[Konzert] Pjotr Iljitsch Tschaikowsky – DORNRÖSCHEN / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Märchenballett mit Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky / nach dem Märchen von Charles Perrault

Philharmonisches Orchester Bremerhaven
Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 31. Mai 2026 / besuchtes Konzert: 31. Mai 2026

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG & MODERATION Hartmut Brüsch 
CHOREOGRAFIE Irina und Marius Manole

Es war der 1. Juni 2025: Die Spielzeit 2024/2025 war für mich beendet, und ich versuchte mir die Theaterfreie Zeit mit entsprechender Lektüre zu versüßen. Meine Wahl fiel u.a. auf das musikalische Bilderbuch DORNRÖSCHEN aus dem Annette Betz-Verlag. Damals schrieb ich…

Mit DORNRÖSCHEN, dem zauberhaften Märchenballett von Peter Iljitsch Tschaikowsky habe ich mir ein Werk ausgesucht, das in der nächsten Saison auch an meinem Stamm-Theater zur Aufführung kommen wird. Beim 3. Familienkonzert wird das Philharmonische Orchesters Bremerhaven unter der musikalischen Leitung von Hartmut Brüsch die gelungene Kooperation mit der Ballettschule Dance Art fortführen. Irina und Marius Manole werden mit den Schüler*innen ihrer Ballettschule sicherlich wieder eine wunderbar kindgerechte wie phantasievolle Choreografie für das junge Publikum erstellen. Bis es soweit ist, muss ich mich leider beinah ein Jahr gedulden.

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht. Es klingt wie eine Floskel, fühl sich für mich aber genauso an. Doch woran mag es liegen, dass für mich die Monate (gefühlt) so schnell verflogen waren? Meine Begründung: Es ist in meinem Leben eine Menge passiert – weniger Angenehmes aber auch viel Schönes. Das Schöne, und somit das, was das weniger Angenehme erträglicher gemacht hat, waren u.a. meine vielen Konzert- und Theater-Besuche. Kultur ist für mich existentiell wichtig, und so saß ich auch diesmal wieder voller Vorfreude im Publikum.

Um mich herum ging es zu wie im viel zitierten Bienenstock: Es summte und brummte, es wuselte und wimmelte. Eltern, Großeltern, Geschwisterkinder, Onkel, Tanten sowie Freunde schienen beinah ebenso aufgeregt, wie die 82 Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die in wenigen Minuten die Bühne für sich erobern sollten. Der musikalische Leiter des heutigen Konzerts Hartmut Brüsch betrat die Bühne, griff zum Mikrophon, hielt es sich an die Lippen, und es passierte erstmal recht wenig. Die Tücken der Ton-Technik hatten zugeschlagen. Als Orchesterwart Thomas Wehnert die Bühne betrat, um die Mikros auszutauschen, nutze Brüsch diesen Umstand geschickt und erklärte dem Publikum spontan, welch wichtige Aufgaben ein Orchesterwart innehat. Wie selbstverständlich war er wieder ganz in die Rolle des Vermittlers geschlüpft, der seinem jungen Publikum die Besonderheiten eines Philharmonischen Orchesters näher brachte und ihnen charmant die einzelnen Instrumentengruppen vorstellte – und wir, die Erwachsenen im Publikum, wurden dadurch auch nicht dümmer.


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Dass Hartmut Brüsch gemeinsam mit den Musiker*innen des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven die traumhaften Kompositionen vom Meister Tschaikowsky gar wundervoll zu Gehör bringen würden, stand für mich außer Frage. So rückte das Orchester auch ein wenig aus dem Fokus, da die Bühne im großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven eine Stunde lang ganz und gar den kleinen und nicht mehr ganz so kleinen Tanzstars gehörte. Irina und Marius Manole hatten sich wieder eine entzückende Choreografie erdacht, die vom klassischen Ballett geprägt und dem Können ihrer Elevinnen und Eleven angepasst war. Zudem standen beide selbst auf der Bühne und verkörperten hoheitsvoll das Königspaar, die Eltern unserer Titelheldin.

Doch bis diese in Erscheinung treten konnte, wurde vorab die Vorgeschichte gezeigt, die viel Raum für ausgefeilte Choreografien bot – sei es vom eleganten Tanz der Hofgesellschaft über den graziösen Spitzentanz der guten Feen bis zum markanten Auftritt der bösen Fee, die von einem putzigen Schwarm Mini-Fledermäuse umschwirrt wurde. Rebecca Pagel gab die böse Fee CARABOSSE mit dynamischen Bewegungen und einem expressiven Minenspiel. Paulina Dieckvoß war als FLIEDERFEE der gewichtige Gegenpart zur bösen Fee und sorgte voller Anmut in Tanz und Ausdruck dafür, dass deren Zauber gemildert wurde. Thomas Brannemann amüsierte als kleiner ZEREMONIENMEISTER, der stets überfordertet schien.

Dabei wurde immer wieder eine große Spindel als Zeichen der drohenden Gefahr raffiniert in die Inszenierung integriert. Geschickt visualisierten Irina und Marius Manole auch die stetig wachsende Dornenhecke durch die Tänzerinnen in verschiedenen Formationen: Es begann mit dem zauberhaften Tanz der zarten Rosenknospen und gipfelte in der vollen Pracht der aufgeblühten Rosen im kraftvollen Rot, die Auroras (Dornröschens) Schlafstätte beschützend umrankten. Zoe Busch Barbosa gab eine reizende AURORA und meisterte die anspruchsvolle Choreografie mit viel Grazie. Als PRINZ DÉSIRÉ stand ihr Mats Tietjen zur Seite, der mit natürlicher Ausstrahlung gefiel und seinem Dornröschen bei den Pirouetten und Hebefiguren ein verlässlicher Partner war.

Bei einem Märchenballett dürfen auch gerne weitere Märchenfiguren in Erscheinung treten: David Caibet als DER GESTIFELTE KATER und Eva Lee Hilz als seine Partnerin DIE WEISSE KATZE erinnerten mich mit ihrer Energie und Quirligkeit an Mungojerrie und Rumpleteazer aus dem Musical CATS. Selbst Rotkäppchen und der Wolf schauten „zur Feier des Tages“ vorbei: Da wurde ROTKÄPPCHEN Vivien Radeck von WOLF Argenis Rodriguez höchst amüsant über die Bühne gescheucht – es half kein Bitten und Flehen – bis es ihr zu bunt wurde, sie den Spieß umdrehte und sehr zur Freude des Publikums den Wolf über das Parkett jagte.

Mit Respekt für alle Beteiligten beobachtete ich das Treiben auf der Bühne und zog voller Hochachtung meinen imaginären Hut vor Irina und Marius Manoles Leistung, 82 junge Menschen zu koordinieren, zu choreografieren und so zu motivieren, dass am Schluss diese äußerst gelungene, abwechslungsreiche und märchenhafte Aufführung präsentiert werden konnte.

💛💜❤️ ES WAR BEZAUBERND…! ❤️💜💛


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Konzert] Bigband-Gala SING, SING, SING! / Theater Bremen

Bigband-Gala mit Kompositionen, Songs und Lyrics von Ted Barclay, Cole Porter, Anthony Newley, Leslie Bricusse, Harold Arlen, E.Y. Harburg, Jerome Kern, Dorothy Fields, Sholom Secunda, Jacob Jacobs, Eddie Harris, Irving Berlin, Duke Ellington, Irving Mills, Louis Prima, Burt Bacharach, Hal David, Otto Harbach, Pat Ballard, Harry Warren, Mack Gordon, Henry Mancini, ABBA, GUNS N’ROSES, Dino Fekaris und Freddie Perren.

Premiere: 31. Dezember 2024 / besuchte Vorstellung: 25. Mai 2026

Theater am Goetheplatz in Bremen / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Stefan Klingele
SZENISCHE EINRICHTUNG Frank Hilbrich
BÜHNE UND KOSTÜME Theresa Isabella Malessa
LICHT Christian Kemmetmüller
TON Mathias Kluge
DRAMATURGIE Brigitte Heusinger

HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DEM BESPROCHENEN KONZERT SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Die Sonne brannte von Himmel an einem der ersten heißen Tage im Mai. Es war der Pfingstmontag, und jede Faser meines Körpers schrie „Bleibe zuhause! Gehe nicht vor die Tür! Meide die Sonne!“. Zumal diese Bigband-Gala am Theater Bremen bereits um 15.30 Uhr starten sollte, und somit gemäßigtere Temperaturen nicht zu erwarten waren. Doch die Eintrittskarten lagen verführerisch griffbereit und schienen mich durch ihre bloße Präsenz zu motivieren, mich in einen flotten Zwirn zu werfen und auf den Weg zu machen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Theater lockte uns die Außengastronomie mit kühlen Erfrischungen. Und so saßen wir zufrieden im Schatten, beobachten das Treiben um uns herum und genossen „dolce vita“ in Norddeutschland, bevor wir uns ins Dunkel des Theaters begaben.

Die fulminante Bigband bestehend aus Musiker*innen der Bremer Philharmoniker begrüßte uns unter der Leitung von Stefan Klingele mit „Have A Nice Day“ von Ted Barclay und versprach uns nicht zu viel: Es sollte tatsächlich ein schöner Tag/ein schönes Konzert werden. Stefan Klingele ließ die Melodien süffig erklingen, kitzelte viel Sentimentalität aus den Noten und präsentierte gleichzeitig die Songs mit dem nötigen Druck: Das hatte Schmackes! Das hatte Drive!

Und dann erschien die Frau, die „Denglish“ zur eigenständigen Sprache erhoben hat, Gayle Tufts: Keck moderierte sie durch das Programm, nahm sich, uns und die politische Lage auf’s Korn und umarmte mit ihrem unwiderstehlichen Charme das Publikum, die Musiker*innen und die Solist*innen und bündelte uns alle zu einer Gemeinschaft. Sie stand auf der Bühne und glänzte – ihr schicker Pailletten-Fummel wäre nicht nötig gewesen – und brillierte, sei es solistisch bei „Pick Yourself Up“ von Jerome Kern, gemeinsam mit Sarah-Jane Brandon und Nadine Lehner als „Andrew Sisters von der Weser“ bei „Bei Mir Bistu Shein“ von Sholom Secunda oder in schönster Stimm-Harmonie mit all ihren Gesangskolleg*innen bei dem Programm den Titel gebenden „Sing, Sing, Sing“ von Louis Prima. Das Unterhaltungs-Gen steckt in ihrer DNA: Sie ist und bleibt für mich MRS. ENTERTAINMENT.


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Ihre musikalischen Mitstreiter*innen waren ausnahmslos Solist*innen aus dem Opern-Ensemble des Bremer Theaters. Bariton Elias Gyungseok Han wickelte mich schon mit seiner ersten Nummer „From This Moment On“ von Cole Porter um den Finger, die er ganz easy über die Rampe brachte. Doch auch die weiteren Nummern profitierten von seiner markanten Stimme, die er ganz im Stil der großen Crooner zum Swingen brachte. Der Sopran von Nadine Lehner schien bei den Solis leider nicht gänzlich mit der so genannten leichten Muse harmonieren zu wollen. Dafür gefiel sie mir umso besser bei den Songs, die sie zusammen mit ihren Partner*innen in „Close Harmony“ vortrug, wie z. Bsp. „Mister Sandman“ von Pat Ballard. Tenor Fabian Düberg bot nicht nur eine sowohl aberwitzig schräge wie auch herrlich bösartige Trump-Parodie, sondern jazzte sich ebenso überzeugend durch die Nummer „It Don’t Mean A Thing“ von Duke Ellington. Sopranistin Sarah-Jane Brandon schenkte uns eine träumerisch leichte Version von Anthony Newleys „Feeling Good“. Dann erschien auf der Bühne eine hochgewachsene Gazelle, warf die langen Locken kokett zurück, öffnete den Mund und ließ bei „It’s Only A Paper Moon“ von Harold Arlen seinen satten Bariton ertönen: Arvid Fagerfjäll würzte jeden seiner Auftritte mit seiner betörenden Persönlichkeit und einer erfrischenden Androgynität.

Theresa Isabelle Malessa kleidete nicht nur die Solist*innen glamourös ein. Sie war auch für das zu einer Bigband-Gala stimmige Bühnenbild zuständig, das immer wieder mit kleinen Extras überraschte: So lugte bei „Pink Panther“ von Henry Mancini nicht nur Paulchens Kopf um die Ecke, irgendwann baumelte sogar sein rosa Schwanz vom Bühnenhimmel. Regisseur Frank Hilbrich konnte sich zwar ganz und gar auf die Qualitäten von Gayle Tufts verlassen, ruhte sich darauf allerdings nicht aus und verfeinerte die Auftritte der Solist*innen zusätzlich durch einige charmante Ideen.

Mit einem energetischen „I Will Survive“ von Dino Fekaris und Freddie Perren, das das Publikum zum Mitsingen und -tanzen von den Sitzen riss, endete diese grandiose Bigband-Gala. „I Will Survive“ – Ja, ich werde überleben – solange es so wunderbare und vielfältige Kunst und Kultur gibt, werde ich überleben. 💖


Gute Laune ist garantiert: Es gibt nur noch wenige Termine, um diese fulminante Bigband-Gala SING, SING, SING! am Bremer Theater am Goetheplatz genießen zu können.

[Konzert] Operettengala SCHENKT MAN SICH ROSEN IN TIROL / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

mit Melodien aus DER OPERNBALL von Richard Heuberger und DER VOGELHÄNDLER von Carl Zeller

Premiere: 21. Mai 2026 / besuchtes Konzert: 21. Mai 2026

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


DIRIGENT & MODERATION Hartmut Brüsch

SOLIST:INNEN  Meredith Hoffmann-Thomson, Victoria Kunze, Boshana Milkov, Weilian Wang, Andrew Irwin
CHOR Edward Mauritius Münch

Opernchor des Stadttheaters Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven


Die gute, alte Operette: Nun hat sie schon so viele Jahre auf dem Buckel und ist nicht tot zu kriegen. Gerne taucht sie als sichere Bank, als Zuschauermagnet im Spielplan so mancher Theater auf und darf mit ihren guten Auslastungszahlen diejenigen Werke, die weniger in der Gunst des Publikums stehen, mitfinanzieren, und doch wird sie gerne belächelt und abschätzig betrachtet. Dabei bedarf es ein immenses Können, um die kleine Schwester der Oper mit pikanter Leichtigkeit und perlender Champagnerlaune über die Rampe zu bringen. Einerseits sollten das Regieteam wie auch das Ensemble die Figuren und deren Motivationen ernst nehmen, andererseits darf die Szenerie gerne etwas „over the top“ sein. Der Grat zwischen glaubhaften Emotionen und peinlicher Übertreibung ist extrem schmal.

Doch prinzipiell ist Realismus das Letzte, was ich von einer Operette erwarte. Ich möchte mich fallen lassen und meine kleinen wie auch großen Alltagssorgen vergessen. Ich möchte für ein paar kostbare Stunden mein profanes Leben ausblenden und mich gänzlich der Musik und dem Gesang hingeben. Ich schmachte zwar die verführerisch schönen Männer an, aber meine uneingeschränkte Sympathie gilt den Frauen. Denn es ist vielleicht nicht immer so offensichtlich, aber in der Operette sind die Frauen oft sehr emanzipiert, selbstbewusst sowie klug und nehmen ihr Schicksal mit einem erfrischenden Pragmatismus selbst in die Hand. Oder wie es Sopranistin Signe Heiberg anlässlich ihres Abschieds vom Stadttheater Bremerhaven in einem Interview mit der NORDSEE-ZEITUNG so treffend formulierte: „Ich liebe es, Operette zu singen. In meinem Fach sitzt man ja oft in der Ecke und leidet oder stirbt, aber die Operettendamen haben Wumms, Spaß und ein bissel – wie sagt man? – Eier in der Hose.“

Am Stadttheater Bremerhaven wird die Operette bereits seit Jahrzehnten liebevoll gehegt und gepflegt – sowohl mit geschmackvollen Inszenierungen als auch mit der konzertanten Operettengala, da mit Hartmut Brüsch ein wahrer Kenner des Genres am Haus zu finden ist. Humorvoll und eloquent führte er uns auch diesmal durch die manchmal etwas verwirrenden Handlungen der beiden Operetten, die jeweils mit einem „Best-of“ zu Gehör kamen.

In der ersten Programm-Hälfte wurden wir auf einen illustren Pariser Maskenball entführte. Hartmut Brüsch schwärmte von der wunderbar komponierten und raffiniert arrangierten Ouvertüre zu DER OPERNBALL von Richard Heuberger. Gemeinsam mit dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven brachte er diese feinnervig differenziert zu Gehör und führte uns so rein musikalisch bereits durch die Höhepunkte der Handlung. Ein tenorales Power-Duo, bestehend aus Weilian Wang und Andrew Irwin, lieferte mit „Man lebt nur einmal in der Welt“ höchst amüsant die fadenscheinige Ausrede, warum man(n) sich einem Tête-à-Tête nicht verweigern sollte.

Im Jahr der Uraufführung galt das Walzerduett „Geh’n wir ins Chambre séparée“ zwischen Sopran und Mezzo (in einer Hosenrolle) als höchst frivol. Nun sind die Mezzo-Partien in der Operette per se äußerst rar: Sopran und Tenor findet man im Überfluss, Mezzos sind da eher Mangelware. Umso schöner, dass uns bei dieser Gala der bekannte Operettenschlager nicht vorenthalten wurde, zumal Victoria Kunze und Boshana Milkov abermals (nach DER ROSENKAVALIER, HÄNSEL UND GRETEL und LE NOZZE DI FIGARO) bewiesen, wie wundervoll ihre Stimmen miteinander harmonieren.


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HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DEM BESPROCHENEN KONZERT SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Nach der Pause eröffnete Andrew Irwin die zweite Programm-Hälfte mit einem süffigen „Grüß‘ euch Gott, alle miteinander“ als Titelheld in der Operette DER VOGELHÄNDLER von Carl Zeller – unterstützt von den Damen und Herren vom Opernchor, die unter der versierten Leitung von Edward Mauritius Münch wieder stimmlich bestens aufgelegt waren. Im Duett „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ war Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson ihm eine kongeniale Partnerin. Die Arie „Als geblüht der Kirschbaum“ gestaltete sie wunderbar zart und äußerst gefühlvoll.

Weilian Wang behauptete kokett „Mir scheint, ich kenn‘ dich, spröde Fee“, bekam dafür von seiner charmanten Duett-Partnerin Victoria Kunze allerdings nur die kalte aber wohlgeformte Schulter gezeigt. Vorab tauchte Kunze unvermittelt im Zuschauersaal auf, trällerte voller Esprit und Spielfreude den Operetten-Evergreen „Ich bin die Christel von der Post“ und rekrutierte für diese Nummer kurzerhand einen nichtsahnenden Herrn aus dem Publikum, um diesen sinnlich anzuschmachten (Selber schuld: Warum sitze ich auch in der ersten Reihe?! 😆). Den Abschluss dieser rundum gelungenen Gala, die noch mit vielen weiteren traumhaften Melodien gespickt war, bildete der wohlgemeinte Rat an alle Männer „Kämpfe nie mit Frau’n“ – gemeinsam vorgetragen von allen Künstler*innen.

Bestens gelaunt verließ ich das Theater, beschwingt die kurz zuvor gehörten Weisen summend. Hartnäckige Ohrwürmer haben sich nun bei mir eingenistet, geistern durch meinen Kopf und entfleuchen meinen Lippen. Anscheinend bin ich ganz fies vom Operetten-Virus befallen. Hätte ich doch nur folgendes beachtet…

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage
und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison eine Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Oper] Erich Wolfgang Korngold – DIE TOTE STADT / Stadttheater Bremerhaven

Oper von Erich Wolfgang Korngold / Libretto vom Paul Schott / frei nach dem Roman Bruges-la-Morte von Georges Rodenbach // in deutscher Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 2. Mai 2026 / besuchte Vorstellung: 17. Mai 2026

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marc Niemann
INSZENIERUNG & BÜHNE Johannes Pölzgutter
KOSTÜME Katharina Heistinger
DRAMATURGIE Markus Tatzig
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Katharina Konopka

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham, Tonio Shiga
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Josefine-Alicia Ocko


Ich warf einen Blick auf die Handlung dieser Oper und fühlte mich direkt an den Film VERTIGO – AUS DEM REICH DER TOTEN aus dem Jahre 1958 erinnert. Sollte sich da etwa Alfred Hitchcock bei Erich Wolfgang Korngold bedient haben, oder liegt beiden Werken etwa dieselbe literarische Vorlage zugrunde? Hitchcock bezieht sich bei seinem Film auf den Krimi D’ENTRE LES MORTS (1954) der Franzosen Pierre Boileau und Thomas Narcejac, während Korngold auf den Roman BRUGES-LA-MORTE des belgischen Schriftstellers Georges Rodenbach verweist, der bereits 1892 erschienen ist.

Doch die Ähnlichkeiten der Handlungen sind so frappierend: Da liegt der Verdacht, dass da irgendjemand von irgendwem geklaut hat, auf der Hand. Das wäre doch mal ein spannendes Forschungsprojekt!


HANDLUNG

1. BILD – DIE OBSESSION. Seit dem Tod seiner Frau Marie lebt Paul zurückgezogen in Brügge. In seinem Haus hat er eine Erinnerungswelt errichtet, eine «Kirche des Gewesenen», in der alles der Verstorbenen geweiht ist. Sein Freund Frank und die Haushälterin Brigitta sorgen sich um ihn. Doch plötzlich scheint Paul verwandelt, als er der Tänzerin Marietta begegnet und glaubt, in ihr Marie wiederzusehen. Gegen Franks Warnungen verliert er sich in der Vorstellung, die Tote könne durch die Lebende zu ihm zurückkehren. In Mariettas Gesang verschwimmen Wunsch und Wirklichkeit zu einem gefährlichen Rausch. // 2. BILD – DER RAUSCH. Getrieben von Sehnsucht und religiösem Schuldbewusstsein sucht Paul Mariettas Nähe, während sein Umfeld zerbricht: Die Haushälterin wendet sich ab, der beste Freund wird zum Rivalen. Als Marietta mit ihrer Theatertruppe erscheint, prallen Pauls morbider Totenkult und die sinnliche, vitale Welt der Bühne gewaltsam aufeinander. Im ausgelassenen Spiel einer Szene aus der Oper Robert der Teufel entlädt sich Pauls Verwirrung. In einem Moment grausamer Klarheit erkennt Paul, dass er in Marietta nur ein Medium sucht. Doch verletzt und fasziniert zugleich, zieht Marietta ihn tiefer in ihren Bann. // 3. BILD – DIE ESKALATION. Nach der gemeinsamen Nacht drängen religiöse Bilder mit neuer Macht auf Paul ein. Während Marietta auf Liebe, Gegenwart und Leben besteht, klammert er sich verzweifelt an die Tote und ihre Heiligkeit. Die Situation gerät außer Kontrolle. Als Marietta das aufbewahrte Haar Maries an sich nimmt und die Verstorbene herausfordert, kippt die Szene. Paul verliert sich. Wirklichkeit und Vision geraten unauflöslich ineinander. Am Ende steht er zwischen den Welten – zwischen einer Frau aus Fleisch und einer Frau seiner Erinnerung, die er um jeden Preis bewahren möchte.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Ob der Entstehungsprozess zur Uraufführung der Oper ebenso spannend war wie die Handlung, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Entstehungsprozess zur aktuellen Inszenierung am Stadttheater Bremerhaven war hingegen extrem spannend. Vier Tage vor der Premiere erkrankte der Sänger der Hauptpartie: Die Stimmbänder, diese zwei zarten Gewebefalten im Kehlkopf, die durch Schwingungen Töne erzeugen, hatten ihren Dienst quittiert. Die Premiere ausfallen zu lassen oder zu verschieben, waren für die Verantwortlichen am Stadttheater Bremerhaven keine Optionen. Somit war die Not nach einem Ersatz groß, der dann direkt (naja, beinah) vor der eigenen Haustür gefunden wurde. Tenor Michael Müller-Kasztelan von der Oper Kiel ist in Bremerhaven kein Unbekannter und zudem als Einspringer bestens erprobt.

Was ich hier so flapsig lapidar formuliere, soll nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass eine solche Situation nur durch den Mut des beteiligten Künstlers und mit der Unterstützung des gesamten Teams zu meistern ist. Müller-Kasztelan hatte die Partie des PAULs in dieser eher selten gespielten Oper zwar bereits vor vier Jahren gesungen, doch dazwischen lagen viele weitere Partien, die die Erinnerung an DIE TOTE STADT immer weiter in den Hintergrund drängten. Diese Erinnerungen galt es, aus dem Gedächtnis-Archiv zu befreien, und zudem sah er sich nun auch mit einem gänzlich neuen Regie-Konzept konfrontiert. Doch er stellte sich dieser Herausforderung mit Bravour. Sein PAUL trauerte mit jeder Faser seines Körpers: nicht enervierend jammernd sondern eher selbstzerstörerisch leidend, gefangen in einer Schattenwelt, die ihm mehr und mehr zu überrollen drohte. Müller-Kasztelan zeigte diesen psychischen Niedergang seiner Figur auch in seinem stimmlichen Ausdruck: Weniger Belcanto, dafür ließ er seinen mächtigen Charakter-Tenor voluminös erklingen und verdeutlichte die stetig ansteigende Anspannung seiner Bühnenrolle auch mit einer nuancierten Phrasierung. Neben diesen vokalen Ausbrüchen schaffte er es mit kleinen Gesten, z. Bsp. wenn er vorsichtig den Staub von den Bilderrahmen pustet, dass das Publikum mit PAUL fühlte und seine tiefe Trauer nachvollziehen konnte.

Ihm zur Seite stand Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson als MARIETTA, die überzeugend das Verruchte, Verführerische und Manipulative aus dieser Partie herauskitzelte. MARIETTA ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin – steht sie doch in ständiger Konkurrenz zu einer verherrlichten Verstorbenen. Da muss die Sängerin dieser Partie schon eine gehörige Portion Charisma mitbringen, um gegen eine (imaginäre) Heilige zu bestehen. Hoffmann-Thomson bestand und zeigte mit großer Stimme und wandlungsfähigem Spiel die Ambivalenz der Partie. Gemeinsam mit Müller-Kasztelan gefiel sie im gefühlvollen Duett im 1. Akt „Glück, das mir verblieb“ (Hit-Song Nr. 1).

Marcin Hutek veredelte die Doppel-Partie FRANK/FRITZ mit seinem warmen Bariton, bot im 2. Akt eine empfindsame Interpretation der Arie „Mein Sehnen, mein Wähnen“ (Hit-Song Nr. 2) und komplementierte die wunderbar aufeinander eingespielte Gauklertruppe, bestehend aus Victoria Kunze, Paula Meyer, Andrew Irwin und Anton Kononchenko, die gemeinsam so herrlich anarchisch und respektlos die Szenerie belebten und so für die humoristischen Momente in dieser Oper sorgten.

Klein aber fein: Mezzosopranistin Boshana Milkov überzeugte in der kleineren Partie der BRIGITTA und gestaltete diese mit schlichter Würde. Als ich sie im strengen schwarzen Kleid mit weißem Kragen auf der Bühne sah, erinnerte mich dies unwillkürlich an eine Figur aus einem weiteren Hitchcock-Klassiker, der es auch auf die Musiktheater-Bühne geschafft hat: MRS. DANVERS aus REBECCA (Nach MRS. LOVETT vielleicht ihre nächste lohnende Partie im Musical-Fach?).

Erich Wolfgang Korngold ließ bei der farbenreichen und schwelgerischen Partitur von DIE TOTE STADT seine spätere berufliche Tätigkeit (Komponist von Filmmusiken in Hollywood) bereits erahnen, und mit den beiden Hit-Songs konnte er auch seine Liebe zur Operette nicht verhehlen. Marc Niemann dirigierte seine letzte Oper als GMD, gönnte sich zum Abschied „das ganz große Besteck“ und schöpfte mit dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven aus den Vollen: Da fand er die feine Balance zwischen orchestraler Wucht, dem intensivierenden „Underscoring“ und einem beseelten Klang bei den Arien. Marc Niemann verlässt zum Ende der Saison das Stadttheater Bremerhaven und übernimmt die Aufgaben des Intendanten und Geschäftsführers beim Sendesaal Bremen. Ich wünsche ihm viel Erfolg. 

Regisseur und Bühnenbildner Johannes Pölzgutter schuf ein atmosphärisch dichtes Bühnenbild, das je nach Ausleuchtung und Positionierung bei mir unterschiedliche Assoziationen auslöste. Beinah beklemmend wirkte PAULs Refugium mit den unzähligen auf dem Boden verteilten Bilderrahmen auf mich, die beim Senken der Bühne unweigerlich an Grabsteine erinnerten. Die Totenmaske von MARIE erschien bedrohlich als Projektion. Auch die ständige Anwesenheit vom SCHATTEN VON MARIE (Mareile Melcher-Tönissen) ließ mich frösteln, insbesondere in der Szene, in der der SCHATTEN auf der Oberbühne die Hand hob, um sie PAUL, der sich auf der Unterbühne befand, imaginär auf die Schulter zu legen, und gleichzeitig auf PAULs Schulter eine echte Hand erschien. Es war gruselige und äußerst effektvoll.

Pölzgutter überzeugte mit einem extrem klug durchdachten Regie-Konzept. Die Sänger*innen schienen einem minutiös getakteten Ablauf zu folgen, bei dem Aktion und Reaktion eine sich ständig gegenseitig begünstigende Wechselwirkung eingingen. PAULs psychischen Niedergang empfand ich als so beklemmend, dass ich das Gefühl hatte, ich werde wie im Sog mit in den Abgrund gezogen. So schraubte der Regisseur gekonnt an der Spannung und dehnte diese bis ins Unerträgliche. Erst zum Finale schenkte er uns eine befreiende und alle Unklarheiten beseitigende Auflösung – ganz genau so, wie ich es von einem gut konzipierten Thriller gewohnt war.  Der „Master of Suspence“ wäre sicherlich mit seiner Arbeit zufrieden gewesen.


ANMERKUNG In einigen Zeitungsberichten zur Produktion wurde betont, wie bedauerlich es ist, dass Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson nach nur einer Spielzeit das Stadttheater Bremerhaven bereits wieder verlässt. Auch ich bedaure es. Doch ich gebe auch ehrlich zu, dass mich dieser Umstand (da dies seit Anfang der Spielzeit bekannt) weit weniger berührte, als die Nachricht, dass zwei langjährige Ensemble-Mitglieder das Theater verlassen werden. Nach meinem Kenntnisstand wurde darüber in der Presse kein Wort verloren. Bariton Marcin Hutek und Tenor Andrew Irwin verabschieden sich nach sechs bzw. fünf Jahren vom Haus. Ich hatte als Zuschauer das große Glück, sie in ihrer künstlerischen Entwicklung begleiten (vielmehr beobachten) zu dürfen. Beide haben ihre jeweiligen Partien – unabhängig vom Umfang – mit Professionalität, Feingefühl und Herzblut lebendig werden lassen. Es war mir immer eine Freude, sie auf der Bühne erleben zu dürfen.

Jungs, ich schätze euch als Künstler sehr, danke euch für die tollen Jahre in Bremerhaven und wünsche euch für die Zukunft von Herzen alles Gute! 💜


Dramatische Einblicke in die Proben vor der Premiere von DIE TOTE STADT gewährt uns die NORDSEE-ZEITUNG.

Ein lesenswertes Interview mit Tenor Michael Müller-Kasztelan gibt es auf DER OPERNFREUND zu entdecken.


Eile ist geboten: Der Opern-Thriller DIE TOTE STADT steht nur noch an wenigen Tagen im Mai auf dem Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. 

[Ausstellung] BUCHKUNST / Buchhandlung „die schatulle“ Osterholz-Scharmbeck

Dauer der Ausstellung: 20. April bis 9. Mai 2026 / Besuch: 21. April 2026
Buchhandlung „die schatulle“ in Osterholz-Scharmbeck


Manchmal stolpere ich über kleine Ausstellungen, die sich mir ganz unvermutet in den Weg stellen. In diesem Fall handelt es sich um ein Projekt zum Thema BUCHKUNST der Schüler*innen der 6. Klassen des Lernhauses im Campus. Im Profilkurs „Kunst“ fertigten sie aus aussortierten und/oder gespendeten Büchern sehr kreative Kunstwerke, die nun anlässlich des WELTTAGs DES BUCHES in der Buchhandlung meines Vertrauens ausgestellt werden.

Manche dieser sehr individuellen Upcycling-Kunstwerke wirken, als wären sie von einer bestimmten Geschichte inspiriert, andere widmen sich eher weltlichen Themen wie dem Umweltschutz, dem gesellschaftlichen Leistungsdenken oder dem jeweiligen Hobby der Kunstschaffenden. Doch auch der Wunsch nach Ruhe wurde thematisiert – ein Wunsch, der in unserer lauten, hektischen Welt sehr gut nachzuvollziehen ist.


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Bis zu 6 Monate arbeiteten die Kinder an ihren Werkstücken und benutzen zur Realisierung sowohl unterschiedliche Techniken, die teilweise recht anspruchsvoll waren, wie auch eine Vielzahl an Materialien, deren Verarbeitung durchaus sehr zeitaufwendig sein konnte.

So wurde das vorhandene Grundgerüst Buch mit Plüschfell überzogen, mit Naturmaterialien beklebt oder mit Aquarellfarben koloriert. Da wurden in die Buchseiten vorsichtig Löcher gefräst, diese mit Spachtelmasse bearbeitet und mit passenden Farben „gestrichen“, bis die Oberfläche z. Bsp. wie Beton wirkte. Zu einigen Kunstwerken wurden detailliert Miniaturen gebastelt oder die Seiten so gestaltet, dass sie beinah einem Pop-Up-Buch ähnelten. Bei allen Werken war die Ausgangsbasis das Buch weiterhin deutlich erkennbar.

Etliche Kunstwerke sind direkt im Schaufenster von „die schatulle“ zu bewundern, doch auch im Inneren des Ladens präsentieren sich die Kunstwerke inmitten der Bücherregale. Ich schlendere immer gerne durch „meine“ Buchhandlung, doch diesmal gab es für mich noch eine Portion Extra-Freude, wenn ich zwischen den regulär käuflich zu erwerbenden Büchern noch ein unverkäufliches Kunst-Unikat entdeckt. Da kam ich durchaus ins Grübeln, was das Genre des Standortes mit der Intension der Künstlerin/des Künstlers gemein haben könnte.

Der Besuch in einer Buchhandlung lohnt sich immer und in diesem Fall sogar doppelt!!!


Noch bis zum 10. Mai kann die BUCHKUNST der Schüler*innen des LERNHAUSes IM CAMPUS in der Buchhandlung DIE SCHATULLE bewundert werden.

[Oper] Giuseppe Verdi – LA TRAVIATA / Stadttheater Bremerhaven

Oper von Giuseppe Verdi / Libretto vom Francesco Maria Piave / nach dem Roman Die Kameliendame von Alexandre Dumas d.J. // in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Premiere: 14. März 2026 / besuchte Vorstellungen: 14. März 2026 & 23. Mai 2026

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Marc Niemann
INSZENIERUNG Katharina Kastening
BÜHNE & KOSTÜME Matthias Kronfuss
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Daniel Lang

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
MITARBEIT KOSTÜM Edin Spahic
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham, Tonio Shiga
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Josefine-Alicia Ocko


Es war der 6. März 1853 als sich im Teatro La Fenice in Venedig der Vorhang zur Uraufführung von LA TRAVIATA hob. Die Begeisterung der Zuschauer*innen hielt sich in überschaubaren Grenzen. Da wagte es dieser Verdi doch tatsächlich das Leben einer Prostituierten, die zudem auch noch mitten auf der Bühne an Schwindsucht stirbt, auf die Bretter zu stellen. Die Hautevolee von Venedig war empört. Doch was waren die Gründe für diesen Aufruhr? Ich wage zu spekulieren. Wahrscheinlich hatte das auf der Bühne gezeigte viel zu viel mit der Realität der Zuschauenden zu tun: Entweder saßen im Publikum Männer, die selber sich den Luxus einer Mätresse gönnten, und deren anwesende Gattinnen sicherlich nicht an diese Schmach erinnert werden wollten, oder es waren eben jene Damen des entsprechenden Gewerbes zugegen, die zwar stillschweigend geduldet wurden, aber nun befürchteten, dass ihr Berufsstand durch die Oper zu viel Aufmerksamkeit erfährt. Denn schließlich funktionierten besagte Arrangements nur dank strikter Diskretion.

173 Jahre später und ca. 1.000 km (Luftlinie) nördlicher hob sich abermals der Vorhang zu einer Premiere von LA TRAVIATA und löste schlussendlich auch hier beim Publikum einen kleinen Tumult aus. Allerdings erzürnte sich hier niemand über das auf der Bühne Gezeigte. Bremerhaven an der Weser blickt auf eine so facettenreiche Geschichte der Seefahrt, da gehören die „leichten Mädels“ zum Flair einer anständigen Hafenstadt einfach dazu. Vielmehr wurden diesmal die künstlerischen Leistungen der beteiligten Künstler*innen mit viel Jubel gefeiert – einem Jubel, dem ich mich nur allzu gerne anschloss, auch wenn einige Fragen für mich unbeantwortet blieben.


HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DER BESPROCHENEN INSZENIERUNG SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

HANDLUNG

1. AKT Violetta Valéry arbeitet in einem Edel-Escort-Club. Sie ist schwer krank, nimmt aber weiter an den berüchtigten Feiern ihrer Freundin Flora Bervoix teil. Dort gesteht der Charmeur Alfredo Germont ihr seine Liebe. Sie gibt ihm eine Kamelie und bittet ihn, zurückzukommen, sobald die Blume verblüht ist. Die Gäste verabschieden sich. Die beiden kommen sich näher. Doch Violetta spürt schon den Tod im Nacken. // 2. AKT Wenige Monate später leben die beiden zusammen. Violetta hat ihr Leben als Escort-Dame aufgegeben. Doch Alfredos Vater sieht den guten Ruf seiner Familie und die Verlobung seiner Tochter gefährdet. Die beiden sollen sich trennen. Schweren Herzens gibt Violetta nach – wissend, dass ihr sowieso nicht mehr viel Zeit bleibt. Sie schreibt Alfredo einen Brief, ihr früheres Leben wiederaufnehmen zu wollen. Alfredo findet sie auf einer Feier von Flora wieder – zusammen mit Barone Douphol, den sie schon länger kennt. Alfredo wird wütend. Zum Ärger der Gäste und seines Vaters stellt er Violetta bloß. Der Barone fordert Alfredo zum Duell. // 3. AKT Violetta liegt im Sterben. Als Escort-Dame kann sie schon lange nicht mehr arbeiten, ihren Besitz musste sie aufgeben. Alfredo hat das Duell überlebt und sucht Violetta reumütig auf, um sich zu entschuldigen. Auch sein Vater fühlt sich schuldig, den beiden so viel Leiden bereitet zu haben. Noch einmal zieht Violettas Leben an ihr vorbei. War alles nur ein Traum? 

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Das Stadttheater Bremerhaven bietet jungen Regisseur*innen immer wieder gerne die Möglichkeit, ihre Profession zu verfeinern und sich weitere Sporen zu verdienen. Für LA TRAVIATA warf Katharina Kastening einen frischen Blick auf die bekannte Geschichte, fand einige bemerkenswerte Neuinterpretationen und versetzte die Handlung ins Heute: VIOLETTA ist auf ihrer Flucht vor dem Krieg in der Ukraine mit ihren beiden Kindern in Paris gestrandet. Der Vater ihrer Kinder ist an der Kriegsfront ums Leben gekommen. VIOLETTAs Handlungen erhielten dadurch eine gänzlich andere Motivation. Diese Hintergrundinformationen erfuhren wir in den Krankenhaus-Szenen dank der gelungenen Videoeinspielungen. Der Chor war nicht nur „schmückendes Beiwerk“, sondern wurde bei Kastening zur machtvollen Einheit, zur dunklen Bedrohung, zum nahenden Tod, der VIOLETTA stets auf den Fersen war, und dem sie nicht entkommen konnte. Als der Tod unausweichlich schien, ließ die Regisseurin die Kulissen der vorangegangenen Szenen abermals vom Schnürboden schweben, beinah so als würde sich vor VIOLETTAs inneren Augen ihr Leben wie im Film zum letzten Mal abspulen.

Katharina Kastening ließ sich von Matthias Kronfuss, der gemeinsam mit Edvin Spahic auch die stimmigen Kostüme schuf, ein Bühnenbild entwerfen, das sehr viel fürs Auge bot und mich durch seinen Realismus zum Staunen brachte: vom noblen Nachtclub im samtenen Rot und dem stylische Loft von FLORA über die sanierungsbedürftige Altbauwohnung von VIOLETTA und ALFREDO und dem sterilen Krankenhausflur. Doch leider konnten mich die Szenen im Nachtclub und im Loft wenig berühren: Hier schien die Optik den Emotionen im Weg zu stehen und diese zu überdecken bzw. zu erdrücken. Aber vielleicht war genau dies die Intention der Regisseurin, die VIOLETTA und ihre Hostessen-Kolleginnen in einem uniformierten Style auftreten ließ: Individualität überfordert die Kundschaft, gewollt ist der gefällige Einheits-Look – beinah so als würde ich mir die aufgepimpten Accounts so mancher Influencerinnen anschauen. Erst als VIOLETTA ihre helmartige Perücke abstriff, erschien ein echter Mensch unter dieser Maskerade.

Da wundert es nicht, dass mich die intimeren Szenen in der Altbauwohnung und auf dem Krankenhausflur umso mehr berührten. Hier schuf Kastening für ihre Figuren Spielräume, in denen sie ganz privat sein konnten, und wo es ihnen ein Verstecken hinter Masken und Konventionen unmöglich machte. Klug war es, dem Publikum stets eine Möglichkeit zu bieten, um hinter die Kulisse, hinter die Fassade zu blicken. Denn hier auf einer eigenen Tribüne mit bestem Blick auf das Geschehen lauerte der Tod in Form des Chores und wartete auf die Gelegenheit, um zuzuschlagen.

Die Sänger*innen des Opernchores sowie des Extra-Chores boten unter der versierten Leitung von Edward Mauritius Münch nicht nur eine gesanglich runde Leistung, sondern waren individuell schwarz gewandet und mit wächsernen Gesichtern als stets präsenter Tod sehr bedrohlich. Marc Niemann entlockte dem Philharmonischen Orchester eine detailreiche Interpretation von Verdis Kompositionen – einerseits voller Klangfülle, dann wieder sehr klar und feinnervig differenziert.

Vielleicht war dieser Bruch zwischen den beiden Lebenswelten auch der Grund, dass Timothy Edlin, Andrew Irwin, Masahiro Yamada und James Bobby als spendable Kunden auf FLORAs Partys in plakative Stereotypen verharren mussten und so in ihrer Darstellung der Figuren nur hohle Klischees bedienten. Im Gegenteil dazu stellte Paula Meyer (Neuzugang im Opernchor) als ANNINA eine Figur auf die Bühne, die atmete und so ehrliche Emotionen vermittelte. Boshana Milkov konnte bei den wenigen Phrasen, die sie als FLORA BERVOIX solistisch zu leisten hatte, leider nur wenig von ihrem Gesangstalent zeigen, glich dies mit einer immensen Bühnenpräsenz aus und bot in den sensationellen Kostümen rassig-mondäne Auftritte.

Weilian Wang zeigte optisch einen markigen ALFREDO GERMONT und sang die Partie mit tenoraler Kraft, dann wieder zart und mit fein-nuancierter Phrasierung. Leider konnte (evtl. auch: sollte) er mit seiner Interpretation nicht gänzlich meine Sympathie gewinnen. Auf mich wirkte er wie ein verwöhnter Schnösel, bei dem ich mir seiner Beweggründe nie völlig sicher war: Litt er wahrhaftig mit VIOLETTA, oder war es eher Selbstmitleid gepaart mit gekränkter Eitelkeit? Umso sicherer galt meine Sympathie dem GIORGIO GERMONT von Marcin Hutek, der weniger als der alles beherrschende Patriarch auftrat, als vielmehr der liebende Vater, der um das Wohl seiner Familie besorgt war und dem es das Herz bricht, dass er zum Wohle seiner Tochter einer anderen jungen Frau das Glück verwehrte. Seinen warmen, noblen Bariton paarte Hutek mit einem gefühlvollen und nuancenreichen Spiel und war so für Victoria Kunzes VIOLETTA ein viel intimerer Gegenpart als ALFREDO. Vielleicht hatte die Regisseurin aber auch hier bewusst die tradierten Rollenbilder von Vater und Sohn umgekehrt, um neue Blickwinkel auf die Partien zu ermöglichen.

Hatte ich am Abend der ERÖFFNUNGSGALA nach dem Vortrag der Arie „Libiamo, ne´lieti calici“ noch die Befürchtung, dass bei dieser LA TRAVIATA der eher lyrische Sopran von Victoria Kunze durch den potenten Tenor von Weilian Wang überdeckt werden würde, so zeigte sie nun mit einer bewundernswerten Sicherheit die Fülle ihrer Stimme, ohne an Flexibilität und lyrischer Ausdruckskraft einzubüßen. Da stimmten die großen Gesangslinien ebenso wie die anspruchsvollen Koloraturen. Kompromisslos schlüpfte sie in die Haut von VIOLETTA VALÉRY. Auch sie ließ ihre Figur atmen und verschaffte ihr so Substanz und emotionale Tiefe. Manchmal genügte nur eine kleine Geste oder auch ein Blick, um die Tragik zu offenbaren. Und gerade diese kleinen Gesten und Blicke, die auf der großen Bühne allzu oft übersehen werden, waren es, die umso mehr mein Herz rührten und mich mit dieser starken Frau mitleiden ließen. Victoria Kunzes Rollendebüt als VIOLETTA VALÉRY war absolut grandios! BRAVISSIMO!

Ja, durchaus, bei dieser Inszenierung blieben einige Fragen für mich unbeantwortet. Tja, dann muss ich mich wohl oder übel ein weiteres Mal auf den Weg nach Bremerhaven machen, um Antworten auf diese unbeantworteten Fragen zu erhalten. Nicht nur VIOLETTA ist zu einem Opfer bereit! 😉


Wer erfahren möchte, wie „glamourös“ das Leben einer Diva neben und hinter der Bühne ist, der kann Sopranistin Victoria Kunze gerne dabei über die Schulter schauen.

Zusätzliche Eindrücke vom Bühnenbild erhaltet ihr hier.


Selten wird auf der Bühne so herzzerreißend gelitten wie in der beliebten Verdi-Oper: Insgesamt nur 8 Mal steht LA TRAVIATA auf dem Spielplan des Stadttheaters Bremerhaven. Also: hurtig Karten ordern!

[Ausstellung] ERINNERN HEISST KÄMPFEN! Zwischen Anerkennung und Vergessen / Rathaus Osterholz-Scharmbeck

Dauer der Ausstellung: 10. bis 20. Februar 2026 / Besuch: 13. Februar 2026
Unteres Foyer/ Rathaus in Osterholz-Scharmbeck


Das staunte ich nicht schlecht, als ich morgens am Tag meines Besuchs der Ausstellung die Rollläden vor den Fenstern lupfte, und die Welt wieder im satten Weiß erstrahlte. Kurz war ich mit mir uneins, ob ich das regnerische Grau der letzten Tage oder das heutige Weiß besser finden sollte. Rein aus ästhetischen Gründen favorisierte ich dann doch eher den nass-kalten Schnee, der den Schmutz der letzten Tage gnädig bedeckte.

Was allerdings niemals „bedeckt“ und somit verschwiegen werden sollte, sind die Gewalt-Taten, die durch Täter mit rechtsextremer Gesinnung verübt wurden. Die Wanderausstellung ERINNERN HEISST KÄMPFEN! setzt ein Zeichen der Aufklärung. Sie entstand unter der Ägide von Mobile Beratung Niedersachsen gegen Rechtextremismus für Demokratie und wurde organisiert von OMAS GEGEN RECHTS OHZ in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Demokratie OHZ.

Die Ausstellung umfasst 25 Schautafeln, die höchst informativ einen Überblick schaffen, u.a. was unter „rechte Gewalt“ verstanden werden kann, und wie sie im gesellschaftlichen Kontext zu sehen ist. Dabei musste ich ernüchternd erfahren, dass dies kein Phänomen der jüngeren Vergangenheit ist. Vielmehr gab es bereits in den 90er Jahren entsprechend rechtsextremistische Vorkommnisse, die aber ängstlich nicht als solche erkannt bzw. benannt wurden. Gemäß dem Zitat von Christian Morgenstern „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“ wurden die Augen vor der drohenden Ausbreitung verschlossen bzw. diese verharmlost.


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Doch im Mittelpunkt der Ausstellung stehen exemplarisch 10 Schicksale von Menschen, die rechter Gewalt ausgesetzt waren und oft durch sie auch getötet wurden. Dabei wurden viele dieser Taten nicht von Polizei und Justiz als rechts eingestuft, obwohl es oft deutliche Anzeichen gab. Da stellte ich mir mit Schrecken die Frage „Wie hoch ist da wohl die Dunkelziffer?“.  Alle Betroffenen waren keine Zufalls-Opfer, sondern wurden von den Tätern bewusst ausgewählt, da sie aufgrund ihrer Überzeugung, ihrer Herkunft oder ihrer Lebensumstände vom rechten Pöbel als „unwertes Leben“ angesehen wurden. Wie tief muss der Schmerz bei den Familien und Freunden der Opfer sitzen: Sie hatten nicht nur einen geliebten Menschen verloren, sondern auch die wahren Hintergründe zur Tat wurden nicht anerkannt.

Umso wichtiger ist es, dass wir Orte und Formen der Erinnerung schaffen: Die Ausstellung schließt mit einigen Beispielen. Einerseits sind wir es den Opfern – den bekannten wie auch den vielen unbekannten – schuldig, sie vor dem Vergessen zu bewahren, andererseits müssen wir sorgen, dass rechtes Gedankengut nicht als Bagatelle, als Normalität angesehen wird. Der Rechtsextremismus mit seiner menschenverachtenden Ideologie ist eine Gefahr für unsere Demokratie, eine Gefahr für Solidarität und Menschlichkeit.

Die Ausstellung ERINNERN HEISST KÄMPFEN! fordert ihre Besucher heraus, sowohl aufgrund der Relevanz des Themas, als auch bezüglich der Fülle an Text. Diese Fülle sollte aber bitte niemanden abschrecken, den Text auf den Schautafeln vor Ort zu lesen. Ich habe vielmehr die Erfahrung gemacht, dass ich – hatte ich erstmal den Einstieg in den Text gefunden – mich schnell „festgelesen“ hatte. Zudem erhält man vor Ort einen tollen Ausstellungkatalog, in dem alle Informationen nochmals nachgelesen werden können.


Viele Informationen mit Nennung der weiteren Stationen der Ausstellung findet ihr auf der Homepage ERINNERN HEISST KÄMPFEN!.

[Musical] Stephen Sondheim – SWEENEY TODD / Stadttheater Bremerhaven

Musik und Gesangstexte von Stephen Sondheim / Buch von Hugh Wheeler / nach dem gleichnamigen Stück „Sweeney Todd – The Demon Barber Of The Fleet Street“ von Christopher Bond / Orchestrierung von Jonathan Tunick / deutsche Fassung von Wilfried Steiner und Roman Hinze  // in deutscher Sprache

Premiere: 31. Januar 2026 / besuchte Vorstellungen: 31.01.2026, 07.03.2026 & 18.04.2026

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Davide Perniceni / Tonio Shiga (07.03. & 18.04.)
INSZENIERUNG Toni Burkhardt
BÜHNE Wolfgang kurima Rauschning
KOSTÜME Adriana Mortelliti
DRAMATURGIE Torben Selk
CHOR Edward Mauritius Münch
LICHT Daniel Lang

REGIEASSISTENZ & ABENDSPIELLEITUNG Annika Ellen Flindt
STUDIENLEITUNG Hartmut Brüsch
MUSIKALISCHE EINSTUDIERUNG Jorrit van den Ham, Tonio Shiga
INSPIZIENZ Mahina Gallinger
THEATERPÄDAGOGIK Katharina Dürr
REGIEHOSPITANZ & FSJ KULTUR Josefine-Alicia Ocko


Es war der Montag vor der Premiere. Die Kostprobe zu SWEENEY TODD war vorüber: Über 2 Stunden boten uns das Produktionsteam und das Ensemble einen informativen wie kurzweiligen Einblick ins Werk. Vollbepackt mit Eindrücken begaben wir uns Richtung Ausgang, als eine Stimme vor mir mich aufhorchen ließ. Ich erblickte ein typisches Paar des Bildungsbürgertums: Während er raumgreifend und unüberhörbar palaverte, hing sie an seinen Lippen und ließ sich von ihm die Welt erklären. So nölte er recht lautstark, dass diese Musik „typisches Musical-Pling-Pling“ sei und somit wenig anspruchsvoll wäre. Komisch, mir persönlich erschienen bisher die Kompositionen von Wolfgang Amadeus Mozart immer gefälliger und zugänglicher als die von Stephen Sondheim. Doch leider (!) firmiert sich SWEENEY TODD unter der Rubrik „Musical“. Stände auf dem Etikett „zeitgenössische Oper“, dann hätte er wahrscheinlich die innovative Komposition über alle Maßen gelobt. So pflegte er hingebungsvoll seinen Standesdünkel und suhlte sich genüsslich in einer fragwürdigen Gewissheit, dass er ein Kenner der Materie sei. Er wäre nicht der Erste (und leider auch nicht der Letzte), der aufgrund einer vorgefassten wie unumstößlichen Meinung einen spannenden Theaterabend verpassen würde. Bleibt ihm nur zu wünschen, dass er aufgrund der enganliegenden Scheuklappen nicht ins Straucheln gerät.

Apropos Spannung: Der Tag der Premiere war da! Wir saßen fiebernd vor Spannung im Zuschauersaal und schraken zusammen als aus dem Orchestergraben die ersten dunklen, unheilvollen Töne der Orgel, die die Ouvertüre einleitete, erklangen. Das tückische Spiel um Liebe, Leid, Wahnsinn und Rache konnte beginnen. Ein geläufiges Sprichwort lautet „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.“ und bedeutet, dass Rache genussvoller ist, wenn sie weniger impulsiv sondern vielmehr wohlüberlegt und mit Bedacht ausgeführt wird. SWEENEY TODD bildet da die Ausnahme: Hier wird die Rache heiß serviert, so heiß wie Mrs. Lovetts Pasteten – frisch und dampfend direkt aus dem Ofen…


HANDLUNG

VORGESCHICHTE Der Barbier Benjamin Barker führte einst ein glückliches Leben mit seiner Frau Lucy und der gemeinsamen Tochter Johanna, bis Richter Turpin ihn unschuldig nach Australien verbannen ließ. Turpin missbrauchte Lucy und nahm Johanna als Mündel bei sich auf. Barker verschwand. Sein Glück blieb zerstört zurück. // 1. AKT Fünfzehn Jahre später kehrt Barker unter dem Namen Sweeney Todd nach London zurück – begleitet vom jungen Seefahrer Anthony Hope. Von Rache getrieben, sucht Sweeney seine alte Heimat auf und trifft auf Mrs. Lovett, die Besitzerin eines heruntergekommenen Pastetenladens. In ihren Räumen nimmt er sein früheres Handwerk als Barbier wieder auf. Eine geheimnisvolle Bettlerin scheint mehr zu wissen, als gut ist. Anthony verliebt sich in Johanna und fasst den Entschluss, sie aus Turpins Gewalt zu befreien. Sweeney und Mrs. Lovett begegnen dem selbsternannten Wunderbarbier Adolfo Pirelli und dessen Gehilfen Tobias Ragg. Ein öffentlicher Wettstreit entscheidet über Können und Ruhm. Sweeney gewinnt. Doch Pirelli will ihn erpressen. Ein fataler Fehler: Sweeney bringt ihn um. Kurz darauf steht ausgerechnet Richter Turpin vor seiner Tür. Die Rache ist greifbar nah. Doch Anthony platzt dazwischen, Turpin entkommt. Außer sich vor Wut fasst Sweeney einen mörderischen Entschluss: Von nun an soll kein Kunde seinen Laden lebend verlassen. Mrs. Lovett liefert die pragmatische Idee zur Verwertung der Leichen: als Pasteten. // 2. AKT Mrs. Lovetts Geschäft floriert. Sie träumt von einer gemeinsamen Zukunft mit Sweeney. Johannas Situation hingegen verschlimmert sich dramatisch: Weil sie Turpin die Ehe verweigert, wird sie in eine Irrenanstalt gesperrt. Sweeney und Anthony planen ihre Befreiung und nutzen Johanna zugleich als Köder. Turpins Ende scheint besiegelt. Doch Rache fordert ihren Preis.

(Inhaltsangabe dem Programmheft zu dieser Produktion entnommen.)


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Regisseur-Tausendsassa Toni Burkhardt brachte die Drehbühne zum Rotieren. Filmische Abläufe, in denen sich Szene an Szene reiht und so die Handlung im stetigen Fluss bleibt, sind anscheinend sein Markenzeichen und bei einem Werk wie SWEENEY TODD auch unabdingbar – zumal einige Szenen sich parallel zueinander abspielen. Er vermied wohltuend allzu Plakatives, Klamaukhaftes bzw. Burlesques. Seine Personenzeichnung war präzise, seine Figuren durften ambivalent sein, ihre Intentionen waren glaubhaft und nachvollziehbar. Fein steigerte er die Emotionalität seiner Inszenierung und dehnte Millimeter für Millimeter den Faden der Spannung, bis es beinah für uns als Zuschauende unerträglich erschien.

Bühnenbildner Wolfgang kurima Rauschning schuf auf der Drehbühne ein verschachteltes wie wohldurchdachtes Konstrukt über mehrere Ebenen, mit dem je nach Grad der Drehung bzw. durch die effektvolle Ausleuchtung immer wieder neue Spielräume geschaffen wurden. Stimmungsvolle Hintergrundprojektionen vervollständigen diesen Look. Adriana Mortelliti zitierte in ihren Kostümentwürfen den beliebten Steampunk und schlug so einen gelungenen Bogen von der viktorianischen Epoche zur modernen industriellen Zeit. Zudem passte dieser Stil ganz hervorragend zur dystopischen Grundstimmung dieses Werks, aus dessen Dunkel Mortelliti die Kostüme von Mrs. Lovett (pink-orange, blutrot) und Johanna (weiß, hellblau) zueinander konträr leuchten ließ und so bereits optisch Rückschlüsse auf den Charakter der jeweiligen Figur ermöglichte.

Die anspruchsvolle Partitur von Stephen Sondheim war beim musikalischen Leiter Davide Perniceni und dem Philharmonischen Orchester Bremerhaven in den allerbesten Händen. Differenziert und fein nuanciert kamen Balladen und Duette zu Gehör, um dann mit dem nötigen Druck die Chorpassagen voluminös zu umrahmen.

Die Sänger*innen des Chores am Stadttheater Bremerhaven (Leitung: Edward Mauritius Münch) boten wieder Erlesenes: Beeindruckend kraftvoll in den Ensemble-Passagen, dann wieder reduziert wie ein griechischer Chor der Antike, der das Geschehen reflektiert und das Handeln der Solist*innen kommentiert.

Gustavo Oliva schlüpfte höchst amüsant in die Schuhe des Quacksalbers ADOLFO PIRELLI. Róbert Tóth gab einen diabolischen MR. FOGG. Der BÜTTEL BAMFORD von MacKenzie Gallinger war einerseits ekelerregend schmierig, zeigte andererseits komische Attitüden. Iris Wemme-Baranowski bot als BETTLERIN eine ergreifende Performance zwischen Wahnsinn und Wut, zwischen Mitleid und Abscheu.

Nuno Dehmel porträtierte TOBIAS RAGG als unbedarften, jungen Mann, der aufgrund seiner kognitiven Einschränkung manches nicht versteht aber dafür sensibler auf Zwischenmenschliches reagiert. Den Song  „Not While I’m Around“ gestaltete er mit schlichter Würde. Timothy Edlin lieferte als RICHTER TURPIN mit seinem dunklen Bass und einem nuancierten Spiel eine beängstigend abstoßende Charakterstudie eines Machtmenschen, der eben jene Macht wie selbstverständlich missbrauchte und sich von seinen Trieben leiten lässt.

Als JOHANNA BARKER wirkte Caroline Hat ebenso zerbrechlich und zwitscherte ebenso zart wie die Vögelchen, mit denen sie sich beschäftigte, zeigte sich allerdings als mutige und charakterfeste junge Frau. Im Laufe seines Engagements am Stadttheater Bremerhaven hat Andrew Irwin sich zu einem exzellenten Liedinterpreten entwickelt. Als ANTHONY HOPE zeigte er abermals sein Können u.a. bei „Johanna“, das er mit feinen Nuancen und höchst sensibel intonierte.

In der Vergangenheit gewann ich den Eindruck, dass die Partie der MRS. LOVETT gerne unterschätzt wird. Viele haben da die Filmfassung mit Helena Bonham Carter in Erinnerung, die eher haucht als singt. Auf der Bühne schlüpften gerne prominente Schauspielerinnen (Christine Baranski, Emma Thompson, Imelda Staunton) in die Rolle, die alle aus ihrer reichhaltigen Expertise schöpften und ihr so ihren persönlichen Stempel aufdrückten. Dabei wurde allerdings mal mehr, mal weniger dem Sprechgesang gehuldigt. Wobei für mich von allen MRS. LOVETTs, die ich bisher auf Tonträger hören durfte, die wunderbare Angela Lansbury unerreicht ist. Die Partie ist sehr schnell, und es gibt viele Wechsel in der Betonung. Da ist es unumgänglich, dass die Darstellerin genauestens vorbereitet sein muss, um höchst präzise arbeiten zu können.

In Bremerhaven band sich nun Mezzosopranistin Boshana Milkov die Schürze der geschäftstüchtigen Pastetenbäckerin um und meisterte diese musikalisch wie technisch herausfordernde Partie bravourös. Dabei zeigte sie allein aufgrund ihres jungen Alters eine gänzlich neue Facette dieser Rolle. Beinah mädchenhaft naiv ließ Milkov ihre MRS. LOVETT sich in eben jene Jungmädchenträume verlieren. Da sehnte sie sich nach Zweisamkeit, Zärtlichkeit, Familie und dem eigenen Kind. All dies hatte das Objekt ihrer Begierde SWEENEY TODD in der Vergangenheit bereits besessen (Verständlich, dass sie alles, was ihn an diese Vergangenheit erinnerte, auf Abstand hielt.). Sie war so voller Sehnsucht, da schien ihr auf dem Weg zum Ziel jedes Mittel recht. Gekonnt switchte Milkov zwischen den Extremen. Da war sie einerseits die mütterliche Freundin für TOBIAS RAGG, andererseits die durchtriebene Mord-Komplizin unseres Titelhelden, den sie mit üppiger Erotik für sich zu gewinnen versuchte: Da vibrierte die Stimme, da bebte der Busen. Wie bisher ihre Pasteten an die Kundschaft, bot sie nun sich selbst dem Manne feil. Zudem war es ein Genuss, in dieser Rolle endlich einer Darstellerin zu lauschen, die auch tatsächlich singen kann.

Den Song „A Little Priest“, in dem sich MRS. LOVETT gemeinsam mit SWEENEY TODD fragt, wie wohl welche Berufsgruppe schmecken könnte, gestaltete Boshana Milkov gemeinsam mit Frank Josef Winkels so köstlich boshaft und triefend vor schwarzem Humor. Frank Josef Winkels ließ seinen markanten Bariton im gleichen Maße gefährlich brummend wie auch warm einlullend erklingen. Sein SWEENEY TODD war nicht der kalte Rächer sondern zeigte auch sehr viel Menschlichkeit und Humor: Da umspielte ein Lächeln seine Lippen und ein schelmischer Blick blitzte aus seinen Augen. Beinah beiläufig ließ er die Morde an sich abgleiten, dabei wirkte er weniger emotionslos als vielmehr erschöpft von der Welt – durch das, was er im Leben erdulden musste. Frank Josef Winkels stattete seinen SWEENEY TODD mit einer wohldosierten Aura der Melancholie aus, die auch bei seiner Interpretation der Songs zum Tragen kam, wie z. Bsp. beim Reprise von „Johanna“ als Quartett im 2. Akt (Gänsehaut!). Doch dann brachen wie bei „Epiphany“ die Emotionen wieder mit einer solchen Macht aus ihm heraus, dass er zwangsläufig ein Feld der Verwüstung hinterließ. Winkels bot ein absolut rundes Rollenprofil zwischen Bad Guy und geschundener Kreatur.

Standing Ovation mit Johlen, Pfeifen und Bravo-Rufe sowie einem Applaus, der mich in die Nähe eines Erschöpfungszustands brachte: Es war einer jener wunderbaren Theaterabende, die nachhallen und so lange in Erinnerung bleiben. Das Stadttheater Bremerhaven hatte es wieder einmal geschafft, spannendes Musiktheater auf hohem Niveau zu präsentieren!


Nachtrag zum 7. März 2026: Da hatte die Grippe auch mich gefordert und mich schweren Herzens gezwungen, die geplante Abo-Vorstellung am 1. März auszusetzen. Ich hatte es so sehr bedauert, dass ich nicht widerstehen konnte und sechs Tage später für die Vorstellung an diesem Tag eine der letzten Karten ergatterte. So saß ich voller Vorfreude bereits auf meinem Platz im Zuschauersaal, als ich mich nochmals erheben musste, um einen Herren durchzulassen, der direkt neben mir Platz nahm. Ich grübelte noch, woher mir sein Gesicht so bekannt vorkam, als er Notiz-Block und Kugelschreiber zückte und begann, die ersten Stichworte zu notieren. Neben mir saß Kai Wulfes, Redakteur vom Online-Portal MUSICALZENTRALE. Bereits in der vergangenen Saison saßen wir am selben Tag in einer Vorstellung von MY FAIR LADY. Damals holte er nach seinem Besuch zu einem so handfesten Verriss aus, dass ich mich ernsthaft fragte, ob wir beide tatsächlich dieselbe Vorstellung gesehen hatten. Mir hatte die Inszenierung ausgesprochen gut gefallen. Nun saß er direkt neben mir, und ich überlegte kurz, ob ich mich als „Kollege“ zu erkennen geben sollte. Doch ich entschied mich, lieber dezent im Hintergrund zu bleiben. Stattdessen brüllte ich ihm meine Bravo-Rufe so laut in die Ohren, dass sicherlich seine Trommelfelle vibrierten. Sein Kurz-Fazit, das er noch am selben Abend veröffentlichte, war schon sensationell. Doch seine Rezension zu SWEENEY TODD war absolut grandios.

Lieber Herr Wulfes, herzlichen Dank für diese wundervolle Kritik. Da verzeihe ich ihnen auch gerne den Verriss zu MY FAIR LADY. ☺️


Am Stadttheater Bremerhaven bieten der rachsüchtige SWEENEY TODD und seine durchtriebenen Komplizin Mrs. Lovett noch bis April 2026 „die schlechtesten Pasteten in London“ feil. Von einer Verkostung wird dringend abgeraten! 😆

[Ausstellung] MACHT MEDIEN! / Medienhaus Osterholz-Scharmbeck

Dauer der Ausstellung: 12. bis 30. Januar 2026 / Besuch: 15. Januar 2026
Medienhaus im Campus in Osterholz-Scharmbeck


Der letzte Rest vom Schnee lag noch verkrustet am Straßenrand, um sich erfolglos dem tauenden Regen zu widersetzen. Der Himmel zeigte sein typisch norddeutsches Grau. Was sollte ich nur mit einem solch trüben Tag anfangen? Ich tendierte stark, mich dem gemütlichen Dreigestirn Sofa, Wolldecke und Buch hinzugeben. Doch könnte ich ebenso meinen Hintern aus dem Haus und in Richtung Campus bewegen, um mir die Wanderausstellung MACHT MEDIEN! anzuschauen.

Desinformationen, Fake-News, Medienkonsum, Meinungsfreiheit: Mit diesen Schlagwörtern wurde ich auf dem Plakat zur Ausstellung im Eingangsbereich des Medienhauses auf dem Campus meiner Heimatstadt begrüßt. Von diesen vier Schlagwörtern bzw. von ihren Ausprägungen fühle ich mich tatsächlich vermehrt ge-schlagen – Ja! – sogar manches Mal er-schlagen. Ärgere ich mich doch selbst sehr über diese (für mich) sinnbefreiten KI-Fotos, den Gewalt verharmlosenden Filmchen und den gefakten Nachrichten, denen ich bei meinen Sitzungen auf den so genannten Sozialen Medien zunehmend ausgesetzt bin.

Statt aufzuklären schüren diese Desinformationen eher meine Aggressionen, da sie einen schädlichen Umgang miteinander „normalisieren“, der nicht meinen Werten als Mensch entspricht. Mir sind meine aufkeimenden Aggressionen durchaus bewusst, und ich kann für mich einordnen, wo der Ursprung liegt, und mich diesem entziehen. Doch viele Menschen nehmen diese „Informationen“ für wahr und lassen sich von ihnen manipulieren.


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Diese Ausstellung wurde konzipiert und erdacht u.a. vom Servicebureau Jugendinformationen und dem Weser Kurier, der führenden Tageszeitung unserer Region, und befindet sich seit geraumer Zeit auf Wanderschaft durch Schulen und Bildungseinrichtungen in Bremen und dem Bremer Umland.

Als Besucher begleitete ich die drei Jugendlichen Moe, Ava und Alex bei ihre Reise durch den Medien-Dschungel: An insgesamt 12 Stationen beschäftigten wir uns mit Fragen wie…

  • „Warum Pressefreiheit und Demokratie Hand in Hand gehen?“
  • „Wie steht es um die Pressefreiheit weltweit?“
  • „Warum haben Fotos Macht?“
  • „Was sind Desinformationen?“
  • „Wie kann ich Desinformationen erkennen?“
  • „Wie geht seriöser Journalismus?“
  • „Warum brauchen wir seriösen Journalismus?“
  • „Welche Macht haben Medien auf unsere Emotionen?“
  • „Welche Macht haben Soziale Medien?“

…und erhielten kompetente Antworten. So war es interessant, auf einer Weltkarte ein Land anzutippen, um zu erfahren, auf welchem Platz auf der Rangliste der Pressefreiheit es sich befindet. Der jeweilige Platz auf dieser Rangliste ist natürlich abhängig von der politischen Führung des Landes. Deutschland steht sehr gut da, deutlich besser als die USA seit dem Amtsantritt des amtierenden Präsidenten. Kaum verwunderlich, oder?

Bereits zu Beginn der Ausstellung wird auf das Grundgesetz Art. 5 (1) hingewiesen:

Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.

Diese Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Doch birgt dies nicht auch die Gefahr, dass dieses Gut missbräuchlich zum Einsatz kommt? Doch auch auf diese Frage lieferte mir diese Ausstellung eine eindeutige Antwort, mit der ich mich vollumfänglich identifizieren konnte:

Grundsätzlich ist die Meinungsfreiheit in Deutschland durch das Grundgesetz geschützt. Es gibt jedoch klare Grenzen, insbesondere bei Äußerungen, die die Würde anderer verletzen oder zu Hass und Gewalt aufrufen.

Die Ausstellung MACHT MEDIEN! wurde sehr modern im Stil der Comic Art gestaltet, bietet knackige Informationen in Text und Bild und lädt an einigen Stationen ein, interaktiv zu agieren. Die Informationen sind gut recherchiert, aufschlussreich und regen zum Nachdenken an. Spielerisch wurde ich so animiert, meine Sicht auf die Medien zu optimieren und mein eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen.


Informationen zur aktuellen Station der Wanderausstellung findet ihr auf der Homepage des MEDIENKOMPETENZZENTRUMs, oder ihr werft einen Blick direkt auf die Seite von MACHT MEDIEN!.

[Konzert] Adventskonzert MERRY CHRISTMAS / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Georg Friedrich Händel, Tom A. Kennedy, César Franck, Morten Lauridsen, Johann Sebastian Bach, Gustav Holst, Georges Bizet, Jesse Edgar Middleton, James Bobby, John Williams sowie traditionelle Weihnachtslieder

Premiere: 30. November 2025/ besuchtes Konzert: 27. Dezember 2025

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


DIRIGENT & MODERATION Hartmut Brüsch 
CHOR Edward Mauritius Münch
SOLIST:INNEN  Meredith Hoffmann-Thomson, Boshana Milkov, Weilian Wang, Timothy Edlin

Opernchor des Stadttheaters Bremerhaven
Philharmonisches Orchester Bremerhaven
Kinderchor des Stadttheaters Bremerhaven
Kinder- und Jugendchöre der Musikschule Geestland

ORGANISATION & STIMMBILDUNG KINDERCHOR Katharina Diegritz
EINSTUDIERUNG KINDER- UND JUGENDCHÖRE DER MUSIKSCHULE GEESTLAND Gabriele Brüsch


An den Tagen zwischen den Feiertagen habe ich in jedem Jahr erneut das Gefühl, als würde sich die Welt langsamer drehen, so als würde sie – nur für diese wenigen Tage – ausgebremst werden. Natürlich ist mir bewusst, dass dies leider nicht der Fall ist: Die Welt dreht und dreht und dreht sich unbeirrbar, und irgendwo auf ihr passieren ungeheure Ungerechtigkeit – auch jetzt in diesem Moment, in dieser Sekunde.

Doch ich brauche am Ende eines ereignisreichen Jahres diese kurze Zeitspanne so sehr, um atmen zu können, zur Ruhe zu kommen und auch um zu träumen. Die Wochen vor Weihnachten brachten mir noch eine gehörige Portion Aufregung und sorgten so für reichlich Verwirrung. Doch nun waren alle Unsicherheiten beseitigt, und auch die vor-weihnachtliche Hektik war von mir abgefallen. Entsprechend entspannt machte ich mich auf den Weg in Richtung Bremerhaven, um einen Tag nach Weihnachten beim Adventskonzert MERRY CHRISTMAS die besinnliche Zeit nochmals „nachzuschmecken“. Der Weihnachtsmarkt in der Seestadt dauert traditionell bis zum 30. Dezember an, und so drehte sich auf dem Theodor-Heuss-Platz vor dem Theater immer noch das bunt beleuchtete Riesenrad. Von den geschmückten Buden wehten köstliche Düfte zu mir herüber: Bratwürstchen und Churros munden auch nach Weihnachten gar köstlich!

Nachdem der Leib im ausreichenden Maße gefüttert wurde, waren nun Herz und Hirn an der Reihe, um genussvoll gesättigt zu werden. Magnetisch zog mich das warme Licht durch die geöffneten Türen ins Innere des Theaters, wo zahlreiche Weihnachtsbäume und Lichterketten für ein festliches Ambiente sorgten. Auf der stimmungsvoll dekorierten Bühne hatten bereits vereinzelt Musiker*innen des Philharmonischen Orchester Platz genommen, um an ihren Instrumenten die eine oder andere tückische Passage nochmals zu üben.

Peu à peu füllte sich das Orchesterpodium. Das Licht im Zuschauersaal wurde gedimmt, und unter Applaus betrat der musikalische Leiter Hartmut Brüsch mit den Sänger*innen des Opernchors die Bühne, um gemeinsam das Konzert mit „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ von Felix Mendelsohn Bartholdy musikalisch prachtvoll zu eröffnen. Hartmut Brüsch erwies sich abermals als versierter Moderator, der es verstand, Wissen so leicht und humorvoll zu vermitteln, das wir im Publikum kaum wahrnahmen, dass wir etwas lernten.


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Das Programm führte uns durch 400 Jahre Musikgeschichte (vom Barock über die Romantik zu zeitgenössischen Werken), ließ uns musikalisch – neben Deutschland – auch Länder wie England, USA, Kanada und Frankreich bereisen und war so imposant gefüllt mit so vielen bemerkenswerten Momenten, dass es mir unmöglich ist, die mitwirkenden Künstler*innen für alle ihrer Darbietungen gebührend zu würdigen.

Boshana Milkovs samtener Mezzo umschmeichelte mit feiner Koloratur insbesondere die Oboe bei „Bereite dich, Zion“ aus WEIHNACHTSORATORIUM von Johann Sebastian Bach. Weilian Wangs schön timbrierter Tenor schien bei „Panis Angelicus“ von César Franck mit dem Klang des Orchesters zu verschmelzen. Sopranistin Meredith Hoffmann-Thomson entzückte mit einem zauberhaft beseelten „In the Bleak Midwinter“ von Gustav Holst. Timothy Edlin gestaltete mit seinem warmen Bass äußerst gefühlvoll „O little Town of Bethlehem“ und bot so dem nachfolgenden Kinderchor einen wunderbaren Einstieg in seinen ersten Auftritt.

Der Kinderchor setzte sich aus dem Kinderchor des Stadttheaters Bremerhaven (Einstudierung: Edward Mauritius Münch und Katharina Diegritz) und den Kinder- und Jugendchören der Musikschule Geestland (Einstudierung: Gabriele Brüsch) zusammen, der die englischen Carols ebenso entzückend zu Gehör brachte wie zu einem späteren Zeitpunkt die deutschen traditionellen Weihnachtslieder. Manche Kinder und Jugendlichen waren so hochkonzentriert bei der Sache, dass ihnen vor Aufregung der Text entfiel. Ich erkannte es an ihrem leicht verschreckten Gesichtsausdruck, was mir ein verständnisvolles Schmunzeln entlockte. Zumal sie bravourös auch anspruchsvolle Chorpartien meisterten, so das älteste kanadische Weihnachtslied „The Huron Carol“ von Jesse Edgar Middleton, das sie gemeinsam mit dem Opernchor a cappella vortrugen.

Auch das mystisch-sphärische „O Magnum Mysterium“ von Morten Lauridsen erklang stimmgewaltig a cappella durch den Opernchor. Beim würdigen Finale mit „Merry Christmas“ aus KEVIN ALLEIN IN NEW YORK von John Williams verband sich die orchestrale Kraft des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven mit dem brillanten Gesang der Sänger*innen des exzellenten Opernchors.

Traditionell endete auch dieses ADVENTSKONZERT mit einem fulminanten Chor – bestehend aus Solist*innen, Opern- und Kinderchor sowie den 685 Zuschauer*innen – im gänzlich ausverkauften Großen Haus des Stadttheaters Bremerhaven. Mit „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Dat Joahr geiht to End“ endete ein so beglückendes Konzert, das mich beseelt nach Hause fahren ließ und einen versöhnlichen Abschluss für dieses herausfordernde Jahr bildete.

„Du denkst still bi di: Wedder een Joahr vorbi,
un wat wür, wür dat schlecht oder good?“

Ich sende ein großes Dankeschön an alle, die dieses wunderbare Konzert möglich gemacht haben: Euch ist es zu verdanken, dass ich nun zuversichtlicher in mein persönliches Neues Jahr 2026 blicke!


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!