MONTAGSFRAGE #99: Wie nützlich findet ihr die Buchpreisbindung?

Für mich gilt das Buch als ein Kulturgut, und Kultur hat halt eben seinen Preis. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Maßstäbe die Menschen ansetzen, um zu beurteilen, was ein Gut kosten darf. Ohne Aufzumucken kippt der Mensch das teuerste Motorenöl in „des Deutschen liebstes Kind“, aber das für einen Roman, an dem viele Menschen bis zu seinem Erscheinen über Jahre hart gearbeitet haben, 20 Euro verlangt wird, erhitzt die Gemüter und wird als „zu teuer“ tituliert.

Ich bin davon überzeugt, dass wir hier in Deutschland keine so bunte und vielfältige Landschaft an unabhängigen Buchhandlungen hätten, wenn es die Buchpreisbindung nicht gäbe. Gerade diese unabhängigen Buchhandlungen sichern uns Leserinnen und Lesern eine breite Palette an ganz unterschiedlichen Publikationen, bei denen neben großen Verlagen auch die kleinen Indie-Verlage ihre Nische finden, und Literatur abseits des Mainstreams mit Enthusiasmus gepflegt wird. Ohne Buchpreisbindung würden Buch-Ketten und große Online-Anbieter den Markt beherrschen, die Preis diktieren und vornehmlich die Bücher anbieten, die sich möglichst massenkompatibel verkaufen lassen.

Jetzt höre ich schon die Unken rufen „Ja, aber wenn es keine Preisbindung gäbe, dann könnten auch Geringverdiener ein Schnäppchen unter den Neuerscheinungen machen!“. Ja, könnten sie, aber tun sie’s denn auch?! Ich kann da durchaus aus eigener Erfahrung sprechen, da es auch bei mir Zeiten gab, in denen ich finanziell nicht so rosig aufgestellt war. Trotzdem hatte ich immer ausreichend Lesestoff bei mir zuhause – dank Büchereien und Bibliotheken, Bücherschränke und -flohmärkte sowie den Online-Antiquariaten. Es waren nicht immer die aktuellsten Werke (Das war mir auch gar nicht so wichtig!), aber es waren immer Werke, die meinen Interessen entsprachen. Und auch hier bei den gebrauchten Büchern gab es eine Vielfalt an Themen zu entdecken und so mancher kurioser Schatz wurde von mir wieder ans Tageslicht befördert. Wer lesen will, findet Mittel und Wege!

Ich befürchte, dass ohne die Buchpreisbindung die Diversität in der Literatur auf der Strecke bleibt.

…und wie lautet Eure Meinung? Buchpreisbindung: Ja! 🔲 Nein! 🔲 Vielleicht! 🔲 Bitte ankreuzen! 😄


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

9 Kommentare zu „MONTAGSFRAGE #99: Wie nützlich findet ihr die Buchpreisbindung?

  1. Hallo Andreas,

    nach meinem Eindruck ist die überwiegende Meinung der Blogger pro Buchpreisbindung. Was vermutlich auch damit zu tun hat, dass die meisten ganz gut einschätzen können wie viel Aufwand es ist ein Buch zu schreiben. Wie immer haben aber nur sehr wenige Autoren wirklich große Verkaufszahlen.

    Aus meiner Sicht wäre bei den e-Books auch eine Art sinnvoller Regel hilfreich. Die Spanne ist irgendwie von „verschenkt“ bis „Buchdruck kostet nichts“.

    LG

    Torsten

    Montagsfrage bei Torsten’s Bücherecke:
    https://www.torstens-buecherecke.de/montagsfrage-wie-nuetzlich-findet-ihr-die-buchpreisbindung/

    Gefällt 2 Personen

  2. Hey Andreas,

    oh, da stehen wir heute absolut auf gegnerischen argumentativen Seiten. 😉
    Es ist nicht bewiesen, dass die Buchpreisbindung den Buchmarkt schützt, seine Vielfalt fördert und die kleinen, unabhängigen Verlage und Buchhändler_innen davor bewahrt, von Onlineriesen wie Amazon verdrängt zu werden. Das sind alles lediglich Annahmen, weil es keine Studien dazu aus Deutschland gibt. Beobachtungen aus anderen Ländern one Buchpreisbindung legen nahe, dass ihre positiven Effekte deutlich überschätzt werden. Vor diesem Hintergrund finde ich dein Argument, dass diejenigen, die lesen wollen, schon einen Weg finden, sehr schwierig. Es geht ja nicht darum, dass sozial schwächere Menschen trotzdem lesen können, es geht um Chancengleichheit und der schadet die Buchpreisbindung nachweislich, weil der Zugang zu Literatur erschwert wird.

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Elli,
      um die unproportionale MARKTMACHT der Konzernkrake Amazon und um die zumindest kleine Schutzwirkung der gesetzlichen Buchpreisbiundung zu beweisen braucht es keine Studie, da genügt mündiger Menschenverstand und ein gewisses Maß an wirtschaftspolitisch komplexerem Denken. Der Onlinehandel verdrängt MASSIV den stationären Handel und das betrifft nicht nur den Buchhandel. Wer so bequemokratisch ist, bei Amazon zu kaufen, füttert die Marktmacht des reichsten Mannes der Welt und offenbart in meinen Augen ein zugeringes wirtschaftpolitisches Bewußtsein.

      Die Buchpreisbindung ist eine sinnvolle und demokratische Schutzfunktion, um literarische Vielfalt zu ermöglichen und zu fördern!

      Ohne Buchpreisbindung würde die austauschbare Massenware billiger und beispielsweise Fachbücher, die nur einen übersichtlichen Käuferkreis haben, teurer, und ausgefallene, besondere Bücher fielen wegen unkalkulierbarer Verkaufsaussichten wahrscheinlich ganz durch. Das ist die gleiche Entwicklung wie bei den ausgestorbenen Tante-Emma-Läden, die es einst an jeder Ecke gab und die durch den Billigwettbewerb vom Markt gefegt wurden.

      Die Verlage können deshalb Vielfalt bieten und wirtschaftlich wagen, weil sie mit einer Mischkalkulation aus leicht verkäuflichern und schwerer verkäuflichen Titeln arbeiten, so finanzieren die Bestseller die Bücher mit, die zwar keine Bestseller sind, aber dem Verleger dennoch publizierungswert erscheinen.

      Ich bin gelernte Buchhändlerin und war selber ein ganze Weile arbeitslos und konnte mir in dieser Zeit nur wenige Bücher leisten. Doch ich wurde oft in Öffentlichen Bücherschränken und auf Flohmärkten fündig, außerdem habe ich auch noch einen bücheraffinen Freundeskreis und konnte mir dort viele Bücher ausleihen, ganz zu schweigen von der Ausleihmöglichkeit in der Öffentlichen Stadtbibliothek. Man muß nicht jedes Buch besitzen! Und man muß auch nicht jeder Neuerscheinung nachrennen!

      Wo bleibt denn Deine reklamierte Chanchengleichheit, wenn der Steuervermeidungskonzern Amazon durch einen Wegfall der Buchpreisbindung ein noch größeres Monopol erreicht und dank der Steuervermeidungsstrategie dann irgendwann auch die Stadtbibliothek immer weniger Geld für Bücher hat? In meiner Heimatstadt Solingen ist es ja jetzt schon so, daß es nur noch eine einzige große Bibliothek gibt, während es in meiner Kindheit und Jugend noch zusätzlich zum Haupthaus in jedem Stadtteil eine kleine Bibliotheksfiliale gab.

      Die diversen nimmersatten Konzernkonzentrationen auf dem Buch- und Medienmarkt bedeuten ein extremes Ungleichgewicht des buchstäblichen Einflußreichtums. Angesichts dieser finanziellen Übermacht ist eine Buchpreisbindung sehr wohl ein Schutz für all die engagierten kleinkünstlerischen Verlage und Buchhandlungen.

      Mit verbindlicher Empfehlung 🙂
      Ulrike von Leselebenszeichen

      Gefällt 4 Personen

      1. Liebe Ulrike!

        Vielen Dank für Deinen ausführlichen Beitrag: Bei der Beantwortung der Frage hatte ich tatsächlich amazon vor Augen, der vor nicht gar nicht langer Zeit versuchte, den Verlagen die Preise zu diktieren.
        Zudem fand ich sein Verhalten beim ersten großen Lockdown bezeichnend: Die Preise von Toilettenpapier und Co. stiegen ebenso wie die Lieferzeiten von Büchern…!

        Herzlichen Gruß
        Andreas

        Gefällt 1 Person

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