[Rezension] Nina Hundertschnee – Leopeule/ mit Illustrationen von Pe Grigo

Im Nest der Euleneltern liegen 5 Eier: 4 Eier sehen sich sehr ähnlich. Das 5. Ei ist goldgelb mit dunklen Punkten und lässt schon erahnen, dass hier eine besondere Eule aus dem Ei schlüpfen wird. Aber während die Geschwistereulen alle schon dem Ei entsprungen sind, lässt sich Leopeule Zeit mit dem Schlüpfen. Aber Leopeule braucht für alles mehr Zeit: Während die Geschwister ihre Umwelt erkunden, sitzt Leopeule ängstlich im Nest, denn Fliegen kann sie nicht, und hüpfen kann sie nicht, und singen kann sie auch nicht. Dabei wäre Leopeule so gerne wie alle anderen. Doch mit ihrem goldgelben Gefieder mit den dunklen Punkten fällt sie auf, und die anderen Vögel fragen „Was ist das?“. „Ich weiß nicht“, antwortet da Leopeule. „Ich glaube, das bin einfach ich.“ Und trifft mit dieser Aussage den Nagel auf den Kopf. Sie kann zwar nicht viele von den Dingen, die andere Vögel können, aber als einzige bemerkt sie den Fuchs, der sich an die Vögel anschleicht. Da offenbart sich ein Talent, das die anderen Vögel nicht besitzen: …das Talent, Füchse in die Flucht zu schlagen!

Autorin Nina Hundertschnee ist selber Mutter einer „Leopeule“: Ihre Tochter kam mit Trisomie 21 auf die Welt. Sie schuf mit der Illustratorin Pe Grigo ein reizendes Bilderbuch, das das Thema der Andersartigkeit charmant beschreibt. Dank dem ansprechenden Text und den bunten, positiv wirkenden Illustrationen können auch kleinere Kinder erfahren, dass es absolut okay ist, anders zu sein. Diese Andersartigkeit birgt sogar die Chance, mit Talenten zu glänzen, die andere Kinder vielleicht nicht haben.

Die Texte von Nina Hundertschnee sind in einer einfachen, leicht verständlichen Sprache gehalten und bieten viele Anknüpfungspunkte aus dem eigenen Erleben eines Kindes. Pe Grigos Illustrationen greifen diese Einfachheit auf, amüsieren trotzdem mit entzückenden Details (z. Bsp. die zwei einsamen Federn auf Leopeules Kopf) und schaffen für die Handlung eine wahre Bilderbuch-Kulisse.

Dieses Bilderbuch ist ein Plädoyer dafür, dass jedes Kind etwas Besonderes ist, und es auch sein darf! Dank der unterschiedlichen Persönlichkeiten, die uns tagtäglich begegnen, ist unsere Gesellschaft interessant und abwechslungsreich. So gebe auch ich gerne meinen bescheidenen Beitrag zu einer bunten Welt voller Vielfalt!

Natürlich hat es seinen Grund, dass gerade am heutigen Tag diese Rezension erscheint. Denn…

…heute ist Welt-Down-Syndrom-Tag!


erschienen bei HarperCollins Dragonfly / ISBN: 978-3748800262

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Brüder Grimm – Die Bremer Stadtmusikanten/ mit Illustrationen von Gabriel Pacheco

Alt sind sie geworden, diese vier selbsternannten Musiker. Obwohl: Wenn wir dem Originaltext der Brüder Grimm folgen, dann waren sie nie etwas anderes gewesen und schon immer sehr weit entfernt von den possierlich-kindlichen Helden oder dem dynamischen Quartett, wie sie gerne von einigen Illustratoren der Vergangenheit porträtiert wurden.

Bei Illustrator Gabriel Pacheco sind sie vom Leben gezeichnete Kreaturen, alt und verbraucht: Die wunden Beine des Esels sind bandagiert, der Hund leidet an einer Ohrenentzündung, der Katze tanzen die Mäuse auf dem (Regenschirm-)Dach, und der Hahn findet ohne seine Brille den Weg nicht mehr. Trotz ihrer Gebrechen formen diese heruntergekommenen Barden ein Team, in dem jede*r seinen Platz ein- und seine Aufgabe wahrnimmt. Und so wirken diese vier „Ritter der traurigen Gestalt“ auf mich nicht hoffnungslos – Nein! – sie wirken eher positiv in ihrem Vertrauen auf eine bessere Zukunft: „Etwas Besseres als den Tod findest du überall.“

Auch den Räubern versagt Pacheco ihren gewohnten Look: Nicht der zauselige und haarige Wegelagerer à la „Räuber Hotzenplotz“ haust dort im finsteren Wald und muss sich aus seinem Haus vertreiben lassen. Hier treten Ringel-bestrumpfte und weiß-gewandete Gestalten mit Masken der Commedia dell’arte auf, die mit ihrer schablonenhaften Mimik nicht weniger furchteinflößend wirken.

Auch das Umfeld, in der Pacheco seine Protagonisten agieren lässt, wirkt beinah wie ein Bühnenbild: In einem reduzierten Setting zwischen Abstraktion und Realismus lässt er blattlose Bäume wachsen, schnörkellose Behausungen entstehen und einen Theater-Mond leuchten.

Vielleicht gerade weil er in diesem Bilderbuch den Bremer Stadtmusikanten die Niedlichkeit verwehrt, entwickeln sie ein eindrucksvolles Eigenleben und somit ihre unverwechselbare Charakterisierung, die mich, den Betrachter sehr berührte: Im Mut, ein mögliches Scheitern zu akzeptieren, verbirgt sich die größte Stärke.

Dieses Märchen der Brüder Grimm feierte im letzten Jahr seinen 200. Geburtstag und wurde u.a. mit einer umfangreichen Ausstellung in der Bremer Kunsthalle geehrt.


erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3855815784

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Weihnachten mit Astrid Lindgren/ herausgegeben von Anne-Kristin zur Brügge

Dies war eines dieser Bücher, um das ich in den Buchhandlungen Jahr für Jahr drum rum geschlichen bin, immer mit dem Satz im Kopf „Du brauchst es nicht wirklich: Du findest die Geschichten sicherlich in all den Lindgren-Büchern, die Du schon besitzt!“ Dann war die Saison vorbei, und meine Gedanken an dieses Buch verblassten. Doch in der nächsten Saison drehte ich wieder meine Runden und hinterließ eine Spurrille im Parkett so mancher Buchhandlung. Doch nun habe ich es mir selbst zu meinem 50. Geburtstag geschenkt (Glückwünsche nehme ich nach wie vor gerne huldvoll entgegen!), da es einfach nur wunderbar ist, die zauberhaften Winter- und Weihnachtsgeschichten von Astrid Lindgren gesammelt zwischen zwei Buchdeckel zu besitzen.

Zudem entzünden wir morgen die erste Kerze auf dem Adventskranz, die besinnliche Zeit beginnt, und so könnte kein anderes Buch passender sein, um meine kleine Reihe „Lektüre zum Fest“ zu eröffnen.

Hallo! Da seid ihr ja wieder: ihr Rotzlöffel und Abenteurer, ihr Angsthasen und Weltenerkunder, ihr Naseweise und Frechdachse. Und wie sehr liebe ich Euch alle!

Da ist Pelle, der vor der Ungerechtigkeit der Welt in Form seines Papas flieht und demonstrativ in das kleine Gartenhäuschen zieht. Da ist Johann, der um seine geliebte Kuh trauert und dem wie aus heiterem Himmel ein Kälbchen vor die Füße fällt. Da ist Tomte Tummetott, der Jahr für Jahr über seinen Hof, seine Tiere und seine Menschen wacht. Da ist Pippi, die außer- und ungewöhnlich aber nicht weniger stimmungsvoll Weihnachten feiert. Da ist Michel, der nach einem turbulenten Weihnachtsfest seinen letzten Willen aufschreibt. Und natürlich feiern die Kinder aus Bullerbü das Weihnachtsfest gemeinsam und tanzen fröhlich um den festlich geschmückten Weihnachtsbaum.

Allein die Geschichten von Astrid Lindgren rühren das Herz, lassen Kindheitserinnerungen an vergangene Weihnachten aufleben und pflanzen ihre Botschaft ganz sachte in die Seele.

Veredelt wird diese Anthologie durch die Talente der Illustrator*innen Björn Berg, Katrin Engelking, Lars Klinting, Rolf Rettich, Jutta Timm, Harald Wiberg und Ilon Wikland. Sie schaffen mit ihren Bildern für die jeweilige Geschichte eine stimmige Atmosphäre: schelmisch-drollig, rührend-poetisch, bunt-humorvoll, modern-verspielt oder klassisch-dezent. Jede und jeder überzeugt mit einem individuellen Stil.

Dieses Buch werde ich zur Advents- und Weihnachtszeit sicherlich sehr häufig zur Hand nehmen, in ihm blättern und mich in die Geschichten meiner kleinen Held*innen vertiefen,…

…und dazu benötige ich nicht unbedingt das liebste Patenkind der Welt als Alibi: Wobei das Vorlesen der Geschichten und das gemeinsame Betrachten der Illustrationen uns beiden ein großes Vergnügen bereiten werden.


erschienen bei Oetinger/ ISBN: 978-3789141843

[Rezension] Daan Remmerts de Vries – Kaninchentango/ mit Illustrationen von Ingrid & Dieter Schubert

Zwei Kaninchen – ein Junge und ein Mädchen – treffen sich: Sie necken sich. Sie küssen sich. Sie tanzen und spielen. Sie umarmen sich. Sie fangen sich. Sie schweben und lachen. Sie hüpfen vergnügt am Ufer eines Sees – mal zum Licht der Sonne, mal zum Schein des Mondes. Dann nehmen sie Abschied, nur um – nach einer Drehung des Buches – sich abermals zu begegnen und die Freude an dieser Begegnung von Neuen ausgelassen zu genießen. Sie zeigen uns ihre Zuneigung: „Wir gehören zusammen!“

Ein Bilderbuch im wahrsten Sinne des „Wortes“…! Aber gänzlich ohne Worte…! Wortlos…!

Ein Umkehrbuch mit reizenden Illustrationen voller Farben und Wärme, das eine unbeschwerte Heiterkeit verströmt und seine Betrachter mit einem simplen Zauber belegt: …nur ein Blick und schon erscheint ein Lächeln! Magisch!

Die Geschichte dieser beiden putzigen Gesellen kann jede und jeder immer wieder selbst neu erfinden, immer wieder selbst neu erzählen…

…oder die Bilder still betrachten: ohne Worte!

Denn so manches Mal kann ein einzelnes Wort schon ein Zuviel sein!

Weniger ist manchmal so viel mehr!


erschienen bei aracari/ ISBN: 978-3907114070

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

 

[Rezension] Rachel Williams – Magische Welten. Entdecke verborgene Lebensräume mit der Zauberlupe!/ mit Illustrationen von Carnovsky

Das liebste Patenkind der Welt war wieder begeistert und hielt mich für den mega-coolste Patenonkel…!

10 magische Welten – vom Kongo-Regenwald über das Anden-Gebirge bis zur Serengeti-Ebene – verbergen sich in diesem Riesen-Bilder-Sach-Buch, und dank der Zauberlupe öffnen sich diese Welten dem Betrachter erst auf dem zweiten oder dritten Blick. Je nachdem durch welche der drei Farb-Lupen der Blick fällt, geben sich entweder die tagaktiven Tiere (rot), die nachtaktiven Tiere (blau) oder die Flora (grün) des jeweiligen Lebensraums zu erkennen. Auf 3 Doppelseiten pro Reiseziel erfährt der interessierte Beobachter etwas über den jeweiligen Lebensraum, erspäht auf der Aussichtsplattform dank Lupe die Tiere und Pflanzen und erfährt im Artenführer weiteres Wissenswertes über die einzelnen Tierarten. Texterin Rachel Williams versorgt uns mit dem nötigen Background-Wissen.

Die Illustrationen von Carnovsky wirken wie ein einziges unüberschaubares Durcheinander: Erst der Blick durch die jeweilige Lupe lässt die Artenvielfalt sehr detailreich erkennen. Flora und Fauna werden sehr naturalistisch, beinah wissenschaftlich dargestellt. Das Werk ist weit davon entfernt, als anspruchslose Kinderlektüre nur „putzig“ sein zu wollen. Hier haben wir es mit einem hochwertigen Sachbuch für Kinder zu tun, dass sich – auch dank des Gimmicks der Farbzauberlupe – lange das Interesse der Kids sicher sein kann.

Das liebste Patenkind der Welt hat nach dem Betrachten des Buches den Inhalt einer großen Spielzeugkiste auf dem Teppich entleert, um zu überprüfen, welche der abgebildeten Tiere er als Spielfigur besitzt. („Junger Mann, das räumst du aber schön alleine wieder auf!“)


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791372822

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Cruschiform – COLORAMA: Das Buch der Farben

Farben über Farben: Doch Blau ist nicht gleich Blau, Rot ist nicht gleich Rot, Grün ist nicht gleich Grün, und selbst Weiß überrascht mit einer immensen Vielfalt,…

…das ist uns allen sicherlich bewusst, aber nehmen wir die Farben auch so intensiv in ihren unterschiedlichen Schattierungen wahr? Ich glaube eher weniger! Und doch verbinden wir etliche Pflanzen, Tiere und Gegenstände mit einem bestimmten Farbton. Oftmals wird beides in einem Atemzug genannt: Kornblumenblau, Feuerwehrrot, Sonnenblumengelb, Eierschalenweiß… – Ich könnte meine Aufzählung unendlich fortführen!

Das Pariser Kreativstudio „Cruschiform“ von Marie-Laure Cruschi widmet sich mit einem kleinen Wälzer diesem Phänomen und zaubert auf 133 Farbtafeln eine „kleine“ Auswahl aus der kunterbunten Welt der Farbtöne und -nuancen. So habe ich nicht gewusst, dass es einen kleinen aber feinen Unterschied gibt zwischen Kurkuma (051) und Indischgelb (052): Auf dem oberflächlichen Blick scheinen beide Farbnuancen identisch, erst der direkte Vergleich offenbart den Unterschied.

Während auf der rechten Buchseite sich ganzseitig der jeweilige Farbton „breitmacht“, erfahre ich auf der linken Buchseite den nötigen Background. Das vermittelte Wissen reicht von „wissenschaftlich-wertvoll“ bis „kurios-unnütz“ (…oder habt Ihr gewusst, dass es ein spezielles Tiffany-Blau gibt, und auch Grünspan ein eigener Farbton ist?). Aber gerade diese bunte Vielfalt macht diesen Wälzer so abwechslungsreich-unterhaltsam.

Dies ist keine Publikation, die ich von Farbtafel 001 (Schneeweiß) bis Farbtafel 133 (Mondlicht) konsequent chronologisch durcharbeiten werde, – Nein! – dieses Buch wird griffbereit in der Nähe meines Lieblingsleseplatzes liegen, damit ich es immer mal wieder zur Hand nehme und darin blättere, um mich an der bunten, lustigen Vielfalt der Farben zu erfreuen.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373270

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Bernard Villiot – Mephisto/ mit Illustrationen von Antoine Guilloppé

Der Kater Mephisto lebt gezwungenermaßen als Einzelgänger in der großen Stadt. Aufgrund seines tiefschwarzen Fells und seiner als unheimlich wahrgenommenen Aura wird er sowohl von seinen Artgenossen wie auch von den Menschen nicht nur gemieden sondern auch immer wieder verjagt. Mephisto sehnt sich nach einem ruhigen Leben und hofft, dieses in der Abgeschiedenheit auf dem Land zu finden. Die Wochen ziehen voller Ruhe ins Land bis der Winter anbricht und Mephisto beschließt, wieder in die schützende Stadt zu wandern. Dort erlebt er eine Überraschung: Freudig wird er von den Menschen begrüßt! Seit seinem Weggang hat sich die Mäuse- und Ratten-Population immens erhöht, und die verwöhnten Hauskatzen waren nicht in der Lage, dieser Plage Herr zu werden. Nur ein versierter Jäger wie Mephisto kann Abhilfe schaffen…!

Tja, was nun? Ich suche nach den passenden Worten, aber kurz ausgedrückt kann ich sagen „Ich bin enttäuscht!“

Dabei haben mir die „Scherenschnitt“-Illustrationen von Antoine Guilloppé sehr gut gefallen: Sie wirken in ihrer Retro-Optik wie etwas aus der Zeit gefallen, verströmen trotz (oder: aufgrund?) dieser Schlichtheit sehr viel Atmosphäre und lösen beim Betrachter genau die Gefühle aus, die für die Handlung wichtig sind. So wirken sie mal bedrohlich, dann wieder witzig, um beim nächsten Bild sehr poetisch zu sein.

So liegt mein größter Kritikpunkt bei der Handlung. In den Texten meldet sich Mephisto als Ich-Erzähler zu Wort und charakterisieren mit ihren philosophisch anmutenden Zeilen recht gut das Wesen dieses einsamen und auch traumatisierten Katers. Doch ich habe immer auf eine besondere Wendung, auf eine positive Botschaft gewartet. Leider wurde ich enttäuscht: Findet Mephisto eine Heimat, und wird er akzeptiert oder gar um seiner selbst geliebt? Nein! – Das „Happy End“ interpretiere ich wie folgt: Er wird am Ende der Geschichte nur geduldet, weil er den Menschen von Nutzen ist, da die eigenen fetten und verwöhnten Hauskatzen außer Stande sind, seinen „Job“ zu erledigen. Es findet kein Umdenken statt – weder bei den Artgenossen noch bei den Menschen. Wenn dies wirklich die Intention des Autors war, dann empfinde ich es als eine äußerst fragwürdige Botschaft – zumal hier überdies die Flüchtlingsthematik angedeutet wurde.

Dieses Kinderbuch werde ich mir leider nicht gemeinsam mit dem besten Patenkind der Welt ansehen! Schade!


erschienen bei michael neugebauer edition/ ISBN: 978-3865663962

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] David Litchfield – An der Geige: Hugo, der Hund

Dass in mir eine Leidenschaft für das Theater und die Musik schlummert, die hin und wieder an die Oberfläche sprudelt, ist sicherlich schon dem einen oder der anderen Leser*in meiner Seite aufgefallen. Darum verwundert es auch nicht, dass bei diesem entzückenden Bilderbuch sofort meine Sinne geschärft waren.

In diesem Fall handelt es sich um die Fortsetzung David Litchfields erfolgreichen Bilderbuches „Der Bär am Klavier“, wobei es sich bei beiden Büchern um eigenständige Geschichten handeln, die auch unabhängig voneinander dem Betrachter Freude bereiten.

Hector ist Musiker, genauer: er spielt die Geige, hat es aber leider nie geschafft, die großen Konzerthallen zu füllen, sondern versucht sich mit seinem Hund Hugo mehr recht als schlecht als Straßenmusikus. Eines Tages ist er so deprimiert, dass er das Geigenspiel und somit die Musik „an den Nagel hängt“. Hugo kann dies nicht hinnehmen, übt heimlich Nacht für Nacht auf der Geige und überrascht seinen Freund eines Nachts mit seinem Können auf dem Instrument und seiner damit verbundenen Liebe zur Musik. Die Nachricht des Wunderhundes an der Violine verbreitet sich in Windeseile und bleibt auch dem berühmten Bären am Klavier nicht verborgen. Der lädt Hugo ein, als Stargeiger mit ihm und seiner Bären Big Band auf Tour zu gehen. Doch in Hector rührt sich die Eifersucht…!

David Litchfield ist eine entzückende Geschichte über Freundschaft und über die Liebe zur Musik gelungen. Seine Illustrationen verströmen – auch in Kombination mit dem Text – sehr viel Wärme und Herzlichkeit. Seine Bilder funkeln und strahlen: Dank dem bewussten Einsatz von Licht und Schatten leuchten die Farben besonders intensiv und fangen die ergreifende Stimmung der Geschichte sehr gelungen ein. Zudem arbeitete er detailliert mit Strukturen, lässt Stoffe und Tapeten ausgesprochen plastisch erscheinen und schafft harmonische Farbübergänge bzw. –verläufe,…

…und selbstverständlich endet diese kleine märchenhafte Geschichte mit einem bejahenden Happy End:

„Denn gute Freundschaft währt – wie gute Musik – ein Leben lang.“

Wer nach dem Betrachten dieser wunderbaren Illustrationen nun noch den Wunsch verspürt, eine ebenso wunderbar zarte Erzählung zu lesen, dem möchte ich gerne „Nurejews Hund“ von Elke Heidenreich wärmstens ans Herz legen.

erschienen bei Bohem/ ISBN: 978-3959390637

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Mia Cassany – Wildnis: Wo seltene Tiere und Pflanzen zuhause sind/ mit Illustrationen von Marcos Navarro

In diesem Fall habe ich einen absoluten Fachmann zu Rate gezogen, der dieses Buch auf „Herz und Nieren“ geprüft hat.

Das liebste Patenkind der Welt (3½ Jahre alt) ist ein Fan von Tierbüchern: Auf einem großen Bücherflohmarkt im letzten Jahr stand er (gefühlt) nur 3 Minuten bei den Kinderbüchern, um dann 15 Minuten in der Naturkundeabteilung konzentriert in einem Tieratlas zu blättern. Wer könnte somit besser über dieses Buch urteilen, wenn nicht er?

Sein Urteil war eindeutig: SEHR GUT!

Auf 16 doppelseitigen Farbtafeln zaubert Illustrator Marcos Navarro die Vielfalt und Farbenpracht der Flora und Fauna unserer Erde, und verzaubert mit seinen bezaubernden Bildern die Betrachter: Er zeigt die Tiere und Pflanzen kindgerecht aber ohne sie zu verniedlichen. Zusammen mit Texterin Mia Cassany, die zu den jeweiligen Lebensräumen kurze Beschreibungen beisteuert, umspannt er den Erdball in einem weiten Bogen, beginnend bei den Rainbow Falls auf Hawaii über den tropischen Regenwald von Honduras zum Nationalpark Kahuzi-Biéga im Kongo, um die Reise im Daintree Nationalpark in Australien zu beenden.

Seine Bilder sind wunderbar farbenfroh und harmonisch, dabei spannend anzuschauen und durchaus detailreich. So kann der Betrachter einem Wimmelbuch gleich sich auf die Suche der Tiere machen und Seite für Seite die Anzahl der jeweiligen Art sammeln. Die Lösungen gibt es am Ende dieses Bilder-Buches zusammen mit Kurzbeschreibungen ausgesuchter Tiere und den korrekten Namen aller Tiere. Um zu erfahren, wo sich welche Naturlandschaft findet, wurde diesem Buch eine Weltkarte vorangestellt.

So werden die Kinder spielerisch und phantasievoll für seltene Lebensräume und vom Aussterben bedrohte Tierarten sensibilisiert.

Hier ist ein außergewöhnliches Sach- und Wimmel-Buch entstanden, dass dem liebsten Patenkind der Welt und seinem Patenonkel gleichermaßen Spaß bereitete.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373843

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Leo Timmers – Ein Haus für Harry

Ohjemine! Das ist ja sooo entzückend…!

Kater Harry möchte gerne mit Schmetterling Vera spielen, war aber noch nie draußen. Trotzdem tollt er dem Schmetterling hinterher, verläuft sich und findet sein Haus nicht mehr wieder. Nun macht er sich auf die Suche, ein passendes Haus für sich zu finden. Dabei macht er die Erfahrung, dass es eine ganze Menge andersartige Häuser für die unterschiedlichsten Bewohner gibt. Zum Glück findet Harry Freunde, die ihm helfen zuerst Vera und dann den Weg nach Hause wieder zu finden.

Leo Timmers erschafft in Wort & Bild eine kleine, charmante Geschichte, die das Andersartig-Sein thematisiert ohne die pädagogische Keule aus dem Sack zu lassen. Seine cartoonhaften Illustrationen bereiten dem Betrachter eine Menge Freude, amüsieren auch in den Details (So gibt es an einer Litfaßsäule die Plakate von „Cats“ und „Madame Butterfly“ zu entdecken! 😍) und zaubern ein Lächeln auf die Lippen des Betrachters.

Ein amüsant-charmantes Bilderbuch für die Kleinen zum Vorlesen und gemeinsamen Betrachten…! 🐱

erschienen bei aracari/ ISBN: 978-3907114063

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!