[Konzert] Pjotr Iljitsch Tschaikowsky – DORNRÖSCHEN / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Märchenballett mit Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky / nach dem Märchen von Charles Perrault

Philharmonisches Orchester Bremerhaven
Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 31. Mai 2026 / besuchtes Konzert: 31. Mai 2026

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG & MODERATION Hartmut Brüsch 
CHOREOGRAFIE Irina und Marius Manole

Es war der 1. Juni 2025: Die Spielzeit 2024/2025 war für mich beendet, und ich versuchte mir die Theaterfreie Zeit mit entsprechender Lektüre zu versüßen. Meine Wahl fiel u.a. auf das musikalische Bilderbuch DORNRÖSCHEN aus dem Annette Betz-Verlag. Damals schrieb ich…

Mit DORNRÖSCHEN, dem zauberhaften Märchenballett von Peter Iljitsch Tschaikowsky habe ich mir ein Werk ausgesucht, das in der nächsten Saison auch an meinem Stamm-Theater zur Aufführung kommen wird. Beim 3. Familienkonzert wird das Philharmonische Orchesters Bremerhaven unter der musikalischen Leitung von Hartmut Brüsch die gelungene Kooperation mit der Ballettschule Dance Art fortführen. Irina und Marius Manole werden mit den Schüler*innen ihrer Ballettschule sicherlich wieder eine wunderbar kindgerechte wie phantasievolle Choreografie für das junge Publikum erstellen. Bis es soweit ist, muss ich mich leider beinah ein Jahr gedulden.

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Es klingt wie eine Floskel, fühl sich für mich aber genauso an. Doch woran mag es liegen, dass für mich die Monate (gefühlt) so schnell verflogen waren? Meine Begründung: Es ist in meinem Leben eine Menge passiert – weniger Angenehmes aber auch viel Schönes. Das Schöne, und somit das, was das weniger Angenehme erträglicher gemacht hat, waren u.a. meine vielen Konzert- und Theater-Besuche. Kultur ist für mich existentiell wichtig, und so saß ich auch diesmal wieder voller Vorfreude im Publikum.

Um mich herum ging es zu wie im viel zitierten Bienenstock: Es summte und brummte, es wuselte und wimmelte. Eltern, Großeltern, Geschwisterkinder, Onkel, Tanten sowie Freunde schienen beinah ebenso aufgeregt, wie die 82 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in wenigen Minuten die Bühne für sich erobern sollten. Der musikalische Leiter des heutigen Konzerts Hartmut Brüsch betrat die Bühne, griff zum Mikrophon, hielt es sich an die Lippen, und es passierte erstmal recht wenig. Die Tücken der Ton-Technik hatten zugeschlagen. Als Orchesterwart Thomas Wehnert die Bühne betrat, um die Mikros auszutauschen, nutze Brüsch diesen Umstand geschickt und erklärte dem Publikum spontan, welch wichtige Aufgaben ein Orchesterwart innehat. Wie selbstverständlich war er wieder ganz in die Rolle des Vermittlers geschlüpft, der seinem jungen Publikum die Besonderheiten eines Philharmonischen Orchesters näher brachte und ihnen charmant die einzelnen Instrumentengruppen vorstellte – und wir, die Erwachsenen im Publikum, wurden dadurch auch nicht dümmer.


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Dass Hartmut Brüsch gemeinsam mit den Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven die traumhaften Kompositionen vom Meister Tschaikowsky gar wundervoll zu Gehör bringen würden, stand für mich außer Frage. So rückte das Orchester auch ein wenig aus dem Fokus, da die Bühne im großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven eine Stunde lang ganz und gar den kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Tanzstars gehörte. Irina und Marius Manole hatten sich wieder eine entzückende Choreografie erdacht, die vom klassischen Ballett geprägt und dem Können ihrer Elevinnen und Eleven angepasst war. Zudem standen beide selbst auf der Bühne und verkörperten hoheitsvoll das Königspaar, die Eltern unserer Titelheldin.

Doch bis diese in Erscheinung treten konnte, wurde vorab die Vorgeschichte gezeigt, die viel Raum für ausgefeilte Choreografien bot – sei es vom eleganten Tanz der Hofgesellschaft über den graziösen Spitzentanz der guten Feen bis zum markanten Auftritt der bösen Fee, die von einem putzigen Schwarm Mini-Fledermäuse umschwirrt wurde. Rebecca Pagel gab die böse Fee CARABOSSE mit dynamischen Bewegungen und einem expressiven Minenspiel. Paulina Dieckvoß war als FLIEDERFEE der gewichtige Gegenpart zur bösen Fee und sorgte voller Anmut in Tanz und Ausdruck dafür, dass deren Zauber gemildert wurde. Thomas Brannemann amüsierte als kleiner ZEREMONIENMEISTER, der stets überfordertet schien.

Dabei wurde immer wieder eine große Spindel als Zeichen der drohenden Gefahr raffiniert in die Inszenierung integriert. Geschickt visualisierten Irina und Marius Manole auch die stetig wachsende Dornenhecke durch die Tänzerinnen in verschiedenen Formationen: Es begann mit dem zauberhaften Tanz der zarten Rosenknospen und gipfelte in der vollen Pracht der aufgeblühten Rosen im kraftvollen Rot, die Auroras (Dornröschens) Schlafstätte beschützend umrankten. Zoe Busch Barbosa gab eine reizende AURORA und meisterte die anspruchsvolle Choreografie mit viel Grazie. Als PRINZ DÉSIRÉ stand ihr Mats Tietjen zur Seite, der mit natürlicher Ausstrahlung gefiel und seinem Dornröschen bei den Pirouetten und Hebefiguren ein verlässlicher Partner war.

Bei einem Märchenballett dürfen auch gerne weitere Märchenfiguren in Erscheinung treten: David Caibet als DER GESTIFELTE KATER und Eva Lee Hilz als seine Partnerin DIE WEISSE KATZE erinnerten mich mit ihrer Energie und Quirligkeit an Mungojerrie und Rumpleteazer aus dem Musical CATS. Selbst Rotkäppchen und der Wolf schauten „zur Feier des Tages“ vorbei: Da wurde ROTKÄPPCHEN Vivien Radeck von WOLF Argenis Rodriguez höchst amüsant über die Bühne gescheucht – es half kein Bitten und Flehen – bis es ihr zu bunt wurde, sie den Spieß umdrehte und sehr zur Freude des Publikums den Wolf über das Parkett jagte.

Mit Respekt für alle Beteiligten beobachtete ich das Treiben auf der Bühne und zog voller Hochachtung meinen imaginären Hut vor Irina und Marius Manoles Leistung, 82 junge Menschen zu koordinieren, zu choreografieren und so zu motivieren, dass am Schluss diese äußerst gelungene, abwechslungsreiche und märchenhafte Aufführung präsentiert werden konnte.

💛💜❤️ ES WAR BEZAUBERND…! ❤️💜💛


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Ballett] Irina & Marius Manole – SCHNEEWITTCHEN UND DIE SIEBEN ZWERGE / Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Musik von div. Komponisten / nach dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm

Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 14. Mai 2025/ besuchte Vorstellung: 15. Mai 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


CHOREOGRAFIE & INSZENIERUNG Irina & Marius Manole
ZUSÄTZL. CHOREOGRAFIE Nicole Llauradó Neve

Vor 15 Jahren gründeten Irina und Marius Manole die Ballettschule Dance Art in Bremerhaven. Seit 15 Jahren geben sie nicht nur ihr Wissen und ihre Freude am Tanz an ihre Schüler*innen weiter, vielmehr vermitteln sie – insbesondere an die Kinder und Jugendlichen – Werte, die diese auf dem Weg zum Erwachsenwerden in ihrer Persönlichkeit stärken: Selbstbewusstsein, Toleranz, ein friedliches Miteinander und die Erkenntnis, dass in der Gemeinschaft viel erreicht werden kann.

Anlässlich ihres Jubiläums gönnten die Beiden sich eine fulminante Inszenierung des bekannten Märchen-Klassiker, die an zwei Abenden im Stadttheater Bremerhaven präsentiert wurde. Wobei „gegönnt“ haben sie sich wahrlich nichts: Vielmehr steckten sehr viel Enthusiasmus und sicherlich noch mehr Arbeit in der Realisierung dieses Projekts. 40 unterschiedliche Tänze sollten choreografiert und 240 Tänzer*innen mussten koordiniert werden. Als ich dies erfuhr, brach selbst bei mir der Schweiß aus, und ich fragte mich verwundert, wie Irina und Marius in der überschaubaren Anzahl der handelnden Personen des Märchens diese vielen Menschen unterbringen würden. Sie fanden eine äußerst unterhaltsame Lösung…!

Bereits zu Beginn des Märchens, nachdem die Erzählerin die bekannten Worte „weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie Ebenholz“ ausgesprochen hatte, wirbelte Alexandra Thiele als Schneekönigin umringt von vielen kleinen und großen Schneeflocken über das Parkett. Auch Schneewittchens Aufenthalt im Wald bot dem/der Choreograf*in reichlich Gelegenheit, Flora und Fauna tanzen zu lassen. Aparte Waldfeen schwirrten durch das Gehölz, quirlige Kolibris flatterten über die Bühne, graziöse Magnolien „erblühten“. Doch die Natur hatte mit tanzenden Erdbeeren, Schmetterlingen, Lavendel, Marienkäfern und Glühwürmchen noch sehr viel mehr zu bieten. Da hoppelten die Kleinsten als Häschen über das Parkett und wurden dabei von einem knuddeligen Mini-Wolf verfolgt, oder sie drehten sich als Fliegenpilze drollig um die eigene Achse. Dann brach plötzlich ein Rudel Rehe aus dem Unterholz, um für humorige Verwirrung zu sorgen. Es war absolut erstaunlich, wieviel Trubel in so einem Wald herrschen kann. Dagegen geht es während der Rush Hour auf der nahen Columbusstraße eher gemütlich zu.

Doch selbstverständlich wurde auch am Hofe reichlich das Tanzbein geschwungen, sei es von den Debütantinnen beim Walzer oder auch von Schneewittchens loyalen Freundinnen. Drei Choreografien stachen aus der Fülle der Tänze, die eher am klassischen Ballett orientiert waren, heraus und boten so interessante Kontrapunkte. Beim so genannten Charaktertanz mit seinen Anleihen beim Flamenco zeigten die erwachsenen Schülerinnen der Ballettschule nachdrücklich, dass die Freude am Tanz nicht nur den Jüngeren vorbehalten ist. Aus einer Mischung aus Streetdance und Contemporary schuf Tanzlehrerin Nicole Llauradó Neve die effektvollen Choreografien sowohl für die Wölfe wie auch für die Hexen. Hier sorgte die stimmige Musik in Kombination mit dem ausdrucksstarken Tanz dafür, dass sich eine prickelnde Gänsehaut über meinem Körper ausbreitete.

Apropos Musik: Irina und Marius Manole hatten bei ihrer Auswahl ein sehr glückliches Händchen. Sie fanden adäquate Musikstücke, die sowohl für eine stimmige Atmosphäre sorgten sowie den Charakter der jeweiligen Szene besonders hervorhoben. Positiv abgerundet wurden die einzelnen Szenen durch einige wenige Requisiten in Kombination mit passenden Hintergrundprojektionen. Doch auch die vielen phantasievollen und detailreichen Kostüme boten ein Feuerwerk aus Tüll, Lichtern und Farben.


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Schauspielerin und Theaterpädagogin Kathrin Busch fungierte als charmante Erzählerin, überzeugte mit markanter Stimme und ebensolchem Spiel und sorgte für den erklärenden Rahmen bei den vielen Tanznummern. So konnten auch die Jüngsten im Publikum der Handlung ohne Probleme folgen.

Miriam Manole entzückte in der Titelpartie mit tänzerischem Können voller Grazie und Anmut. Dabei zeigte sie in ihrem bedachten Agieren mit den Kleinen und Kleinsten auf der Bühne pädagogisches Einfühlungsvermögen, indem sie mal dort leitend eingriff, mal hier sanft die Richtung wies. Dafür irritierte mich der Auftritt von Mats Tietjen als Prinz. Zugegeben: Die Rolle tauchte erst am Ende des Märchens auf und bot somit nur wenige Möglichkeiten, um zu brillieren. Vielleicht um dieses „Manko“ auszugleichen, grinste er penetrant ins Publikum und wirkte dadurch auf mich recht selbstverliebt. Da hätte ich Schneewittchen einen deutlich kernigeren Prinzen gewünscht. Ein Attribut, das ich Tobias Bruns als Schneewittchens Vater vorbehaltlos zusprechen konnte: Er gab einen äußerst stattlichen König und schaffte es so auch neben der prägnanten Stiefmutter von Mia Barnkow zu bestehen. Mia Barnkow meisterte ihre Solis bravourös und gestaltete ihren Part mit einer Zurückhaltung zwischen „geheimnisvoll“ und „gefährlich“. Ihrem Tanz mit dem „fleischgewordenen“ Spiegel von Gesa Wübben fehlte nicht an Dramatik. Die sieben Zwerge wurden von Thomas Brannemann, Charlotte Eufinger, Vivien Radeck, Mina Dammeyer, Sophie Flindt, Marta Sengewein und Elise Yuuka Shiga verkörpert und erstaunten (und erfreuten) mich mit ihrem wunderbaren Zusammenspiel. Wie kleine Kobolde tobten sie voller Energie über die Bühne, sorgten so für manche Lacher im Publikum und boten somit beste Unterhaltung.

Irina und Marius Manole haben gemeinsam mit ihrem Team das bemerkenswerte Kunststück vollbracht, Menschen unterschiedlichen Alters, die zudem auf verschiedenen Ausbildungslevels sind, in einer Show harmonisch miteinander zu vereinen. Auf dieser bewundernswerten Leistung dürfen alle Beteiligten zu Recht stolz sein. Standing Ovation und ein frenetischer Applaus waren der Lohn für einen wahrlich märchenhaften Abend.


Hier gibt es ganz und gar wundervolle IMPRESSIONEN von den Proben! Zur Homepage der Ballettschule Dance Art geht es in dieser RICHTUNG, oder ihr schaut mal auf INSTAGRAM vorbei.