[Rezension] Frances Stickley – MÄUSCHENS ÄPFEL/ mit Illustrationen von Kristyna Litten

„Ach, herrjeh, wie entzückend!“ entfleuchte es mir spontan, als ich dieses Bilderbuch aufschlug und die ersten Illustrationen bewunderte. Schnell hatte mich diese charmante Geschichte für sich eingenommen.

Heute ist ein Glückstag für das kleine Mäuschen: Es hat vier köstlich glänzende Äpfel für sein Abendessen gefunden. Aber, ojemine, da kommt Bär! Er ist sehr hungrig und furchtbar schlecht gelaunt. Bär will alle Äpfel für sich allein haben. Mäuschen braucht nun schnell einen klugen Plan.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Frances Stickley erzählt ihre „David gegen Goliath“-Geschichte in melodischen Reimen, die mich animierten, sie laut vorzutragen. Dabei schlüpfte ich abwechselnd voller Freude in die Rolle von Mäuschen, dann wieder in die Rolle von Bär: So wurde immer im Wechsel mal gefiept und mal gebrummt. Auch der Part des Erzählers wurde von mir mit Enthusiasmus ausgefühlt und die Reime entsprechend mit Leben gefüllt. Es war für mich als Vorleser eine Wonne, mich in diese liebenswerte Geschichte fallen zu lassen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Einen nicht unerheblichen Anteil an meiner Begeisterung hatten auch die gar wundervollen Illustrationen von Kristyna Litten, die eine phantasievolle Welt zwischen „Alice im Wunderland“ und Wimmelbuch zeigten. Bereits das Vorsatzpapier zeigte einen reizenden Lageplan, auf dem alle wichtigen Schauplätze unserer Erzählung zu finden waren. Die Flora und Fauna boten so reichlich märchenhafte Details, dass mein Blick immer wieder aufs Neue gefesselt wurde. Zudem war ihre Farbauswahl so duftig leicht, dass nichts allzu bedrohlich erschien. Da war der Wald zwar dunkel aber nicht düster. Es gab nichts, wovor sich die Jüngsten beim Betrachten dieses Buches fürchten müssten. Selbst der grantelnde Bär hatte eher mein Mitgefühl: Wir kennen es doch sicherlich alle, wie übellaunig und elendig man sein kann, wenn der Magen gar mächtig knurrt.

Ebenso duftig leicht schlich sich „die Moral von der Geschicht’“ in mein Bewusstsein. Sie war so duftig und so leicht, dass ich sie anfangs gar nicht als Moral wahrnahm: „Häh? Moral? Was denn für eine Moral?“. Und diesen Umstand bitte ich als Kompliment zu sehen. Mir sind Bilderbücher, die mir ihre Moral wie mit einem Vorschlaghammer ins Gehirn prügeln, mehr als suspekt.

Hier geht es um das Miteinanderteilen, um Fairness und um den Umgang mit Macht. Nur weil jemand größer und lauter ist, bedeutet dies nicht, dass er mehr Rechte hat, als jemand, der kleiner und leiser ist. Denn manchmal sind es genau diese vermeintlichen Schwächen, die sich nur allzu oft als Stärken entpuppen.

Und so endet diese herzerwärmende Geschichte absolut positiv dank der Stärke von Mäuschen, auch verzeihen zu können…

💜


erschienen bei Bohem / ISBN: 978-3959392556 / in der Übersetzung von Nils Aulike
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

Hinterlasse einen Kommentar