[Rezension] Jella Lepman – Die Kinderbuchbrücke

Es war einmal…

…vor einigen Jahren kurz vor den Wahlen, da saß ich mit einer Bekannten zusammen, und sie äußerste ihre Haltung dazu: „Ich gehe nicht zu den Wahlen! Man weiß ja eh nicht mehr, welche Partei man wählen soll!“ Ich starrte sie völlig entgeistert an: Nach einer Schrecksekunde in Schockstarre gab ich zu bedenken, dass – abgesehen davon, dass sie mit ihrer Wahlverweigerung automatisch die AfD stärkt – in der Vergangenheit viele mutige Frauen dieses Wahlrecht für sich und nachfolgende Generationen hart erkämpft haben. Mich traf der verständnislose Blick meiner Bekannten…!

Mutige Frauen: Es gab sie und wird sie zum Glück immer geben. Mutige Frauen, die am Sockel des Patriarchats des weißen Mannes rütteln. Und allen weißen Männern, die der Meinung sind, dass eben dieser weiße Mann die Krone der Schöpfung darstellt, rufe ich voller Überzeugung zu: „Nein, er ist es nicht!“ Im Gegenteil: Die Krone der Schöpfung sind für mich all die Menschen, die – im Großen wie im Kleinen – dafür sorgen, dass das Leben auf unserem Planeten ein wenig besser wird!

Jella Lepman war einer dieser Menschen, war eine dieser mutigen Frauen.

Als Jüdin musste die Journalistin 1936 über Italien nach England immigrieren, wo sie weiterhin u.a. für die BBC und den US-amerikanischen Sender ABSIE journalistisch tätig war. Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sie das Angebot, als Beraterin der US-Armee für Frauen- und Jugendfragen im Rahmen des „Reeducation“-Programms der amerikanischen Besatzungszone nach Deutschland zurückzukehren. Lepman reiste voller Zweifel und Ängste in das Land, das für den Holocaust verantwortlich war. Schnell wurde ihr bewusst, dass eine „Reeducation“ (=Entnazifizierung) bei denen am erfolgreichsten ist, die sie als hoffnungsvolle Zukunft eines Landes ansah: die Kinder! Das beste und geeignetste Medium, um den Kindern im Nachkriegsdeutschland Toleranz, Friedensliebe und Weltoffenheit näher zu bringen, waren für sie die wunderbaren Kinderbücher aus aller Welt bzw. aus Deutschland vor dem Einfluss der Nazis (z. Bsp. „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner).

Aber waren die Kinder Deutschlands, die so viel Leid erlebt und Schreckliches gesehen haben, überhaupt bereit dafür? Und wären die Nationen bereit, ihre Kinderbücher dem „Feind“ zu spenden? Ihre Bitte um Bücher für die Kinder in Deutschland, die sie an die Länder richtete, traf dort einen Nerv der Solidarität – Solidarität für die Kinder – und so fungierten die Kinderbücher als Brücke der Verständigung zwischen den Nationen. Jella Lepman organisierte 1946 eine Internationale Jugendbuchausstellung in München (und somit auch die erste internationale Ausstellung in Deutschland nach dem Krieg), die auch auf Wanderschaft ging und somit in weiteren Städten in Deutschland gezeigt wurde. Die Ausstellung wurde ein sensationeller Erfolg: Aus ihr entwickelte sich im Jahre 1949 die Internationale Jugendbibliothek im München, deren Direktorin Lepman bis 1957 war.

In diesem Buch lässt Jella Lepman den Aufbau der Internationalen Jugendbibliothek mit eigenen Worten wiederaufleben. Im leichten Plauderton mit sehr viel Empathie erzählt sie über ihren Neu-Anfang im Nachkriegsdeutschland. Humorvoll berichtet sie von Rückschlägen und Fauxpas und plaudert unterhaltsam über Begegnungen mit damaligen Größen des öffentlichen Lebens (Eleanor Roosvelt, Theodor Heuss, Elly Heuss-Knapp, Golo Mann und Erich Kästner), die sie als Befürworter bzw. Unterstützer ihrer Idee gewinnen konnte. Im Mittelpunkt ihres Handels standen immer die Kinder. Sehr emotional lässt sie uns an ihren ersten Begegnungen mit traumatisierten Kindern, die in den Trümmerbergen ums Überleben kämpften, teilhaben. Ebenso berührend sind ihre Schilderungen über die Reaktionen der Kinder: Andächtig, staunend und mit glänzenden Augen nahmen sie die Bücher „in Besitz“. Jella Lepman lag so nicht nur die Förderung der Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland am Herzen. Sie wurde auch zur Förderin der jungen Leser*innen. „Kinder an die Macht“ schien ihre Devise zu lauten, und so ließ sie von den Kindern Buch-Rezensionen erstellen, in Gesprächsrunden Autor*innen Löcher in den Bauch fragen und initiierte die ersten Fremdsprachenkurse. Aber auch über den Räumlichkeiten der Bibliothek hinaus warb sie mit aller Kraft für ihre Idee und kooperierte mit Schulen und Ämtern. Zudem knüpfte sie grenzüberschreitend Kontakte, indem sie Kongresse besuchte und internationale Gäste in der Jugendbibliothek begrüßte. Die Autorin (be-)schreibt mit so viel Begeisterung und Anteilnahme, dass mir während der Lektüre (Ich gestehe…!) das eine oder andere Mal die Augen feucht wurden.

Eingeleitet wird dieses literarische Statement durch ein Vorwort von Dr. Christiane Raabe, der jetzigen Direktorin der Internationalen Jugendbibliothek, ergänzt durch viele historische Fotos und abgeschlossen durch die lesenswerte Kurz-Biografie „Die vielen Leben der Jella Lepman“ von Anna Becchi.

Lepmans ängstliche Frage, ob die Kinder bereit für Bücher seien, war völlig unbegründet. Die Kinder stürmten begeistert zuerst die Ausstellung und später die Internationale Jugendbibliothek, beteiligten sich aktiv an deren Angebote und entdeckten die neuen Bücher für sich: Für sie waren die Kinderbücher die Flucht aus einem grauen Trümmer-Deutschland in eine farbenfrohe Welt voller Spaß, Abenteuer und einer Vielzahl an unterschiedlichen Held*innen,…

…und wenn sie nicht gestorben sind, dann lesen sie noch heute!

Weitere Informationen findet Ihr auf der HOMEPAGE der Internationalen Jugendbibliothek.


erschienen bei Kunstmann/ ISBN: 978-3956143922

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Horst A. Friedrichs – Buchhandlungen. Eine Liebeserklärung/ mit Texten von Stuart Husband und Nora Krug

Buchhandlungen: Ich liebe sie! Im besonderen Maße liebe ich natürlich die innerhabergeführten Läden, die so viel von „ihren“ Menschen preisgeben und im besten Fall Charakter besitzen und Persönlichkeit ausstrahlen. Hier finde ich in beinah versteckten Nischen und Regalen so einige kleine Schätze abseits des Mainstreams. Natürlich ist oftmals das Angebot der großen Buchhandelsketten deutlich umfangreicher, aber ist es auch vielschichtiger? Zudem verströmen diese Läden mit ihrem genormten Ladenkonzept eher Sterilität und lassen nicht erkennen, in welcher Stadt ich mich gerade befinde.

Fotograf Horst A. Friedrichs hat sich seine Kamera geschnappt und sich auf eine Reise durch die Buchhandlungen der westlichen Hemisphäre gemacht. Mit seinen Fotos schafft er es, dem besonderen Flair dieser Orte, den sie für Buch-Enthusiasten verströmen, dem Betrachter sichtbar zu machen – sowohl als „Panorama“-Ansicht als auch „en détail“. Sie offenbaren eine immense Bandbreite, wie und wo Menschen Bücher verkaufen. Da versprüht „Spoonbill & Sugartown“ (Brooklyn, New York) mit seiner Styropor verkleideten Ladendecke in Kombination mit einem Lüster einen beinah morbiden Charme, während „Rizzoli“ (Manhatten/ New York) mit seinen dunklen Säulen und den muschelförmigen Regalaufsätzen ein gediegenes Upperclass-Flair versprüht. Bei „Dog Eared Books“ (San Fransisco) fühlte ich mich in die alternative Buch-Szene der 70er Jahre zurück versetzt. „Maggs Bros.“ (London) ist von außen kaum als Buchhandlung zu erkennen, blickt auf eine jahrhundertlange Tradition zurück und präsentiert in seinem Inneren eine wahre Schatzkammer an Buchantiquitäten. Der Buchladen „Gay’s The Word“ (London) macht Andersartigkeit sichtbar und etabliert sie als selbstverständlichen Teil einer bunten und vielfältigen Gesellschaft.

Bei „Word On The Water“ (London) muss die Kundschaft erst über einen kleinen Steg auf ein Boot, dass fest am Ufer des Regent’s Kanal liegt. Wir bleiben an einem Fluss: Natürlich dürfen in einer solchen Sammlung die „Bouquinisten“ am Ufer der Seine in Paris nicht fehlen. Eine alte gotische Kirche dient „Boekhandel Dominicanen“ (Maastrich) als Heimat, in der eine raffinierte Stahlkonstruktion dafür sorgt, dass das ehrwürdige Gotteshaus keinen Schaden nimmt. Beim Anblick der Fotos zu „Liveraria Lello“ (Porto) mit seinen geschwungenen Treppen und den Bleiglasfenstern stockte mir der Atem: So schön! Mit Schande muss ich gestehen, dass ich der renommierten Buchhandlung „Felix Jud“ in meiner Lieblingsstadt Hamburg bisher noch keinen Besuch abgestattet habe: Das soll/muss sich ändern! Und wenn ich schon in Hamburg bin, dann könnte ich auch bei „stories!“ vorbeischauen, die ihre Bücher eher wie Kunstwerke einer Galerie gleich zur Schau stellen. Insgesamt gibt es 47 Porträts zu bewundern…!

So unterschiedlich die Läden und ihre Besitzer*innen sind, so unterschiedlich ist auch die jeweilige Entstehungsgeschichte: Da protzen einige Läden als wahre Literaturtempel während andere eher dezent ihr Understatement kultivieren. Einige Läden blicken auf eine sehr lange Tradition zurück, andere Läden sind beinah „spontan“ in jüngerer Vergangenheit entstanden.

Auch wenn dieser Pracht-Bild-Band natürlich unter der Kategorie „Das geschriebene Wort…“ auftaucht, so spielen Texte eine eher untergeordnete Rolle. Und so erscheint in diesem Fall auch als erstes der Name des Fotografens in der obigen Überschrift. Während Nora Krug in ihrem Vorwort die Notwendigkeit von freien Buchhandlungen und ihren Einfluss auf die Gesellschaft deutlich macht, sorgt Stuart Husband in seinem Beitrag zu jeder Buchhandlung, dass die Inhaber*innen eine Stimme erhalten.

Das Gesicht zur Stimme zeigt Friedrichs in seinen wundervollen Fotos: Kluge Menschen blicken in die Kamera und zeugen von Individualität, Enthusiasmus und ihrer Liebe zum Buch. Horst A. Friedrichs ist wahrlich eine Liebeserklärung gelungen!

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin LESEMADEMOISELLE.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791385808

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Michael Bienert – Kästners Berlin: Literarische Schauplätze

Michael Bienert ist der absolute Kenner für das literarische Berlin: Neben seiner Tätigkeit als Kulturjournalist fungiert er im realen Leben ebenso wie zwischen zwei Buchdeckeln als versierter literarischer Stadtführer (www.text-der-stadt.de). Der interessierte Leser kann sich gemeinsam mit ihm auf Spurensuche begeben und je nach persönlichem Gusto einen Blick auf die literarischen Schauplätze von Bertolt Brecht, Alfred Döblin, E.T.A. Hoffmann oder Erich Kästner werfen.

Bienert folgt sehr akribisch aber nicht detailversessen dem großen Literaten auf seinen Wegen durch das Berlin zwischen den Jahren 1927 und dessen Tod. Dabei unterteilt er die Kapitel klug in Lebensphasen und Schaffensperioden ein. In den Lebensphasen Kästners begleiten wir ihn durch das pulsierende kulturelle Berlin der Vorkriegsjahre, besuchen mit ihm Kabaretts, Cafés und Theater und machen einen Abstecher ins Zeitungsviertel. Die Kriegsjahre engen den Freigeist nicht nur in seiner Kreativität ein. Auch geografisch wird Kästners Radius enger. Sowohl die Bücherverbrennung als auch die Reichspogromnacht erlebte er hautnah mit. Persönliche Repressalien durch die Gestapo veranlassten ihn, sich zunehmend zwischen den schützenden Wänden seiner Wohnung zurückzuziehen, da er sich nur hier wirklich sicher fühlte. Nach dem Krieg zog Kästner nach München, fühlte sich Berlin dank Familie und Freunden weiterhin verbunden.

Auch Kästners Figuren flanieren durch die Straßen der Weltmetropole: Emil und die Detektive scheuchen uns quer durch Berlin auf der Suche nach einem üblen Dieb. Pünktchen und Anton geben uns einen Einblick sowohl ins noble Villenviertel als auch in die zwielichtige Gegend rund um die Weidendammer Brücke. Seine Romanfigur Jakob Fabian lässt er plan- und ziellos durch das dekadente und verruchte Wedding treiben.

 

Anhand von historischen Straßenkarten mit detaillierten Ortsangaben kann ich als Leser den jeweiligen „Spaziergängen“ folgen und gemeinsam mit dem Autor und seinen Geschöpfen durch das frühere Berlin schlendern. Die Atmosphäre der damaligen Stadt wird durch zeitgenössische Dokumente, Fotografien und Postkarten heraufbeschworen. Demgegenüber vermitteln die aktuellen Fotos der Straßen und Orte einen guten Eindruck über die Veränderungen, die eine Stadt zwangsläufig über die Jahre bzw. Jahrzehnte durchlebt.

Michael Bienert überzeugt in jedem Kapitel mit fundierten Kenntnissen über das Leben und Wirken Erich Kästners. Doch auch der große Literat kommt hier selbst zu Wort und liefert uns in Anekdoten, Zitaten, Tagebucheintragungen und Artikeln seine persönliche Sicht auf „sein“ Berlin.

Die Fülle an Informationen wird komplementiert sowohl durch Anmerkungen von Bienert zu den jeweiligen Kapiteln als auch um ein Adressbuch „Kästners Berlin von A bis Z“, das trotz seines Umfangs keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt: Kästner war ein sehr umtriebiger Mensch, der Kontakte quer durch die Stadt pflegte. Wer kann da schon genau sagen, wo er sich überall „rumgetrieben“ hatte.

Michael Bienerts vorliegendes Werk über Erich Kästner nötigt mir Respekt ab. So schafft der Autor den schwierigen Spagat zwischen Sachbuch, Bildband und Zitaten-Sammlung äußerst informativ und unterhaltsam.


erschienen bei Verlag für Berlin-Brandenburg/ ISBN: 978-3945256008

[Rezension] Rainer Metzger – 1920s Berlin

Berlin – du warst immer eine pulsierende Metropole und zelebrierst immer wieder von Neuen gekonnt den Tanz auf dem Vulkan. Schon die unvergleichliche Claire Waldoff schwadronierte über dich „Mein Berlin, du bist einzig in deiner erregenden Atmosphäre, in deiner unerhörten Arbeitskraft, in deiner großartigen Geistigkeit.“ Und sie musste es wissen, war sie doch selbst einer der schimmernsten Sterne am Berliner Firmament.

Rainer Metzger wirft einen sowohl abwechslungsreichen als auch unterhaltsamen Blick auf das Berlin der 20er Jahre und lässt nach der informativen Einleitung „Wir werden Weltstadt!“ die Künstler*innen dieser sagenumwobenen Zeit in kurzen Essays wiederauferstehen.

„Berlin war so herrlich lebendig, so geladen mit einer seltsamen Elektrizität.“ Vicki Baum

Dabei möchte ich die Bezeichnung „Künstler*in“ gerne universell einsetzen: In 31 Essays entdeckt der Leser nicht nur Maler*innen und Illustrator*innen wie Max Pechtstein, Jeanne Mammen und Otto Dix, die Fotografin Renée Sintenis, die Verleger El Lissitzky und Hans Arp und Filmschaffende wie Fritz Lang und Josef von Sternberg. Auch Architekten wie Bruno Taut und Peter Behrens, die mit ihren Bauten das Bild Berlins prägten, werden gewürdigt. Das jeweilige Essay erstreckt sich über zwei Seiten und unterteilt sich jeweils in eine Seite mit Text, während auf der anderen Seite ein prägnantes Beispiel der jeweiligen Kunst geboten wird.

„Wir in Berlin sind überall dabei, aber wir kommen zu nichts. Wir haben französischen Schick, englischen Sport, amerikanisches Tempo und heimische Hast – nur uns selbst haben wir nie gekannt.“ Kurt Tucholsky

Der Taschen-Verlag bietet in Kleine Reihe viel Infos für wenig Geld und liefert Einblicke über Künstler, Kunststile und Epochen. Abgerundet wird diese kleine Reise in die Vergangenheit durch stimmige Fotografien, Illustrationen, Malerei und Grafiken.


erschienen bei Taschen/ ISBN: 978-3836550529

[Rezension] Thomas Bleitner – Frauen der 1920er Jahre: Glamour, Stil und Avantgarde

Sie waren frech, mutig und glamourös! Sie waren talentiert, risikofreudig und emanzipiert!

Die Schrecken des ersten Weltkrieges rückten langsam in den Hintergrund. Der Muff und die Engstirnigkeit des Biedermeiers waren abgeschüttelt, und wagemutige Frauen machten sich auf den Weg, zuerst die Gesellschaft und dann die ganze Welt für sich zu erkunden. Grenzen schienen für sie nicht existent…!

Thomas Bleitner versammelt in seinem opulenten Bildband unterhaltsame Kurz-Porträts einiger der wegbereitenden Frauen aus Literatur und Kunst, Society und Mode, Fotografie und Film, Cabaret und Tanz sowie Abenteuer und Sport. So geben sich hier so bekannte Persönlichkeiten wie Zelda Fitzgerald, Dorothy Parker, Coco Chanel und Josephine Baker (um nur einige wenige der insgesamt 18 Porträtierten zu erwähnen) ein Stell-Dich-Ein. Die Essays über das Leben der Damen sind allesamt eine äußerst vergnügliche wie informative Lektüre. Dabei kann in der Kürze natürlich weniger ein vollständiger Lebenslauf erwartet werden, als vielmehr, einen Einblick in die jeweilige Persönlichkeit zu erhaschen. Bleitner geht es vielmehr darum, den Zauber der Zeit dem Leser spürbar zu machen, den Charakter der Porträtierten zu vermitteln, um darüber vielleicht dem Phänomen dieser Frauen näher zu kommen. Schließlich war es ihnen in einer von Männern dominierten Gesellschaft gelungen, emanzipiert ihren Platz einzufordern. Somit fungierten sie für viele ihrer Geschlechtsgenossinnen als Vorbild zu ihrer Zeit – und darüber hinaus!

Besonders die historischen Fotografien und Zeichnungen übten einen besonderen Reiz auf mich aus und verströmen eine Menge Flair der Epoche. Wirken sie einerseits künstlich und inszeniert, spiegeln sie gleichzeitig das neugewonnene Selbstbewusstsein der Frauen wieder. „Frau“ will auffallen. „Frau“ will provozieren. Dazu verführte auch die neue Freiheit in der Mode: Die Röcke wurden kurzer, die Hüte kecker und die Linien strenger aber edel.

Komplementiert wird dieser wunderbare Bildband durch die Einleitung Glamour, Stil und Avantgarde. Jede/r, die/der mehr über diese Ikonen erfahren möchte, erhält im Anhang eine üppige Liste mit verwendeter und weiterführender Literatur,…

…und wieder einmal halte ich ein prachtvolles „Coffee Table Book“, das für die dezente Aufbewahrung in einem schnöden Bücherregal viel zu schade ist, in den Händen.

Ich habe definitiv zu wenige Tische im Haus! 😉


erschienen bei Elisabeth Sandmann/ ISBN: 978-3945543719

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Rachel Williams – Magische Welten. Entdecke verborgene Lebensräume mit der Zauberlupe!/ mit Illustrationen von Carnovsky

Das liebste Patenkind der Welt war wieder begeistert und hielt mich für den mega-coolste Patenonkel…!

10 magische Welten – vom Kongo-Regenwald über das Anden-Gebirge bis zur Serengeti-Ebene – verbergen sich in diesem Riesen-Bilder-Sach-Buch, und dank der Zauberlupe öffnen sich diese Welten dem Betrachter erst auf dem zweiten oder dritten Blick. Je nachdem durch welche der drei Farb-Lupen der Blick fällt, geben sich entweder die tagaktiven Tiere (rot), die nachtaktiven Tiere (blau) oder die Flora (grün) des jeweiligen Lebensraums zu erkennen. Auf 3 Doppelseiten pro Reiseziel erfährt der interessierte Beobachter etwas über den jeweiligen Lebensraum, erspäht auf der Aussichtsplattform dank Lupe die Tiere und Pflanzen und erfährt im Artenführer weiteres Wissenswertes über die einzelnen Tierarten. Texterin Rachel Williams versorgt uns mit dem nötigen Background-Wissen.

Die Illustrationen von Carnovsky wirken wie ein einziges unüberschaubares Durcheinander: Erst der Blick durch die jeweilige Lupe lässt die Artenvielfalt sehr detailreich erkennen. Flora und Fauna werden sehr naturalistisch, beinah wissenschaftlich dargestellt. Das Werk ist weit davon entfernt, als anspruchslose Kinderlektüre nur „putzig“ sein zu wollen. Hier haben wir es mit einem hochwertigen Sachbuch für Kinder zu tun, dass sich – auch dank des Gimmicks der Farbzauberlupe – lange das Interesse der Kids sicher sein kann.

Das liebste Patenkind der Welt hat nach dem Betrachten des Buches den Inhalt einer großen Spielzeugkiste auf dem Teppich entleert, um zu überprüfen, welche der abgebildeten Tiere er als Spielfigur besitzt. („Junger Mann, das räumst du aber schön alleine wieder auf!“)


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791372822

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Cruschiform – COLORAMA: Das Buch der Farben

Farben über Farben: Doch Blau ist nicht gleich Blau, Rot ist nicht gleich Rot, Grün ist nicht gleich Grün, und selbst Weiß überrascht mit einer immensen Vielfalt,…

…das ist uns allen sicherlich bewusst, aber nehmen wir die Farben auch so intensiv in ihren unterschiedlichen Schattierungen wahr? Ich glaube eher weniger! Und doch verbinden wir etliche Pflanzen, Tiere und Gegenstände mit einem bestimmten Farbton. Oftmals wird beides in einem Atemzug genannt: Kornblumenblau, Feuerwehrrot, Sonnenblumengelb, Eierschalenweiß… – Ich könnte meine Aufzählung unendlich fortführen!

Das Pariser Kreativstudio „Cruschiform“ von Marie-Laure Cruschi widmet sich mit einem kleinen Wälzer diesem Phänomen und zaubert auf 133 Farbtafeln eine „kleine“ Auswahl aus der kunterbunten Welt der Farbtöne und -nuancen. So habe ich nicht gewusst, dass es einen kleinen aber feinen Unterschied gibt zwischen Kurkuma (051) und Indischgelb (052): Auf dem oberflächlichen Blick scheinen beide Farbnuancen identisch, erst der direkte Vergleich offenbart den Unterschied.

Während auf der rechten Buchseite sich ganzseitig der jeweilige Farbton „breitmacht“, erfahre ich auf der linken Buchseite den nötigen Background. Das vermittelte Wissen reicht von „wissenschaftlich-wertvoll“ bis „kurios-unnütz“ (…oder habt Ihr gewusst, dass es ein spezielles Tiffany-Blau gibt, und auch Grünspan ein eigener Farbton ist?). Aber gerade diese bunte Vielfalt macht diesen Wälzer so abwechslungsreich-unterhaltsam.

Dies ist keine Publikation, die ich von Farbtafel 001 (Schneeweiß) bis Farbtafel 133 (Mondlicht) konsequent chronologisch durcharbeiten werde, – Nein! – dieses Buch wird griffbereit in der Nähe meines Lieblingsleseplatzes liegen, damit ich es immer mal wieder zur Hand nehme und darin blättere, um mich an der bunten, lustigen Vielfalt der Farben zu erfreuen.


erschienen bei Prestel/ ISBN: 978-3791373270

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!