[Rezension] Agatha Christie – Hercule Poirot-Krimis

„Hercule Poirot trat aus dem Nebel hervor, nahm Gestalt an und bekam konkrete Züge. Und es steckte viel mehr in diesem kleinen Mann, als ich erwartet hatte.“ Agatha Christie

1920 löste Hercule Poirot in „Das fehlende Glied in der Kette“ seinen ersten literarischen Fall: Über 30 weitere Romane sowie Kurzgeschichten sollten folgen. Agatha Christie bereute es später, dass sie ihm schon zu Beginn ein so hohes Alter gegeben hatte und somit auf eine überschaubare Zeitspanne in ihren Romanen festgelegt war. Dies tat der steigenden Popularität von diesen besserwisserischen kleinen Mann keinen Abbruch…

Hercule Poirot (Belgier, nicht Franzose/ wie er immer wieder gerne betont) lebt als Privatdetektiv in London und ist, obwohl er eher klein von Statur, eine wahre Erscheinung. Dazu tragen besonders sein äußerst penibles Äußeres incl. Schnurbart sowie sein Hang zur Symmetrie bei. Seine Fälle löst er äußerst analytisch mit Hilfe seiner „kleinen, grauen Zellen“.


Mord im Orientexpress

…ist wohl der bekannteste Poirot-Fall dank einiger erfolgreicher filmischer Adaptionen. Ein Zug steckt  in einer Schneewehe fest, ein Mord geschieht, und es gibt gleich 12 Verdächtige: Interessant bei diesem Krimi ist – neben der Frage „Who done it?“ – der Handlungsaufbau.

Der Leser begleitet Hercule Poirot durch die einzelnen Verhöre und kann die Aussagen, wer sich wann an welchem Ort befunden hat, anhand der vorhandenen Skizze der Zugabteile nachvollziehen. Auch wer die Auflösung schon kennt, wird am geschickten Aufbau der Geschichte seine Freude haben.

Für mich ist „Mord im Orientexpress“ eine der besten Poirot-Romane, der in der britischen TV-Adaption mit David Suchet als Poirot eine würdige filmische Umsetzung fand.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650013


Das Geheimnis von Greenshore Garden

…ist eine kleine Mogelpackung: Der Verlag versprach bei Erscheinen eine kleinen Sensation „Nach 60 Jahren wiederentdeckt!“. Es handelt es sich hierbei um eine Novelle, die Agatha Christie später überarbeitet und zu ihrem Roman „Wiedersehen mit Mrs Oliver“ erweitert hat.

Die bekannte Krimiautoren Ariadne Oliver wird gebeten eine Charade als amüsante Mörderjagd zu inszenieren. Dabei stößt sie auf manch Undurchsichtiges und bittet darum ihren Freund Hercule Poirot um Hilfe. Kaum ist dieser vor Ort, ereignet sich ein Mord…

Auch wenn der Roman deutlich detailreicher und atmosphärisch dichter ist, liest sich diese Novelle angenehm leicht und gibt einen guten Einblick über die Arbeitsmethode von Agatha Christie. Zudem legte sie die Rolle der erfolgreichen Autorin Ariadne Oliver nach ihrem Vorbild an und schuf mit dieser liebenswert-kauzigen und zerstreuten Figur einen amüsanten Gegenpol zum über-korrekten Hercule Poirot.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650891


Das große Hercule-Poirot-Buch

…versammelt auf satte 460 Seiten die schönsten Kurzgeschichten mit dem brillanten belgischen Detektiv und bietet auch ein Wieder-Lesen mit seinem Freund Captain Hastings, Inspector Japp vom Scotland Yard und der eifrigen Sekretärin Miss Lemon.

Eine absolut kurzweilige Lektüre…!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600322

[Rezension] Agatha Christie – Autobiografisches & mehr

Wie aufmerksame Leser*innen meines Blogs sicherlich schon bemerkt haben, bin ich ein Fan von der „Queen of Crime“.

So werde ich es mir nicht nehmen lassen, hin und wieder das eine oder andere Werk von ihr hier vorzustellen.

Allen Interessierten, die mehr über diese außergewöhnliche Schriftstellerin erfahren möchten, lege ich eine sehenswerte Dokumentation auf „arte“ ans Herz.


Agatha Christie – Die Autobiographie

Die „Queen of Crime“ plaudert „by herself“ aus ihrem turbulenten Leben und tut dies völlig uneitel. Sie war immer am Puls der Zeit, interessierte sich stets für gesellschaftliche Veränderungen und war selbst das beste Beispiel, in wieweit sich das öffentliche Bild der Frau verändert hat.

Dabei verschweigt sie ihren Lesern auch nicht die vielen Tiefpunkte, die sie geprägt und zu der einzigartigen Schriftstellerin haben werden lassen. Ihr bewegtes Leben beschreibt sie emotional sehr berührend. Einzig der Dezember des Jahres 1926 findet in ihrer ansonsten so detailreichen Biographie keine Erwähnung. Abgerundet wird diese gelungene Autobiographie durch Fotos aus dem Familienalbum der Christies.

Zudem ist die Autobiographie in der Neu-Auflage im Festen Einband mit rotem Leinenrücken sehr geschmackvoll gestaltet.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455000528


Andrew Wilson – Agathas Alibi

Ein Abend im Dezember 1926: Aus heiterem Himmel ohne Vorwarnung verschwindet die berühmte Kriminalschriftstellerin Agatha Christie von der Bildfläche und taucht erst 12 Tagen später wieder auf. Dieses Mysterium hielt damals ihre Familie, die Presse und die Polizei in Atem und lieferte im Nachhinein Stoff für wilde Spekulationen –  zudem sie sich zeitlebens nie über die Gründe ihres Verschwindens geäußert hatte.

Andrew Wilson strikt um die wenigen bekannten Fakten eine fiktive Geschichte im Christie-Stiel und liefert einen Kriminalroman mit der „Queen of Crime“ im Mittelpunkt, der immer wieder Bezug auf ihren bekannten Roman „Alibi“ nimmt. Dabei erreicht er nicht die erzählerische Qualität des Originals, liefert aber einen durchaus spannenden und unterhaltsamen Krimi, dessen Lektüre zur Folge hatte, dass ich „Alibi“ nochmals lesen musste!

erschienen bei Pendo/ ISBN: 978-3866124226


Agatha Christie – Alibi: ein Fall für Poirot

Hercule Poirots 3. großer Fall hat es in sich: Mrs. Frerrars steht im Verdacht, ihren Gatten ermordet zu haben. Nun ist sie selber tot! Roger Ackroyd versucht verzweifelt, die Umstände ihres Todes herauszufinden. Doch bevor er reagieren kann, wird auch er ermordet. Hercule Poirot hatte so sehr gehofft, seinen Ruhestand ruhig und friedlich auf dem Lande verbringen zu können. Doch das Landleben entpuppt sich alles andere als ruhig und friedlich…

Agatha Christies Werk begründete ihren Weltruhm als bedeutende Kriminalautorin und gilt als einer der einflussreichsten Kriminalromane, die jemals geschrieben worden sind. Gerade sein überraschendes Ende und die ungewöhnliche Wahl des Täters sorgten nach Erscheinen bei seiner Leserschaft für Aufruhr, führte aber zu einem Umdenken im gesamten Krimi-Genre.

Auch mich zog dieser Krimi (mal wieder) bis zur letzten Seite in seinen Bann – ein echter „Pageturner“!!!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650044

Ein Porträt: Agatha Christie

Agatha Christie (* 15. September 1890/ † 12. Januar 1976)

…oder wie sie mit vollem Namen hieß: Dame Agatha Mary Clarissa Christie, Lady Mallowan, gilt als die Begründerin des modernen, britischen Kriminalromans. Zu verdanken hat sie dies aufgrund der Vielzahl an Kurzgeschichten und Romane, die auch mehrfach sehr erfolgreich für das Fernsehen und das Kino verfilmt wurden.

Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich hierbei zwei, der von ihr erschaffenen, Heldinnen/ Helden: Miss Jane Marple und Hercule Poirot

Miss Marple ist eine ältere, altjüngferliche Dame aus der fiktiven kleinen Ortschaft St. Mary Mead, die dank ihres reinen Menschenverstands und einem unverstellten Blick auf die menschliche Natur die rätselhaftesten Geheimnisse lüftet. Dabei wird sie – aufgrund ihres harmlos wirkenden, provinziellen Auftretens – von der Polizei wie vom Täter häufig unterschätzt.

Hercule Poirot (Belgier, nicht Franzose/ wie er immer wieder gerne betont) lebt als Privatdetektiv in London und ist, obwohl er eher klein von Statur, eine wahre Erscheinung. Dazu trägt besonders sein äußerst penibles Äußeres incl. Schnurbart sowie sein Hang zur Symmetrie bei. Seine Fälle löst er äußerst analytisch mit Hilfe seiner „kleinen, grauen Zellen“.

Die verkaufte Weltauflage der Bücher von Agatha Christie wird auf über zwei Milliarden geschätzt (und täglich werden es mehr), womit sie zu den erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte zählt.

Inspiration schöpfte sie aus ihrer eigenen Geschichte. So war sie u.a. im 1. Weltkrieg als Krankenschwester tätig, arbeitete in der Krankenhausapotheke und eignete sich hier ein umfangreiches Wissen über Gifte an. Mit ihrem 2. Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, war sie bei div. Ausgrabungen im Nordirak und in Syrien zugegen oder reiste im legendären Orient-Express. So finden sich in den Werken von Agatha Christie immer wieder Beschreibungen existierender Orte und Hinweise auf reale Ereignisse sowie das momentane Zeitgeschehen.

Agatha Christies Werke sind häufig die klassischen „Whodunit“-Geschichten, bei denen der Leser gemeinsam mit dem Ermittler/ -Team auf Verbrecherjagd geht und die Tat aufklärt.

Ihr Schreibstil würde ich als klar und schnörkellos beschreiben: Leser, die ausgeklügelte Sprachkreationen erwarten, werden eher enttäuscht sein. Wobei hier im Laufe der Jahrzehnte durchaus eine Veränderung ihres Schreibstils zu erkennen ist (vergleiche „Das fehlende Glied in der Kette“ von 1920 mit „Passagier nach Frankfurt“ von 1970).

Sie schafft es aber immer, in ihren Romanen Atmosphäre aufzubauen, pralle Charaktere zu beschreiben, den menschlichen Aspekt sowie den Humor niemals außer Acht zu lassen und ihre Geschichten raffiniert zu konstruieren. Dass sie hierbei eine wahre Meisterin ist, beweist sie mir besonders in ihren wunderbaren Kurzgeschichten.


Auswahl ihrer Werke:

  • Mord im Orientexpress erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650013

  • Das große Hercule-Poirot-Buch erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600322

  • 16 Uhr 50 ab Paddington erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650068

  • Das große Miss-Marple-Buch erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600315

  • Passagier nach Frankfurt erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455002621