Rainer Maria Rilke – HERBST

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.

Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt.
Und sieh dir andre an: es ist in allen.

Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

Rainer Maria Rilke

2 Kommentare zu „Rainer Maria Rilke – HERBST

  1. Ein sehr schönes Gedicht – Rilke eben! Ich mag seine Gedichte auch sehr.

    Und dieses hier gefällt mir ganz besonders:

    Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum.
    Dort wo die Kinder schläfern, heiß vom Hetzen,
    dort wo die Alten sich zu Abend setzen,
    und Herde glühn und hellen ihren Raum.

    Ich bin zu Hause zwischen Tag und Traum.
    Dort wo die Abendglocken klar verklangen
    und Mädchen, vom Verhallenden befangen,
    sich müde stützen auf den Brunnensaum.

    Und eine Linde ist mein Lieblingsbaum;
    und alle Sommer, welche in ihr schweigen,
    rühren sich wieder in den tausend Zweigen
    und wachen wieder zwischen Tag und Traum.

    Rainer Maria Rilke,
    (Die frühen Gedichte 1909)

    LG Sella

    Gefällt 2 Personen

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