[Rezension] Alan Bradley – Flavia de Luce. Todeskuss mit Zuckerguss

Endlich läuten die Hochzeitsglocken auf Buckshaw: Ophelia de Luce und Dieter Schrantz geben sich endlich das langersehnte Ja-Wort. Der Himmel hängt voller Geigen, und die Luft ist geschwängert vom Blütenduft. Flavia möchte sich bei dieser geballten Anhäufung von Kitsch am liebsten übergeben, wäre da nicht dieser „klitzekleine“ Zwischenfall während der Feierlichkeiten: Beim Anschneiden der Hochzeitstorte fördert die Braut einen abgetrennten Finger aus dem Backwerk zutage! Flavia ist entzückt und stürzt sich begeistert in die Ermittlungen, hat sie doch gemeinsam mit dem treuen Diener Dogger ein Detektivbüro gegründet. Der erste Fall von „Arthur W. Dogger & Partner – Diskrete Ermittlungen“ überrascht mit pikanten Details und verblüffenden Wendungen…!

Flavia macht süchtig! Die Seiten flogen förmlich vor meinen Augen dahin. In Flavias Welt versinken, heißt „nach Hause kommen“ und sich wohl fühlen: Alles ist so bekannt, so vertraut. Nach 9 Bänden kennen wir die kleine, überschaubare Welt von Bishop’s Lacey aus dem Effeff. Da besteht die berechtigte Gefahr, dass beim Leser Monotonie eintreten könnte. Doch zum Glück lässt Bradley bei seinen Protagonisten eine Weiterentwicklung zu: Flavia ist zwar nach wie vor die penetrante, besserwisserische Göre, die wir alle so sehr lieben, gleichzeitig erlaubt Bradley ihr neustens auch sentimentale Gefühlsregungen, die sie weicher, kindlicher und verletzlicher erscheinen lassen. Bei Dogger lässt er unter der Fassade der vom Krieg traumatisierten Kreatur auch seinen brillanten, hochintelligenten Geist durchschimmern. Aber auch den sogenannten „supporting actors“ erlaubt er kleinen Überraschungen und verhindert so deren eindimensionale und auf Dauer langweilige Charakterisierung.

Einzige Wehrmutstropfen sind die manchmal etwas arg konstruiert wirkenden Wendungen in der Handlung, die knapp ausgearbeiteten Konstellationen einiger Handlungspersonen zueinander und die eine oder andere mangelhafte Auflösung zu noch offenen Fragen.

Aber hier „leide“ ich wahrlich auf extrem hohem Niveau. Werden diese „Mängel“ doch mehr als wettgemacht durch den immensen Charme der Geschichte und der liebenswerten Kauzigkeit der Protagonisten. Zudem lässt der Autor einige neue Personen in Erscheinung treten, die die Begehrlichkeit des Lesers nach weiteren Details (und somit auf nachfolgende Auftritte innerhalb der Serie) wecken. Alan Bradley hat uns mit „Flavia de Luce“ absolute Feel Good-Krimis geschenkt!

Bishop’s Lacey ist auf dem besten Wege, das „St. Mary Mead“ unseres Jahrhunderts zu werden.


erschienen bei Penhaligon/ ISBN: 978-3764531157

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

MONTAGSFRAGE #43: Bücher behalten oder aussortieren?

Sowohl als auch – und zwangsläufig: mehr das Erst- als das Zweitgenannte…!

Wenn ein Buch die Schwelle unseres Hauses überschreitet, stehen seine Chancen ausgesprochen gut, eine Heimat für die Ewigkeit gefunden zu haben. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mir meine Bücher – auch Rezensionsexemplare – sehr bewusst auswähle. Bücher werden von mir sehr bedacht angeschafft, und selbst Rezensionsexemplare werden nicht „in rauen Mengen“ von mir angefordert, nur weil ich es könnte und die Verlockung wahrlich groß ist. Denn was nützt mir ein hoher SuB, wenn ich ihn in diesem Leben höchstwahrscheinlich nicht bewältigen werde. So mache ich in meinem Respekt vor dem gedruckten Wort keine Unterschiede zwischen geschenkten und selbst erworbenen Büchern, zwischen gebrauchten und neuen Büchern.

Womit wir bei meinem Dilemma wären: Irgendwann ist auch der größtmögliche Platz in einem Hause ausgeschöpft! Irgendwann habe auch ich mich – trotz größter Sorgfalt – bei der Wahl meiner Lektüre vergriffen!

Ich kann dann glücklicherweise auch loslassen: Bücher, die ich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht nochmals lesen werde, dürfen dann ebenso weiterziehen, wie Bücher, die mir schlicht und ergreifend nicht gefallen haben. Diese Bücher schicke ich dann entweder auf die Reise, wie ich sie in der Montagsfrage #11 schon beschrieben habe, oder sie finden im Freundeskreis eine neue Heimstätte.

Liebe Antonia! Jeder Lese-Indianer, der freiwillig die Umzugskartons packt, seine Bücherregale abbricht und sie in einem neuen Territorium wieder „aufschlägt“, verdient meinen uneingeschränkten Respekt.

Ich bin in meinem Leben (zum Glück) erst 2x umgezogen, und bei jedem Umzug nahmen die Bücherkartons einen immer größer werdenden Teil der Umzugsfracht in Anspruch. Allein bei dem Gedanken, JETZT nochmals umziehen zu müssen, bricht sich bei mir der Angstschweiß hemmungslos Bahn, pocht mein Herz völlig außer Rhythmus gegen meinen Brustkorb und lässt mich Schnappatmung hyperventilieren. Eine solche Horrorvorstellung übertrifft für mich jede Geschichte zu Halloween!

Umzug: Möge dies nie geschehen!!!

…Jäger & Sammler oder Verteiler? Oder doch eher von allem etwas…???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Clemens Dreyer – Touristisch für Anfänger: Die wichtigste Sprache der Hauptsaison

Passend zum Ferienbeginn in Niedersachsen und der damit verbundenen Völkerwanderung möchte ich Euch einen besonderen humoristischen Schmankerl der Reiselektüre nicht vorenthalten:

Liebe*r Urlaubsfetischist*in,

hier eine kleine Übung für Sie – eine Lernzielkontrolle sozusagen, um zu überprüfen, ob Sie Ihren Sprachkurs „Touristisch für Anfänger“ konzentriert durchgearbeitet und die wichtigsten Lektionen verstanden haben.

Hintergrund: Ich befinde mich auf dem hellen und freundlichen Balkon meines Hotelzimmers, der zur Meerseite gelegen ist, und habe meinen Allerwertesten auf eine Komfort-Sitzgelegenheit, die ich am frühen Morgen durch das Auslegen eines Handtuchs für mich reserviert haben, platziert. Während ich an einer Tasse gefüllt mit einem landestypischen Getränk nippe, lese ich im o.g. Sprachkurs und kann partout natürliche akustische Emissionen nicht verhindern. Kann der sich dadurch gestört fühlende Nachbar vom Nebenbalkon zu Recht klagen, oder muss er dies als „Allgemeines Lebensrisiko“ hinnehmen?

Na, alles verstanden? Nein! Dann müssen Sie DRINGEND diesen Sprachkurs wiederholen.

Woher sollten Sie sonst wissen,…

  • …dass ein Süßwasser-Swimmingpool auch für Diabetiker geeignet ist,
  • …dass Sie die Pooltiefe an der Rötung des Wassers erkennen,
  • …dass Sie an der Rezeption Ihres Hotels gefahrlos SM mit HP oder OV buchen können.

Und obwohl die Hotels schon nach der DEHOGA kategorisiert sind, sollten auch Urlaubsreisen einen Warnaufkleber erhalten – wie Zigaretten und Medikamente:

„Verreisen ist gesundheitsschädlich und kann zu Impotenz führen!“

oder

„Zu Risiken und Nebenwirkungen essen Sie die Packungsbeilage oder tragen ihren Arzt zum Apotheker!“

Na, denn: BON VOYAGE!


erschienen bei Langenscheidt/ ISBN: 978-3468738258

MONTAGSFRAGE #42: Buch mit Notiz?

Tja, zu dieser Frage werden die Antworten der Bücherfreunde in der Community sicherlich sehr konträr ausfallen. Für die einen kommt es einem Sakrileg gleich, den Stift anzusetzen, um die Seiten eines Buches zu beschriften. Die anderen tun dies mit Freude, um eigene Gedanken zum Gelesenen festzuhalten und sich und der Nachwelt zu erhalten.

Und wie stehe ich dazu? Ich würde mich tendenziell eher zur erstgenannten Kategorie zählen. Meine Bücher sind mir heilig! Da gibt es keine Eselsohren, Knicke im Schutzumschlag oder schiefgelesene Buchrücken – und natürlich auch keine Randnotizen. Dafür sind sie mir zu sehr lieb & teuer (in Emotionen und Euronen gemessen). Zudem mache ich mir beim Lesen nie solche tiefschürfenden Gedanken, die es wert wären, festgehalten zu werden. Vielleicht lese ich aber auch nur die falschen Bücher, oder ich lese zwar die richtigen Bücher, aber in meinem Kopf…(?): Darüber sollte ich mal nachdenken! (Grübel!)

Aber auch bei mir bestätigt die vielzitierte Ausnahme die Regel: Zur Vorbereitung auf eine Lesung greife auch ich zum weichen (!) Bleistift, um mir am Rand eines Textes Notizen zu machen. Dabei gleicht dieser Text eher dem Textbuch eines Schauspielers: Im Laufe der Jahre als Vor-Leser habe ich für mich ganz individuelle Abkürzungen und Zeichen entwickelt, um so während des Vortrags blitzschnell zu erkennen, was gemeint ist. Da wird der Stimmungswechsel ebenso notiert, wie ein theatralisches Seufzen. Für die wohlüberlegte Pause findet sich ebenso ein Zeichen, wie für kleine Regieanweisungen (Gestik, Mimik). Evtl. stelle ich auch einzelne Sätze leicht um, da sie dann natürlicher und somit flüssiger über meine Lippen kommen.

So feile ich recht detailliert an der Betonung und am Ausdruck meines Vortrages. Und dazu brauche ich die hilfreichen Zeichen am Textrand, die ich dort mit einem weichen (!) Bleistift hinterlasse mit der Option, sie rückstandsfrei unter Zuhilfenahme eines Radiergummis wieder entfernen zu können. (Was bisher noch nie passiert ist: Es könnte ja sein, dass ich diesen Text irgendwann irgendwo nochmals vortragen werde!)

…und zu welcher Kategorie würdet Ihr Euch zählen: „Ästhet der jungfräulichen Seiten“ oder „Bleistift-Anarchist“???


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

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