MONTAGSFRAGE #73: Welche Klischees haben für euch wirklich ausgedient?

Klischees! Klischees! Ich liebe Klischees! Ich spiele gerne mit ihnen! Ich tappe auch durchaus mal in ihre Falle! Und manchmal gehen sie mir gehörig auf den Geist!

Beispiel gefällig? Aber gerne!

Seit meinem Outing habe ich von verschiedenen Menschen – auch aus meinem engeren Umfeld – zu hören bekommen „Zum Glück bist du nicht so typisch schwul.“ Diese Äußerung war bestimmt als Kompliment gemeint, kam bei mir aber leider nie als Kompliment an. Ehrlich gesagt habe ich mit einer solchen Äußerung meine Schwierigkeiten. Sie provoziert mich zum Widerstand: Was – bitteschön – ist „typisch schwul“? Ich kann keinen akkuraten Lidstrich ziehen, habe keinen rosafarbenen Chihuahua als Haustier und renne auch nicht mit einem „gebrochenen“ Handgelenk durch die Gegend. Ich bin mir sehr sicher, dass dies auf die Mehrheit der schwulen Männer zutrifft. Wenn dies für die Mehrheit zutrifft, dann darf diese sich dafür zu Recht als „typisch schwul“ bezeichnen, oder? Und sind Männer, die dem beschriebenen Klischee entsprechen, dann weniger wert, respektvoll behandelt zu werden? Klischees kleben nun einmal fest in unseren Köpfen, und auch für mich ist es manchmal ein zäher Kampf, mich von ihnen zu befreien – von meinen eigenen und von denen, die die Gesellschaft versucht, mir anzupappen.

Doch wie sieht es mit Klischees in der Literatur aus? Aufmerksame Leser*innen meiner Seite werden bemerkt haben, dass mein besonderes Augenmerk der Kriminalliteratur gilt.

Das Krimi-Genre ist bevölkert von den „hardboiled detectives“. Ganz in der Tradition von Sam Spade oder Philip Marlowe agiert hier der gebrochene Rächer beinah eigenbrötlerisch mit einem reduzierten Gefühlsspektrum und einem noch reduzierteren Frauenbild. Ich habe den Eindruck, dass dieser arrogante, zynische und illusionslose Archetyp gerade seine Renaissance erlebt.

Scheint der „harte Kerl“ durchaus verführerische Seiten zu haben, so empfinde ich ihn auf Dauer eher als langweilig. Auf Dauer ist der literarische Umgang mit diesem „einsamen Wolf“ eben doch nicht Abendfüllend. Das Zauberwort lautet hier „Ambivalenz“: Ich will mehr! Er darf die genannten Eigenschaften durchaus besitzen, gleichzeitig muss es Brüche in seiner Persönlichkeit geben. Er darf mich mit Reaktionen überraschen, die ich aufgrund meines Klischee-Denkens nicht erwartet habe. Eindimensionalität war gestern: Heutzutage darf mein Held mir in „3D“ begegnen.

Besonders amüsiere ich mich über Krimis, bei denen ironisch mit Klischees umgegangen wird: Klischees sind vorhanden und werden auch genüsslich zelebriert. Dies geschieht aber durchaus mit einem schelmischen Augenzwinkern!

…und welche Klischees erwartet Ihr bei welchem Genre geradezu oder seid vielleicht sogar enttäuscht, wenn es nicht erfüllt wird?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

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