[Rezension] Jack London – Mord auf Bestellung

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Ivan Dragomiloff hat ein sowohl außer- als auch ungewöhnliches Geschäftsmodel: Seine erfolgreiche Attentatsagentur beseitig unliebsame Mitmenschen sauber, zuverlässig und diskret nach äußerst ethischen und moralischen Kritikpunkten. Nur diejenigen Zeitgenossen, von deren Tod die Menschheit profitieren würde, finden ein vorzeitiges Ende. Der schwerreiche und integre Winter Hall stellt Dragomiloff eine Falle und beauftragt ihn, sich selbst ermorden zu lassen – nichtsahnend, dass er es mit dem Vater der reizenden Grunya zu tun hat. Ein Wettlauf mit der Zeit sowie kreuz und quer durch die amerikanischen Staaten beginnt…!

Zugegeben: Mit Jack London habe ich Werke wie „Wolfsblut“, „Seewolf“ und „Ruf der Wildnis“ assoziiert. Zudem waren meine Versuche, mich diesen Werken in meiner Jugend zu nähern, kläglich gescheitert: Ich empfand sie als schwülstig, langatmig und somit langweilig (Selbst ein Kartoffel zerdrückender Raimund Harmstorf konnte daran nichts ändern.),…

…35 Jahre später „stolpere“ ich nun über diesen Roman, der mich – zu meiner eigenen Überraschung – sehr begeistert hat. Jack London mixte hier aus einer Prise „James Bond“, einem Schuss „Edgar Wallace“ und einem Spritzer „Malteser Falke“ einen äußerst süffigen Cocktail. Besonders schmackhaft empfand ich die Beschreibungen vom Personal der Attentatsagentur: Hier tummeln sich nur hoch-gebildete Wissenschaftler und Gelehrte, die ihre Taten völlig rational rechtfertigen. Gerade die ausführlichen Dialoge und Gespräche dieser Männer zu Ethik und Moral sind sehr vergnüglich zu lesen, ließen mich beim Lesen mehrfach auflachen und waren in ihrer Argumentation so überzeugend, dass ich beinah versucht war, ihre Morde als ethisch vertretbar anzusehen.

London charakterisiert diese Männer durchweg sympathisch und sehr individuell und verhindert so ein Schubladendenken beim Leser: Es gibt kein Schwarz oder Weiß, kein Gut oder Böse…! Selbst der strahlende Held (Winter Hall) und seine liebreizende Angebetete (Grunya) sind irgendwann so tief in dieser Affäre verstrickt, dass die Mauer ihrer Moral zarte Risse bekommt. Am Ende siegt die Gewissheit, dass niemand von ihnen aus diesem Spiel als Sieger hervorgeht.

…eine äußerst erfreuliche Wiederbegegnung mit Jack London, die hoffentlich nicht meine einzige bleibt!

erschienen bei Penguin / ISBN: 978-3328103400

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] J. Jefferson Farjeon – Dreizehn Gäste

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Ein junger Mann namens John Foss springt aus einem anfahrenden Zug, landet unsanft auf dem Bahnsteig und verstaucht sich den Knöchel: Schon findet er sich mit Unterstützung der reizenden, jungen Witwe Nadine Leveridge im alt-ehrwürdigen Anwesen Braggley Court von Lord und Lady Aveling wieder – inmitten einer illustren Wochenendgesellschaft von sehr einzig- sowie eigenartigen Typen. Durch diesen tragischen Unfall hat sich die Zahl der Anwesenden auf die berüchtigte Zahl 13 erhöht: Einem schlechten Omen gleich zollt diese Unglückszahl ihren Tribut unter den Anwesenden…!

„Dreizehn Gäste“ erschien erstmals 1936 im Goldenen Zeitalter der britischen Kriminalliteratur und liegt nun endlich in der deutschen Übersetzung vor. Doch warum ist Joseph Jefferson Farjeon (1883–1955) bei uns so wenig bekannt? Dabei hat er mehr als sechzig Krimis und Thriller verfasst, und seine – auch bei uns populäre – Krimi-Kollegin Dorothy L. Sayers schwärmte von ihm als „unübertroffen in der gruseligen Darstellung mysteriöser Abenteuer“. Darum geht mein Dank an den Klett-Cotta Verlag, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, diese verschollenen Krimi-Perlen wieder ans Licht der Öffentlichkeit und somit vor die Augen der Leser*innen zu befördern.

Ich LIEBE alte, englische Krimis! Ich LIEBE sie einfach! Einerseits reizt mich die Zeit, in der sie spielen: Eine Zeit, die geprägt war durch Stil und Etikette. Eine Zeit, die nicht besser als die heutige war aber manchmal besser erschien. Andererseits verstanden die damaligen Kriminalautorinnen und –autoren einfach ihr Handwerk…!

Zudem beherrschte Farjeon die Kunst, wunderbar zu formulieren, glaubhafte Charaktere zu formen und die Dialoge klug einzusetzen. Gleichzeitig streute er Witz und Ironie in die Handlung und scheute auch keine Anspielungen auf prominente Kollegen: So beschreibt er den ermittelnden Inspektor Kendall als einen der wenigen Kriminalisten, die nicht Geige spielen.

Wie ein Spinnennetz verwebt Farjeon die Schicksale seiner Protagonisten miteinander, verknüpft einige enger, um andere zu lockern oder gar gänzlich zu zerreißen. Handlungsstränge werden verfolgt, dann wieder fallengelassen, nur um beim Finale anhand eines detaillierten Zeitplans das Geschehen miteinander zu verknüpfen, die Täter*innen zu entlarven und somit die Verbrechen aufzulösen. Lese-Genuss pur!

Ich freue mich schon sehr auf die nächste kriminalistische Wieder-Entdeckung im Klett-Cotta Verlag!

erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608963922

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Agatha Christie – Miss Marple-Krimis

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Miss Jane Marple erblickte – dank ihrer Schöpferin Agatha Christie – im Jahre 1930 mit „Mord im Pfarrhaus“ das Licht der literarischen Welt und sollte es 36 Jahre, 12 Romane und etliche Kurzgeschichten später erst wieder verlassen. Dabei kann sie auf eine sehr erfolgreiche Kariere – auch in Film, Fernsehen und Rundfunk – zurückblicken.

Miss Marple ist eine ältere, altjüngferliche Dame aus der fiktiven kleinen Ortschaft St. Mary Mead, die dank ihres reinen Menschenverstands und einem unverstellten Blick auf die menschliche Natur die rätselhaftesten Geheimnisse lüftet. Dabei wird sie – aufgrund ihres harmlos wirkenden, provinziellen Auftretens – von der Polizei wie vom Täter häufig unterschätzt.


Mord im Pfarrhaus

Ausgerechnet im Pfarrhaus ereignet sich ein kaltblütiger Mord. Der Pfarrer und seine Gemeindemitglieder sind entsetzt. Wer könnte in dem bisher beschaulichen St. Mary Mead eine solch grauenhafte Tat begehen. Es wird spekuliert, gemutmaßt und verdächtigt – nur Miss Marple behält einen klaren Kopf…

Agatha Christie versteht es sehr gekonnt, die Geschehnisse aus Sicht des Dorfpfarrers zu schildern, der obwohl sehr gottesfürchtig trotzdem äußerst menschlich denkt und agiert, und mit seiner ungewohnten Familienkonstellation (junge, hübsche Ehefrau, jugendlicher Neffe) selbst für wilde Spekulationen im Dorf sorgt. Ich habe mich köstlich über Agatha Christies Beschreibungen der Dorfbewohner amüsiert: In diesem Mikro-Kosmos herrschen statt Friede & Freude eher handfester Klatsch & Tratsch. Zudem fällt Miss Marples erste Erwähnung im Roman so gar nicht vorteilhaft für sie aus:

„Sie ist die schlimmste Katze im Dorf. Und weiß immer alles, was passiert – und zieht daraus die schlimmsten Schlüsse.“

Zum Glück sind es aber gerade diese – wenig schmeichelhaften – Eigenschaften, die Miss Marple helfen, den verzwickten Fall zu lösen und sie in einem vorteilhafteren Licht erscheinen zu lassen.

Ein wunderbar spannender Krimi mit prallen Charakteren und witzigen Dialogen…

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650075


16 Uhr 50 ab Paddington

Zwei Züge rasen mit hoher Geschwindigkeit in dieselbe Richtung. Während die Züge einander überholen geschieht in dem einen Zug ein Mord, in dem anderen Zug sitzt eine entsetzte Zeugin: Elspeth McGillicuddy. Doch niemand will ihr Glauben schenken, zudem auch keine Leiche aufzufinden ist. So wendet sie sich vertrauensvoll an ihre liebe Freundin Jane Marple, die unverzüglich die Fährte aufnimmt…

Interessanterweise ermittelt Miss Marple in dieser Geschichte nicht selbst, sondern bleibt – die Fäden in der Hand behaltend – im Hintergrund und überlässt das Feld ihrer jugendlichen Freundin Lucy Eyelesbarrow, die als Miss Marples verlängerter Arm agiert. Dies tut sie so geschickt und  sympathisch, dass ich mir als Leser wünsche, es gebe weitere Krimis des Gespanns Marple/ Eyelesbarrow.

Auch 27 Jahre nach Miss Marples ersten Auftritt beweist Agatha Christie, dass sie ihr Handwerk nach wie vor versteht…

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650068


Das große Miss-Marple-Buch

…versammelt auf satte 400 Seiten die schönsten Kurzgeschichten mit der liebenswerten alten Lady. Zudem macht der Leser die Bekanntschaft mit den Mitgliedern des „Dienstagabend-Klubs“, eine illustre Runde unterschiedlicher Charaktere, die Miss Marple vielfältige Gelegenheit bieten, ihren kriminalistischen Spürsinn einzusetzen.

Eine absolut kurzweilige Lektüre…!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600315

[Rezension] Elizabeth Edmondson – Mord auf Selchester Castle

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Hach! – Wie schön, da sind wir wieder auf Selchester Castle im gleichnamigen beschaulichen Örtchen. Das bedeutet für mich, ich kann mich entspannt zurücklegen und auf eine kurzweilige aber unaufgeregte Handlung freuen. Klang das nun etwas negativ? Oh, pardon! – Es war so nicht von mir gemeint. Ganz im Gegenteil: Nichts anderes erwarte ich von einem Cosy-Krimi!

Nachdem Geheimagent Hugo Hawksworth den Tod des bisherigen Earl of Selchester aufklären konnte,  taucht nun überraschend sein unehelicher Sohn auf, der zudem noch (Shocking!) Amerikaner ist, um das Erbe anzutreten. Die adlige Verwandtschaft ist „not amused“. Zudem scheint jemand dem amtierenden Earl of Selchester nach dem Leben zu trachten: Wie sonst lassen sich diese scheinbar zufälligen Missgeschicke erklären, die ihm seit seiner Ankunft in England wiederfahren…?

Auch der zweite Roman um den rührigen Geheimagent Hugo Hawksworth ist wieder ein Wohlfühl-Krimi, dessen Handlung diesmal allerdings ein wenig vor sich hin plätschert. Dabei lässt Elizabeth Edmondson ihre bekannten Hauptdarsteller*innen und die liebenswert-skurrilen Nebenrollen wieder auftreten und garniert diese illustre Runde mit einigen interessanten Neu-Zugängen. Dabei spielt sie zwar durchaus humorvoll mit den Klischees „Alte Welt vs. Neue Welt“ – die modernen Amerikaner treffen auf britische Traditionen und adligem Snobismus –  hätte mit diesem „Pfund“ aber durchaus mehr „wuchern“ können.

Zudem wirkten einige Handlungsstränge etwas konstruiert, und mir fehlten ein wenig ihre bewährten Zutaten („pralle Charaktere, witzige Dialoge, viele Verdächtige mit Motiv, ein ungewöhnlicher Ermittler, verwirrende Verwicklungen, das Flair der 50er Jahre,…“), die den Vorgänger auszeichneten.

Trotz dieser Kritikpunkte ist ihr ein durchaus unterhaltsamer Krimi gelungen!

erschienen bei Goldmann/ ISBN: 978-3442488247

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Robert Galbraith – Weißer Tod

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Ein eindeutig psychotischer junger Mann poltert plötzlich in das Büro von Privatdetektiv Cormoran Strike und schwafelt von einem Mord, den er als Kind beobachtet haben soll. Bevor Strike nähere Informationen erfahren kann, ist dieser junge Mann ebenso plötzlich wieder verschwunden. Doch diese kurze Episode lässt Strike nicht ruhen, zudem er vom Kulturminister höchst persönlich engagiert wird, belastende Fotos von einer Verfehlung aus seiner Vergangenheit aufzuspüren. Mit Hilfe seiner Assistentin Robin Ellacott – nun glücklich (?) verheiratete Cunliffe – nimmt er die Ermittlungen auf…!

Ebenso wie Joanne K. Rowling eine begnadete Märchen-Erzählerin ist, ist Robert Galbraith ein exzellenter Geschichten-Erzähler. Wie sollte er auch nicht: Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich hinter dem Pseudonym „Robert Galbraith“ niemand geringeres als Mrs. Rowling verbirgt. Wobei es durchaus verständlich ist, dass sie sich anfangs hinter Mr. Galbraith „versteckt“ hat. So sollten die Krimis ihre Fans ohne den „Harry Potter“-Bonus finden und nicht mit ihnen verglichen werden.

Es ist schier erstaunlich, wie bravourös sie den Genrewechsel meisterte: Stand bei „Harry Potter“ ganz die spektakuläre Zauberwelt mit seinen phantastischen Wesen im Mittelpunkt, schafft sie es bei „Cormoran Strike“ ein modernes „Whodunit“ mit überzeugenden Charakteren und einer glaubwürdigen Hintergrundgeschichte zu kreieren.

Nun liegt mit „Weisser Tod“ der 4. Fall mit dem hünenhaften Privatdetektiv Cormoran Strike und seiner Assistentin Robin Ellacott vor, der auf 860 Seiten eine Geschichte um Erpressung, Korruption und einem brutalen Mord im Schatten der Olympischen Spiele des Jahres 2012 aufblättert. Vielleicht bekommt nun der eine oder die andere Leser*in Schnappatmung aufgrund der hohen Seitenzahl: Viele Rezensenten bemängelten die Beschreibungen der Szenerie und die Dialoge als langatmig und langweilig – eine Meinung, die ich in keiner Weise teilen kann!

Joanne K. Rowling stellt jedem Kapitel ein Zitat aus dem Drama „Rosmersholm“ von Henrik Ibsen, das Themen wie Schuld, Manipulation, Inzest und Trauer behandelt, vorweg, sodass auf beinah genialer Weise der Inhalt des folgenden Kapitels illustriert wird. Ein intelligenter Schachzug…!

Rowling ist eine meisterhafte Autorin: Sie hat das Talent, – dank ihrer detailreichen Beschreibungen – realistische Welten vor meinem inneren Auge zu entwerfen. Ihre Charakterzeichnung der Protagonisten ist sehr präzise. Ihre Milieuschilderung zeugt von einer großen Beobachtungsgabe. Diese Zutaten sorgen in ihren Krimis für Atmosphäre und Authentizität, sodass ich zu keiner Zeit Langeweile verspürte.

Nur peu à peu entblättert sie die Handlung vor dem Leser, kann sich somit dessen Aufmerksamkeit sicher sein und hält die Spannung aufrecht. Dabei scheut sie sich nicht einen über mehrere Kapitel aufgebauten Handlungsbogen mit einem überraschenden Knall-Effekt wieder zu vernichten, nur um dann ihre Protagonisten gemeinsam mit dem Leser von vorne beginnen zu lassen.

Mrs. Rowling ist gemeinsam mit Mr. Galbraith wieder ein „Pageturner“ gelungen!

erschienen bei blanvalet/ ISBN: 978-3764506988

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Rex Stout – Der rote Stier: Ein Fall für Nero Wolfe

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„Gestatten, mein Name ist Archie Goodwin, und ich bin vielgeplagter und leidgeprüfter Assistent vom grandiosen Privatschnüffler Nero Wolfe. Diesmal waren wir auf dem Weg zur Landesshow in Crowfield, wo mein Boss seine geliebten und umhegten Orchideen der Jury präsentieren wollte. Leider sind wir auf dem Weg dorthin mit dem Wagen vom Weg abgekommen, wurden dann von einem wilden Stier über eine Weide gejagt, stolperten mitten hinein in Familien-Zwistigkeiten „par excellence“, nur um es dann nicht mit einer, nicht mit zwei – Nein! – sondern gleich mit drei Leichen (Ich habe den armen Stier mitgezählt!) zu tun zu haben. Aber Nero Wolfe wäre nicht der grandiose Schnüffler für den ihn die Welt und er sich selbst hält, würde er nicht auch dieses Geheimnis lüften. Naja! – und da ich weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen bin, war ich bei der Lösung auch nicht ganz unbeteiligt…!“

NERO WOLFE IS BACK!!!

…und ich kann nur dazu sagen: zu Recht!!!

Rex Stouts Helden machen Spaß. Ich verwende bewusst das Plural: Neben dem feingeistigen Feinschmecker und gewieften Detektiv Nero Wolfe steht sein Assistent Archie Goodwin ihm in nichts nach. Hier haben wir es nicht nur mit einem Assistenten/ Partner zu tun, der immer einen Schritt hinter dem großen Kriminologen agiert, wie wir es z. Bsp. bei Sherlock Holmes und Doktor Watson oder auch bei Hercule Poirot und Captain Hastings kennen. Archie ist – wie er es schon erwähnte – „weder auf den Mund noch auf den Kopf gefallen“ und leistet seinen nicht unerheblichen Anteil zur Lösung des Falls. Zudem werden die Vorfälle ausschließlich aus seiner Sicht erzählt: Wer nun befürchtet, dass dies lang-atmig wie auch -weilig werden könnte, den kann ich beruhigen.

Stout gefiel mir mit abwechslungsreichen Dialogen voller Witz aber auch Dramatik ebenso, wie mit seiner erfrischenden und ironischen Personenzeichnung. Es amüsierten mich sehr die kleinen Feinheiten in der Charakterisierung der Personen, z.Bsp. dass Feinschmecker Nero Wolfe Wein verschmäht und einem gut gekühlten Bier den Vorrang gibt. Zudem schafft er es – auch mit Hilfe der Dialoge – einen Spannungsbogen aufzubauen, der ihm die Aufmerksamkeit seiner Leser*innen sichert.

Krimi-Klassiker sind darum zu Klassikern geworden, da sie originelle Charaktere, eine gut durchdachte Handlungen und eine sprachliche Qualität besitzen!

Dies war zwar mein erstes Zusammentreffen mir Nero Wolfe und Archie Goodwin – aber mit Sicherheit nicht mein letztes!!!

erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608981124

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Jill McGown – Mord im alten Pfarrhaus: Ein Weihnachtskrimi

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Dieses stimmungsvolle Cover verspricht einen amüsanten Cosy-Krimi mit einer liebenswert-kauzigen Amateur-Ermittlerin, die mit ihren gar putzigen Ermittlungsmethoden in ihrem kleinen, idyllischen Dörfchen auf Mörderjagd geht. Doch weit gefehlt…!

Der Untertitel „Ein Weihnachtskrimi“ lässt Fantasien frei von einem verschneiten Cottage, wo vor dem prasselnden Kaminfeuer direkt neben dem festlich geschmückten Christbaum ein schändlicher aber nicht allzu grausiger Mord geschieht. Doch weit gefehlt…!

Wer das denkt, denkt leider – oder vielmehr glücklicherweise – falsch! Nachdem ich mich von meinem ersten „Schock“ erholt hatte, offenbarte sich mir ein 1A-Krimi…

Es liegt hoher Schnee im englischen Ort Byford und im Hause von Pfarrer Wheeler eine Leiche: Der Schwiegersohn des Pfarrers wurde brutal erschlagen aufgefunden. Die Verdächtigen verstricken sich in Widersprüche, halten Fakten zurück oder legen falsche Fährten. Kein leichter Job für das  Ermittlerduo bestehend aus Chief Inspector Lloyd und Detective Sergeant Judy Hill, das ebenfalls zwischen professionellem Handeln und privaten Zwistigkeiten hin und her schwankt.

Jill McGown ist ein flüssig zu lesender Krimi gelungen, der durch glaubhafte Charaktere überzeugt: So verbirgt der Pfarrer und seine Familie allzu weltliche Sehnsüchte hinter ihrer Fassade, die Dorfbewohner sind prall portraitiert, und die Ermittler sind weit von unfehlbaren Superbullen entfernt. Der Krimi zieht seine Spannung aus der Dynamik des sozialen Gefüges dieser Zwangsgemeinschaft: Wer ver- bzw. misstraut wem? Was sind die jeweiligen Beweggründe?

Im Original erschien dieser Roman im Jahre 1988, liegt nun erstmals in der deutschen Übersetzung vor und wirkt ein wenig „wie aus der Zeit gefallen“: Ein moderner Krimi mit realistischen Personen, die ohne die heute übliche Telekommunikation auskommen (müssen) – sehr angenehm!

Beim Lesen beschlich mich zudem das Gefühl, eine gelungene Filmvorlage in den Händen zu halten, die sich mit ihren süffigen Dialogen wunderbar als Mini-Serie machen würde.

…und – Ja! – Die Handlung des Krimis spielt zwar zur Weihnachtszeit: Von „gnadenbringend“ ist allerdings wenig zu spüren!

„Welt ging verloren, Christ ward geboren: Freue, freue dich, oh Christenheit!“

erschienen bei DuMont/ ISBN: 978-3832198848

[Rezension] Martin R. C. Kasasian – Tod in der Villa Saturn

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Hui! Da gab es aber schon so einige böse Verrisse über diese Krimi-Reihe: „…sehr anstrengend zu lesen!“, „…mühsam konstruierte Verbindungen zu Sherlock Holmes!“ und „Mischmasch aus Bekanntem“ war da zu lesen. Zum Glück hatte ich den 1. Band dieser Reihe schon längst gelesen, bevor mir diese Verrisse unter die Augen kamen,…

…und: Ja! Es stimmt, dass es ein „Mischmasch aus Bekanntem“ ist: Ein Hauch „Sherlock Holmes“ und eine Prise „Hercule Poirot“ verrührt mit ein wenig Atmosphäre a la „Ripper Street“!

…und: Ja! Ich mag es! Ich mag es, weil es sich so bekannt und vertraut anfühlt.

Dabei ist der Detektiv Sidney Grice arroganter als Holmes und pedantischer als Poirot und somit schier unerträglich. Lesens- und somit liebenswert macht diese Krimi-Reihe sein Mündel March Middleton: Eine intelligente, junge Frau mit einem Hang zu Zigaretten und Gin, die sich immer wieder ein – für den Leser äußerst erheiterndes – verbales Gefecht mit ihrem Paten liefert. Zudem ist sie mit einem zupackenden Wesen ausgestattet, verbirgt aber auch ein Geheimnis aus ihrer Vergangenheit, das sie zunehmend rätselhaft erscheinen lässt. Der Leser erfährt aus den wie zufällig in die Handlung eingestreuten Fragmenten ihres Tagebuchs Einzelheiten dieser Vergangenheit. Dieser raffinierte Kunstkniff sorgt für die nötige Aufmerksamkeit des Lesers und weckt die Neugierde auf weitere pikante Details.

Im neusten Fall sorgt das Erscheinen eines unbekannten Onkels March Middeltons für Aufsehen. Nach einer Zusammenkunft in der Villa Saturn ihres reizenden Onkels wähnt March sich schon im Schosse einer Familie. Doch am nächsten Tag wird ihr Onkel ermordet aufgefunden. March Middelton gerät unter Mordverdacht und fühlt sich dadurch außerstande, eigene Ermittlungen durchzuführen. Widerwillig bittet sie Sidney Grice um Hilfe, der allerdings ebenfalls Zweifel an ihrer Unschuld hegt. Doch je mehr Grice in den Fall eintaucht, umso Überraschenderes fördert er zu Tage…!

Martin R. C. Kasasian ist wieder ein unterhaltsamer „Mischmasch“ gelungen, der mit einigen verwirrenden Handlungssträngen aufwartet und so die Konzentration des Lesers fordert!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455004083

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Die schönsten Weihnachts-Krimis – Hörbuch

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Ich höre keine Hörbücher! Warum ich dies nicht tue, habe ich bei der MONTAGSFRAGE #2 schon hinreichend beantwortet.

Warum ich nun eine Ausnahme mache? Die Mischung der hier versammelten Kurzgeschichten hat mich gereizt – zumal sie von namhaften Sprecher*innen vorgetragen werden.

Dabei handelt es sich hier um eine so abwechslungsreiche Auswahl Geschichten beliebter und bekannter Autor*innen, dass diese sicherlich viele Hörer erfreuen werden. Ich möchte darum auch weniger auf den Inhalt der jeweiligen Geschichte sondern vielmehr auf die Art des Vortrages eingehen.


CD 1/ Agatha ChristieEine Weihnachtstragödie/ gelesen von Beate Himmelstoß

Zugegeben: Kann ich den Vortrag einer Geschichte, die ich selbst für eine Lesung vorbereitet und vorgetragen habe, völlig objektiv beurteilen? Gänzlich frei wird sich niemand machen können, auch ich nicht…

Beate Himmelstoß Vortrag würde ich als solide bezeichnen. Unaufgeregt trägt sie diesen Kurzkrimi vor und verändert nur unwesentlich ihre Stimme, um die verschiedenen Charaktere zu porträtieren. Dies ist auch nicht unbedingt nötig, da die Geschichte im Wesentlichen aus der Sicht von Miss Marple erzählt wird. Überrascht hat mich allerdings, dass versäumt wurde, die ironisch-humorvollen Passagen mittels Betonung herauszuarbeiten. Ob dies an der Sprecherin oder an der Regie lag, kann ich natürlich nicht beurteilen.


CD 2/ Edgar WallaceDer falsche Rettungsring/ gelesen von Wanja Mues

Wanja Mues nahm mich gleich mit seiner markanten Stimme für sich ein und lieferte für die Wallace-Story eine gelungene Performance: Passend zur Geschichte, die im Kriminellen-Milieu auf einer Kreuzfahrten spielt, wählt er einen leicht arrogant Grundton. Beinah beiläufig wirkt seine Vortragsweise, die aber dadurch eine gewisse Gefährlichkeit im Unterton durchschimmern lässt.


CD 2/ Dorothy L. Sayers Das Perlenhalsband/ gelesen von Friedhelm Ptok

Lord Peter Wimsey ermittelt in einem Fall von einer verschwundenen Perlenkette im überschaubaren Umfeld einer Weihnachtsgesellschaft: Für mich war es ein Vergnügen, dem Vortrag von Friedhelm Ptok zu lauschen. Er lässt seine Stimme von gediegen-versnobt bis humorvoll-ironisch erklingen, setzt die Pausen sehr bewusst und gestaltet seinen Vortrag sehr geschmackvoll.


CD 3/ Arthur Conan Doyle Der blaue Karfunkel/ gelesen von Oliver Kalkofe

Oliver Kalkofe setzt seine Stimme zwar sehr effektvoll ein, leider aber auch wenig differenziert. Er kann sich nicht entscheiden, wen er mit welcher Stimm-Färbung ausstattet. Dies führt dazu, dass ich als Hörer das Handlungspersonal nur schwer unterscheiden konnte. Dies störte mich sehr beim Folgen der Handlung. Bedauerlicherweise eine wenig überzeugende Performance…!


CD 4/ Ellis Peters Der Friedhofskater/ gelesen von Friedhelm Ptok

Wieder kommt Friedhelm Ptok zum Einsatz: Auch hier konnte er mich mit seinem Vortrag völlig überzeugen! Bewundernswert wie dieser talentierte Sprecher sein Können in dieser Lesung zeigt. Seine charakteristische Stimme hat hohen Wiedererkennungswert!


CD 4/ Christianna Brand Gesegnet sei dieses Haus/ gelesen von Walter Renneisen

Walter Renneisens Stimme passt hervorragend zu dieser subtil-bösen Geschichte um Christi (Wieder-)Geburt: heiser, leicht rauchig und doch mit hellem Klang. Teilweise erinnert seine Stimme an Gollum aus „Der Herr der Ringe“, die er äußerst wandlungsfähig und effektvoll einsetzt. Eine Glanzleistung…!


CD 5+6/ Georges Simenon Maigrets Weihnachten/ gelesen von Peter Fricke

Peter Fricke ist „ein Name“: Der bekannte Schauspieler kann auf eine äußerst erfolgreiche Karriere im Theater, Film und Fernsehen zurückblicken. Er widmet sich einer Geschichte um George Simenons Kommissar Maigret, den er sehr charismatisch und äußerst prägnant seine Stimme leiht. Hier kommt neben dem Talent auch Frickes immense Erfahrung der Lesung zugute: Er wechselt die Stimmlagen gekonnt zwischen den handelnden Personen. Dabei wirkt dieser Vortrag absolut nicht routiniert sondern verströmt eine Menge Charme. Eine wahre Freude…!


erschienen bei Der Hörverlag/ ISBN: 978-3844523249

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Hörexemplar!

[Rezension] Anne Meredith – Das Geheimnis der Grays

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„Adrian Gray wurde im Mai 1862 geboren und starb Weihnachten 1931 eines gewaltsamen Todes durch die Hand eines seiner eigenen Kinder. Das Verbrechen geschah aus dem Augenblick heraus, ohne Vorsatz, und der Mörder, noch nicht beunruhigt, geschweige denn verängstigt, stand nur stumm da, starrte ungläubig die Waffe auf dem Tisch an und sah dann zu dem Toten hin, der im Halbdunkel am Fuß der schweren Vorhänge lag.“

…lauten die ersten Zeilen dieses Kriminalromans: Noch tappt der Leser im Dunkel, welcher Spross der Gray-Familie den Familien-Oberhaupt ermordet hat. Vielmehr machen wir vorerst die Bekanntschaft mit den einzelnen Mitgliedern dieser zwar angesehenen aber nicht glücklichen Familie, bei der Prestige wichtiger scheint als Menschlichkeit. So zeichnet Anne Meredith feine Portraits der Familienmitglieder, die mal mehr mal weniger Sympathie beim Leser wecken.

…und plötzlich ist der Mord geschehen: Der Leser erfährt sofort, wer diese schändliche Tat begangen hat. Die Spannung dieses Krimis beruht somit nicht auf der klassischen Frage „Whodunit?“, sondern „Wird es dem Täter gelingen, seine Spuren zu verwischen?“ und „Wie wirkt sich die Tat auf das Leben der anderen Familienmitglieder aus?“.

Der Roman besticht mit einer gut durchdachten Handlung, dem intelligenten Wechseln der Erzählperspektiven und mit geschliffenen Dialogen – eine eher unübliche wie ungewohnte Herangehensweise für Krimis, die zu jener Zeit gerne „cosy“ waren.

Von „cosy“ ist dieser psychologisch-feine Roman sehr weit entfernt, dessen Original-Titel „Portrait of a Murderer!“ mir auch deutlich passender scheint als die eher farblose deutsche Titelwahl.

Dieser Roman war ein verschollener kriminalistischer Schatz aus dem Jahre 1933, den der Klett-Cotta Verlag dankenswerterweise für uns Leser wieder ans Tageslicht gehoben hat.

erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608962994