Dauer der Ausstellung: 10. bis 20. Februar 2026 / Besuch: 13. Februar 2026
Unteres Foyer/ Rathaus in Osterholz-Scharmbeck
Das staunte ich nicht schlecht, als ich morgens am Tag meines Besuchs der Ausstellung die Rollläden vor den Fenstern lupfte, und die Welt wieder im satten Weiß erstrahlte. Kurz war ich mit mir uneins, ob ich das regnerische Grau der letzten Tage oder das heutige Weiß besser finden sollte. Rein aus ästhetischen Gründen favorisierte ich dann doch eher den nass-kalten Schnee, der den Schmutz der letzten Tage gnädig bedeckte.
Was allerdings niemals „bedeckt“ und somit verschwiegen werden sollte, sind die Gewalt-Taten, die durch Täter mit rechtsextremer Gesinnung verübt wurden. Die Wanderausstellung ERINNERN HEISST KÄMPFEN! setzt ein Zeichen der Aufklärung. Sie entstand unter der Ägide von Mobile Beratung Niedersachsen gegen Rechtextremismus für Demokratie und wurde organisiert von OMAS GEGEN RECHTS OHZ in Zusammenarbeit mit dem Bündnis für Demokratie OHZ.
Die Ausstellung umfasst 25 Schautafeln, die höchst informativ einen Überblick schaffen, u.a. was unter „rechte Gewalt“ verstanden werden kann, und wie sie im gesellschaftlichen Kontext zu sehen ist. Dabei musste ich ernüchternd erfahren, dass dies kein Phänomen der jüngeren Vergangenheit ist. Vielmehr gab es bereits in den 90er Jahren entsprechend rechtsextremistische Vorkommnisse, die aber ängstlich nicht als solche erkannt bzw. benannt wurden. Gemäß dem Zitat von Christian Morgenstern „Weil nicht sein kann, was nicht sein darf.“ wurden die Augen vor der drohenden Ausbreitung verschlossen bzw. diese verharmlost.
Doch im Mittelpunkt der Ausstellung stehen exemplarisch 10 Schicksale von Menschen, die rechter Gewalt ausgesetzt waren und oft durch sie auch getötet wurden. Dabei wurden viele dieser Taten nicht von Polizei und Justiz als rechts eingestuft, obwohl es oft deutliche Anzeichen gab. Da stellte ich mir mit Schrecken die Frage „Wie hoch ist da wohl die Dunkelziffer?“. Alle Betroffenen waren keine Zufalls-Opfer, sondern wurden von den Tätern bewusst ausgewählt, da sie aufgrund ihrer Überzeugung, ihrer Herkunft oder ihrer Lebensumstände vom rechten Pöbel als „unwertes Leben“ angesehen wurden. Wie tief muss der Schmerz bei den Familien und Freunden der Opfer sitzen: Sie hatten nicht nur einen geliebten Menschen verloren, sondern auch die wahren Hintergründe zur Tat wurden nicht anerkannt.
Umso wichtiger ist es, dass wir Orte und Formen der Erinnerung schaffen: Die Ausstellung schließt mit einigen Beispielen. Einerseits sind wir es den Opfern – den bekannten wie auch den vielen unbekannten – schuldig, sie vor dem Vergessen zu bewahren, andererseits müssen wir sorgen, dass rechtes Gedankengut nicht als Bagatelle, als Normalität angesehen wird. Der Rechtsextremismus mit seiner menschenverachtenden Ideologie ist eine Gefahr für unsere Demokratie, eine Gefahr für Solidarität und Menschlichkeit.
Die Ausstellung ERINNERN HEISST KÄMPFEN! fordert ihre Besucher heraus, sowohl aufgrund der Relevanz des Themas, als auch bezüglich der Fülle an Text. Diese Fülle sollte aber bitte niemanden abschrecken, den Text auf den Schautafeln vor Ort zu lesen. Ich habe vielmehr die Erfahrung gemacht, dass ich – hatte ich erstmal den Einstieg in den Text gefunden – mich schnell „festgelesen“ hatte. Zudem erhält man vor Ort einen tollen Ausstellungkatalog, in dem alle Informationen nochmals nachgelesen werden können.
Viele Informationen mit Nennung der weiteren Stationen der Ausstellung findet ihr auf der Homepage ERINNERN HEISST KÄMPFEN!.
