[Rezension] Agatha Christie – Vorhang: Poirots letzter Fall

Alt, krank und gebrechlich kehrt Meisterdetektiv Hercule Poirot an den Ort seines ersten Triumphes zurück: Auf dem Landsitz Styles verbringt er seine letzten Tage – nicht aus Sentimentalität sondern um einem perfiden Mörder das Handwerk zu legen. Unter den Anwesenden vermutet er einen Psychopathen, der nie selbst Hand anlegte, dafür aber schon häufig andere Menschen durch geschickte Manipulation zum Morden verleitete. Doch hinter welcher, der scheinbar harmlos wirkenden Fassaden der Anwesenden, verbirgt sich ein perfider Verbrecher? Poirot bittet seinen langjährigen Freund Captain Hastings, ihn zu unterstützen: Hastings soll als Poirots Augen und Ohren fungiert. Doch trotz Hastings Wachsamkeit geschieht ein weiteres Unglück, und selbst Hastings ist vor dem Einfluss des Mörders nicht gefeit. Der Tod seiner Frau und die Anwesenheit seiner Tochter Judith lösen ambivalente Gefühle bei ihm aus. Hercule weiß, dass er schnell handeln muss: Seine kleinen grauen Zellen arbeiten nach wie vor brillant, doch sein Körper wird zunehmend schwächer. Er stirbt und hinterlässt eine überraschende Lösung des Falls…!

„Vorhang: Poirots letzter Fall“ ist der 33. und letzte Krimi mit dem belgischen Meisterdetektiv und gleichzeitig auch der letzte Roman, der zu Lebzeiten Agatha Christies erscheinen sollte. Mit Poirot und Styles begann und endete ihre sagenhafte Karriere: Kreise schließen sich! Kurioserweise war dies aber nicht der letzte Roman, den sie geschrieben hatte: Das Manuskript zu „Vorhang“ lag über 30 Jahre im Tresor der Bank und war so etwas wie Christies Rücklage für schlechte Zeiten. Da der Roman im Jahre 1975 erschien, entstand das Manuskript somit in den 40er Jahren. Unter Berücksichtigung dieser Tatsache empfinde ich es umso erstaunlicher, mit welcher Raffinesse Christie diese Geschichte aufbaute: Einerseits lässt sie den Leser die Handlung – nach klassischer Manier – stellvertretend durch die Person Arthur Hastings erleben und lässt beide, Hastings und den Leser, bis zum Schluss im Dunkeln tappen. Andererseits erfährt der Leser prägnante Einzelheiten durch die schriftlichen Aufzeichnungen von Hercule Poirot.

Zudem überraschte Christie gerne ihre Leser*innen, indem sie in ihren Romanen heikle Themen ansprach: So folgte ich als Leser einer konträr geführten Diskussion zwischen Captain Hastings und seiner Tochter Judith, bei der ich mich fragte, ob hier noch über Sterbehilfe oder schon über Euthanasie gesprochen wird. Häufig wurde der Autorin Antisemitismus vorgeworfen: Agatha Christie war ein Kind ihrer Zeit, nahm gesellschaftliche Ströme wahr, und so sind ihre Werke im historische Kontext der damaligen Epoche zu bewerten. Ich selbst habe schon viele ihrer Werke gelesen, empfand diese nie als rassistisch und hatte dabei eher den Eindruck, dass Christie bestimmten Personen der Handlung provokante Thesen in den Mund legte, um so ihrer Leserschaft und somit der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Dies ist selbstverständlich meine persönliche Interpretation, und eine Interpretation kann sowohl zu der einen wie auch zur anderen Richtung tendieren: Wer sucht wird finden!

In der gewohnten und von ihr perfektionierten „Whodunit“-Manier erfreut die Autorin auch bei diesem Roman mit einem spannenden Plot und interessanten Charakteren. Gleichzeitig schwingt Melancholie und ein Hauch Vergänglichkeit durch die Szenerie: Alle Personen sind an einem Scheideweg angelangt, blicken auf ihr bisheriges Leben zurück, hadern mit sich und ihrer momentanen Situation und sind unentschlossen, was die Zukunft ihnen bringen mag. Nur für den großen Meisterdetektiv wird es keine Zukunft mehr geben.

Ich gebe zu, dass mir beim Tod von Poirot – und als ich seine letzten Zeilen las – eine Träne über die Wange rann: „Es waren gute Zeiten. Ja, es war eine gute Zeit…“

Ja, das war sie – definitiv!

Nachruf Hercule Poirot - New Yorker Times.jpg

Hercule Poirot war bisher der einzige fiktive Charakter, der nach Erscheinen seines letzten Falls einen Nachruf in der „New York Times“ erhielt – auf der Titel-Seite!!!


erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455008722

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Traudl Bünger – The Queen of Crime: Agatha Christie (Hörbuch)

Agatha Christie hat zu Lebzeiten tunlichst vermieden, ihre beiden beliebten kriminalistischen Spürnasen Miss Marple und Hercule Poirot gemeinsam ermitteln zu lassen, und tat gut daran: Bei den sehr unterschiedlichen Herangehensweisen und Ermittlungsmethoden der Beiden wäre womöglich ein erbitterter Konkurrenzkampf unumgänglich gewesen.

Erst Traudel Bünger, Autorin und bis 2018 als Programleitung des Literaturfestivals lit.COLOGNE tätig, wagte es, diese „heilige Kuh“ zu schlachten: Mit „The Queen of Crime: Agatha Christie“ lässt sie diese außergewöhnlichen Charaktere aufeinandertreffen. Mit Jürgen Tarrach als herrlich snobistischer Poirot mit französischen Akzent und Monica Bleibtreu als pfiffig-resolute Miss Marple mit Herz am rechten Fleck standen ihr zwei Vollblut-Akteure zur Verfügung.

Am 3. Dezember 1926 verschwand die damals 36-jährige Agatha Christie auf mysteriöse Weise, tauchte erst 11 Tage später wieder auf und machte aus diesem Umstand stets ein Geheimnis. Nach eigener Aussage war für Traudel Bünger, die „das Leben einer Kriminalschriftstellerin in einem literarischen Bühnenprogram erzählen will, ein solches Geheimnis ein Geschenk“. Und so nehmen Poirot & Marple alias Tarrach & Bleibtreu die Ermittlungen auf und liefern sich so einen verbalen Schlagabtausch auf Augenhöhe. Während Poirot die Tatsachen systematisch anhand der Chronologie der Ereignisse dem Publikum darlegt, unterbricht Marple ihn immer wieder, um anhand von Anekdoten aus ihrem Dorf St. Mary Mead die mitfühlende (zwischen-)menschliche Komponente nicht zu vernachlässigen. So stricken sie gemeinsam geschickt ein feines Netz der damaligen Ereignisse aus den wenigen bekannten Fakten, Zeitungsartikeln und Interviews von Agathas erstem Ehemann Archibald Christie und analysieren gemeinsam das Verhalten der beteiligten Personen.

Überzeugend arbeitet Traudel Bünger die sehr unterschiedlichen Methoden dieser gewieften Ermittler heraus: Während Poirot seine kleinen grauen Zellen sehr rational einsetzt und die reinen, unverfälschten Fakten berücksichtigt, achtet Miss Marple – sozusagen von Frau zu Frau – auf die Kleinigkeiten im Verhalten und auf Veränderungen im Auftreten von Mrs. Christie. Dabei diskutieren die Schöpfungen durchaus konträr über ihre Schöpferin.

So wagen sie eine Einschätzung, in wieweit die Geschehnisse im Dezember 1926 Einfluss auf die darauf folgenden Werke der Autorin Christie hatten. Auch werden sowohl ihr weiterer Lebensweg wie auch ihre Karriere pointiert beleuchtet: Scheidung vom ersten (untreuen) Ehemann, Reisen mit dem Orient-Express und in den Nahen Osten, Heirat mit dem 14 Jahre jüngeren Archäologen Max Mallowan, weltweite Erfolge als Autorin von Romanen und Bühnenstücke („Die Mausefalle“ wird seit dem Jahre 1952 ohne Unterbrechung in London aufgeführt), von der UNESCO zur erfolgreichsten britischen Schriftstellerin gekürt. Dabei wird deutlich, dass Agatha Christie zu ihrer Zeit schon eine sehr unkonventionelle Frau mit Humor war. So äußerte sie sich zu ihrer Ehe mit einem jüngeren Mann „Heiraten sie einen Archäologen: Je älter sie werden, desto interessanter findet er sie!“ Als sie am 12. Januar 1976 verstarb, zollte ihr die Theaterwelt von London Tribut: Von 22.00 bis 23.00 Uhr wurde das Westend dunkel und trauerte um die „Queen of Crime“.

Doch das Rätsel um die Geschehnisse im Dezember 1926 bleibt unaufgeklärt: Christie gab hierzu nur ein einziges Interview, dass so gut wie nichts zur Klärung beitrug, danach herrschte Schweigen…!

Aber Hercule Poirot und Miss Marple wären nicht DIE exzellenten Kriminologen, wenn sie nicht auch hierfür mit einer jeweils sehr persönlichen Lösung des Falls – jede/r im ganz eigenem Stil – glänzen würden. Und die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte…!

Die 78 Minuten dieses Live-Mitschnitts der lit.COLOGNE aus dem Jahre 2009 vergingen wie im Flug: Neben dem gelungenem Buch von Traudel Bünger ist dies in erster Linie den beiden vortrefflichen Darstellern Monica Bleibtreu und Jürgen Tarrach zu verdanken: Mit Charme und Humor hauchten sie ihren Charakteren Leben ein. Einziger (wirklich nur klitzekleiner) Wehrmutstropfen an dieser Einspielung ist der Umstand, dass der Zuhörer ihrer Performance hin und wieder die Lesung anmerkt, d.h. einige Dialoge wirken eher abgelesen als „frei“ interpretiert. Dafür lebt diese Aufnahme umso mehr von der Live-Atmosphäre mit den Reaktionen des Publikums.


erschienen bei Random House Audio/ ISBN: 978-3837104134

[Die Bücher meines Lebens] Agatha Christie – Und dann gab’s keines mehr

– 2011 –


 

Wappen AK.jpg

Osterholz-Scharmbeck, im Jahre 2019

Sehr geehrte gnädige Frau!

Leider habe ich es bisher versäumt ihnen mitzuteilen, wie sehr ich sie und ihre Kunst verehre: Seit Jahren – Ach, was sage ich! – seit Jahrzehnten lese ich mit zunehmender Begeisterung Ihre Romane und Geschichten. Zuerst nur sehr vereinzelt, mal hier einen Roman, mal da ein Geschichtchen, bis ich im Jahre 2011 in Gänze zu Ihnen fand und sowohl hoffnungs- als auch hemmungslos ihrem Talent verfiel.

Aber auch auf der Kino-Leinwand, dem Fernseh-Bildschirm oder der Theater-Bühne verzück(t)en Ihre Werke mich und sorg(t)en für eine spannende Unterhaltung. Sei es mit den wunderbar-kurzweiligen vier Miss Marple-Filmen aus den 60er Jahren, mit der exzellenten TV-Serie „Poirot“ oder der Bühnenadaptionen zu „Tod auf dem Nil“. Mir ist durchaus bekannt, dass ihnen die Darstellung der Miss Marple durch Dame Margaret Rutherford so ganz und gar nicht zugesagt hat, da sie ihrer Original-Typisierung des Charakters so gänzlich widersprach. Aber vielleicht tröstet sie das Wissen, dass diese Filme sich einer ungebrochen großen Beliebtheit beim Publikum erfreuen. Bei David Suchet als Hercule Poirot bin ich mir sehr sicher, dass er vor ihrem strengen Auge Gnade gefunden hätte: Dieser großartige Schauspieler hat die Rolle des belgischen Privatdetektivs mit einer solchen Brillanz verkörpert und damit andere Interpretationen ins Abseits gedrängt.

Aber was ist es, das ihren Ruhm – allen Ostfriesenkrimis und skandinavischen Meuchelmördern zum Trotz – bis heute nicht verblassen lässt und für eine über Jahre andauernde Begeisterung bei Ihren Leserinnen und Lesern sorgt? Vielleicht darf ich es Ihnen anhand Ihres Romans „Und dann gab’s keines mehr“ erläutern?

Wirft man einen Blick auf Ihre Rezeptur, erscheint es ganz leicht:

  • Zutatenliste: eine einsame Insel als Ort der Handlung, ein geheimnisvoller Gastgeber, eine überschaubare Anzahl an Protagonisten, skandalöse Vorwürfe als Begründung für die Tat(en)…
  • Zubereitung: Nacht für Nacht bzw. Tag für Tag stirbt auf mysteriöse Art und Weise ein Protagonist nach dem Vorbild einer Strophe aus einem Kinderreim, jede(r) verdächtigt jede(n), Verwirrungen über Verwirrungen…
  • Beilagen: packende Charaktere, flüssige Dialoge, schlüssiger Handlungsaufbau, Spannung bis zum Schluss mit dem gewissen „Aha-Effekt“…

…und immer die über allem schwebende Frage „Whodunit?“

Doch so manche Nachahmer, die Ihrer Rezeptur folgten, scheiterten kläglich, da das Handwerk nicht beherrscht wurde. Bei Ihnen, gnädige Frau, haben wir es mit einer Autorin zutun, die ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt hat und die Leserschaft mit ihrer langjährigen Erfahrung im Aufbau des Spannungsbogens und mit raffinierten Stimmungswechseln begeistert, ohne dass sie – trotz der vielen Erfahrung – in eine routinierte Monotonie verfällt. Werke von Ihnen, Mrs. Christie, verlocken geradezu, vorgetragen zu werden.

Doch es sollten noch einige Jährchen ins Land ziehen, bevor ich die Traute hatte, mit meiner Verehrung an die Öffentlichkeit zu treten: So habe ich mir erlaubt im Rahmen einiger Lesungen, die eine und andere Geschichte aus ihrer Feder einem fraglos wohlwollenden Publikum vorzutragen. Und ich darf ihnen ohne Übertreibung aber durchaus mit einem Hauch Stolz versichern: Ihre Schöpfung und meine Interpretation bildeten eine kongeniale Einheit…!

…und so danke ich Ihnen, liebe gnädige Frau, aus voller Überzeugung und übervollem Herzen für die vielen Stunden an Zerstreuung und Inspiration, an Spannung und Humor, die sie mir mit Ihren Werken geschenkt haben.

Ich verbleibe mit hochachtungsvollem Gruß
Ihr sehr ergebener
Scan_20170606.jpg


erschienen bei Fischer/ ISBN: 978-3596511143 / Neu-Auflage erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650716


[Rezension] Agatha Christie – Hercule Poirot-Krimis

„Hercule Poirot trat aus dem Nebel hervor, nahm Gestalt an und bekam konkrete Züge. Und es steckte viel mehr in diesem kleinen Mann, als ich erwartet hatte.“ Agatha Christie

1920 löste Hercule Poirot in „Das fehlende Glied in der Kette“ seinen ersten literarischen Fall: Über 30 weitere Romane sowie Kurzgeschichten sollten folgen. Agatha Christie bereute es später, dass sie ihm schon zu Beginn ein so hohes Alter gegeben hatte und somit auf eine überschaubare Zeitspanne in ihren Romanen festgelegt war. Dies tat der steigenden Popularität von diesen besserwisserischen kleinen Mann keinen Abbruch…

Hercule Poirot (Belgier, nicht Franzose/ wie er immer wieder gerne betont) lebt als Privatdetektiv in London und ist, obwohl er eher klein von Statur, eine wahre Erscheinung. Dazu tragen besonders sein äußerst penibles Äußeres incl. Schnurbart sowie sein Hang zur Symmetrie bei. Seine Fälle löst er äußerst analytisch mit Hilfe seiner „kleinen, grauen Zellen“.


Mord im Orientexpress

…ist wohl der bekannteste Poirot-Fall dank einiger erfolgreicher filmischer Adaptionen. Ein Zug steckt  in einer Schneewehe fest, ein Mord geschieht, und es gibt gleich 12 Verdächtige: Interessant bei diesem Krimi ist – neben der Frage „Who done it?“ – der Handlungsaufbau.

Der Leser begleitet Hercule Poirot durch die einzelnen Verhöre und kann die Aussagen, wer sich wann an welchem Ort befunden hat, anhand der vorhandenen Skizze der Zugabteile nachvollziehen. Auch wer die Auflösung schon kennt, wird am geschickten Aufbau der Geschichte seine Freude haben.

Für mich ist „Mord im Orientexpress“ eine der besten Poirot-Romane, der in der britischen TV-Adaption mit David Suchet als Poirot eine würdige filmische Umsetzung fand.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650013


Das Geheimnis von Greenshore Garden

…ist eine kleine Mogelpackung: Der Verlag versprach bei Erscheinen eine kleinen Sensation „Nach 60 Jahren wiederentdeckt!“. Es handelt es sich hierbei um eine Novelle, die Agatha Christie später überarbeitet und zu ihrem Roman „Wiedersehen mit Mrs Oliver“ erweitert hat.

Die bekannte Krimiautoren Ariadne Oliver wird gebeten eine Charade als amüsante Mörderjagd zu inszenieren. Dabei stößt sie auf manch Undurchsichtiges und bittet darum ihren Freund Hercule Poirot um Hilfe. Kaum ist dieser vor Ort, ereignet sich ein Mord…

Auch wenn der Roman deutlich detailreicher und atmosphärisch dichter ist, liest sich diese Novelle angenehm leicht und gibt einen guten Einblick über die Arbeitsmethode von Agatha Christie. Zudem legte sie die Rolle der erfolgreichen Autorin Ariadne Oliver nach ihrem Vorbild an und schuf mit dieser liebenswert-kauzigen und zerstreuten Figur einen amüsanten Gegenpol zum über-korrekten Hercule Poirot.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650891


Das große Hercule-Poirot-Buch

…versammelt auf satte 460 Seiten die schönsten Kurzgeschichten mit dem brillanten belgischen Detektiv und bietet auch ein Wieder-Lesen mit seinem Freund Captain Hastings, Inspector Japp vom Scotland Yard und der eifrigen Sekretärin Miss Lemon.

Eine absolut kurzweilige Lektüre…!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600322

[Rezension] Agatha Christie – Autobiografisches & mehr

Wie aufmerksame Leser*innen meines Blogs sicherlich schon bemerkt haben, bin ich ein Fan von der „Queen of Crime“.

So werde ich es mir nicht nehmen lassen, hin und wieder das eine oder andere Werk von ihr hier vorzustellen.

Allen Interessierten, die mehr über diese außergewöhnliche Schriftstellerin erfahren möchten, lege ich eine sehenswerte Dokumentation auf „arte“ ans Herz.


Agatha Christie – Die Autobiographie

Die „Queen of Crime“ plaudert „by herself“ aus ihrem turbulenten Leben und tut dies völlig uneitel. Sie war immer am Puls der Zeit, interessierte sich stets für gesellschaftliche Veränderungen und war selbst das beste Beispiel, in wieweit sich das öffentliche Bild der Frau verändert hat.

Dabei verschweigt sie ihren Lesern auch nicht die vielen Tiefpunkte, die sie geprägt und zu der einzigartigen Schriftstellerin haben werden lassen. Ihr bewegtes Leben beschreibt sie emotional sehr berührend. Einzig der Dezember des Jahres 1926 findet in ihrer ansonsten so detailreichen Biographie keine Erwähnung. Abgerundet wird diese gelungene Autobiographie durch Fotos aus dem Familienalbum der Christies.

Zudem ist die Autobiographie in der Neu-Auflage im Festen Einband mit rotem Leinenrücken sehr geschmackvoll gestaltet.

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455000528


Andrew Wilson – Agathas Alibi

Ein Abend im Dezember 1926: Aus heiterem Himmel ohne Vorwarnung verschwindet die berühmte Kriminalschriftstellerin Agatha Christie von der Bildfläche und taucht erst 12 Tagen später wieder auf. Dieses Mysterium hielt damals ihre Familie, die Presse und die Polizei in Atem und lieferte im Nachhinein Stoff für wilde Spekulationen –  zudem sie sich zeitlebens nie über die Gründe ihres Verschwindens geäußert hatte.

Andrew Wilson strikt um die wenigen bekannten Fakten eine fiktive Geschichte im Christie-Stiel und liefert einen Kriminalroman mit der „Queen of Crime“ im Mittelpunkt, der immer wieder Bezug auf ihren bekannten Roman „Alibi“ nimmt. Dabei erreicht er nicht die erzählerische Qualität des Originals, liefert aber einen durchaus spannenden und unterhaltsamen Krimi, dessen Lektüre zur Folge hatte, dass ich „Alibi“ nochmals lesen musste!

erschienen bei Pendo/ ISBN: 978-3866124226


Agatha Christie – Alibi: ein Fall für Poirot

Hercule Poirots 3. großer Fall hat es in sich: Mrs. Frerrars steht im Verdacht, ihren Gatten ermordet zu haben. Nun ist sie selber tot! Roger Ackroyd versucht verzweifelt, die Umstände ihres Todes herauszufinden. Doch bevor er reagieren kann, wird auch er ermordet. Hercule Poirot hatte so sehr gehofft, seinen Ruhestand ruhig und friedlich auf dem Lande verbringen zu können. Doch das Landleben entpuppt sich alles andere als ruhig und friedlich…

Agatha Christies Werk begründete ihren Weltruhm als bedeutende Kriminalautorin und gilt als einer der einflussreichsten Kriminalromane, die jemals geschrieben worden sind. Gerade sein überraschendes Ende und die ungewöhnliche Wahl des Täters sorgten nach Erscheinen bei seiner Leserschaft für Aufruhr, führte aber zu einem Umdenken im gesamten Krimi-Genre.

Auch mich zog dieser Krimi (mal wieder) bis zur letzten Seite in seinen Bann – ein echter „Pageturner“!!!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650044

Ein Porträt: Agatha Christie

Agatha Christie (* 15. September 1890/ † 12. Januar 1976)

…oder wie sie mit vollem Namen hieß: Dame Agatha Mary Clarissa Christie, Lady Mallowan, gilt als die Begründerin des modernen, britischen Kriminalromans. Zu verdanken hat sie dies aufgrund der Vielzahl an Kurzgeschichten und Romane, die auch mehrfach sehr erfolgreich für das Fernsehen und das Kino verfilmt wurden.

Besonders großer Beliebtheit erfreuen sich hierbei zwei, der von ihr erschaffenen, Heldinnen/ Helden: Miss Jane Marple und Hercule Poirot

Miss Marple ist eine ältere, altjüngferliche Dame aus der fiktiven kleinen Ortschaft St. Mary Mead, die dank ihres reinen Menschenverstands und einem unverstellten Blick auf die menschliche Natur die rätselhaftesten Geheimnisse lüftet. Dabei wird sie – aufgrund ihres harmlos wirkenden, provinziellen Auftretens – von der Polizei wie vom Täter häufig unterschätzt.

Hercule Poirot (Belgier, nicht Franzose/ wie er immer wieder gerne betont) lebt als Privatdetektiv in London und ist, obwohl er eher klein von Statur, eine wahre Erscheinung. Dazu trägt besonders sein äußerst penibles Äußeres incl. Schnurbart sowie sein Hang zur Symmetrie bei. Seine Fälle löst er äußerst analytisch mit Hilfe seiner „kleinen, grauen Zellen“.

Die verkaufte Weltauflage der Bücher von Agatha Christie wird auf über zwei Milliarden geschätzt (und täglich werden es mehr), womit sie zu den erfolgreichsten Autorinnen der Literaturgeschichte zählt.

Inspiration schöpfte sie aus ihrer eigenen Geschichte. So war sie u.a. im 1. Weltkrieg als Krankenschwester tätig, arbeitete in der Krankenhausapotheke und eignete sich hier ein umfangreiches Wissen über Gifte an. Mit ihrem 2. Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, war sie bei div. Ausgrabungen im Nordirak und in Syrien zugegen oder reiste im legendären Orient-Express. So finden sich in den Werken von Agatha Christie immer wieder Beschreibungen existierender Orte und Hinweise auf reale Ereignisse sowie das momentane Zeitgeschehen.

Agatha Christies Werke sind häufig die klassischen „Whodunit“-Geschichten, bei denen der Leser gemeinsam mit dem Ermittler/ -Team auf Verbrecherjagd geht und die Tat aufklärt.

Ihr Schreibstil würde ich als klar und schnörkellos beschreiben: Leser, die ausgeklügelte Sprachkreationen erwarten, werden eher enttäuscht sein. Wobei hier im Laufe der Jahrzehnte durchaus eine Veränderung ihres Schreibstils zu erkennen ist (vergleiche „Das fehlende Glied in der Kette“ von 1920 mit „Passagier nach Frankfurt“ von 1970).

Sie schafft es aber immer, in ihren Romanen Atmosphäre aufzubauen, pralle Charaktere zu beschreiben, den menschlichen Aspekt sowie den Humor niemals außer Acht zu lassen und ihre Geschichten raffiniert zu konstruieren. Dass sie hierbei eine wahre Meisterin ist, beweist sie mir besonders in ihren wunderbaren Kurzgeschichten.


Auswahl ihrer Werke: