre und kann die Aussagen, wer sich wann an welchem Ort befunden hat, anhand der vorhandenen Skizze der Zugabteile nachvollziehen. Auch wer die Auflösung schon kennt, wird am geschickten Aufbau der Geschichte seine Freude haben.

Für mich ist „Mord im Orientexpress“ eine der besten Poirot-Romane, der in der britischen TV-Adaption mit David Suchet als Poirot eine würdige filmische Umsetzung fand.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650013


Das Geheimnis von Greenshore Garden

…ist eine kleine Mogelpackung: Der Verlag versprach bei Erscheinen eine kleinen Sensation „Nach 60 Jahren wiederentdeckt!“. Es handelt es sich hierbei um eine Novelle, die Agatha Christie später überarbeitet und zu ihrem Roman „Wiedersehen mit Mrs Oliver“ erweitert hat.

Die bekannte Krimiautoren Ariadne Oliver wird gebeten eine Charade als amüsante Mörderjagd zu inszenieren. Dabei stößt sie auf manch Undurchsichtiges und bittet darum ihren Freund Hercule Poirot um Hilfe. Kaum ist dieser vor Ort, ereignet sich ein Mord…

Auch wenn der Roman deutlich detailreicher und atmosphärisch dichter ist, liest sich diese Novelle angenehm leicht und gibt einen guten Einblick über die Arbeitsmethode von Agatha Christie. Zudem legte sie die Rolle der erfolgreichen Autorin Ariadne Oliver nach ihrem Vorbild an und schuf mit dieser liebenswert-kauzigen und zerstreuten Figur einen amüsanten Gegenpol zum über-korrekten Hercule Poirot.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650891


Das große Hercule-Poirot-Buch

…versammelt auf satte 460 Seiten die schönsten Kurzgeschichten mit dem brillanten belgischen Detektiv und bietet auch ein Wieder-Lesen mit seinem Freund Captain Hastings, Inspector Japp vom Scotland Yard und der eifrigen Sekretärin Miss Lemon.

Eine absolut kurzweilige Lektüre…!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600322