[Rezension] Robert Louis Stevenson – Doktor Jekyll & Mister Hyde/ mit Illustrationen von Sébastien Mourrain

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Mit Schaudern erzählt Mister Utterson die merkwürdigen Umstände eines gar außergewöhnlichen Falls: Sein langjähriger Freund, der kultivierte Dr. Henry Jekyll scheint unter dem seltsamen Einfluss eines gewissen Mister Hyde zu stehen. Mister Hyde repräsentiert das genaue Gegenteil von dem destingierten Arzt. Während Dr. Jekyll von einnehmendem Wesen und ansehnlicher Gestalt ist, wirkt Mister Hyde merkwürdig gedrungen in seinem Äußeren und strahlt eine animalische Brutalität aus. Was verbindet diese beiden grundverschiedenen Männer miteinander? Mister Utterson erinnert sich mit Grauen…!

Robert Louis Stevensons im Jahre 1886 veröffentlichte Geschichte um Doktor Jekyll & Mister Hyde hat seinen Weg schon in vielen Gestalten in die Öffentlichkeit gefunden, sei es filmisch oder als Hörspiel, als Schauspiel oder Musical, als Graphic Novel oder – wie in diesem vorliegendem Fall – als  Nacherzählung für junge Leser. Dabei wurde die Stimmung der Vorlage bewahrt: Das viktorianische London erscheint weiterhin düster und geheimnisvolle. Das mysteriöse Verhalten von Dr. Henry Jekyll gibt dem Leser Rätsel auf, und Mister Hydes schändliche Taten werden nicht verschwiegen aber für die jüngere Leserschaft entsprechend „bearbeitet“. Alles in allem ist Nils Aulike eine gelungene Übersetzung und kluge Kürzung des Original-Textes gelungen.

Hinzu kommen die atmosphärisch-dichten Illustrationen von Sébastien Mourrain, die – in schwarz-weiß gehalten – einen großen Anteil am Gelingen dieser Roman-Bearbeitung haben. Sehr sparsam, dafür umso überlegter setzt Mourrain die Farbe Gelb ein, um den Blick des Lesers/ Betrachters bewusst auf etwas zu fokussieren oder ihn auf kleine Details in der Zeichnung zu lenken.

Es fällt mir schwer, dieses Werk als Bilderbuch zu bezeichnen: Für mich ist es eher ein illustrierter Roman! Aber schlussendlich ist es auch völlig egal, wie wir es nennen. Fakt bleibt, dass hier eine gelungene Adaption dieses Klassikers entstanden ist!

erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3959390415

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Erich Kästner – Drei Männer im Schnee

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So, ausgelesen! Schade! Schön war´s…!

In meiner momentanen Situation (Stichwort: Jahresanfangsmüdigkeit) brauchte ich dringend Balsam für die Seele: Der Roman „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner…

…und ich erfreute mich wieder an den intelligent-witzigen Dialogen

…und genoss die feine Kästner’sche Ironie, die so leicht zu überlesen wäre, wenn der geneigte Leser zu oberflächlich lesen würde.

Erich Kästner war ein wahrer Könner seines Fachs: Schaute er auch sehr genau auf die menschliche Natur, so blieb er doch durch und durch ein Menschenfreund und kommentierte als Satiriker und Romancier die Schwächen der Leute immer mit einem Augenzwinkern,…

…und so rollten hin und wieder auch die Tränen: vor Lachen & vor Rührung.

Ein richtiger Seelentröster…!!!

erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3038820161


Gabriela Wendt hat auf ihrem Blog „Buchperlenblog“ die tolle Aktion Perlentauchen ins Leben gerufen: Hier werden literarische Kostbarkeiten wieder-vorgestellt, die schon einige Jahre/ Jahrzehnte/ Jahrhunderte auf den Buckel haben aber nicht in Vergessenheit geraten sollten.

An dieser Aktion beteilige ich mich sehr gerne: Gute Geschichten sind zeitlos!

[Rezension] Victor Hugo – Die Elenden

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Allein die Inhaltsangabe von Hugos Epos könnte ein eigenes Buch füllen: Über 5 Bände erstreckt sich die Geschichte von Galeerensträfling Jean Valjean, der geläutert versucht ein neues Leben zu beginnen aber immer wieder von seiner Vergangenheit in Person des Inspektor Javert eingeholt wird.

Ich möchte hier gar nicht ins Detail der Handlung gehen. Ich möchte hier vielmehr versuchen zu beschreiben, was dieser Roman bei mir bewirkt hat, und wieviel er mir bedeutet.

Es war das Jahr 1990: Ich fühlte mich gefangen in einer ungeliebten Ausbildung, in einem Elternhaus voller Probleme und in mir selbst: zu jung, zu ängstlich und darum zu unfähig, Entscheidungen zu treffen. In der Stadtteil-Bibliothek fand ich Zuflucht zwischen Ende der Berufsschule und Arbeitsbeginn im Ausbildungsbetrieb, und…

…ich fand diesen Roman: Eine alte Auflage aus den 70ern, wenig verliehen und somit wenig gelesen. Warum ich mir dieses Buch auslieh? Ich weiß es nicht! Ich bin nur froh, dass ich es tat.

Lesen bedeutete damals für mich „Flucht aus dem Alltag“!

Ich tauchte ein in Jean Valjeans Welt, begleitete ihn durch sein Leben und wurde Teil seines Kosmos. Bei manchen Passagen rannen mir die Tränen über das Gesicht, und ich musste hemmungslos schlurzen. Bei manchen Passagen hatte ich das Gefühl, dass das Gelesene mir auf Brust und Seele drückt. Doch ich las weiter: morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, am Abend vorm Zubettgehen. Ich fühlte mich in meinen Nöten verstanden. Ich war nicht allein!

Victor Hugo hat ein Epos voller Menschlichkeit geschaffen, das Identifikationspotential quer durch alle Generationen bietet und mit seiner humanitären Botschaft das Herz und die Seele der Leser berührt.

Am Ende des Romans war ich ein anderer Mensch – ob auch ein besserer? Ich weiß es nicht. Dieses Urteil maße ich mir nicht an. Ich bin mir aber sehr sicher, dass das Lesen dieses Romans mich verändert hat!

Lesen bewegt!

Nachtrag: Damals wollte/ musste ich unbedingt „Die Elenden“ selbst besitzen und habe mich verzweifelt auf die Suche gemacht: Diogenes war der einzige Verlag, der diesen Roman damals gelistet hatte. Nur leider war die letzte Auflage vergriffen und eine weitere Auflage stand in den berühmt-berüchtigten Sternen. Die damalige Buchhändlerin meines Vertrauens Frau Weise muss meine Enttäuschung  wohl gespürt haben: Ohne das ich davon wusste, ging sie weiter auf die Suche und fand „Die Elenden“ in den damals noch neuen Bundesländern. Seitdem nenne ich eine Ausgabe vom Verlag Volk & Welt mein Eigen, die ich nicht mehr missen möchte und wie meinen Augenapfel hüte.

erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730600429


Gabriela Wendt hat auf ihrem Blog „Buchperlenblog“ die tolle Aktion Perlentauchen ins Leben gerufen: Hier werden literarische Kostbarkeiten wieder-vorgestellt, die schon einige Jahre/ Jahrzehnte/ Jahrhunderte auf den Buckel haben aber nicht in Vergessenheit geraten sollten.

An dieser Aktion beteilige ich mich sehr gerne: Gute Geschichten sind zeitlos!

[Rezension] Edgar Allan Poe – Der Rabe/ in der Übersetzung von Carl Theodor Eben

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Jede Lesung ist eine Herausforderung…

…und lässt mich in der Vorbereitung immer wieder Unbekanntes aufspüren und Vergessenes entdecken.

Dabei konnte ich immer wieder feststellen,…

…die Art einer Übersetzung kann entscheidend sein, ob mich ein Text berührt, fasziniert und inspiriert.

So auch in diesem Fall:

Nach der Lektüre der ersten Übersetzung von Edgar Allan Poes Gedicht „Der Rabe“ war ich etwas ratlos – ratlos deshalb, da ich mich fragte, warum dies das bekannteste und beliebteste Werk von Poe sein sollte.

Erst eine andere (bessere) Übersetzung offenbarte mir den Charme dieses Gedichtes, ließ mich die Sprachmelodie hören und den Rhythmus der Reime spüren.

Jede Lesung ist eine Herausforderung,…

…der ich mich mit großer Freude stelle!

Es gibt von dem Gedicht „Der Rabe“ vielfälltige deutsche Übersetzungen – leider konnte ich die Übersetzung von Carl Theodor Eben bisher nicht in gedruckter Form finden: Für Hinweise wäre ich sehr dankbar.

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458190066 (Übersetzer: Hans Wollschläger) oder bei Anaconda/ ISBN: 978-3730601693 (Übersetzer: Theodor Etzel)


Gabriela Wendt hat auf ihrem Blog „Buchperlenblog“ die tolle Aktion Perlentauchen ins Leben gerufen: Hier werden literarische Kostbarkeiten wieder-vorgestellt, die schon einige Jahre/ Jahrzehnte/ Jahrhunderte auf den Buckel haben aber nicht in Vergessenheit geraten sollten.

An dieser Aktion beteilige ich mich sehr gerne: Gute Geschichten sind zeitlos!

[Rezension] Dante Alighieri – Die göttliche Komödie

Uih! Ich fürchte, dies wird meine literarische Lebensaufgabe…

Kennen Sie das auch? Sie haben schon mal etwas von einem Werk gehört? Zu mindestens der Titel kam ihnen bekannt vor? Auch den Namen des Autors haben sie irgendwo schon mal gelesen? So erging es mir mit diesem Klassiker der italienischen Literatur.

Völlig spontan und naiv und ohne jegliches Hintergrundwissen habe ich mir dieses Werk als Rezensions-Exemplar zusenden lassen. Nun halte ich dieses stramme Exemplar in meinen Händen, blättere ehrfürchtig in den 1200 Seiten und habe das Gefühl, ich bin zu ihm gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind,…

…und schon sind wir mitten in Dantes „Divina Commedia“: Unterteilt in die Abschnitte Inferno (Die Hölle), Purgatorio (Der Läuterungsberg) und Paradiso (Das Paradies) handelt es von den Erlebnissen des Dichters Dante, der sich auf einer Reise durch das Reich der Toten in einem großen, undurchdringlichen Wald verirrt. Dort stellen sich ihm einige gefährliche Tiere (die als Parabel für Verführung und Sünde gedeutet werden können) in den Weg, drängen ihn vom Pfad der Tugend und verweigern den Ausweg. Bevor Dante im unwirtlichen Wald zugrunde geht, erscheint ihm Virgil: Der weise Mann wurde ihm von Beatrice, seiner Geliebten, geschickt. Gemeinsam können sie den Wald mit seinen Versuchungen hinter sich lassen und stehen vor der Pforte der Hölle…

Ich habe meine Studien noch lange nicht beendet. Einige Passagen musste ich ein zweites oder drittes Mal lesen – manchmal sogar laut rezitieren – um den Inhalt über den Duktus der Sprachmelodie zu verstehen. Dabei liegt mir in der Übersetzung von Ida und Walther von Wartburg eine Referenzausgabe vor. Gustave Doré schuf im Jahr 1861 zahlreiche Holzstiche, die heute zu den bekanntesten Illustrationen des Werks zählen.

„Die göttliche Komödie“ ist kein Werk für „Zwischendurch“, kein Werk für „in einem Rutsch durchlesen“,…

…aber ein Werk, das mich zwingt meine literarische Komfort-Zone zu verlassen, meine Konzentration fordert und meinen Blick weitet.

Meine persönliche literarische Herausforderung: Schön, dass es sie gibt!


erschienen bei Manesse/ ISBN: 978-3717524601

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Jane Austen – Die sechs Romane

Zugegeben die Verfilmungen liebe ich sehr, um die Romane bin ich bisher immer drum rum geschlichen.

Doch dann bin ich über diese wunderbare Buch-Box gestolpert, und mir war sofort klar „Meins!“. Das Auge liest bekanntlich mit (Achtung: Doppeldeutung!). Somit  hat mich natürlich auch die wunderschöne Aufmachung der einzelnen Romane zum Kauf verführt.

Die Box enthält die Romane „Emma“, „Kloster Northanger“, „Mansfield Park“, „Stolz und Vorurteil“, „Überredung“ sowie „Verstand und Gefühl“ in gebundener Form mit farbenfrohen, floralen Abbildungen auf den Covern – insgesamt eine sehr geschmackvolle Aufmachung und ein Eyecatcher im Bücherregal.

Aber eine schöne Hülle darf natürlich nicht über die Qualität des Inhalts hinwegtäuschen: Der Name Jane Austen spricht selbstverständlich für sich! Der Inhalt der Romane ist hinlänglich bekannt. Aber hier liegt zudem auch eine gelungene Übersetzung vor, die zwar durchaus zeitgemäß ist aber vom Charme des Originals nichts einbüßt. Dank der hilfreichen Erläuterungen im Anhang (eben ganz Reclam) erhielt ich zum Inhalt der einzelnen Romane noch nützliche Hintergrundinformationen.

Jane Austen sehe ich als eine sehr moderne Autorin ihrer Zeit, die die menschliche Natur im Rahmen der gesellschaftlichen Zwänge und sozialen Klassenunterschiede mit scharfer Beobachtungsgabe wahrnimmt und beschreibt – durchaus mit Humor und einer Prise Ironie.

Es war mir ein außerordentliches Vergnügen auf diese Art, die Bekanntschaft mit Fanny Price, Emma, Mr. Darcy und Marianne Dashwood machen zu dürfen.


erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150300473