[Ausstellung] Tierischer Aufstand – 200 Jahre Bremer Stadtmusikanten in Kunst, Kitsch und Gesellschaft / Kunsthalle Bremen

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Foto: Ingrid Krause

Die Frühlingssonne lachte als wir uns an diesem Sonntagnachmittag auf Initiative von Ute und Sabine Gartmann von der Buchhandlung „die schatulle“ an der Kunsthalle in Bremen trafen: Die Gartmann-Schwestern hatten diesen Ausstellungsbesuch für ihre interessierte Kunden organisiert. Herzlichen Dank!

Die Bremer Stadtmusikanten gehören zu den beliebstesten Märchenfiguren. Nachdem das Märchen lange Zeit nur mündlich überliefert wurde, fand es 1819 erstmals Aufnahme in die Sammlung „Kinder- und Hausmärchen“ der Brüder Grimm. Die Bremer selbst entdeckten erst 80 Jahre später das (Werbe-)Potenzial der vier Musikanten als Wahrzeichen ihrer Stadt.

Die Ausstellung beginnt mit dem Ursprung des Märchens und der Entwicklung des bekannten Bildmotivs der aufeinander stehenden Tiere. Gerade die unterschiedliche Bildsprache der Epochen konnten wir anhand der Illustrationen der ausgestellten Märchenbücher bewundern: So hatte eine Zeichnung aus den 20er Jahren eine völlig andere Ästhetik als die Grafik aus den 60er Jahren – und sind somit auch ein Ausdruck des jeweiligen Zeitgeschmacks.

Informativ waren auch die Exponate rund um die Entstehungsgeschichte der berühmten Bronzeplastik von Gerhard Marcks. So konnten wir die Korrespondenz zwischen dem Künstler und dem Bremer Senat ebenso bewundern wie die ersten Skizzen des Künstlers und Fotos vom Herstellungsprozess. Bei der Plastik von Marcks türmen sich die Tiere ähnlich einer Pyramide aufeinander und bilden so eine harmonische Einheit. Trotz dieser Stringenz haben die einzelnen Viecher durchaus Individualität – sei es der vorgestreckte Hals des Hahns oder die angewinkelte Pfote der Katze.

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Die Bronzestatue von Gerhard Marcks am Bremer Rathaus erinnert seit 1953 an die Bremer Stadtmusikanten.

Neben Marcks wurden auch andere Künstler von den Bremer Stadtmusikanten inspiriert: Der südkorenische Künstler Gimhongsok türmt überlebensgroße Plüschfiguren aufeinander und vermittelt den Eindruck, dass die untere Figur vom Gewicht der oberen Figuren erdrückt wird. Im Gemälde von Karl Horst Hödicke stehen die Tier zwar gewohnt übereinander, bilden aber keine Einheit, da ihre Blicke alle in unterschiedliche Richtungen weisen. In der Skulptur von Jeff Koons werden gleich fünf Tiere übereinander geschichtet und verbindet hochwertige Materialien mit Handwerkskunst zu einer idealisierten Darstellung der Tiere.

Auch der Kitsch findet seinen Platz in dieser Ausstellung: So taucht das Motiv der Stadtmusikanten auf verschiedenen Alltagsgegenständen (Kinderbesteck) und Souvenir-Artikeln (Schlüsselanhänger, Aufkleber, Becher) auf und fand ebenso Einzug in anderen Kulturen (Perlenpuppen aus Namibia, Trickfilm aus Russland).

Der gesellschaftliche Einfluss „der glorreichen Vier“ wurde somit für mich als Besucher dieser interessanten Ausstellung durchaus nachvollziehbar. Am Ausgang der Ausstellung hatten wir zudem Gelegenheit, „Tierische Grüße“ in die Welt zu senden: Auf vorbereiteten Postkarten konnten wir unseren Lieben einen Gruß schicken. Schöne Idee!


Ein Tierischer Aufstand kann noch bis zum 1. September 2019 in der Kunsthalle in Bremen geprobt werden.

[Ausstellung] einfach gut. Design aus Dänemark / Wilhelm Wagenfeld Haus Bremen

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Dänisches Design erfreut sich ungebrochen großer Beliebtheit. Doch was macht diese Faszination aus. Die Ausstellung im Wilhelm-Wagenfeld-Haus geht diesem Phänomen auf die Spur und blickt zurück auf 70 Jahre dänischer Design-Geschichte.

„Niemals so avantgardistisch, dass man nicht ordentlich sitzen könnte!“

Bezieht sich diese Aussage ursprünglich auf die vielfältigen Sitzgelegenheiten, könnte dieses Credo auch für alle gezeigten Design-Stücke gelten: Zweckmäßig sollte es sein aber auch ansprechend und formschön. Erschwinglich sollte es sein aber auch gutverarbeitet und von hoher Qualität. So machten die dänischen Designer aus der sprichwörtlichen Not eine Tugend, arbeitete mit den Materialien, die sie vor Ort vorfanden und schufen somit schon ab den 40er Jahren Gegenstände für den täglichen Gebrauch, die weiterhin eine erstaunliche Modernität ausstrahlen.

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Pfauenstuhl, Designer: Hans J. Wegner; Foto: Jürgen Hans

So findet die Stelton-Isolierkanne von Designer Erik Magnussen aus dem Jahr 1976 ebenso ihren Platz in dieser Ausstellung wie das wunderschöne Ess-Service mit dem Dekor „Musselmalet“ (wörtlich übersetzt: muschelgemalt) von der Königlich Dänischen Porzellanmanufaktur „Royal Copenhagen“, das,  erstmals im Jahre 1775 hergestellt, 1885 überarbeitet wurde und seitdem als ur-dänisches Service gilt.

Auch die gezeigten Sitzgelegenheiten ließen mich staunen und weckten meine Begehrlichkeit: Ich stand vor einem originalen Pfauenstuhl und überlegte, wo er am besten in unserer Wohnung zur Geltung kommen könnte.

Bis es soweit ist, werde ich mich mit den erschwinglicheren Designer-Stücken begnügen müssen: Voller Ehrfurcht habe ich mir gerade einen Kaffee aus unserer roten Stelton-Kanne in die Tasse gegossen.


Die Ausstellung einfach gut. Design aus Dänemark ist noch bis zum 22. April 2019 im Wilhelm Wagenfeld Haus in Bremen zu bewundern.