LEKTÜRE zum FEST…

TATA! Ich bitte um einen Tusch! Kaum haben wir uns von T-Shirts und Shorts getrennt und sie zur Winterruhe gebettet, da steht WAS vor der Tür? Nein, nicht das Christkind und auch nicht der Weihnachtsmann – aber es wird Zeit für meine von mir so heißgeliebte Rubrik LEKTÜRE ZUM FEST.

Und wieder habe ich eine Auswahl sowohl aus den Neu-Erscheinungen wie auch der Back-List getroffen. Dabei bin ich (natürlich) mehr als nur geringfügig fündig geworden. Wenn dies Jahr für Jahr so weitergeht, dann benötige ich für meine LEKTÜRE ZUM FEST bald einen eigenen Raum, ein eigenes Regal hat sie schon…!

Selbstverständlich darf beim Fest der Liebe auch ein zünftiger Weihnachts-Krimi nicht fehlen,…

  • Gladys Mitchell – Geheimnis am Weihnachtsabend
  • Eine Leiche zum Advent. Das große Buch der Weihnachtskrimis/ herausgegeben von Otto Penzler/ mit Illustrationen von Melanie Korte
  • Oliver Schlick – Rory Shy, der schüchterne Detektiv

Übersicht LEKTÜRE ZUM FEST 2022

...aber ich hoffe natürlich sehr, dass ich Euer Interesse ebenso für meine Auswahl an Klassikern, Erzählungen und Bilder-Büchern wecken kann, und – Wer weiß? – vielleicht verlockt Euch die eine oder andere Geschichte, sie in gemütlicher Zweisamkeit oder im Kreise Eurer Lieben vorzulesen. Es würde mich freuen!

  • Dawn Casey – Wir warten auf Weihnachten. mit den schönsten Wintergeschichten aus aller Welt/ mit Illustrationen von Zanna Goldhawk
  • Janosch – Morgen kommt der Weihnachtsbär
  • L. Frank Baum – Die abenteuerliche Geschichte des Weihnachtsmannes
  • Die Wunder zu Weihnachten. Geschichten, die glücklich machen/ herausgegeben von Clara Paul
  • Rainer Moritz – Fräulein Schneider und das Weihnachtsturnier
  • Froh und munter. Mit Weihnachtsgeschichten von F. Scott Fitzgerald, Sue Hubbell, Joan Aiken u.v.a./ herausgegeben von Shelagh Armit und Marie Hesse
  • O. Henry – Das Geschenk der Weisen. Und andere Weihnachtsgeschichten
  • Monika Utnik-Strugata – Die schönste Zeit. Weihnachten in aller Welt/ mit Illustrationen von Ewa Poklewska-Kozietto
  • Nikolai Gogol – Die Nacht vor Weihnachten/ mit Illustrationen von Mehrdad Zaeri

Ich wünsche Euch von Herzen sowohl kriminalistische wie auch besinnliche Lese-Stunden!

Liebe Grüße
Andreas


P.S.: Wenn Planung und Wirklichkeit aufeinandertreffen, da kann so einiges passieren. Darum: Alle Angaben ohne Gewähr! 😉


[Rezension] O. Henry – Die besten Geschichten

William Sydney Porter – wie O. Henry mit richtigem Namen hieß – erblickt im Jahre 1892 das Licht der Welt und war zeitlebens ein wahrer „Tausendsassa“, der nichts unversucht ließ, um sich und die Seinen finanziell halbwegs über Wasser zu halten. So verdingte er sich u.a. als Verkäufer, Cowboy und Bankangestellter. Die letztere Tätigkeit hätte er lieber lassen sollen: Verführte sie ihn doch zu einer „kleinen“ Unterschlagung, bei der er (dummerweise) geschnappt wurde und daraufhin eine mehrjährige Haftstrafe verbüßen musste. Kaum wieder auf freiem Fuß trat er eine Stelle als Journalist bei der Houston Post an, konnte somit seiner bisher vernachlässigten Leidenschaft dem Schreiben frönen und avancierte in kürzester Zeit zu einem der bestbezahlten Schriftsteller Amerikas. Sein Pseudonym „O. Henry“ fand er übrigens in einem Arzneimittelhandbuch, als er sich im Gefängnis zum Apothekergehilfen weiterbildete.

Zu O. Henrys bekanntesten Geschichten zählt mit Sicherheit Das Geschenk der Weisen. Diese bitter-süße Erzählung über zwei junge Menschen, die sich so sehr zugetan sind, dass sie bereit sind, das Wertvollste was sie besitzen für den anderen herzugeben. Diese wunderschöne Geschichte ist auch bei uns in div. Übersetzungen und mannigfaltigen Aufmachungen erhältlich. Wobei ich von den vier mir bekannten Fassungen immer noch die Übersetzung von Theo Schumacher für den NordSüd-Verlag bevorzuge. Dabei möchte ich die Leistung von Alexandra Berlina zu dieser Anthologie nicht schmälern. Manchmal sind es nur die kleinen Feinheiten, die Einfluss auf den Tonfall einer Geschichte nehmen und so eher dem persönlichen Gusto entsprechen. Somit beschert uns Alexandra Berlina keine schlechtere Übersetzung als ihre Vorgänger*innen. Zumal wir in den Genuss kommen, uns weiteren Stories widmen zu dürfen.

Zur schon erwähnten Geschichte gesellen sich hier 14 weitere, die zwischen den Jahren 1906 bis 1911 entstanden sind, und uns so einen Einblick aus seinen New Yorker-Erzählungen ebenso geben, wie aus den Kurzgeschichten, die vom Leben im Wilden Westen erzählen. Diese Anthologie bietet somit einen abwechslungsreichen Querschnitt aus seinem Œuvre und ermöglicht uns, einen absoluten Meister der „short story“ näher kennenzulernen.

O. Henrys Held*innen sind immer gestrauchelte Persönlichkeiten, die oftmals am Rande des Existenzminimums leben und zu Beginn der Geschichte mit einer scheinbar ausweglosen Situation konfrontiert werden. Dabei zeichnet er das Setting nicht erdrückend düster, sondern lässt immer einen hoffnungsvollen Lichtblick in seiner Beschreibung erahnen. Ebenso spürbar ist die Sympathie, die er seinen Held*innen gegenüber empfindet. So werden sie mit ihren Gefühlen, Handlungen und Entscheidungen nie entblößt, sondern immer mit Respekt porträtiert. Am Schluss belohnt er sie mit einer geglückten Lösung.

In den meisten seiner Stories überraschte er mich zudem mit unvorhersehbaren Wendungen: So lässt er die Handlung einer vermeintlichen Pointe entgegensteuern, nur um kurz vor dem Ende mit einem unvorhersehbaren Twist eine gänzlich neue Pointe zu präsentieren. Dabei erscheinen die Wendungen absolut nachvollziehbar. Zudem lässt er es mit einer erfrischenden Leichtigkeit geschehen. Dies zeugt von seiner brillanten Erzählkunst, die ich so bisher in dieser Qualität noch nicht „erlesen“ durfte.

Mit dieser gelungenen Anthologie haben wir die Chance, einen wunderbaren Geschichtenerzähler wiederzuentdecken.


erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730610992

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #113: Wie hoch ist euer Leseanteil in einer Fremdsprache, und warum lest ihr nicht die Übersetzung?

Die heutige MONTAGSFRAGE lässt sich schnell beantworten:

Mein Leseanteil in einer Fremdsprache beläuft sich auf NULL Prozent,
weil ich prinzipiell und ausschließlich Übersetzungen lese.

Die Gründe hierzu liegen für mich auf der Hand, wie ich es in meiner Antwort zu einer der früheren MONTAGSFRAGEN schon formuliert hatte und hier zitieren möchte:

Ich bin und bleibe ein Fremdsprachen-Legastheniker: Französisch hatte ich als Schulfach schnellstmöglich abgewählt, und als beste Note in Englisch konnte ich mit einer 4 „glänzen“. Dafür hat mein Mann ein Faible für Sprachen, war als Austauschschüler in Frankreich, frischte im Rahmen eines Bildungsurlaubes sein „Französisch“ auf und hatte zum Zwecke der urlaubsbedingten Völker-Verständigung auch schon Dänisch und Schwedisch gelernt. So kommt es, dass ich ihn in fremd(sprachig)en Gefilden immer vorschicke, während in der Heimat immer ich voran stürme. Aber ich vermisse auch nichts: Meine Kernkompetenzen liegen definitiv auf anderen Gebieten.

Und obwohl ich so gar nicht sprachaffin bin, finde ich es ganz wunderbar, dass es so viele unterschiedliche Sprachen gibt. Zeugt dies doch von einer immensen kulturellen Vielfalt auf unserer großen, bunten Welt.

So ziehe ich meinen imaginären Hut vor all den talentierten Übersetzer*innen, denen ich es verdanke, auch als Fremdsprachen-Legastheniker an dieser kulturellen Vielfalt teilhaben zu dürfen. Die Arbeit der Übersetzer*innen darf nicht unterschätzt werden: Tragen sie doch eine große Verantwortung am Erfolg eines literarischen Werkes im jeweiligen Land.

Als ich die erste Übersetzung von Edgar Allan Poes Gedicht „Der Rabe“ las, war ich etwas enttäuscht und fragte mich, warum dies nun eines der bekanntesten und beliebtesten Werke von Poe sein sollte. Meine Recherche ergab, dass im Laufe der Jahrzehnte mindestens 10 unterschiedliche deutsche Übersetzungen entstanden sind. So begab ich mich weiter auf die Suche nach einer Fassung, die den von mir erhofften Rhythmus von Sprache und Reime wiedergab, und fand sie glücklicherweise in der Übersetzung von Carl Theodor Eben.

Vor einiger Zeit habe ich zur Anthologie „Nichts als Weihnachten im Kopf“ aus dem Kampa Verlag eine Rezension veröffentlicht. In dieser wunderbaren Anthologie findet sich auch eine meiner liebsten Weihnachtsgeschichten „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry. Schon nach wenigen Sätzen wurde mir klar, dass es sich hier um eine Neu-Übersetzung (von/ 2019) handeln musste. Dabei erscheinen die Veränderungen zur älteren Übersetzung von Theo Schumacher aus dem Jahre 1994 nur marginal. Aber gerade diese kleinen Feinheiten nehmen Einfluss auf den Tonfall der Geschichte, bringen diese sprachlich zum Funkeln und würden mich somit immer die ältere Übersetzung wählen lassen,…

…und so trägt die Qualität der Übersetzung eine nicht unerhebliche Rolle, ob ich besagte Geschichte für eine meiner Lesungen auswähle, und sie mich so zu einer flüssigen Interpretation animiert.

…und bevorzugt Ihr das Original, oder greift Ihr doch eher zur „Fälschung“??? 


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

MONTAGSFRAGE #103: Welches Buch läuft leider nicht so erfolgreich, wie du es ihm wünschen würdest?

Neue Woche – neues Glück – neue Montagsfrage: Ich hoffe, Ihr hattet ein gemütliches Wochenende mit einem fleißigen Nikolaus bzw. einer fleißigen Nikoläusin. „Eigentlich“ hatte ich mich bzgl. der heutigen Montagsfrage innerlich schon entspannt zurückgelehnt und erwartete ganz traditionell die Frage, die Antonia uns auch schon in den vergangenen Jahren zu dieser Zeit gestellt hat: Welches Buch gehört dieses Jahr auf jeden Fall auf die Weihnachtswunschliste? Doch diesmal präsentiert sie eine Frage aus dem Fundus, der zur MONTAGSFRAGE #100 zusammengetragen wurde und hat mich damit mehr als kalt erwischt. In der heutigen Zeit ist auch auf nix mehr verlass! (theatralisches Seufzen)

Gerade entdecke ich die Autorin Vicki Baum (1888-1960) für mich: Von Menschen im Hotel war ich sehr begeistert, und entsprechend überraschte mich Baums moderner Tonfall, mit dem ich nicht gerechnet hatte. Im Verlag Kiepenheuer & Witsch sind einige ihrer Werke noch als Taschenbuch-Ausgabe erhältlich, führen dort aber eher ein Schattendasein. Da ist es erfreulich, dass andere Verlage einen kleinen Vorstoß in Richtung Hardcover wagen: So liegt Vor Rehen wird gewarnt schon griffbereit auf meinem Couch-Tisch und wird mir die Weihnachtsfeiertage verschönen.

Natürlich darf auch eine der Jahreszeit entsprechenden Geschichte nicht fehlen. Diese kleine Geschichte fand schon häufig hier auf meinem Blog Erwähnung und gehört zum festen Repertoire meiner Advents- und Weihnachtslesungen: „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry. Sie hat zwar schon so einige Jahre auf dem Buckel und ist in unterschiedlichen Übersetzungen in vielzähligen Weihnachtsbüchern erschienen. Doch Obacht: Übersetzung ist nicht gleich Übersetzung. Diese Erfahrung musste ich leider allzu häufig – und somit nicht nur bei dieser Erzählung – machen. Ich persönlich kenne in der Zwischenzeit drei Übersetzungen dieser feinen und leisen Geschichte. Manchmal sind die jeweiligen Unterschiede nur gering und könnten als unerheblich eingestuft werden. Aber gerade diese minimalen Feinheiten nehmen Einfluss auf den Tonfall der Geschichte, schaffen Atmosphäre und bringen diese sprachlich zum Funkeln. So trägt die Qualität der Übersetzung eine nicht unerhebliche Rolle, ob die besagte Geschichte mein Herz berührt, und ich sie für eine meiner Lesungen auswähle.

Bei „Das Geschenk der Weisen“ von O. Henry favorisiere ich die Übersetzung von Theo Schumacher, die im NordSüd-Verlag entweder als eigenständiges Bilderbuch mit den stimmungsvollen Illustrationen von Lisbeth Zwerger oder innerhalb der Anthologie Frohe Weihnachten erschienen ist. Beide Ausführungen eignen sich hervorragend zum Verschenken – oder Ihr beschenk Euch selbst…!!! 🎁😍

…und welche literarischen Werke haben Eurer Meinung nach bisher zu wenig Aufmerksamkeit erhalten?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] O. Henry – Das Geschenk der Weisen/ mit Illustrationen von Lisbeth Zwerger

Es gibt Geschichten, die müssen für einen Leser erst reifen, oder vielleicht muss der Leser auch erst für eine Geschichte reifer werden: Als ich vor einigen Jahren meine erste weihnachtliche Lesung vorbereitete, las ich zum ersten Mal diese Geschichte. Damals fand ich sie „nett“…

…nicht mehr, nicht weniger!

Einige Jahre später „stolperte“ ich wieder über diese Geschichte und wurde gefangen von O. Henrys melodischen Sprachstil, von der Schlichtheit seiner Erzählung und von den tiefen Gefühlen, die darin verborgen waren: Zwei junge Menschen überraschen sich gegenseitig mit einem Geschenk zum Weihnachtsfest – wenig spektakulär und gleichzeitig so wunderbar. Selbst beim wiederholten (Vor-)Lesen werde auch ich immer wieder berührt von dieser kleinen Geschichte voller Wärme und Menschlichkeit.

Eine Geschichte, die nun ihren festen Platz in meinem Vorlese-Repertoire zum schönsten Fest des Jahres gefunden hat…

…nicht mehr, nicht weniger – und doch so viel!

erschienen bei NordSüd/ ISBN: 978-3314015427

…oder siehe auch Lektüre zum Weihnachtsfest vom 28. November 2018