[Krimi] Patricia Highsmith – Zwei Fremde im Zug / bremer kriminal theater

frei nach dem Roman von Patricia Highsmith / Deutsch von Elke Körver und Maria Caleita

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Foto: Claudia Hoppens
Premiere: 31. März 2017 / besuchte Vorstellung: 29. April 2017 / bremer kriminal theater

Inszenierung: Ralf Knapp
Bühne: Ralf Knapp / Heiko Windrath

Kostüme: Bianca Oostendorp


Eine Zufallsbegegnung im Zug mit fatalen Folgen für alle Beteiligten: Was lässt einen Menschen zum Mörder werden? Welche Umstände müssen eintreten, damit jemand einen ihm völlig Fremden tötet? Bei Patricia Highsmiths „Zwei Fremde im Zug“ geht es nicht um „Wer hat es getan?“ (Das wissen wir Zuschauer schon nach der ersten ¼ Stunde), vielmehr steht die Frage im Raum „Warum hat er es getan?“.

Sechs quadratische Waben stehen auf der Bühne – weiß, kühl und unberührt – und warten auf die Protagonisten. Bis auf wenige Ausnahmen stehen die Schauspieler allein in einer Wabe, kommunizieren miteinander aber auch aneinander vorbei. Missverständnisse sind vorprogrammiert, da jeder sich hinter „seiner“ Wand versteckt und bemüht, dem Gegenüber nicht hinter die Fassade blicken zu lassen.

Dieses Stück verzichtet auf „Action“, sondern setzt ganz auf die Wirkung der Dialoge und dem Können der Schauspieler (Christian Aumer, Denis Fischer Janina Zamani & Martin Leßmann).

So ist dem Regisseur Ralf Knapp mit seinem Ensemble ein spannender Theaterabend gelungen, der noch lange im Gedächtnis haften bleibt.


Zwei Fremde im Zug wird am bremer kriminal theater noch bis Ende April 2019 gezeigt.

[Rezension] J. Jefferson Farjeon – Dreizehn Gäste

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Ein junger Mann namens John Foss springt aus einem anfahrenden Zug, landet unsanft auf dem Bahnsteig und verstaucht sich den Knöchel: Schon findet er sich mit Unterstützung der reizenden, jungen Witwe Nadine Leveridge im alt-ehrwürdigen Anwesen Braggley Court von Lord und Lady Aveling wieder – inmitten einer illustren Wochenendgesellschaft von sehr einzig- sowie eigenartigen Typen. Durch diesen tragischen Unfall hat sich die Zahl der Anwesenden auf die berüchtigte Zahl 13 erhöht: Einem schlechten Omen gleich zollt diese Unglückszahl ihren Tribut unter den Anwesenden…!

„Dreizehn Gäste“ erschien erstmals 1936 im Goldenen Zeitalter der britischen Kriminalliteratur und liegt nun endlich in der deutschen Übersetzung vor. Doch warum ist Joseph Jefferson Farjeon (1883–1955) bei uns so wenig bekannt? Dabei hat er mehr als sechzig Krimis und Thriller verfasst, und seine – auch bei uns populäre – Krimi-Kollegin Dorothy L. Sayers schwärmte von ihm als „unübertroffen in der gruseligen Darstellung mysteriöser Abenteuer“. Darum geht mein Dank an den Klett-Cotta Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese verschollenen Krimi-Perlen wieder ans Licht der Öffentlichkeit und somit vor die Augen der Leser*innen zu befördern.

Ich LIEBE alte, englische Krimis! Ich LIEBE sie einfach! Einerseits reizt mich die Zeit, in der sie spielen: Eine Zeit, die geprägt war durch Stil und Etikette. Eine Zeit, die nicht besser als die heutige war aber manchmal besser erschien. Andererseits verstanden die damaligen Kriminalautorinnen und –autoren einfach ihr Handwerk…!

Zudem beherrschte Farjeon die Kunst, wunderbar zu formulieren, glaubhafte Charaktere zu formen und die Dialoge klug einzusetzen. Gleichzeitig streute er Witz und Ironie in die Handlung und scheute auch keine Anspielungen auf prominente Kollegen: So beschreibt er den ermittelnden Inspektor Kendall als einen der wenigen Kriminalisten, die nicht Geige spielen.

Wie ein Spinnennetz verwebt Farjeon die Schicksale seiner Protagonisten miteinander, verknüpft einige enger, um andere zu lockern oder gar gänzlich zu zerreißen. Handlungsstränge werden verfolgt, dann wieder fallengelassen, nur um beim Finale anhand eines detaillierten Zeitplans das Geschehen miteinander zu verknüpfen, die Täter*innen zu entlarven und somit die Verbrechen aufzulösen. Lese-Genuss pur!

Ich freue mich schon sehr auf die nächste kriminalistische Wieder-Entdeckung im Klett-Cotta Verlag!

erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608963922

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #32: Gibt es einen Autor, den du früher sehr bewundert hast, heute aber kritischer siehst?

Montagsfrage (1)

Blogger-Kollegin Antonia Leise ist – zum Glück – aus der Examensflut wieder heil aufgetaucht und beschert uns in dieser Woche eine besonders interessante Frage, die durchaus Potential zur Kontroverse besitzt.

Zur Beantwortung der heutigen Frage musste ich (leider!) nicht lange überlegen…!

In den 90er Jahren habe ich den Katzenkrimi „Felidae“ von Akif Pirinçci verschlungen: Ich fand ihn spannend, ungewöhnlich, beängstigend – einfach großartig. Den Rassenwahn eines Josef Mengele im überschaubaren Umfeld von Hauskatzen anzusiedeln galt für mich als Mahnmal gegen Rechts.

Ich konnte damals ja nicht ahnen, dass dies anscheinend schon ein Hinweis auf die wahre Gesinnung eines Akif Pirinçci war. Als ich seine Hassreden sah und von seinen populistischen Veröffentlichungen las, war ich entsetzt.

Dass Menschen, die es aufgrund ihrer Herkunft, ihrer Biografie, ihrer sexuellen Ausrichtung etc. besser wissen müssten, sich vor den braunen Karren spannen lassen, erschüttert mich zutiefst und widerspricht meinem humanitären Menschenbild.

Entgleisungen gegen Menschenrechte, Würde, Toleranz und Demokratie entsetzen mich über alle Maßen. Da gibt es für mich auch keine Diskussionsgrundlage: Für ein solches menschenverachtendes Verhalten gibt es keine Entschuldigung! Meine Meinung dazu ist eine in mir verankerte Grundhaltung und somit die Quelle meines Handelns!

Ich hätte es nicht ertragen können, dass die Werke dieses Mannes in meinem Bücherregal neben den Werken von Rafik Schami, Astrid Lindgren oder Erich Kästner stehen.

Ich werfe keine Bücher in die Recycling-Tonne: In diesem Fall habe ich eine Ausnahme gemacht!

(Ironie an!) Oder hätte ich das Buch lieber verbrennen sollen? (Ironie aus!)

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Kulturtipps] Mai 2019…

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Im Wonnemonat Mai lockt mich wieder eine Lesung in die Buchhandlung „die schatulle“: Vea Kaiser wird aus ihrem Roman „Rückwärtswalzer“ lesen, der mir sehr gefallen hat (Apropos: Meine Rezension findet Ihr hier!). Bei ihrer ersten, sehr unterhaltsamen Lesung zu „Blasmusikpop“ gab es Blasmusik „live“: Ich bin gespannt, mit was uns „die schatullen“ diesmal überraschen!

Am Wochenende zuvor werde ich aber wieder der Museumsanlage in Osterholz-Scharmbeck einen Besuch abstatten und bei hoffentlich sonnigem Wetter über den Kunsthandwerkermarkt schlendern,…

…und da der Osterhase ja schon in den Startlöchern steht, wünsche ich Euch von Herzen ein wunderbares Osterfest!


Ausstellung


Feste feiern


Konzert


Lesung, Literatur & Artverwandtes


Märkte & Messen

  • 25. und 26. Mai – Publica / Messegelände Stadthalle in Osterholz-Scharmbeck

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Kleingedrucktes: Die Kulturtipps eines Monats erscheinen in der Mitte des Vor-Monats. Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr!

[Rezension] Robert Louis Stevenson – Doktor Jekyll & Mister Hyde/ mit Illustrationen von Sébastien Mourrain

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Mit Schaudern erzählt Mister Utterson die merkwürdigen Umstände eines gar außergewöhnlichen Falls: Sein langjähriger Freund, der kultivierte Dr. Henry Jekyll scheint unter dem seltsamen Einfluss eines gewissen Mister Hyde zu stehen. Mister Hyde repräsentiert das genaue Gegenteil von dem destingierten Arzt. Während Dr. Jekyll von einnehmendem Wesen und ansehnlicher Gestalt ist, wirkt Mister Hyde merkwürdig gedrungen in seinem Äußeren und strahlt eine animalische Brutalität aus. Was verbindet diese beiden grundverschiedenen Männer miteinander? Mister Utterson erinnert sich mit Grauen…!

Robert Louis Stevensons im Jahre 1886 veröffentlichte Geschichte um Doktor Jekyll & Mister Hyde hat seinen Weg schon in vielen Gestalten in die Öffentlichkeit gefunden, sei es filmisch oder als Hörspiel, als Schauspiel oder Musical, als Graphic Novel oder – wie in diesem vorliegendem Fall – als  Nacherzählung für junge Leser. Dabei wurde die Stimmung der Vorlage bewahrt: Das viktorianische London erscheint weiterhin düster und geheimnisvolle. Das mysteriöse Verhalten von Dr. Henry Jekyll gibt dem Leser Rätsel auf, und Mister Hydes schändliche Taten werden nicht verschwiegen aber für die jüngere Leserschaft entsprechend „bearbeitet“. Alles in allem ist Nils Aulike eine gelungene Übersetzung und kluge Kürzung des Original-Textes gelungen.

Hinzu kommen die atmosphärisch-dichten Illustrationen von Sébastien Mourrain, die – in schwarz-weiß gehalten – einen großen Anteil am Gelingen dieser Roman-Bearbeitung haben. Sehr sparsam, dafür umso überlegter setzt Mourrain die Farbe Gelb ein, um den Blick des Lesers/ Betrachters bewusst auf etwas zu fokussieren oder ihn auf kleine Details in der Zeichnung zu lenken.

Es fällt mir schwer, dieses Werk als Bilderbuch zu bezeichnen: Für mich ist es eher ein illustrierter Roman! Aber schlussendlich ist es auch völlig egal, wie wir es nennen. Fakt bleibt, dass hier eine gelungene Adaption dieses Klassikers entstanden ist!

erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3959390415

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Noch ein Gedicht…] Johann Georg Jacobi – APRIL

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Was kümmert’s dich in deinen Wolken droben,
Du launischer April,
Ob wir dich tadeln, oder loben?
Ein großer Herr tut meistens, was er will.
Auch halten wir geduldig still,
Und leiden, was wir leiden müssen.
Gib uns zuweilen nur ein wenig Sonnenschein,
Damit wir dessen uns erfreun:
Dann magst du wiederum mit Schnee und Regengüssen,
Mit Sturm und Blitz und Hagel dir
Bei Tag und Nacht die Zeit vertreiben!
In unsrer kleinen Wirtschaft hier
Soll dennoch gutes Wetter bleiben.

Johann Georg Jacobi

[Rezension] Agatha Christie – Miss Marple-Krimis

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Miss Jane Marple erblickte – dank ihrer Schöpferin Agatha Christie – im Jahre 1930 mit „Mord im Pfarrhaus“ das Licht der literarischen Welt und sollte es 36 Jahre, 12 Romane und etliche Kurzgeschichten später erst wieder verlassen. Dabei kann sie auf eine sehr erfolgreiche Kariere – auch in Film, Fernsehen und Rundfunk – zurückblicken.

Miss Marple ist eine ältere, altjüngferliche Dame aus der fiktiven kleinen Ortschaft St. Mary Mead, die dank ihres reinen Menschenverstands und einem unverstellten Blick auf die menschliche Natur die rätselhaftesten Geheimnisse lüftet. Dabei wird sie – aufgrund ihres harmlos wirkenden, provinziellen Auftretens – von der Polizei wie vom Täter häufig unterschätzt.


Mord im Pfarrhaus

Ausgerechnet im Pfarrhaus ereignet sich ein kaltblütiger Mord. Der Pfarrer und seine Gemeindemitglieder sind entsetzt. Wer könnte in dem bisher beschaulichen St. Mary Mead eine solch grauenhafte Tat begehen. Es wird spekuliert, gemutmaßt und verdächtigt – nur Miss Marple behält einen klaren Kopf…

Agatha Christie versteht es sehr gekonnt, die Geschehnisse aus Sicht des Dorfpfarrers zu schildern, der obwohl sehr gottesfürchtig trotzdem äußerst menschlich denkt und agiert, und mit seiner ungewohnten Familienkonstellation (junge, hübsche Ehefrau, jugendlicher Neffe) selbst für wilde Spekulationen im Dorf sorgt. Ich habe mich köstlich über Agatha Christies Beschreibungen der Dorfbewohner amüsiert: In diesem Mikro-Kosmos herrschen statt Friede & Freude eher handfester Klatsch & Tratsch. Zudem fällt Miss Marples erste Erwähnung im Roman so gar nicht vorteilhaft für sie aus:

„Sie ist die schlimmste Katze im Dorf. Und weiß immer alles, was passiert – und zieht daraus die schlimmsten Schlüsse.“

Zum Glück sind es aber gerade diese – wenig schmeichelhaften – Eigenschaften, die Miss Marple helfen, den verzwickten Fall zu lösen und sie in einem vorteilhafteren Licht erscheinen zu lassen.

Ein wunderbar spannender Krimi mit prallen Charakteren und witzigen Dialogen…

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650075


16 Uhr 50 ab Paddington

Zwei Züge rasen mit hoher Geschwindigkeit in dieselbe Richtung. Während die Züge einander überholen geschieht in dem einen Zug ein Mord, in dem anderen Zug sitzt eine entsetzte Zeugin: Elspeth McGillicuddy. Doch niemand will ihr Glauben schenken, zudem auch keine Leiche aufzufinden ist. So wendet sie sich vertrauensvoll an ihre liebe Freundin Jane Marple, die unverzüglich die Fährte aufnimmt…

Interessanterweise ermittelt Miss Marple in dieser Geschichte nicht selbst, sondern bleibt – die Fäden in der Hand behaltend – im Hintergrund und überlässt das Feld ihrer jugendlichen Freundin Lucy Eyelesbarrow, die als Miss Marples verlängerter Arm agiert. Dies tut sie so geschickt und  sympathisch, dass ich mir als Leser wünsche, es gebe weitere Krimis des Gespanns Marple/ Eyelesbarrow.

Auch 27 Jahre nach Miss Marples ersten Auftritt beweist Agatha Christie, dass sie ihr Handwerk nach wie vor versteht…

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650068


Das große Miss-Marple-Buch

…versammelt auf satte 400 Seiten die schönsten Kurzgeschichten mit der liebenswerten alten Lady. Zudem macht der Leser die Bekanntschaft mit den Mitgliedern des „Dienstagabend-Klubs“, eine illustre Runde unterschiedlicher Charaktere, die Miss Marple vielfältige Gelegenheit bieten, ihren kriminalistischen Spürsinn einzusetzen.

Eine absolut kurzweilige Lektüre…!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600315

MONTAGSFRAGE #31: Welcher Autor aus dem nicht-Deutsch- oder nicht-Englisch-sprachigen Raum sollte mehr gelesen werden?

Montagsfrage (1)

Hmmmphfffgggrrr…! Horchet meinen unterdrückten Schreien!

Ohje! Volles Rohr ertappt…!

…nicht-Deutsch- oder nicht-Englisch-sprachigen Raum? Moment! Ich mache mal eben einen Abstecher zu den Bücherregalen: Gälten auch Astrid Lindgren (Schweden) und George Simenon (Belgien)? Erstere habe ich schon zuhauf gelesen und begleitet mich seit meiner Kindheit, letzterer wartet mit 2 Romanen auf seine/ meine Wiederentdeckung.

…nicht-Deutsch- oder nicht-Englisch-sprachigen Raum? Na, was haben wir denn da?! Da teilen sich ja auch noch Eric-Emmanuel Schmitt (Frankreich) und Natalio Grueso (Spanien) ein Bücherregal. Schmitt hat sowohl die literarische Welt als auch mich mit „Monsieur Ibrahim und die Blume des Koran“ begeistert. „Der Wörterschmuggler“ von Grueso führt leider ein etwas verkanntes Dasein und wird gerne unterschätzt (…aber nicht von mir! Hüstel!).

Da ist er allerdings in bester Gesellschaft mit „Das geheime Leben der Bücher“ von Régis de Sá Moreira (Frankreich/ Brasilien): Bei diesem feinen Büchlein gehen die Leser-Meinungen auch sehr stark auseinander. Meine Meinung habe ich Euch ja schon an dieser Stelle hinlänglich kundgetan, und darum erspare ich mir hier eine Wiederholung!

…nicht-Deutsch- oder nicht-Englisch-sprachigen Raum? Na, da möchte ich Euch nicht verabschieden, ohne Euch einen kleinen „Schmankerl“ ans Herz zu legen: Der Roman „Agathe“ von Anne Cathrine Bomann (Dänemark), den ich an diesem Wochenende gelesen habe (Rezension folgt),  hat mir nicht nur ausgesprochen gut gefallen, – Nein! – er hat mich auch zum Nachdenken über das eigene Leben und zum Reflektieren der eigenen Handlungen animiert.

Können wir mehr von Literatur erhoffen? Ich wünsche Euch einen wunderbaren Wochenbeginn!!!

War doch gar nicht so schwer! …völlig umsonst geschrien!

…nicht-Deutsch- oder nicht-Englisch-sprachigen Raum? Nur herbei mit Euren Tipps???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Christophe Lylian (frei nach Brüder Grimm) – Schneewittchen/ mit Zeichnungen von Nathalie Vessillier

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Hurra! – Meine erste Graphic Novel: Habe ich einen Grund zur Freude? Leider nur mit Einschränkung…!

Die Zeichnungen von Nathalie Vessillier sind wunderschön, betonen einerseits den märchenhaften Charme der Geschichte in ihrer Form- und Farb-Sprache, andererseits illustrieren sie auch die Brutalität, die diesem Märchen innewohnt.

Die Figuren sind bis in die Nebenrollen klar charakterisiert: Die 7 Zwerge sind optisch sehr unterschiedlich skizziert und weit davon entfernt „nur“ niedlich und putzig zu sein. Die böse Stiefmutter wirkt in ihrer krankhaften Egomanie einerseits äußerst bedrohlich und gleichzeitig faszinierend. Schneewittchen ist eher Kind und weniger Frau, wirkt dadurch sehr unbedarft und naiv, was als Erklärung dient, warum sie immer wieder das Opfer der Schandtaten der Stiefmutter wird. Hier bleibt diese Graphic Novel der märchenhaften Vorlage treu, indem sie die Frauenportraits in hell & dunkel, in schwarz & weiß, in gut & böse unterteilt. Dabei wird die Stiefmutter in ihrer Charakterisierung deutlich nuancierter dargestellt.

Die Textfassung von Christophe Lylian hat mich ein wenig irritiert, die versucht, durchaus poetisch zu erscheinen, dabei aber ein „Zuviel“ will: So klangen einige Ausdrücke für mich fehl am Platze und die Dialoge wenig flüssig (Ja! Da meldet sich der Vor-Leser in mir!). Im Vergleich zur den harmonischen Illustrationen erschien der Text in manchen Passagen eher holprig. Natürlich kann ich nicht nachvollziehen, ob dies am französischen Original lag oder der Übersetzung durch Tanja Krämling geschuldet ist.

Aber eine Graphic Novel „lebt“ von den Zeichnungen: Da hat die Kunst von Nathalie Vessillier mich völlig überzeugt. Bei der Textfassung ist noch Luft nach oben!

Nettes Gimmick am Rande: Zwei der Zwerge wurden nach ihren geistigen Schöpfern benannt.

erschienen bei Splitter Verlag/ ISBN: 978-3962191429

Ich danke dem Verlag herzlich für die zur Verfügung gestellte Lese-PDF!