Heute ist…

…der internationale Tag der Katze!

Ich bin anscheinend keine großartige Persönlichkeit: Mein Kater geht vor mir, krabbelt über mich, liegt neben mir, auf mir oder einfach nur im Weg,…

…egal ob treppauf – egal ob treppab:

Unser Kater liegt, steht oder läuft prinzipiell dort, wo er NICHT liegen, stehen oder laufen sollte. So sind wir gezwungen, stets mit hellwachen Sinnen durch das Haus zu gehen und akrobatisch/ umständlich – meistens schwer bepackt – über unseren Kater zu turnen.

Er schaut uns dabei völlig entspannt und voller Vertrauen zu. Und wir tun es gerne, denn wir lieben ihn so sehr.

Was spielt es da für eine Rolle, ob er hinter mir steckt. Hauptsache er ist bei mir! 🐾

Foto - Andreas Kück.JPG

[Rezension] Finn-Ole Heinrich – Gestern war auch schon ein Tag

Sympathisch sind sie mir nun nicht gerade – die Protagonisten in Finn-Ole Heinrichs Erzählungen. Mit keinem von ihnen würde ich einen Abend verbringen wollen. Aber der Autor möchte auch nicht anbiedernd Sympathie beim Leser erhaschen. Kantig sind sie – kantig und schnörkellos. Und dabei so echt und so weit entfernt vom Gut-Menschen.

Lieber würde ich über Gut-Menschen lesen: Es wäre für mich einfacher. Aber „einfacher“ will der Autor auch nicht sein. Er möchte unangenehm sein, seine Geschichten sollen unangenehme Emotionen beim Leser auslösen. Das Lesen dieser Erzählungen kratzt an der schönen Oberfläche des Lesers.

Aber warum empfinde ich es als unangenehm? Weil es wahrhaftig ist! Weil seine Protagonisten mit Emotionen kämpfen, die mir so vertraut sind. Weil sie Menschen sind, und somit ihre Gefühle menschlich sind – so wie auch meine Gefühle menschlich sind. Weil mir ein Spiegel vorgehalten wird, und ich erbarmungslos gezwungen werde, einen kritischen Blick in ihn zu werfen.

Schön ist es nicht unbedingt, was ich dort zu sehen bekomme.

Doch warum lese ich weiter? Weil ich erleichtert bin: Auch ich darf mir Gefühle zugestehen, die nicht „edel, hilfreich und gut“ sind. Und weil der Autor seine Figuren in all ihrer Menschlichkeit nicht bewertet: Sie werden von ihm nicht verraten, und somit fühle auch ich mich nicht bloßgestellt.

Es fällt mir schwer, die Inhalte der Erzählungen wiederzugeben: Dafür sind die Geschichten auch wieder zu unterschiedlich. Dafür sind die Schicksale der Protagonisten auch wieder zu individuell. Nur eines ist ihnen gemein: Finn-Ole Heinrich pfeift in seinen Geschichten auf den schönen Schein. Seine Geschichten sind klar. Seine Sprache ist klar – und erbarmungslos ehrlich: „Man bekommt, was man sieht!“

Glamour? Glamour muss ich mir woanders suchen! Das hier beschreibt nur das schnöde Leben!


erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442713189

MONTAGSFRAGE #47: Kann man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen?

Objektivität! Was ist das? – Ach, ist das nicht dieses Dingsbums, bei dem Reinhold Messner glaubte, es im Himalaya gesichtet zu haben: Jeder glaubt, es zu kennen, aber keiner hat es bisher gesehen?

Objektivität! Nein, ich glaube nicht, dass ich bei meinen Rezensionen objektiv bin. Vielmehr, ich bin mir sicher, dass ich es nicht bin. Und dabei ist es völlig unerheblich, ob ich das zu rezensierende Buch selbst gekauft, als Geschenk erhalten oder als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Objektivität! Ich bin eine einmalige Persönlichkeit, die durch ganz individuelle Ereignisse geleitet, eine Vielzahl an Erfahrungen geformt und den Einfluss anderer einmaliger Persönlichkeiten geprägt wurde. All diese Faktoren bestimmen meine Sicht der Dinge, d.h. jeder Mensch trägt sein individuelles Päckchen. Dieses Päckchen ist Fluch und Segen zugleich, gibt es doch vor, mit welchem Blick/ aus welchem Blickwinkel ich (um bei der heutigen Montagsfrage zu bleiben) ein Buch lese. Und bei allem was ich tue, spornt mich der Inhalt des Päckchens entweder an oder bremst mich aus. Glücklicherweise sind wir alle in der Lage, unser persönliches Päckchen mit ein Quentchen Mut ein wenig neu zu packen. Es liegt nur an uns selbst!

Apropos heutige Montagsfrage: Nein, auch ein Rezensionsexemplar beurteile ich nicht objektiv. Aber wenn mir ganz persönlich ein Buch nicht gefällt, bzw. der Funke nicht überspringen will, dann verfasse ich darüber auch keine Rezension – so schon durchaus in der Vergangenheit passiert: Dann erhalten die Mitarbeiterinnen des Bloggerportals von Random House ebenso eine „Absage“, wie ein Autor, der sein Werk in Eigenregie veröffentlicht hat – und dies selbstverständlich mit allem nötigen Respekt und Wertschätzung.

Wobei ich explizit darauf hinweisen möchte, dass ich diese Bücher generell nicht für „schlecht“ halte. Dieses vernichtende Urteil maße ich mir nicht an. Ein Buch, das mir nicht gefällt, kann selbstverständlich den Geschmack eines anderen Lesers durchaus treffen. Darum würde ich auch nie einer positiven Rezension dieses Buches durch einen begeisterten Leser widersprechen. Wer bin ich denn, dass ich die Einschätzung eines anderen Menschen in Frage stelle?

Auch die Toleranz, eine andere Meinung gelten zu lassen, zeugt für mich von Respekt und Wertschätzung.

Objektivität! Vieles wäre einfacher, hätten wir alle einen ähnlichen Fokus. Ja, vieles wäre einfacher aber auch viel langweiliger!

ES LEBE DIE VIELFALT!!!

…und wie schätz Ihr Euch selbst ein? Seid Ihr objektiv?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Cruschiform – COLORAMA: Das Buch der Farben

Farben über Farben: Doch Blau ist nicht gleich Blau, Rot ist nicht gleich Rot, Grün ist nicht gleich Grün, und selbst Weiß überrascht mit einer immensen Vielfalt,…

…das ist uns allen sicherlich bewusst, aber nehmen wir die Farben auch so intensiv in ihren unterschiedlichen Schattierungen wahr? Ich glaube eher weniger! Und doch verbinden wir etliche Pflanzen, Tiere und Gegenstände mit einem bestimmten Farbton. Oftmals wird beides in einem Atemzug genannt: Kornblumenblau, Feuerwehrrot, Sonnenblumengelb, Eierschalenweiß… – Ich könnte meine Aufzählung unendlich fortführen!

Das Pariser Kreativstudio „Cruschiform“ von Marie-Laure Cruschi widmet sich mit einem kleinen Wälzer diesem Phänomen und zaubert auf 133 Farbtafeln eine „kleine“ Auswahl aus der kunterbunten Welt der Farbtöne und -nuancen. So habe ich nicht gewusst, dass es einen kleinen aber feinen Unterschied gibt zwischen Kurkuma (051) und Indischgelb (052): Auf dem oberflächlichen Blick scheinen beide Farbnuancen identisch, erst der direkte Vergleich offenbart den Unterschied.

Während auf der rechten Buchseite sich ganzseitig der jeweilige Farbton „breitmacht“, erfahre ich auf der linken Buchseite den nötigen Background. Das vermittelte Wissen reicht von „wissenschaftlich-wertvoll“ bis „kurios-unnütz“ (…oder habt Ihr gewusst, dass es ein spezielles Tiffany-Blau gibt, und auch Grünspan ein eigener Farbton ist?). Aber gerade diese bunte Vielfalt macht diesen Wälzer so abwechslungsreich-unterhaltsam.

Dies ist keine Publikation, die ich von Farbtafel 001 (Schneeweiß) bis Farbtafel 133 (Mondlicht) konsequent chronologisch durcharbeiten werde, – Nein! – dieses Buch wird griffbereit in der Nähe meines Lieblingsleseplatzes liegen, damit ich es immer mal wieder zur Hand nehme und darin blättere, um mich an der bunten, lustigen Vielfalt der Farben zu erfreuen.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373270

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Ich habe es gewagt,…

…mich selbst für den diesjährigen Buchblog Award zu nominieren. Ich habe gezögert – und mir lange und intensive Gedanken gemacht: „Kann ich mich wirklich selbst nominieren, oder wirkt es zu selbstgefällig?“, „Sollte ich nicht lieber abwarten, ob mich ein mir wohlgeneigter Mensch nominiert?“, „Aber wie würde ich mich fühlen, wenn mich niemand nominiert?“, „…und was sagt diese Tatsache über mich und meinen Buch-Blog aus?“, „…sagt es überhaupt etwas aus?“.

So kam ich zum Entschluss, sämtliche Verantwortung auf mich zu vereinen: Ich habe mich angemeldet! Ich trage die alleinige Schuld an einem Misserfolg!

Also flugs das Anmeldeformular aufgerufen und hurtig die Lücken gefüllt. Dann kam die Spalte „Begründung zur Nominierung“ sprich „Selbstbeweihräucherung“. Da stehe ich ja total drauf, mich selbst anzupreisen, wie „supi“ ich bin! Spontan brach meine ironische Ader hervor und wollte schreiben „…weil ich einfach der Geilste bin!“. Da mir bewusst ist, dass Ironie in der geschriebenen Form durchaus missverstanden werden könnte, habe ich mich für eine unverfänglichere Variante entschieden:

„Andreas Kück – LESELUST ist ein kleiner aber feiner Blog, der zum Lesen von guten Geschichten verführen möchte. Hier richtet er sein Augenmerk durchaus auf aktuelle Publikationen, aber auch die schönen Geschichten vergangener Monate und Jahre werden wiederentdeckt. Zudem werden die Leser*innen animiert, auch „Ausflüge“ in andere Regionen der Kultur zu unternehmen.“

…nun noch schnell auf „Nominierung absenden“ geklickt, und das Schicksal kann seinen Lauf nehmen!

So, nun werde ich ganz entspannt abwarten.

Wie viele Menschen wohl für mich stimmen werden? Naja, 101 Stimmen sind mir ja schon sicher, da ja alle meine Follower selbstverständlich für mich stimmen. Schließlich drücken sie mit ihrer Followerei ja aus, dass sie meinen Blog gut finden. Da werden sie ja sicher auch ihre Verbundenheit mit einer Stimmabgabe zum Ausdruck bringen. Und wenn sie es nicht tun??? Aber warum followern sie mich denn dann, wenn sie mir noch nicht mal ihre Stimme für einen Award geben würden? (Grübel!)

Ja, danke auch: Hätte ich mich bloß nicht selbst nominiert! Jetzt bin ich so überhaupt nicht mehr entspannt,…

…und Ihr seid schuld!

(Höre ich da etwa, wie Paul Watzlawick mit seinem berühmten Hammer gegen den Sargdeckel klopft?) 😉

[Noch ein Gedicht…] Erich Kästner – DER JULI

Still ruht die Stadt. Es wogt die Flur.
Die Menschheit geht auf Reisen
oder wandert sehr oder wandelt nur.
Und die Bauern vermieten die Natur
zu sehenswerten Preisen.

Sie vermieten den Himmel, den Sand am Meer,
die Platzmusik der Ortsfeuerwehr
und den Blick auf die Kuh auf der Wiese.
Limousinen rasen hin und her
und finden und finden den Weg nicht mehr
zum Verlorenen Paradiese.

Im Feld wächst Brot. Und es wachsen dort
auch die zukünftigen Brötchen und Brezeln.
Eidechsen zucken von Ort zu Ort.
Und die Wolken führen Regen an Bord
und den spitzen Blitz und das Donnerwort.
Der Mensch treibt Berg- und Wassersport
und hält nicht viel von Rätseln.

Er hält die Welt für ein Bilderbuch
mit Ansichtskartenserien.
Die Landschaft belächelt den lauten Besuch.
Sie weiß Bescheid.
Sie weiß, die Zeit
überdauert sogar die Ferien.

Sie weiß auch: Einen Steinwurf schon
von hier beginnt das Märchen.
Verborgen im Korn, auf zerdrücktem Mohn,
ruht ein zerzaustes Pärchen.
Hier steigt kein Preis, hier sinkt kein Lohn.
Hier steigen und sinken die Lerchen.

Das Mädchen schläft entzückten Gesichts.
Die Bienen summen zufrieden.
Der Jüngling heißt, immer noch, Taugenichts.
Er tritt durch das Gitter des Schattens und Lichts
in den Wald und zieht, durch den Schluß des Gedichts,
wie in alten Zeiten gen Süden.

Erich Kästner

MONTAGSFRAGE #46: Können Bücher bei euch das Blut in den Adern gefrieren lassen?

Irgendwie erinnert Antonias heutige Frage an ein vorgezogenes Halloween-Special,…

…dabei meint sie nicht nur die passende Literatur zu diesem „wunderbaren“ (!) „Feiertag“ (!) sondern ob das Lesen von entsprechenden Büchern generell vegetative Reaktionen beim Leser auslösen könnte.

Manchmal braucht es dafür auch nur ein bestimmtes Geräusch: In der Nacht von Donnerstag auf Freitag lagen mein Mann und ich von der Hitze des Tages ermattet im Bett. Mein Mann schnarchte leise vor sich hin, während ich vergeblich mich bemühte, zur Ruhe zu kommen. Alle Fenster sowie die Balkontür waren weit geöffnet, um möglichst viel Kühle hinein und ebenso viel Wärme hinaus zu lassen. Plötzlich hörte ich das besagte Geräusch, das mir das Blut in den Adern gefrieren lies und dafür sorgte, dass meine Nackenhaare zu Berge standen. Unser Kater war über die geöffnete Balkontür ins Haus gelangt und teilte mir mit seinem unverwechselbar kehligen Gurren mit „Schau mal, was ich dir schönes mitgebracht habe!“. Ich feuerte Stoßgebete Richtung Himmel ab „Bitte, bitte, lass es schon tot sein!“. Meine Gebete wurden zwar erhört, trotzdem zählt die nächtliche Bestattung einer Maus nicht zu meinen favorisierten Beschäftigungen, und die Balkontür blieb in der nächsten Nacht vorsorglich geschlossen. Aber unser Kater sorgte weiterhin für die Seinen: Am Morgen des darauffolgenden Tages lagen drei Geschenke auf dem Balkon sowie ein Geschenk vor der Haustür. Ist unser Kater nicht ein Prachtkerl? Dank ihm müssten wir nie Hunger leiden!

Aber zurück zur eigentlichen Frage: Natürlich kann das Lesen bestimmter Geschichten dazu beitragen, dass beim Leser das Blut in den Adern gefriert. Ebenso sind aber auch alle anderen nur erdenklichen Gefühlsregungen möglich. Lesen versetzt Dich in andere Welten, löst Stimmungen aus, lässt dich mitleiden und mitfühlen, bringt dich zum Lachen oder zum Weinen und weckt längst verschollen geglaubte Erinnerungen. Wünschenswerte Voraussetzung für diese Achterbahn der Gefühle wäre eine entsprechende Disposition des Lesers. Ich besitze diese beschriebene Disposition – und nicht nur beim Lesen. Ich bin, was dieses Thema anbelangt, äußerst empfänglich: Im Kino zerquetsche ich die Hand meines Mannes, da ich die Spannung kaum ertragen kann. In der Oper rinnen mir Träne über die Wangen, da mich die Schönheit des Gesangs so sehr berührt. Beim Hören bestimmter Lieder bessert sich meine Laune sekündlich, und ich verbringe den Tag mit einem Wurm im Ohr. In einer Ausstellung schwelge ich in den Farben des Künstlers,…

…und auch das Lesen kann die komplette Bandbreite an Gefühlen und Regungen bei mir auslösen.

Welche Bücher dies im Einzelnen sind, werde ich Euch (noch) nicht verraten: Einige dieser mir wichtigen Bücher habe ich Euch schon vorgestellt, andere werden zum Ende des Jahres im Rahmen einer besonderen Aktion folgen. Ich hoffe, Ihr mögt Euch bis dahin gedulden!

Gibt es Geschichten, die Euch berühren? Kommt, lasst die Emotionen fließen…!


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

Ein Porträt: Erich Kästner [zum 45. Todestag]

Erich Kästner (* 23. Februar 1899/ † 29. Juli 1974)

Unbenommen ist er einer unserer größten deutschen Schriftsteller. Aber auch als Publizist, Drehbuchautor und Kabarettdichter war er zeitlebens aktiv. Schon während der Weimarer Republik veröffentlichte er Gedichte, Glossen und Essays in verschiedenen Periodika.

Sein Vater war Sattlermeister in einer Kofferfabrik. Die Mutter war Dienstmädchen und Heimarbeiterin und wurde später Friseurin. Zur Mutter hatte Kästner eine äußerst intensive Beziehung: Das Mutter-Motiv taucht später immer wieder in seinen Romanen und Erzählungen auf. Das Gerücht, dass der Hausarzt der Familie sein leiblicher Vater wäre, konnte nie bestätigt werden.

Kästner besuchte ab 1913 das Lehrerseminar, brach die Ausbildung zum Volksschullehrer allerdings drei Jahre später kurz vor Beendigung ab. 1917 wurde er zum Militärdienst eingezogen. Die dort erfahrene Brutalität während der Ausbildung hinterließ nicht nur eine lebenslange Herzschwäche bei Kästner sondern verstärkte seine antimilitärische Haltung. Nach Ende des ersten Weltkrieges holte er sein Abitur mit Auszeichnung nach.

Im Jahr 1919 begann Kästner an der Universität Leipzig das Studium der Geschichte, Philosophie, Germanistik und Theaterwissenschaft und promovierte 1925 mit einer Dissertation zum Thema „Friedrich der Große und die deutsche Literatur“. Die Studentenjahre waren geprägt durch seine prekäre finanzielle Situation u.a. aufgrund der Inflation. So musste er sein Studium mehrfach unterbrechen, um es nach Nebenjobs als Parfümverkäufer oder Einnahmen als Journalist und Theaterkritiker für das Feuilleton der Neuen Leipziger Zeitung wieder aufnehmen zu können.

Nach Beginn der NS-Diktatur war er einer der wenigen intellektuellen und zugleich prominenten Gegner des Nationalsozialismus, die in Deutschland blieben, obwohl seine Werke zur Liste der im Mai 1933 als „undeutsch“ diffamierten verbrannten Bücher zählten, und im Herrschaftsbereich des NS-Regimes verboten wurden. Trotz verschiedener Repressalien konnte er sich unter Pseudonym beispielsweise mit Drehbucharbeiten für einige komödiantische Unterhaltungsfilme und Einkünften aus der Veröffentlichung seiner Werke im Ausland wirtschaftlich absichern. Mit einer Ausnahmegenehmigung lieferte Kästner 1942 unter dem Pseudonym „Berthold Bürger“ das Drehbuch zum prestigeträchtigen Jubiläumsfilm der Ufa „Münchhausen“.

Mit der Niederlage des NS-Regimes im Zweiten Weltkrieg war Kästner ab Mitte 1945 wieder eine freie publizistische Entfaltung möglich. Von 1951 bis 1962 war er Präsident des westdeutschen P.E.N.-Zentrums. Als Pazifist nahm er in den 1950er und 1960er Jahren bei mehreren Gelegenheiten gegen die Politik der Regierung Adenauer öffentlich Stellung, unter anderem im Zusammenhang mit der Remilitarisierung, der Spiegel-Affäre und der Anti-Atomwaffenbewegung.

Populär machten ihn vor allem seine Kinderbücher, wie „Emil und die Detektive“ (1929), „Das fliegende Klassenzimmer“ (1933) und „Das doppelte Lottchen“ (1949), sowie seine mal nachdenklich, mal humoristisch, oft satirisch formulierten gesellschafts- und zeitkritischen Gedichte, Epigramme und Aphorismen. Eine seiner bekanntesten Lyrik-Sammlungen erschien erstmals 1936 im Schweizer Atrium Verlag unter dem Titel „Doktor Erich Kästners Lyrische Hausapotheke“. Noch heute ist der Atrium Verlag die Heimat von Kästners Werken.

Erich Kästner war ein wahrer Könner seines Fachs: Schaute er auch sehr genau auf die menschliche Natur, so blieb er doch durch und durch ein Menschenfreund und kommentierte als Satiriker und Romancier die Schwächen der Leute immer mit einem Augenzwinkern. Seine Texte zeugen von einer feinen Ironie, seinem sensiblen Humor und der genauen Beobachtungsgabe. Bei allem Amüsement bei der Lektüre seiner Werke kommen auch Herz und Seele nicht zu kurz: So liegen Lachen und Weinen bei ihm sehr nah beieinander! Und so manches Mal legte er auch schmerzhaft seinen literarischen Finger auf eine Wunde der Gesellschaft, um auf Missstände und Ungerechtigkeiten hinzuweisen.


Auswahl seiner Werke:

[Rezension] George Simenon – Maigret im Haus der Unruhe

„Ich habe gerade einen Mann umgebracht.“ stammelt die verängstigte junge Frau, die, ebenso plötzlich wie sie im Kommissariat erschienen ist, sich auch wieder in Luft auflöst. Kommissar Maigret schenkt dieser kurzen wenn auch kuriosen Begegnung zunächst wenig Beachtung. Doch dann wird er zu einem Mordfall in einem Hause in einem der „anständigen“ Vororte von Paris gerufen: Der pensionierte Kapitän Truffier wird von der Concierge des Hauses tot aufgefunden: erdolcht und beraubt. Bei seiner Befragung der übrigen Mieter des Hauses begegnet Maigret bei der Familie Gastambide eben jene junge Dame wieder, die ihm im Kommissariat aufgesucht hatte. Sie behauptet, ihn nicht zu kennen, und überrascht mit einem Alibi. Ihr Vater wie auch ihr Bruder machen sich aufgrund ihres Verhaltens zudem verdächtig. Aber auch Henry Demassis, der Neffe des Ermordeten, scheint etwas zu verbergen…!

Als deutsche Erstausgabe präsentiert der Kampa-Verlag diesen allersten Roman mit Simenons berüchtigten Kommissar Maigret – sozusagen als Fall „Zéro“: Simenon steht mit Maigret noch deutlich am Anfang. Das merkt man diesem Werk auch an, was dessen Qualität nicht schmälern soll. Hier liegt Simenons Augenmerk weniger auf dem Kommissar als vielmehr auf den Verdächtigen. Er zeichnet interessante Porträts und kreiert einen spannenden und abwechslungsreichen Plot, in dem Maigret den Rahmen bildet und der Handlung Struktur verleiht.

Und auch wenn Simenon noch nicht das gesamte Wesen Maigrets komplett umreißen kann, so sind doch schon einige seiner wesentlichen Charakterzüge und Eigenarten zu erkennen: der stille und beinah stoische Ermittler, der dadurch durchaus ruppig wirken kann; der scharfe Analytiker mit den manchmal unkonventionellen Ermittlungsmethoden; die Liebe zu seiner Pfeife und gutem Tabak…!

Ich habe mich sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit bekam, diese geschätzte Krimi-Reihe mit dem Fall „Zéro“ beginnen zu dürfen: Nun werde ich mich Roman für Roman und Fall für Fall mit Kommissar Maigret auf die literarische Verbrecherjagd in Paris begeben.

„Souhaite moi bonne chance!“


erschienen bei Kampa/ ISBN: 978-3311130000

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!