[Rezension] Fritz Eckenga – Eva, Adam, Frau und Mann – Da muss Gott wohl nochmal ran. Neue Rettungsreime/ mit Illustrationen von Nikolaus Heidelbach

Liebling,
ich habe nach dem Küffen
immer Fuffeln im Mund.
Kennft du den Grund,
wiefo ich die hab?

Blödmann,
nimm einfach die Maske ab.

*

Kabarettist Fritz Eckenga schlägt gnadenlos zu und trifft dabei empfindlich ins Schwarze: Statt „Aua“ zu brüllen, lacht der/die/das Getroffene aus voller Kehle und präsentiert die wehrlose Flanke in der wohligen Hoffnung auf einen weiteren Schlag. Ich wurde nicht endtäuscht: Eine Armada an Verse prasselte auf mich ein, und ich quiekte vor Vergnügen.

Thematisch beschäftigt sich Eckenga mit den essenziellen Bs des menschlichen Seins. Unter den Rubriken Belebt, Beliebt, Beruf, Begangen, Behütet, Verwirt, Berühmt, Bespielt, Bedacht und Bewundert schüttelt, rüttelt und reimt er alles zusammen, was nicht bis 3 auf einem Baum ist. Untermalt werden seine Werke durch den großen Nikolaus Heidelbach, dem er abschließend ein eigenes Gedichtchen widmet.

Mit spitzer Feder „verst“ er über Zwischenmenschliches und -tierisches, Politisches, Prominentes, Sportliches, Berufliches sowie All- und Feiertägliches, und es darf – aus aktuellem Anlass – auch Pandemisches nicht fehlen (Ratet mal, hinter welcher „Maske“ sich die hierzu passende Rubrik versteckt? 😉).

Ich habe Zeit, ich bin so frei,
ich schrei-
be hier auf Norderney,
wie einst der große Heinrich Hei-
ne sozusagen nebenbei,
bei einem Pott Ostfriesentee,
mit Blick auf Milchbar, Damm und See,
ne ziemlich große Menge Rei-
me in die daumendicke Spei-
sekarte des Café-
und Restaurants Marienhöh.

*

Für eine gute Pointe verkauft er nicht nur seine Großmutter, sondern scheut sich nicht, das Versmaß zu verbiegen und die wehrlosen Worte hemmungslos zu trennen – Hauptsache, es reimt sich. Wirkte diese Vorgehensweise auch anfangs so krude auf mich, dass ich nur dusselig aus der Wäsche gucken konnte, offenbarte sich nach einem wiederholten Lesen der Spaß. So hätte ich nie gedacht, dass diese Art ironischer Lyrik mir so viel Freude bereiten könnte. Darum…

Ja, schlag mich weiter! Ich brauch’ es…!


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-956143861

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Erich Kästner – Sonderbares vom Kurfürstendamm: Berliner Beobachtungen/ herausgegeben von Sylvia List

Berlin und ich: Wir stehen uns sehr zwiespältig gegenüber. Irgendwie wurden wir nie richtig miteinander warm. Bei meinem ersten Besuch der Stadt kurz nach dem Mauerfall schlenderte ich über den Kurfürstendamm und wollte – ganz Touri – einen Blick ins Kaufhaus des Westens werfen. In einem Buchladen am Ku’damm fragte ich die Verkäuferin beim Bezahlen an der Kasse, in welche Richtung ich mich zum KdW wenden müsste. Mich traf ein abschätziger Blick und im breitesten Berlinerisch bekam ich als Antwort „Imma de Menschenmasse nach!“. Berliner Schnauze und Norddeutscher Fischkopp scheinen mir wenig kompatibel.

Doch für viele – besonders den Kunstschaffenden – hat/hatte Berlin eine schier magische Anziehungskraft. So verschlug es auch den aufstrebenden Jungschriftsteller Erich Kästner im Jahre 1927 vom beschaulichen Leipzig in die pulsierende Metropole, und er verdingte sich seine ersten Sporen mit Veröffentlichungen von Gedichten, Glossen und Rezensionen in unterschiedlichen Tageszeitungen sowie Kritiken für das Magazin „Die Weltbühne“. Die Jahre zwischen 1927 und 1933 gelten als seine produktivste Zeit, in der er zu einer der wichtigsten intellektuellen Figuren Berlins aufstieg und in der neben den schon genannten Publikationen auch „Emil und die Detektive“, „Pünktchen und Anton“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ entstanden. Die Texte aus dieser Zeit spiegeln auch den Lebenshunger der Berliner wieder: Authentisch beschreibt er die Kabaretts und Revuen, das schillernde Volk in den Bars und Vergnügungstempeln, aber auch das zweifelhafte Amüsement für die einfachen Leute in Form eines Rummelplatzes im Hinterhof. Auch Auszüge aus „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ dürfen in dieser Berliner „Chronik“ nicht fehlen. Zwischen seinen Zeilen spürt der Leser den pulsierenden Herzschlag einer Stadt: Kästner schrieb über Triviales ebenso ernsthaft, wie er über Erhabenes spottete. Seine Gedichte sind schelmisch, ironisch aber auch durchaus poetisch zart. Große Persönlichkeiten der Theater- und Kultur-Szene finden in seinen Rezensionen Erwähnung. Die Informationen des Anhangs offenbaren die Tragik: Die meisten von ihnen mussten entweder emigrieren oder fielen der Tötungsmaschinerie der Nazis zum Opfer.

In den Jahren von 1933 bis 1945 war Kästner zur Untätigkeit verdammt: Den Nationalsozialisten war er als liberal-denkender Literat suspekt. Seine satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Werke galten „wider den deutschen Geist“ und wurden bei der öffentlichen Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 verbrannt. Trotz massiver Repressalien, wie Verhöre bei der Gestapo, Berufsverbot und Ausschluss aus dem Schriftstellerverband, blieb Kästner in Berlin: Er sah sich als Chronist dieser Zeit und führte ein geheimes Tagebuch über die damaligen Geschehnisse. Die Texte aus diesen Jahren erschüttern! Die Gedichte und Aufzeichnungen zeugen von der Absurdität nationalsozialistischem Gedankengut, oder um es mit Kästners eigenen Worten zu beschreiben:

„Gut und Böse, unwandelbare Maßstäbe des menschlichen Herzens, wurden durch Gesetz und Verordnung ausgetauscht. […] Wer unschuldige Menschen umbrachte, wurde befördert. Wer seine menschliche oder christliche Meinung sagte, wurde geköpft oder gehängt.“

Über „Berlin nach 1945“ schrieb Kästner keine einzige Zeile

Herausgeberin Sylvia List hat eine abwechslungsreiche Sammlung an Texten aus dem Œuvre von Erich Kästner zusammengestellt, die einen gelungen Bogen schlagen von „Babylon Berlin“ zu „Berlin in Trümmern“. Mit dieser Anthologie beweist sie abermals, was jedem Leser von Kästners Werken durchaus schon bewusst ist:

Kästner amüsiert, Kästner kritisiert, und er unterhält auf hohem Niveau!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855354139

[Rezension] Hermann Hesse – In Weihnachtszeiten

Ich liebe die kleinen, bibliophilen Bände der Insel-Bücherei, die mit ihrer klassischen Optik und der wertigen Haptik mich immer wieder erfreuen und so verführen, mich auch bisher unbekannten Themen und Autor*innen zuzuwenden.

Nun war Hermann Hesse mir nicht gänzlich unbekannt – das eine oder andere Gedicht hatte ich durchaus schon gelesen – aber in dieser komprimierten Form hatte ich mich mit seinem Werk noch nicht beschäftigt. So vereint dieses Büchlein immerhin Werke aus über 50 Jahren seines Schaffens und offenbart die beide Professionen des Künstlers: Neben ausgesuchten Erzählungen und Gedichten Hesses können auch einige seiner Aquarelle bewundert werden.

Die Aquarelle zeigen vornehmlich winterliche Landschaften (passend zum Sujet des Buches) und wirken wie Skizzen, die mit leichtem Pinselstrich auf das Papier geworfen wurden.

Hermann Hesses Erzählungen „In Weihnachtszeiten“ offenbaren einerseits den Romantiker, der mit verklärtem Blick, die Kindheit zurücksehnt. Andererseits hebt er mahnend die Stimme und verarbeitet Autobiografisches aus seinem Leben: So klingt immer der Pazifist in seinen Texten durch, der sich deutlich gegen Krieg und Patriotismus ausspricht. Andere Geschichten wirken mit ihren philosophischen Elementen beinah spirituell oder haben von ihrer Aktualität (erschreckenderweise) nichts eingebüßt.

Die Insel-Bücherei schafft mit diesem Büchlein für Neulinge einen gelungenen Einstieg in die literarische Welt eines der meist gelesenen deutschsprachigen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

In Weihnachtszeiten reis‘ ich gern
Und bin dem Kinderjubel fern
Und geh‘ in Wald und Schnee allein.
Und manchmal, doch nicht jedes Jahr,
Trifft meine gute Stunde ein,
Daß ich von allem, was da war,
Auf einen Augenblick gesunde
Und irgendwo im Wald für eine Stunde
Der Kindheit Duft erfühle tief im Sinn
Und wieder Knabe bin…


erschienen bei Insel-Bücherei/ ISBN: 978-3458178118

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Dezember – Gedichte/ herausgeben von Evelyne Polt-Heinzl & Christine Schmidjell

Von dieser kleinen, feinen Reihe mit Gedichten zu jedem Monat hatte ich Euch ja schon im Februar dieses Jahres berichtet. Nun möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Euch einerseits an diese Reihe zu erinnern, andererseits ist Weihnachtszeit auch Gedichte-Zeit: Wer punktet bei der betrieblichen Weihnachtsfeier oder an Heiligabend vor der Verwandtschaft nicht gerne mit dem einen oder anderen auswendig vorgetragenen Vers.

Diesmal haben die Herausgeberinnen ihre bunte Schar von Poet*innen unter den Überschriften Erwartungsvoller Auftakt samt Nikolaus, Schneefall im Advent, Traurig-schöne Dezembertage, Christnacht – damals und heute, Weihnachtsfeiern vielerorts und Das Jahr klingt aus versammelt. Natürlich verwundert es nicht, dass die namhaften Vertreter*innen der schreibenden Zunft besonders über diesen Monat ihr Füllhorn an lyrischen Ergüssen ausschütteln und ihre Leserschaft mit bekannten und weniger bekannten Werken erfreuen. Da treffen die zarten Verse einer Mascha Kaléko ebenso auf die geschüttelten (nicht gerührten) Reime von Joachim Ringelnatz, wie Alfred Andersch sich mit Robert Walser vergnügt, während Else Lasker-Schüler und Annette von Droste-Hülshoff gemeinsam das Jahr ausklingen lassen.

Wie bei jedem Monat der Reihe ist auch der Dezember in der Reclam-typischen Größe erhältlich, passt in Hose- oder Handtasche und ist somit schnell zur Hand, um Langeweile im Keim zu ersticken.

Auf der Verlagsseite des Reclam-Verlages findet Ihr die komplette Reihe. Übrigens: Die Gedicht-Heftchen mit ihrer wunderbaren Gestaltung der Umschläge eignen sich auch hervorragend als Mitbringsel für Geburtstagskinder…

…oder zum Selberschenken: Ich habe mir vorgenommen, so peu à peu das Jahr „vollzumachen“! Macht doch mit!


erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150191224

[Rezension] Moritz Hürtgen – Angst vor Lyrik

Angst vor Terror, Krebs und Spinnen.
Angst, das Schreiben zu beginnen.
Angst vor einem weißen Blatt,
Angst des Dorfdepps vor der Stadt.

Fürchtet Mörder und Ganoven,
fürchtet Schlaue wie die Doofen.
Doch wer fürchtet, der vergisst,
dass die Angst am schlimmsten frisst,
wenn es Angst vor Lyrik ist.

Moritz Hürtgen

*

Ohjeohje! Wo anfangen, wo aufhören?

Nein, keine Bange, es klingt jetzt schlimmer als es ist. Denn schlimm ist absolut gar nichts am Lyrik-Band von Moritz Hürtgen. Im Gegenteil…!

Mein Gejammer ist der Tatsache geschuldet, dass ich nicht weiß, wie ich dieses Werk beschreiben soll. Ohjeohje! Was mache ich nur, wenn ich keinen Anfang finde? Was mache ich nur, wenn ich kläglich scheitere? Wo ich doch eine so große Angst vor dem Versagen (passendes Gedicht: Seite 11) habe!

Beim Aufschlagen dieses Büchleins öffnet der Leser die vielbemühte Büchse der Pandora und lässt eine beachtliche Anzahl an mannigfaltigen Ängsten frei. Jede Angst für sich, wäre schon Grund genug voller Schrecken zu erstarren, aber sie sind zu allem Übel auch noch GEREIMT! Hürtgen reimt sich „einen Wolf“ (gerade dazu gibt es kein Gedicht) zu Ängsten vor…

…Abgründen, Alkohol, dem Alltag, Ärzten, dem Atomkrieg, dem Aufwachen, Ausländern, Außerirdischen, und dabei handelt es sich nur um die Einträge unter dem Buchstaben A in der Liste der Phobien, die diesem Werk hintenan gestellt wurde. So kann sich jeder Betroffene – einer literarischen Hausapotheke gleich – sein passendes Gedicht zum momentan aktuellen Zwang aus dieser übersichtlichen Auflistung hurtig heraussuchen.

Moritz Hürtgen blickt voller Ironie auf so einige Zwangsneurosen unserer Zeit, bleibt dabei aber immer respektvoll. Seine Zeilen wirken wie frisch entstaubt vom früheren Lyrik-Muff, und gleichzeitig verbeugt er sich vor die Vers-Meister der Vergangenheit. So schüttelreimt er fröhlich vor sich hin, manchmal mit einem sehr ausgefallenen Versmaß, und findet einige ungewöhnliche und freche Bilder. Aber damit befindet sich in sowohl bester wie auch schelmischer Gesellschaft mit dem einzigartigen Joachim Ringelnatz.

Verschönert werden die einen oder anderen Verse durch einige sehr plakative Illustrationen von Leo Riegel.

Es war mir ein außerordentlich kurzweiliges Vergnügen, mich mit diesen heiteren Gedichten beschäftigen zu dürfen: Beim Zuklappen des Buches schloss ich die Büchse der Pandora wieder und in ihr meine Ängste ein. Lesenswert!!!


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-3956143199

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Poetisches & Erotisches zum Valentinstag

Der Valentinstag: Für die Einen ist er der romantischste Tag im Jahr, für die Anderen ist es nur Geldschneiderei der Floristen-Innung und der Schokoladenindustrie. Natürlich muss niemand auf den Valentinstag warten, um seinen Liebsten zu versichern, wie groß die Liebe ist. Aber schön ist es doch, oder?

Wer auf Blumen und Schokolade verzichten möchte, z.Bsp. aufgrund einer Rosen-Intoleranz oder einer Kakao-Unverträglichkeit, der kann ganz klassisch zur Feder greifen und lyrisch-verführerische Verse auf das Papier bringen. Oder greift bei mangelndem Talent zu den Klassikern – nach dem Motto „Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht!“


Liebe!/ herausgegeben von Ilse Walter

Eine Anthologie schöner und abwechslungsreicher Geschichten und Gedichte – meist heiter, doch auch leise und poetisch – rund um das Thema „Liebe“: Robert Gernhardt gesteht große Gefühle, Joachim Ringelnatz möchte getröstet werden, und Else Lasker-Schüler wird von der Liebe eingehüllt.

Karl Valentin erlebt die Tücken einer Heirats-Annonce, Ingeborg Bachmann beschreibt die Macht einer versiegten Liebe, und Ulla Hahn reimt hingebungsvoll ohne Reime. Zusammen mit vielen weiteren Poet*innen kreieren sie ein abwechslungsreiches und vielschichtiges Bild dieses mächtigen Gefühls in 5 Buchstaben!

erschienen bei Deuticke/ ISBN: 978-3216306319


Ich will dich: Die hundert schönsten erotischen Gedichte/ herausgegeben von Hansjürgen Blinn

Hier findet die geneigte Leserin/ der geneigte Leser eine äußerst abwechslungsreiche Sammlung erotischer Verse: So äußern sich Johann Wolfgang von Goethe, Eduard Mörike und Ludwig Thoma auf erotischer Weise ebenso wie die vielen anonymen Poet*innen, die lieber unerkannt bleiben wollten.

Während Karoline von Günderrode zart den Kuss erträumt, versinkt Elke Lasker-Schüler im orgiastischen Rausch, und Reiner Maria Rilke beschreibt in 7 Gedichten die taumelnde Lust zweier Liebenden. „Ich will dich“ ist poetisch, pikant aber stets geschmackvoll!!!

erschienen bei Aufbau/ ISBN: 978-3351037123


Am stillen Himmel meiner Sehnsucht: Liebesmärchen

13 Märchen versammeln sich in diesem kleinen, feinen Band: Dabei dürfen natürlich Werke von den Gebrüder Grimm, Hans Christian Andersen und Ludwig Bechstein nicht fehlen, aber auch die Märchen aus Indien, Dänemark und Ostpreussen finden hier ebenso ihren Platz wie ein Märchen aus tausendundeiner Nacht.

Diese abwechslungsreiche Auswahl schlägt einen gekonnten Bogen von „phantastisch“ bis „erotisch“. Den Märchen werden zudem optisch die Werke berühmter Künstler zur Seite gestellt.

erschienen bei Benziger/ ISBN: 978-3545202153


❣️Ich wünsche Euch von Herzen einen wunderbaren Valentinstag!❣️

[Rezension] Februar – Gedichte/ herausgeben von Evelyne Polt-Heinzl & Christine Schmidjell

Februar – irgendwie ein Monat zwischen Winter und Frühling: nichts Halbes und nichts Ganzes! Was könnte ich nun positives über den Februar berichten? Die Tage werden länger! Mein Mann hat Geburtstag! Es gibt den Valentinstag! Und sonst…?

Gedichte – für die Einen sind sie Papier gewordene Poesie, für die Anderen sind sie das vielzitierte „Buch mit sieben Siegeln“.

Wobei ich dieses Heftchen aus dem Reclam-Verlag nicht unbedingt als Buch bezeichnen möchte, da es die Reclam-typische Größe hat – passend für die Hosen- oder Handtasche, schnell zur Hand für die Lektüre zwischendurch im Café oder in der Straßenbahn. Auch wenn dies nun nach „Fast-Food“ klingen mag, so sind die hier versammelten Gedichte dies mitnichten.

Die Herausgeberinnen haben hier eine abwechslungsreiche Schar von Poet*innen versammelt, die sich unter den Überschriften Immer noch Winter, Stille Februartage, Das wilde Treiben, Ballgeflüster, Frühlingserwartung und Vorfrühling lyrisch mit diesem Monat auseinandersetzen und ihm erstaunlich viele Fassetten – mal melancholisch, mal heiter – abgewinnen.

Der Reclam-Verlag hat zu jedem Monat ein passendes Gedicht-Heftchen herausgebracht, die alle mit Werken namhafter Lyriker*innen im geschmackvollen Cover für sich einnehmen können.

Ich habe mir vorgenommen, so peu à peu das Jahr „vollzumachen“! Macht doch mit!

erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150191125

[Rezension] Lektüre zum Weihnachtsfest

Kein anderes christliches Fest betört uns mit seinem Zauber, lässt uns in Erinnerungen schwelgen und die Hoffnung nach dem Wunder der Weihnacht wieder aufleben. Und kein anderes Fest ist prädestiniert für das Lesen und Vor-Lesen wunderschöner Geschichten und das Rezitieren von Gedichten.

Eine kleine Auswahl meiner liebsten Weihnachtsbücher möchte ich darum hier gerne vorstellen:


Frohe Weihnachten: Das grosse NordSüd-Weihnachtsbuch

Auf über 260 Seiten vereint der NordSüd-Verlag seine schönsten Geschichten zum Fest der Liebe: Sonst als Einzel-Bücher erhältlich findet der geneigte Leser hier die Geschichten von Hans de Beer (Der kleine Eisbär rettet die Rentiere), Brüder Grimm (Frau Holle), Erich Kästner (Als der Nikolaus kam), O. Henry (Das Geschenk der Weisen), Hans Christian Andersen (Der Tannenbaum) und vielen weiteren Autoren. Zudem ist dieser Prachtband hervorragend zum gemeinsamen Schmökern mit Kindern geeignet, da es zu jeder Geschichte wunderschöne Illustrationen zu bestaunen gibt.

erschienen bei NordSüd/ ISBN: 978-3314103513


Reclams Weihnachtsbuch/ herausgegeben von Stephan Koranyi

In rotem Leinen gebunden ist dieses Büchlein prallgefüllt mit Geschichten, Liedern und Gedichten von Rafik Schami, Theodor Storm, Axel Hacke, Paul Auster, Wilhelm Busch und vielen mehr. Es schlägt dabei gekonnt eine Brücke zwischen klassischen Schriftstellern und zeitgenössischen Autoren und ist eine Fundgrube zum Vor-Lesen.

erschienen bei Reclam/ ISBN: 978-3150107706


 Agatha Christie – Das Geheimnis des Weihnachtspuddings: Geschichten zum Fest

Dieses aparte Buch beinhaltet 4 Weihnachtsgeschichten der „Queen of Crime“: Neben zwei spannenden Krimis mit Miss Marple und Hercule Poirot und einer charmant-kitschigen Geschichte über einen „Held wider Willen“ findet der Leser auch eine meiner Lieblings-Erzählungen zum Fest „Der unfolgsame Esel“. Diese Erzählung muss ich mindestens 1x pro Saison zu Gehör bringen – bereitwillige „Opfer“ finde ich immer!

erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455600551


 Türchen, Tod und Tannenbaum: 24 Weihnachtskrimis von Ostfriesland bis Südtirol/ herausgegeben von Emily Modick

Statt Spekulatius & Tannenduft lieber Mord & Todschlag? Dann sind Sie mit dieser Sammlung hochkarätiger Kurzkrimis bestens bedient!

erschienen bei Knaur/ ISBN: 978-3426518151


Von drauß‘ vom Walde: Die schönsten Weihnachtsgedichte/ herausgegeben von Matthias Reiner

Die Insel-Bücherei begeistert mich immer mit ihren kleinen, feinen bibliophilen Bänden: In diesem Fall wird der Leser mit einer bunten & vielfältigen Mischung an Gedichten erfreut, u.a. von Johann Wolfgang Goethe, Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke und Mascha Kaléko.

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458205029


Freue dich, Weihnacht wird’s bald/ herausgegeben von Joana Bäumer

Statt der obligatorischen Weihnachtskarte könnten Sie auch dieses niedliche Heftchen mit den schönsten Gedichten zum Fest verschicken: Eine Karte wird nach dem Fest nicht mehr beachtet – dieses Heftchen bekommt sicher auch im nächsten Jahr seine verdiente Aufmerksamkeit!

erschienen bei Coppenrath/ ISBN: 978-3649614104


Ich wünsche viel Freude beim Schmöckern, Lesen und Vor-Lesen!

[Rezension] Theodor Fontane – Das ist das höchste Glück: Gedichte und Balladen

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Unzählige Schülergenerationen mussten sich durch „Effi Briest“ quälen, wurden „dank“ germanistisch-geprägter Deutschlehrer gezwungen, seine Texte zu interpretieren und machen seither für immer einen großen Bogen um Theodor Fontane – völlig zu Unrecht!

Theodor Fontane hat es nicht verdient, als Schülerschreck zu verkommen: Sein Schreibstil durchzieht ein feiner ironischer Humor. Er blickt auf das scheinbar Belanglose im Leben und schenkt diesem seine Beachtung. Scheinbar folgen seine Figuren den gesellschaftlichen Normen, nur um dann ihre wahren Interessen zu offenbaren. Fontanes Kritik an einer Einzelperson lässt Rückschlüsse auf seine Kritik an der Gesellschaft zu.

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In diesem Band findet der Leser nun eine feine Auswahl seiner Gedichte und Balladen. Gerade in seinen längeren Vers-Kreationen offenbaren sich seine verführerische Sprachmelodie und sein Talent für Rhythmus.

Selbstverständlich darf in dieser Anthologie die Ballade „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“ ebenso wenig fehlen, wie seine Gedichte an seine Ehefrau Emilie Fontane, die so wunderbar schelmisch daher kommen und so viel über das Verhältnis der Eheleute preisgeben.

„Es ist etwas unbedingt Zauberhaftes um seinen Stil…“ Thomas Mann

…völlig zu Recht!

erschienen bei marix/ ISBN: 978-3865393623

[Rezension] Der Mond – Gedichte & Geschichten

„Träumereien sind der Mondschein der GedankenJules Renard

Der Mond: Er ist der hellste Himmelskörper am Nachthimmel und nimmt Einfluss auf Ebbe und Flut, ist geheimnisvoll und scheint uns gleichzeitig so vertraut. Viele Mythen ranken sich um ihn und seine scheinbaren Kräfte,…

…und er ist Inspiration für Generationen von Dichterinnen und Dichtern, von Geschichtenerzählerinnen und -erzählern!


Die schönsten Mondgedichte/ herausgegeben von Matthias Reiner/ mit Illustrationen von Reinhard Michl

Eine illustre Gesellschaft tummelt sich in diesem Gedichtband: Mascha Kaléko trifft auf Johann Wolfgang von Goethe, Erich Kästner steht neben Ulla Hahn, Frank Wedekind plaudert mit Friedrich Müller, und Christian Morgenstern teilt sich das Blatt mit Joachim Ringelnatz.

So spricht Guiseppe Ungaretti vom Mond als „Flaum des Himmels“, einem anonymen Dichter passieren sonderbare Dinge bei „dunkel wars, der Mond schien helle“, während Joseph von Eichendorff sich „wunderbar im Mondenschein“ von Nixen ins kühle Nass locken lässt.

So verschieden die genannten Dichterinnen und Dichter auch sind, sie haben eines gemeinsam: Sie widmen dem Mond ihre wunderschönen witzigen, poetischen und verführerischen Gedichte und schenken mir als Leser eine Fülle an sprachlichem Zauber.

erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458200246


Mond – Geschichten aus aller Welt/ gesammelt von Christine Brand

Jedes Land, jedes Volk hat seine Märchen,…

…und in vielen dieser Märchen spielt der Mond eine entscheidende Rolle, nimmt Einfluss auf das Geschehen, ist Glücksbote oder Unheilbringer, und auch auf die Liebe scheint er einen mächtigen Reiz auszuüben.

Christine Brand ist für diese Märchensammlung literarisch weit gereist, hat uns von Nord bis Süd, von Ost bis West die schönsten Geschichten für diesen Band zusammen getragen: Wir finden wundervolle Märchen aus Serbien, Nigeria, Brandenburg, China, Brasilien, Indien, Spanien und Frankreich ebenso wie Überlieferungen der Aborigines Australiens, der Massais Kenias oder der Indianer Nordamerikas.

Und alle Geschichten eint die Erkenntnis, dass die moderne Wissenschaft zwar viele Phänomene des Mondes erklären kann, sein Zauber davon aber ungebrochen bleibt und bleiben wird!

erschienen bei Unionsverlag/ ISBN: 978-3293004986


HINWEIS an alle Romantiker: Heute ist Vollmond!!!