Der Bundesweite Vorlesetag…

Die Gedichte sind ausgewählt, die Lostrommel ist bestückt, und ich bin hochmotiviert. Es kann losgehen! Ab 10.00 Uhr werde ich heute auf dem Marktplatz von Osterholz-Scharmbeck für POETRY on the MARKET sorgen. Bitte drückt mir die Daumen, damit das Wetter mir wohlgesonnen ist.

Aber auch viele weitere Vor-Leser*innen haben sich intensiv vorbereitet und präsentieren „auf allen Kanälen“ eine Vielzahl an abwechslungsreichen Beiträgen. Auf den Seiten vom „Vorlesetag“ startet wieder das Vorlesefestival, das auf Instagram oder Facebook verfolgt werden kann und mit einer illustren Schar an Vor-Leser*innen aufwartet:

  • 9.00 Uhr: Bülent Ceylan Die Muskeltiere und die große Käseverschwörung
  • 10.00 Uhr: Vanessa Meisinger Peppa Pig: Das große Buch mit den besten Geschichten
  • 11.00 Uhr: Marc-Uwe Kling Der Tag, an dem Papa ein heikles Gespräch führen wollte
  • 12.00 Uhr: Robin Gosens Mister Marple und die Schnüfflerbande
  • 13.00 Uhr: Anne Will Spring doch! sagte die Hexe – Mutprobengeschichten
  • 14.00 Uhr: Beni Weber Arielle: Meerglanz
  • 15.00 Uhr: Jeff Kinney Gregs Tagebuch: Volltreffer

Das Jahresthema lautet diesmal Freundschaft und Zusammenhalt, und natürlich habe ich mich bei der Auswahl der Gedichte bemüht, dies zu berücksichtigen – sofern mir dies möglich war. Doch glücklicherweise sehen die Initiator*innen des Vorlesetages es ganz gelassen: Hauptsache, es wird vorgelesen!

Auch viele andere Institutionen wie Bibliotheken, Universitäten, Verlage, Schulen und Buchhandlungen sowie Prominente aus Kultur, Politik und Sport lassen es sich nicht nehmen und laden zu spannenden Vorlese-Aktionen ein. So organisiert die hiesige Stadtbibliothek ein Storywalk zum Bilderbuch Warten auf Goliath von Antje Damm: Im Stadtzentrum von Osterholz-Scharmbeck finden interessierte Leseratten die einzelnen Seiten des Bilderbuchs in Plakatgröße in den Schaufenstern der Innenstadt. Aber auch die Hansestädte in unserer Nachbarschaft haben einiges zu bieten: Im Überseemuseum in Bremen startet um 15.00 Uhr eine interaktive Vorlesestunde mit der Geschichte Plumi und der Schokoladenfluss, und im Familienzentrum der AWO Bremerhaven gibt es eine Schreib- und Lesewerkstatt für alle Generationen zu entdecken. Vielversprechend klingt auch das Angebot von Michael Helbing und Dominic Richter vom Stimmkontor Hannover, die das Märchen Der gestiefelte Kater als musikalische Lesung online präsentieren.

Unter dem Hashtag #vorlesetag findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu vielfältigen Aktionen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom VORLESETAG.

Na, habt Ihr nun Lust auf’s Vor-Lesen bekommen? Dann ran an die Bücher und los geht’s!

Ich wünsche Euch viel Spaß!

Lektüre zum Fest…

Ende August stand ich bei sommerlichen Temperaturen schwitzend in Shorts und T-Shirt im Supermarkt, starrte fassungslos auf das „Jahresend-Gebäck“, das sich im Kassenbereich stapelte, und dachte gleichzeitig „Langsam wird’s Zeit…!“

Langsam wird’s Zeit, dass ich mir Gedanken mache, welche Werke ich in diesem Jahr bei „Lektüre zum Fest“ vorstellen möchte. Jedes Jahr auf’s neue muss (!) ich aus der Fülle an passender Literatur auswählen, und diese Entscheidung fällt mir nicht immer leicht. Nehme ich prinzipiell nur Neu-Erscheinungen? Greife ich beherzt auf die Back-List zurück? Oder mache ich es mir – wie schon in den vergangenen Jahren – ganz einfach und stelle Euch die Bücher vor, die mir am Besten gefielen? Ja, ich glaube, genau so mache ich es…! 😉

Was wäre ein Fest voller Liebe, Freude und Friede ohne einen zünftigen Mord? Richtig! Fad!!! Denn so ein spannender Weihnachtskrimi zur schönsten Zeit des Jahres ist wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe: Er rundet den Geschmack ab und verhindert, dass mir von allzu viel festlicher Süße übel wird. Und so gibt es bei der kriminalistischen Lektüre auch diesmal wieder sowohl alte Freunde als auch neue Bekannte zu entdecken.

  • Nicholas Blake – Das Geheimnis des Schneemanns
  • Georges Simenon – Weihnachten bei den Maigrets
  • Gilbert Adair – Oh dear! Miss Mount und der Mord im Herrenhaus
  • Agatha Christie – Das Geheimnis von Sittaford

Doch natürlich kommt bei mir auch „die festliche Süße“ nicht zu kurz, die sich hemmungslos über eine abwechslungsreiche Auswahl an Klassikern, Erzählungen und Geschichten für (beinah) jedes Alter ergießt und so für eine wohltuende Dosis Kitsch für die Feiertage sorgt.

  • Nancy Campbell – Fünfzig Wörter für Schnee
  • Thierry Dedieu – Auf der Suche nach dem Schneemann
  • Siegfried Lenz – Das Wunder von Striegeldorf. Eine Weihnachtsgeschichte/ mit Illustrationen von Franziska Harvey
  • Anthony Trollope – Weihnachten auf Thompson Hall/ mit Illustrationen von Irmela Schautz
  • Charles Dickens – Ein Weihnachtsmärchen/ mit Illustrationen von Lisbeth Zwerger
  • Tage des Lesens. Lektüre zwischen den Jahren/ herausgegeben von Gesine Dammel

Einige Werke sind schon im vergangenem Jahr (…oder im Jahr davor?) erschienen und hatten es leider nicht in meine letztjährige Auswahl geschafft: Dies hole ich nun mit Freude nach!

Ich wünsche Euch von Herzen sowohl kriminalistische wie auch besinnliche Lese-Stunden!

Liebe Grüße
Andreas

Zum Bundesweiten Vorlesetag: POETRY on the MARKET…

Nur wenige Wochen ziehen noch ins Land, und dann begehen wir am 19. November 2021 den Bundesweiten Vorlesetag. In diesem Jahr werde ich es mir nicht nehmen lassen und mich daran beteiligen. Unsere Aktion findet sich nun sowohl im Veranstaltungskalender der Stadt Osterholz-Scharmbeck als auch auf der Homepage vom VORLESETAG. So „Schwarz auf Weiß“ festgenagelt kann/darf ich wohl keinen Rückzieher mehr machen, aber…

…nichts lege mir ferner: Ich freue mich „wie Bolle“ und kann es kaum erwarten, endlich wieder vor Publikum lesen zu dürfen. Bis dahin stöbere ich durch eine Vielzahl an wunderbaren Gedichten: Erich Kästner, Mascha Kaléko, Wilhelm Busch, Else Lasker-Schüler, Theodor Fontane, Christian Morgenstern, Dorothy Parker, Rainer Maria Rilke, Annette von Droste-Hülshoff, Joachim Ringelnatz, Ingrid Streicher und noch viele, viele weitere Poet*innen sind im Moment bei mir zu Gast, und es fällt mir mehr als schwer zu entscheiden, wer von ihnen mich am Bundesweiten Vorlesetag zum Marktplatz in Osterholz-Scharmbeck begleiten darf.

Naja, mir bleibt ja noch ein wenig Zeit…!!! 😊

Nähere Infos gibt es sowohl hier auf meinem Blog als auch auf meiner Seite bei Facebook.

Ihr möchtet Euch vorab informieren, ob auch in Eurer Nähe etwas passiert? Kein Problem! Unter dem Hashtag #vorlesefestival findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu vielfältigen Aktionen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom VORLESETAG.

INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ja, hallo, da ist er ja wieder! Wie schnell doch so’n Jahr vergeht! Und wie erschreckend, dass es immer noch diesen Tag bedarf, um auf Missstände und Ungerechtigkeiten aufmerksam machen zu müssen.

In diesem Jahr gibt es anlässlich dieses hohen „Feiertages“ (!) keinen eigens von mir verfassten Text. Getreu meinem Motto „Lieber gut geklaut als schlecht selbstgemacht!“ habe ich mir einen etwas älteren Text von Standup-Comedian, Autor und Moderator Markus Barth, den er schon im Jahre 2017 auf seiner fb-Seite (O-Ton: „Hier ist die gute Seite des Internets.“) veröffentlichte, gemopst. Da ich den Meister höchstoffiziell um Erlaubnis gefragt habe, ist es auch kein richtiger Diebstahl sondern vielmehr ein Ausborgen: Der besagte Text ist a). immer noch gut und b). immer noch zutreffend (leider)…!


Ich habe gerade fünf Minuten Zeit, da dachte ich, ich könnte mal eben die Homophobie abschaffen. Also, los geht’s, die beliebtesten Sätze, die wichtigsten Antworten:

  • „Homosexualität ist nicht natürlich.“ Da wir ja auch von der Natur geschaffen, und nicht von Einhorn-Aliens auf der Erde abgesetzt wurden, kann man getrost sagen: Doch, 100% natürlich.
  • „Das ist gegen meine Kultur.“ Egal aus welcher Kultur du kommst: Das ist garantiert gelogen. Informier dich mal richtig, nimm dann alle Homosexuellen und ihre Werke aus deiner Kultur raus, und schau, was dann noch übrig bleibt. Das wird ne traurige Veranstaltung!
  • „Das ist gegen meine Religion.“ Dann ist leider deine Religion das Problem, nicht die Homosexualität. Homosexualität ist real, echt, nachweisbar. Gott dagegen… na ja, schwierige Geschichte! Warum also Religionen kritiklos akzeptieren und Homosexualität nicht?
  • „Ich bin halt so erzogen.“ Ich dagegen bin so erzogen, dass man nur freitags Fisch isst, kein Leitungswasser trinkt und das „A-Team“ nicht schaut, weil es eine fürchterlich gewaltverherrlichende Serie ist. Solche Erziehungsregeln kann man irgendwann hinterfragen und verwerfen. Das ist ehrlich gesagt der ganze Spaß am Erwachsenwerden.
  • „Mir geht’s ja nur um den Schutz der Kinder.“ Super, mir auch. Aber Homosexualität hat nichts mit Kindern zu tun. Das ist Pädophilie. Davor sollte man Kinder schützen. Und vor Eltern, die den Unterschied nicht kennen.
  • „Man muss Homosexualität verbieten, damit Familien gegründet werden und die Gesellschaft erhalten bleibt.“ Der Anteil von Schwulen und Lesben in einer Gesellschaft ist immer gleich groß, egal, ob man Homosexualität erlaubt oder verbietet. Niemand wird heterosexuell, nur weil Homosexualität in seinem Land verboten ist – er oder sie flüchtet sich höchstens in eine Scheinehe. Verbote, Verfolgung und Schikane sorgen also nicht für mehr Kinder, sondern nur für mehr unglückliche Menschen.
  • „Das ist eine persönliche Entscheidung.“ Haha, schön wär’s! Kurz gefragt: wenn du dich entscheiden könntest, ob du dich als Teenager genau wie all deine Freunde/Freundinnen zum ersten Mal in ein Mädchen/einen Jungen verliebst, oder ob du jahrelang daneben hockst und dich nicht traust, irgendjemandem zu sagen, wie du dich wirklich fühlst – wofür würdest du dich wohl entscheiden? Eben.
  • „Ich hab ja nichts dagegen, aber muss man das so in die Öffentlichkeit tragen?“ Du hast erst dann nichts dagegen, wenn du’s auch in der Öffentlichkeit aushältst.

So. Alles geklärt? Wunderbar. Wenn alles klappt, wie ich es mir vorstelle, brauchen wir dann ja schon nächstes Jahr keinen Internationalen Tag gegen Homophobie mehr. Denn:

„Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert!“ (Hannibal, Das A-Team)

Markus Barth

🌈

Ich wünsche Euch von Herzen…

Hallo Leute!

Wie schon im letzten [Blog-Ge-„switch“-er] erwähnt, fällt es mir gerade sehr schwer, mich mit Literatur zu beschäftigen. Irgendwie fühle ich mich etwas erschöpft und befinde mich in einem Lese-Tief. Doch die Erfahrung hat mich gelehrt, dass auch diese Zeit vergehen wird, und ich hinterher wieder voller Elan durchstarten werde. Erzwingen lässt sich nichts: Warum es demnach versuchen?

Aus dem Grund werde ich mir eine kleine Auszeit vom Bloggen gönnen: Bis einschließlich Ostern müsst Ihr nun leider so gänzlich ohne meine geistigen Ergüsse auskommen. Ich weiß, es ist viel verlangt, aber – Tschakka! – Ihr schafft es. 😉

So bleibt mir nur noch eins…

Ich wünsche Euch von Herzen ein wunderbares Osterfest!

Liebe Grüße
Andreas

Vorlesewettbewerb 2020/21: And the winner is…

„Same procedure as every year!“ – der Vorlesewettbewerb ruft, und ich folge…!

Tatsächlich: „Same procedure as every year?“ – Nein, ganz sicher nicht!

Nicht nur, dass es keine Veranstaltung in der Buchhandlung „die schatulle“ gab, auf der sich die Sieger*innen aus den jeweiligen Schulen der Jury präsentieren und sich Familie, Freunde und Verwandte der Vorlesenden drängeln. Aufgrund des Lockdowns und der damit verbundenen Schließung der Schulen fanden sich leider nur drei Teilnehmer*innen für den Kreisentscheid. Bei dieser sehr übersichtlichen Anzahl der Teilnehmenden wurde auch die Jury entsprechend abgespeckt: Es gab nur mich!

Und so saß ich zu einer völlig ungewohnten Zeit für einen Vorlesewettbewerb an einem Montagmorgen vor meinem PC, öffnete den Link, den ich von den Buchhändlerinnen meines Vertrauens erhalten hatte, und starrte auf den Bildschirm, denn natürlich standen die Vorlese-Beiträge mir nur digital zur Verfügung.

Statt zwei Durchgänge pro Lesenden gab es nur einen Durchgang: Der Vortrag eines unbekannten Textes blieb den Kids diesmal erspart. Lisa Marie vom Gymnasium Ritterhude entführte mich nach „Animox: Die Stadt der Haie“ von Aimee Carter, Santino von der IGS Osterholz-Scharmbeck las aus „Der geheime Kontinent“ von Thilo, und Maria Lara vom Gymnasium Osterholz-Scharmbeck hatte sich für „Alter John“ von Peter Härtling entschieden.

Wenn ich gekonnt wie ich gewollt hätte, dann hätte ich alle Kids zur nächsten Etappe des Wettbewerbs geschickt. Doch leider musste ich mich entscheiden: Nachdem ich mir die Beiträge jeweils zwei Mal angesehen hatte (wenigstens ein Vorteil gegenüber einer Live-Lesung), stand meine Entscheidung fest, und meine Wahl fiel auf Santino von der IGS Osterholz-Scharmbeck. Herzlichen Glückwunsch!

So sehr ich mich über die Teilnahme dieser drei tollen Kinder auch freute, umso mehr bedauerte ich sie auch, da ihnen in diesem Corona-Jahr die Erfahrung eben jener Live-Lesung fehlt: kein vorheriges Lampenfieber, kein erleichtertes Aufatmen nach Beendigung des Vortrags, kein gespanntes Warten auf die Entscheidung der Jury, keinen Foto-Termin mit der Presse, keinen ausführlichen Bericht in den örtlichen Zeitungen,…! Das alles (und noch viel mehr) gehört bei einer Teilnahme am Bundesweiten Vorlesewettbewerb einfach dazu!

Ich bin wirklich dankbar für die technischen Errungenschaften, die uns in diesen verrückten Zeiten vieles ermöglichen. Trotzdem war dieses Verfahren für mich kein gleichwertiger Ersatz für die Veranstaltungen der Vorjahre. Vielmehr war es eine notwendige Alternative, die ich (selbstverständlich) Corona-bedingt akzeptierte. Doch mir fehlte diese besondere Atmosphäre! Zudem habe ich meine beiden Mit-Jurorinnen vermisst: die anregenden Gespräche, das nette Beisammensein, das Fachsimpeln und Diskutieren,…!

Denn: Das alles (und noch viel mehr) gehört für mich als Jury-Mitglied zum Bundesweiten Vorlesewettbewerb einfach dazu! 😉

INTERNATIONALER TAG der MUTTERSPRACHE…

„Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.“ Johann Wolfgang von Goethe

Meine Muttersprache ist Deutsch: Ich spreche in Deutsch. Ich denke in Deutsch. Ich fühle in Deutsch.
Die Muttersprache von Murat ist auch Deutsch: Er spricht in Deutsch. Er denkt in Deutsch. Er fühlt in Deutsch.
Die Muttersprachen von Carmela sind Italienisch und Deutsch: Sie spricht in Italienisch und Deutsch. Sie denkt und fühlt mehr in Deutsch. Doch schimpfen kann sie am besten auf Italienisch.
Die Muttersprache von Semira ist Syrisch: Sie spricht in Syrisch. Sie denkt in Syrisch. Sie fühlt in Syrisch. Seit sie bei uns lebt, lernt sie die unbekannte Muttersprache, damit diese hier in der neuen Heimat auch ein Stück zu ihrer Muttersprache werden kann.

Sprache verbindet, und Sprache trennt. Sprache dient der Verständigung, und Sprache kann distanzieren. Sprache ist wunderschön, und Sprache ist brutal und verletzend. Es liegt an jeder und jedem einzelnen von uns, wieviel Macht wir der Sprache geben. Oder vielmehr: Welche Macht wir ihr zugestehen. Geben wir ihr die Macht, andere Menschen zu erniedrigen und zu diffamieren. Oder geben wir ihr die Macht, Verständnis füreinander zu wecken und Friede zu stiften.

Die deutsche Sprache ist poetisch, sinnlich und kraftvoll. Unsere Dichter und Denker haben Weltliteratur erschaffen und bewiesen, dass unsere Muttersprache an Vielfalt schier unerschöpflich scheint. Die deutsche Sprache kann aber ebenso hart und erdrückend sein. Aber sie hat die Macht, dass wir mit ihr genau die passenden Worte finden, um auf Menschen zuzugehen, sie kennenzulernen und mit ihnen Freundschaft zu schließen.

Es liegt an uns. Wir haben die Wahl!

Bilderbuchkino mal anders: Wenn der Prophet nicht zum Berg…!

Zugegeben: Ich hinke mit diesem Beitrag etwas der Zeit hinterher, da dieses entzückende Filmchen schon seit Anfang August online ist. Zu meiner Entschuldigung sei erwähnt, dass ich es allerdings auch erst vor wenigen Tagen entdeckt habe.

Die Stadtbibliothek im Medienhaus hier in meiner Heimatstadt Osterholz-Scharmbeck hatte vor Corona eine Vielzahl an Veranstaltungen für Kids jeglichen Alters im Programm. Da gab es die Bücherwürmchen für Kinder von 1-3 Jahren, die Bücherwurm-Kids für Kinder von 4-6 Jahren und der Bücherwurm-Club für Schulkinder von 6-10 Jahren. Mit sehr viel Herzblut und Engagement hatte das dortige Team immer ein abwechslungsreiches und altersentsprechendes Angebot für die Kinder zusammengestellt: Rund um Bücher und Geschichten wurde gebastelt, gesungen, diskutiert und Inhalte besprochen, zu besonderen Themen wurden schlaue Leute eingeladen, und auch das regelmäßig stattfindende Bilderbuchkino war sehr beliebt. Und dann kam Corona, das öffentliche Leben wurde gen Null gefahren, und alles war plötzlich anders…!

In der Zwischenzeit ist die Bibliothek zum Glück wieder geöffnet, und seit vergangenem Montag ist ein Besuch auch ohne vorherige Anmeldung (natürlich unter Berücksichtigung der geltenden Hygiene- und Abstandsregelungen) möglich. Unter diesen absolut notwendigen Bedingungen ist an ein Wiederaufleben der o.g. Veranstaltungen allerdings (noch) nicht zu denken. Doch glücklicherweise gibt es heutzutage andere Wege, um die Kids zu erreichen und somit zu erfreuen.

Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, muss der Berg zum Propheten kommen!

Johanna Augustin setzte sich vor die Kamera und zauberte in Kooperation mit dem Kreismedienzentrum Osterholz ein wunderbares „handmade“ Ferien-Bilderbuchkino. Für ihre „Lesung“ wählte sie das Bilderbuch „Schöne Ferien, Pauli“ von Brigitte Weninger und mit Illustrationen von Eve Tharlet aus dem NordSüd-Verlag. In dieser charmanten Geschichte macht Pauli Kaninchen die Erfahrung, dass man nicht unbedingt in die Ferne reisen muss, um spannende Ferien zu verleben: Abenteuer gibt es auch „um die Ecke“…! Diese Erfahrung haben bestimmt auch viele Kinder während der Sommerferien gemacht. Ich bin mir sehr sicher, dass Frau Augustin diese Geschichte mit Bedacht wählte: Ich sehe sie als Mut machendes Plädoyer, um das angeblich so bekannte Umfeld „neu“ für sich zu entdecken – ein Plädoyer, das nicht nur für die Kleinen sondern gleichsam für uns Großen gültig sein sollte.

Frau Augustin plant und gestaltet in der Stadtbibliothek das pädagogische Programm für die Kleinsten und Kleinen. Ich durfte sie bei dem Workshop Bilderbücher unter der Lupe: Über gute und schlechte Kinderbücher und den Spaß am Vorlesen kennenlernen. Übrigens: Auch die Großen wurden bisher vom Team der Stadtbibliothek mit Lesungen, Workshops und Vorträgen bedacht. Hoffen wir, dass es recht bald wieder möglich sein wird…!

Doch nun wünsche ich alle meine jungen und junggebliebenen Leser*innen viel Spaß beim Zuschauen! Vorhang auf…!!!

Ich wünsche Euch von Herzen…

Heute ist Pfingstsonntag. Pfingsten bedeutet „der fünfzigste Tag“, wird somit am 50. Tag nach Ostern gefeiert und ist der letzte Tag der Osterzeit. Es soll daran erinnern, dass der Heilige Geistes den Aposteln erschienen ist, damit sie das Wort Gottes zu allen Völkern bringen. Für die Christen bedeutet dieses Fest ein Neu-Anfang.

„Heiliger Geist“: Das wirkt auf mich manchmal doch sehr abstrakt, nicht greifbar. Wer oder was ist dieser „Heilige Geist“? Welchen Zweck erfüllt er? Wie darf ich ihn mir vorstellen? An sein ikonenhaftes Erscheinungsbild als Taube mit einem Olivenzweig im Schnabel mag/kann ich nicht glauben. Und doch gibt es Momente, da meine ich die Anwesenheit des „Heiligen Geistes“ zu spüren – bei anderen aber auch in mir!

Es sind keine großen weltbewegenden Situationen. Vielmehr sind es eher die kleinen, scheinbar unbedeutenden Begegnungen im zwischenmenschlichen Miteinander, die hoffentlich gleich dem Schmetterlingseffekt nach Lorenz Edward etwas Größeres (aber bitte ohne Chaos) auslösen könnten: der erste Cappuccino nach Wochen bei meinem Stamm-Eiscafé, das Hupen und Winken von Auto zu Auto beim Anblick einer bekannten Person, ein Anruf „nur mal so“, das geduldige Warten bei meinem Bäcker „umme Ekke“.

Ich trete häufiger gerne einen Schritt zurück, um einem anderen Menschen den Vorrang zu lassen. Freundlichkeit vervielfältigt sich, da bin ich mir ganz sicher.

Pfingsten bedeutet Neu-Anfang: Vielleicht ist diese Zeit unsere Chance für einen Neu-Anfang. Lasst sie uns gemeinsam nutzen!

Ich wünsche Euch von Herzen ein frohes Pfingstfest!

Liebe Grüße
Andreas

INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ist es tatsächlich erst ein Jahr her, dass ich mich hier an dieser Stelle sehr ausführlich zu dem Thema geäußert habe? Oder ist es eher „schon“ ein Jahr her…! Alles eine Frage der persönliche Sichtweise und des individuellen Empfindens. Braucht es diesen Tag überhaupt noch? Es wurde doch schon so viel erreicht!

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

Am Donnerstag wurde im Bundestag über die Änderung des Transfusionsgesetzes abgestimmt und diese mit den Stimmen aus CDU/CSU, SPD und AfD abgelehnt. Zur Erklärung: Das Transfusionsgesetz regelt u.a. wer Blut spenden darf, d.h. Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen auch künftig erst nach 12 Monaten Sex-Abstinenz Blut spenden.

Ich darf als homosexueller Mann, der seit 20 Jahren eine monogame Beziehung führt, kein Blut spenden, wenn ich nicht vorher eine Erklärung unterschreibe, dass ich seit einem Jahr keinen Sex mehr hatte. Ein heterosexueller Mann, der jedes Wochenende durch Bars und Clubs zieht und „alles pimpert, was nicht bei 3 auf dem Baum ist“ (entschuldigt bitte meine blumige Sprache), braucht diese Erklärung nicht abzugeben. Dabei scheinen die Verantwortlichen ein wichtige Tatsache zu übersehen: Nicht die sexuelle Orientierung schützt vor sexuell übertragbaren Krankheiten! Nur Safer Sex schützt davor! Somit werde ich als schwuler Mann per se unter Generalverdacht gestellt und per Gesetz diskriminiert. Abgesehen davon, dass es niemanden etwas angeht, wann, wie, wie oft, warum und ob ich überhaupt Sex hatte. Wahrung der Intimsphäre, Normalität und Gleichberechtigung sehen für mich anders aus!

Nun könnte eine naive Stimme rufen: „Wozu die Aufregung? Dann lüge doch bzgl. deiner sexuellen Identität!“ Dem möchte ich erwidern: „Warum sollte ich?!“ Innerhalb meiner 50 Lenze gab es Zeiten, da habe ich bzgl. meiner sexuellen Orientierung gelogen und meine wahren Gefühle versteckt. Diese Zeiten waren für mich belastend, erdrückend, einfach schrecklich! Und bei einer dringend benötigten Blutspende, bei der ich freiwillig und unentgeltlich einen Teil von mir geben möchte, um anderen Menschen damit vielleicht helfen zu können, soll ich lügen? Ich werde mich nicht verleugnen! Nie mehr!

Zudem rührt sich mein Rechtsempfinden: Nicht ich habe ein Unrecht begangen! Die Politker*innen, deren Parteinamen sich mit „christlich“ und „sozial“ schmücken, haben diese Ungerechtigkeit zu verantworten und sollten dringend ihr Gewissen prüfen (Naja, und von den „Alternativen“ habe ich nichts anderes erwartet.). Darum…

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

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