[Komödie] Sönke Andresen – Offline för een Avend (UA) / Ohnsorg Theater Hamburg

Komödie von Sönke Andresen / Plattdeutsch von Christian Richard Bauer

Premiere: 22. August 2021 / besuchte Vorstellung: 24. August 2021
Ohnsorg Theater Hamburg


Inszenierung: Murat Yeginer
Bühne & Kostüme: Beate Zoff


Hamburg – meine Perle! Sind tatsächlich schon beinah zwei Jahre vergangen, seitdem wir das letzte Mal bei dir zu Gast waren? Auch damals waren wir zu dir gekommen, um uns ein Stück im legendären Ohnsorg Theater anzuschauen. Nun sind wir aus ebendiesem Grund wieder bei dir: …und dazwischen, was war dazwischen? Ach, reden wir nicht darüber, sondern freuen uns lieber, dass wir gesund wieder beisammen sind.

Der Möbel-Mitnahmemarkt „ahoy!-Möbel“ feiert sein 75-jähriges Bestehen mit einer Motto-Kostüm-Party, bei der alle Mitarbeiter*innen getreu dem Firmennamen maritim kostümiert zu erscheinen haben. Genau am Abend der großen Jubiläumsparty bricht Kassiererin Carla gemeinsam mit ihrer Kollegin Debbie, ihres Zeichens Verkäuferin in der Matratzenabteilung, über den Lüftungsschacht in das Büro ihres Chefs Jörn Brunkhorst ein. Carla sucht belastendes Material gegen ihren Chef, der sie für den Krankenhausaufenthalt einer Kollegin verantwortlich macht und ihr mit Abmahnung, wenn nicht sogar Kündigung droht. So sinnt Carla auf Rache, findet allerdings kein belastendes Material. Stattdessen albert sie mit einer phallusförmiges Figur aus Terrakotta, ein Erbstück der verstorbenen Frau Mama, herum und rekelt sich scheinbar wollüstig vor der Handykamera, um ihrer erkrankten Kollegin mit diesem Filmchen zu erfreuen. Dummerweise beginnt der Nachname eben dieser Kollegin mit demselben Buchstaben wie der ihres Chefs: 1x nicht richtig hingeschaut, 1x zu schnell getippt und schon landet das pikante Video auf dem Handy des Chefs. Nun ist guter Rat teuer: Der Chef darf dieses Video unter keinen Umständen zu Gesicht bekommen, Carla wäre sonst auf der Stelle arbeitslos. So möbliert – Äh! – mobilisiert sie die Massen, spannt ihre Freundin Debbie ebenso für ihre Pläne ein, wie ihren Ex-Gatten Horst, der als Gabelstapelfahrer im Lager arbeitet und zum Firmenjubiläum zum tanzenden Show-Act im Meer-Mann-Kostüm mutiert. Auch die in den Chef verschossene Lone Rasmussen, Urenkelin des Firmengründers, wird hemmungslos von ihr für ihre Zwecke manipuliert. Carla lässt sich immer neue hanebüchene Geschichten einfallen, um ihre Anwesenheit im Büro des Chefs zu erklären und ihm so das Handy mit dem pikanten Video zu entlocken. Dabei hat er ganz andere Sorgen…!

Regisseur Murat Yeginer setzt in seiner Inszenierung auf Tempo und jagt sein Ensemble im Stil der klassischen Screwball-Komödien über die Bretter: schnell und mit dem nötigen Timing aber nie hektisch. Dabei überrascht er mit kleinen, feinen Gags und ermöglicht seinen Schauspieler*innen, Profil und Charakter ihrer Figuren zu entwickeln. Das Bühnenbild von Beate Zoff überzeugt im beinah sterilen Ambiente eines Möbelhauses, wie es überall in der Republik stehen könnte. Erst ein zweiter oder auch dritter Blick offenbaren die vielen Details (das maritime Muster der Auslegeware, die typischen Preisschilder an den Möbeln), die sich auch in den Kostümen (die Namensschilder des Personals, ein Werbeaufdruck auf dem T-Shirt) wiederfinden.

Wie eigentlich immer beim Ohnsorg Theater punktet auch „Offline för een Avend“ mit einer passgenauen Auswahl der Schauspieler*innen. Nele Larsen gibt die zuckersüße Lone mit Naivität und Sex-Appeal. Meike Meiners verzweifelt als Debbie beinah an ihrem Zwiespalt zwischen Karrieredenken und Loyalität gegenüber Carla. Erkki Hopf gefällt in seiner akzentuierten Darstellung des Jörn Brunkhorst, der verzweifelt versucht, sein „dunkles“ Geheimnis zu verschleiern.

Markus Gillich entlockt den Kehlen des Publikums so manches Lachen, wenn er als leicht alkoholisierter Meer-Mann Horst eine choreografierte Kostprobe seines Show-Acts zum Besten gibt und diese zudem auf der Bierflasche pfeifend musikalisch untermalt.

Beate Kiupel glänzt voller Spielfreude und stattet ihre Carla mit patentem Mutter-Witz aus. Als „alte“ Häsin am Ohnsorg Theater versteht sie es famos, ihre Pointen punktgenau zu setzten, und startet so etliche Humor-Offensiven, z.Bsp. wenn sie sich beim kompromittierenden Video-Dreh rollig auf dem Schreibtisch wälzt oder ihrem Chef kokett-verführerisch das Handy zu entlocken versucht.

Der Regisseur „himself“ sorgt als Stimme von Praktikant Ibrahim für einen Running-Gag: Ibrahim beherrscht die deutsche Sprache nur rudimentär, muss allerdings das Mikro der Information besetzen, scheitert so beinah tragisch-komisch an der gender-neutralen Ansprache von Kund- und Belegschaft und führt diese so ad absurdum. Dabei war Schadenfreude hier nicht nur völlig fehl am Platz, sie war schlichtweg nicht existent: Das Publikum durfte mit den Figuren lachen. Es lachte aber nie über sie. Das Ensemble des Ohnsorg-Theaters wandelte trittsicher auf dem schmalen Grat zwischen Klamauk und Komik, zwischen Überzeichnung und Glaubwürdigkeit, ohne diesen je zu verlassen.

Das Ensemble des Ohnsorg-Theaters beherrscht eben bravourös die schwere Kunst der leichten Unterhaltung!


Das Ohnsorg Theater spielt diese turbulente Komödie noch bis zum 25. September 2021.

[Revue] LIEBEvoll / Ohnsorg Theater Hamburg

Revue (Eine gespielte Lesung) mit Texten & Musik div. Autoren / Auswahl und Zusammenstellung von Cornelia (Conny) Stein

Live-Premiere: sobald wie möglich

Ohnsorg Theater in Hamburg


Musikalische Leitung & Arrangements: Stefan Hiller
Inszenierung & Produktionsleitung: Murat Yeginer
plattdeutsche Übersetzungen, Kamera & Schnitt: Christian Richard Bauer

Alles schreit – Ach, was sag’ ich! – alles brüllt in mir nach Kultur, und ich spüre eine große Sehnsucht, endlich wieder „live & in Farbe“ meine Lieblingsbühnen besuchen zu dürfen. Bis dahin stöbere ich auf den jeweiligen Seiten und entdeckte nun beim Ohnsorg Theater ein kleines Schmankerl.

Das Ohnsorg Theater dürfte vielen von Euch aus dem Fernsehen bekannt sein: Mit dem NDR besteht seit 1954 eine intensive Kooperation. Anfangs wurden die Stücke im alten Bunker des damaligen NWDR zwecks Auszeichnung eingespielt. Später wanderten die Kameras direkt ins Theater, und die Stücke wurden vor Publikum aufgezeichnet. Dabei entstand ein sprachliches Kuriosum: Damit auch Fernsehzuschauer jenseits des Weißwurst-Äquators die Stücke verstehen, sprachen die Schauspieler*innen „Missingsch“, eine Mischung aus Hochdeutsch mit platt- bzw. norddeutscher Färbung. Doch die Bühnensprache im Ohnsorg war, ist und bleibt das Plattdeutsch. Wir selbst durften im Laufe der Jahre schon häufiger im Ohnsorg zu Gast sein: Anfangs noch im alten Haus „Große Bleichen“, das in älteren Fernsehaufzeichnungen noch zu sehen ist und in dem Ohnsorg-Stars wie Heidi Kabel, Henry Vahl, Werner Riepel, Karl-Heinz Kreienbaum, Heidi Mahler, Erna Raupach-Petersen oder Edgar Bessen schon auf der Bühne standen. Im Jahre 2011 erfolgte dann der Umzug in das größere und modernere Biberhaus am jetzigen Heidi-Kabel-Platz.

Doch ich sprach zu Anfang von einem Schmankerl: Was könnte das Ohnsorg Theater, das wie alle Bühnen von der Einstellung des Spielbetriebes betroffen ist, da ihrem Publikum schon bieten? Och, nicht viel: …nur eine kleine literarische Revue mit vier Schauspieler*innen und einem Pianisten, fein inszeniert und raffiniert gefilmt.

Dramaturgin Cornelia Stein hat dafür eine sowohl kluge wie auch facettenreiche Textauswahl zum Thema Liebe getroffen. Sie sorgt so für nahtlose Übergänge vom Text zum Song (und retour). In der flüssigen Regie von Murat Yeginer, Oberspielleiter am Haus, agieren Beate Kuipel, Tanja Bahmani, Markus Gillich und Christian Richard Bauer, der sowohl für die gelungene Übersetzung einzelner Texte und Songzeilen ins Plattdeutsche wie auch für den raffinierten Schnitt verantwortlich war.

Alle vier Künstler*innen sind schon langjährig dem Ohnsorg Theater verbunden, stürzen sich voller Spielfreude in die Interpretation der Texte und bieten viel Amüsement mit einer Prise Melancholie. So bekommen die Worte von William Shakespeare, Johann Wolfgang von Goethe, Oscar Wilde, Friedrich Schiller, Theodor Storm, Guy de Maupassant oder Heinrich Heine eine ganz neue Dynamik und klingen auf Plattdeutsch überraschend unverbraucht. Auch der Gesang kann sich durchaus hören lassen: Der musikalische Leiter Stefan Hiller hat die bekannten Songs seinem Ensemble passgenau in die Kehlen arrangiert und bietet eine musikalische Bandbreite, bei dem das Zuhören einfach nur Spaß bereitet. Da klimpert die Titelmelodie zu Drei Haselnüsse für Aschenbrödel lieblich aus dem Klavier, Lennon & McCartneys Do you want to know a secret wird zelebriert, So bist Du von Peter Maffey wird vom traditionellen Dat du mien leefsten büst abgelöst, Bee Gees How deep is your love erklingt mehrstimmig, und  Verdammt, ich lieb dich von Matthias Reim fetzt auch auf Plattdeutsch.

Bei dieser abwechslungsreichen Auswahl an Worten – ob nun gesprochen oder gesungen – haben alle Akteur*innen reichlich Spielraum, sich darstellerisch auszutoben und unterschiedliche Facetten von sich zu zeigen. Und auch hier zeigen sich die Stärken eines Ohnsorg-Schauspielers: echt und wahrhaftig, mit Witz und Ironie, mit Herz und Verstand aber ohne unnötiges intellektuelles Chichi.

Ich schaue mir diese wunderbare Revue an, ich singe und lausche, ich lache und weine, ich fühle mich wohlig umfangen. Doch meine Sehnsucht kann nicht gestillt werden. Ganz im Gegenteil: ICH BRAUCHE KULTUR!


…Lust auf Liebe? Dann wünsche ich Euch viel Spaß mit dem Video zu LIEBEvoll! Weitere Informationen zum Ohnsorg Theater findet Ihr auf der Homepage.

[Lustspiel] Wilfried Wroost – Een Mann mit Charakter / Ohnsorg Theater Hamburg

Lustspiel von Wilfried Wroost

Premiere: 25. August 2019 / besuchte Vorstellung: 24. September 2019 / Ohnsorg Theater Hamburg


Inszenierung: Michael Koch
Kostüme: Krzysztof Sumera, Britta Lindenstrauß-Buhrke, Andrea Oppenländer
Bühne: Katrin Reimers

Hat ein Lustspiel, dass seine Uraufführung in den 50er Jahren an eben diesem Theater (damals natürlich noch im alten Haus in der Großen Bleichen) erlebt hat, im Jahre 2019 mit seinen Themen wie Klimawandel und zunehmenden Rechtsruck überhaupt noch Platz auf der Bühne? Ist es nicht eher ein Relikt aus einer vergangenen Zeit, in der der Mann als Patriarch der Familie über das Wohl der Tochter entscheidet, und das Frauenbild allgemein vor lauter Staub kaum sichtbar ist?

ja! Ja!! JA!!! möchte ich schreien…! Es muss auf die Bühne – unbedingt!

In der Zwischenzeit ist es die 6. Inszenierung an diesem Haus: In den ersten fünf Inszenierungen stand Heidi Kabel in der Rolle der Dora Hinzpeter auf der Bühne und machte sie zu einer ihrer Paraderollen. Ihre Tochter Heidi Mahler kann mit der aktuellen Inszenierung ihr viertes Mitwirken an „En Mann mit Charakter“ verbuchen: 1969/70 und 1978/79 als Tochter Gisela, 1989/90 als Mutter Selma und nun natürlich als Dora Hinzpeter.

Die Frauenrollen werden – wie ein Staffelstab – anscheinend von Generation zu Generation weitergegeben: Beate Kiupel und Eileen Weidel können schon erahnen, wohin sie ihre jeweilige Bühnenlaufbahn führen wird (Übrigens: 1989/90 stand Beate Kuipel als Tochter Gisela neben den beiden Heidis auf der Bühne.).

Bäckermeister Heinrich Hinzpeter ist ein Mann mit Charakter. Darum hat er vor Jahren nicht gezögert, die schwangere Braut seines Bruders zu ehelichen, als dieser sie sitzen ließ und das Land Richtung New York verließ. Doch seiner Ehe mit Selma war kein dauerhaftes Glück beschienen: Auch wenn die gegenseitige Zuneigung nie erloschen ist, so ein Mann mit Charakter ist eben auch ein rechter Bullerballer und Dickkopf. Hinzpeter führt seine Familie wie auch die Mitarbeiter seiner Backstube mit strenger Hand – meint er, denn in Wirklichkeit hat seine Mutter Dora immer noch das Zepter in der Hand und lenkt klug die Geschicke der Familie. Die Strenge des Vaters bekommt auch Tochter Gisela zu spüren, von der er erwartet, dass sie zum Erhalt der Bäcker-Dynastie einen Mann vom Fach ehelicht. Bäckergeselle Karl Kroepelin hat ein Auge auf die hübsche Gisela geworfen. Leider hat sie nur Augen für den feschen Finanzbeamten Detlef Düwel, der dummerweise zur Finanzprüfung ins Haus schneit und damit wenig Sympathie bei Heinrich Hintzpeter erweckt. Als sich der lang verschollene Bruder aus Amerika zu Doras 90. Geburtstag anmeldet, scheint die Verwirrung perfekt…!

Klug hat Regisseur Michael Koch das Stück in Maßen aktualisiert und in die 70er Jahre transferiert. Mehr Aktualität wäre dem Stück auch nicht gut bekommen: Heutzutage ist die Schwangerschaft einer unehelichen Frau kein gesellschaftliches Tabu mehr, und Töchter lassen sich nicht vorschreiben, wen sie zu heiraten haben – Familiendynastie hin oder her. So zünden einige Gags auch nur im Hinblick auf die zeitliche Verankerung. Kochs Regie bleibt der Tradition treu, erfreut gleichzeitig mit der einen oder anderen Neudeutung der Rollen und lässt die Protagonisten so herrlich „menscheln“.

Das Ohnsorg-Theater war und ist ein Garant dafür, das wunderbare Volksschauspieler*innen auf der Bühne stehen. Till Huster als „Mann mit Charakter“ grantelt und bärbeißt, lässt unter der rauen Schale aber immer eine Portion Gefühl durchblitzen. Beate Kiupel als Selma leistet sich charmante Auftritte, verteidigt ihre Tochter gluckenhaft, während sie ihrem Ex-Gatten unterhaltsam die Stirn bietet. Eileen Weidel als hübsche Tochter Gisela darf – ganz Kind der 70er – deutlich frecher und selbstbewusster als ihre Rollenvorgängerinnen sein und erfreut mit frischem Spiel. Der Detlef Düwel von Christian Richard Bauer ist ein sympathischer Charmebolzen mit Schalk im Nacken, der sich vom Familien-Patriarch nicht einschüchtern lässt. Robert Eder schafft es, die Figur des Karl Kroepelin nicht zur Karikatur verkommen zu lassen. Lara-Maria Wichels sorgt als Bäckerlehrling Peter für frischen Wind auf der Bühne, und Manfred Bettinger gibt den verschollenen Bruder Fritz Hintzpeter als bigotten Langeweiler.

Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir (brauche ich) ein klein wenig „heile Welt“, in der Herzlichkeit, Familiensinn, das aufeinander Achten und füreinander Dasein im Mittelpunkt steht. Volkstheater im besten Sinne sozusagen…! Während das Boulevardtheater die Komik aus der Übertreibung schöpft, zieht das Volkstheater den Humor aus der scheinbaren Alltäglichkeit und lotet hier die Grenzen der Glaubhaftigkeit aus. Da wird umarmt und gebusselt, der Partnerin ein Haar aus dem Gesicht gestrichen oder dem Partner ein krummer Kragen gerade gerückt – so ganz nebenbei und unaufgeregt, so wie wir es im echten Leben auch tun würden. Die Schauspieler*innen agieren in den stimmigen Kostümen der 70er und in einem wunderschönen Bühnenbild, das mit Liebe zum Detail begeistert: Bei entsprechender Beleuchtung gibt die Rückwand der Wohnstube den Blick in das Ladenlokal der Bäckerei Hintzpeter frei. Das Ohnsorg-Theater ist Volkstheater durch und durch – egal ob mit Wilfried Wroost, William Shakespeare oder Siegried Lenz, egal ob bei Lustspiel, Broadway-Musical oder Klassiker. Denn all dies findet der Zuschauer bei diesem modernen Mundart-Theater.

Dreh- und Angelpunkt dieser Inszenierung ist die wunderbare Heidi Mahler als Dora Hinzpeter: ein überreiches Talent wurde ihr in die Wiege gelegt. Doch der Schatten einer hochtalentierten und über alle Maßen beliebten Mutter kann auch erdrückend sein (Zu Beginn des Stücks schaut die Mütter beinah übermächtig von der Leinwand.). Vielleicht bietet sich ein Vergleich der beiden Heidis an – besonders bei Rollen, die beide verkörpert haben. Vielleicht drängt sich die Erinnerung an die ältere Heidi neben dem Spiel der jüngeren Heidi. Vielleicht…! Nein, kein „Vielleicht…!“. Heidi Mahler feierte in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag, und steht seit über 55 Jahren auf der Bühne. Und so spielt sie die lebenskluge, schlagfertige Dora Hintzpeter anders als ihre Mutter aber nicht weniger „echt“. Und als großes Kompliment für Heide Mahler und dem gesamten Ensembles sei gesagt, dass sich während der gesamten Aufführung kein Gedanke an einen Vergleich in meinen „Bregen“ drängte.

„En Mann mit Charakter“ soll Heidi Mahlers letzte Premiere sein. Ich danke ihr von ganzem Herzen für das Übermaß an Freude, das sie in den vergangenen Jahren in mein Leben gebracht hat!

Foto Mirko Hannemann - public address

Am Premieren-Abend von „En Mann mit Charakter“ erhielt Heidi Mahler von Dr. Christian Breitzke, Vorstand des Vereins Niederdeutsche Bühne e.V. und Vorsitzender des Aufsichtsrats des Ohnsorg-Theaters die Ehrenmitgliedschaft des Ohnsorg-Theaters. Die Ehrenmitgliedschaft ist die höchste Auszeichnung, die das Ohnsorg-Theater zu vergeben hat. Sie würdigt herausragende Persönlichkeiten, deren Bedeutung für das Ohnsorg-Theater außergewöhnlich wichtig, richtungsweisend oder prägend ist. In der 117-jährigen Geschichte des Ohnsorg-Theaters wurde die Ehrenmitgliedschaft zuvor nur viermal verliehen: an Heidi Kabel, Hilde Sicks, Helmuth Kern und Christian Seeler.


Das Ohnsorg Theater spielt diesen plattdeutschen Klassiker nur noch bis Anfang Oktober und geht dann auf Tournee – vielleicht auch in Eurer Nähe.

[Musical] Jerry Herman – Hallo, Dolly! / Ohnsorg Theater Hamburg

Musik und Liedtexte von Jerry Herman / Buch von Michael Stewart / nach „The Matchmaker“ von Thornton Wilder / Deutsch von Robert Gilbert / Plattdeutsch von Hartmut Cyriacks und Peter Nissen

Premiere: 27. Mai 2018 / besuchte Vorstellung: 29. Juni 2018 / Ohnsorg Theater Hamburg


Musikalische Leitung & Einstudierung: Stefan Hiller
Inszenierung & Kostüme: Frank Thannhäuser
Choreographie: Jessica Neumann

Bühne: Katrin Reimers


Auch wenn dieses „Kulturelle Kunterbunt“ nun schon ein ½ Jahr zurück liegt und auch nicht mehr am besagten Theater gespielt wird, so war es doch einer meiner schönsten Musical-Momente, den ich bisher erleben durfte und der hiermit nicht in Vergessenheit geraten soll:

Es gab…

…kein schwebendes Kindermädchen, keinen herabstürzenden Kronleuchter, keinen fliegenden Teppich,…

…keine Modernisierung, kein Regie-Schnickschnack, keine spektakuläre Bühnentechnik,…

…und trotzdem saß ich rundum glücklich im Zuschauerraum, habe gelacht und geweint und fühlte meine Seele gestreichelt.

Das Ohnsorg Theater brachte in der Regie von Frank Thannhäuser diesen Musical-Klassiker zum Glänzen…

…in einem wandlungsfähigen und liebevoll-detailreichen Bühnenbild incl. traumhafter Kostüme,…

…mit der plattdeutschen Sprache, die sich harmonisch in die Dialoge und um die Songtexte schmiegte,

…und dank eines wunderbaren und perfekt aufeinander eingespielten Ensembles (angeführt von der einzigartigen Sandra Keck in der Titel-Rolle, komplettiert mit den Talenten von Till Huster, Christian Richard Bauer, Christin Deuker, Markus Gillich, Tanja Bahmani, Beate Kiupel u.v.m. ), das uns DAS zeigte, was in mancher großen Produktion leider allzu oft hinter der Perfektion verschwindet – ganz viel HERZ! 💖

Wir haben das Theater mit einem wohligen Gefühl im Bauch und mit einem Lied auf den Lippen verlassen – beglückt, beseelt und überreichlich beschenkt!

Vielen, herzlichen Dank!

Hallo-Dolly.jpg
Foto: Sinje Hasheider

Das Ohnsorg Theater ist immer für eine Überraschung gut: Plattdeutsch ist alles andere als platt!