INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

Ist es tatsächlich erst ein Jahr her, dass ich mich hier an dieser Stelle sehr ausführlich zu dem Thema geäußert habe? Oder ist es eher „schon“ ein Jahr her…! Alles eine Frage der persönliche Sichtweise und des individuellen Empfindens. Braucht es diesen Tag überhaupt noch? Es wurde doch schon so viel erreicht!

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

Am Donnerstag wurde im Bundestag über die Änderung des Transfusionsgesetzes abgestimmt und diese mit den Stimmen aus CDU/CSU, SPD und AfD abgelehnt. Zur Erklärung: Das Transfusionsgesetz regelt u.a. wer Blut spenden darf, d.h. Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen auch künftig erst nach 12 Monaten Sex-Abstinenz Blut spenden.

Ich darf als homosexueller Mann, der seit 20 Jahren eine monogame Beziehung führt, kein Blut spenden, wenn ich nicht vorher eine Erklärung unterschreibe, dass ich seit einem Jahr keinen Sex mehr hatte. Ein heterosexueller Mann, der jedes Wochenende durch Bars und Clubs zieht und „alles pimpert, was nicht bei 3 auf dem Baum ist“ (entschuldigt bitte meine blumige Sprache), braucht diese Erklärung nicht abzugeben. Dabei scheinen die Verantwortlichen ein wichtige Tatsache zu übersehen: Nicht die sexuelle Orientierung schützt vor sexuell übertragbaren Krankheiten! Nur Safer Sex schützt davor! Somit werde ich als schwuler Mann per se unter Generalverdacht gestellt und per Gesetz diskriminiert. Abgesehen davon, dass es niemanden etwas angeht, wann, wie, wie oft, warum und ob ich überhaupt Sex hatte. Wahrung der Intimsphäre, Normalität und Gleichberechtigung sehen für mich anders aus!

Nun könnte eine naive Stimme rufen: „Wozu die Aufregung? Dann lüge doch bzgl. deiner sexuellen Identität!“ Dem möchte ich erwidern: „Warum sollte ich?!“ Innerhalb meiner 50 Lenze gab es Zeiten, da habe ich bzgl. meiner sexuellen Orientierung gelogen und meine wahren Gefühle versteckt. Diese Zeiten waren für mich belastend, erdrückend, einfach schrecklich! Und bei einer dringend benötigten Blutspende, bei der ich freiwillig und unentgeltlich einen Teil von mir geben möchte, um anderen Menschen damit vielleicht helfen zu können, soll ich lügen? Ich werde mich nicht verleugnen! Nie mehr!

Zudem rührt sich mein Rechtsempfinden: Nicht ich habe ein Unrecht begangen! Die Politker*innen, deren Parteinamen sich mit „christlich“ und „sozial“ schmücken, haben diese Ungerechtigkeit zu verantworten und sollten dringend ihr Gewissen prüfen (Naja, und von den „Alternativen“ habe ich nichts anderes erwartet.). Darum…

Diese Woche hat gezeigt: „Ja! Leider brauchen wir diesen Tag weiterhin!“

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7 Kommentare zu „INTERNATIONALER TAG gegen HOMOPHOBIE…

  1. Auch ich war entsetzt, als ich vom Abstimmungsergebnis erfuhr. Ich kenne tatsächlich noch die Zeit, als AIDS aufkam, hatte in meiner Familie jemanden, der als Bluter auf Konserven angewiesen war und an AIDS starb. Aber dieser Passus im Transfusionsgesetz war immer schon ein hilfloser, diskriminierender Schnellschuss. Weshalb der sich bis heute hält, ist unentschuldbar.
    Du hast völlig Recht: ungeschützter Sex ist das Problem. Und da das gespendete Blut nun einmal ohnehin getestet werden muss (Das genau unterblieb seinerzeit, als sich so viele Bluter infizierten), gibt es keinen sachlichen Grund dafür. Deshalb steckt für mich blanke, dumpfbackige Homophobie hinter diesem Test. Dass es die in den abstimmungsrelevanten Kreisen in dieser Weise und diesem Ausmaß noch immer gibt, entsetzt mich.
    Aber auch die Tatsache, dass es in bestimmten Kreisen keine/kaum Schwule geben soll, zeigt, wie sehr es diesen Tag noch braucht.

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  2. Hallo Andreas,
    ich finde es auch sehr schlimm, dass so etwas noch in einem Gesetz zu finden ist und dass es in der heutigen Zeit nicht gelingt, diesen Passus abzuschaffen. Schon allein das bei einer Blutspende nach der sexuellen Orientierung gefragt wird, ist diskriminierend und unnötig. Zudem stellt die Regelung außerdem einen eindeutigen Gesetzesverstoß dar.
    Ich denke es wird noch eine Weile dauern, bis wir diesen Tag nicht mehr benötigen.
    Liebe Grüße Christin

    Gefällt 1 Person

  3. Hallo Andreas,
    Ich bin wirklich entsetzt, dass sich Homophobie im Jahr 2020 leider immer noch in den Köpfen mancher Menschen so hartnäckig hält. Aber es ich habe auch Hoffnung für die Zukunft, weil es Leute wie dich gibt, die zu sich selbst stehen, sich nicht länger verstecken wollen und gleiche Rechte einfordern, die ihnen schon immer zugestanden haben. Ich habe Hoffnung, weil Homosexualität auch in der Kultur (Film, Literatur etc.) zunehmend zu finden ist, und zwar nicht als Symbol der Schande oder des Bösen, sondern als eine der vielen Formen von Liebe, der schönsten Sache der Welt.

    In diesem Sinne alles Liebe und viel Kraft für die Zukunft,

    Charlotte

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