[Rezension] Veronika Peters – Die Dame hinter dem Vorhang

Dame Edith Louisa Sitwell (*7. September 1887; † 9. Dezember 1964) war zu ihrer Zeit eine Erscheinung: Aufgewachsen in einem aristokratischen Elternhaus schien ihr Leben vorbestimmt. Während ihre beiden jüngeren Brüder dank dem Erbe der Eltern materiell versorgt waren und ihnen auch beruflich alle Türen offenstanden, schien es für eine Tochter nur einen akzeptablen Lebensplan zu geben, sie möglichst vorteilhaft unter die Haube zu bringen. Doch Ediths Neigung zur Exzentrik und ihrem Hang zum Widerspruch gepaart mit einem brillanten Geist verschreckten jeden potentiellen Bewerber. Zudem war sie auch optisch weit von einer klassischen Schönheit entfernt, was ihr die Abneigung der schönen Mutter einbrachte und ihren Vater veranlasste, sie zwecks Korrektur in einen Metallrahmen spannen zu lassen. Doch alle Versuche der Einflussnahme stärkten nur Ediths Drang nach Unabhängigkeit, Selbstverwirklichung und Freiheit. Endlich erlöst von der gesellschaftlichen Enge ihres Elternhauses entwickelte sie sich ab den 20er Jahren zu einer der wichtigsten Vertreterinnen der modernen britischen Dichtung und gewährte in ihrem Haus in London den innovativsten künstlerischen Größen ihrer Zeit eine Zuflucht.

Autorin Veronika Peters erlaubt sich in diesem Roman den Kunstgriff, zwei fiktive Frauengestallten mit dem Leben von Edith Sitwell zu verweben und somit kommentieren zu lassen: Emma und Jane Banister (Mutter und Tochter) begleiten Ediths Leben von gemeinsamen Kindertagen (Emma) bis ins hohe Alter (Jane).

Dieses Buch entwickelte sich für mich bedauerlicherweise zu einem von mir sogenannten „Etappen-Roman“: Ich las durchaus interessiert einige Seiten, dann legte ich das Buch aus der Hand. Einige Tage später fiel es mir wieder in die Hände, und ich las darin, nur um es danach abermals für einige Zeit zu vergessen…! Begeisterung zeigt sich bei mir anders. Sobald ein Buch mich gefangen nimmt, handle ich beinah wie unter Zwang und greife immer wieder automatisch zur Lektüre, um so schnell wie möglich zu erfahren, wie die Handlung weitergeht. Bei diesem Roman verspürte ich alles andere als diesen Zwang zu Lesen, und ich hinterfragte die Gründe.

Die Autorin schreibt durchaus recht unterhaltsam. Auch ihre Idee, Emma und Jane Banister sowohl als Beobachterinnen als auch Kommentatorin in die Handlung zu etablieren, fand ich fraglos ansprechend. Nur leider wurde das mögliche Potential nicht ausgeschöpft: Mir fehlten die inneren wie äußeren Konflikte der Figuren. Die Handlung plätscherte merkwürdig belanglos vor sich hin und setzte kaum Impulse, ihr kontinuierlich zu folgen. Mit jeder Lese-Etappe wurde meine Hoffnung nach einer Wendung in der Geschichte enttäuscht. Nach 155 Seiten (von insgesamt 277 Seiten) habe ich dann resigniert die Segel gestrichen, da ein zielführender Spannungsbogen für mich nicht sichtbar wurde,…

…und dabei bin ich mir sicher, dass das Leben von Dame Edith Louisa Sitwell eine schier überbordende Fülle an Anekdoten bieten würde.

Lust auf eine Zweit-Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Janina Lehmann vom „Frau Lehmann liest“.


erschienen bei Wunderraum/ ISBN: 978-3336548088

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!