MONTAGSFRAGE #125: Hört Ihr Stimmen oder seht Ihr Bilder beim Lesen?

„Ich lese ein Buch, und die Handlung läuft wie ein Film vor meinem inneren Auge ab.“

Kommt Euch dieser Ausspruch nicht auch sehr bekannt vor? Ja! Mir auch, da ich ihn in der Vergangenheit durchaus selbst schon geäußert habe. Doch wenn ich genau darüber nachdenke und mir mich selbst „vor meinem inneren Auge“ während des Lesens eines Romans vorstelle, dann entspricht es nicht zu 100% der Wahrheit.

Vieles, was ich in einem Roman lese, interpretiert meine Phantasie durchaus in einer Art filmischen Erzählweise. Doch sehe ich dabei weder ein detailreiches Setting noch ein lebensechtes Handlungspersonal. Vielmehr nehme ich das Umfeld der Handlung eher als Stimmungs-Schnappschuss wahr, erspüre die Atmosphäre einer Szene und sehe sogar das Licht, in das es getaucht ist. Auch das Handlungspersonal formt sich in meinem Kopf weniger zu Personen, die real existieren könnten, als vielmehr zu den entsprechenden Typen, die zum Setting und zum Lichtdesign passen würden (Dies trifft selbst auf Romane zu, wo mir die Verfilmung bekannt ist.).

Es handelt sich hierbei bei mir um einen Stumm-Film: Ich höre beim Lesen keine Stimmen in meinem Kopf. Sollte ich eine Stimme hören, dann wäre es meine eigene. Manchmal merke ich es erst etwas später, dass ich mitten im Lesen anfange ganze Passagen laut vorzutragen. Ich ergründe dann den (Unter-)Ton in den Dialogen und versuche, die Beweggründe der handelnden Personen zu erforschen und mich in ihre Gefühlswelt hineinzuversetzen.

Ich glaube, diesen Umstand verdanke ich zwei Faktoren: Von meinem 19. bis zum 30. Lebensjahr habe ich hier in meiner Heimatstadt recht anspruchsvolles Amateur-Theater gemacht, mich in einigen recht unterschiedlichen Genres (Märchen, Schwank, Krimi, Schauspiel, musikalische Komödie) ausprobiert und konnte so in vielfältige Rollen schlüpfen. Diese Zeit war für mich sehr prägend!

Naja, und als passionierter Vor-Leser beschäftige ich mich zur Vorbereitung natürlich intensiv mit einem Text. Beim Vorlesen setze ich dann sehr bewusst meine Stimme zur Interpretation ein, um meinen Zuhörer*innen einen Zugang zum Text zu ermöglichen. Ich nehme sie sozusagen „an die Hand“, erleichtere ihnen die Auseinandersetzung mit dem Gehörten und setzte zur Unterstützung meine Gestik, Mimik und Körperhaltung ein – womit sich der Kreis zu meiner Theatertätigkeit in der Vergangenheit schließt!

P.S.: Wenn Ihr gerne erfahren möchtet, wie ich mich auf eine Lesung vorbereite, dann schaut Euch doch bitte diesen Beitrag an.

…und wie ist es bei Euch? Hört Ihr etwa auch Stimmen, und wenn ja, wie viele??? 😂


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

2 Kommentare zu „MONTAGSFRAGE #125: Hört Ihr Stimmen oder seht Ihr Bilder beim Lesen?

  1. Hallo,
    ich glaube, du bist der Erste, der zwar Bilder sieht aber keine Simme(n) beim Lesen hört. Mein erster Gedanke „Wie kann das denn passieren?“ und dann liest du stattdessen unterbewusst Passagen laut vor. Ich bin immer noch fasziniert von den vielen unterschiedlichen Ausprägungen in der Lesewahrnehmung.
    Viele Grüße
    Ariane

    Gefällt 1 Person

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