MONTAGSFRAGE #47: Kann man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen?

Objektivität! Was ist das? – Ach, ist das nicht dieses Dingsbums, bei dem Reinhold Messner glaubte, es im Himalaya gesichtet zu haben: Jeder glaubt, es zu kennen, aber keiner hat es bisher gesehen?

Objektivität! Nein, ich glaube nicht, dass ich bei meinen Rezensionen objektiv bin. Vielmehr, ich bin mir sicher, dass ich es nicht bin. Und dabei ist es völlig unerheblich, ob ich das zu rezensierende Buch selbst gekauft, als Geschenk erhalten oder als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen habe.

Objektivität! Ich bin eine einmalige Persönlichkeit, die durch ganz individuelle Ereignisse geleitet, eine Vielzahl an Erfahrungen geformt und den Einfluss anderer einmaliger Persönlichkeiten geprägt wurde. All diese Faktoren bestimmen meine Sicht der Dinge, d.h. jeder Mensch trägt sein individuelles Päckchen. Dieses Päckchen ist Fluch und Segen zugleich, gibt es doch vor, mit welchem Blick/ aus welchem Blickwinkel ich (um bei der heutigen Montagsfrage zu bleiben) ein Buch lese. Und bei allem was ich tue, spornt mich der Inhalt des Päckchens entweder an oder bremst mich aus. Glücklicherweise sind wir alle in der Lage, unser persönliches Päckchen mit ein Quentchen Mut ein wenig neu zu packen. Es liegt nur an uns selbst!

Apropos heutige Montagsfrage: Nein, auch ein Rezensionsexemplar beurteile ich nicht objektiv. Aber wenn mir ganz persönlich ein Buch nicht gefällt, bzw. der Funke nicht überspringen will, dann verfasse ich darüber auch keine Rezension – so schon durchaus in der Vergangenheit passiert: Dann erhalten die Mitarbeiterinnen des Bloggerportals von Random House ebenso eine „Absage“, wie ein Autor, der sein Werk in Eigenregie veröffentlicht hat – und dies selbstverständlich mit allem nötigen Respekt und Wertschätzung.

Wobei ich explizit darauf hinweisen möchte, dass ich diese Bücher generell nicht für „schlecht“ halte. Dieses vernichtende Urteil maße ich mir nicht an. Ein Buch, das mir nicht gefällt, kann selbstverständlich den Geschmack eines anderen Lesers durchaus treffen. Darum würde ich auch nie einer positiven Rezension dieses Buches durch einen begeisterten Leser widersprechen. Wer bin ich denn, dass ich die Einschätzung eines anderen Menschen in Frage stelle?

Auch die Toleranz, eine andere Meinung gelten zu lassen, zeugt für mich von Respekt und Wertschätzung.

Objektivität! Vieles wäre einfacher, hätten wir alle einen ähnlichen Fokus. Ja, vieles wäre einfacher aber auch viel langweiliger!

ES LEBE DIE VIELFALT!!!

…und wie schätz Ihr Euch selbst ein? Seid Ihr objektiv?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

8 Kommentare zu „MONTAGSFRAGE #47: Kann man Rezensionsexemplare objektiv beurteilen?

  1. Auch, wenn mir ein Buch nicht gefällt, halte ich ja nicht damit hinter dem Berg. Mein Leben als Blogger wäre ohne gelegentlichen, zünftigen – aber fairen – Verriss wesentlich ärmer … 😉 Was bin ich böse!

    Abgesehen davon ist, meiner Meinung nach, Objektivität bei der Bewertung von so etwas wie Büchern schlicht unmöglich. Das würde ja bedeuten, dass es bestimmte Qualitätskriterien, die für alle gleich gelten, gäbe, die man Punkt für Punkt abhaken und nach objektiven Gesichtspunkten bewerten könnte. Dem ist aber ja nun nicht so.

    Beispiel: Umfang! Ist ein Buch mit 900 Seiten jetzt per se besser als eines mit „nur“ 200? Nö! Außerdem sind 100 Seiten nicht immer gleich 100 Seiten. Die ersten 100 Seiten von Carlos Ruiz Zafóns „Das Labyrinth der Lichter“ waren sehr kurz, die ersten 100 Seiten von „Der Herr der Ringe“ waren sehr lang. Himmel, waren die lang … 😉

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    1. Genau, es geht um Qualität und nicht um Quantität! Und manchmal hat ein kleines, feines Büchlein deutlich mehr Supstanz als ein aufgeblasenes Epos…!
      …und wer bestimmt, was in der Literatur „Qualität“ bedeutet: Verkaufszahlen? – Nö! – doch nur der jeweilige persönliche Geschmack.

      Ich lese Deine „Verrisse“ sehr gerne! Nur ich habe keine Lust, selbst welche zu verfassen.
      2 Blogger – 2 Meinungen: und trotzdem schätzen wir einander und respektieren die Haltung des Anderes.

      Hach, wäre doch alles so einfach…!!! 😄

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  2. Nein ich bin nicht objektiv, ein Grund warum ich bei mir nur Bücher vorstelle die ich gerne mag und auch gerne gelesen habe. Ich schreibe schon was mir auch dort eventuell nicht so gefallen hat (manche nehmen einfach zu spät Tempo auf und haben dann ein tolles Ende, andere sind die ganze Zeit packend und dann kommt das Ende so plötzlich …) Ja darüber berichte ich auch, aber das sind die von mir gekauften – da fällt mir das einfach leichter.
    Viele Grüße
    Kirsi

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    1. Mir fällt es auch „leicht“, einem Verlag oder einem Autor eine Rückmeldung zu geben, aber natürlich wähle ich da meine Worte mit noch mehr Bedacht…!

      Glücklicherweise gibt es zu diesem Thema kein „Richtig“ oder „Falsch“…
      …sondern nur ein neugieriges „Wie machst Du das denn?“
      …und da bin ich auch sehr froh drüber!

      Lieben Gruß
      Andreas

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  3. Ja, das ist defintiv so, dass vor allem künstlerische Werke nicht objektiv beurteilt werden können. Und immerhin ist die ja auch mit einer Produktbewertung die eigene Meinung gefragt 🙂 Allerdings sehe ich es auch, dass wenn ich mir schon die Zeit nehme, ein Rezensionsexemplar in einer gewissen Zeit zu lesen, ich darüber dann auch schreibe – und wenn es ein Verriss ist 😉 Allerdings kann ich gut nachvollziehen, wenn Du solche Rezensionen nicht schreiben magst…

    Viele Grüße
    Der Büchernarr Frank

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    1. Ich könnte gar keinen „Verriss“ schreiben, da ich die Bücher, die mir nicht zusagen, erst gar nicht zu Ende lese – auch auf die Gefahr hin, vielleicht einen fulminanten Schluss zu verpassen. Dieses Wagnis nehme ich gerne in Kauf, erspare ich mir so, mich durch viele weniger inspirierende Seiten zu quälen. Ich bin mir sicher, dass jede/r Leser*in für sich gut einschätzen kann bzw. ein Gespür entwickelt hat, welche Lektüre zusagt und welche eben nicht. Ich bin so frei und breche ab, um meine Zeit mit der inspirierenden Lektüre zu verbringen.

      Wobei ich mir gut vorstellen kann, dass das Schreiben von einem „Verriss“ durchaus seinen Reiz haben kann. Eine Mit-Bloggerin meinte einmal, sie würde „mit dem größten Vergnügen einen sehr geschliffenen und polemischen Verriss“ zu Werken der Trash-Literatur verfassen. Das hat doch Stil, wenn die Rezension einen höheren literarischen Wert hat als das zu rezensierende Werk! 😂

      Lieben Gruß
      Andreas

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