Vorlesewettbewerb. Finale 2020/21 & Start 2021/22…

Eine ungewöhnliche wie ungewohnte Saison beim Vorlesewettbewerb neigt sich dem finalen Ende entgegen, das vom 30. September bis 1. Oktober 2021 in Berlin stattfinden wird. Auch in diesem Jahr war Corona-bedingt das Prozedere leider wieder etwas schwieriger: Alle Vorentscheide fanden digital statt. Und auch das Finale wird sicher wieder digital über die Bühne gehen: Ich vermute, dass sich – wie auch schon im vergangenen Jahr – die Finalisten im Live-Stream der Jury präsentieren, die wieder prominent besetzt sein wird. So wird u.a. auch die Vorjahressiegerin Jonna Bürger aus Mecklenburg-Vorpommern ein Mitglied dieser Jury sein. Natürlich wird dieses Ereignis abermals im rbb und auf KiKA ausgestrahlt.

Ich drücke den Finalisten Emily, Sol, Helena, Rosalie, Thorge, Johanna, Ella, Amélie Sophie, Minou, Sophia, Lucie, Ava, Sveja, Ludger, Madita und Alma ganz kräftig die Daumen: Jede*r von Euch hat den Sieg verdient.

TOI – TOI – TOI 

Das Bundesfinale ist noch nicht vorbei, da geht auch schon die Planung für 2021/22 los. Im Oktober und November 2021 starten die Klassen- und Schulentscheide der 8. Klassen. Die Sieger*innen werden sich dann im Februar 2022 auf Kreisebene messen.

Ich hoffe so sehr, dass wir dann wieder LIVE den Lesungen der Kids lauschen können und nicht nur digital…! „Digital“ ist zwar immer noch besser als nichts, doch LIVE ist durch nichts zu ersetzten. Ich würde es den Kids von Herzen wünschen, dass sie diese Erfahrung machen dürfen. Und ich wünsche es auch mir selbst:  Seit etlichen Jahren sitze ich in der Jury zum Kreisentscheid des Landkreises Osterholz, der von der Buchhandlung meines Vertrauens „die schatulle“ ausgerichtet wird. Dieses „Amt“ übe ich mit einem nie versiegendem Enthusiasmus und einer immens großen Freude aus!!!

Weitere Infos erhaltet ihr auf der Homepage des Vorlesewettbewerbs.

MONTAGSFRAGE #136: Liest Du eigentlich schon immer gern oder bist Du erst später im Leben zum Lesen gekommen?

Ja, ich habe immer schon gerne gelesen. Ich kann mich an keinen Zeitraum in meinem Leben erinnern, an dem ich nicht gelesen habe (von kurzfristigen Leseflauten mal abgesehen – aber die zählen für mich nicht). Schon recht früh wurde meine Liebe zum Wort geweckt, bzw. sie musste erst gar nicht geweckt werden, denn sie war einfach da…!

Seit meinem 5. Lebensjahr lese ich. Angefangen hat alles damit, dass ich es als kleiner Pöks wahnsinnig spannend fand, wenn mein 7 Jahre älterer Bruder morgens schon zur Schule durfte. Ich musste leider zuhause bleiben, dabei hätte es mich sehr interessiert, was mein Bruder in der Schule so alles erlebt (Mein Bruder hätte mit Freude und äußerst bereitwillig mit mir getauscht!).

 So nötigte ich unsere Mutter, mit mir „Schule“ zu spielen. Bei dieser Gelegenheit kam die erste Schul-Fibel von meinem Bruder wieder zum Einsatz und zu neuen Ehren. Ich war fasziniert von den vielen bunten Bildern, wollte aber auch unbedingt die komischen Zeichen neben den Bildern verstehen. Unsere Mutter erklärte mir zwischen Staubsaugen, Abwasch und Mittag kochen (Bitte beachten: Wir befinden uns im Jahr 1974!) die einzelnen Buchstaben, und schon bald konnte ich aus den einzelnen Hieroglyphen erst ganze Worte und dann vollständige Sätze formen, um den Abenteuern von Peter, Ursula, Flocki, Muschi und Igel selbständig zu folgen.

 Mit Beginn der Schule ebnete meine LESELUST ein wenig ab und pendelte sich auf Normal-Null ein: Schließlich gab es jetzt mit den Klassenkameraden und Schulfreunden so viel anderes Neues zu entdecken. Bis zum 8. November 1977 – meinem 8. Geburtstag,…

 …an diesem „denkwürdigen“ Tag schenkte mir mein Großvater mein erstes „richtiges“ Buch: 5 Freunde im alten Turm. Meine Gedanken damals waren „Wie blöd, das ist ja nichts zum Spielen!“. Aber ich bedankte mich brav, und das Buch landete erstmal unbeachtet auf einem Regal in meinem Kinderzimmer. Beinah täglich fragte Opa „Und? Gefällt Dir das Buch?“, bis meiner Mutter der Kragen platzte, und sie mich anranzte „Nun ließ das Buch, damit Opa endlich Ruhe gibt!“.

 Und so lass ich widerwillig die ersten Seiten, tauchte ein in eine Welt voller Abenteuer, und mein Widerwille schwand mit jeder gelesenen Seite. Seitdem verspüre ich diese LESELUST,…

 …und sie wurde auch in den Jahren darauf geschürt, da direkt in meiner Grundschule die Gemeindebücherei einzog – anfangs nur in einem ehemaligen Klassenraum beheimatete, später auf zwei Klassenräume ausgeweitet. Es waren wahrlich paradiesische Verhältnisse für mich: In den Pausen oder nach dem Unterricht stromerte ich durch die Regale auf der Suche nach spannenden Abenteuern. Auch nach einem Wechsel der Schule blieb ich meiner kleinen Bücherei treu.

Auch die div. pubertärer Verirrungen führten nie dazu, dass meine Liebe zum Lesen einschlief. Ganz im Gegenteil: Dank meiner Bücher überstand ich halbwegs schadlos diese besagten pubertären Verirrungen, denn sie waren und sind mir Sorgenstiller, Freudenspender und Seelenstreichler. Meine Rubrik Die Bücher meines Lebens verdeutlicht sehr anschaulich, dass es immer Bücher gab, die mir in wichtige, prägende und herausfordernde Phasen meines Lebens beistanden, und es wird sie auch weiterhin geben.

Vielleicht fragt Ihr Euch nun, was mich da so sicher sein lässt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht, aber ich bin es: Bücher werden mir immer treue Begleiter sein!

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Alan Bradley – Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet (Hörspiel)

Die 11-jährige Flavia stolpert eines Morgens unversehens über den Körper eines Fremden, der im Gurkenbeet liegend sein Leben aushaucht. Doch so fremd scheint der Tote auf dem Familienanwesen Buckshaw nicht allen Familienmitgliedern zu sein: Ihr Vater Colonel de Luce hatte noch am Vorabend eine heftige Auseinandersetzung mit dem Verblichenen. So fokussiert sich die Arbeit vom ermittelnden Inspektor Hewitt auch genau in diese Richtung. Flavia glaubt felsenfest an die Unschuld ihres Vaters: Schließlich wurde das Opfer vergiftet, und der Colonel ist zwar eine Koryphäe der Philatelie, kennt sich mit der Chemie allerdings überhaupt nicht aus – ganz im Gegensatz zu seiner vorlauten Tochter Flavia, die sich nun in die Ermittlungen einmischt, für ordentlich Verwirrung sorgt und den wahren Täter somit zwingt, wieder aktiv zu werden…!

Mr Bradley lässt sich mit der Veröffentlichung eines neuen aufregenden Abenteuers einer meiner Lieblings-Spürnasen leider sehr viel Zeit. Umso erfreuter war ich, als ich entdeckte, dass es zum allerersten Roman eine Hörspielfassung gibt. So konnte ich der Versuchung einfach nicht widerstehen,…

…und nun sitze ich in meinem gemütlichen Ohren-Sessel, neben mir dampft ein Becher gefüllt mit köstlichem Kaffee, und lausche der akustischen Umsetzung einer Geschichte, die ich so gut kenne. Schließlich habe ich selbst schon zwei Lesungen mit Flavia bestritten und somit ihr und ihren Freunden meine Stimme geliehen,…


2 CDs/ Flavia de Luce. Mord im Gurkenbeet von Alan Bradley (2013)/ Buch & Regie: Markus Winter/ mit Luisa Wietzorek, Zalina Sanchez Decke, Tom Jacobs, Torsten Münchow, Maria Koschny, Inken Baxmeier, Helmut Winkelmann, Hildegard Meier, Corinna Dorenkamp u.a.

…und nun sitze ich und lausche und lausche und lausche und bin irritiert. Nicht, dass ich es hier mit einer schlechten Umsetzung der Geschichte zu tun hätte. Vielmehr habe ich bei meinen Lesungen zwangsläufig einige Rollen anders interpretiert, ihnen sozusagen stimmlich eine andere Färbung, einen anderen Rhythmus, einen anderen Ton verliehen. Zudem hatte ich Flavia nie ernsthaft als 11-jährige wahrgenommen, und sie somit auch nie als solche bei meinen Lesungen dargestellt. Doch nun wird sie – als logische Konsequenz – selbstverständlich von einem 12-jährigen jungen Mädchen gesprochen. Doch ich wundere mich über mich selbst, dass ich diesen Umstand bisher geflissentlich ausgeblendet habe, und muss darum meine Sichtweise auf die Figur/die Figuren neu justieren.

Dabei haben die Produzenten die Titelpartie klug mit zwei Sprecherinnen besetzt. Zalina Sanchez Decke spricht in den Dialogen die junge Flavia mit jugendlichem Elan und kindlicher Naivität, während Luisa Wietzorek als Erzählerin die reifere Flavia verkörpert und uns somit aus Sicht der Vergangenheit an den Geschehnissen auf Buckshaw teilhaben lässt. Ein durchaus raffinierter Schachzug, der auch ohne Bruch auskommt, da beide Stimmen sehr gut nebeneinander harmonieren. Torsten Münchow gibt einen souveränen Inspektor Hewitt und gestaltet glaubhaft die Wandlung vom zurückhaltenden Ermittler zum besorgten väterlichen Freund. Tom Jacobs als Colonel de Luce hätte für meinen Geschmack durchaus ein wenig fahriger und weltentrückter sein können. Dafür punkten Inken Baxmeier als Daphne und besonders Maria Koschny als Ophelia mit prägnanten wie humorvollen Auftritten. Als kleinen Frische-Kick empfand ich auch Corinna Dorenkamp in der Rolle der Mary Stoker. Besonders die Interpretationen von Helmut Winkelmann (Dogger) und Hildegard Meier (Mrs. Mullet) wurden „Opfer“ meiner vorgefassten Meinung, da ich mir gerade diese beiden Rollen prägnanter bzw. kauziger gewünscht hätte. Zudem intonieren einige Sprecher*innen in einem Duktus als würden sie ein klassisches Kinder-Hörspiel à la „Bibi Blocksberg“ einsprechen und kein Hörspiel für reifere Zuhörer – die Heldin ist zwar erst zarte 11 Jahre alt, aber trotzdem handelt es sich hierbei um einen reellen Krimi.

Regisseur Markus Winter ist eine solide Umsetzung der Geschichte gelungen, die mir Freude bereitet hat aber durchaus noch ausbaufähiger ist. Dafür gebührt ihm das große Kompliment, dass er das Buch geschickt auf die Länge von zwei CDs komprimiert hat, ohne dass wesentliche Inhalte verloren gingen oder der Fluss der Geschichte gestört wurde.


erschienen bei WinterZeit Audiobooks/ ISBN: 978-3943732221

[Blog-Ge-„switch“-er] September 2021…

Schwups! – der Sommer ist schon beinah wieder vorbei und ebenso auch meine Probezeit bei meinem „neuen“ Arbeitgeber. Ich habe mich gut eingelebt und fühle mich wohl. Was will man (=ich) mehr? Dafür ziehen sich die Renovierungen unserer beiden Badezimmer etwas in die Länge, da Materialien nicht lieferbar sind, sollten in diesem Monat allerdings (hoffentlich!) beendet sein. Wenn dies der Fall ist, werde ich in einer größeren Duschkabine unter der Regendusche Freudentänze vollführen. 😂

Ansonsten freue ich mich auf die letzten Monate des Jahres, fiebere der kommenden Theater- und Konzert-Saison entgegen, mache Pläne und ordere schon die ersten Eintrittskarten. Zudem werde ich im November drei wunderbar lange Wochen Urlaub haben und die Zeit u.a. nutzen, um Freunde zu treffen, Ausstellungen zu besuchen und zu lesen, lesen, lesen…! 😍

Apropos lesen: Ihr solltet unbedingt die tollen Beiträge meiner hochverehrten Blogger-Kolleg*innen lesen, die ich in den letzten Wochen für Euch (und mich) entdeckt habe. Ich wünsche Euch viel Spaß!


  • Sternchen, Prozente, Punkte – es gibt viele Möglichkeiten, um ein Buch mit einer Wertung zu „schmücken“. Leonie Nitsche von LITERARISCHES geht in 0/5 Sternen diesem Drang auf dem Grund, warum wir so versessen darauf sind, ein komplexes Werk wie ein Buch auf ein simples Wertesystem zu reduzieren. Wird dadurch unser Wunsch nach Überschaubarkeit entsprochen? Oder ist eine Wertung allein über Zahlen nicht von vornherein Makulatur, da jede*r von uns eine ganz individuelle Sicht auf die Literatur hat?
  • Und wieder bin ich über den Blog KAFFEEHAUSSITZER von Uwe Kalkowski gestolpert. Warum muss der Kerl auch immer so interessante Beiträge verzapfen? Unter der Rubrik „Textbausteine“ lässt er uns an seinen Gedanken zu ausgewählten Textstellen aus Büchern teilhaben. Diesmal inspirierte ihn das Zitat Genau dasselbe Leben noch einmal, nur anders. Eine spannende und nachahmenswerte Möglichkeit, sich mit Literatur auseinanderzusetzten…!
  • Ein eingefleischter Bücherwurm hat immer Lust zu lesen, oder? Weit gefehlt…! Herba von UNKRAUT VERGEHT NICHT …ODER DOCH? versucht in Ein Buchwurm in seinem Element den Gründen, die zu Schwankungen in der persönlichen Lesestimmung führen könnten, auf den Grund zu gehen. Mein Tipp bei einem Lese-Tief: totstellen und abwarten, bis es vorbei ist! 
  • Susanne Bader und Pascal Mathéus führen auf AUFKLAPPEN das Interview: Dürfen Frauen über Männer schreiben? mit der Autorin Daniela Engist und befragen sie u.a. über die weibliche Sicht auf männliche Themen und zu ihrem aktuellen Roman.
  • Anlässlich des Jahrestages zum Mauerbau gewehrt uns Lothar Lange von KOHLENSPOTT einen Einblick in seine ganz persönlichen Erinnerungen. Mit August 1961: Mauerbau und der erste Fernseher lässt er die Vergangenheit wieder äußerst lebendig auferstehen.
  • Das LITERATURMAGAZIN BREMEN widmet sich Monat für Monat einem anderen Schwerpunkt in der Literatur. Im Juli war Kriminelles an der Reihe: Lesetipps, Veranstaltungshinweise, ausgesuchte Beiträge – gerne auch mit einem lokalen Bezug zur Hansestadt. Wem die Fiktion nicht mehr genügt, dem möchte ich gerne die Bremer Krimi-Touren ans Herz legen: Eine Stadtführung der besonderen Art auf den Spuren von schweren Jungs und leichten Mädchen!

Ein kleiner Hinweis am Schluss: Dies ist keine Rubrik, die regelmäßig erscheint. Darum lasst Euch überraschen, wann das nächste [Blog-Ge-„switch“-er] das Licht der Blogger-Welt erblickt…!!! 😊

MONTAGSFRAGE #135: Bevorzugst Du lieber Roman-Reihen oder eher in einem Band abgeschlossene Geschichten?

Ohje, ich fürchte, dies wird wieder eine von diesen „Sowohl-als-auch“-Antworten, bei der man (also: ich) dem Schwadronieren verfällt, und wo man (also wieder: ich) kein Ende findet. Na denn, auf geht’s…!

Ich liebe…
…Roman-Reihen: Was wäre ich ohne meine liebgewonnenen und verehrten Heldinnen und Helden, die sich – bei mir vornehmlich – in kriminalistischen Gefilden tummeln, mir Stunden der Zerstreuung schenkten und so über so manchen emotionalen Tiefpunkt hinweg halfen. Mein Leben wäre um einiges Ärmer, hätte ich nicht irgendwann die Bekanntschaft mit Hercule Poirot, Miss Marple, Kommissar Maigret, Flavia de Luce, Dr. Siri, Cormoran Strike und Nero Wolfe gemacht.

Ich liebe…
…in einem Band abgeschlossene Geschichten: Was wäre ich ohne meine liebgewonnenen und verehrten Heldinnen und Helden, die sich in ganz unterschiedlichen Ländern und sozialen Milieus tummeln, mir Stunden der Zerstreuung schenkten und so über so manchen emotionalen Tiefpunkt hinweg halfen. Mein Leben wäre um einiges Ärmer, hätte ich nicht irgendwann die Bekanntschaft mit Ruthchen, Alexander, Leo, Laila und Gertrud, Agathe und einem namenlosen Buchhändler gemacht.

Der Text kommt Euch irgendwie bekannt vor? Ist doch logisch: Formal betrachtet mache ich keine Unterschiede zwischen diesen beiden Extremen. Beide sind mir gleich lieb und teuer. Beide haben einen hohen Stellenwert in meinem Leser-Leben. Beide haben „für jetzt und immerdar“ einen Platz in meinem Bücherregal.

Während ich bei der Serie (wie könnte es auch anders sein) am Ende einer Geschichte der Fortsetzung entgegenfiebere, und es kaum abwarten kann, bis der nächste Bande erscheint, habe ich bei Einzel-Büchern noch nie den Wunsch nach einem Nachschlag verspürt. Schließlich ist der Plot dieser Romane ja auch so aufgebaut, dass er ein „mehr“ nicht benötigt: Alles wurde gesagt, und das ist gut so. Oder: Alles wurde nicht gesagt, vieles blieb unausgesprochen, wage, in der Schwebe, aber auch dieser Umstand „ist gut so“.

Besonders dieses kurze Hineinspringen in eine Geschichte übt für mich immer einen besonderen Reiz aus. Als vorübergehender Gast nehme ich für einen klar begrenzten Zeitraum Anteil am Leben meiner Protagonist*innen. Genauso plötzlich wie ich in eine Geschichte hineinpurzel, genauso plötzlich werde ich aus ihr wieder hinauskatapultiert. Dabei kann ein solch abrupter Abschied durchaus ein Wechselbad an Gefühle bei mir auslösen, mich in einer melancholischen Stimmung zurücklassen oder meine Sinne verwirren. Hach, wie schön, dass das Lesen von Büchern so etwas erreichen kann!

Bei den Serien fühle ich mich emotional auf der sicheren Seite: Ich kenne „meine“ Leute, kann sie einschätzen und weiß, was mich erwartet. Und doch können und dürfen Überraschungen mich gerne aus dem Konzept bringen und verdutzt aus der Wäsche gucken lassen. Doch die Rahmenbedingungen sind mir bekannt und versprechen Sicherheit. Dafür freue ich mich immer wieder auf ein Wiedersehen (Naja, eher Wieder-Lesen…!). Beinah ist es so, als würden alte Freunde wieder auf einen Besuch bei mir vorbei schauen, gute Laune verbreiten und mich erst wieder verlassen, wenn meine Seele ausreichend gestreichelt wurde. Und auch hier: Hach, wie schön, dass das Lesen von Büchern so etwas erreichen kann!

Uups, jetzt habe ich es ja doch gefunden: das…
ENDE

…Einzelkind oder einen ganzen Stall voller Geschwister? Was ist Euch lieber???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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[Komödie] Sönke Andresen – OFFLINE FÖR EEN AVEND (UA) / Ohnsorg Theater Hamburg

Komödie von Sönke Andresen / Plattdeutsch von Christian Richard Bauer

Premiere: 22. August 2021 / besuchte Vorstellung: 24. August 2021
Ohnsorg Theater Hamburg


Inszenierung: Murat Yeginer
Bühne & Kostüme: Beate Zoff


Hamburg – meine Perle! Sind tatsächlich schon beinah zwei Jahre vergangen, seitdem wir das letzte Mal bei dir zu Gast waren? Auch damals waren wir zu dir gekommen, um uns ein Stück im legendären Ohnsorg Theater anzuschauen. Nun sind wir aus ebendiesem Grund wieder bei dir: …und dazwischen, was war dazwischen? Ach, reden wir nicht darüber, sondern freuen uns lieber, dass wir gesund wieder beisammen sind.

Der Möbel-Mitnahmemarkt „ahoy!-Möbel“ feiert sein 75-jähriges Bestehen mit einer Motto-Kostüm-Party, bei der alle Mitarbeiter*innen getreu dem Firmennamen maritim kostümiert zu erscheinen haben. Genau am Abend der großen Jubiläumsparty bricht Kassiererin Carla gemeinsam mit ihrer Kollegin Debbie, ihres Zeichens Verkäuferin in der Matratzenabteilung, über den Lüftungsschacht in das Büro ihres Chefs Jörn Brunkhorst ein. Carla sucht belastendes Material gegen ihren Chef, der sie für den Krankenhausaufenthalt einer Kollegin verantwortlich macht und ihr mit Abmahnung, wenn nicht sogar Kündigung droht. So sinnt Carla auf Rache, findet allerdings kein belastendes Material. Stattdessen albert sie mit einer phallusförmiges Figur aus Terrakotta, ein Erbstück der verstorbenen Frau Mama, herum und rekelt sich scheinbar wollüstig vor der Handykamera, um ihrer erkrankten Kollegin mit diesem Filmchen zu erfreuen. Dummerweise beginnt der Nachname eben dieser Kollegin mit demselben Buchstaben wie der ihres Chefs: 1x nicht richtig hingeschaut, 1x zu schnell getippt und schon landet das pikante Video auf dem Handy des Chefs. Nun ist guter Rat teuer: Der Chef darf dieses Video unter keinen Umständen zu Gesicht bekommen, Carla wäre sonst auf der Stelle arbeitslos. So möbliert – Äh! – mobilisiert sie die Massen, spannt ihre Freundin Debbie ebenso für ihre Pläne ein, wie ihren Ex-Gatten Horst, der als Gabelstapelfahrer im Lager arbeitet und zum Firmenjubiläum zum tanzenden Show-Act im Meer-Mann-Kostüm mutiert. Auch die in den Chef verschossene Lone Rasmussen, Urenkelin des Firmengründers, wird hemmungslos von ihr für ihre Zwecke manipuliert. Carla lässt sich immer neue hanebüchene Geschichten einfallen, um ihre Anwesenheit im Büro des Chefs zu erklären und ihm so das Handy mit dem pikanten Video zu entlocken. Dabei hat er ganz andere Sorgen…!

Regisseur Murat Yeginer setzt in seiner Inszenierung auf Tempo und jagt sein Ensemble im Stil der klassischen Screwball-Komödien über die Bretter: schnell und mit dem nötigen Timing aber nie hektisch. Dabei überrascht er mit kleinen, feinen Gags und ermöglicht seinen Schauspieler*innen, Profil und Charakter ihrer Figuren zu entwickeln. Das Bühnenbild von Beate Zoff überzeugt im beinah sterilen Ambiente eines Möbelhauses, wie es überall in der Republik stehen könnte. Erst ein zweiter oder auch dritter Blick offenbaren die vielen Details (das maritime Muster der Auslegeware, die typischen Preisschilder an den Möbeln), die sich auch in den Kostümen (die Namensschilder des Personals, ein Werbeaufdruck auf dem T-Shirt) wiederfinden.

Wie eigentlich immer beim Ohnsorg Theater punktet auch „Offline för een Avend“ mit einer passgenauen Auswahl der Schauspieler*innen. Nele Larsen gibt die zuckersüße Lone mit Naivität und Sex-Appeal. Meike Meiners verzweifelt als Debbie beinah an ihrem Zwiespalt zwischen Karrieredenken und Loyalität gegenüber Carla. Erkki Hopf gefällt in seiner akzentuierten Darstellung des Jörn Brunkhorst, der verzweifelt versucht, sein „dunkles“ Geheimnis zu verschleiern.

Markus Gillich entlockt den Kehlen des Publikums so manches Lachen, wenn er als leicht alkoholisierter Meer-Mann Horst eine choreografierte Kostprobe seines Show-Acts zum Besten gibt und diese zudem auf der Bierflasche pfeifend musikalisch untermalt.

Beate Kiupel glänzt voller Spielfreude und stattet ihre Carla mit patentem Mutter-Witz aus. Als „alte“ Häsin am Ohnsorg Theater versteht sie es famos, ihre Pointen punktgenau zu setzten, und startet so etliche Humor-Offensiven, z.Bsp. wenn sie sich beim kompromittierenden Video-Dreh rollig auf dem Schreibtisch wälzt oder ihrem Chef kokett-verführerisch das Handy zu entlocken versucht.

Der Regisseur „himself“ sorgt als Stimme von Praktikant Ibrahim für einen Running-Gag: Ibrahim beherrscht die deutsche Sprache nur rudimentär, muss allerdings das Mikro der Information besetzen, scheitert so beinah tragisch-komisch an der gender-neutralen Ansprache von Kund- und Belegschaft und führt diese so ad absurdum. Dabei war Schadenfreude hier nicht nur völlig fehl am Platz, sie war schlichtweg nicht existent: Das Publikum durfte mit den Figuren lachen. Es lachte aber nie über sie. Das Ensemble des Ohnsorg-Theaters wandelte trittsicher auf dem schmalen Grat zwischen Klamauk und Komik, zwischen Überzeichnung und Glaubwürdigkeit, ohne diesen je zu verlassen.

Das Ensemble des Ohnsorg-Theaters beherrscht eben bravourös die schwere Kunst der leichten Unterhaltung!


Das Ohnsorg Theater spielt OFFLINE FÖR EEN AVEND noch bis zum 25. September 2021.

MONTAGSFRAGE #134: Gibt es ein Buch, das Dir sehr gefallen hat, Du aber nicht noch einmal lesen würdest?

„Sag niemals nie…!“ – Sean Connerys letzter Einsatz als Spion im Auftrag ihrer Majestät könnte durchaus auch als Untertitel für diese MONTAGSFRAGE dienen. „Sag niemals nie…!“ – Sicher könnte ich jetzt vollmundig behaupten, dass ich das eine oder andere Werk nicht mehr lesen würde, obwohl es mir sehr gefallen hat, aber

…aber was schert mich in einer Woche/einem Monat/einem Jahr mein Geschwätz von heute, wenn ich gerade dann zu genau diesem/jenen/welchen Zeitpunkt das dringende, unbändige und nicht zu stillende Bedürfnis verspüre, eben genau das Werk wieder lesen zu wollen, das ich nicht noch einmal lesen wollte. Somit ist meine Antwort zur heutigen MONTAGSFRAGE auch nur als ein kurzfristig gültiges Zeitdokument zu sehen – sozusagen ein Schnappschuss, der meine momentane Meinung im Wort festhält aber keine Gültigkeit für die Ewigkeit besitzt. Logisch, oder?

Doch nun hurtig ran an eine Beantwortung der Frage: Ich würde gerne die besagten Bücher in zwei Kategorien einteilen:

  1. Bücher, die mir sehr gefallen haben, die ich aber nicht nochmals lesen würde und darum auch nicht mehr in meinem Besitz sind.
  2. Bücher, die mir sehr gefallen haben, die ich aber nicht nochmals lesen würde aber trotzdem für immer und ewig in meinem Besitz bleiben werden.

Zur 1. Kategorie zählen interessanterweise viele Bücher, die ich im Rahmen meiner Blogger-Tätigkeit teilweise als Rezensionsexemplar zwecks Besprechung erhalten habe. Alle diese Bücher haben mir wirklich so sehr gefallen, dass ich vollmundige Rezensionen verfasst und sie überschwänglich gelobhudelt habe. Dieses Urteil habe ich voller Überzeugung getätigt, und ich würde diese Bücher auch immer wieder wärmstens weiter empfehlen. Doch da auch meine Lebenszeit begrenzt ist, und ich zudem den Wunsch verspüre, ganz viel und mir noch unbekannte Literatur zu entdecken, habe ich diese Werke (durchaus mit einem weinenden Auge) weiterziehen lassen. Zu diesen Büchern zählen u.a.:

Zur 2. Kategorie zählen hauptsächlich Werke, die mich in einer besonderen Lebenssituation getroffen haben – und „treffen“ trifft es genau! Unsere Begegnung war so prägend, dass sie zum Teil in die Ruhmeshalle „Die Bücher meines Lebens“ eingezogen sind. Da möchte ich gerne zwei Werke stellvertretend nennen:

Beide Werke dürfen sich mit Recht als Epos bezeichnen, denn allein von ihrem Seiten-Umfang sind sie epochal und können so durchaus einschüchternd wirken. „Vom Wind verweht“ bringt es in der Neuübersetzung auf stattliche 1200 Seiten und wird von „Die Elenden“ mit über 1500 Seiten sogar noch übertrumpft. Da würde ich es mir sehr genau überlegen, ob ich mich an eine solche literarische Schwarte nochmals ran traue. Zudem schlummert in mir die Angst, dass ich sie bei einem wiederholten Lesen vom Sockel des Besonderen stoße und somit brutal entzaubere, da sich meine Sichtweise (zwangsläufig) nach all den Jahren verändert hat. Ist es mir das wert…???

Diese Bücher sind so sehr mit mir und meinem Leben verwoben, dass sie immer ihren Platz in meinem Bücherregal haben werden.

…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.