[Rezension] Agatha Christie – Alter schützt vor Scharfsinn nicht. Ein Fall für Tommy und Tuppence

Tommy und Tuppence Beresford sehnen sich nach einem ruhigen Plätzchen, wo sie sich nach all den aufregenden Jahren, in denen sie für den Secret Service gearbeitet haben, entspannt zurückziehen und ihren verdienten Lebensabend genießen können. Das kleine Cottage mit Namen „Lorbeerhaus“ scheint dafür wie geschaffen. Neben einigen Möbeln blieb auch eine große Anzahl an Büchern von den div. Vorbesitzern zurück. So stürzt sich Tuppence voller Begeisterung in die Sichtung und Sortierung der literarischen Schätze und schwelgt dabei in Erinnerungen an vergangene Lesefreuden. Doch in einer alten Ausgabe von Robert Louis Stevensons „Der schwarze Pfeil“ erregen plötzlich einzelne rot unterstrichene Buchstaben ihre Aufmerksamkeit. Akribisch blättert sie Seite für Seite weiter und reiht Buchstabe für Buchstabe aneinander…

M-a-r-y J-o-r-d-a-n i-s-t k-e-i-n-e-s n-a-t-ü-r-l-i-c-h-e-n T-o-d-e-s g-e-s-t-o-r-b-e-n
E-s w-a-r e-i-n-e-r v-o-n u-n-s

…lautet die geheimnisvolle Nachricht, die – laut Signatur auf der ersten Seite – der junge Alexander Parkinson wahrscheinlich schon vor Jahrzehnten in diesem alten Buch versteckt hatte. Tuppence wäre nicht sie selbst, wenn dies nicht Ihre Neugier wecken würde. Sie brennt darauf, Ermittlungen anzustellen und in die Vergangenheit des Hauses und seiner ehemaligen Bewohner einzutauchen. Tommy reagiert da deutlich reservierter. Erst als er bei einem Spaziergang über dem örtlichen Friedhof zufällig über den Grabstein von Alexander Parkinson stolpert und so erfährt, dass der Junge schon im zarten Alter von 14 Jahren verstorben ist, regen sich bei ihm Zweifel. Gemeinsam reaktivieren sie ihre Spürnasen und versuchen die geheimnisvollen Umstände von Mary Jordans Tod aufzudecken. Ein Umstand, der anscheinend von einigen Bewohnern im Dorf nicht gerne gesehen wird…!

Jaja, das Alter macht auch vor unseren „Partners in Crime“ nicht halt: Unsere Helden haben nun schon das Pensionsalter erreicht, und mit ihnen gemeinsam ist auch ihre Schöpferin gealtert. Im Jahr der Veröffentlichung (1973) war Mrs. Christie schließlich auch schon stolze 83 Jahre alt. In diesem Alter ist verständlicherweise kein Mensch mehr auf der Höhe seiner Schaffensphase, und dies merkt man diesem Roman leider auch an.

Irgendwie plätscherte die Handlung nur so vor sich hin. Mir schien es, als würde der Roman mit belanglosen Dialogen und dem Einführen von Personen, die für den Fortlauf der Handlung gänzlich unerheblich waren, nur künstlich aufgebläht. So war für mich bedauerlicherweise ein Spannungsaufbau ebenso kaum wahrnehmbar wie der Humor in der Charakterisierung der Personen.

Zum ersten Mal ertappte ich mich bei dem Gedanken, einen Christie-Krimi unbeendet zur Seite zu legen – ein Umstand, den ich als Fan nie für möglich gehalten hätte.

Doch dann überraschte Mrs. Christie mich mit Passagen, wo ihre alte Brillanz wieder zutage kam, sie mich mit geschliffenen Dialogen erfreute, oder ich gebannt ihren Ausführungen zum damaligen Zeitgeschehen folgte. Das Füllen der Lücken zwischen diesen Passagen würde ich wohlwollend als routiniert aber wenig inspiriert bezeichnen.

Bei diesem Spätwerk vermisste ich schmerzlich den Glanz ihrer vergangenen Romane. Doch ich kann ihr dies großmütig verzeihen: Werden wir nicht alle älter? Müssen wir uns mit dem Alter nicht alle von Fähigkeiten verabschieden? Doch ich hege die Hoffnung, dass ich dann imstande sein werde, dem eigenen Lebensabend weise und voller Gelassenheit entgegenzusehen…

…ebenso wie die Helden dieses Romans, die „Partners in Crime“ Tommy und Tuppence!


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455014617

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Agatha Christie – Parker Pyne ermittelt

Kleinanzeige aus Agatha Christie - Parker Pyne ermittelt

…ist in einer schlichten Annonce in den Kleinanzeigen der Times zu lesen. Mr Parker Pyne, rund, klein und kahl, wirkt nun so gar nicht wie der Ritter in schimmernder Rüstung, der auf seinem edlen Ross herbeieilt, um die holde Maid aus ihrem Unglück zu befreien. Und trotzdem kennt er sich mit den menschlichen Höhen und Tiefen aus – zumindest theoretisch, da er 35 Jahre lang Statistiken bei einer staatlichen Behörde erstellt hat. Nun ist er in Rente und möchte die Theorie in der Praxis anwenden. Und so melden sich auf seine Annonce recht unterschiedliche Typen, um seine Dienste in Anspruch zu nehmen: Da ist die enttäuschte Hausfrau, die Angst hat, ihren Gatten an eine Jüngere zu verlieren. Oder der unbefriedigte Soldat, der nach seiner Pensionierung den Nervenkitzel in seinem Leben vermisst. Auch dem unscheinbaren Büroangestellten, der einmal nur aus seiner Bedeutungslosigkeit entfliehen wollte, konnte geholfen werden. Und selbst in seinem Urlaub ist Mr Parker Pyne nicht sicher vor Avancen, Aufträge zu übernehmen: Sei es, dass er die Hintergründe einer Entführung aufdeckt oder verschwundene Perlen seiner entzückenden Besitzerin zurück bringt. Parker Pyne scheint immer dort zur Stelle, wo Not am Mann bzw. an der Frau herrscht…

Es ist wahrlich erstaunlich: Selbst mir als bekennender Christie-Fan ist ein von ihr kreierter Ermittler durch die Lappen gegangen. Ach, was sage ich – er war mir schlicht und ergreifend nicht bekannt! Doch man möge mir verzeihen: Schließlich tauchte der kleine, rundliche Statistiker nur in dieser Sammlung von 12 Kurzgeschichten auf bzw. gönnte sich zudem noch mit 2 weiteren Geschichten einen Abstecher zur Anthologie „Die mörderische Teerunde“. Aus welchen Gründen der Atlantik-Verlag die beiden „abtrünnigen“ Geschichten bei der Neu-Auflage von „Parker Pyne ermittelt“ nicht berücksichtigte, entzieht sich leider meiner Kenntnis.

Doch zurück zu unserem Helden, der so wenig Heldenhaftes an sich hat: Beinah erhält man den Eindruck, als wäre Mr Parker Pyne ein Vorläufer des weltbekannten Hercule Poirot – allerdings in einer gemilderten Version. Zumal in beiden Settings dieselben Personen auftauchen: Auch Paker Pyne beschäftigt eine Miss Lemon als Sekretärin, und Christies „alter Ego“, die Kriminalschriftstellerin Ariadne Oliver gibt sich ebenso in einer Geschichte die Ehre (leider ist diese Geschichte nicht in dieser Sammlung enthalten). Doch ein Blick auf die Entstehungsjahre lehrt uns Besseres: So erblickte Hercule Poirot schon im Jahre 1920 das Licht der literarischen Welt, während Parker Pyne sich erst 1934 an die Öffentlichkeit wagte.

Alles in allem ist Pyne weniger pedantisch sondern vielmehr von einer bewundernswerten Gelassenheit. Auch versteht er es mit seiner sympathischen Art, sein Gegenüber eher für sich einzunehmen, die ihn allerdings aufgrund seines eher durchschnittlichen Äußeren gerne unterschätzen. Spielen die ersten 6 Fälle noch in London bzw. in dessen Umgebung, wo Parker Pyne sich auf ein Team von bemerkenswerten Charakteren verlassen kann, zieht es ihn in den nachfolgenden 6 Geschichten alleine zwecks Urlaub in die Fremde. Gänzlich auf sich gestellt löst er aber auch dort vor den verführerischen Kulissen von Ägypten, Syrien oder Griechenland die verzwicktesten Rätsel.

Alles in allem vereinigt dieses Buch eine Sammlung kleiner, feiner Unterhaltungs-Krimis, die mir beim Schmökern eine Menge Kurzweile geschenkt haben, zum Miträtseln einluden und mit so manchem unvorhersehbaren Twist überraschten. So manches Mal hatte sich die Geschichte recht verworren in eine Richtung entwickelt, dass ich mich mittendrin „auf halber Lese-Strecke“ fragte „Wie kommt er (Parker Pyne) bzw. vielmehr sie (Agatha Christie) aus dieser Nummer wieder raus?“.

Doch wen wundert’s: Gemeinsam schafften sie es jedes Mal auf’s Wunderbarste!


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455013641

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Kulturtipps] Juli/ August 2022…

Das Spielzeitheft für die nächste Saison an „meinem“ Stadttheater Bremerhaven ist erschienen und löste bei mir beim Studieren beinah einen Schreikrampf aus – vor Begeisterung!

So viel Schönes gab es dort für mich zu entdecken. So darf ich mich u.a. freuen auf das klassische Ballett „Dornröschen“, das Musical „Hairspray“, die Oper „Der Freischütz“ und Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“. Auch die Konzerte des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven werden mich wieder ins Theater locken – sei es mit dem 1. Familienkonzert „Coppélia“, das wieder in Kooperation mit der Tanzschule Dance Art entsteht, oder das Adventskonzert „Winter Wonderland“. Aber auch meine Gier nach guten Krimi-Stoffen wird gestillt mit Edgar Allen Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Mord im Orientexpress“ nach Agatha Christie. 

Doch auch die anderen Theater der Region bieten wieder Sehenswertes: Das Ohnsorg-Theater eröffnet die neue Spielzeit mit dem Klassiker „Dat Hörrohr“ von Karl Bunje, und am Bremer Theater gibt es das Musical „Hello, Dolly!“ mit Gayle Tufts in der Titelrolle.

Das so genannte Sommerloch könnte u.a. mit „Der Mordssommer“ vom bremer kriminal theater gestopft werden: Krimis, Lesungen, Konzerte u.v.m. finden „open air“ im Hof der Union-Brauerei statt. Oder wie wäre es mit einem Besuch einer Freilichtbühne? Die Freilichtbühne Lilienthal hat z. Bsp. als Familienstück „Peter Pan“ nach James M. Barrie und als Abendstück „Amadeus“ von Peter Shaffer im Programm.

Sehr zu empfehlen ist auch eine der zahlreichen Stadtführungen, die zu unterschiedlichen Themen-Schwerpunkten angeboten werden: Zuerst fein Essen gehen und dann die angefutterten Kalorien bei der Führung wieder abrennen. Perfekt! 😄


AUSSTELLUNG

  • 31. Juli – Vernissage Sommeratelier / Kunstverein Osterholz in Osterholz-Scharmbeck

FÜHRUNGEN


KOMÖDIE / LUSTSPIEL

  • 2. Juli – Premiere Ich lach mich tot von Alexander Houghton / piccolo teatro Haventheater in Bremerhaven
  • 28. August – Premiere Dat Hörrohr von Karl Bunje / Ohnsorg Theater Hamburg

KONZERT


KRIMI

  • bis 24. Juli – Der Mordssommer / div. Veranstaltungen / bremer kriminal theater

MÄRCHEN

  • bis 10. September – Peter Pan nach James M. Barrie / Freilichtbühne Lilienthal

SCHAUSPIEL

  • bis 9. September – Amadeus von Peter Shaffer / Freilichtbühne Lilienthal
  • 28. August – Premiere Drei Schwestern von Anton Tschechow / Theater am Goetheplatz in Bremen

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Bitte beachten: Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr! Aufgrund der Corona-Pandemie kann es kurzfristig zu Änderungen kommen: Für aktuelle Infos wendet Euch bitte direkt an die Veranstalter!

[Rezension] Rainer Moritz – Unbekannte Seiten. Kuriose Literaturgeschichte(n)

Anekdoten, diese kleinen Geschichten und Geschichtchen, die oft witzig und kurios aus dem Leben einer Person berichten und diese so oftmals sehr treffend charakterisieren. In ihrer Reduzierung auf das Wesentliche steuert die Handlung zwangsläufig auf eine Pointe hin und sorgt so oftmals für Erheiterung beim Publikum. Aber um dies zu erreichen, muss die vortragende Person sie aber auch zu erzählen wissen, da eine mittelprächtige Anekdote durchaus durch die Kunst des Vortragenden aufgewertet werden kann. Bei der Weitergabe einer Anekdote wird hier ein wenig ausgeschmückt, dort ein wenig weggelassen, und schlussendlich ist sowohl die Urheberschaft als auch der Wahrheitsgehalt nicht mehr nachweisbar.

Rainer Moritz beherrscht einerseits die Kunst der geistreichen Plauderei aus dem Effeff, andererseits kennt er als Mann mit Hang zur Bibliophilie so manches pikantes Histörchen aus dem Literaturbetrieb. Und so greift er für diese Sammlung in den großen Topf der Anekdoten und kredenzt uns eine appetitliche Vielfalt an Geschichten quer durch die Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte. Und so erfahren wir…

Warum…
…Marcel Proust einen Kritiker zum Duell aufforderte, um seine Ehre zu retten?
…Hellmuth Karasek zu einer Lesung aufgrund kulinarischer Versuchungen verspätet erschien?
…Francoise Sagans Maserati für Aufruhr bei den Studentenrevolten sorgte?
…Oscar Wilde mit dem Muster der Tapete in seinem Pariser Hotel-Zimmer haderte?
…Friedrich Dürrenmatt sich am Brand eines Nobel-Hotels schuldig fühlte?
…Agatha Christie ihr eigenes Verschwinden inszenierte, um den untreuen Gatten zu strafen?
…Charles Dickens nach der Abreise von Hans Christian Andersen eine Bemerkung auf den Spiegel des Gästezimmers schrieb?
…Colettes niederschmetternde Kritik an George Simenons Prosa diesen auf den rechten literarischen Weg führte?

Diese und 30 weitere Kuriose Literatur-Geschichte(n) finden sich in diesem unterhaltsamen Büchlein: Einige waren mir durchaus schon bekannt. Doch die Meisten las ich zum ersten Mal, und sie amüsierten mich prächtig. Dies war natürlich auch dem ironischen aber nie verletzenden Ton von Rainer Moritz zu verdanken, der angenehm eloquent dieses Brevier aus Klatsch und Tratsch zusammenstellte, mit der ich meine Zeit äußerst kurzweilig verplemperten durfte.

Beim Lesen dieser amüsanten Berichte hatte ich oftmals das Gefühl, dass der/die Held*in die entsprechende Aufmerksamkeit selbst herausforderte, um so an der eigenen Historienbildung zu feilen. Denn: So viele Zufälle auf einem Haufen erscheinen beinah unvorstellbar. Doch: Wer bin ich, um darüber zu richten. Und schlussendlich: Wer weiß schon, was wirklich geschah? 😉


erschienen bei Oktopus (bei Kampa)/ ISBN: 978-3311300243

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Agatha Christie – Die Büchse der Pandora. Kurzkrimis mit Tommy und Tuppence

Da ist es ja wieder – unser kriminalistisches Duo, unsere „Partners in Crime“, unser pfiffiges Pärchen mit Spürnase, Klasse und Esprit. Diesmal machen wir mit ihnen eine Reise in die Vergangenheit: Waren wir mit Lauter reizende alte Damen schon im Jahre 1968 gelandet und durften die Beiden als gereiftes Paar beobachten, so werfen wir nun einen Blick zurück ins Jahr 1929.

Tommy und Tuppence Beresford sind frisch verheiratet und chronisch gelangweilt. Da kommt ihnen der verlockende Auftrag vom britischen Geheimdienst nur allzu recht, inkognito eine Detektei zu übernehmen. Der ursprüngliche Eigentümer erholt sich gerade während eines Urlaubs auf Staatskosten und scheint seine Detektei als Briefkasten für feindliche Spione genutzt zu haben. Um dies auf den Grund zu gehen, schlüpft Tommy in die Rolle des Leiters dieser internationalen Detektivagentur Mr. Theodore Blunt, während Tuppence seine tüchtige Sekretärin Miss Robinson mimt. Ihr besonderes Augenmerk sollen sie auf eine dubiose Korrespondenz legen – insbesondere auf blaue Briefumschläge mit russischer Marke. Doch diese Post lässt auf sich warten, und so lösen die detektivischen Fachkräfte so ganz nebenbei auch einige „reguläre“ Fälle. So suchen sie u.a. nach einer Erklärung für scheinbar paranormale Phänomene in einem alten Haus, spüren eine vermisste Ehefrau in einer delikaten Institution auf, überprüfen nicht nur eins sondern gleich zwei Alibis ein und derselben jungen Dame und rätseln über einen vertauschten Diplomatenkoffer. Diese interessanten wie skurrilen Fälle sind aber gänzlich harmlos im Vergleich zu dem Abenteuer, das sie erwartet, als sie plötzlich tatsächlich einen blauen Brief mit der Post erhalten…!

Agatha Christie ließ ihr gewieftes Detektiv-Paar nicht nur in vier Romanen (zwischen deren Erscheinen teilweise Jahrzehnte lagen) auf Verbrecherjagd gehen, sondern gönnte ihnen ebenfalls eine Sammlung unterhaltsamer Kurzkrimis, die nun endlich wieder im neuen Gewand erschienen sind. Dabei legte sie bei diesen Geschichten den Schwerpunkt eher auf das kurzweilige Rätselraten als auf die „das Blut in den Adern gefrierende“ Spannung. So kann sich die verehrte Leserschaft auf so manchen herrlichen verbalen Schlagabtausch unserer beiden sympathischen Protagonisten freuen, die sich die Bälle nicht nur geschickt zuspielen, sondern je nach Auftrag auch gerne alle Bälle in der Luft behalten. Dabei agieren beide – wie gewohnt – auf Augenhöhe und demonstrieren eine äußerst emanzipierte Partnerschaft, wie sie zur Entstehungszeit der Geschichten höchstwahrscheinlich selten in der Realität zu bewundern war.

Gerne ziehen sie dabei die jeweils passenden Klassiker des Genres zu Rate und versuchen, sich in die erdachten Personen von weltberühmten Krimiautoren wie Edgar Wallace, G. K. Chesterton, Arthur Conan Doyle & Co. hineinzuversetzen, um so von deren „Spiritus Rector“ zu profitieren. Bei der Lektüre der letzten Geschichte Der Mann, der Nummer 16 war brach ich in schallendes Gelächter aus, da diesmal Tommy und Tuppence ihre Inspiration beim kleinen, pedantischen Belgier mit den genialen grauen Zellen suchten. Die „Queen of Crime“ nahm somit sich selbst höchst humorvoll „auf die Schippe“. Chapeau!

Ein bisschen Irritation verursachte bei mir die Aufteilung der Kapitel: So sind die meisten Geschichten jeweils unter einem Titel in zwei Kapitel unterteilt, die deutlich mit I und II gekennzeichnet sind. Bei drei Geschichten sind die einzelnen Kapitel jeweils mit einem eigenen Titel versehen, im Inhaltsverzeichnis entsprechend notiert und hinterlassen so den Eindruck, als wären sie eigenständige Geschichten. Somit beinhaltet diese Sammlung nicht 17 sondern „nur“ (!) 14 Kurzkrimis. Da hätte ich mir bei dieser überarbeiteten Wiederveröffentlichung ein wenig mehr Sorgfalt beim Editieren der Texte gewünscht.

Doch abgesehen von diesem klitzekleinen Wehrmutstropfen haben wir es hier (meines Wissens) mit der vollständigsten Sammlung der Beresford-schen Kurzkrimis zu tun, die mir ein überaus kuschliges Lesevergnügen schenkte.


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455012064

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Neues Jahr, neues Glück, neue Ideen…

…wohl eher nicht! Eher ist es ein erleichtertes Aufatmen, dass das letzte Jahr nun der Vergangenheit angehört. Wobei es sich hierbei wohl eher um eine kurze Verschnaufpause handelt, da seine Auswirkungen noch weit in dieses Neue Jahr hinein reichen werden! Doch wir sind nun einen großen Schritt weiter als noch vor zwölf Monaten, die Impfungen haben begonnen, und so bin ich frohen Mutes…!!

Manchmal ist es sehr interessant, einen Blick auf vergangene Beiträge zu werfen. Der obige Text war übrigens die Eröffnung zu meinem Jahresausblick vor genau einem Jahr. Und: Hat sich etwas verändert? Nein! Es klingt irgendwie alles erschreckend aktuell.

Noch ist das Neue Jahr 2022 frisch und neu und unberührt! Wir dürfen gespannt sein, wie es sich entwickelt. Mein Blog ist schon seit Langem nichts mehr von alledem – weder neu noch unberührt. Und momentan kann ich Euch auch keine Frische versprechen. Vorerst wird es hier in gewohnten Bahnen weitergehen mit der Hoffnung, dass im Laufe des Jahres aus mir die Ideen nur so heraussprudeln, voller Elan umgesetzt werden und für die besagte Frische auf meinem Blog sorgen.

Dafür offenbarte mir ein Blick in die Frühjahrsvorschauen der Verlage „Erschreckendes“: Ich glaube, selten haben so viele Bücher mein Interesse geweckt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass in meiner Auswahl – obwohl ich mir viele, viele Vorschauen angesehen habe – sowohl liebgewonnene Autoren als auch von mir geschätzte Verlage wiederholt auftauchen. Somit gibt es auch dort nur wenig „Frisches“ zu entdecken. Aber – Hey! – haben wir nicht alle unsere kleinen Lieblinge?


Selbstverständlich wird Kulturelles Kunterbunt weiterhin von mir mit Enthusiasmus gefüttert werden, und auch hier findet man die üblichen Verdächtigen: Ich bin eben so ’ne treue Seele! Und ich hoffe inständig, dass bei einer Verschärfung der Corona-Maßnahmen die kulturellen Einrichtungen nicht betroffen sind.


Doch am wichtigsten und mir am wertvollsten sind die vielfältigen Begegnungen mit lieben Menschen, die ganz sicher auch im Jahr 2022 stattfinden werden! Diese Begegnungen – in welcher Form auch immer – genieße ich sehr: das Telefonat mit einer Freundin, ein Chat auf einem meiner Social-Media-Kanäle, ein Lächeln an der Supermarktkasse, Lachen mit Kolleg*innen, Klönen mit Nachbarn über’n Gartenzaun – nur Kleinigkeiten und doch so wichtig! Dies alles lässt unsere Welt ein klein wenig wärmer, ein klein wenig menschlicher werden. Dafür bin ich sehr dankbar!

Bleibt bitte ALLE gesund!

F R O H E S   N E U E S   J A H R

Liebe Grüße
Andreas

LESE-HIGHLIGHTS 2021…

Schon wieder ist ein Jahr (beinah) vorüber! Schon wieder geht ein Jahr mit Corona zu Ende!

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich mag manchmal nichts mehr davon hören!!! Bitte missversteht mich nicht: Natürlich höre ich weiterhin zu. Natürlich informiere ich mich weiterhin. Und natürlich ist die Umsetzung der entsprechenden Maßnahmen (incl. Impfung) für mich als Krankenpfleger eine  Selbstverständlichkeit. Doch ich bin auch müde…!

Dieses Thema hat unseren Alltag so sehr durchseucht, dass ich mir dies lieber für unsere Gesellschaft wünschen würde. So brauche ich hin und wieder meine kleinen Flucht-Inseln, um aufzuatmen und die Akkus wieder aufladen zu können. Bin ich dort angekommen, darf ich Corona einfach mal vergessen. Eine dieser Flucht-Inseln ist jedes Mal der Besuche eines Theaters für mich: Auf dem Weg dorthin – quasi bis zu meinem Sitzplatz – ist Corona selbstverständlich sehr präsent. Doch sobald der Vorhang sich hebt, und das Orchester die ersten Takte der Ouvertüre anstimmt, vergesse ich alles um mich herum…!

Eine andere wichtige Flucht-Inseln ist nach wie vor das Lesen für mich. Und ich bin so dankbar, dass mich die Liebe zum Lesen über all die Jahre, all die Jahrzehnte nicht verlassen hat. Wie könnte sie auch: Jahr für Jahr gibt es wieder und wieder wunderbare Lektüre – mal neuerem Datums, mal ein Klassiker – für mich zu entdecken. Und auch in diesem Jahr war meine „Ausbeute“ wieder sehr abwechslungsreich.


Im Februar fiel mir Roberto Camurris Der Name seiner Mutter vor die Füße: Die Protagonisten – Vater und Sohn – schweigen viel und sagen damit doch einiges aus. Und gerade das Unausgesprochene sorgt für Spannung und Dramatik aber auch für Melancholie.

Als Fan des Films „Es geschah am hellichten Tag“ war ich im März sehr gespannt auf Das Versprechen von Friedrich Dürrenmatt. Dieses „Requiem auf den Kriminalroman“ entstand nach seinem Mitwirken am Film-Drehbuch, und er nutzte so die Gelegenheit, die Geschichte ganz nach seinem Gusto zu erzählen.

Ebenfalls im März entzückte mich das Bilderbuch Die Tode meiner Mutter von Carla Haslbauer: Kein Wunder! Als eifriger Theatergänger und Opernliebhaber traf mich diese reizende Geschichte mitten ins Herz.

Im April entdeckte ich mit kindlicher Freude meine Lust am Hörspiel für mich neu. Dank einiger wunderbarer Adaptionen nach Romanen der „Queen of Crime“ verbrachte ich etliche kuschelige Stunden vor dem CD-Player und lauschte tollen Sprecher*innen. Neben Zeugin der Anklage und Tod im Pfarrhaus waren noch einige andere bekannte Werke von Agatha Christie vertreten und lohnten eine Doppelfolge an Rezension.

Der Mai brachte mir die Bekanntschaft mit einer außergewöhnlichen Katze: In ihrer berührenden Geschichte Ruthchen schläft zeigt uns Kerstin Campbell, dass Blut nicht unbedingt dicker als Wasser sein muss, sondern dass auch durch die Verbundenheit einer Wahlfamilie Unwegsamkeiten bewältigt werden können.

Im Juni löste Fabian Neidhardt mit Immer noch wach eine wahre Tränenflut bei mir aus: Solch eine  berührend-traurige und gleichzeitig lebensbejahende Geschichte hatte ich schon seit längerem nicht mehr gelesen.

Im September erfreute ich mich an Hoppla! Neue Geschichten für andere Zeiten von Andere Zeiten e.V., eine Initiative zum Kirchenjahr, und sorgte mit seinen positiven Texten für einige Wohlfühlmomente bei mir.


…und hätte ich es geschafft, diese beiden Romane nicht nur zu beginnen sondern auch zu beenden, dann zählten sie mit großer Wahrscheinlichkeit auch zu meinen Lese-Highlights des Jahres: Im Wasser sind wir schwerelos von Tomasz Jedrowski und Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton trafen irgendwie zum falschen Zeitpunkt bei mir ein: Auf beide Romane hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut. Doch nach nur wenigen Kapiteln musste ich sie leider wieder aus der Hand legen. Ein Umstand, der nichts über die literarische Qualität der Romane aussagt, sondern nur meiner in dem Moment vorherrschenden Verfassung geschuldet war. Aber – Hey! – Neues Jahr! Neue Chance!


So endet der Jahresrückblick mit meinen Lesehighlights zwar durchaus mit einem Hauch Wehmut aber nicht ohne Hoffnungsschimmer am Horizont. Auch im kommenden Jahr darf ich mir sicher sein, dass es für mich weitere Flucht-Inseln zu entdecken gibt: Für das Frühjahr sehen sowohl die Vorschauen der Verlage wie auch die Spielpläne der Theater sehr, sehr verführerisch aus.

Ich wünsche Euch ein einen guten Rutsch und für das Neue Jahr 2022 nur das Allerbeste!