A Portrait of Elke Heidenreich

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Elke Helene Heidenreich (* 15. Februar 1943)


„Vielfalt“ ist ihr zweiter Vorname: Alles, was auch nur im Entferntesten mit Literatur zu tun hat, weckt ihr Interesse. So verwundert es nicht, dass sie auf vielen Gebieten aktiv ist: Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Literaturkritikerin, Kabarettistin, Moderatorin, Journalistin und Opern-Librettistin. Zudem wurde sie bekannt durch ihrer Moderation zahlreicher Fernseh- und Hörfunksendungen. 1975 trat sie zum ersten Mal in der Rolle der Comedy-Figur Else Stratmann auf und kommentierte mit der Schnauze der Metzgersgattin aus Wanne-Eickel das gesellschaftliche Zeitgeschehen rund um Politik, Prominenz, Sport und Adel mit einer entwaffnenden Menschenkenntnis.

Heidenreich wurde in Hessen-Nassau als Elke Riegert geboren und wuchs in Essen in einfachen Verhältnissen auf. Ihr Vater war Kfz-Mechaniker und Inhaber einer Tankstelle, ihre Mutter war Näherin für Kinovorhänge. Hier erklärt sich Elkes Liebe zu rotem Samt: Gerne tritt sie in einer roten Samtjacke bei Lesungen in Erscheinung.

Nach bestandenen Abitur in Bonn studierte sie von 1963 bis 1969 in München, Hamburg und Berlin Germanistik, Publizistik und Theatergeschichte ohne Abschluss, sowie Religionswissenschaft, das sie mit einer Arbeit über Marienverehrung im Protestantismus und mit Examen abschloss.

1965 heiratete sie Gert Heidenreich, trennte sich später von ihm und heiratete 1972 Bernd Schroeder, von dem sie seit 1995 ebenfalls getrennt lebt. Sowohl mit Gert Heidenreich als auch mit Bernd Schroeder arbeitet sie bis heute zusammen. Seit 2005 lebt sie mit dem Hamburger Pianisten und Komponisten Marc-Aurel Floros zusammen. Heute lebt Elke Heidenreich in Köln.

Seit 1970 arbeitet Heidenreich als freie Autorin und Literaturkritikerin für Presse und Verlage und schrieb Hörspiele, Fernsehspiele und Radiofeatures. Besondere Aufmerksamkeit erreichte sie 1981 als Nachfolgerin von Alfred Biolek im „Kölner Treff“. Beim Sender Freies Berlin moderierte sie von 1984 bis 1987 die Talkshow „Leute“ und war ebenso Gastkritikerin beim legendären „Literarischen Quartett“.

Auch mit der Zeitschrift „Brigitte“ fühlte sie sich lange verbunden: Dort erschien nicht nur 17 Jahre lang ihre Kolumne „Also …“, sondern unter dem Label „Brigitte Edition“ brachte sie auch 26 literarische Empfehlungen, die ihr sehr am Herzen liegen, heraus.

In der ZDF-Literatursendung „Lesen!“ stellte sie von 2003 bis 2008 Neuerscheinungen auf dem Buchmarkt vor und wurde in dieser Zeit zu einer einflussreichen Literaturkritikerin. Nahezu alle von ihr vorgestellten Werke standen auf den Bestseller-Listen. Dabei sah sie sich weniger als analytische Kritikerin als vielmehr passionierte Leserin, die mit Leidenschaft das Lesen und gute Bücher präferierte. Nach einem Streit mit dem ZDF rund um den Eklat bzgl. Marcel Reich-Ranicki und dem Deutschen Fernsehpreis wurde die Sendung eingestellt.

Im Jahr 1992 erschien ihr erster Erzählband „Kolonien der Liebe“, der zu einem Erfolg avancierte. Weitere Erzählbände sollten folgen. Bei „Rudernde Hunde“ und „Alte Liebe“ arbeitete sie eng mit Bernd Schroeder zusammen: Während bei „Rudernde Hunde“ die Autoren abwechselnd in sich abgeschlossene Erzählungen präsentieren und auch jeweils ihre eigene Wahrheit zu der kleinen Skulptur „Rudernde Hunde“ abgeben, spielen sie sich in „Alte Liebe“ beim Blick auf das Leben eines älteren Ehepaares kongenial die Bälle zu.

Auch die Kinderbücher von Elke Heidenreich erfreuen sich großer Beliebtheit, wobei hier „Nero Corleone“ eine Sonderstellung gebührt: Dieser kleine Macho-Kater aus Italien schleicht sich frech und charmant in die Herzen seiner Fans…! Das Buch wurde in 23 Sprachen übersetzte und erhielt vielfältige, auch ausländische Auszeichnungen.

Elke Heidenreichs Geschichten erzählen von komplizierten Beziehungen, Konflikte zwischen den Geschlechtern und unerfüllten Wünschen. Sie ist eine exzellente Menschenbeobachterin: Bei ihr steht nicht der Umgang mit der Liebe im Zentrum, sondern das Leben, wenn die Liebe versagt bleibt. Häufig durchzieht Trauer gepaart mit einer leisen Melancholie ihre Erzählungen, gleichzeitig erzählt sie mit Witz und einer beinah trotzigen Ironie. Ihre Sprache ist einfach und direkt und bar jedem Pathos, dafür voller Wärme und Zartheit.

Zudem ist sie – wie ich mich schon mehrfach selbst überzeugen durfte – eine wunderbare Vorleserin, die ihre Zuhörer charmant einfängt und mitnimmt, sei es bei Lesungen ihrer eigenen Erzählungen oder aus Werken anderer Autor*innen. Keine Selbstverständlichkeit…!

Auswahl ihrer Werke:

  • Kolonien der Liebe. Erzählungen erschienen bei Rowohlt/ ISBN: 978-3498029111.

  • Nero Corleone mit Illustrationen von Quint Buchholz erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446183445.

  • Der Welt den Rücken. Erzählungen erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446200524.

  • Rudernde Hunde. Kurzgeschichten mit Bernd Schroeder erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446202139.

  • Alte Liebe. Erzählungen mit Bernd Schroeder erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446233935.

  • Nero Corleone kehrt zurück mit Illustrationen von Quint Buchholz erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446236615.

  • Alles kein Zufall. Kurze Geschichten erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3596521739.

[Rezension] Elke Heidenreich – Nero Corleone & Nero Corleone kehrt zurück/ mit Illustrationen von Quint Buchholz

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1995 erblickte „Nero Corleone“ das Licht der literarischen Welt und eroberte sich ein millionenfaches Publikum im In- und Ausland.

Der kleine Kater hatte vor keinem anderen Tier unnötigen Respekt, noch nicht einmal vor dem Hofhund, und so kam es, dass die anderen Tiere eines italienischen Bauernhofes nach ein paar Wochen „Nero Corleone“ nannten: schwarzes Löwenherz. In der Nähe stand ein Ferienhaus, in dem ein deutsches Ehepaar Isolde und Robert viermal im Jahr Urlaub machte. Sobald das erste Mal die Fensterläden geöffnet wurden, sprang der abenteuerlustige schwarze Kater mit der weißen Pfote ins Zimmer – und somit in das Leben des Paares, zieht mit ihnen nach Deutschland, prägt ihr Leben nachhaltig, bis er entschließt bei einem der vielen Besuche in seiner Heimat, sie zu verlassen und ein neues Abenteuer zu beginnen.

2011 kam mit „Nero Corleone kehrt zurück“ dann die langerwartete und heißersehnte Fortsetzung. Nur hat die Fortsetzung einen Haken: Es geht eigentlich gar nicht um Nero.

Isolde zieht sich nach der Trennung von Robert nach Italien zurück, um über ihre Zukunft nachzudenken. Das beschreibt Elke Heidenreich ausführlich: Isolde richtet das Haus ein, Isolde ersinnt teils banale Lebensweisheiten, Isolde findet eine neue Katze (was selbstverständlich viel besser ist als ein neuer Mann), vor allem aber: Isolde wartet auf Nero. Der Leser wartet ebenso, aber dann ist er da,…

…und während ich von Isoldes Wiedersehen mit ihrem Nero las, liefen mir die Tränen über die Wangen, und ich spürte eine große Sehnsucht in mir nach meinem Nero, der Moritz hieß, nicht schwarzes sondern getigertes Fell hatte, und mit dem es kein Wiedersehen geben wird, da er vor Jahren aufgrund einer Lungenembolie eingeschläfert werden musste. Seitdem hatte ich mein Leben nicht mehr mit einer Katze geteilt und bis zu diesem Zeitpunkt auch nicht geahnt, wie sehr mir dies fehlte,…

…und ich danke Elke Heidenreich für dieses Büchlein, in dem sie in einer einfachen, schlichten aber zugleich berührenden, packenden Sprache die elementaren Dinge des Lebens beschreibt: der ewige Kreislauf, Veränderung, Trennung, Tod, Hoffnung, Glück und „immer genug“ Liebe,…

…und als Katzen-Mensch hat sie mich glücklicherweise wieder daran erinnert: Mein Leben ohne Katze ist möglich – aber ärmer,…

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…bis ein roter Kater auf dem Tag genau vor 5 Jahren in mein Leben trat und es auf sanften Pfoten umkrempelte! 💕

erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3446183445 & 978-3446236615