[Die Bücher meines Lebens] Armistead Maupin – Stadtgeschichten

– 1997 –


Ich war mitten drin in meinem Outing! Ein Jahr zuvor war ich endlich aus dem elterlichen Käfig entflohen, hatte meine erste eigene kleine Wohnung bezogen und zudem mich einer Kurs-Kameradin (= Freundin = Trauzeugin = Wahl-Schwester) offenbart. Einige mir wichtige Menschen sollten ihr peu à peu folgen. Ihre Reaktionen waren alle doch recht ähnlich: „Ja, nee, war klar!“ über „Ja, und…?“ bis „Ist mir egal! Ich hab dich lieb!“. Mit all diesen sehr wertvollen Menschen (sofern leider nicht schon verstorben) bin ich auch heute noch sehr eng befreundet. Mein Outing hatte sich zu einer emotionalen „Tour de Force“ entwickelt, die allerdings gleichzeitig aufregenden, unvorhersehbar und absolut beglückenden für mich war.

Irgendwann im Laufe des Jahres fielen mir Armistead Maupins Stadtgeschichten vor die Füße, klammerten sich an meinem Hosenbein fest und schienen „Bitte nimm mich mit!“ zu winseln. Wer hätte dieser Bitte wiederstehen können? Ich ganz sicher nicht! Und so adoptierte ich kurzerhand die bunte Patchwork-Familie aus der Barbary Lane Nr. 28 in San Franzisco: Mary Ann Singelton brachte mich mit ihrem Hang zu misslungenen Dates mit Männern zum Schmunzeln, während mein Herz bei Michael Tolliver deutlich schneller schlug (Ich könnte nicht mit 100%iger Sicherheit sagen, ob ich standhaft geblieben wäre, hätte er mir „Bitte nimm mich mit!“ zugeflüstert.), und die unübertreffliche Anna Madrigal wurde von mir kurzerhand zu meiner „Leih“-Mutter auserkoren. Ja, da war es das pralle Leben voller Lust, Leidenschaft und Liebeshunger, das gleichzeitig tieftraurig sein konnte und eine berührende Tragik beinhaltete. Waren sie doch alle Suchende nach Liebe, Akzeptanz und Anerkennung…!

Gleichwohl schafft Maupin den schwierigen Spagat zwischen „Comedy & Tragedy“: Sein Humor durchzieht alle 6 Romane und sorgt dafür, dass ich mich als Leser wohl, ja, sogar geborgen fühle. Doch sobald ich mich sicher fühlte, packte er mich emotional und rührte mich zu Tränen. Seine Figuren lassen auf ihrer Suche nach „’nem kleenen Stückchen Glück“ viele Chancen verstreichen, treffen nicht die richtigen Entscheidungen, scheitern. Da ist Trauer und Melancholie spürbar. Doch jammervoll aufgeben ist keine Option: Mit erhobenem Kopf geht es weiter!

Armistead Maupin mag seine Figuren mit all ihren Macken, Fehlern und Absonderlichkeiten und zeichnet die Charaktere zwar durchaus ironisch aber sehr, sehr liebevoll. Seine Botschaft ist eindeutig: „Es ist vollkommen in Ordnung, anders zu sein!“

Die Botschaft galt auch für mich und gab mir Halt auf meiner Suche nach einem Platz im Leben,…

„Es ist vollkommen in Ordnung, anders zu sein!“

…und diese Botschaft gilt für mich noch heute!!!


erschienen bei Rowohlt/ ISBN: 978-3499239694, 978-3499239762, 978-3499239823, 978-3499239908, 978-3499239960 & 978-3499240058


MONTAGSFRAGE #60: Empfehlenswertes Buch mit Tier?

Liebe Antonia! Ein Hoch auf Deine Großzügigkeit: Du bist da ja glücklicherweise sehr entspannt, was die Auslegung dieser Frage anbelangt, d.h. von „Animal Farm“ bis „irgendwo in der Handlung zwitscherte mal ein Vögelchen“ ist alles erlaubt. 😸

Ich habe früher mit großer Begeisterung die Katzenkrimis von Rita Mae Brown (mit Co.-Autorin Sneaky Pie Brown) verschlungen: Katzendame Mrs Murphy löst zusammen mit der tatkräftigen Unterstützung vom Welsh Corgi Tee Tucker so manches Verbrechen, das ursprünglich hinter der beschaulichen Fassade von Crozet, einer Kleinstadt in Virginia, im Verborgenen bleiben sollte. In den ersten Bänden dieser Reihe habe ich besonders die Personenzeichnung sehr geliebt: In Crozet versammelt sich eine illustre Schar gar außergewöhnlicher Charaktere. Leider beschlich mich im Laufe der Jahre das Gefühl, dass sich die Serie ein wenig „totgelaufen“ hatte und somit von seiner persönlichen Note und seinem Charme einbüßte. 😿

Besonders in den Kinder- und Jugendbüchern tummelt sich gar außergewöhnliches Getier, dem ich mit so mancher Rezensionen auch schon ausgiebig gehuldigt habe. Darum möchte ich an dieser Stelle dezent auf eben jene Rezensionen mit Herr Eichhorn, Hund Hugo, Kommissar Gordon und Kater Harry verweisen. Trotzdem muss ich ein Tier aus dieser bemerkenswerten Reihe hervorheben: Das Tagebuch einer Killerkatze von Anne Fine hat mir und meinen Zuhörer*innen bei so mancher Gelegenheit (=Lesung) schon eine immense Freude bereitet. 😹

Im Mai diesen Jahres stolperte ich über ein kleines Büchlein: Heinz und sein Herrl von Eva Woska-Nimmervoll. Bei uns war es eher Liebe auf dem 2. Blick, da ich mich anfangs mit der spröden Geschichte etwas schwertat. Aber mit Geschichten ist es wie mit den Menschen: Einige haben eine zweite Chance verdient.  😼

Dass Elke Heidenreich eine große Tierfreundin ist, hat sie mit Nero Corleone, „Nurejews Hund“ und „Am Südpol, denkt man, ist es heiß“ hinreichend unter Beweis gestellt. Doch besonders nun zur Advents- und Weihnachtszeit möchte ich Euch gerne ihre Geschichte „Erika – oder der verborgene Sinn des Lebens“ ans Herz lesen (auch wenn es sich bei Erika um ein Plüsch-Tier handelt). Ich hatte vor einigen Jahren im Konzerthaus „Die Glocke“ in Bremen das außerordentliche Vergnügen, die Autorin persönlich beim Vortrag dieser entzückende Geschichte erleben zu dürfen – mit musikalischer Unterstützung durch das Bremer Kaffeehaus Orchester. …ein Genuss! 😻

…und welche mauzenden, bellenden oder zwitschernden Werke würdet Ihr mir empfehlen?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Die Bücher meines Lebens] Rita Mae Brown – Venusneid

– 1993 –


Es war das Jahr, in dem ich mich (äußerst erfolglos) zum 1. Mal outete. Ich fühlte mich eingeengt und wie gefesselt, wollte mich nicht mehr verstecken und somit verstellen müssen. Ergo offenbarte ich mich den Menschen, bei denen ich dachte, dass ich ihnen am Meisten vertrauen könnte und somit das größtmögliche Verständnis erhalten würde: meinen Eltern!

Ich hätte es lassen sollen! Ich hätte es besser wissen müssen!

Es war ein unangenehm-beschämendes und gleichzeitig skurril-absonderliches Gespräch! Die unappetitlichen Details erspare ich meiner geschätzten Leserschaft. Das Fazit könnte wie folgt lauten: „Gehe in das Gefängnis. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los.“

…und das Thema wurde die folgenden 6 Jahre von meinen Eltern totgeschwiegen!

Zurück auf Anfang: Somit war ich wieder mit mir allein, aber daran war ich ja schon gewöhnt.

Ich weiß nicht mehr, ob ich diesen Roman vor meinem Outing gelesen und somit unbewusst als Inspiration genommen habe, oder ob er erst danach zu mir fand und als Trostspender fungierte. Egal!

Rita Mae Brown war damals schon eine feste Größe in meinem Bücherregal. Neben ihren Katzenkrimis las ich sehr gerne ihre Romane. Endlich wurde Tacheles geredet bzw. geschrieben: Die Liebe zwischen zwei Menschen (unabhängig welchen Geschlechts) wurde hier ohne süßlichen Liebesschmonzetten-Kitsch, dafür sehr direkt und humorvoll auf den (Höhe-)Punkt gebracht.

Die junge Frazier Armstrong liegt mit starken Schmerzen in der Brust im Krankenhaus und erfährt, dass sie Lungenkrebs hat, somit todkrank ist und nur noch wenige Wochen (vielleicht auch nur Tage) zu leben hat. Frazier macht sich so ihre Gedanken: „Wie nutzte ich meine wenige verbleibende und darum so kostbare Lebenszeit?“. Zeit! Jawohl, es wird Zeit, der Familie, den Freunden und Verwandten endlich zu sagen, was sie wirklich von ihnen hält und zudem zu bekennen, dass sie lesbisch ist. Noch in derselben Nacht greift sie zum himmelblauen Briefpapier und schreibt sie sich mit brutaler Offenheit alles von der Seele. Der nächste Tag birgt dann die große Überraschung: Aufgrund eines dummen Computerfehlers der Klinik wurden Patientendaten vertauscht. Frazier wird weiterleben. Sie hat „nur“ eine Lungenentzündung. Doch das überwältigende Glücksgefühl will sich bei ihr partout nicht einstellen, sind doch die himmelblauen Abschiedsbriefe schon auf dem Weg zu ihren Empfängern…!

Was wäre wenn? Oh, ich hatte die Möglichkeiten schon so häufig in Gedanken durchgespielt. Wenn ich mich dem Freund offenbare, wie würde er wohl reagieren? Wenn ich dieser Freundin die Wahrheit verrate, was würde wohl geschehen? Die Gedanken spielten Pingpong in meinem Kopf. Gleichzeitig spürte ich in meinem Inneren eine Schwere, die drohte, mich zu Boden zu ringen. Erst wenn der Leidensdruck unerträglich wird, trifft ein Mensch eine Entscheidung, die die Situation verändert. Plötzlich stand meine Entscheidung klar, deutlich und unumstößlich für mich fest: Ja, ich werde mich outen – nicht allen auf einmal, sondern in kleinen für mich ertragbaren Etappen und zum richtigen Zeitpunkt. Als diese Entscheidung getroffen war, löste sich langsam der seelische Knoten in meiner Brust, und ich spürte schon beinah eine kribbelige Neugierde auf die Reaktionen meines Umfelds.

Und eine wichtige Erkenntnis reifte in mir heran: Dann trennt sich nun die Spreu vom Weizen. Wer mich nicht so mag, wie ich wirklich bin, verdient meine Zuneigung nicht und kann mir gestohlen bleiben!

Das „Abenteuer“ Outing begann…!


erschienen bei Rowohlt/ ISBN: 978-3498005719


[Die Bücher meines Lebens] Victor Hugo – Die Elenden

– 1990 –


Es war das Jahr 1990: Ich fühlte mich gefangen in einer ungeliebten Ausbildung, in einem Elternhaus voller Probleme und in mir selbst: zu jung, zu ängstlich und darum zu unfähig, Entscheidungen zu treffen. In der Stadtteil-Bibliothek in Bremen-Lesum (mein damaliger Ausbildungsbetrieb befand sich dort in der Nähe) fand ich Zuflucht zwischen Ende der Berufsschule und Arbeitsbeginn im Ausbildungsbetrieb.

Jede einzelne Minute habe ich herausgekitzelt, um ja nicht zu früh im Betrieb in Erscheinung treten zu müssen. Der Grund für mein Verhalten nannte sich selbst „Ausbilderin“: Ab Tag eins der Ausbildung war mir klar, dass die Chemie zwischen uns niemals stimmen würde. Ab Tag eins der Ausbildung war ich ihr bevorzugter Prügelknabe: Lob gab es selten, dafür hagelte es Kritik. Natürlich alles im Rahmen einer qualifizierten Ausbildung…!

„Herr Kück, wie schreiben sie „nah“?“

„N A H!“ buchstabierte ich.

„Und warum haben sie es in diesem Bericht N H A geschrieben?“

„Ja, weil ich mich vertippt habe, Du dusselige Schnepfe!“ hätte ich ihr am liebsten ins Gesicht gebrüllt, aber da ich zu höflich, zu rücksichtsvoll, zu gut erzogen war, tat ich es natürlich nicht!

„Mobbing“, den Begriff kannte damals noch kein Mensch. Eher hieß es noch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“. Aber – Hey! – ich war ein 1A-Mobbing-Opfer.

So saß ich also Stunde um Stunde in der Bibliothek, vertrödelte meine Zeit oder stöberte in den Büchern und fand diesen Roman: Eine alte Auflage aus den 70ern, wenig verliehen und somit wenig gelesen. Warum ich mir dieses Buch auslieh? Ich weiß es nicht! Ich bin nur froh, dass ich es tat. Ich tauchte ein in Jean Valjeans Welt, begleitete ihn durch sein Leben und wurde Teil seines Kosmos. Bei manchen Passagen rannen mir die Tränen über das Gesicht, und ich musste hemmungslos schlurzen. Bei manchen Passagen hatte ich das Gefühl, dass das Gelesene mir auf Brust und Seele drückte. Doch ich las weiter: morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, am Abend vorm Zubettgehen. Kaum brachte ich es über mich, dieses Buch nach Ablauf der Leihfrist wieder zur Bibliothek zurückzubringen, nur um es einige Wochen später abermals auszuleihen.

Ich wollte/musste unbedingt „Die Elenden“ selbst besitzen und machte mich verzweifelt auf die Suche: Nur leider war die letzte Auflage vergriffen und eine weitere Auflage stand in den berühmt-berüchtigten Sternen. Die damalige Buchhändlerin meines Vertrauens muss meine Enttäuschung gespürt haben: Ohne das ich davon wusste, ging sie weiter auf die Suche und fand „Die Elenden“ in den damals noch neuen Bundesländern. Seitdem nenne ich eine Ausgabe vom Verlag Volk & Welt mein Eigen, die ich nicht mehr missen möchte und wie meinen Augenapfel hüte.

Victor Hugo hat ein Epos voller Menschlichkeit geschaffen, das mit seiner humanitären Botschaft mein Herz und meine Seele zutiefst berührte. Ich fühlte mich in meinen Nöten verstanden und schöpfte Kraft für die Herausforderungen meiner kleinen, wirren Welt. Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war ich ein anderer Mensch – ob auch ein besserer? Ich weiß es nicht. Dieses Urteil maße ich mir nicht an. Ich bin mir aber absolut sicher, dass das Lesen dieses Romans mich verändert hat! Lesen bewegt!

Nachtrag Ich habe durchaus etwas von meiner damaligen Ausbilderin gelernt: Als Praxisanleiter in der Krankenpflege (meine 2. Ausbildung) weiß ich nun sehr genau, wie ich mich meinen Auszubildenden gegenüber NICHT verhalte!

„Liebe Frau S., dafür danke ich Ihnen. Ansonsten vermeiden Sie es bitte in meiner Gegenwart zu verunfallen. Ich käme als examinierter Krankenpfleger evtl. in Versuchung, spontan an fachlicher Amnesie zu leiden.“

Hallo?! Ich habe gesagt, der Roman hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Von einem Heiligen war nie die Rede…!!!


erschienen bei Volk und Welt/ ISBN: 978-3353001030 / Neu-Auflage erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730600429


[Glosse] Midlife Crisis: In the heat of the night!

Ihr Frauen habt es wahrlich gut: Ihr habt über Jahrzehnte die Möglichkeit, Eure Menstruation voll auszukosten! Wir Männer haben da im Vergleich nur einige wenige Jahre für unsere Midlife Crisis! Das ist doch ungerecht! Und: Wann setzt bei mir endlich MC (=Midlife Crisis) ein?

Wie ich wiederholt nicht müde wurde zu betonen, habe ich meinen 50. Geburtstag vor wenigen Wochen gefeiert. Bin ich somit nicht genau im richtigen Alter für MC? Moment! Ich glaube, da passiert was! Ich spüre, da kommt was auf mich zu! Wartet, gleich ist sie da: meine eigene, ganz persönliche MC! Es kann nicht mehr lange dauern. Sobald bei mir MC einsetzt, werde ich sie so hemmungslos wie möglich zelebrieren und voll und ganz auskosten. Mein ganzes Leben war geprägt von Anpassung und Unauffälligkeit: Das wird dann anders…!

Als erstes werde ich meinen Kleiderschrank ausmisten: Diese Klamotten passen durchaus zu einem Typen, der angepasst und unauffällig ist, aber doch nicht zu einem heißen Hengst mit MC. Ein neues Outfit muss her: Zum Polo-Shirt mit Krokodil-Stickerei werde ich lässig einen leichten Kashmir-Pulli über die Schultern werfen, meine dürren Beine durch ein Paar Chinos in grellen Farben verhüllen und barfuß in Segelschuhe schlüpfen.

Auf meiner Solarium gebräunten Haut schmiegt sich der protzige Goldschmuck. Das Sonnenlicht wird entweder durch die Highlights in meinem Haar oder durch die gebleachten Zähne reflektiert – je nachdem in welchem Winkel ich keck meinen Kopf neige.

Galt bisher bei mir eine gutgefüllte Bibliothek als Maß aller Dinge in Sachen „Statussymbol“, so werde ich nun meine schwindende Männlichkeit mit einem möglichst großen und lauten Auto kompensieren, den ich prinzipiell immer über zwei Parkplätze „kreativ“ parken werde. Alternativ käme auch ein werksneuer Sportwagen in die engere Wahl, aus dem ich – aufgrund meines Alters – zwar nicht mehr würdevoll ein- und aussteigen könnte, dafür schmückt ein blondes Jüngelchen dekorativ den Beifahrersitz: Interessenten können sich gerne unter Einsendung der gängigen Bewerbungsunterlagen bei mir vorstellen!

Apropos Jüngelchen: Kann ich beim Kauf eines neuen Models meinen Alten in Zahlung geben? Nein! Wie werde ich ihn denn dann los? Ach, ich setze ihn einfach auf den Deckel der Restmülltonne und schiebe diese zur Abholung an den Straßenrand. Oder gehört er eher in den Sonde- bzw. Biomüll? Über die Zusendung von praxisnahen und erprobten Tipps & Tricks wäre ich äußerst dankbar!

Da fällt mir ein: Auch ein neues Hobby muss her! Lesen käme für mich als favorisierte Freizeitbeschäftigung der ersten Wahl nicht mehr in Frage: Mit diesem profanen Zeitvertreib können sich Krethi und Plethi verlustieren. Für mich käme selbstverständlich nur eine Beschäftigung in die engere Wahl, bei der ich ein möglichst teures Equipment benötige oder ordentlich einen auf „dicke Hose“ machen kann, wie beim Segeln oder Golfen. Besser noch: Beides!

Moment, ich werde die Kosten meiner MC mal eben durchkalkulieren: Um oben genannte Veränderungen meines Lebensstils finanzieren zu können, müsste ich als examinierter Krankenpfleger bei einem tariflich festgesetzten Gehalt einhundertundvierkommasieben Stunden in der Woche arbeiten und das bis zu meinem letzten Atemzug…!

…!?…

…ich glaube, da verzichte ich doch lieber auf meine MC und warte stattdessen geduldig auf meinen MA (=Morbus Alzheimer): Den kann ich wahrlich billiger haben!

Jetzt gehe ich mal eben schnell an die Straße und helfe meinem Mann von der Mülltonne.

[Die Bücher meines Lebens] Margaret Mitchel – Vom Winde verweht

– 1986 –


Was liest ein schwuler Junge Mitte der 80er Jahre auf dem Höhepunkt der AIDS-Debatte? Richtig! …ein 916-Seiten starkes Epos über Bürgerkrieg, Sklaven und verzärtelten Ladies in Korsett und Krinoline!

Dabei interessierte mich weniger Scarlett O’Hara: In ihr konnte ich lesen wie in dem sprichwörtlich offenen Buch. So war sie in ihren egoistischen Beweggründen völlig durchschaubar, hatte in ihrer unverblümten Arroganz allerdings durchaus Unterhaltungswert. Vielmehr war Rhett Butler das Objekt meines Interesses und (im schicklichen Maße) meiner Begierde. Dieser hochgewachsene Mann in den besten Jahren und mit dem frechen Funkeln in den Augen war geradezu prädestiniert, als Projektionsfläche meiner erotischen Fantasien zu fungieren. Was blieb mir auch anderes übrig? Es waren die 80er Jahre, und die sogenannte Schwulen-Seuche AIDS wütete. „Schwul“ galt als gängiges Schimpfwort. Zuhause, in der Schule oder im Freundeskreis zuzugeben, selbst „ein warmer Bruder“ zu sein, wäre einem emotionalen Todesurteil gleichgekommen. Selbst noch 7 Jahre später endete mein erstes Outing gegenüber meinen Eltern in einem völligen Desaster, da hätte ich mich im Jahre 1986 nie getraut, irgendetwas in dieser Richtung anzudeuten. So blieb ich alleine mit meinen Gefühlen und Sehnsüchten…

…und flüchtete mich in die Welt meines Romanhelden. Männliche Vorbilder waren in meiner näheren Umgebung absolute Mangelware: Zu mindestens gab es keine, die ich mir gerne zum Vorbild genommen hätte (Schwule Vorbilder waren schier nicht existent.). „Vom Winde verweht“ bot all das, was das schwule Herz eines naiven, jungen Mannes begehrte: das große, seitenstarke Drama voller Emotionen, Irrungen und Wirrungen. Zwischen den Zeilen meinte ich, Parallelen zu meinem eigenen Leben, meinen eigenen Empfindungen zu entdecken: Was passiert mit Menschen, die aus ihrer Welt gerissen (verstoßen) werden? Sind sie ebenso in der Lage, in einem anderen Lebensmodel hinein zu wachsen und zu gedeihen? Besteht auch für diese Menschen die Möglichkeit, glücklich zu werden?

Ich war verunsichert, ängstlich und voller Zweifel…!

Rhett Buttler schien nie zu zweifeln: Inmitten des Chaos stand dieser attraktive Kerl mit dem dunklen Haar und den breiten Schultern wie ein Fels in der Brandung, handelte mit stoischer Ruhe und scheute sich nicht, unbequeme Entscheidungen zu treffen und ungewöhnliche Wege zu gehen. Konventionen interessierten ihn nicht. Seite für Seite, Kapitel für Kapitel schlich sich diese Romanfigur tiefer in mein Herz und prägte somit sowohl mein Männer-Bild als auch meinen Männer-Geschmack.

Um eventuellen Fragen vorzubeugen: Nein! Mein Angetrauter entspricht äußerlich so gar nicht diesem Männer-Bild. Die Wege der Liebe sind eben tückisch und voller Überraschungen…!

❤️


erschienen bei claassen/ ISBN: 978-3546467544

Im Januar 2020 erscheint die lang erwartete und längst überfällige Neu-Übersetzung im Verlag Antje Kunstmann/ ISBN: 978-3956143182.


[Schauspiel] Günter Grass – Die Blechtrommel / Stadttheater Bremerhaven

Schauspiel nach Günter Grass / für die Bühne bearbeitet von Peter Schanz

Premiere: 9. November 2019 / besuchte Vorstellung: 17. November 2019

Stadttheater Bremerhaven / Großes Haus


Inszenierung: Mark Zurmühle
Bühne: Eleonore Bircher
Kostüme: Ilka Kobs
Video: Aaron Bircher
Musikalische Einstudierung: Hartmut Brüsch

„Zugegeben: Ich bin Insasse einer Heil- und Pflegeanstalt, mein Pfleger beobachtet mich, lässt mich kaum aus den Augen.“

…dies ist nicht nur der erste Satz des Romans „Die Blechtrommel“, so beginnt auch das Schauspiel. Oskar Matzerath blickt zurück sowohl auf 50 Jahre Familiengeschichte als auch auf 50 Jahre deutscher Geschichte. Der Junge, der mit drei Jahren beschließt, nicht mehr weiterzuwachsen, ist Unschuld und Verkommenheit zugleich. Scheinbar harmlos wirkend beobachtet er mit einem beinah sezierenden Blick die Entwicklungen in der Familie und der Gesellschaft und zieht an den Schicksalsfäden ganz nach seinem Gusto. Mit dem Klang seiner Trommel und der Fähigkeit, Glas mit seiner Stimme zum Zerspringen zu bringen, manipuliert er erbarmungslos seine Umwelt.

Dem Regisseur Mark Zurmühle ist mit seinem 7-köpfigen Ensemble eine stringente, aufwühlende Inszenierung gelungen, in der – außer Max Roenneberg als Oskar Matzerath – alle übrigen Schauspieler*innen mehrere Rollen verkörpern. Das Schauspiel beginnt in der besagten Heil- und Pflegeanstalt: Beinah steril wirkt das Bühnenbild mit seinem runden Pavillon und den weißen Stühlen. Oskar liegt angeschnallt auf einer Behandlungsliege und wird von Ärzten, Pflegern und Schwestern in weißer, uniformierter Kluft beobachtet. Und während Oskar mit dem Erzählen beginnt, verwandelt sich das Personal der Heil- und Pflegeanstalt mit wenigen Requisiten und Kostümteilen in die Protagonisten seiner Geschichte…!

Ein aufwendiges Bühnenbild wird nicht benötigt: Das Können der Schauspieler*innen fesselt das Publikum. Die Kraft ihrer Darstellung macht Hilfsmittel wie ein üppiges Bühnenbild überflüssig.

Max Roenneberg gibt einen wendigen Oskar, der jungenhaft naiv und diabolisch abstoßend zugleich ist, und bildet mit seinen Kolleg*innen ein eingespieltes Ensemble, das wie Perlen auf einer Schnur die Geschehnisse vor den Augen des Publikums aufreiht. Sascha Maria Icks, Richard Lingscheidt, Julia Lindhorst-Apfelthaler, Dominik Lindhorst-Apfelthaler, Kay Krause und Henning Bäcker bilden ein so homogenes Ensembles, dass es mir schwerfällt, einzelne Künstler hervorzuheben: Jede*r zeigte eine immense Wandlungsfähigkeit und hatte große, bewegende Momente. Mark Zurmühle verzichtet wohltuend auf plakative Gesten und greller Symbolik: Der Freitod mit dem Strick wird mit Hilfe einer Krawatte und einer Kartoffel dargestellt, und auch das Hakenkreuzes wird nicht benötigt, um die Atmosphäre dieser Zeit zu repräsentieren.

Wer ein 60 Jahre altes Werk modern und eindrucksvoll auf der Bühne sehen möchte, sollte den Weg nach Bremerhaven nicht scheuen!


Oskar Matzerath wird Die Blechtrommel weiterhin für einige Vorstellungen am Stadttheater Bremerhaven schlagen…!

[Die Bücher meines Lebens] Fynn – Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna

– 1984 –


„Der Unterschied von einem Menschen und einem Engel ist ganz einfach: Das meiste von einem Engel ist innen, und das meiste von einem Menschen ist außen…“

Anna ist 4 Jahre alt als der 19-jährige Fynn sie bei den Londoner Docks aufsammelt. Naja, genaugenommen hat Anna Fynn auserwählt, war sie doch von ihren Eltern weggelaufen und wollte/sollte auch nie wieder zurück. „Sie ist eine Kuh, und er ist ein Säufer. In das Scheißhaus geh ich nie mehr. Ich wohne bei dir.“ sprach’s und adoptierte kurzerhand Fynn und mit ihm seine gesamte Familie. Anna ist schlau und interessiert sich für alles und jeden, hat eine reine Seele, ein großes Herz und ihre ganz besondere Sicht auf die Dinge. So hält sie immer Zwiesprache mit Mister Gott, hinterfragt auf kindlich-weiser Art Geschehnisse, die ihr nicht richtig erscheinen. Kurz vor ihrem 8. Geburtstag stürzt Anna schwer von einem Baum und stirbt mit dem Satz „Wetten, dass mich Mister Gott dafür in seinen Himmel reinlässt.“ Sie hat die Wette sicher gewonnen!

Es war zum Osterfest 1984 als mein Bruder gemeinsam mit seiner damaligen Freundin mir dieses Buch schenkte. Ich gebe zu, ich war überrascht, weil a). mein Bruder mir ein Buch schenkte, b). es zudem von Gott handelte (und mit Gott hatte mein Bruder ungefähr soviel am Hut wie mit Töpfern in der Toskana) und c). es mir gefiel – sehr sogar! Ich hege bis heute den leisen Verdacht, dass die Initiative eher von Seiten der damaligen Freundin kam.

Ich befand mich am Ende meines 2-jährigen Konfirmationsunterrichts, stand somit kurz vor meiner Konfirmation und beschäftigte mich gerade sehr intensiv mit Glaubensfragen. Da bot mir dieses kleine Büchlein eine sowohl gelungene wie charmante Möglichkeit, mich aus einer anderen Perspektive Gott zu nähern. So lag das Buch schon seit Wochen griff- und somit stets lesebereit auf dem Tisch in meinem Zimmer – so auch an meinem Konfirmationstag. Ein (sogenannter) Freund, der an diesem Tag ebenfalls konfirmiert wurde und sich auf seiner eigenen Feier langweilte, tauchte während meiner Konfirmationsfeier bei uns zuhause auf, um mich zum Stromern um die Häuser zu überreden. Mein fassungsloses „Nein!“ konnte er nur schwer akzeptieren. Sein Blick fiel auf das kleine Büchlein auf meinem Tisch. „Du rennst wohl noch zur Kirche, wenn du erwachsen bist!“ meinte er verächtlich und zog von dannen, um sich mit Jungs, die cooler waren als ich, zu treffen.

Im Gegensatz zu vielen meiner Klassenkamerad*innen habe ich die Konfirmationszeit sehr genossen, da das Selbstverständnis des Christentums auch meiner Sicht entsprach und ich vieles für mich auf meinen Weg zum Erwachsenwerden mitnehmen konnte. So habe ich nach meiner Konfirmationszeit weiterhin die Jugendgruppe meiner Heimatgemeinde besucht.

Nein! Ich renne als Erwachsener sehr wenig zur Kirche!

Ich habe mich aber immer der Kirche verbunden gefühlt. Dabei hatte ich das große Glück, dass ich immer einer Kirchengemeinde, die sich durch Toleranz und Offenheit auszeichnete, angehörte. Mir ist durchaus bewusst, dass es auch andere (negative) Beispiele gibt. Leider gibt es auch „Christen“, die eben nicht die Menschen „aller Nationen, unabhängig von Rassen- oder Klassenzugehörigkeit, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung“ tolerieren und/oder ihre Stellung auf verachtungswürdige Weise ausnutzen. Dies alles hat für mein Verständnis und Empfinden nichts mit „Christ sein“ zu tun und geschieht ganz sicher nicht „im Namen Gottes“. Dogmatisch und vehement vertretende Ansichten erscheinen mir äußerst fragwürdig und lösen meinen Impuls zur Kritik aus. Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Ich bin ein schwuler Mann: Noch Fragen?!

Nein! Ich renne als Erwachsener sehr wenig zur Kirche!

Dieses kleine, unspektakuläre Büchlein hat viel dazu beigetragen, um meinen Glauben zu festigen – auch ohne wöchentlichen Besuch des Gottesdienstes. Doch ich fühle mich in meiner kleinen Kirchengemeinde zuhause und bin gerne bereit, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.

Manchmal schließen sich Kreise: Am 24. Dezember 1978 schritt ich als Joseph im Krippenspiel durch die Kirche meines Heimatortes. 34 Jahre später stand ich erstmals als Spielleiter in der Kirche meiner jetzigen Gemeinde und probte mit den Kids das Krippenspiel für Heiligabend. Halleluja!


erschienen bei Scherz/ ISBN: 978-3502192459 / Neu-Auflage erschienen bei Fischer/ ISBN: 978-3596806157


[Die Bücher meines Lebens] Janina David – Ein Stück Himmel – Erde – Fremde

– 1982 –


Am 19. April 1982 flackerte die ersten Folge von Janina Davids verfilmten Lebenserinnerungen über den Bildschirm, und ich war elektrisiert: Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es ein so ganz anderes Deutschland, über das ich mir bisher keine Gedanken gemacht hatte. Mein Großvater und meine Eltern kannten dieses andere Deutschland durchaus noch. Ich war voller Fragen, merkte aber auch, dass mir innerhalb meiner Familie diese Fragen nicht ausreichend beantwortet werden können. Meine Mutter (Jahrgang 1939) gab sich zwar redlich Mühe, kannte aber die Einzelheiten dieser Zeit auch nur aus dritter Hand. Mein Großvater hatte (oder vielmehr: Er musste!) als junger Mann an der Front gekämpft, war in französischer Kriegsgefangenschaft geraten und erst einige Jahre nach Kriegsende wieder zu seiner Familie zurückgekehrt. Meinen Fragen wich er aus: Instinktiv spürte ich, dass ein Erinnern für ihn zu schmerzlich wäre.

So stürzte ich mich auf die Bücher von Janina David und las und las – dann weinte ich und las weiter…! Und in mir manifestierte sich der Gedanke „Es darf nie wieder geschehen!“

Diese intensive Auseinandersetzung mit Janina Davids Lebenserinnerungen führte dazu, dass ich 10 Jahre später sie in der Gewissensentscheidung zu meinem Antrag auf Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer erwähnte.

Auszug aus meiner Gewissensentscheidung vom 20. Februar 1992:

„Ich werde bei der Bundeswehr ausgebildet an der Waffe, vorbereitet zum Kriegsdienst. Wozu soll ich mich auf etwas vorbereiten, das ich nicht verlangt habe? Ich bitte um keinen Krieg! Diejenigen, die zum Krieg aufrufen, sollen ihre Meinungsverschiedenheiten auf andere Art und Weise austragen aber nicht auf meine Kosten und auf Kosten meiner Mitmenschen. Gewalt und Gegengewalt sind keine Mittel, um Probleme zu lösen.

1982 lass ich einen dreiteiligen Roman, der mich sehr bewegte. Er hieß „Ein Stück Himmel“ und basierte auf die Lebenserinnerungen der Janina David, die ihre Kindheit im Warschauer Ghetto verbrachte, den 2. Weltkrieg dank Freunde als einzige ihrer Familie überlebte und nach dem Krieg über Frankreich nach Australien auswanderte.

Mich erschreckte hierbei, wie die Seele eines begabten Kindes verletzt wurde. Sie durchlebte eine unnatürliche Kindheit, wo sie ihre Begabungen nicht ausleben durfte, weil sie angeblich durch ihren religiösen Glauben eine niedere Form des Lebens darstellte. Doch auch mit Beendigung des Krieges war ihr Leiden nicht zu Ende. Sie musste gegen die Außenwelt und gegen ihr Innerstes kämpfen: Die angeblich entnazifizierte Bevölkerung ließ sie spüren, dass sie, die Jüdin. Als Mensch 2. Klasse galt. Und in ihren Gedanken wurde sie verfolgt von den Erinnerungen an Leichenberge, Folter und Todeskommandos.

Mag auch mein Mitwirken an einem Krieg noch so unbedeutend sein, für mich wäre es von großer Bedeutung, zu wissen, dass ich meinen kleinen Beitrag zum Frieden nicht beigetragen habe. Frieden ist nicht nur eine Angelegenheit der Politiker. Der Frieden beginnt schon bei mir im Umgang mit meinen Mitmenschen. Auch wenn ich nicht immer die Meinung oder den Glauben eines anderen Menschen verstehe, so kann ich es wenigstens akzeptieren.“

Sieben Monate später – nach langem Warten und Bangen – erging am 11. September 1992 an mich folgender Bescheid:

Sie sind berechtigt, den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern.

Dieser Bescheid ist unanfechtbar.


erschienen bei Hanser/ ISBN: 978-3423624428, 978-3423620692 & 978-3423620862


[Eine Geschichte…] Anthony de Mello – SCHULDFRAGE

Ein Passant ging eine Straße entlang. Plötzlich stürzte ein Mann aus einem Hauseingang, so dass die beiden heftig gegeneinander prallten. Der Mann war furchtbar wütend, schrie und schimpfte und beleidigte den Passanten.

Daraufhin verbeugte sich dieser mit einem milden Lächeln und sprach: „Ich weiß nicht, wer von uns an dem Zusammenstoß die Schuld trägt. Ich bin aber auch nicht gewillt, meine kostbare Zeit mit der Beantwortung dieser Frage zu vergeuden. Deshalb: Wenn ich die Schuld trage, entschuldige ich mich hiermit und bitte Sie für meine Unachtsamkeit um Verzeihung. Falls Sie der Schuldige waren, können Sie die Sache einfach vergessen.“

Er verbeugte sich noch einmal und ging mit einem Lächeln im Gesicht seines Weges.

Anthony de Mello