[Rezension] Carl Nixon – Fish ’n’ Chip Shop Song

Ich habe den Eindruck, dass sich Erzählungen in der letzten Zeit einer zunehmenden Beliebtheit erfreuen. Wurden sie häufig „nur“ als Kurzgeschichten belächelt und ihren Schöpfer*innen unterstellt, zur „richtigen“ Literatur fehle ihnen wohl die Ausdauer. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall: Erzählungen zählen für mich zur Königsdisziplin in der Literatur. Im besten Fall schaffen die wahren Könner das, wofür andere Autor*innen hunderte von Seiten benötigen: Sie verstehen es auf wenigen Seiten eine ganze Welt entstehen zu lassen, incl. Spannungsbogen, Stimmungswechsel und Biografien des Handlungspersonals.

Seit einigen Jahren halte ich stets meine Augen offen, um weitere Talente für mich zu entdecken: Carl Nixon war mir bisher nicht bekannt, dabei kann der neuseeländische Autor schon einigen Erfolg im deutschsprachigen Raum vorweisen,…

…und: Er ist einer dieser wahren Könner im Erschaffen von Erzählungen! All das, was ich eingangs erwähnt habe, versteht er in seinen Erzählungen zu präsentieren. „Fish ’n’ Chip Shop Song“ ist eine Sammlung von 15 sehr unterschiedlichen und doch ähnlichen Erzählungen: Ein Wiederspruch? Ja! und Nein!

Da ist die dieser Anthologie namengebende Geschichte um eine junge Frau, die im Fish ’n’ Chip Shop ihrer Eltern arbeitet und sehnsuchtsvolle Fantasien zu einem Kunden ersinnt:  Hier entwickelt sich die Handlung in Form von Liedstrophen und erzeugt einen pulsierenden Beat.

Ein junger Mann trauert in „Das Badefloss“ um den Tot seines Kindes und gibt hierfür seinem Vater die Schuld: Erst ein weiterer prägnanter Vorfall sprengt die Ketten der Trauer und lässt einen Neuanfang zu.

Bei „Träume von einem Vorstadtsöldner“ schmunzelte ich über den beinah pragmatischen Humor der handelnden Personen: Hier werden die Bewohner eines Wohnparks für Senioren von jugendlichen Diebe heimgesucht und erkämpfen sich mit Hilfe eines angeheuerten Söldners das Gefühl der Sicherheit zurück.

„Seines Auges Apfel“ erinnerte mich in seinem märchenhaft-phantasievollen Grundton an Tim Burtons Film „Big Fish“.

In „Mein Vater und der tote Junge“ erfährt ein Sohn bei der Beerdigung seines Vaters ein tragisches Detail zu dessen Biografie, das Rückschlüsse auf sein Werden zulässt.

Auch wenn der Autor die Art und Weise der Darbietung variiert, so ist allen Erzählungen die leise spürbare Melancholie rund um das Thema „Sehnsucht“ gemein – häufig gepaart mit einer wehmütigen Trauer, die mir die Tränen über die Wangen rinnen ließ.

Dabei empfand ich die Trauer nie als erdrückend, und die Tränen wirkten wie eine Befreiung auf mich. Schon wieder ein Widerspruch? Tja, so bin ich eben: widersprüchlich…

…widersprüchlich ist das Leben,…

…und widersprüchlich ist auch diese wunderbare Sammlung an Erzählungen!


erschienen bei CulturBooks/ ISBN: 978-3959881074

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Finn-Ole Heinrich – Gestern war auch schon ein Tag

Sympathisch sind sie mir nun nicht gerade – die Protagonisten in Finn-Ole Heinrichs Erzählungen. Mit keinem von ihnen würde ich einen Abend verbringen wollen. Aber der Autor möchte auch nicht anbiedernd Sympathie beim Leser erhaschen. Kantig sind sie – kantig und schnörkellos. Und dabei so echt und so weit entfernt vom Gut-Menschen.

Lieber würde ich über Gut-Menschen lesen: Es wäre für mich einfacher. Aber „einfacher“ will der Autor auch nicht sein. Er möchte unangenehm sein, seine Geschichten sollen unangenehme Emotionen beim Leser auslösen. Das Lesen dieser Erzählungen kratzt an der schönen Oberfläche des Lesers.

Aber warum empfinde ich es als unangenehm? Weil es wahrhaftig ist! Weil seine Protagonisten mit Emotionen kämpfen, die mir so vertraut sind. Weil sie Menschen sind, und somit ihre Gefühle menschlich sind – so wie auch meine Gefühle menschlich sind. Weil mir ein Spiegel vorgehalten wird, und ich erbarmungslos gezwungen werde, einen kritischen Blick in ihn zu werfen.

Schön ist es nicht unbedingt, was ich dort zu sehen bekomme.

Doch warum lese ich weiter? Weil ich erleichtert bin: Auch ich darf mir Gefühle zugestehen, die nicht „edel, hilfreich und gut“ sind. Und weil der Autor seine Figuren in all ihrer Menschlichkeit nicht bewertet: Sie werden von ihm nicht verraten, und somit fühle auch ich mich nicht bloßgestellt.

Es fällt mir schwer, die Inhalte der Erzählungen wiederzugeben: Dafür sind die Geschichten auch wieder zu unterschiedlich. Dafür sind die Schicksale der Protagonisten auch wieder zu individuell. Nur eines ist ihnen gemein: Finn-Ole Heinrich pfeift in seinen Geschichten auf den schönen Schein. Seine Geschichten sind klar. Seine Sprache ist klar – und erbarmungslos ehrlich: „Man bekommt, was man sieht!“

Glamour? Glamour muss ich mir woanders suchen! Das hier beschreibt nur das schnöde Leben!


erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442713189

[Rezension] Ria Neumann – Flugangst und Regenträume

Wie schon häufig erwähnt, stellt jede Lesung für mich eine Herausforderung dar: In diesem Fall war ich allerdings im besonderen Maße gefordert.

Auf Bitte der Autorin Ria Neumann hatte ich im Rahmen einer privaten Lesung anlässlich des Erscheinens ihres neusten Buches „Flugangst und Regenträume“ die Geschichte „Zulassen“ vorgetragen. 45 Minuten lang entführte ich die Zuhörer in die Gefühlswelt einer älteren Frau – zwischen Selbstmitleid und Hoffnung, zwischen Vorwürfen und leisem Humor, zwischen Trauern um die Vergangenheit und Sehnen nach der Zukunft.

Bei dieser anspruchsvollen Geschichte war es mir einerseits wichtig, dass ich die wechselnden Stimm(ung)en herausarbeite, andererseits ihr eine positive Leichtigkeit gebe und somit nicht als „Depri“-Stück diskreditiere.

Ob mir dies gelungen war? Direkt nach der Lesung war die Autorin nicht fähig, mir ein Feedback zu geben: Nachdem sie sehr konzentriert meinem Vortrag gelauscht hatte, schienen wechselnde Gefühle in ihr zu toben. Später gestand sie mir ein, dass es ihr sehr schwer fiel, ihrer Geschichte durch einen anderen Leser zu lauschen. Zudem hätte es sie erstaunt, wo ich meine Schwerpunkte setzte, und wie ich manche Passagen interpretierte. Dadurch hätte ihre Geschichte eine weitere Perspektive erhalten. Ihr Fazit: Mein Vortrag wäre wundervoll gewesen!


„Kurzgeschichten von der Lust und der Last des Lassens“ lautet der Untertitel dieses kleinen, feinen Buches: Auch die anderen Kurz-Geschichten handeln von Menschen, die sich alle in ihrem Leben  nicht für etwas oder jemanden entschieden haben, und über dieses „Lassen“ entweder erleichtert sind oder mit dieser verpassten Chance hadern.

Aber dieses „Lassen“ birgt auch Interpretationsmöglichkeiten in die gegensätzliche Richtung: Einige Protagonist*innen in den Geschichten hätte es mal lieber ge-lassen. Aber das „Nein!“-sagen scheint manchmal schier unmöglich, wenn der/das Gegenüber zu übermächtig wirkt.

Ria Neumann macht es sich und ihren Leser*innen nicht leicht: Manches bleibt in ihren Geschichten bewusst vage, bleibt unausgesprochen in der Schwebe und fordert zur Interpretation auf. Auch sind die Deutungsmöglichkeiten je nach eigenem Erfahrungsschatz vielfältig und regen zur Kontroverse an. Ihre Sätze sind fein und wohlüberlegt konstruiert: Kein Verb ist zu wenig, kein Adjektiv ist zu viel. Metaphern werden synonym eingesetzt, um Situationen präzise aber ohne schmückendes Beiwerk zu verbildlichen.

Manche ihrer Kurzgeschichten sind so kurz, dass sie eher wie zarte Miniaturen anmuten. Es durchziehen alle ihre Geschichten eine zarte Melancholie und ein Hauch von Wehmut! Und doch bleibt ein Funke Hoffnung spürbar…!


erschienen bei Donat/ ISBN: 978-3943425680

[Rezension] Lesley Nneka Arimah – Was es bedeutet, wenn ein Mann aus dem Himmel fällt

Ihre Texte sind wie Donnerschläge. Sie katapultiert den Leser hinein in ihre Familiengeschichten – ohne Vorwarnung, ohne Einleitung. Plötzlich findet man sich mitten in den menschlichen Tragödien wieder. Einiges wird angedeutet, vieles bleibt unausgesprochen – und gerade diese flirrende Schwebe, in der ich mich als Leser befand, sorgte für eine fiebrige Spannung in den Geschichten, die sehr häufig die Mutter-Tochter-Bindung thematisieren.

Es geht um enttäuschte Erwartungen und unerfüllte Hoffnungen und sorgt so für Konflikte in der Beziehung von Mutter und Tochter. Das Verhalten der Mütter prägt das weitere Leben der Töchter, entweder weil die Tochter zwangsläufig versagen muss, da sie dem Vorbild der Mutter nie entsprechen kann, oder weil die Mutter aufgrund ihrer Entscheidungen und Handlungen die Ablehnung der Tochter provoziert und sie so auf Distanz hält.

Eine Kommunikation auf Augenhöhe findet nicht statt. Das Angedeutete und Unausgesprochene sorgt für eine zweite Ebene in den Erzählungen und lässt die Handlung erschreckend real wirken.

Lesley Nneka Arimahs Sprache ist voller Kraft, sehr direkt und gleichzeitig einfühlsam. Sie schafft es bravourös, einen Lebensentwurf auf wenige Seiten zu komprimieren und scheut sich nicht, die Genres Horror und Science Fiction in ihre Geschichten anklingen zu lassen, ohne unrealistisch zu wirken.

Leichte Kost sind diese Stories bei weitem nicht: Ich musste dieses eher schmale Büchlein durchaus auch mal einen Tag unbeachtet liegen lassen – und trotzdem verströmten die Geschichten eine enorme Dramatik, die mich immer wieder zugreifen lies, und übten beinah einen Sog auf mich aus, sodass ich erst Ruhe fand, bis auch die letzte Seite gelesen war.

Wer nun noch erfahren möchte, „Was es bedeutet, wenn ein Mann aus dem Himmel fällt“, muss leider die gleichlautende Geschichte in dieser Sammlung von Erzählungen lesen. Ich wünsche eine inspirierende Lektüre!


erschienen bei CulturBooks/ ISBN: 978-3959881050

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

 

[Rezension] Jan Ranft – Himbeerjoghurt mit Sahne

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Was tun, wenn man von vornherein weiß, dass die Rezension, die man verfassen wird, äußerst „durchwachsen“ ausfallen wird? Warum schreibe ich dann trotzdem diese Rezension?

Weil hier ein Autor in vielerlei Weise etwas wagte: Jan Ranft hat viele Idee zusammengetragen und zu einer Anthologie gebündelt. Diese Anthologie wurde zudem von ihm überarbeitet, ergänzt und in Eigenregie veröffentlicht. Hochachtung!

Klingt gut! – und wann kommt nun das „Durchwachsene“? Jetzt!

Jan Ranft versammelt auf 256 Seiten satte 53 Geschichten – sehr kurze Geschichten, die eher wie Anekdoten, die sich Freunde beim Bier in der Kneipe erzählen, anmuten. So hätten den Geschichten „aus der Schwulenwelt“ 2 bis 3 Seiten „mehr“ sehr gut getan: Die Charakterisierung der Personen wäre dann vielleicht weniger oberflächlich und deutlich markanter und individueller ausgefallen. Zudem fehlten mir sowohl eine gewisse Qualität im sprachlichen Ausdruck als auch eine Kreativität in Stil und Sprachmelodie – aber vielleicht fehlten auch hierfür die schon erwähnten 2 bis 3 Seiten „mehr“.

Umso bedauerlicher, da Herr Ranft sehr gute Ideen hat, die es wert sind, mit mehr Aufmerksamkeit erzählt zu werden. Seine Geschichten decken eine enorme thematische Bandbreite ab – Liebesroman, Erotik, Coming-of-Age, Horror, (Schwarzer) Humor, Groteske und Ironie – und hätten das Potential, beim Leser richtig zu zünden. Vielleicht wäre die Hilfe eines Lektors hier von Nutzen gewesen.

Lieber Herr Ranft!

Sie haben so viel gewagt: Neben den schon genannten Punkten haben Sie sich zudem im Rahmen einer Buchverlosung dem Urteil eines selbsternannten Literatur-Kritikers gestellt. Hochachtung! Da haben Sie es mehr als verdient, dass ich mit allem nötigen Respekt ehrlich zu Ihnen bin.

Mit herzlichen Grüßen

Andreas Kück

erschienen bei Books on Demand/ ISBN: 978-3752832563

Ich danke dem Autor herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Poetisches & Erotisches zum Valentinstag

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Der Valentinstag: Für die Einen ist er der romantischste Tag im Jahr, für die Anderen ist es nur Geldschneiderei der Floristen-Innung und der Schokoladenindustrie. Natürlich muss niemand auf den Valentinstag warten, um seinen Liebsten zu versichern, wie groß die Liebe ist. Aber schön ist es doch, oder?

Wer auf Blumen und Schokolade verzichten möchte, z.Bsp. aufgrund einer Rosen-Intoleranz oder einer Kakao-Unverträglichkeit, der kann ganz klassisch zur Feder greifen und lyrisch-verführerische Verse auf das Papier bringen. Oder greift bei mangelndem Talent zu den Klassikern – nach dem Motto „Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht!“


Liebe!/ herausgegeben von Ilse Walter

Eine Anthologie schöner und abwechslungsreicher Geschichten und Gedichte – meist heiter, doch auch leise und poetisch – rund um das Thema „Liebe“: Robert Gernhardt gesteht große Gefühle, Joachim Ringelnatz möchte getröstet werden, und Else Lasker-Schüler wird von der Liebe eingehüllt.

Karl Valentin erlebt die Tücken einer Heirats-Annonce, Ingeborg Bachmann beschreibt die Macht einer versiegten Liebe, und Ulla Hahn reimt hingebungsvoll ohne Reime. Zusammen mit vielen weiteren Poet*innen kreieren sie ein abwechslungsreiches und vielschichtiges Bild dieses mächtigen Gefühls in 5 Buchstaben!

erschienen bei Deuticke/ ISBN: 978-3216306319


Ich will dich: Die hundert schönsten erotischen Gedichte/ herausgegeben von Hansjürgen Blinn

Hier findet die geneigte Leserin/ der geneigte Leser eine äußerst abwechslungsreiche Sammlung erotischer Verse: So äußern sich Johann Wolfgang von Goethe, Eduard Mörike und Ludwig Thoma auf erotischer Weise ebenso wie die vielen anonymen Poet*innen, die lieber unerkannt bleiben wollten.

Während Karoline von Günderrode zart den Kuss erträumt, versinkt Elke Lasker-Schüler im orgiastischen Rausch, und Reiner Maria Rilke beschreibt in 7 Gedichten die taumelnde Lust zweier Liebenden. „Ich will dich“ ist poetisch, pikant aber stets geschmackvoll!!!

erschienen bei Aufbau/ ISBN: 978-3351037123


Am stillen Himmel meiner Sehnsucht: Liebesmärchen

13 Märchen versammeln sich in diesem kleinen, feinen Band: Dabei dürfen natürlich Werke von den Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen und Ludwig Bechstein nicht fehlen, aber auch die Märchen aus Indien, Dänemark und Ostpreussen finden hier ebenso ihren Platz wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht.

Diese abwechslungsreiche Auswahl schlägt einen gekonnten Bogen von „phantastisch“ bis „erotisch“. Den Märchen werden zudem optisch die Werke berühmter Künstler zur Seite gestellt.

erschienen bei Benziger/ ISBN: 978-3545202153


❣️Ich wünsche Euch von Herzen einen wunderbaren Valentinstag!❣️

[Rezension] Winter. Das große Lesebuch für die ganze Familie/ herausgegeben von Ulrike Schrimpf/ mit Illustrationen von Lisa Manneh

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Im Großen und Ganzen bin ich sehr begeisterungsfähig und sehr wohlwollend gegenüber den Büchern, die auf meine Rezension warten. Es gibt allerdings ein Genre, bei dem ich äußerst kritisch bin: Das ist das Genre der Weihnachts-Lektüre!

Allzu häufig gehen die Verlage „auf Nummer sicher“, nehmen die immer gleichen Geschichten in ihre Sammlung auf oder verpassen einer vergriffenen Auflage ein neues Gewand samt neuem Titel. So schaute ich etwas skeptisch auf dieses Winter-Buch aus dem Herder Verlag.

Die Betonung liegt auf WINTER, denn das Buch ist in mehrere Kapitel aufgeteilt – beginnend mit „Herbststürme und Schneegestöber“ und begrüßt 7 Kapitel weiter mit „Schneeglöckchen und erste Sonnenstrahlen“ die ersten Frühlingsboten. „Pfiffig gemacht!“ dachte ich bei mir „So ist dieses Buch nicht nur zur Weihnachtszeit präsent!“…

…und „präsent“ trifft es genau! An diesem Buch stimmt einfach alles: Angefangen vom wunderbaren Cover, über die wohlüberlegte Text-Auswahl bis zu den entzückenden Illustrationen. Neben einigen bekannten Märchen, Geschichten und Gedichten findet sich auch eine Menge weniger Bekanntes.

Zudem wurden aus Kinderbuchklassikern (z. Bsp. Johanna Spyris „Heidi“ und „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler) passende Passagen übernommen, die zur besseren Einordnung eine kurze Einleitung erhielten.

Die Auswahl der Autor*innen spricht mehrere Generationen an. Somit ist dies definitiv ein Lesebuch „für die ganze Familie“. So findet man Hans Christian Andersen und die Brüder Grimm neben Robert Walser, Hoffmann von Fallersleben gibt sich ein Stelldichein mit Erich Kästner, und Kurt Tucholsky ist in bester Gesellschaft mit Astrid Lindgren.

Als Goodies gibt es Lieder mit Text und Notenbeispielen, kinderleichte Rezepte und kleine, kindgerechte Rätsel in Reim-Form.

Einen wesentlichen Anteil am Charme dieses Buches haben die wunderbaren Illustrationen: äußerst geschmackvoll, ansprechend und sehr harmonisch in der Wahl von Farbe und Form.

Seit einigen Wochen liegt dieses Buch nun schon griffbereit auf meinem Couchtisch, wird beinah täglich zur Hand genommen, intensiv geprüft, be-blättert und be-schaut.

Ich habe mich redlich bemüht, negatives zu entdecken: Ich finde nichts!!!

erschienen bei Herder/ ISBN: 978-3451383397

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] O. Henry – Das Geschenk der Weisen

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Es gibt Geschichten, die müssen für einen Leser erst reifen, oder vielleicht muss der Leser auch erst für eine Geschichte reifer werden: Als ich vor einigen Jahren meine erste weihnachtliche Lesung vorbereitete, las ich zum ersten Mal diese Geschichte. Damals fand ich sie „nett“…

…nicht mehr, nicht weniger!

Einige Jahre später „stolperte“ ich wieder über diese Geschichte und wurde gefangen von O. Henrys melodischen Sprachstil, von der Schlichtheit seiner Erzählung und von den tiefen Gefühlen, die darin verborgen waren: Zwei junge Menschen überraschen sich gegenseitig mit einem Geschenk zum Weihnachtsfest – wenig spektakulär und gleichzeitig so wunderbar. Selbst beim wiederholten (Vor-)Lesen werde auch ich immer wieder berührt von dieser kleinen Geschichte voller Wärme und Menschlichkeit.

Eine Geschichte, die nun ihren festen Platz in meinem Vorlese-Repertoire zum schönsten Fest des Jahres gefunden hat…

…nicht mehr, nicht weniger – und doch so viel!

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458194538

…oder siehe auch Lektüre zum Weihnachtsfest vom 28. November 2018

 

[Rezension] Lektüre zum Weihnachtsfest

Kein anderes christliches Fest betört uns mit seinem Zauber, lässt uns in Erinnerungen schwelgen und die Hoffnung nach dem Wunder der Weihnacht wieder aufleben. Und kein anderes Fest ist prädestiniert für das Lesen und Vor-Lesen wunderschöner Geschichten und das Rezitieren von Gedichten.

Eine kleine Auswahl meiner liebsten Weihnachtsbücher möchte ich darum hier gerne vorstellen:


Frohe Weihnachten: Das grosse NordSüd-Weihnachtsbuch

Auf über 260 Seiten vereint der NordSüd-Verlag seine schönsten Geschichten zum Fest der Liebe: Sonst als Einzel-Bücher erhältlich findet der geneigte Leser hier die Geschichten von Hans de Beer (Der kleine Eisbär rettet die Rentiere), Brüder Grimm (Frau Holle), Erich Kästner (Als der Nikolaus kam), O. Henry (Das Geschenk der Weisen), Hans Christian Andersen (Der Tannenbaum) und vielen weiteren Autoren. Zudem ist dieser Prachtband hervorragend zum gemeinsamen Schmökern mit Kindern geeignet, da es zu jeder Geschichte wunderschöne Illustrationen zu bestaunen gibt.

erschienen bei NordSüd/ ISBN: 978-3314103513


Reclams Weihnachtsbuch/ herausgegeben von Stephan Koranyi

In rotem Leinen gebunden ist dieses Büchlein prallgefüllt mit Geschichten, Liedern und Gedichten von Rafik Schami, Theodor Storm, Axel Hacke, Paul Auster, Wilhelm Busch und vielen mehr. Es schlägt dabei gekonnt eine Brücke zwischen klassischen Schriftstellern und zeitgenössischen Autoren und ist eine Fundgrube zum Vor-Lesen.

erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150107706


 Agatha Christie – Das Geheimnis des Weihnachtspuddings: Geschichten zum Fest

Dieses aparte Buch beinhaltet 4 Weihnachtsgeschichten der „Queen of Crime“: Neben zwei spannenden Krimis mit Miss Marple und Hercule Poirot und einer charmant-kitschigen Geschichte über einen „Held wider Willen“ findet der Leser auch eine meiner Lieblings-Erzählungen zum Fest „Der unfolgsame Esel“. Diese Erzählung muss ich mindestens 1x pro Saison zu Gehör bringen – bereitwillige „Opfer“ finde ich immer!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600551


 Türchen, Tod und Tannenbaum: 24 Weihnachtskrimis von Ostfriesland bis Südtirol/ herausgegeben von Emily Modick

Statt Spekulatius & Tannenduft lieber Mord & Todschlag? Dann sind Sie mit dieser Sammlung hochkarätiger Kurzkrimis bestens bedient!

erschienen bei Knaur/ ISBN: 978-3426518151


Von drauß‘ vom Walde: Die schönsten Weihnachtsgedichte/ herausgegeben von Matthias Reiner

Die Insel-Bücherei begeistert mich immer mit ihren kleinen, feinen bibliophilen Bänden: In diesem Fall wird der Leser mit einer bunten & vielfältigen Mischung an Gedichten erfreut, u.a. von Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke und Mascha Kaléko.

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458205029


Freue dich, Weihnacht wird’s bald/ herausgegeben von Joana Bäumer

Statt der obligatorischen Weihnachtskarte könnten Sie auch dieses niedliche Heftchen mit den schönsten Gedichten zum Fest verschicken: Eine Karte wird nach dem Fest nicht mehr beachtet – dieses Heftchen bekommt sicher auch im nächsten Jahr seine verdiente Aufmerksamkeit!

erschienen bei Coppenrath/ ISBN: 978-3649614104


Ich wünsche viel Freude beim Schmöckern, Lesen und Vor-Lesen!

[Rezension] Alan Bennett – Die souveräne Leserin

Was wäre wenn…

…die Queen zufällig auf einem Spaziergang mit ihren Hunden den Bücherbus der Bezirksbibliothek der City of Westminster vor dem Küchentrakt entdeckt. Die Hunde schlagen Tumult, die Queen leiht sich – aus reiner Höflichkeit – ein Buch aus, liest es und kommt auf den Geschmack: Bisher hatte sie keine Zeit zum Lesen! – Lesen ist ein Hobby! – Ein Hobby kann sich eine pflichtbewusste Monarchin nicht leisten!

Doch jetzt erlaubt sich die Queen hin und wieder dieses Vergnügen – natürlich nur wenn die Staatsgeschäfte nicht darunter leiden…

Alan Bennett zeigt mit britischen Understatement, was wäre wenn,…

…dabei lässt er die Queen in ihrer ganzen royalen Persönlichkeit vor dem geistigen Auge des Lesers aufleben, würzt diese amüsante Geschichte mit einer Prise schwarzem Humor und einer gehörigen Portion Situationskomik,…

…ohne dabei „Her Majesty“ despektierlich vom Thron zu stoßen. Im Gegenteil: Er erweist ihr den gebührenden Respekt!

…und vermittelt eine Botschaft, die jeder passionierte Leser versteht: Lesen verändert dein Leben!!!

Ein zauberhaftes Buch – Alan Bennett „at his best“!


erschienen bei Wagenbach/ ISBN: 978-3803112545