MONTAGSFRAGE #97: Ist die Zukunft der Buchmessen online?

Uih…! Und diese Frage wird jemandem gestellt, der noch nie in seinem Leben eine Buchmesse besucht hat und somit keine Vergleichsmöglichkeiten vorweisen kann.

Trotzdem habe ich da so ein Gefühl, eine Ahnung, oder vielleicht ist es auch Hoffnung: Nein! Die Zukunft der Buchmesse ist NICHT online!!!

Diese Frage kann durchaus „globaler“ gesehen werden: Wozu noch Theater, Kino, Konzerte, Lesungen etc. live anbieten? Geht doch auch alles online!

Es ist eine gruselige Vorstellung, die mir Schnappatmung beschert und sich wie „der Untergang des Abendlandes“ für mich anfühlt. Nein, ich will mir keine Theateraufführung zuhause anschauen! Nein, ich will mir keine Lesung zuhause anhören! Und auch wenn ich bisher noch nie eine Buchmesse besucht habe und vielleicht auch nie besuchen werde, gefällt mir der Gedanke, ich könnte (wenn ich wollte) sie live vor Ort besuchen.

Denn zum Besuch eines kulturellen Events gehört für mich so viel MEHR: Gerne möchte ich zur Erläuterung bei meinem Bespiel der Theateraufführung bleiben, da ich hier über die nötige Erfahrung verfüge. Dieses Beispiel lässt sich aber durchaus auch auf andere Live-Events übertragen.

Am Anfang einer Saison blättere ich in den vielen Saison-Vorschauen, entdecke spannende Stücke, die ich immer schon mal (wieder) sehen wollte und bin voller Vorfreude. Wochen vorher schaue ich dann nach einem möglichen Termin, buche die Karten und bin voller Vorfreude. Sobald die Karten bei mir eingetrudelt sind, hefte ich sie gut sichtbar an die Pin-Wand und bin voller Vorfreude. Der Termin naht, ich reserviere einen Tisch im Restaurant für ein gemütliches Essen „hinterher“ und bin voller Vorfreude. Am Tag selbst wähle ich meine Garderobe aus, putze die Schuhe auf Hochglanz, rasiere und pflege mich und bin voller Vorfreude. Wir treffen uns mit lieben Freunden, machen uns gemeinsam auf den Weg ins Theater und sind voller Vorfreude. Im Theater erwerben wir ein Programmheft, suchen zuerst das Klo und dann unsere Plätze auf und sind voller Vorfreude. Die Saaltüren schließen sich, das Licht erlischt, und die Freude kann beginnen. Die Vorstellung ist zu Ende, wir klatschen uns die Hände wund und sind voller Freude. Dann schlendern wir zum nahgelegenem Restaurant, genießen das Essen, diskutieren über das gerade Gesehene und sind voller Freude. Am nächsten Tag blättere/ lese ich im Programm, erinnere mich an einen schönen Abend und bin voller Freude. Einige Tage später treffen wir unsere Freunde, sprechen über unseren gemeinsamen Theaterbesuch und sind voller Freude…!

Online-Veranstaltungen sind durchaus „praktisch“. Aber „praktisch“ ist ein Adjektiv, das ich so ganz und gar in keinem Zusammenhang mit Kultur bringen kann.

Online würde so vieles verloren gehen oder zumindest in seiner Form reduzierter sein, wie der direkte Kontakt zu Menschen, der unmittelbare Austausch, die Atmosphäre eines einmaligen Augenblickes und ganz, ganz viel Emotionen!!!

…und könnt Ihr Euch für eine Online-Buchmesse erwärmen???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Krimi] Reginald Rose – Die zwölf Geschworenen / Metropol Theater Bremen

Buch von Reginald Rose / Deutsch von Horst Budjuhn / in einer Fassung für szenische Lesung des „theaterwerk Bremen“ von Dirk Böhling

Premiere: 10. Juli 2020 / besuchte Vorstellung: 9. Oktober 2020 / Metropol Theater Bremen

Inszenierung: Dirk Böhling


Nach dem Corona-Lockdown öffneten im Sommer langsam wieder die kulturellen Einrichtungen und präsentierten kreative Formate, um Künstler wieder vors Publikum und Publikum wieder vor die Künstler zu bekommen. Im Metropol-Theater (ehemals Musical-Theater) in Bremen bot Theater-Chef Jörn Meyer (Foto: rechts) verschiedenen kleineren Bühnen eine Heimstätte, da er dort pandemiekonforme Bedingungen bieten kann, um wieder Kultur anbieten zu können. Als erste Produktion hatte am 10. Juli 2020 das Stück „Die zwölf Geschworenen“ als szenische Lesung Premiere und konnte als Lebenszeichen der Bühnenschaffenden nach den Corona-Beschränkungen angesehen werden. Moderator, Schauspieler und Regisseur Dirk Böhling (Foto: links) rief das „theaterwerk Bremen“ ins Leben, um mit wechselnden Ensembles kleinere Bühnenformate wie Liederabende, Live-Hörspiele oder Literatur an verschiedenen Spielorten umzusetzen. Für seine Premieren-Produktion versammelte er ein illustres Ensemble aus Schauspieler*innen der verschiedenen Theater und der freien Kulturszene Bremens. Aufgrund der positiven Publikumsresonanz wurde das Stück am 9. Oktober 2020 nochmals aufgeführt.

Es ist der heißeste Tag des Jahres. An diesem Tag findet der letzte Tag eines schwerwiegenden und an sich eindeutigen Mordprozesses mit schier erdrückender Beweislast statt: Ein 19jähriger aus einem Slumviertel hat im Streit seinen Vater mit einem extrem auffälligen Springmesser erstochen. Die Anklage präsentierte zwei glaubhafte Zeugen. Beide haben den Jugendlichen bei der Ausführung der Tat beobachtet und ihn kurz darauf wegrennen gesehen. Zwölf Männer und Frauen völlig unterschiedlichen Charakters und Temperaments müssen als Geschworene in diesem Mordprozess einen einstimmigen Schiedsspruch fällen. In einem engen, von der Außenwelt abgeschlossenen Raum beraten sie darüber. Da der Fall eindeutig ist, wird mit einem raschen Ende der Sitzung gerechnet. Elf der Geschworen sind sich sofort einig: Der Angeklagte ist schuldig. Einer jedoch stellt sich gegen die Mehrheit: Er hat einen begründeten Zweifel und plädiert deshalb für nicht schuldig. Die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen ist ihm mindestens eine faire Diskussion wert. Das Unverständnis der Mitgeschworenen ist groß. Sie versuchen, den Zweifler mit mehr oder weniger stichhaltigen Argumenten von ihrem Schuldspruch zu überzeugen. Detailgenau werden noch einmal die Zeugenaussagen besprochen, die Tatwaffe erneut betrachtet, ebenso wie der Tatort-Plan und das Motiv. Und plötzlich, nach genauerer Analyse, scheinen die Beweise keineswegs mehr eindeutig. Die hitzigen Gemüter stoßen aufeinander, Reibereien, Streitigkeiten bestimmen die Diskussion. Die Atmosphäre im Raum ist zum Zerreißen gespannt. Doch nach und nach wird die Mauer der Vorurteile und schnellen Schlussfolgerungen brüchig…! Wie hoch ist das Risiko, einen Unschuldigen hinrichten zu lassen?

Auf offener Bühne stehen zwölf Tische in regelmäßigen Abständen zueinander. Jeder Tisch ist mit einer Nummer gekennzeichnet. Die Namen der Geschworenen werden wir nicht erfahren: Die Details ihrer Identität verstecken sich hinter der jeweiligen Nummer. Aus dem Off ertönt die Stimme des Richters, der den Geschworenen nochmals ihre Aufgabe erläutert, über Schuld bzw. Unschuld eines Menschen zu entscheiden. Vier Frauen und acht Männer treten auf, begeben sich mit ihrem Textbuch zu ihren zugedachten Tischen und nehmen dort Platz. Das Spiel beginnt…!

Zwölf Schauspieler*innen unterschiedlichen Alters, unterschiedlicher Herkunft, mit unterschiedlichem beruflichem Werdegang und von unterschiedlichen Bühnen treffen in dieser szenischen Lesung aufeinander und verkörpern die ebenso unterschiedlichen Geschworenen. Die Dynamik der Aufführung entstand so nicht nur aus dem Text, sondern auch aufgrund der Persönlichkeiten der teilnehmenden Künstler*innen. Regisseur Dirk Böhling, der selbst mitwirkte, bot mit Susanne Baum, Ulrike Knospe, Franziska Schubert, Sabine Urban, Jens Asche, Martin Baum, Ibrahim Benedikt, Denis Fischer, Marco Linke, Mateng Pollkläsener und Marcus Rudolph ein talentiertes Ensembles.

„Die zwölf Geschworenen“ ist ein Ensemble-Stück, trotzdem treten wie in jedem sozialen Gefüge einige Charaktere hervor, während andere lieber im Hintergrund bleiben. Als Zuschauer „übersah“ ich irgendwann das Textbuch in der Hand der Akteur*innen, da die Sprache das Geschehen bestimmte. Je weiter der Abend vorrückte, je detaillierter über den Tat-Hergang diskutiert wurde, umso mehr offenbarten sich die Charakterzüge der Beteiligten: Persönliche Ressentiments traten zutage und erlittene Enttäuschungen wurden auf den Angeklagten projiziert.

So bot diese Aufführung eine Vielzahl an Charakterstudien mit starken Momenten und 90 Minuten spannende Unterhaltung. Gerne mehr davon…!


Ob es weitere Aufführungen von Die zwölf Geschworenen am Metropol Theater in Bremen geben wird, ist bisher nicht bekannt. Ebenso gibt es leider noch keine Homepage vom „theaterwerk Bremen“, um mögliche Termine zu erfahren. Darum: Augen offen halten!

[Blog-Ge-„switch“-er] Oktober 2020…

Wie? Es sind schon zwei Monate her, seit ich das erste [Blog-Ge-„switch“-er] in die unendlichen Weiten der Bloggersphäre geschickt habe? Es fühlt sich aber an, als wäre es erst gestern gewesen!

Mit zunehmendem Alter habe ich das ebenfalls zunehmende Gefühl, dass meine (Lebens-)Zeit an mir vorbeirast, und ich kaum hinterherkomme. Welche wunderbare Leichtigkeit verspürte ich als Kind beim Beginn der Sommerferien: …so viel Zeit! Und bis zu den Herbstferien war es noch sooo lange hin. Heute reibe ich mir erstaunt die Augen und frage mich, warum nun schon wieder Ferien sind. Hatten die Kids nicht gerade erst vor wenigen Tagen noch Sommerferien?

Bevor auch die folgenden Beiträge meiner gestörten Wahrnehmung im Raum-Zeit-Kontinuum des Weltweitenwebs zum Opfer fallen, bitte ich um Eure freundliche Beachtung. Ich wünsche Euch viel Spaß!

  • Tobias Nazemi von „buchrevier“ wirft in Warum ich nicht länger mit Verlagen über Reichweite spreche einen kritischen Blick auf die Entwicklung innerhalb der Buch-Blogger-Szene und gibt Einblicke in die „Ups and Downs“ eines Leser-Alltags. Bei Buchrevier leaks: 2021 kommen die Instabooks versucht er uns in die Irre zu führen und malt ein Zukunfts-Szenario, das ich sicherlich nicht unterstützen würde.
  • Von ‚Mein‘ Deutschland spricht Julia Kratz auf ihrem Blog „Unkraut vergeht nicht …oder doch?“. Sie wirft einen differenzierten Blick auf das, was ihr Heimat bedeutet, und nennt viele Gründe, warum wir dankbar (aber nicht stolz) sein können, in diesem Land leben zu dürfen.
  • Jeder Buch-Fetischist kennt das Problem „zu viele (ungelesene) Bücher“ und weiß keine Lösung. Scheinbar wie durch Zauberhand wächst der SuB in schwindelerregende Höhe. Auf Reni Nürnbergers Blog „RenisBooks“ versucht ihre Mitbloggerin Anna-Sophia Koschitzki in Ungeliebt und Ungelesen (I) dem Problem auf den Grund zu gehen, um uns dann in Ungeliebt und Ungelesen (II) eine Lösung anzubieten. Ob es wirkt? Probiert’s doch mal aus!
  • Erst zarte 5 Monate alt ist der „Lesezentrum Blog“ von Stephanie Affeltranger, und als angehende Bibliothekarin liegt ihr dieses Arbeitsgebiet natürlich besonders am Herzen. So sendet sie in Unterstützt eure BibliothekarInnen! einen Appell an alle Pädog*innen, die Fachkräfte der Schulbibliotheken (sofern vorhanden) ins pädagogische Konzept mehr mit einzubeziehen. Schließlich ist eine Bücherei bzw. eine Bibliothek kein seelenloser Raum, der nur dem Zweck zur Aufbewahrung von Büchern dient. Vielmehr sollte/ kann Die Bibliothek als Ort um „einfach nur zu sein“ genutzt werden.

Ein kleiner Hinweis am Schluss: Dies ist keine Rubrik, die regelmäßig erscheint. Darum lasst Euch überraschen, wann das nächste [Blog-Ge-„switch“-er] das Licht der Blogger-Welt erblickt…!!! 😊

[Rezension] Michael Ende – Die unendliche Geschichte (Schmuckausgabe)/ mit Illustrationen von Sebastian Meschenmoser

Vor über einem Jahr erschien diese Schmuckausgabe anlässlich des 40. Geburtstages des Buches. Vor beinah einem Jahr habe ich sie von meinem Liebsten zum 50. Geburtstag erhalten, denn schließlich zählt Die unendliche Geschichte zu „Die Bücher meines Lebens“. Doch seitdem liegt dieser Prachtband unberührt auf der Ablage unseres Couchtisches. Irgendetwas hinderte mich, dieses Buch in die Hand zu nehmen und aufzuschlagen. Ausreden hatte ich reichlich parat: „Das Buch ist zu groß und zu schwer: Das kann ich nur an einem Tisch sitzend betrachten.“ und „Um dieses Buch richtig genießen zu können, brauche ich Zeit: Im nächsten Urlaub – Ja, dann setze ich mich dran!“

Ich glaube, mein Zaudern und Zögern lag vielmehr darin begründet, dass ich Angst hatte, diese Schmuckausgabe könnte nicht meine Erwartungen erfüllen und die Illustrationen würden gegen die vor über 40 Jahren entstandenen Bilder in meinem Kopf rebellieren. Schließlich liegt diese Geschichte mir so sehr am Herzen, und da war meine Befürchtung, vielleicht enttäuscht zu werden, einfach zu groß. Zudem konnte mich die Gestaltung der Neu-Auflage des Romans, die im Frühjahr des vergangenen Jahres erschien, leider nicht gänzlich überzeugen.

Doch nun war endlich die Zeit gekommen, mich meiner Furcht zu stellen…!

Die Handlung setze ich als bekannt voraus, und so werde ich mein Augenmerk ganz auf die Gestaltung des Buches lenken. Der Illustrator und Kinderbuchautor Sebastian Meschenmoser hat sich dieser herausfordernden Aufgabe gestellt. Meschenmoser ist mir u.a. durch seine bezaubernden Geschichten um Herrn Eichhorn bekannt.

Der Schutzumschlag gleitet vom Buch und offenbart einen edlen roten Leinen-Einband. Auf dem vorderen Deckel schlängeln sich in plastischer Prägung zwei Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen, um den Name des Autors und den Titel des Buches. Ich schlage das Buch auf und auf dem Vorsatzpapier „begrüßen“ mich in mehreren Reihen formiert eine Armada an Sphynx.

Dann beginnt die Geschichte, und ich atme auf als mein Blick auf den bekannten zweifarbigen Satzdruck in Rot und Grün fällt. Okay, auf die ursprünglichen, wunderbaren „Von A bis Z mit Buchstaben und Bildern“ wurde auch hier verzichtet, dafür hat Sebastian Meschenmoser eigene, äußerst phantasievolle Anfangsbuchstaben kreiert, die einen direkten Bezug zum folgenden Kapitel bilden und durch liebevolle Einzelheiten überraschen. Ich blätterte weiter und stieß auf das erste bunte Bild, das sich über zwei Seiten erstreckt. Insgesamt 50 großformatige Ölgemälde hat er für „Die unendliche Geschichte“ erstellt, auf denen Michael Endes Helden und Geschöpfe mal düster-bedrohlich, mal in einer überwältigenden Farbigkeit lebendig werden. In seinen Kunstwerken unterstreicht Meschenmoser das Surreale in Endes Geschichte. Weitere 138 ausdrucksstarke Zeichnungen verteilen sich über die 415 Seiten des Buches.

Allen Illustrationen ist gemein, dass ein flüchtiger Blick nicht ausreicht, um alle Feinheiten zu erfassen. Ausreichend Muße ist vonnöten, um die vielen ironischen Kleinigkeiten und versteckten Details aufzuspüren. Unwillkürlich erinnerte mich Meschenmosers Kunst an die Arbeit von Tatjana Hauptmann zu Das große Märchenbuch, und wie dieses Standard-Werk aus dem Diogenes-Verlag hat auch die Schmuckausgabe von „Die unendliche Geschichte“ das Potential zum Klassiker: Michael Endes Geschichte ist es schon seit Jahrzehnten!

Je weiter die Handlung voranschreitet, je mehr sich die reale Welt mit der Welt von Phantasien vermischt, umso tiefer wurde ich in das Buch durch die grandiosen Illustrationen hineingesogen,…

…und ich ertappte mich dabei, wie ich beim Betrachten der Bilder den Atem anhielt und mir die Augen feucht wurden,…

…denn alles war so bekannt und doch so neu und dabei so wunderschön,…

…und ich fühlte mich wie damals als Kind, als ich „Die unendliche Geschichte“ zum ersten Mal für mich entdeckte,…

„…aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden!“

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meines Blogger-Kollegen Hauke Hader von der Buchhandlung „Almut Schmidt“ in Kiel.


erschienen bei Thienemann/ ISBN: 978-3522202503

MONTAGSFRAGE #96: Welches (Cover-)Design eines Buches hat euch in letzter Zeit besonders gefallen?

Wer wählt schon ein Buch nur aufgrund eines gelungenen Cover-Designs aus? Wir doch nicht! („Hüstel!“) Schließlich kommt es doch einzig und allein auf den Inhalt an. Gerne bemühe ich hierzu einen gelungenen Vergleich meines geschätzten Blogger-Kollegen Frank Wolf vom „reisswolfblog“:

„Wenn ich mir im Restaurant um die Ecke eine Lebensmittelvergiftung zugezogen habe,
lobe ich ja auch nicht wenigstens noch die hübsche Tischdekoration.“

Wohl wahr…!!! Aber machen wir uns nichts vor: Wir alle obliegen der Versuchung der Optik! Oder, um beim Restaurant-Beispiel zu bleiben: Wären die Tische abgeranzt, die Stühle unbequem und der Fußboden klebrig, dann könnte die Küche noch so exquisit sein, ich würde dieses Restaurant nicht besuchen.

Optimal wäre es natürlich, wenn Cover und Inhalt eine Einheit bilden, bzw. der Inhalt hält, was das Cover verspricht. Jede*r von uns reagiert da auf unterschiedliche Reiz-Merkmale, wobei viele individuelle Faktoren eine nicht unerhebliche Rolle spielen: Alter, Geldbeutel, persönliche Präferenz – um nur einige wenige zu nennen.

Als Liebhaber alter britischer Krimis reagiere ich auf Covers, auf denen ein Cottage, Landhaus oder sonstiges gediegenes Anwesen abgebildet ist. Die Verlage „Klett-Cotta“ und „DuMont“ arbeiten bei ihren Krimi-Ausgrabungen gerne nach diesem Prinzip: Zugegeben, diese Vorgehensweise ist nicht unbedingt originell, aber es funktioniert.

Der „Atlantik-Verlag“, Heimstätte von Agatha Christies Werken, ist in seiner Cover-Gestaltung deutlich kreativer. Hier stehen die Cover-Illustrationen immer im unmittelbaren Zusammenhang mit der Geschichte. So bildet die Jubiläumsausgabe zu Das fehlende Glied in der Kette: Poirots erster Fall eher die Ausnahme, da „ein Cottage, Landhaus oder sonstiges gediegenes Anwesen abgebildet ist.“ Trotzdem hat mich dieses Cover mit der reduzierten Wahl der Farben bzw. Farbabstufung sofort angesprochen. Durch diese Reduzierung wirkt das Cover – trotz der leichten Düsternis – elegant.

Bei Maigret macht Ferien von Georges Simenon war es das genaue Gegenteil: Eine sommerlich-leichte Strandidylle wird durch eine wärmende Sonne, die in den Schriftzug „Maigret“ übergeht, überstrahlt. Soll dies etwa andeuten, dass Kommissar Maigret der Sonne gleich auch die finsterste Ecke erhellt? Dazu schaukeln Boote auf dem Wasser, der Himmel ist blau, und der Strand lädt zum Flanieren ein. Ich fühlte förmlich die flirrende Atmosphäre des kleinen Städtchen Les Sables-d’Olonne, in dem die Geschichte spielt. Zudem liebe ich diesen Retro-Touch.

Bei der besonderen Ausgabe der Büchergilde Gutenberg zu „Der talentierte Mr. Ribley“ gab es auf dem Cover weder irgendwelche englischen Landhäuser noch einen Retro-Touch zu bewundern. Trotzdem fühlte ich mich von der Gestaltung angesprochen! Beim ersten Blick auf das Cover war ich eher irritiert und glaubte, verschwommen zu sehen. Schnell wurde mir jedoch bewusst, dass dieser Effekt auf die Art und Weise der Gestaltung zurückzuführen war. Alexandra Rügler hat für diesen klassischen Kriminalroman von Patricia Highsmith faszinierende Illustrationen in 3D-Optik kreiert (entsprechende Brille liegt bei), „die den Betrachter mit dem Buch interagieren lassen und so eine zweite Leseebene schaffen“ (Klappentext). Ob dies tatsächlich gelingt, werde ich zu einem späteren Zeitpunkt berichten, da ich diesen Roman noch nicht gelesen habe.

Optik + Inhalt = Einheit: Das wäre bei einem Buch natürlich das Optimum!!!

…und lasst Ihr Euch auch von ein hinreißendes Äußeres verführen, oder zählen bei Euch nur die inneren Werte???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Rezension] Nina Freudenberger (mit Sadie Stein) – BiblioStil. Vom Leben mit Büchern/ mit Fotografien von Shade Degges

„Ein Raum ohne Bücher ist ein Körper ohne Seele.“ Cicero

Der große Philosoph der römischen Antike hat mit diesem einen Satz so vieles ausgesagt, und so erscheint mir diese Rezension ein wenig wie die Fortsetzung meines Beitrags Die Präsenz der Bücher, den ich vor beinah zwei Jahren zu diesem Thema veröffentlicht hatte. „Verrate mir, was du liest, und ich sage dir, wer du bist!“ Doch nicht nur was wir lesen spiegelt unseren Charakter wieder, auch wie wir den Aufbewahrungsorte unserer Lektüren gestalten, offenbart vieles von unserer Persönlichkeit.

Nina Freudenberger blickt weltweit in die Bibliotheken von bibliophilen Menschen: Dabei handelt es sich durchweg um Menschen, die über das nötige Know-how verfügen: So tummeln sich in diesem Buch u.a. Autor*innen, Buchhändler*innen, Künstler*innen, Architekt*innen, Geschäftsführer*innen und Regisseur*innen. Wohltuend unprätentiös berichten sie von ihrer Leidenschaft und gewähren uns private Einblicke in ihre Bibliotheken. Allen ist gemein, dass sie eine innige Beziehung zum gedruckten Wort hegen. Die Beweggründe zur Entstehung ihrer Bibliothek können durchaus unterschiedlich sein. Da gibt es „Die Sentimentalen“, die mit jedem Buch in ihrer Sammlung eine Geschichte, eine Erinnerung verbinden. „Die Intuitiven“ lassen sich von ihrem Gefühl bei der Gestaltung bzw. Zusammenstellung ihrer Bibliothek leiten. Während „Die Arrangeure“ ihre Bücher bewusst gruppieren, um einen bestimmten Effekt zu erzielen, richten „Die Professionellen“ ihre Lektüre nach Fachrichtungen aus. „Die Sammler“ sind auf der Jagd nach besonderen Exemplaren, um diese der Nachwelt zu erhalten.

Einige Bibliotheken machen staunend aufgrund ihrer Atmosphäre oder ihrer Größe. Andere wirken erfrischend unsortiert/ unaufgeräumt, scheinen wie organisch gewachsen und sind somit nicht nur Aufbewahrungs- sondern vor allem Wohnort. Es wird mit/ neben/ inmitten Büchern gelebt, und die Präsenz der Bücher nimmt Einfluss auf die Persönlichkeit der Besitzer*in! Nina Freudenberger porträtiert somit in ihren Texten (gemeinsam mit Sadie Stein) nicht nur die Räume sondern charakterisiert ebenso charmant die in diesen Räumen lebenden bzw. arbeitenden Menschen.

Locker verteilt Freudenberger zwischen den Porträts kleine Exkurse rund ums Buch: Wir lernen außergewöhnliche Buchläden und Antiquariate kennen, wo sich Bücher fein säuberlich sortiert in Regalen oder ohne System vom Boden bis zur Decke stapeln. Dann entdecken wir kostbare Raritäten des Buchdrucks oder werfen einen interessierten Blick in öffentliche Bibliotheken unterschiedlicher Ausrichtung.

So wunderbar die Texte auch sind, doch ein solches Buch „lebt“ von den Fotos: Shade Degges besitzt ein feines Auge, um die Quintessenz eines Raumes im Bild einzufangen. Sie verzichtet wohltuend auf plakative Hochglanzfotos: Durch ihre elegante Mattigkeit gewinnen ihre Fotos deutlich an Tiefe. Geschickt wechselt Degges zwischen Totale und Detail, um die Stimmung der jeweiligen Bibliothek und das Wesen deren Besitzer zu erfassen. So erlaubte sie mir einen durchaus schwelgerischen aber nie voyeuristischen Blick in die Bücherschränke Gleichgesinnter.

Egal ob kleines Bücherregal oder opulente Bibliothek, egal ob in New York oder Osterholz-Scharmbeck, egal ob Künstlerin oder Krankenpfleger:  Wir alle sind Gleichgesinnte, denn uns eint die Liebe zum Buch!


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791386522

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Literaten im Fokus: Schiebung…!

Ihr Lieben,
„eigentlich“ (!) war für Oktober die nächste Runde zu „Literaten im Fokus“ geplant.

Diesmal sollte sich mein Augenmerk auf den britischen Autor Christopher Isherwood richten, der u.a. mit Leb wohl, Berlin die literarische Vorlage für das berühmte Musical Cabaret lieferte. Hierzu hätte ich wie gewohnt den Autor zuerst mit einem Porträt gewürdigt, um ihn dann anhand von vier literarischen Werken vorzustellen, die entweder aus seiner Feder stammen oder von ihm handeln. Abschließend hätte ich Euch dann eine*n seiner Wegbegleiter*innen präsentiert. Diese Abfolge an Beiträgen zu erstellen, bereitet mir durchaus viel Spaß, ist aber auch sehr zeit- und arbeitsintensiv.

Doch irgendwie fühle ich mich momentan etwas müde, und alles in mir sehnt sich nach einer etwas weniger anspruchsvollen Lektüre. Darum mache ich mich einer geplanten Schiebung schuldig und habe beschlossen, den Christopher (😉) ins nächste Jahr zu verrücken. Ich bitte um/hoffe auf Euer Verständnis!

Selbstverständlich wird es im Oktober Rezensionen von mir zu lesen geben: Den einen oder anderen außergewöhnlichen Bildband möchte ich gerne vorstellen, bevor ich Euch mit wunderbaren Weihnachtskrimis schon vorab auf das schönste Fest des Jahres einstimme. Wie jedes Jahr steht plötzlich und unerwartet der Heilige Abend vor der Tür, und Ihr hättet dann keine mörderische Lektüre. Das kann ich doch nicht zulassen. Darum: Ihr dürft gespannt sein…!

Liebe Grüße
Andreas

[Musical] John Kander – Chicago / Stadttheater Bremerhaven

Musik von John Kander / Gesangstexte von Fred Ebb / Buch von Fred Ebb und Bob Fosse  nach dem Stück Chicago von Maurine Dallas Watkins / Deutsch von Erika Gesell und Helmut Baumann / mit englischen Songs und deutschen Dialogen

Premiere: 19. September 2020/ besuchte Vorstellung: 27. September 2020

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Musikalische Leitung: Davide Perniceni
Inszenierung: Felix Seiler
Choreographie: Andrea Danae Kingston
Bühne: Hartmut Schörghofer
Kostüme: Julia Schnittger
Choreinstudierung: Mario Orlando El Fakih Hernández

Roxie Hart ist ihre Ehe mit dem soliden aber unscheinbaren Amos überdrüssig und stürzt sich in Affären. Als ihr Liebhaber Fred Casely sie abservieren will, greift sie zum Colt und schießt ihn über den Haufen. Denn: Eine Roxie Hart verlässt man(n) nicht so einfach. Eine Roxie Hart ist ein Mädchen mit Ambitionen. Sie will die große Show auf einer noch größeren Bühne, so wie ihr Idol Velma Kelly, die sie prompt im Frauenknast kennenlernt. Velma wartet auf ihren Prozess: Sie hat ihren Ehemann im Bett mit ihrer Schwester erwischt und in einem Anfall von geistiger Unzurechnungsfähigkeit (ihre Verteidigungsstrategie vor Gericht) beide kurzerhand getötet. Nun wartet sie im Gefängnis unter der eisernen Führung von Mama Morton auf ihre Verhandlung. Die Presse ist begeistert von den mörderischen Mädels: Besonders Klatschkolumnistin Mary Sunshine bringt immer neue haarsträubende Enthüllungen, die ihr von Staranwalt Billy Flynn charmant-skrupellos in die Feder diktiert werden. Geschickt manipuliert er die Presse und prägt so die öffentliche Meinung. Das Ergebnis: Velma und Roxie werden freigesprochen und starten gemeinsam eine fulminante Karriere auf der Vaudeville-Bühne.

Musical in Zeiten von Corona: Geht das überhaupt? Blechernd klingt das Orchester aus den Boxen. Roxie liegt in ihrem Bett, wartet auf ihren Liebhaber und träumt von ihren Idol Velma Kelly, die plötzlich aus dem Schrank hüpft und gemeinsam mit drei Tänzern zu „All That Jazz“ Roxie und ihren Lover umtanzt. Statt großer Shownummer sah dies für mich eher nach Kammerspiel aus. Statt mit einem grandiosen „BÄHM!“ begann die Show mit einem verhaltenen „Pling!“. Ich stellte mir ängstlich die Frage „Geht das nun so weiter?“.

Nein! Es ging nicht so weiter! Erst der Mord an Fred Casely ermöglicht es Roxie, der Enge ihrer kleinen, unbedeutenden Welt zu entfliehen. Und so öffnet sich die Bühne wie die Büchse der Pandora und präsentiert das Spiel um Mord, Korruption und Manipulation: Spätestens beim „Cell Block Tango“ hatte ich sie, meine große Show!

Musical in Zeiten von Corona: Geht das überhaupt? Ja, es geht, und dazu auch noch ganz großartig! Selten griffen die Künste von Regie, Choreografie, Bühne und Kostüm so ineinander wie in dieser Inszenierung. Regisseur Felix Seiler machte aus der Not eine Tugend und zauberte aus den vorgegebenen 90 Minuten Spielzeit ohne Pause eine straffe Inszenierung, in der ein Highlight vom nächsten Highlight abgelöst wird. Fein differenziert zeigte sich seine Personenführung und überraschte mit ungewöhnlichen und witzigen Ideen. Großes Lob: Trotz Kürzung bzw. Straffung der Handlung hatte ich nicht das Gefühl, dass mir wesentliche Inhalte gefehlt hätten. Andrea Danae Kingston bot eine kreative und anspruchsvolle Choreografie und sorgt so – trotz Abstandsregelung – für abwechslungsreiche Bewegungsabläufe. Seiler und Kingston scheinen ein eingespieltes Team zu sein: Häufig war nicht nachvollziehbar, wo die Regie aufhörte und die Choreografie begann. Das Bühnenbild von Hartmut Schörghofer schafft stimmige Spielebenen und unterstützt die vorgegebene Distanz zwischen den Darstellern ohne an Atmosphäre einzubüßen. Die ansprechenden Kostüme von Julia Schnittger glänzen im 20er-Jahre-Look mit einem Touch Modernität.

Vier von den sechs Hauptrollen sind mit Musical-Profis besetzt: Valentina Inzko Fink gibt das naive Blondchen Roxie Hart mit einer gehörigen Prise Durchtriebenheit. Die Velma Kelly von Jasmin Eberl trieft vor ordinärem Selbstbewusstsein, lässt durchaus hinter der taffen Fassade Verletzlichkeit durchschimmern. Beide Ladies punkten mit grandiosen Stimmen, tänzerischem Können und einer Menge Sex-Appeal. Frank Winkels als Billy Flynn ist ein absoluter WoMenizer (😉) mit markantem Charme und markiger Stimme. Mona Graws Mama Morton ist als Oberaufseherin im Frauengefängnis Puff- und Beichtmutter in Personalunion mit dem Herz am rechten Fleck.

Aber auch die hauseigenen Kräfte aus dem Opernensemble verstehen sich in diesem Musical zu behaupten: MacKenzie Gallinger gibt seinen trotteligen, bemitleidenswerten Amos Hart mit nuancierter Stimme. Victoria Kunze glänzt mit Spielfreude und tiriliert sich bravourös durch die Koloraturen der Mary Sunshine. Die Damen vom Opernchor überraschen herrlich überdreht beim „Cell Block Tango“, während ansonsten der Opernchor dank der versierten Leitung von Mario Orlando El Fakih Hernández aus dem Off für stimmlich-stimmige Unterstützung sorgt.

In dieser Inszenierung, die aus einem Guss erscheint und voller Höhepunkte steckt, fällt es schwer, einzelne Leistungen hervorzuheben. Doch ich muss einfach das wunderbare Ballett-Ensemble loben, dass die Choreografie von Andrea Danae Kingston mit einer absoluten tänzerischen Brillanz umsetzte und auch in ihren Solis glänzte: BRAVO!

Corona-bedingt sitzt das (reduzierte) Orchester nicht im Graben vor der Bühne sondern wird live von der großen Probenbühne in den Zuschauerraum übertragen und dies mit einer für mich überraschend guten Ton-Qualität. Davide Perniceni führt seine Musiker mit straffen Dirigat und sorgt so für einen satten Music Hall-Sound.

Auch wenn ich bei einem Blick in den Zuschauersaal mit den massiv reduzierten Plätzen kurzzeitig einen Kloß im Hals verspürte und mir die Augen feucht wurden, konnte dies meine Freude an diesem ersten Theaterbesuch nach Monaten des Vermissens nicht mindern: Es geht weiter! HURRA!

So verließ ich nach der Show beschwingt das Theater und machte mich gut gelaunt einen Song pfeifend mit meiner Begleitung auf den Weg ins nahe Theater-Restaurant: Lasst uns (besonders in diesen Zeiten) das Leben genießen!


Wer einen Blick hinter die Kulissen des Musicals Chicago werfen möchte, dem kann ich nur wärmstens den Beitrag von Ilka D’Alessandro, Leiterin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit am Stadttheater Bremerhaven, ans Herz legen. Zudem gibt es auf musicalzentrale ein lesenswertes Mini-Interview mit Regisseur Felix Seiler zu entdecken.


Bis zum Ende des Jahres sind vorerst weitere Aufführungstermine für Chicago am Stadttheater Bremerhaven geplant. Hoffen wir, dass es danach mit den mörderischen Mädels weitergeht…!

MONTAGSFRAGE #95: Welche kleinen Verlage kennt ihr eigentlich und mögt ihr gern?

Natürlich hat jeder von uns die Publikationen der großen Verlage im Regal stehen: Diogenes, Rowohlt, Hanser und die vielen, vielen Verlage, die sich unter dem Dach von Random House befinden, kennt wohl beinah jedes Kind, und daran ist absolut nichts Verwerfliches…! Aber es gibt auch sie, die kleinen und kleinsten Indie-Verlage, die Klassisches pflegen, Kantigem ein Forum bieten und Unbekanntem Raum geben.

Seit Herbst 2018 gibt es erst den Schweizer Kampa Verlag mit dem namensgebenden Daniel Kampa an der Spitze, der sich als Heimstätte von Georges Simenons Werke etabliert hat. Doch auch die Literaturnobelpreis-geadelte Olga Tokarczuk fand hier ihre deutschsprachige Heimat. Zudem überrascht der Verlag mich immer wieder mit ausgewählten Anthologien, schön illustrierten (Kinder-)Büchern und sowohl neu- als auch wiederentdeckten Krimis.

Antje Kunstmann und ihr Team scheinen ein feines Gespür zu besitzen, bei welchen in Vergessenheit geratenen Werken es sich lohnt, sie vom Staub der Vergangenheit zu befreien. Ihre Wiederveröffentlichungen (u.U. in neuer Übersetzung) sorgen für reichlich Gesprächsstoff. Aber auch moderne Gegenwartsliteratur ist hier zu finden, wie beispielsweise Kristof Magnusson mit seinem Roman „Ein Mann der Kunst“. Doch ich habe auch immer mit größtem Vergnügen den einen oder anderen Blick in einen der Lyrik-Bände geworfen.

„Schöne Bücher für kluge Frauen“ lautet das Motto vom Elisabeth Sandmann Verlag. Doch auch kluge Männer schätzen diesen Verlag für seine außerordentlich schönen Bildbände und die Sachbücher zu inspirierenden Themen und erfreuen sich an deren hochwertigen Aufmachung. Kluge Männer haben nämlich erkannt, dass Literatur mit feministischer Thematik eine Bereicherung darstellt.

Der kleine Bremer Donat Verlag bietet eine überraschende Bandbreite. Seit Gründung in Familienbesitz findet die/der interessierte Leser*in in diesem Verlag Werke zu Themen, die eher abseits des Mainstreams anzusiedeln sind. Autor*innen aus Bremen und „umzu“ fanden hier ihr verlegerisches Zuhause. Auch die Erzählbände der mir bekannten Autorin Ria Neumann sind hier erschienen.

Auch der Schünemann Verlag hat in Bremen seine Heimat. Neben s.g. „Bremensien“ und div. (Fach-)Zeitschriften gibt es einiges „op Platt“ zu entdecken. Aber auch die Koch- bzw. Kinderbücher mit regionalem Bezug schätze ich sehr. So habe ich mich in das Buch „Norddeutsche Sagen und Märchen“ mit Illustrationen von Julia Beutling verliebt.

Die Publikationen der Indie-Verlage bereichern die Literatur-Landschaft wie bunte Farbkleckse und sorgen so für eine enorme Themen-Vielfalt. Ich finde es absolut großartig…!

…und welche kleinen Verlage mögt Ihr???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.