Warum Suppen etwas für den hohlen Zahn sind…

„Suppen für Syrien“ – Lesung mit Texten von Rafik Schami beim ehem. „Café 99“ in Osterholz-Scharmbeck/ Buchhandlung „die schatulle“


An einem lauen Sommerabend vor genau drei Jahren: Da wurden die Bürgersteige in der Fußgängerzone nicht schon um 18.00 Uhr hochgeklappt, und es kehrte wieder – wenn auch nur vorübergehend – Leben in das ehemalige „Café 99“ ein.

13.06.2017: Die Stadt Osterholz-Scharmbeck hatte gemeinsam mit Studierenden der Stadt- und Regionalentwicklung der Uni Bremen das Pilotprojekt „Zwischennutzung“ ins Leben gerufen. Bei dieser Zwischennutzung wurden 2 leerstehende Geschäfte der Innenstadt genutzt, um Anregungen zu geben, wie diese wiederbelebt werden könnten.

So saß ich nun auf Einladung von Ute und Sabine Gartmann von der Buchhandlung „die schatulle“ mitten in der Fußgängerzone und las vor. Die Gartmann-Schwestern hatten mir ja schon so einiges zugemutet. Wo ich nicht schon überall lesen durfte: KFZ-Zulassungsstelle, Wochenmarkt, leerstehender Laden im „Haus am Markt“ und Rathaussaal. Da ist doch die Fußgängerzone nur eine logische Weiterentwicklung, oder?

Ein kulinarisch-literarischer Hochgenuss wurde versprochen: Während ich das Vorwort (geschrieben von Rafik Schami) aus dem Kochbuch „Suppen für Syrien“ vortrug, wurden entsprechende Süppchen gereicht,…

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…dabei hatte ich mit erschwerten Bedingungen zu kämpfen: Hinter mir tönten Geräusche aus dem Geschäft, vor mir war die belebte Fußgängerzone mit Fahrradgeklingel, Kinderlachen und Hundegebell, neben mir schlürften die Zuhörer genüsslich ihre Suppen und in mir knurrte und rumorte es,…

…und auch die beiden folgenden von mir vorgetragenen Texte von Rafik Schami blieben dem Essen treu: So handelten sie doch von Nudelsalat und Döner!

…und während die Zuhörer – dank Suppen – immer satter wurden, wurde bei mir der kleine Hunger von seinem großen Bruder abgelöst. Da war das Süppchen, dass ich nach Beendigung der Lesung angeboten bekam, nur der sprichwörtliche „Tropfen auf dem heißen Stein“!

Auf dem Heimweg bin ich dann spontan im Restaurant „Zur goldenen Möwe“ eingekehrt…!

„Every time a good time.“ 🍔

[Rezension] Rafik Schami – Ich wollte nur Geschichten erzählen

Rafik Schami beschreibt es in seiner Einleitung so treffend:

„Unser Leben ist keine stetige Linie. Es ähnelt eher einem Mosaikgemälde. Je näher man kommt, umso sichtbarer werden die Bruchlinien, umso charaktervoller die einzelnen Steine.“

…und da hier seine Geschichten die Steine bilden, die sich peu à peu zum Ganzen verbinden, fällt es mir schwer, einzelne Abschnitte hervorzuheben und dadurch anderen weniger Beachtung zu gönnen.

Und wie bei einem Mosaikgemälde üblich, sind seine Steine unterschiedlich geformt: mal als kleines Steinchen in der Form von nur einer Seite, mal als größerer Brocken von 4-5 Seiten.

Er lässt uns teilhaben an seinen Anfängen als Exilautor in Deutschland und den damit verbundenen (positiven wie negativen) Erfahrungen, schärft die Sinne seiner Leser für die Schönheit seiner Heimatstadt Damaskus und schürt das Verständnis für Flüchtlinge in der Fremde.

Dabei wirft er einen kritischen Blick in beide Richtungen: auf das geliebte Heimatland mit seinem gefürchteten Regime und auf das Gastland, das erst Schritt für Schritt, Jahr für Jahr langsam zur Heimat wurde.

Ich spürte eine leichte Melancholie beim Lesen der autobiografischen Mosaik-Stückchen – frei von jeglicher Sentimentalität und jeglichem Selbstmitleid,…

…und mir wurde wieder schnell deutlich: Rafik Schami besticht auch hier mit seiner großen Erzählkunst.

„Eine Geschichte ist dann gut, wenn sie für kluge Menschen jeglichen Alters geschrieben wurde.“

Wie wahr…!!!

erschienen bei Hirnkost/ ISBN: 978-3945398654

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!