[Rezension] Élodie Lécadieu – PARIS. STADT DES LICHTS/ mit Fotografien von David Vincent-Sully

„Wenn der liebe Gott sich im Himmel langweilt,
dann öffnet er das Fenster
und betrachtet die Boulevards von Paris.“
Heinrich Heine

Es gibt eine bestimmte Stadt auf unserer wunderbar bunten Welt, die ich als Sehnsuchtsort ganz tief in mein Herz geschlossen habe. Es ist eine Stadt, die wie keine zweite mein Empfinden für Ästhetik und Schönheit, für Kunst und Kultur, für Romantik und Savoir-vivre zum Vibrieren bringt. Es ist eine Stadt, die nichts versprechen und noch weniger halten muss und trotzdem stets erfüllt. Es ist eine Stadt, bei der ich, wenn ihr Name fällt, immer denke „Da möchte ich unbedingt einmal hin!“. Doch je älter ich werde, umso weniger Möglichkeiten wie auch Zeit verbleiben mir noch, um diesen Sehnsuchtsorte in der Realität erleben, erobern und erspüren zu dürfen. Gleichzeitig macht sich in mir ein ängstliches Bangen breit, dass das, was ich mir von dieser Stadt erhoffe und erträume, nicht der Realität entspricht sondern nur in meiner Phantasie von mir romantisiert wurde. In diesen Momenten lege ich den Traum, diesen Sehnsuchtsort irgendwann einmal selbst aufzusuchen, wehmütig beiseite und versuche, nicht mehr an ihn zu denken. Doch dann fallen mir Bücher wie dieses in die Hände, und – BÄHM! – da ist es wieder dieses Sehnen.

PARIS. STADT DES LICHTS ist schwelgerischer Bildband, informativer Reiseführer und attraktives Coffee Table Book vereint zwischen zwei Buchdeckeln. So hat die Journalistin Élodie Lécadieu fünfzehn recht unterschiedliche Routen ausgearbeitet. Jede Route führt uns unter einem besonderen Thema durch die französische Hauptstadt mit ihren zwanzig Arrondissements. Es sind Themen, die einerseits die Geschichte Paris zwischen Vergangenheit und Moderne widerspiegeln, andererseits die kulturelle Vielfalt der Seine-Metropole feiern.

Bereits während der ersten Tour DEM HIMMEL SO NAH lässt sie uns einen Blick aus der Vogelperspektive auf diese außergewöhnliche Stadt werfen, damit wir die Komplexität der über die Jahrhunderte gewachsenen Strukturen erfassen können. // Dann schlendert sie mit uns AN DER SEINE entlang, an der sich Museen, der Eifelturm und sonstige Sehenswürdigkeiten wie an einer Kette aufreihen und so manche imposante Brücken ein Überqueren ermöglichen. // IM LAUFE DER ZEIT verändert sich natürlich auch eine Stadt wie Paris, die zwar durch die Haussmann’sche Architektur geprägt ist, die aber schon so selbstverständlich zum Alltag der Pariser*innen gehört, dass sie kaum mehr wahrgenommen wird. Hier hilft uns die dritte Route diese „übersehenen“ Gebäude neu zu entdecken. // Der vierte Rundgang widmet sich der HAUTE COUTURE, die in Paris einen enormen Stellenwert hat, indem hier die großen Mode-Label ebenso zu finden sind wie auch kreative Designer*innen, die ihren eigenen, höchst individuellen Stil pflegen. // Literaten, die etwas auf sich hielten, verbrachten im Laufe ihres Lebens gerne eine gewisse Zeit in Paris – sei es zur Inspiration oder um das Nachtleben der Stadt zu „erforschen“. Die Tour LITERATUR führt uns zu Cafés, Buchhandlungen und Bibliotheken, in denen Colette, Wilde oder Hemingway verkehrt haben könnten, und wo noch heute der Odem der ganz großen Genies der Literaturszene zu spüren ist. // Wie keine andere Stadt steht Paris als Sinnbild für die Liebe. Da wäre dieses Buch selbstverständlich nicht komplett, würde in ihm eine ROMATISCHe Tour fehlen, die uns zu verträumten Parks, entzückenden Museen und verschwiegenen Orten führt.

Auch bei den weiteren in diesem Buch zu findenden Touren überzeugt Élodie Lécadieu sowohl durch ihre informativen wie kurzweiligen Texte, denen man ihre Liebe zu Paris anmerkt, als auch durch die wohldurchdachte Auswahl an Orten, Etablissements und Institutionen. So sind bekannte wie beliebte Touristen-Magnete zu finden, wie auch versteckte Plätze, die einen ganz eigenen Zauber, eine ganz eigene Melancholie ausstrahlen.


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David Vincent-Sully fängt in seinen Bildern das Flair dieser Stadt ganz und gar wundervoll ein. Da lenkt er eben noch unsere Aufmerksamkeit auf Details einer Hausfassade, um auf der nächsten Seiten einen Blick hinab auf die Straßenschluchten zu werfen. Panorama- und Momentaufnahmen wechseln einander ab. Die Fotos wirken nicht inszeniert sondern atmen durch die auf ihnen zu sehenden Menschen, die mit ihrer Dynamik wesentlich zur Atmosphäre beitragen. Paris erscheint in Vincent-Sullys Fotos nie als museale Stätte voller Vergangenheit sondern strahlt eine enorme Lebendigkeit aus, mit der die Stadt ganz im Hier und Jetzt ist. Es ist ein Ort, an dem gelebt wird.

Auch wenn Élodie Lécadieu und David Vincent-Sully mit ihrer Kunst den Hauptpart zu diesem traumhaften Buch beigetragen haben, so möchte ich auch Manon Bucciarelli nicht unerwähnt lassen und ihr für die edle und geschmackvolle Gestaltung dieses Buches danken.

PARIS. STADT DES LICHTS hat mich auf so vielen Ebenen begeistert, mich emotional berührt, mich staunend gemacht und meine Lust am Träumen erneut entfacht. Hach, so ein schönes Buch!


erschienen bei Prestel / ISBN: 978-3791394923 / in der Übersetzung von Cornelia Panzacchi und Claire Schmartz
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

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