Internationaler Frauentag…

Heute ist…

…der Internationale Frauentag!

Auf dem Weg zur Gleichberechtigung mussten viele Kämpfe gefochten, viele Schmerzen ertragen und viele Tränen vergossen werden, und es ist leider weiterhin noch viel zu tun.

Umso wichtiger ist die Präsenz von Frauen in der Öffentlichkeit, nicht nur weil sie Frauen sondern weil sie auch starke Vorbilder sind.

Denn jede großartige Frau war irgendwann Kind, und Kinder brauchen starke Vorbilder, die lenken und leiten, führen und beschützen, anspornen und verzeihen,…

…jede an ihrem Platz und jede zu ihrer Zeit!

Buchmesse vor Ort…

Nun wurde auch die Leipziger Buchmesse vom Corona-Virus „infiziert“. Die Verantwortlichen haben (sicherlich schweren Herzens) als Konsequenz nur die einzig richtige Entscheidung getroffen: Die Buchmesse fällt aus! Das, was nach Bekanntgabe dieser Entscheidung an Kommentaren durch das Netz waberte, hatte manchmal so gar nichts mehr mit Anstand und guter Sitte gemein. Bei so manchen Zeitgenossen (und -genossinnen) sind die Finger auf der Tastatur anscheinend mal wieder schneller als die eigenen grauen Zellen. Sehr bedauerlich…!

Meine geschätzte Blogger-Kollegin Antonia Leise hat auf ihrem Blog zwei wunderbare Beiträgen (Ein paar Gedanken zur (abgesagten) Leipziger Buchmesse und Die Buchmesse ist tot, es lebe der Buchhandel!) veröffentlicht, die mir aus der Seele sprechen, und die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Doch in solchen Extrem-Situationen zeigt sich die Buch-Community durchaus kreativ und startet div. Alternativ-Initiativen. Eine dieser Initiativen heißt Buchmesse vor Ort und entspricht so ganz und gar meinem Credo „Buy Local“. Ein wenig Messe-Flair kann auch in der Buchhandlung „um die Ecke“ erzeugt werden. Viele Buchhändler*innen laden zu geselligen Abenden, auf denen die Novitäten der Verlage vorgestellt werden. Gerade die Inhabergeführten Buchhandlungen schielen weniger auf die auflagestarken Neu-Erscheinungen der großen Verlage sondern werfen auch einen Blick auf die Veröffentlichungen der mittleren und kleinen Verlage. Zudem lohnt sich immer ein Blick in deren Veranstaltungskalender…!!!

Für alle, die jetzt dringend eine Buchhandlung in der erreichbaren Nähe von Osterholz-Scharmbeck suchen, habe ich eine kleine (absolut subjektive) Liste zusammengestellt…

…alle anderen werden hoffentlich hier fündig!

Und all diejenigen, die lieber im Netz bestellen, weil ihnen der Buchhandel zu persönlich ist, möchte ich Mut machen und zurufen „Traut Euch! Es wird Euch nichts geschehen!“ Diese Erfahrung durfte auch schon Comedian Markus Barth machen:

„Buchhandlung“. Ist wie Amazon, nur als Laden. Gibt’s schon in vielen deutschen Städten, die Bücher liegen da alle und man kann sie einfach direkt bezahlen und mitnehmen. Hammerpraktisch! War heute da, zwei Bücher hab ich direkt gekauft und die sogenannte „Buchhändlerin“ hat mir noch ein drittes empfohlen. Aber nicht so: „Kunden, die ‚Die Blechtrommel‘ gekauft haben, kauften auch: Ohropax“. Nee, einfach ne gute Empfehlung. Als ich sie fragte, ob ich Ihr dafür irgendwelche Daten von mir geben, meinen Standort übermitteln oder werberelevante Vorlieben verraten soll, hat sie mich nur verstört angeschaut.

Ein anderes Buch hab ich noch bei Ihr bestellt, das ist garantiert morgen da. Ich hab’ quasi „Buchhandlung Prime“, nur ohne Jahresgebühr! Gut, ich kann damit keine Schweighöfer-Serien gucken – aber wer will das schon??

Morgen kann ich das Buch also abholen, muss nicht zittern, ob’s noch rechtzeitig kommt und ob ich den DHL-Boten höre, muss mich nicht in der Schlange vor der Postfiliale einmal um den Block wickeln und hab danach auch keine fünf Kubikmeter Pappkarton in der Wohnung stehen. Und die Buchhändlerin packt‘s mir sogar noch ein. Umsonst!! Und das, obwohl sie, im Gegensatz zu anderen, ganz normal Steuern zahlt! Die Alte muss verrückt sein…

Bin sehr gespannt, ob sich „Buchhandlung“ durchsetzt. Ich glaube ja, auf die Dauer könnten die Amazon ganz schön das Wasser abgraben.“

In diesem Sinne: Fröhliches Einkaufen vor Ort!

Vom Wind(e) verweht: Wie ein Cover die Wahrnehmung beeinflusst…

Schon immer war das Design eines Covers dem jeweiligen Zeitgeschmack ausgesetzt und spiegelte sich in der präferierten Ästhetik wieder. Ein Cover sollte im besten Fall für den enthaltenen Roman als Werbung fungieren, somit die Aufmerksamkeit der Leserschaft auf das Werk lenken und deren Begehrlichkeit wecken. Gleichzeitig soll es auch über den Inhalt informieren und dessen Besonderheiten hervorheben. Aber die Art der Cover-Gestaltung kann ein literarisches Werk auch durchaus schaden und ihm ein eher negatives Image verpassen. „Vom Wind(e) verweht“ ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie das Cover-Design sein Image prägte, und der Roman so zwischen den ambivalenten Polen „Weltliteratur“ und „Groschenroman“ hin und her pendelte.

Ich habe mir den Spaß erlaubt und einen Blick auf die Cover-Gestaltung der letzten Jahrzehnte geworfen: Alle Angaben erfolgen ohne Anspruch auf Vollständigkeit und sind somit „ohne Gewähr“!


Claassen - 1937.jpg

1937 erschien der Roman erstmals im Claassen-Verlag mit einem zeittypischen Umschlagbild in einer eher reduzierten Farbgebung. Auf dieses Ursprungs-Design wurde vom Verlag im Laufe der Jahre gerne zurückgegriffen. So auch im Jahre 1984 als der Film zu Weihnachten zum ersten Mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde und dem Roman zu neuer Popularität verhalf. Die Übersetzung stammte von Martin Beheim-Schwarzbach.

Doch auch der Claassen-Verlag war vor geschmacklichen Verfehlungen nicht gefeit: So wirkt das Cover von 1970 sehr plakativ, lässt eine schmalzige Liebes-Schmonzette vermuten und hätte auch als Werbung für den Film fungieren können. Folge-Auflagen wirken da durchaus dezenter, griffen in der Farbgestaltung auf ein gedecktes Violett zurück und wählten Filmfotos in einem Sepia-Ton. Stehen bei den gewählten Fotos zwar durchaus Vivien Leigh und Clark Gable im Mittelpunkt, so wurde wenigstens auf ein schmachtendes Anhimmeln bzw. einen Kuss verzichtet. Kurzzeitig wurde der Roman im Jahre 1978 auch im Kölner Lingen-Verlag publiziert: Aufgrund dessen seitenstarkem Umfangs entschied man sich hier für einen Zwei-Teiler – eine Entscheidung, die sicher bei vielen Leser*innen eine Sehnenscheidenentzündung der Hand verhindert hat. Die Gestaltung des Covers war ganz im Stil der 70er-Jahre: klar, frisch und mit wenigen aber leuchtenden Farben.


Im Taschenbuch-Format machte Margaret Mitchells Epos eine erstaunliche Reise durch die Verlage: beginnend im „rororo“ Rowohlt Verlag über den Heyne-Verlag bis zum Ullstein-Verlag, wo nach wie vor die aktuell erhältliche Taschenbuch-Fassung (Übersetzung: Martin Beheim-Schwarzbach) verlegt wird. Bei der Gestaltung der Covers verwendeten die Verlage gerne knallige Rot-Violett-Töne und griffen zwecks besserer Wiedererkennung auf die bekannten Filmfotos zurück. Doch in dieser Kombination rückt der Roman leider eher in die Nähe des Bahnhofskiosks und weniger in Richtung Bibliothek.


Auch in den diversen Buch-Clubs erfreute sich „Vom Winde verweht“ eine immense Beliebtheit. Gerne wurde auch dort auf die bewerten Konterfeis von Leigh und Gable zurückgegriffen oder zumindest als Illustration angedeutet. Wobei es hier zwei außergewöhnliche Ausnahmen gab: In der Ausgabe der Büchergilde Gutenberg von 1996 zeigt eine Pastellkreide-Zeichnung kindlich-naive Szenen des Plantagen-Lebens im sonnigen Süden der USA und steht damit karikierend entgegen dem Inhalt. Dagegen wirkt das Cover vom Deutschen Bücherbund von 1964 überraschend modern und erinnert in seiner Ästhetik an die Covers verschiedener Indie-Verlage neueren Datums.


Auch in der DDR erschien der Roman 1964 im Verlag Buch und Welt. Selbstverständlich wurde bei der Gestaltung des Umschlags auf die Verwendung von Filmfotos verzichtet. Über die Gründe kann ich nur spekulieren: Einerseits war der Film hier weniger bekannt, andererseits könnten auch urheberrechtliche Gründe eine Rolle gespielt haben. Ein Novum stellte dafür die Taschenbuch-Ausgabe aus dem Rütten & Roening-Verlag von 1989 dar: Zum einen wurde der Roman zwecks besserem Handlings drei-geteilt, andererseits zierte die Covers jeweils eine stilisierte Pusteblume im unterschiedlichen Stadium des „Verwehens“. Diese einfache wie geniale Idee habe ich gerne bei der Wahl des Bildes zu diesem Beitrag aufgegriffen.


Kunstmann - 2020.jpg

Nun im Jahre 2020 stehen die Zeichen günstig für ein Comeback von Margaret Mitchells Epos. 70 Jahre nach ihrem Tod wurden die Rechte an dem Werk gemeinfrei. Der rührige Kunstmann-Verlag ergriff die Chance und schenkte dem Werk nicht nur eine neue Übersetzung durch Andreas Nohl und Liat Himmelheber. Auch das Cover erhielt – passend zur schlankeren Übersetzung – eine überfällige Frischzellen-Kur, wirkt nun deutlich eleganter und knüpft in seiner reduzierten Farbgebung an die Tradition des Ursprungs-Covers an. Bei seinem Umfang von 1328 Seiten muss die/der Leser*in zwar weiterhin einen literarischen Ziegelstein stemmen, dafür braucht der Roman aber nicht mehr verschämt versteckt und kann auch hemmungslos in der Öffentlichkeit gelesen werden. Happy End!


Für alle die vom Thema „Buchcover-Klischees“ nicht genug bekommen, möchte ich gerne den äußerst kurzweiligen Beitrag meiner Blogger-Kollegin Marion Rave von „schiefgelesen“ ans Herz legen.

Vorlesewettbewerb 2019/20: And the winner is…

…und wieder war es soweit: „Same procedure as every year!“ – der Vorlesewettbewerb ruft, und wir sitzen am vergangenen Mittwoch wieder in trauter Eintracht in der Buchhandlung „die schatulle“, warten gespannt auf die Dinge, die da kommen werden.

„Wir“ das ist die diesjährige Jury für den Kreisentscheid: Ute Segger-Steinwede, ehem. Lesepatin an Grundschulen und Dozentin an der VHS ist neu in der Jury und gibt somit ihre Premiere. Iris Belz, Leiterin der Stadtbibliothek in Osterholz-Scharmbeck ist mit Freude und aus Überzeugung zum dritten Mal dabei. Meine Wenigkeit vergibt nun schon zum 6. oder 7. Mal sein Urteil und ist somit das „Jury-Urgestein“ (sozusagen: die regionale Ausgabe von Herrn Llambi).

Neun junge Menschen warten aufgeregt auf ihren jeweiligen Einsatz und werden unterstützt durch Familie und Freunde. Aber genauso sollte es doch auch sein: Kinder brauchen positive Vorbilder und somit Erwachsene in ihrem unmittelbaren Umfeld, die sie wertschätzend fördern und fordern.

Die Buchhandlung war somit üppig gefüllt! Gemeinsam lauschten wir den interessanten Geschichten, die die Kids zu Gehör brachten. Ich war wieder positiv überrascht über die thematische Bandbreite der ausgewählten Werke: „Spirit Animals: Band 1“ von Brandon Mull, „Drei Schritte zu dir“ von Rachael Lippincott, „Snöfrid aus dem Wiesental“ von Andreas H. Schmachtl, „Armouron – Die erste Mission der Space Warriors“ von O.B. McGann, „Die drei !!! – Heuler in Not“ von Maja von Vogel, „Wörter mit L“ von Tamara Bach, „Sophie im Narrenreich“ von Verena Petrasch, „Warrior Cats: Blausterns Prophezeiung“ von Erin Hunter.

Selbstverständlich zog sich die Jury auch diesmal zur Beratung zurück, doch selten waren wir uns bei einem Sieger so einig wie in diesem Jahr: Jonah Lepschy aus der 6. Klasse am Gymnasium Lilienthal konnte nicht nur mit seinem selbstgewählten Text aus „Samurai: Der Weg des Kämpfers“ von Chris Bradford punkten. Auch überzeugte er uns beim Fremdtext mit klarer Aussprache, guter Lesetechnik und einem adäquaten Lese-Tempo. Gratulation!

Für mich ist dieser jährliche Termin immer eine große Freude, und somit empfinde ich ihn auch weniger als Pflicht und vielmehr als Kür. Als Vor-Leser und Buch-Blogger darf ich nicht nur selbst großartige Geschichten vortragen bzw. über sie berichten sondern auch der nachfolgenden Generation lauschen. Und vielleicht wächst hier schon die nächste Lese-Patin oder der künftige Vor-Leser heran…! 💙


P.S.: Hier geht es zu den Zeitungsberichten: Osterholzer Kreisblatt

Neues Jahr, neues Glück, neue Ideen…

…schön wär’s! Da sich das vergangene Jahr so gänzlich anders entwickelte wie gedacht bzw. geplant, halte ich mich mit Mutmaßungen für dieses Jahr dezent zurück.

…im letzten Jahr hatte ich mich aus persönlichen Gründen als Vor-Leser sehr rar gemacht. Privat ging es etwas arg turbulent zu (Damit meine ich nicht nur meinen 50. Geburtstag!), und auch beruflich stand eine Veränderung an. Umso mehr hoffe ich, dass ich in diesem Jahr wieder mit einigen Lesungen meine Zuhörer*innen erfreuen darf.

…zudem warten einige interessante Rezensionsexemplare geduldig auf mich (nur leider bin ich mit mir selbst weniger geduldig, und das schlechte Gewissen plagt mich schon): ein spannender Fall vom interessantesten Pathologen der Welt Dr. Siri und der verschwundene Mönch von Colin Cotterill, die Neu-Übersetzung von Margaret Mitchells Vom Wind verweht, eine hemmungslose Kicher-Attacke mit Tausend Dank, Jeeves! von P.G. Wodehouse und der vielversprechende Roman Die Wandelbaren von Eleonora Hummel. Besonders beim zuletzt Genannten meldet sich mein schlechtes Gewissen äußerst penetrant, da Frau Hummel mich persönlich kontaktiert hat. Aber da die besinnlich-unruhige Zeit nun vorbei und auch meine Jobsuche abgeschlossen sind, habe ich nun den Kopf wieder frei für die vielen wunderbaren Geschichten!

…außerdem versprechen die Frühjahrs-Publikationen der Verlage weitere abwechslungsreiche Lesestunden: Rivenports Freund von Damiano Femfert (Schöffling & Co./ 4. Februar 2020), Die Sonne hat Gesellschaft von Dorthe Nors (kein & aber/ 11. Februar 2020), Eine Urlaubsliebe von Ewald Arenz (ars vivendi/ 10. März 2020), Vorhang von Agatha Christie (Atlantik/ 4. April 2020), Hotel du Lac von Anita Brookner (Eisele/ 29. Mai 2020) und Ein unerhörtes Alter von Rose Macaulay (Dumont/ 16. Juni 2020).

…und auch kulturell bleibt es bunt und abwechslungsreich: Die Bühnen des Landes locken mich mit den beiden Kurz-Opern Cavalleria Rusticana / Der Bajazzo, die Operette Der Bettelstudent und dem Ballettabend Feuerwerksmusik jeweils im Stadttheater Bremerhaven, Der König der Löwen im Theater im Hafen in Hamburg und dem Musical Ein Amerikaner in Paris am Theater in Kiel. Die Ausstellung Hans Saebens – Bilder für Bremen (1930-1969) im Focke Museum Bremen wirft einen aufschlussreichen Blick auf die Vergangenheit. Sowohl der Literaturgottesdienst zum Thema Heimat am 30. Januar 2020 als auch die Lesung mit Rafik Schami am 7. Februar 2020 wecken meine Neugier.

…und dann freue ich mich sehr auf die vielfältigen Begegnungen mit lieben Menschen – sei es um bestehende Bekanntschaften zu pflegen oder um neue Leute kennenzulernen!

Es bleibt spannend!

F R O H E S   N E U E S   J A H R

Diversität „auf Teufel komm’ raus“: Bitte nicht!

Die Entrüstung wabert durch’s Netz! Die „Süddeutsche Zeitung“ hat eine neue Buch-Edition angekündigt: Unter dem süffigen Titel „Soulmates“ versammeln sich hier 10 Werke von namhaften Autoren, die (angeblich) in keiner Büchersammlung fehlen dürfen. Stein des Anstoßes: Es handelt sich hierbei ausschließlich um Autoren, und eine entsprechende Edition mit Autorinnen ist nicht geplant. Somit beweihräuchern die Kerle sich wieder selbst, und die Frauen schauen mal wieder in die Röhre! Diversität wir überbewertet: Könnte man meinen…!

Nun sind solche Editionen in ihrer Zusammenstellung per se immer sehr subjektiv: Jede*r von uns würde je nach persönlichem Gusto andere Bücher auswählen. Warum die SZ nun aber ausschließlich nur die Männer mit einer Edition ehrt und nicht für eine bunte Mischung sorgt, darf durchaus kritisch hinterfragt werden.

Ich habe einen Blick auf meine Rezensionen geworfen und selbstkritisch festgestellt, dass dort beinah doppelt so viele Autoren im Vergleich zu den Autorinnen vertreten sind. Woran dies liegt? Mit Sicherheit nicht daran, weil es Frauen sind. So wähle ich mir meine Lektüre nicht aus, und mit der Genderfrage bei Autor*innen habe ich mich noch nie beschäftigt. Für mich ist der Inhalt wichtig: Spricht mich die Geschichte an? Und wenn ja, gefällt mir der Schreibstil? Zudem gibt es einige Buch-Genre, die mir nicht zusagen, aber wo der Autorinnen-Anteil überproportional hoch ist: Unterhaltungs-, Liebes- und Erotikromane.

Sollte ich nun im Sinne der Diversität immer weiblich/ männlich im Wechsel lesen? Ich könnte es noch weiter auf die Spitze treiben: Da ich ein schwuler Mann bin, dürfte ich auch die Gay-Literatur nicht vernachlässigen…! Oder das Verhältnis von deutschsprachigen Autor*innen zu fremdsprachigen Autor*innen…! Oder…!

Nein! Ich weigere mich, mich in meinem Lese-Verhalten und somit in meinen Vorlieben eingrenzen zu lassen. Ich lese, was mir gefällt, und mir ist es völlig schnuppe, ob es sich hierbei um Männlein oder Weiblein handelt. Hauptsache talentiert…!

Und jede*r dieser talentierten Menschen hat es verdient, Beachtung zu finden: Meinetwegen, wenn’s sich partout nicht vermeiden lässt, auch in Form einer Buch-Edition…!

Nicht die Diversität wird bei mir überbewertet, sondern eher scheinen Buch-Editionen mit ihren subjektiv zusammengestellten Inhalten in ihrer Bedeutung von einigen Mit-Menschen überbewertet zu werden. So etwas benötige ich nicht: Zum Glück bin ich ein eigenständig denkendes Wesen und kann selbst für mich die Entscheidung treffen, welche Bücher ich in meinem Leben gelesen haben MUSS!

Muss ich lesen…?

Bei meinem letzten Besuch in der Buchhandlung meines Vertrauens habe ich mir dieses Büchlein gegriffen. In diesem Büchlein werden alle nominierten Bücher zum diesjährigen Deutschen Buchpreis mit Leseproben vorgestellt. Ein Blick hinein offenbarte mir das, was ich eh schon wusste:

Ich habe von den nominierten Büchern nicht ein einziges gelesen!

Aber wäre dies nicht für einen ernstzunehmenden Buch-Blogger das absolute Pflichtprogramm? Ich habe zwar das eine oder andere der genannten Bücher in der Buchhandlung schon gesichtet und die eine oder andere Rezension zu den genannten Büchern schon gelesen. Einen endgültigen Impuls, diese Bücher zwecks eingehender Prüfung selbst in die Hand zu nehmen, blieb aus.

„Schande über mein Haupt“ oder „gleichgültiges Schulterzucken“?

Ich gebe unumwunden zu, dass die Größe meines schlechten Gewissens einen mehr als (naja: eher weniger) überschaubaren Umfang einnimmt und fühle mich bzgl. dieses Umstandes einfach großartig. Ich lese, was mir gefällt! Ich rezensiere, was mir gefällt. Ich lese nichts, nur weil es auf irgendeiner Liste steht, die mir suggeriert, dass ich dies unbedingt lesen müsste, um „en vogue“ zu sein, da ich sonst nicht mitreden kann und mir auf Cocktail-Partys ansonsten die Themen zum Small-Talk ausgehen!

(„En vogue“ und „cool“ sind übrigens Begriffe, die ich eher nicht im Zusammenhang mit meiner Person assoziiere, und Cocktail-Partys sind mir sowas von schnuppe.)

Trotzdem bin ich mir sicher, dass sich unter den nominierten Büchern ganz außergewöhnliche Werke befinden (…so wie unter den vielen, nicht nominierten Büchern ebenso außergewöhnliche Werke zu finden sind).

Und darum bitte ich Euch um Eure Mithilfe: Welches von den in diesem Büchlein vorgestellten Werke würdet Ihr mir wärmstens empfehlen – nicht weil es nominiert wurde, sondern einzig und allein aus dem simplen Grund heraus, dass es ein wunderbares Buch ist?

Ich danke Euch herzlich für Eure Tipps!

P.S. Bitte nicht missverstehen: Preise und Auszeichnungen sind wichtig! Sie schaffen Aufmerksamkeit, rücken die Buchbranche in den Fokus der Öffentlichkeit und würdigen die Leistungen der in der Buchbranche Tätigen. Ich bin für jedes verkaufte Buch dankbar!

Heute ist…

…der erste Jahrestag von .LESELUST!

Vor einem Jahr habe ich meinen ersten (kleinen) Beitrag veröffentlicht, nichtsahnend, welche Welt sich mir eröffnet.

Es sind…

  •     …85 Rezensionen erschienen,
  •     …42 Montagsfragen beantwortet worden,
  •     …insg. 280 Beiträge „on air“ gegangen.

Ich habe…

  •     …viele interessante Buch-Blogs entdeckt,
  •     …die Menschen hinter diesen Blogs „kennengelernt“,
  •     …die Community der Buch-Blogger sehr schätzen gelernt.
  •     …97 Menschen erreicht, die mir regelmäßig folgen.

Aber nicht nur meinen 97 Followern gilt mein Dank, sondern allen Menschen, die sich auf meine Seite verirrt und mich mit einem „like“ oder sogar einem Kommentar bedacht haben. Einen besonderen Dank sende ich an all die Menschen, die mich persönlich angesprochen und mir direkt und unmittelbar ihr Feed-Back geschenkt haben. Nur mit diesem vielfältigen Austausch kann eine solche Seite auch leben! Es ist mir immer wieder eine Freude zu erfahren, dass dieser Buch-Blog eine kleine Bereicherung für Euren Alltag darstellt. Vielen Dank!

Aber auch mein Leben wurde durch diesen Blog immens bereichert. Neben den schon erwähnten Gründen habe ich zudem an mir bemerkt, dass sich mein Leseverhalten in diesem Jahr verändert hat: Ich lese konzentrierter und ausdauernder, lasse mich weniger ablenken, dafür bewegt das Gelesene mein Innerstes langanhaltender. Zudem wage ich mich zunehmend an Bücher jenseits meiner Komfortzone und durfte so schon ganz wunderbare Werke kennenlernen. Ich bin literarisch mutiger geworden! Auch dafür bin ich dankbar!

Darum: Feiert mit mir,…

…füllt „wo immer ihr auch seid“ ein Glas mit einem Getränk Eurer Wahl und stoßt mit mir an auf diesen Jahrestag und auf hoffentlich noch viele weitere Jahre!

Herzliche Grüße

Andreas

Zu wahr und zu wichtig, um unbeachtet zu bleiben…

Statement von Dunja Hayali zur „Düsseldorfer Rede“ am 2. Juni 2019 im Düsseldorfer Schauspielhaus:

Können Sie verstehen, dass man manchmal an den Punkt kommt, laut rufen zu wollen „Ich habe keinen Bock mehr!“?

Keinen Bock mehr auf Rechtsradikale, die meinen, man könnte mörderische Gewalttaten damit relativeren, dass es auch Linksradikale gibt. Und auf die, die heimlich klatschen und andere für sich (Zitat Carolin Emcke) „hassen lassen“.

Keinen Bock mehr auf brechreizerregenden Jubel „im sozialen Netz“, wenn ein Mensch ermordet wurde und darauf, dass dieser „Jubel“ geflissentlich übersehen wird.

Keinen Bock mehr auf Leute, die förmlich auf Terrorakte „aus einer anderen Ecke“ warten, nur um dadurch „beweisen“ zu können, dass die Gefahr nicht aus den eigenen Reihen kommt, sondern „vom Feind“.

Keinen Bock mehr darauf, dass Verantwortliche immer wieder feststellen, sie seien sich der Wahrscheinlichkeit von Gewalttaten bewusst gewesen – aber gegen die Feinde der Demokratie keine Lösungen finden.

Keinen Bock mehr auf die, die schweigen, wenn es im Sinne unserer Gemeinsamkeit laut werden muss!

Keinen Bock mehr auf Extremisten, Terroristen, Radikale, Lügner und Populisten, die uns spalten wollen und uns gegeneinander ausspielen

Keinen Bock mehr auf Leute, die sagen, „es passiert ja nur im Netz“ und vergessen, dass jeder Shitstorm Realität ist und jeder „Aufruf“ Realität werden kann.

Keinen Bock mehr auf die, die sagen, dass das Unsagbare sagbar geworden ist.

Keinen Bock mehr auf Leute, die dauernd zurückrudern.

Aber: ich habe auch „Bock“!

Bock nach vorne rudern zum Beispiel! Und das können wir! Davon bin ich überzeugt. Und gerade weil ich das glaube, habe ich auch weiterhin Bock auf die Verteidigung unserer Werte, unserer Demokratie, unseres Grundgesetzes, unserer Lebensform gegen ALLE, die meinen, das zerstören zu wollen.

Es ist mehr als an der Zeit, dass die Menschen, die das auch so empfinden, endlich, endlich, endlich lauter werden. Klarer. Deutlicher. Fair. Gemeinsam. Eine Mehrheit fällt nicht dadurch auf, dass sie so lange in Schweigen versinkt, bis sie keine mehr ist!

Denn: Keinen Finger breit denen, die uns und unsere demokratische Gesellschaft angreifen wollen.

Keinen.

Dunja Hayali


Die komplette Rede von Dunja Hayali findet Ihr hier! Sehens- und vorallem hörenswert…!

Das Düsseldorfer Schauspielhaus lädt in Kooperation mit der Rheinischen Post Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Religion, Gesellschaft und Kunst dazu ein, über Fragen der Zeit zu sprechen. Die Veranstaltungsreihe „Düsseldorfer Rede“ erfeut sich auch im 3. Jahr einem so großen Interesse, dass die Karten binnen kürzester Zeit ausverkauft waren.

Heute ist…

 

…INTERNATIONALER TAG GEGEN HOMOPHOBIE

Traurig genug, dass es immer noch einen internationalen Tag geben muss, um auf die Rechte gleichgeschlechtlich liebender Menschen hinzuweisen. Aber wenn ich mir die weltweite Entwicklung ansehe, ist dieser Tag nach wie vor wichtig und richtig,…

…und auch hier im eigenen Land fordert die rechte Fraktion unter ihrer lesbischen „Führerin“ (Finde den Fehler!) härtere Sanktionen gegenüber Schwule und Lesben.

Ja, ich bin schwul! Es ist aber nur ein einzelnes Teil meiner Persönlichkeit – ein nicht unwichtiges Teil aber auch nur eines von vielen. Die Mischung meiner Teile machen meine Persönlichkeit aus. Ich bin nicht nur das eine oder das andere: Ich bin so wie ich bin! Und ich kann nichts dafür! Ich habe nichts dazu beigetragen, dass dies so ist!

Manchmal beschleicht mich der Eindruck, dass konservativ-denkende Mitmenschen der Meinung sind, es wäre eine bewusste Entscheidung gewesen. Nein! – Das war es ganz sicher nicht! Ich bin nicht morgens aufgewacht und habe gedacht „Hach! So´ n schöner Tag! Was mache ich mal heute? Zuerst mähe ich den Rasen, danach kaufe ich Katzenfutter ein, und dann werde ich mal schwul!“

Ja, ich bin schwul und witzig und pedantisch und loyal und vorlaut und respektvoll und neugierig und hoffentlich auch ein guter Mensch: Ich bin so wie ich bin! Wozu die Aufregung? Ich tue niemanden damit weh! Ich nehme niemanden etwas weg!

So habe ich die – schon beinah paranoid wirkende – Aufregung rund um „Ehe für alle“ nicht verstanden: Von einer „Bedrohung der traditionellen Ehe“ wurde gesprochen oder befürchtet „bald dürfen auch Geschwister heiraten“ und dazu wurde die Bibel rauf und runter zitiert. (Apropos Bibel: Da ich mich nicht selbst schwul „gemacht“ habe, muss es wohl das Werk einer höheren Instanz sein.)

Aber was war denn konkret passiert? Homosexuellen Menschen wurde ein – wie ich finde – Menschenrecht zugesprochen, das heterosexuelle Menschen seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich in Anspruch nehmen (könnten). Ich erinnere mich noch an meinen damaligen Beitrag auf meinem Profil bei facebook:

30. Juni 2017 / 9.13 Uhr
Das Ergebnis der Auszählung ist da: Der Bundestag beschließt die Ehe für alle. Für die Gesetzesvorlage stimmten nach Worten von Parlamentspräsident Lammert 393 Abgeordnete bei 226 Gegenstimmen und vier Enthaltungen.

Ein historisches Ereignis…

…und ich hätte nicht gedacht, dass mich – nach 17 Jahren Beziehung incl. 9 Jahren „Eingetragene Lebenspartnerschaft“ – dies so emotional berührt, dass mir gerade Tränen über die Wangen laufen!

Heterosexuelle haben dadurch nichts weniger. Aber das Leben vieler gleichgeschlechtlich liebender Menschen wurde durch dieses Gesetz immens bereichert, und was soll überhaupt die Unterscheidung in homo- und heterosexuell, in „ihr“ und „wir“? Wir sind alle Menschen, Bürger, Brüder, Schwestern, Söhne, Töchter, Eltern, Freunde, Nachbarn…! Somit sind wir alle viel mehr als die Summe unserer Teile oder die bloße Reduzierung auf ein einzelnes Teil!

Es gibt leider weiterhin viel zu tun – im Großen wie im Kleinen, auf der großen politischen Bühne wie im kleinen privaten Umfeld. Ich gebe zu, dass wir nicht diejenige sind, die sich übermäßig politisch engagiert und bei Demos oder dem CSD teilnehmen. Mein Mann und ich sind einfach „nur“ sichtbar: Wir werden als Paar in unserer ländlich geprägten Stadt wahrgenommen und leben vor, dass wir eine Ehe führen wie Millionen andere Paare auch – mit Höhen und Tiefen, in guten wie in schlechten Zeiten aber vor allem mit Respekt und sehr viel Liebe!

Es gibt leider weiterhin viel zu tun – aber „wenn-schon, denn-schon“ mit Humor: Humor ist eine mächtige Waffe gegen Hass und Intoleranz,…

…und so sende ich Maren Kroymann, Markus Barth und Ralph Ruthe ein großes Dankeschön für diese wunderbaren Videos!!!

Schwul bei der Feuerwehr Tarmstedt:

 

Ehe für alle auf der Insel:

Die Bedrohung der traditionellen Ehe: