MONTAGSFRAGE #130: Tabuthemen in der Literatur?

Ausnahmsweise erscheint meine Antwort zur „dieswöchentlichen“ MONTAGSFRAGE mit einem Tag Verspätung: Ich bitte um Entschuldigung! Doch ich kam gestern Nachmittag von der Arbeit erschöpft nach Hause, und dank der gar wunderbaren Wetterverhältnisse dröhnte der Kopf und zickte der Kreislauf,…

…zudem warf ich einen Blick auf die Frage und dachte maulig „Ach, nö…!“. Es schien mir nun nicht gerade die prädestinierteste Frage zu sein, um in einen chilligen Feierabend zu starten.

Doch natürlich werde ich mich auch dieser Frage todesmutig gegenüberstellen und sie in die Knie zwingen (oder sie mich). Tabuthemen: Wo anfangen? Wo aufhören? Erlaubt mir bitte, dass ich die Frage etwas allgemeiner beantworte.

Als erstes fiel mir der Song „Tabu“ von der wunderbaren Song-Poetin Pe Werner ein, die ich über alles verehre. Ihre Konzerte sind für mich Balsam für die Seele. Virtuos sorgt sie bei mir für „Kribbeln im Bauch“. Da lasse ich mich von ihr allzu gerne mit „Trostpflastersteine“ bewerfen – und das möglichst tonnenweise. Hach, wann wird es wieder so sein…???

Bei Hören des Songs wurde mir erneut bewusst, dass je nach Epoche, kulturellem Hintergrund, gesellschaftlichen Konventionen etc. ein Thema mal mehr, mal weniger als Tabu betrachtet werden kann. Ausdrücke, die in den 50er Jahren gang und gebe waren, wären heute undenkbar. Viele gleichgeschlechtlich Liebende der älteren Generation mussten vor gar nicht allzu langer Zeit ihre Liebe verstecken, da man sie sonst strafrechtlich verfolgt hätte. Heute können wir offen(er) zu unserer Liebe stehen.

Doch ist die Gesellschaft wirklich so viel offener? Es gibt in unserer – Ach! – so toleranten Gesellschaft doch keine Tabus mehr, oder? Ein Blick in Presse, Fernsehen und vor allem Internet lässt dies durchaus vermuten. Aber sind Themen, die genüsslich in der Öffentlichkeit zelebriert werden, automatisch frei von Tabus? Ich bin nicht der Meinung! Vielmehr habe ich den Eindruck, dass heutzutage hemmungsloser die Grenzen des guten Geschmacks überschritten werden, als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Ich habe eher den Eindruck, dass die Medienflut eine Gesellschaft nicht zwangsläufig toleranter sondern vielmehr abgestumpfter und gleichgültiger macht, bzw. in seiner Form, wie über Themen berichtet werden, sogar eher Intoleranz fördert.

Jede und jeder hat heutzutage die Möglichkeit, sich zu produzieren und findet für sich und sein (Tabu-)Thema die entsprechende Bühne. Jede und jeder kann darüber hemmungslos zu Gericht sitzen und die Meinung unreflektiert der Öffentlichkeit preisgeben. Dabei wird häufig jenseits einer Scham agiert, und Tugenden wie Takt und Einfühlungsvermögen scheinen nicht existent. Da dies keine Welt ist, in der ich leben möchte, ergibt sich für mich ergo nur zwei Möglichkeiten darauf zu reagieren: Zum einen entziehe ich mich dieser Themen-Flut, verweigere den so genannten (selbst ernannten) Tabu-Brechern meine Aufmerksamkeit und gebe ihnen nicht die Möglichkeit weiteren Unsinn abzusondern. Andererseits ist es für mich eine Selbstverständlichkeit, mich „anders“ zu verhalten. Auch wenn es etwas altmodisch klingt, aber ich möchte Vorbild sein. Mein Wahlspruch lautet „Die Welt wird nicht besser, wenn wir Böses mit Bösem bekämpfen!“ und daran halte ich mich – auch wenn es mir manchmal sehr schwer fällt. 😏

Natürlich gibt es Themen, die seriös (!) von ihrem Tabu befreit werden sollten und müssen – unabhängig vom jeweiligen Medium. Für mich zählen solche Themen dazu, bei denen die Betroffenen durch eine Enttabuisierung deutlich an Lebensqualität gewinnen, das Verständnis füreinander geweckt und ein friedvolles Miteinander gefördert wird. Ich hoffe und wünsche, dass unsere Welt dadurch ein wenig besser wird,…

…und bis es soweit ist, lassen wir uns gemeinsam von „Tabu“ ein wenig trostpflastersteinigen – hier in einer Fassung mit der wunderbaren WDR Big Band

Bei Interesse: Hier findet Ihr meine Eindrücke zu meinem letzten Konzert von Pe Werner.

Tabus: brechen oder bewahren? Wie ist Eure Meinung…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

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