MONTAGSFRAGE #118: Hast du schon mal eine fremde Person angesprochen, weil sie ein Buch las, das du schon gelesen hast?

Ach, wie herrlich…! Ich liebe diese Frage! Oftmals wird die Auseinandersetzung mit einem Buch als ein Akt der Isolation beschrieben: Ich bin ganz allein mit mir, versinke in einer Geschichte und vergesse dabei alles um mich herum. Aber das Literatur auch ein wunderbares Thema ist, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten, wird häufig zu wenig Beachtung geschenkt. Dabei ist es so herrlich inspirierend, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen – auch wenn es sich dabei um eine fremde Person handelt.

Wobei ich die Bedeutung des Begriffs „fremd“ leicht dehnen möchte: Während meiner Ausbildung zum examinierten Krankenpfleger hatte ich die Möglichkeit, einen Praxiseinsatz auf einer Station der Frauenklinik zu wählen. Zur damaligen Zeit war das eher ungewöhnlich und zeugte vom fortschrittlichen Denken der Verantwortlichen. Ich habe diese Wahl sehr bewusst getroffen, da ich mir sicher war, dass ich später nie in diesem Bereich arbeiten würde. Doch die wichtigen Erfahrungen, die ich hier sammeln konnte, wollte ich nicht missen.

Auf dieser besagten Station pflegten wir schwerpunktmäßig Frauen, die eine Brust-OP (aus unterschiedlichen Gründen) hinter sich hatten. Wie bei einem chirurgischen Eingriff oftmals üblich, musste auch hier regelmäßig ein Verbandswechsel erfolgen. Somit stand ich ebenso regelmäßig mit Verbandsmull, Schere, Pflaster, Desinfektionsmittel etc. ausgestattet vor dem Bett der Patientin und sollte/wollte zur Tat schreiten.

Um einer möglichen Scham vorzubeugen, wenn die Dame vor mir ihren Oberkörper entkleidete, habe ich sie gerne auf das Buch angesprochen, das ich auf ihrem Nachtschrank entdeckt hatte. Entweder hatte ich das Buch selbst schon gelesen, hatte davon schon gehört oder kannte von der-/ demselben Autor*in ein anderes Werk. Und – Schwupps! – während ich die Pflaster wechselte, waren die Patientin und ich in ein Gespräch vertieft, tauschten uns über Literatur aus und gaben uns gegenseitig Lese-Tipps.

Bücher sind so vieles und können ebenso viel bewirken – und sei es nur, dass sie dafür sorgen, eine unangenehme Atmosphäre gar nicht erst entstehen zu lassen!

…was meint Ihr: Können beim richtigen Buch aus Fremde Freunde werden???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

3 Kommentare zu „MONTAGSFRAGE #118: Hast du schon mal eine fremde Person angesprochen, weil sie ein Buch las, das du schon gelesen hast?

  1. Hey Andreas,

    das ist eine wunderbare Geschichte. Ich finde es richtig toll, dass du dir damals solche Mühe gegeben hast, den Patientinnen ein gutes Gefühl zu vermitteln und von der latent peinlichen Situation abzulenken. Und ja, ich bin ebenfalls der Meinung, dass wir Bücher und Lesen viel mehr als soziales Hobby begreifen sollten. Aber trotzdem konnte ich mich bisher nie überwinden, einfach mal den Mund aufzumachen. Ich glaube, das nehme ich mir als post-Corona-Ziel vor: mehr Mut, mich mit Fremden über Bücher auszutauschen. 🙂

    Montagsfrage auf dem wortmagieblog
    Liebe Grüße,
    Elli

    Gefällt 1 Person

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