[Rezension] Georges Simenon – Weihnachten bei den Maigrets

Weihnachten könnte für Monsieur und Madame Maigret so ruhig und entspannend sein – wo doch der berühmteste Kommissar von Paris über die Feiertage frei hat. Doch leider durchkreuzt eine aufdringliche Nachbarin ihnen ihre Pläne und weckt die Neugier des Kommissars mit einer mysteriösen Geschichte. Neben ihr in der Wohnung lebt ein junges Paar mit seiner Pflegetochter, die aufgrund eines Beinbruchs das Bett hüten muss. Und dieses Mädchen berichtet nun, dass sie in der Nacht zuvor Besuch vom Weihnachtsmann erhalten hätte, der ihr eine Puppe schenkte aber auch die Dielen in ihrem Zimmer untersuchte. Auf Drängen der Nachbarin befragt Maigret das Mädchen und ist durchaus bereit, ihr zu glauben. Zumal ihre Pflegemutter sich äußerst verdächtig benimmt, da sie sich dem Kind gegenüber beinah emotionslos verhält und versucht, die Geschichte herunterzuspielen. Maigret hat zwar keine Beweise, doch sein Instinkt rührt sich heftig, und er bittet seine Mitarbeiter um Unterstützung. So mutiert seine Wohnung zum inoffiziellen Hauptquartier einer ebenso inoffiziellen Ermittlung. Madame Maigret hätte sich viel lieber ein friedliches Weihnachtsfest gewünscht, doch Maigrets Instinkt trügt ihn auch diesmal nicht…!

Simenon lesen bedeutet, in Atmosphäre zu baden! Nun mag dieser Satz vielleicht etwas pathetisch erscheinen, doch genau diese Empfindung spüre ich, wenn ich Simenon lese. Selten habe ich einen Autor erlebt, der es schafft, mit wenigen Sätzen so punktgenau ein Milieu zu schildern. Wenige Sätze, manchmal nur Wörter genügen und vor meinem inneren Auge entsteht das entsprechende Setting der Geschichte. Dabei gehören seine Figuren selten der gehobenen Klasse an. Vielmehr skizziert er Menschen, die gestrauchelt und somit vom Leben gezeichnet sind. Manche sind mir als Leser sympathischer, andere sind es eher weniger. Doch allen ist gemein, dass sie Persönlichkeiten mit Ecken und Kanten sind.

Ebenso wie er mit nur einem Wort das Milieu treffend beschreibt, lässt er zwischen seinen Figuren manches unausgesprochen, um die Verbindung der Figuren zueinander zu porträtieren. An seinem freien Tag könnte Maigret endlich mal ausschlafen: So schleicht sich Madame Maigret leise aus dem Schlafzimmer, um ebenso leise das Frühstück zu richten. Maigret liegt unterdessen wach im Bett und würde lieber aufstehen. Doch seine Frau wäre sehr enttäuscht, wenn er dies täte, da sie sich so sehr wünscht, dass er mal ausschläft.

Diese kleine Szene könnte sich so oder ähnlich zwischen machen langjährigen Eheleuten abspielen: Der großen stürmischen Liebe ist einer innigen Vertrautheit gewichen. Man fühlt sich einander verbunden und hat sich im gemeinsamen Leben angenehm arrangiert. Doch die Träume der Jugend sind ausgeträumt oder zumindest werden sie verdrängt. Nur manchmal brechen sie wieder an die Oberfläche hervor: So fühlte ich als Leser bei den Maigrets die Trauer um die eigene Kinderlosigkeit, die sie – besonders zu Weihnachten und speziell mit dem Wissen um das kranke Kind im Nachbarhaus – zu überrollen schien. Diese ungewohnt intimen Einblicke, die der Autor uns hier gewährt, werden von ihm aber so feinfühlig geschildert, dass ein Gefühl von Voyeurismus gar nicht erst aufkommt.

Vielmehr streute Simenon über diese kleine kriminalistische Weihnachtsgeschichte mit seinem weltberühmten Kommissar nehmst ebenso berühmter Gattin einen Hauch Melancholie, der mir beim Lesen die Augen feucht werden ließ…!


erschienen bei Kampa/ ISBN: 978-3311130949

[Blog-Ge-„switch“-er] November 2021…

Kennt Ihr das auch? Ich habe das Gefühl, ich bekomme momentan nix „geschissen“. Meine hehren Vorsätze und Pläne, was ich wann wie noch zu erledigen hätte, verpuffen wie Seifenblasen. Ohne Druck von außen bekäme ich meine Kiste nie aus den Kissen. Vielmehr macht sich eine exorbitante Lustlosigkeit bei mir breit. Wobei ich mir ernsthaft die Frage stelle, ob dieser Zustand noch eine ordinäre Trägheit oder schon die Einleitung zum Winterschlaf ist.

Zudem bleibt mir auch nicht mehr so viel Zeit: In ca. 6 Wochen feiern wir Weihnachten, und da möchte ich natürlich alles „auf schick“ haben. Abgesehen davon, dass mich am Ende eines jeden Jahres meine Jahreswechsel-Melancholie befällt: Ich trauere dem verflossenen Jahr hinterher, blicke miesepetrig auf das neue Jahr und denke mir insgeheim „Jetzt geht der Scheiß schon wieder von vorne los!“ Doch genug davon…!

Dies ist nun das letzte [Blog-Ge-„switch“-er] für dieses Jahr, und es hat es mal wieder in sich. Denn im Vergleich zu mir bekamen meine Blogger-Kolleg*innen ihre Kisten und auch sonstige Körperteile aus den Kissen und haben für uns wieder so einiges Interessantes zusammengebloggt. Ich wünsche Euch viel Spaß!


  • „Herbstzeit ist Lese- und Kuschelzeit“ findet Barbara von BOOKREVIEWS und stellt eine ganz wunderbar abwechslungsreiche Auswahl an Büchern vor, die sich hervorragend zum Vor-Lesen eignen. Da gibt es Schmöker für gemütliche Herbsttage (Teil 1 / Teil 2) ebenso zu entdecken, wie Bücher für die Kleinen oder Vorlesebücher (Teil 1 / Teil 2) für ältere Kinder. Wie passend, dass wir am 19. November der Bundesweite Vorlesetag zelebrieren: Wer nun immer noch keinen (Vor-)Lesestoff findet, dem ist nicht zu helfen.
  • Kennt Ihr eigentlich schon die Rubrik [THE STORY BEHIND] meiner lieben Blogger-Kollegin Gabriela Wendt vom BUCHPERLENBLOG? Nein, nicht! Dann wird es aber Zeit! Hin und wieder wirft sie einen Blick auf die bezaubernden Animationsfilme des bekannten Disney-Studios und wagt einen Vergleich zum literarischen Vorbild. Zuletzt lehrte sie uns bei The Nightmare before Christmas das wohlige Gruseln. Als alten Disney-Fan trifft sie mit dieser Rubrik genau meinen Nerv…!
  • Monat für Monat hat Yvonne Nehrkorn auf UMGEBUCHT sich umgeSCHAUt und präsentiert uns eine Übersicht der Literatursendungen im TV incl. kurzer Inhaltsangabe und den Links zu den jeweiligen Mediatheken. Besser geht’s nicht…!
  • Weihnachten naht, und nach wie vor gehört das Buch zu den beliebtesten Gaben unter dem Christbaum. Doch in diesem Jahr könnte das heißersehnte Lieblingsbuch vielleicht nicht rechtzeitig geliefert werden. Woran liegt’s? MEINELITERATURWELT erklärt uns in Achtung! Auswirkung des Papiermangels die Zusammenhänge.
  • Anna von BUCHPOST schenkt uns einen ungemein interessanten und lesenswerten Beitrag zu Nicole Seifert: FRAUENLITERATUR – Abgewertet, vergessen, wiederentdeckt. Nach wie vor stehen die Autorinnen hinter den Autoren zurück. Nun könnten viele Gründe und ebenso viele Erklärungen gefunden werden: Ich werde es trotzdem nicht verstehen! Ein gutes Buch ist ein gutes Buch und bleibt ein gutes Buch – unabhängig vom Geschlecht des Verfassenden!
  • „Es ist mir eine Herzensangelegenheit!“ Welcher Buch-Enthusiast hat diesen Satz nicht schon mit voller Überzeugung von sich gegeben. Ich glaube, jede*r von uns hat ein literarisches Werk, das einen besonderen Platz sowohl im Herzen wie auch im Leben einnimmt (…und dies wird sich wohl auch in Zukunft nicht ändern!). Für meinen lieben Blogger-Kollegen Stefan Heidsiek von der CRIMEALLEY ist es Der Herr der Ringe, dem er eine sehr persönliche Hommage widmet.
  • „Herbstzeit ist Lese- und Kuschelzeit“ Dieser Aussage kann ich mich nur anschließen, und so möchte ich ein wenig Werbung „in eigener Sache“ für meine Aktion POETRY on the MARKET, die am Bundesweiten Vorlesetag stattfindet, machen. Auf einem zugigen Marktplatz wird es eher wenig kuschelig werden, aber dafür hoffe ich, dass ich meinen „Opfern“ mit meinem Vortag eine Freude bereiten kann.

Ein kleiner Hinweis am Schluss: Dies ist keine Rubrik, die regelmäßig erscheint. Darum lasst Euch überraschen, wann das nächste [Blog-Ge-„switch“-er] das Licht der Blogger-Welt erblickt…!!! 😊

[Rezension] Siegfried Lenz – Das Wunder von Striegeldorf. Eine Weihnachtsgeschichte/ mit Illustrationen von Franziska Harvey

„Ich gestehe, ich brauche Geschichten, um die Welt zu verstehen.“
Siegfried Lenz

Er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller der deutschsprachigen Nachkriegs- und Gegenwartsliteratur. In seinen Werken setzte er sich immer gerne mit gesellschaftskritischen Themen auseinander, hinterfragte hierarchische Strukturen oder thematisierte die Zeit des Nationalsozialismus bzw. seine Aufarbeitung. Dabei blieb er seiner Heimat bzw. seinen Wurzeln stets verbunden. Schon die Erzählungen seines Erstlingswerks „So zärtlich war Suleyken“ siedelte er im ostpreußischen Masuren an, und auch die im Jahre 1957 erschienene Novelle „Das Wunder von Striegeldorf“ zeigt ein verspieltes Bild seiner Heimat.

Der Besenbinder Heinrich Matuschitz und der Forstgehilfe Otto Mulz sitzen für ein halbes Jahr hinter Gittern und müssen sich eine Zelle teilen. Dabei hätte das, wofür sie eingebuchtet wurden, wirklich jedem passieren können: Matuschitz hatte sich zum wiederholten Male ein Motorrad „geborgt“, und Mutz hatte aus Gram, dass sein Weib ihm mit dem Wilddieb abhandengekommen ist, „versehentlich“ den Forst abgefackelt. Nun sitzen sie einträchtig nebeneinander im Kittchen und genießen die berühmten Striegeldorfer Sonnenuntergänge. So schön, so gut – würde nicht Weihnachten nahen: Vieles könnte ein Masure hinnehmen, aber auf einen Heiligen Abend in Freiheit könnte er nicht verzichten. So hecken die beiden Schlitzohren eine List aus, wie sie unbemerkt aus dem Gefängnis entwischen können, um diesen Abend in ihrem Sinne zu begehen. Danach würden sie auch ganz sicher wieder zurückkommen, um ihre restliche Strafe abzusitzen. Gesagt, getan – doch als die beiden Schwerenöter wieder ins Gefängnis hinein möchten, wird ihnen der Zugang verwehrt. Da sie ja nicht offiziell ausgebrochen sind, können sie somit auch nicht wieder einbrechen…!

Lenz lässt die Ereignisse seiner kleinen, charmanten Geschichte von einem namenlosen Ich-Erzähler im Plauderton berichten, der sich als Großneffe von Matuschitz outet. Der persönliche Aspekt bietet so die Möglichkeit, die Geschehnisse in einem wohlwollenden Licht zu beleuchten. Die beiden kriminellen Hallodris werden mit reichlich Sympathie bedacht, die auch auf die Leserschaft abfärbt. Man kann diesen beiden Schlawinern einfach nicht böse sein. Ganz im Gegenteil – vielmehr erhalten sie unsere volle moralische Unterstützung beim Überlisten der Obrigkeit, die dabei ganz und gar nicht vorteilhaft porträtiert wird. Voller urwüchsigem Charme und mit einer üppigen Portion Bauernschläue versehen, lassen sich die Beiden durch den Heiligen Abend treiben und gestalten diesen ganz nach ihrem Gusto. Dabei scheren sie sich nicht um Konventionen, sind in ihrem Spiel niemals böse, sondern vielmehr sehr darauf bedacht, dass niemand Schaden nimmt.

Franziska Harvey fängt in ihren drolligen Illustrationen die Atmosphäre des vergangenen Ostpreußens ganz wunderbar ein. Sie ironisiert wo nötig ohne den märchenhaften Charakter der Geschichte unbeachtet zu lassen. Dabei schafft sie eine solche Einheit zwischen Bild und Text, dass ich mir diese Geschichte ohne ihre Illustrationen nicht mehr vorstellen könnte.

Siegfried Lenz schuf eine ganz und gar herzerwärmende Geschichte, die durch die Kunst der Illustration noch verfeinert wurde…!!!


erschienen bei cadeau (bei Hoffmann und Campe)/ ISBN: 978-3455380835

[Konzert] Pjotr Iljitsch Tschaikowsky – DER NUSSKNACKER / Philharmonisches Orchester Bremerhaven

Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowsky / nach einem Märchen von E.T.A. Hoffmann

Philharmonisches Orchester Bremerhaven / in Kooperation mit der Ballettschule Dance Art Bremerhaven

Premiere: 5. November 2021/ besuchte Vorstellung: 7. November 2021

Stadttheater Bremerhaven/ Großes Haus


Musikalische Leitung: Hartmut Brüsch
Moderation: Tom Baert
Choreografie & Inszenierung: Irina & Marius Manole

Vor beinah genau einem Jahr starrte ich traurig zu den Eintrittskarten, die schon seit Wochen an meiner Pin-Wand hingen und auf ihren Einsatz warteten. Doch mit Einsetzen des Lockdown erstarb selbst mein kleinster Rest Hoffnung auf einen Besuch des Familienkonzerts des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven. Und so blieb mir von Peter und der Wolf nur der Blick auf den Monitor meines PCs, da das Stadttheater Bremerhaven das Konzert ohne Publikum aufnahm und dankenswerterweise ins Netz stellte.

In diesem Jahr meldete sich das Philharmonische Orchester Bremerhaven für ihr erstes Familienkonzert mit einem wahren Feuerwerk bei ihrem jungen (und junggebliebenen) Publikum zurück. Mit Tschaikowskys bekanntem und beliebtem Märchenballett stand ein Werk auf dem Programm, das eine visuelle Umsetzung beinah zwingend machte. So wiederholte das Stadttheater Bremerhaven seine Kooperation mit der Ballettschule Dance Art Bremerhaven von Irina und Marius Manole und rekrutierte das Ensemble aus deren Elevinnen und Eleven.

Und hier saßen wir nun und warteten gespannt auf den Beginn der Vorstellung. Um uns herum wuselten Eltern, Großeltern, Geschwister und sonstige Anverwandte der kleinen Bühnenstars und wunderten sich vielleicht über diese zwei großen Kerle, die gänzlich ohne (Alibi-)Kind erschienen waren, dafür aber äußerst prominente Plätze (Parkett, Reihe 4, Mitte) für sich einnahmen. Ein Umstand, den wir geflissentlich von uns abperlen ließen, da auch das Kind im Kerle seine Daseinsberechtigung hat und kulturellen Zuspruch benötigt.

Es scheint mir schwierig, die phantasievolle und abwechslungsreiche Handlung dieses Märchenballetts in wenige Worte zu fassen. So mutet sie auch eher als Nummer-Revue an, bei der der Komponist populäre bzw. publikumswirksame Elemente durch eine lose Rahmenhandlung verband. Ein Umstand, der dem Charme dieses Werkes keinen Abbruch tat bzw. tut…!

Herr und Frau Silberhaus feiern Weihnachten und haben dazu auch die Freundinnen und Freunde ihrer Kinder Klara und Fritz eingeladen. Auch Klaras Pate Onkel Drosselmeyer ist unter den Gästen und hat für jedes Kind ein Spielzeug als Geschenk. Seiner Patentochter überreicht er ein ganz besonderes Präsent: einen prachtvollen Nussknacker. Doch Fritz ist eifersüchtig und balgt mit seiner älteren Schwester um dieses kostbare Spielzeug, wobei er den Nussknacker beschädigt. Die Gäste verabschieden sich, und Klara geht traurig zu Bett. Im Traum meint sie zu erwachen, denn alles um sie herum erscheint ihr so real: Plötzlich ist der Nussknacker lebensgroß und erwacht zu einem stattlichen Prinz. Doch der gemeine Mäusekönig findet ebenfalls Gefallen an Klara. So entbrennt eine Schlacht zwischen der Garde des Nussknacker-Prinzen und der Sippe vom Mäusekönig, die beinah die Mäuse für sich gewinnen, wäre Klara nicht eingeschritten, um dem Mäusekönig mit ihren Pantoffeln erst auf den Kopf und dann in die Flucht zu schlagen. Der Prinz lädt Klara ein, gemeinsam mit ihm die Welt zu erkunden. Ein Schneesturm wirbelt sie in die Lüfte und lässt sie in fernen Ländern landen, aus denen so manche der weihnachtlichen Köstlichkeiten wie Schokolade, Kaffee oder Tee stammen. So besuchen sie Spanien, Russland, China und die arabischen Länder und schauen sich die unterschiedlichen Tänze an. Selbst im Traum ist ihr Onkel Drosselmeyer immer in ihrer Nähe und behütet sie. Mit dem Tanz der Zuckerfee verabschiedet sich Klara von ihrer Traumwelt und erwacht mit dem hölzernen Nussknacker im Arm…!

Tom Baert, Theater-, Tanz- und Konzertpädagoge am Stadttheater Bremerhaven, betrat die Bühne, begrüßte das Publikum und verstand es schnell, besonders das junge Publikum in seine Moderation mit einzubeziehen. Der Vorhang öffnet sich und gab den Blick auf das Philharmonische Orchester Bremerhaven frei, das uns heute unter dem versierten Dirigat von Hartmut Brüsch musikalisch verzaubern sollte. Vorab stellte Baert (ganz Pädagoge) seinem Publikum einige Instrumente aus dem Orchester vor, die im Laufe des Balletts durchaus an Bedeutung gewinnen sollten. Doch er fungierte nicht nur als charmanter Moderator sondern hatte auch die Rolle des Onkel Drosselmeyers inne. Hier zeigte er gekonnte, dass seine Wurzeln beim Tanz zu finden sind.

Doch damit ich es nicht vergesse, sei dies vorab gesagt: Es war bezaubernd…!

Irina und Marius Manole von der Ballettschule Dance Art Bremerhaven gelang das große Kunststück über 70 Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 18 Jahren nicht nur auf der Bühne zu bändigen, sondern diese Energie in ihrer geschmackvollen Choreografie zu bündeln und die jungen Menschen je nach Alter und Stand der Ausbildung mit entsprechenden Partien zu bedenken. Da flitzten putzige Mäuschen und kleine Nussknacker über die Bühne, Schneeflocken wirbelten in Pirouetten um ihre Schneekönigin, Klaras Puppen erwachten zum Leben, Rohrflöten wiegten sich beim Tanz im Wind und feurige Spanierinnen oder exotische Tempeltänzerinnen entführten bei den folkloristischen Tänzen in ferne Länder.

Andrés Oldorf Gaudioso gab einen stattlichen Prinzen. Darleen Blatz wirbelte als Schneekönigin im Zusammenspiel mit ihren Schneeflocken graziös über die Bühne. Davina Weidner bezauberte mit ihrem Soli „en pointe“ beim Tanz der Zuckerfee. Doch das meiste Augenmerk lag zwangsläufig auf der Darstellerin der Klara: Miriam Manole (der Nachname verrät, von wem sie dieses Talent geerbt hat) war entzückend, ungemein anmutig und zeigte zudem eine große Spielfreude in ihrer Rolle.

Nach einer guten Stunde war das märchenhafte Spektakel leider schon vorbei. Doch dafür lief mein Herz dank der vielen positiven Empfindungen über.

Ach ja, und hatte ich es schon erwähnt: Es war bezaubernd…!


Wer von Euch sich das Konzert – trotz meiner salbungsvollen Worte – immer noch nicht so recht vorstellen mag und zum besseren Verständnis sowohl einen akustischen wie auch optischen Eindruck benötigt, dem kann geholfen werden. Herr Burdack aus dem 3. Stock (aka Ulrich Burdack, Opernsänger am Stadttheater Bremerhaven) befiel schon vor einem Jahr eine leise Vorahnung, dass hier und heute Erklärungsbedarf besteht, als er die Quintessenz des Balletts in seinem Video virtuos zusammenfasste. 


Das Philharmonische Orchester Bremerhaven bietet in jeder Saison ein Vielzahl an abwechslungsreichen Konzerten: Ein Blick in das PROGRAMM lohnt sich sehr!

[Rezension] Nicholas Blake – Das Geheimnis des Schneemanns

Einem Hilferuf gleich mutet die Nachricht von Clarissa Cavendish an, die sie ihrer Cousine Georgia Strangeway schickt, in der Hoffnung so auch das Interesse ihres Gatten dem bekannten Privatermittler Nigel Strangeway zu wecken. Auf dem Anwesen Easterham Manor von Clarissas langjährigen Freunden Charlotte und Hereward Restorick passieren Vorfälle parapsychischer Natur: Während einer Séance gebärdet sich die Hauskatze wie ein tollwütiger Derwisch, als stände sie unter dem negativen Einfluss einer übernatürlichen Macht. Als die Strangeways in Easterham Manor eintreffen, werden sie von einer äußerst ungewöhnlichen Gesellschaft erwartet: Neben dem Hausherren, seiner Gattin und deren beiden Kindern, befinden sich noch seine erwachsenen Geschwister Andrew und Elizabeth sowie der Arzt Dr. Bogan und Elizabeths Freunde Will Dykes und Eunice Ainsley als Gäste auf dem Anwesend. Noch bevor sich Nigel Strangeways eingehend mit dem merkwürdigen Verhalten der Katze beschäftigen kann, wird Elizabeth Restorick erhängt in ihrem Zimmer aufgefunden. Schon bald lassen Indizien den Schluss zu, dass es sich um einen Mord handelt, der als Selbstmord getarnt wurde. Da das Anwesend aufgrund der anhaltenden Schneestürme mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten ist, muss sich der Mörder/ die Mörderin noch im Haus befinden. Jede*r der anwesenden Personen erscheint somit verdächtig. Gemeinsam mit Detective Inspector Blount vom Scotland Yard nimmt Nigel die Ermittlung auf und tappt dabei in so manche Sackgasse: logische Schlussfolgerungen können nicht bewiesen werden, mögliche Motive werden entkräftet. Der Fall scheint unlösbar, bis Andrew Restorick und Dr. Bogan eines Nachts verschwinden und wie vom Erdboden verschluckt zu sein scheinen. Erst als Tau-Wetter einsetzt, und der Schnee zu schmelzen beginnt, offenbart der Schneemann im Garten von Easterham Manor sein schauriges Geheimnis…!

Nach Das Geheimnis von Dower House (1936) ist dies nun der zweite Fall des smarten Privat-Schnüfflers Nigel Strangeway, der seinen Weg ins heimische Bücherregal findet. Und auch dieses Mal überzeugt Nicholas Blake mit einer geschickt verzwickten Geschichte, die mit prallen Typen und überzeugenden Dialogen (Hier wusste jemand, wie man gute Dialoge schreibt!) punktet. Zudem zeichnet der Autor einige kraftvolle Frauen-Porträts, allen voran die Gattin unseres Helden, deren Erscheinen alles andere als nur schmückendes Beiwerk darstellt.

Schwächelte der vorangehende Krimi ein wenig an einer aufgeblasenen Schluss-Sequenz, setzt Blake diesmal die Lösung des Rätsels an den Anfang – ohne wichtige Fakten zu verraten – und lässt die Leserschaft über die Handlung des gesamten Romans hinweg dem alles entscheidenden Schluss-Akkord entgegen fiebern.

Dieser Roman ist so sehr mit seiner Entstehungszeit (1941) verhaftet, dass – neben dem Charme der Vergangenheit – Äußerungen bzgl. der damaligen politischen Lage unvermeidbar sind. Die Geschichte spielt zu einer Zeit, als der 2. Weltkrieg tobte, und so hätte das Fehlen von entsprechenden Hinweisen und Kommentaren zwangsläufig etwas sonderbar auf mich gewirkt. Doch dem Autor gelingt es, dieses Zeit-Kolorit wohldosiert einzusetzen. Darüber hinaus erfreut er seine Leserschaft mit für die damalige Zeit überraschend pikant-frivolen Anspielungen: Das „anrüchige“ Wörtchen aus drei Buchstaben fällt nicht nur einmal…!

Ansonsten ist dieser Kriminalroman genau das, was ich von ihm erwartet habe: eine kurzweilige Unterhaltung – nicht mehr, nicht weniger, aber selbst das schafft nicht jeder Krimi!


erschienen bei Klett-Cotta/ ISBN: 978-3608983470

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Lektüre zum Fest…

Ende August stand ich bei sommerlichen Temperaturen schwitzend in Shorts und T-Shirt im Supermarkt, starrte fassungslos auf das „Jahresend-Gebäck“, das sich im Kassenbereich stapelte, und dachte gleichzeitig „Langsam wird’s Zeit…!“

Langsam wird’s Zeit, dass ich mir Gedanken mache, welche Werke ich in diesem Jahr bei „Lektüre zum Fest“ vorstellen möchte. Jedes Jahr auf’s neue muss (!) ich aus der Fülle an passender Literatur auswählen, und diese Entscheidung fällt mir nicht immer leicht. Nehme ich prinzipiell nur Neu-Erscheinungen? Greife ich beherzt auf die Back-List zurück? Oder mache ich es mir – wie schon in den vergangenen Jahren – ganz einfach und stelle Euch die Bücher vor, die mir am Besten gefielen? Ja, ich glaube, genau so mache ich es…! 😉

Was wäre ein Fest voller Liebe, Freude und Friede ohne einen zünftigen Mord? Richtig! Fad!!! Denn so ein spannender Weihnachtskrimi zur schönsten Zeit des Jahres ist wie das sprichwörtliche Salz in der Suppe: Er rundet den Geschmack ab und verhindert, dass mir von allzu viel festlicher Süße übel wird. Und so gibt es bei der kriminalistischen Lektüre auch diesmal wieder sowohl alte Freunde als auch neue Bekannte zu entdecken.

  • Nicholas Blake – Das Geheimnis des Schneemanns
  • Georges Simenon – Weihnachten bei den Maigrets
  • Gilbert Adair – Oh dear! Miss Mount und der Mord im Herrenhaus
  • Agatha Christie – Das Geheimnis von Sittaford

Doch natürlich kommt bei mir auch „die festliche Süße“ nicht zu kurz, die sich hemmungslos über eine abwechslungsreiche Auswahl an Klassikern, Erzählungen und Geschichten für (beinah) jedes Alter ergießt und so für eine wohltuende Dosis Kitsch für die Feiertage sorgt.

  • Nancy Campbell – Fünfzig Wörter für Schnee
  • Thierry Dedieu – Auf der Suche nach dem Schneemann
  • Siegfried Lenz – Das Wunder von Striegeldorf. Eine Weihnachtsgeschichte/ mit Illustrationen von Franziska Harvey
  • Anthony Trollope – Weihnachten auf Thompson Hall/ mit Illustrationen von Irmela Schautz
  • Charles Dickens – Ein Weihnachtsmärchen/ mit Illustrationen von Lisbeth Zwerger
  • Tage des Lesens. Lektüre zwischen den Jahren/ herausgegeben von Gesine Dammel

Einige Werke sind schon im vergangenem Jahr (…oder im Jahr davor?) erschienen und hatten es leider nicht in meine letztjährige Auswahl geschafft: Dies hole ich nun mit Freude nach!

Ich wünsche Euch von Herzen sowohl kriminalistische wie auch besinnliche Lese-Stunden!

Liebe Grüße
Andreas

Zum Bundesweiten Vorlesetag: POETRY on the MARKET…

Nur wenige Wochen ziehen noch ins Land, und dann begehen wir am 19. November 2021 den Bundesweiten Vorlesetag. In diesem Jahr werde ich es mir nicht nehmen lassen und mich daran beteiligen. Unsere Aktion findet sich nun sowohl im Veranstaltungskalender der Stadt Osterholz-Scharmbeck als auch auf der Homepage vom VORLESETAG. So „Schwarz auf Weiß“ festgenagelt kann/darf ich wohl keinen Rückzieher mehr machen, aber…

…nichts lege mir ferner: Ich freue mich „wie Bolle“ und kann es kaum erwarten, endlich wieder vor Publikum lesen zu dürfen. Bis dahin stöbere ich durch eine Vielzahl an wunderbaren Gedichten: Erich Kästner, Mascha Kaléko, Wilhelm Busch, Else Lasker-Schüler, Theodor Fontane, Christian Morgenstern, Dorothy Parker, Rainer Maria Rilke, Annette von Droste-Hülshoff, Joachim Ringelnatz, Ingrid Streicher und noch viele, viele weitere Poet*innen sind im Moment bei mir zu Gast, und es fällt mir mehr als schwer zu entscheiden, wer von ihnen mich am Bundesweiten Vorlesetag zum Marktplatz in Osterholz-Scharmbeck begleiten darf.

Naja, mir bleibt ja noch ein wenig Zeit…!!! 😊

Nähere Infos gibt es sowohl hier auf meinem Blog als auch auf meiner Seite bei Facebook.

Ihr möchtet Euch vorab informieren, ob auch in Eurer Nähe etwas passiert? Kein Problem! Unter dem Hashtag #vorlesefestival findet Ihr auf Facebook und Instagram Hinweise zu vielfältigen Aktionen. Eine detaillierte Übersicht über die bundesweit stattfindenden Vorleseaktionen gibt es auf der Homepage vom VORLESETAG.

[Kulturtipps] November/ Dezember 2021…

Fröhliche Weihnacht überall!
Vor beinah genau einem Jahr erschienen meine letzten Kulturtipps: Voller Vorfreude auf eine abwechslungsreiche Vor-Weihnachtszeit veröffentlichte ich Termine für eine Vielzahl an kulturellen Ereignissen mit der Hoffnung, bei dem einen oder anderem Ereignis persönlich dabei sein und Euch hinterher davon berichten zu können.

Tönet durch die Lüfte froher Schall.
Doch ich hatte wahrlich zu früh getönt bzw. mich zu früh gefreut: Ein Monster-Lockdown stand uns bevor und lähmte nicht nur die Kultur-Szene. Das gesellschaftliche Leben wurde in einen verlängerten Winterschlaf versetzt, aus dem es erst im Sommer langsam wieder erwachen sollte. Somit verwandelte sich meine Vorfreude in Schall und Rauch.

Weihnachtston, Weihnachtsbaum,…
Lange acht Monate passierte nix, einfach nix. Doch HALT! So ganz stimmt dies Aussage nicht. Denn die Kulturschaffenden waren äußerst kreativ und hielten mit großem Engagement über die digitalen Medien Kontakt mit ihrem Publikum. Da konnten Lesungen gelauscht werden, Konzerte wurden gestreamt, und Museen luden zu digitalen Führungen ein. Ich bin ihnen für diese „Lebenszeichen“ sehr dankbar, verhinderten sie doch, dass ich kulturell nicht völlig ausdörrte.

Doch es ersetzte (zumindest mir) nicht das LIVE-Erlebnis: Ich muss am Ort des Geschehens sein! Ich will die Künstler/die Kunst vor mir haben! Ich brauche den direkten Kontakt! Ich möchte die Atmosphäre des Augenblicks genießen!

…Weihnachtsduft in jedem Raum!
Am 6. Juni saß ich nach einer gefühlten Ewigkeit endlich wieder in einem Theater und konnte die Künstler*innen real auf der Bühne genießen. Es war überwältigend, und so ist es für mich auch noch heute jedes Mal: In der Zwischenzeit waren wir schon häufiger im Theater, im Konzert oder in einer Ausstellung. Doch das Gefühl der Selbstverständlichkeit hat sich bisher bei mir noch nicht eingestellt. Vielmehr empfinde ich es nach wie vor als Privileg und Geschenk!!!

Die Pandemie lehrte mich zu schätzen, Selbstverständliches nicht als selbstverständlich hinzunehmen.

Ich wünsche Euch einen goldenen Rest-Herbst und eine wunderschöne Advents- und Weihnachtszeit!!!


Ausstellung


Comedy/ Kabarett


Komödie/ Lustspiel

  • 14. Dezember – Kostprobe (Eintritt frei) Doitscha (UA) von Adriana Altaras / Stadttheater Bremerhaven
  • 18. Dezember – Premiere Doitscha (UA) von Adriana Altaras / Stadttheater Bremerhaven

Konzert/ Gala


Krimi

  • 27. November – Premiere Das Verhör von John Wainwright & Claude Miller / bremer kriminal theater

Lesung, Literatur & Artverwandtes


Märchen


Oper

  • 19. November – Premiere Ich bin Carmen nach Georges Bizet / Theater am Goetheplatz in Bremen
  • 27. November – Premiere Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart / Theater am Goetheplatz in Bremen
  • 19. Dezember – Wiederaufnahme Hänsel und Gretel von Engelbert Humperdinck / Oldenburgisches Staatstheater
  • 21. Dezember – Kostprobe (Eintritt frei) Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart / Stadttheater Bremerhaven
  • 25. Dezember – Premiere Die Entführung aus dem Serail von Wolfgang Amadeus Mozart / Stadttheater Bremerhaven

Nanu! Ein Buch-Blogger gibt Kulturtipps! Wie kommt denn das? Die Antwort findet Ihr unter Der Anfang…!

Berücksichtigung finden natürlich hauptsächlich Veranstaltungen in meinem näheren Umfeld. Aber ich bin mir sicher, dass auch in Eurer Nähe viele spannende Veranstaltungen auf Euch warten!

Kleingedrucktes: Alle Angaben erfolgen ohne Gewähr!

Bitte beachten: Aufgrund der Corona-Pandemie kann es kurzfristig zu Änderungen kommen. Für aktuelle Infos wendet Euch bitte direkt an die Veranstalter!

[Noch ein Gedicht…] Thomas Gsella – NAHAUFFAHRER

Kennt ihr diese Leute (es sind Männer),
Die so gern an eurer Stelle wärn?
Kennt ihr diese Meute junger Penner,
Die auch dann nicht allzu helle wärn,
Würde man zehn Sonnen in sie stopfen?
Kennt ihr diese Esel, klug wie Hopfen
Und so freundlich wie ein nasser Sack?

Ja, ihr kennt dies mörderische Pack.
Ja, ihr kennt die höllisch blöden Fressen
Ihrer doofen Autos, die besessen
Sind von diesen Teufeln, baah, o Graus!
Doch es reicht. Beenden wir das Leiden!
Schleichen wir, bis sie vor Wut verscheiden!
Und dann sausen wir erlöst nach Haus.

Thomas Gsella