🎼 Heute ist der WELTOPERNTAG! 🎼
Meine Liebe zur Oper wurde in der Saison 1991/1992 mit dem Besuch einer Inszenierung von LA BOHÈME am Stadttheater Bremerhaven entfacht. Auch nach all den Jahren, nach all den vielen weiteren Opern, die ich kennenlernen durfte, zählt sie nach wie vor zu meiner absoluten Lieblingsoper. Denn in ihr vereint sich alles, was ich an der Kunstgattung Oper so sehr liebe: Wundervolle Musik, traumhafter Gesang, mitreißende Dramatik und höchste Emotionalität. Nach ihrer Uraufführung im Jahre 1896 schrieb eine Turiner Zeitung „So wie LA BOHÈME nur ein schwacher Eindruck beim Publikum hinterließ, so wird sie auch in der Operngeschichte kaum Spuren hinterlassen.“ Tja, so kann man sich täuschen.
Wundervolle Musik, traumhafter Gesang, mitreißende Dramatik und höchste Emotionalität: Steckt dies hinter dem Geheimnis, warum die Oper auch nach all den vielen Jahren nichts an ihrer Faszination eingebüßt hat? Ich bin auf jedem Fall nach wie vor von dieser außergewöhnlichen musikalischen Kunstform fasziniert.
Das Duo Alan Riding und Leslie Dunton-Downer befeuert mit ihrem Prachtband DIE OPER diese Faszination noch zusätzlich und verspricht mit EINE ZEITREISE IN OPULENTEN BILDERN wahrlich nicht zu viel. Nach einer kompetenten Einführung, in der sie die formalen Merkmale einer Oper aufzeigen, auf den Einfluss der Librettisten auf die von ihnen betreuten Werke eingehen und auch den Stellenwert von Opernhäusern und Festivals auf die Popularität des Genres sowie den Starkult um die Sänger*innen nicht unbeachtet lassen, vertiefen sie sich intensiver mit diesem Thema.
Das Hauptaugenmerk dieses Bildbandes liegt natürlich auf den Komponisten und ihren Werken. Es beginnt mit den frühen Opern von Monteverdi bis Mozart und führt uns dann zu den Italienischen, deutschsprachigen, französischen, russischen und tschechischen Opern, denen allen ein eigenes Kapitel gewidmet wurde. Auch ein Abstecher in die moderne Oper ist zu finden. Es gibt zudem Werke, die durchaus Genre-Grenzen überwinden und manchmal wie z. Bsp. bei Franz Lehár, Leonard Bernstein und George Gershwin nicht immer eindeutig einer Kunst-Gattung explizit zugeordnet werden können.
Ich halte eh sehr wenig davon, musikalische Bühnen-Werke strickt einem Genre zuzuordnen. Dies impliziert eine Wertung, die meiner Meinung nach völlig unnötig ist. Es erfolgt so eine Unterteilung in E- oder U-Musik, d.h. dass das eine Werk der Hochkultur zugeschrieben wird, während ein anderes Werk nur der schnöden Unterhaltung dient. Unabhängig, ob es sich nun um Oper, Operette oder Musical handelt, ich möchte unterhalten werden, und ich erwarte vom Produktionsteam eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Werk und dessen professionelle Umsetzung auf die Bühne. Es geht mir um die qualitative Substanz eines Werkes, und da gibt es sowohl bei der Oper, wie auch der Operette sowie dem Musical viele herausragende Stücke aber ebenso auch so manches Schmonzes.
Was bei einem Bildband im Format eines Coffee Table Books wie diesem selbstverständlich nicht fehlen darf, ist – neben einer ansprechenden Ausstattung – die scheinbar unendliche Fülle an Fotos. Hier überzeugt, ja, überwältigt DIE OPER. EINE ZEITREISE IN OPULENTEN BILDERN mit historischen Aufnahmen, Szenenbildern neueren Datums, Grafiken und Plakaten zu div. Inszenierungen, üppigen Ansichten von Opernhäusern, Kostüm- und Bühnenbild-Entwürfen u.v.m.
Dieses Buch bietet einen wunderbar kurzweiligen Überblick: Es informiert auf hohem Niveau, überfordert aber nicht, indem sich allzu detailliert in das Thema vertieft wird. Somit ist es die perfekte „Einstiegs-Droge“ für alle, die bisher nur wenige Berührungspunkte mit der Kunstgattung Oper hatten aber gerne mehr erfahren möchten.
