[Konzert] Léo Delibes – COPPÉLIA ODER DAS MÄDCHEN MIT DEN GLASAUGEN / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Léo Delibes / basierend auf einer Erzählung von E.T.A. Hoffmann

Philharmonisches Orchester Bremerhaven / in Kooperation mit der Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 13. November 2022/ besuchte Vorstellung: 13. November 2022

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Musikalische Leitung & Moderation: Hartmut Brüsch
Choreografie & Inszenierung: Irina & Marius Manole

SCHLAGZEILE:
Zwei Bergtrolle zwischen einer Schar Waldelfen gesichtet

„In den späten Morgenstunden des vergangenen Sonntags wurden im großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven zwei Bergtrolle inmitten einer Schar kleiner Waldelfen erspäht. Ausschreitungen, die ein Eingreifen von Spezialeinheiten erforderlich gemacht hätten, konnten vermieden werden, da die Bergtrolle sich durch Musik und Tanz beruhigen ließen. Nach Ende der Darbietung trollten die Trolle sich friedlich in Richtung ihres Reviers.“

Ich musste wahrlich ein wenig schmunzeln, als mein Gatte und ich unsere Plätze einnahmen: Rechts und links von uns, vor und hinter uns wuselten Mamas und Papas, Omas und Opas, sonstige Anverwandte und viele, viele Geschwisterkinder der jungen Bühnenstars. Zwischen all den kleinen Winzlingen ragten wir mächtig in die Höhe, als hätten sich tatsächlich zwei Trolle zwischen zarten Elfen verirrt.

Seit wir im letzten Jahr so viel Freude mit dem Familienkonzert Der Nussknacker hatten, sind wir zu heimlichen Fans mutiert. Denn auch in diesem Jahr ging das Philharmonische Orchester wieder eine gelungene Kooperation mit der Ballettschule Dance Art von Irina und Marius Manole ein und servierte abermals mit Léo Delibes Ballettmusik „Coppélia oder das Mädchen mit den Glasaugen“ ein Werk, das zwar durchaus schon rein akustisch gefällt aber in dieser optischen Umsetzung ganz und gar bezaubernd war.

Dirigent Hartmut Brüsch stellte eingangs launig das Philharmonische Orchester vor, indem er die einzelnen Instrumentengruppen hervorhob, um sie so in den Fokus zu rücken und dem jungen Publikum näher zu bringen. Ein kluger Schachzug, denn mit Beginn des Konzertes verschwand das Orchester gänzlich hinter der Präsenz von über 90 jungen Tänzer*innen. Irina und Marius Manole hatten wieder eine abwechslungsreiche Choreografie geschaffen, die sowohl das Alter wie auch den unterschiedliches Ausbildungslevel der Elevinnen und Eleven berücksichtigte. Léo Delibes schwelgerische Musik bot mit Mazurka, Walzer, Csárdás, Polka und Marsch vielfältige Möglichkeiten des tänzerischen Ausdrucks, die in der Choreografie vortrefflich berücksichtigt wurden.

Märchenhaftes erleben kleine Konzertbesucher*innen in der Werkstatt des Dr. Coppélius, der übersinnliche Phänomene erforscht. Er hat sich das Ziel gesetzt, eine Puppe zu kreieren, die wie ein echtes Mädchen wirkt. Wird der junge Franz, der sich prompt in diese Coppélia verguckt, seinen Irrtum bemerken oder wird seine Freundin Swanilda ihm die Augen öffnen müssen?

(Inhaltsangabe dem Programmblatt des Stadttheaters Bremerhaven entnommen.)

In verschiedenen Gruppen eingeteilt zeigten die Tänzer*innen ihr Können und boten mehr als nur den dekorativen Rahmen für die Hauptpartien. Ganz im Gegenteil: Dank der amüsanten Inszenierung der Manoles wurde nicht „nur“ getanzt sondern auch charmant miteinander agiert. Swanildas Freundinnen „kommentieren“ keck-kokett das Geschehen. Kleine Mäuschen wuseln drollig durch Coppélius Werkstatt, in der die unterschiedlichsten Puppen zum Leben erwachen. Kinder toben tanzend über den Festplatz. Freche Lausbuben foppen Coppélius bei seinem Spaziergang.

Marius Manole schlüpfte selbst in die Rolle des Coppélius und verkörperte den alten Griesgram mit viel Witz, doch wohldosiert, um die jüngsten Zuschauer nicht zu ängstigen. Katrina Dieckvoß gab mit mechanischen Bewegungen und puppenhaft-unbeteiligter Mine überzeugend die Titelpartie. Ihr Gegenpart und die eigentliche Hauptpartie des Stücks wurde voller Emotionen und Spielfreude von Miriam Manole verkörpert, die auch tänzerisch ihren Part ganz wunderbar ausfüllt. Volodymyr Fomenko vom Ballettensemble am Stadttheater Bremerhaven zeigte als Franz sein tänzerisches Können, das wir schon in vielfältigen Produktionen an diesem Haus bewundern durften.

Bewundernswert wie Marius Manole seine Truppe im Blick hatte: Turnte mal ein kleines Mäuschen aus der Reihe, wurde es liebevoll wieder ins Spiel zurückgeholt. Übrigens gebührt allen Menschen, die sich um das Wohl von Kindern und Jugendlichen kümmern (egal ob beruflich oder als Ehrenamt), meinen uneingeschränkten Respekt. Junge Menschen brauchen Vorbilder, die ihnen Werte und Tugenden vermitteln und ihre Talente und Kompetenzen fördern.

Nach einer guten Stunde wurden alle Beteiligten mit einem frenetischen Applaus, begeisterten Jubelrufen und einer verdienten Standing Ovation verabschiedet. Und so bleibt mir abschließend nichts anderes übrig, als meinen Schlusssatz vom vergangenem Jahr zu wiederholen:

💛🧡❤️ Es war bezaubernd…! ❤️🧡💛


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr! Zur Homepage der Ballettschule Dance Art geht es in dieser RICHTUNG.

[Kulturtipps] Juli/ August 2022…

Das Spielzeitheft für die nächste Saison an „meinem“ Stadttheater Bremerhaven ist erschienen und löste bei mir beim Studieren beinah einen Schreikrampf aus – vor Begeisterung!

So viel Schönes gab es dort für mich zu entdecken. So darf ich mich u.a. freuen auf das klassische Ballett „Dornröschen“, das Musical „Hairspray“, die Oper „Der Freischütz“ und Shakespeares „Viel Lärm um Nichts“. Auch die Konzerte des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven werden mich wieder ins Theater locken – sei es mit dem 1. Familienkonzert „Coppélia“, das wieder in Kooperation mit der Tanzschule Dance Art entsteht, oder das Adventskonzert „Winter Wonderland“. Aber auch meine Gier nach guten Krimi-Stoffen wird gestillt mit Edgar Allen Poes „Der Untergang des Hauses Usher“ und „Mord im Orientexpress“ nach Agatha Christie. 

Doch auch die anderen Theater der Region bieten wieder Sehenswertes: Das Ohnsorg-Theater eröffnet die neue Spielzeit mit dem Klassiker „Dat Hörrohr“ von Karl Bunje, und am Bremer Theater gibt es das Musical „Hello, Dolly!“ mit Gayle Tufts in der Titelrolle.

Das so genannte Sommerloch könnte u.a. mit „Der Mordssommer“ vom bremer kriminal theater gestopft werden: Krimis, Lesungen, Konzerte u.v.m. finden „open air“ im Hof der Union-Brauerei statt. Oder wie wäre es mit einem Besuch einer Freilichtbühne? Die Freilichtbühne Lilienthal hat z. Bsp. als Familienstück „Peter Pan“ nach James M. Barrie und als Abendstück „Amadeus“ von Peter Shaffer im Programm.

Sehr zu empfehlen ist auch eine der zahlreichen Stadtführungen, die zu unterschiedlichen Themen-Schwerpunkten angeboten werden: Zuerst fein Essen gehen und dann die angefutterten Kalorien bei der Führung wieder abrennen. Perfekt! 😄


AUSSTELLUNG

  • 31. Juli – Vernissage Sommeratelier / Kunstverein Osterholz in Osterholz-Scharmbeck

FÜHRUNGEN


KOMÖDIE / LUSTSPIEL

  • 2. Juli – Premiere Ich lach mich tot von Alexander Houghton / piccolo teatro Haventheater in Bremerhaven
  • 28. August – Premiere Dat Hörrohr von Karl Bunje / Ohnsorg Theater Hamburg

KONZERT


KRIMI

  • bis 24. Juli – Der Mordssommer / div. Veranstaltungen / bremer kriminal theater

MÄRCHEN

  • bis 10. September – Peter Pan nach James M. Barrie / Freilichtbühne Lilienthal

SCHAUSPIEL

  • bis 9. September – Amadeus von Peter Shaffer / Freilichtbühne Lilienthal
  • 28. August – Premiere Drei Schwestern von Anton Tschechow / Theater am Goetheplatz in Bremen

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Bitte beachten: Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr! Aufgrund der Corona-Pandemie kann es kurzfristig zu Änderungen kommen: Für aktuelle Infos wendet Euch bitte direkt an die Veranstalter!

[Konzert] Pjotr Iljitsch Tschaikowsky – DER NUSSKNACKER / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky / nach einem Märchen von E.T.A. Hoffmann

Philharmonisches Orchester Bremerhaven / in Kooperation mit der Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 5. November 2021/ besuchte Vorstellung: 7. November 2021

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Musikalische Leitung: Hartmut Brüsch
Moderation: Tom Baert
Choreografie & Inszenierung: Irina & Marius Manole

Vor beinah genau einem Jahr starrte ich traurig zu den Eintrittskarten, die schon seit Wochen an meiner Pin-Wand hingen und auf ihren Einsatz warteten. Doch mit Einsetzen des Lockdown erstarb selbst mein kleinster Rest Hoffnung auf einen Besuch des Familienkonzerts des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven. Und so blieb mir von Peter und der Wolf nur der Blick auf den Monitor meines PCs, da das Stadttheater Bremerhaven das Konzert ohne Publikum aufnahm und dankenswerterweise ins Netz stellte.

In diesem Jahr meldete sich das Philharmonische Orchester Bremerhaven für ihr erstes Familienkonzert mit einem wahren Feuerwerk bei ihrem jungen (und junggebliebenen) Publikum zurück. Mit Tschaikowskys bekanntem und beliebtem Märchenballett stand ein Werk auf dem Programm, das eine visuelle Umsetzung beinah zwingend machte. So wiederholte das Stadttheater Bremerhaven seine Kooperation mit der Ballettschule Dance Art Bremerhaven von Irina und Marius Manole und rekrutierte das Ensemble aus deren Elevinnen und Eleven.

Und hier saßen wir nun und warteten gespannt auf den Beginn der Vorstellung. Um uns herum wuselten Eltern, Großeltern, Geschwister und sonstige Anverwandte der kleinen Bühnenstars und wunderten sich vielleicht über diese zwei großen Kerle, die gänzlich ohne (Alibi-)Kind erschienen waren, dafür aber äußerst prominente Plätze (Parkett, Reihe 4, Mitte) für sich einnahmen. Ein Umstand, den wir geflissentlich von uns abperlen ließen, da auch das Kind im Kerle seine Daseinsberechtigung hat und kulturellen Zuspruch benötigt.

Es scheint mir schwierig, die phantasievolle und abwechslungsreiche Handlung dieses Märchenballetts in wenige Worte zu fassen. So mutet sie auch eher als Nummer-Revue an, bei der der Komponist populäre bzw. publikumswirksame Elemente durch eine lose Rahmenhandlung verband. Ein Umstand, der dem Charme dieses Werkes keinen Abbruch tat bzw. tut…!

Herr und Frau Silberhaus feiern Weihnachten und haben dazu auch die Freundinnen und Freunde ihrer Kinder Klara und Fritz eingeladen. Auch Klaras Pate Onkel Drosselmeyer ist unter den Gästen und hat für jedes Kind ein Spielzeug als Geschenk. Seiner Patentochter überreicht er ein ganz besonderes Präsent: einen prachtvollen Nussknacker. Doch Fritz ist eifersüchtig und balgt mit seiner älteren Schwester um dieses kostbare Spielzeug, wobei er den Nussknacker beschädigt. Die Gäste verabschieden sich, und Klara geht traurig zu Bett. Im Traum meint sie zu erwachen, denn alles um sie herum erscheint ihr so real: Plötzlich ist der Nussknacker lebensgroß und erwacht zu einem stattlichen Prinz. Doch der gemeine Mäusekönig findet ebenfalls Gefallen an Klara. So entbrennt eine Schlacht zwischen der Garde des Nussknacker-Prinzen und der Sippe vom Mäusekönig, die beinah die Mäuse für sich gewinnen, wäre Klara nicht eingeschritten, um dem Mäusekönig mit ihren Pantoffeln erst auf den Kopf und dann in die Flucht zu schlagen. Der Prinz lädt Klara ein, gemeinsam mit ihm die Welt zu erkunden. Ein Schneesturm wirbelt sie in die Lüfte und lässt sie in fernen Ländern landen, aus denen so manche der weihnachtlichen Köstlichkeiten wie Schokolade, Kaffee oder Tee stammen. So besuchen sie Spanien, Russland, China und die arabischen Länder und schauen sich die unterschiedlichen Tänze an. Selbst im Traum ist ihr Onkel Drosselmeyer immer in ihrer Nähe und behütet sie. Mit dem Tanz der Zuckerfee verabschiedet sich Klara von ihrer Traumwelt und erwacht mit dem hölzernen Nussknacker im Arm…!

Tom Baert, Theater-, Tanz- und Konzertpädagoge am Stadttheater Bremerhaven, betrat die Bühne, begrüßte das Publikum und verstand es schnell, besonders das junge Publikum in seine Moderation mit einzubeziehen. Der Vorhang öffnet sich und gab den Blick auf das Philharmonische Orchester Bremerhaven frei, das uns heute unter dem versierten Dirigat von Hartmut Brüsch musikalisch verzaubern sollte. Vorab stellte Baert (ganz Pädagoge) seinem Publikum einige Instrumente aus dem Orchester vor, die im Laufe des Balletts durchaus an Bedeutung gewinnen sollten. Doch er fungierte nicht nur als charmanter Moderator sondern hatte auch die Rolle des Onkel Drosselmeyers inne. Hier zeigte er gekonnte, dass seine Wurzeln beim Tanz zu finden sind.

Doch damit ich es nicht vergesse, sei dies vorab gesagt: Es war bezaubernd…!

Irina und Marius Manole von der Ballettschule Dance Art Bremerhaven gelang das große Kunststück über 70 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren nicht nur auf der Bühne zu bändigen, sondern diese Energie in ihrer geschmackvollen Choreografie zu bündeln und die jungen Menschen je nach Alter und Stand der Ausbildung mit entsprechenden Partien zu bedenken. Da flitzten putzige Mäuschen und kleine Nussknacker über die Bühne, Schneeflocken wirbelten in Pirouetten um ihre Schneekönigin, Klaras Puppen erwachten zum Leben, Rohrflöten wiegten sich beim Tanz im Wind und feurige Spanierinnen oder exotische Tempeltänzerinnen entführten bei den folkloristischen Tänzen in ferne Länder.

Andrés Oldorf Gaudioso gab einen stattlichen Prinzen. Darleen Blatz wirbelte als Schneekönigin im Zusammenspiel mit ihren Schneeflocken graziös über die Bühne. Davina Weidner bezauberte mit ihrem Soli „en pointe“ beim Tanz der Zuckerfee. Doch das meiste Augenmerk lag zwangsläufig auf der Darstellerin der Klara: Miriam Manole (der Nachname verrät, von wem sie dieses Talent geerbt hat) war entzückend, ungemein anmutig und zeigte zudem eine große Spielfreude in ihrer Rolle.

Nach einer guten Stunde war das märchenhafte Spektakel leider schon vorbei. Doch dafür lief mein Herz dank der vielen positiven Empfindungen über.

Ach ja, und hatte ich es schon erwähnt: Es war bezaubernd…!


Wer von Euch sich das Konzert – trotz meiner salbungsvollen Worte – immer noch nicht so recht vorstellen mag und zum besseren Verständnis sowohl einen akustischen wie auch optischen Eindruck benötigt, dem kann geholfen werden. Herr Burdack aus dem 3. Stock (aka Ulrich Burdack, Opernsänger am Stadttheater Bremerhaven) befiel schon vor einem Jahr eine leise Vorahnung, dass hier und heute Erklärungsbedarf besteht, als er die Quintessenz des Balletts in seinem Video virtuos zusammenfasste. 


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!