[Rezension] P.G. Wodehouse – Tausend Dank, Jeeves!

Die Britten können richtig witzig sein und der Welt viel Freude bereiten! Okay, jetzt nicht unbedingt, wenn es sich um den Brexit handelt. Aber sonst durchaus…! Zudem kann der britische Humor fraglos als erfolgreichster Export-Schlager von Großbritannien gelten: Monty Python, Mr Bean und Little Britain schickten den britischen Humor via TV in die Welt, und auch im Kino war er in den 50er bis 70er Jahren dank der Carry-On-Filmreihe äußerst populär. Aber auch literarisch darf der britische Humor nicht unterschätzt werden…!

P.G. Wodehouse gebührt durchaus die Ehre, als einer der bekanntesten, beliebtesten und talentiertesten Vertreter der literarischen Humoreske bezeichnet zu werden. Nachdem mein erster Kontakt mit ihm mich schier in freudige Verzückung versetzt hatte, halte ich nun ein Nachfolge-Epos in meinen Händen, das durchaus das Zeug hat, mit seiner Fülle an Blödsinn nahtlos am Vorgänger anzuknüpfen. Denn nichts anderes verspricht eine Lektüre von Wodehouses Jeeves-Geschichten: ein einziger grenzenloser Blödsinn!!!

Das Leben von Bertie Wooster ist wieder ganz und gar auf dem Kopf gestellt: Reisen soll ja bekanntlich bilden, und New York bietet dafür bekanntlich reichlich Gelegenheiten. Es sei denn, der Reisende hört auf den Namen Bertie Wooster und wäre der Überzeugung, dass Einbildung schon Bildung genug wäre. Die überstürzte Verlobung mit Pauline Stoker hatte er sich leider nicht eingebildet. Doch zum Glück konnte er nochmals rechtzeitig seinen Hals aus der Ehe-Schlinge ziehen und sich flugs Richtung Heimat aufmachen. Dort frönt er seiner Leidenschaft des Banjo-Spiels und bildet sich ein – sehr zum Leidwesen seines Butlers Jeeves – dieses Instrument brillant zu beherrschen. Jeeves greift in seiner Not zum Äußersten und droht mit Kündigung, wenn Bertie seine musikalischen Anwandlungen nicht flott auf das Land verlegt. Das Cottage seines Freundes Chuffy liefert dafür die perfekte Kulisse. Dumm nur, dass Chuffy aufgrund chronischem Geldmangel sein Cottage an den steinreichen Amerikaner J. Washburn Stoker verkauft hat, der mit seinem entzückenden Töchterchen Pauline (Ja, genau eben jene Pauline, die Bertie in New York so unrühmlich hat sitzenlassen.) anreist. Chuffys Herz entbrennt augenblicklich in Liebe für Pauline. Doch kann er es wagen völlig mittellos, um ihre Hand zu bitten? Bertie bietet – nicht ganz uneigennützig – seine Hilfe an…!

Es war wieder eine Menge Blödsinn auf einem Haufen, und es war wieder wunderbar. Nichts und niemand darf hier vom Leser ernst genommen werden. Locker-leichte Albernheiten tollen hier über die Seiten und bringen das Zwerchfell zum Erschüttern. Realismus (Ich bitte Euch!) sucht man hier vergebens und wurde von mir weder erwartet noch vermisst. Es scheint, als würde in den Wodehouse-Geschichten ein immerwährendes Picknick im Sonnenschein stattfinden – voller Unbeschwertheit und ohne einen Blick auf Morgen!

Herrliche Bonmots wechseln sich mit deftigen Frechheiten ab. Hier muss/darf ich den Übersetzer Thomas Schlachter wieder hochlobend erwähnen: Er schafft das Kunststück, dass mir die Zeilen auch beim lauten Vorlesen intelligent-flüssig über die Lippen kommen und auch gesprochen mit der richtigen Betonung herrlich verführerisch anmuten (Verdammt, ich sollte wirklich eine Wodehouse-Lesung machen!). Besonderen Charme schöpfen die Geschichten aus dem Standesunterschied zwischen Bertie und Jeeves, der anhand des jeweiligen Verhaltens gar köstlich persifliert wird.

So war mein Wieder-Lesen mit Bertie und Jeeves auch dieses Mal die pure Wonne!


erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458178248

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] P. G. Wodehouse – Auf geht’s, Jeeves!

„Da weiß Jeeves sicher einen Rat!“, „Mit diesem Problem wende ich mich an Jeeves!“, „Was meint Jeeves denn dazu?“ Jeeves hier! Jeeves da! Immer nur heißt es „Jeeves“! Natürlich hat es auch durchaus seine angenehmen Vorteile, einen intelligenten Butler zu haben, den Freunde wie Verwandte gerne konsultieren. Aber deshalb bräuchte man ihm, Bertram „Bertie“ Wooster, ja nicht gleich die Intelligenz gänzlich abzusprechen. Er findet, es wäre höchste Zeit, seinen Butler in die Schranken zu weisen, und so übernimmt er flugs persönlich die Lösung einiger Problemchen im Freundes- und Familienkreis. Und da gibt es so einiges zu erledigen: Die Ent-lobung seiner Cousine Angela mit Tuppy Glossop muss unter allen Umständen rückgängig gemacht werden. Die Ver-lobung zwischen seinem Freund Gussie Fink-Nottle und Madeline Bassett muss unter allen Umständen forciert werden. Und die drohende Trennung von Onkel und Tante aufgrund Tante Dahlias Spielschulden muss unter allen Umständen verhindert werden.

Also spinnt Bertram Wooster in seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung seine hirnrissigen Ideen und spielt höchstpersönlich den Schicksalsgott. Nur leider sind seine Ideen – wie gewohnt – sehr unausgegoren: Er lässt mögliche Konsequenzen gänzlich unberücksichtigt und hinterlässt so eine Schneise der emotionalen Verwüstung. Die Welt der oberen 10.000 versinkt im Chaos, bis Jeeves eingreift…!

Ich sitze auf meinem Sofa mit der Nase in diesem Buch, kichere vor mich hin oder lache schallend auf und ertappe mich dabei, wie ich ganze Passagen laut lese: Welch ein grenzenlos alberner Spaß…!!!

P. G. Wodehouse ist ein absoluter Könner der leichten Posse, ein nimmermüder Verfasser humoristisch-ironischer Dialoge und ein kolossaler Profi im Verteilen von satirischen Seitenhieben auf die gehobene Gesellschaft. Wer in den „Jeeves“-Geschichten von Wodehouse irgendeinen Realismus sucht, der wird sehr, sehr lange suchen müssen und schlussendlich erschöpft und erfolglos aufgeben. Hier verbinden sich die Übertreibung, das Hemmungslose und die Frechheit zu einer respektlosen Leichtigkeit. Nährwert: Fehlanzeige! Spaßfaktor: „…bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter!“

Teilweise sind die Dialoge so fein-gemein-spitzzüngig, dass sie mich schier verführt haben, sie laut vorzulesen, um noch eine größere Wirkung zu erzielen: Da buddelte sich in mir der Vor-Leser, die alte Rampensau, wieder einmal hemmungslos an die Oberfläche!

Zudem möchte ich Thomas Schlachter meinen allerhöchsten Respekt für seine gelungene Übersetzung zollen: Ich kann sicher nur ansatzweise erahnen, wie herausfordernd es für einen Übersetzer sein musste, die vielfältigen Bonmots, fantasievollen Beschimpfungen und bildhaften Beschreibungen aus dem Englischen adäquat ins Deutsche zu übersetzen – ohne den Witz des Originals zu schmälern und den Lesefluss zu behindern. Chapeau! Das Nachwort von Denis Scheck liefert ferner aufschlussreiche Hintergründe über Wodehouses Leben.

Nur bedauerlicherweise habe ich nun ein äußerst verzwicktes Problem: Wodehouse lesen macht süchtig – süchtig nach einem Mehr an Geschichten, bei denen ich mich beim Lesen so heiter „sophisticated“ fühle, während in meinem Kopf alte Cole Porter-Songs den idealen Soundtrack bilden und so meine Seele gänzlich unbeschwert zum „Swingen“ bringt.

Book-Dealer, ich komme!


erschienen bei Insel/ ISBN: 978-3458177036