[Konzert] Bigband-Gala SING, SING, SING! / Theater Bremen

Bigband-Gala mit Kompositionen, Songs und Lyrics von Ted Barclay, Cole Porter, Anthony Newley, Leslie Bricusse, Harold Arlen, E.Y. Harburg, Jerome Kern, Dorothy Fields, Sholom Secunda, Jacob Jacobs, Eddie Harris, Irving Berlin, Duke Ellington, Irving Mills, Louis Prima, Burt Bacharach, Hal David, Otto Harbach, Pat Ballard, Harry Warren, Mack Gordon, Henry Mancini, ABBA, GUNS N’ROSES, Dino Fekaris und Freddie Perren.

Premiere: 31. Dezember 2024 / besuchte Vorstellung: 25. Mai 2026

Theater am Goetheplatz in Bremen / Großes Haus


MUSIKALISCHE LEITUNG Stefan Klingele
SZENISCHE EINRICHTUNG Frank Hilbrich
BÜHNE UND KOSTÜME Theresa Isabella Malessa
LICHT Christian Kemmetmüller
TON Mathias Kluge
DRAMATURGIE Brigitte Heusinger

HINWEIS: DIE OBIGE AUFNAHME STAMMTE NICHT AUS DEM BESPROCHENEN KONZERT SONDERN DIENT NUR DAZU, EINEN EINDRUCK VON DER MUSIK ZU VERMITTELN.

Die Sonne brannte von Himmel an einem der ersten heißen Tage im Mai. Es war der Pfingstmontag, und jede Faser meines Körpers schrie „Bleibe zuhause! Gehe nicht vor die Tür! Meide die Sonne!“. Zumal diese Bigband-Gala am Theater Bremen bereits um 15.30 Uhr starten sollte, und somit gemäßigtere Temperaturen nicht zu erwarten waren. Doch die Eintrittskarten lagen verführerisch griffbereit und schienen mich durch ihre bloße Präsenz zu motivieren, mich in einen flotten Zwirn zu werfen und auf den Weg zu machen. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Theater lockte uns die Außengastronomie mit kühlen Erfrischungen. Und so saßen wir zufrieden im Schatten, beobachten das Treiben um uns herum und genossen „dolce vita“ in Norddeutschland, bevor wir uns ins Dunkel des Theaters begaben.

Die fulminante Bigband bestehend aus Musiker*innen der Bremer Philharmoniker begrüßte uns unter der Leitung von Stefan Klingele mit „Have A Nice Day“ von Ted Barclay und versprach uns nicht zu viel: Es sollte tatsächlich ein schöner Tag/ein schönes Konzert werden. Stefan Klingele ließ die Melodien süffig erklingen, kitzelte viel Sentimentalität aus den Noten und präsentierte gleichzeitig die Songs mit dem nötigen Druck: Das hatte Schmackes! Das hatte Drive!

Und dann erschien die Frau, die „Denglish“ zur eigenständigen Sprache erhoben hat, Gayle Tufts: Keck moderierte sie durch das Programm, nahm sich, uns und die politische Lage auf’s Korn und umarmte mit ihrem unwiderstehlichen Charme das Publikum, die Musiker*innen und die Solist*innen und bündelte uns alle zu einer Gemeinschaft. Sie stand auf der Bühne und glänzte – ihr schicker Pailletten-Fummel wäre nicht nötig gewesen – und brillierte, sei es solistisch bei „Pick Yourself Up“ von Jerome Kern, gemeinsam mit Sarah-Jane Brandon und Nadine Lehner als „Andrew Sisters von der Weser“ bei „Bei Mir Bistu Shein“ von Sholom Secunda oder in schönster Stimm-Harmonie mit all ihren Gesangskolleg*innen bei dem Programm den Titel gebenden „Sing, Sing, Sing“ von Louis Prima. Das Unterhaltungs-Gen steckt in ihrer DNA: Sie ist und bleibt für mich MRS. ENTERTAINMENT.


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Ihre musikalischen Mitstreiter*innen waren ausnahmslos Solist*innen aus dem Opern-Ensemble des Bremer Theaters. Bariton Elias Gyungseok Han wickelte mich schon mit seiner ersten Nummer „From This Moment On“ von Cole Porter um den Finger, die er ganz easy über die Rampe brachte. Doch auch die weiteren Nummern profitierten von seiner markanten Stimme, die er ganz im Stil der großen Crooner zum Swingen brachte. Der Sopran von Nadine Lehner schien bei den Solis leider nicht gänzlich mit der so genannten leichten Muse harmonieren zu wollen. Dafür gefiel sie mir umso besser bei den Songs, die sie zusammen mit ihren Partner*innen in „Close Harmony“ vortrug, wie z. Bsp. „Mister Sandman“ von Pat Ballard. Tenor Fabian Düberg bot nicht nur eine sowohl aberwitzig schräge wie auch herrlich bösartige Trump-Parodie, sondern jazzte sich ebenso überzeugend durch die Nummer „It Don’t Mean A Thing“ von Duke Ellington. Sopranistin Sarah-Jane Brandon schenkte uns eine träumerisch leichte Version von Anthony Newleys „Feeling Good“. Dann erschien auf der Bühne eine hochgewachsene Gazelle, warf die langen Locken kokett zurück, öffnete den Mund und ließ bei „It’s Only A Paper Moon“ von Harold Arlen seinen satten Bariton ertönen: Arvid Fagerfjäll würzte jeden seiner Auftritte mit seiner betörenden Persönlichkeit und einer erfrischenden Androgynität.

Theresa Isabelle Malessa kleidete nicht nur die Solist*innen glamourös ein. Sie war auch für das zu einer Bigband-Gala stimmige Bühnenbild zuständig, das immer wieder mit kleinen Extras überraschte: So lugte bei „Pink Panther“ von Henry Mancini nicht nur Paulchens Kopf um die Ecke, irgendwann baumelte sogar sein rosa Schwanz vom Bühnenhimmel. Regisseur Frank Hilbrich konnte sich zwar ganz und gar auf die Qualitäten von Gayle Tufts verlassen, ruhte sich darauf allerdings nicht aus und verfeinerte die Auftritte der Solist*innen zusätzlich durch einige charmante Ideen.

Mit einem energetischen „I Will Survive“ von Dino Fekaris und Freddie Perren, das das Publikum zum Mitsingen und -tanzen von den Sitzen riss, endete diese grandiose Bigband-Gala. „I Will Survive“ – Ja, ich werde überleben – solange es so wunderbare und vielfältige Kunst und Kultur gibt, werde ich überleben. 💖


Gute Laune ist garantiert: Es gibt nur noch wenige Termine, um diese fulminante Bigband-Gala SING, SING, SING! am Bremer Theater am Goetheplatz genießen zu können.

[Konzert] Boshana Milkov & Jan-Hendrik Ehlers – MEET THE GERSHWINS / „Food and Music“ Bremerhaven

Songs von George und Ira Gershwin / mit „Gast“-Kompositionen u.a. von George Shearing, George David Weiss, Sonny Burke und Henry Mancini

besuchtes Konzert: 23. August 2024

„Food an Music“ in Bremerhaven


GESANG Boshana Milkov
MUSIKALISCHE LEITUNG, PIANO, AKKORDEON & MODERATION Jan-Hendrik Ehlers


„I have a dream…!“

Naja, ganz so geschichtsträchtig und vor allem weltbewegend wird der Ausruf von Heinz Kromminga nicht gewesen sein. Doch einen Traum hat er sich mit „Food and Music“ definitiv erfüllt. Er verbindet zwei seiner Leidenschaften miteinander: gutes Essen und gute Musik. Um seine Koch-Leidenschaft auf ein solides Fundament zu stellen, hat er sogar zwei mehrwöchige Praktika in zwei Seafood-Restaurants in Irland absolviert. Doch auch als Musiker in einer Irish Folk-Band ist er aktiv. Wobei es ihm ein immenses Anliegen ist, möglichst viele Menschen zu erreichen, um sie  für die Musik zu begeistern.

So lädt er – völlig ungezwungen und gänzlich unaufgeregt – in sein Heim zu Wohnzimmerkonzerte ein, bei denen auch Gast-Künstler*innen gerne gesehen werden: Da wird das Wohnzimmer kurzerhand zum Konzert-Podium umfunktioniert, und die Küche mutiert zur Bar, wo der Gastgeber gemeinsam mit seiner reizenden Frau neben Getränke auch leckere Snacks anbieten.

In diesem Fall handelten es sich bei den Gast-Künstler*innen um Boshana Milkov und Jan-Hendrik Ehlers: Zwei Namen, die aufmerksamen Leser*innen meines Blogs durchaus schon vor die Augen gekommen sind. Seit Boshana ans Stadttheater Bremerhaven als Mezzosopranistin engagiert wurde, und ich ihrer Vita entnehmen konnte, dass ihr Herz für den Jazz schlägt, lauerte ich auf eine Gelegenheit, sie live abseits der Opernbühne erleben zu dürfen. Jan-Hendrik Ehlers ist nicht nur der musikalische Leiter der Schauspiel-Sparte des Stadttheater Bremerhavens, vielmehr ist er „Jan (😀) Dampf in allen Gassen“ und überzeugt in diversen Band-Formationen und in unterschiedlichen musikalischen Formaten.


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Nun ist nicht per se jede klassisch-ausgebildete Sängerin eine gute Jazz-Interpretin. Nur weil jemand die schweren, dramatischen Partien des Opern-Repertoires meistern kann, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass auch die Songs der sogenannten „leichten“ Muse geschmeidig aus der Kehle fließen. Entsprechende (negative) Beispiele wurden in der Vergangenheit leider reichlich auf Vinyl und CD konserviert. Damit die leichte Muse so fluffig über die Rampe kommt, bedarf es vorab harte Arbeit gepaart mit einer gehörigen Portion Talent.

Apropos: Talent besitzt Boshana Milkov reichlich. So überzeugte sie in den zurückliegenden zwei Spielzeiten am Stadttheater Bremerhaven im Musical HAIRSPRAY ebenso wie in der zeitgenössischen Oper BREAKING THE WAVES oder doch lieber klassisch in DER ROSENKAVALIER.

Leicht führt sie ihre Stimme durch die grandiosen Gershwin-Standards. Das Publikum wird von ihr mit einem bejahenden „’S wonderful“ begrüßt. Melancholie lässt sie bei „The Man I Love“ spüren, und sehnsuchtsvoll gedenkt sie der „Summertime“. Doch bevor beim Publikum die Sentimentalität überhandnimmt, zieht sie das Tempo wieder an und präsentiert mit Schwung Songs wie „I Got Rhythm“, „Strike Up The Band“ und „Fascinating Rhythm“. Mit feiner Gesangslinie und warm moduliertem Timbre gestaltet sie die weltbekannten Kompositionen von George Gershwin. Sein Bruder Bruder Ira Gershwin steuerte oftmals die brillanten Texte zu den Songs bei, die in der nuancierten Interpretation von Boshana in Balladen wie „Someone To Watch Over Me“ und „But Not For Me“ ihren Charme gänzlich entfalteten.

Jan-Hendrik Ehlers entpuppte sich als kongenialer Begleiter am Piano ebenso wie am Akkordeon. Gekonnt zauberte er zu jedem Song ein wunderbares Intermezzo, verlor sich dabei wohltuend wenig in die Improvisation, sondern ließ das Grundthema der jeweiligen Komposition immer erkennbar mitschwingen. Zudem präsentiert er sich als sympathischer und eloquenter Moderator, der es humorvoll verstand, das Publikum bei Laune zu halten.

Auch scheute er sich nicht, die eine oder andere Komposition abseits der Gershwin-Brüder in das Programm zu streuen, wie „Lullaby Of Birdland“, „Black Coffee“ und (wunderschön) „What a Wonderful World“. Mit einem von Boshana zum Dahinschmelzen grandios vorgetragenen „Moon River“ als Zugabe endete ein ganz und gar wundervolles Konzert.

Fröhlich ein Lied summend stieg ich ins Auto und ließ mich be-swingt mit Ella Fitzgeralds Gershwin-Songbook im Player durch die Nacht gen Heimat tragen.


Eine musikalische Impression:

Alle, die nicht bis zum nächsten Auftritt von Boshana und Jan-Hendrik warten möchten oder generell einen musikalischen Motivationsschub benötigen, sollten mal bei YouTube vorbeischauen!


Viele weitere Informationen findet ihr auf der jeweiligen Homepage von BOSHANA MILKOV und JAN-HENDRIK EHLERS sowie auf FOOD AN MUSIC.