Diversität „auf Teufel komm’ raus“: Bitte nicht!

Die Entrüstung wabert durch’s Netz! Die „Süddeutsche Zeitung“ hat eine neue Buch-Edition angekündigt: Unter dem süffigen Titel „Soulmates“ versammeln sich hier 10 Werke von namhaften Autoren, die (angeblich) in keiner Büchersammlung fehlen dürfen. Stein des Anstoßes: Es handelt sich hierbei ausschließlich um Autoren, und eine entsprechende Edition mit Autorinnen ist nicht geplant. Somit beweihräuchern die Kerle sich wieder selbst, und die Frauen schauen mal wieder in die Röhre! Diversität wir überbewertet: Könnte man meinen…!

Nun sind solche Editionen in ihrer Zusammenstellung per se immer sehr subjektiv: Jede*r von uns würde je nach persönlichem Gusto andere Bücher auswählen. Warum die SZ nun aber ausschließlich nur die Männer mit einer Edition ehrt und nicht für eine bunte Mischung sorgt, darf durchaus kritisch hinterfragt werden.

Ich habe einen Blick auf meine Rezensionen geworfen und selbstkritisch festgestellt, dass dort beinah doppelt so viele Autoren im Vergleich zu den Autorinnen vertreten sind. Woran dies liegt? Mit Sicherheit nicht daran, weil es Frauen sind. So wähle ich mir meine Lektüre nicht aus, und mit der Genderfrage bei Autor*innen habe ich mich noch nie beschäftigt. Für mich ist der Inhalt wichtig: Spricht mich die Geschichte an? Und wenn ja, gefällt mir der Schreibstil? Zudem gibt es einige Buch-Genre, die mir nicht zusagen, aber wo der Autorinnen-Anteil überproportional hoch ist: Unterhaltungs-, Liebes- und Erotikromane.

Sollte ich nun im Sinne der Diversität immer weiblich/ männlich im Wechsel lesen? Ich könnte es noch weiter auf die Spitze treiben: Da ich ein schwuler Mann bin, dürfte ich auch die Gay-Literatur nicht vernachlässigen…! Oder das Verhältnis von deutschsprachigen Autor*innen zu fremdsprachigen Autor*innen…! Oder…!

Nein! Ich weigere mich, mich in meinem Lese-Verhalten und somit in meinen Vorlieben eingrenzen zu lassen. Ich lese, was mir gefällt, und mir ist es völlig schnuppe, ob es sich hierbei um Männlein oder Weiblein handelt. Hauptsache talentiert…!

Und jede*r dieser talentierten Menschen hat es verdient, Beachtung zu finden: Meinetwegen, wenn’s sich partout nicht vermeiden lässt, auch in Form einer Buch-Edition…!

Nicht die Diversität wird bei mir überbewertet, sondern eher scheinen Buch-Editionen mit ihren subjektiv zusammengestellten Inhalten in ihrer Bedeutung von einigen Mit-Menschen überbewertet zu werden. So etwas benötige ich nicht: Zum Glück bin ich ein eigenständig denkendes Wesen und kann selbst für mich die Entscheidung treffen, welche Bücher ich in meinem Leben gelesen haben MUSS!

3 Kommentare zu „Diversität „auf Teufel komm’ raus“: Bitte nicht!

  1. Meine Nachfolgegeneration würde sagen: THIS! 🙂

    Wenn ich nicht so vieles andere gehabt hätte, worüber sich zu schreiben lohnte – und ich nicht den ganz leisen Veracht hätte, ich könnte mich damit auf dünnes Eis begeben! – hätte ich praktisch genau das selbe geschrieben!

    Gefällt 2 Personen

  2. Hach immer diese leidigen Aufregungen … Klar ist das irgendwie doof gelaufen bei der SZ, dass man nicht im gleichen Atemzug auch eine weibliche Edition herausbringt (aber vllt passiert das nach all der Kontroverse ja doch noch, auch wenn es ursprünglich nicht geplant war). Andererseits behandele ich meine Bücherauswahl genau wie du: Mir ist das Geschlecht des/r Schreibenden völlig Wurst. Wenn ich nicht gerade eine Rezension dazu schreibe, bekomme ich das nicht mal so wirklich mit. Das Talent ist wichtig und die Story eben auch. Wer schreiben kann, wird gelesen. Punktum.

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

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