[Rezension] Siegfried Lenz – Der Ostertisch/ mit Illustrationen von Jacky Gleich

Ein Schrei tönt über das Deck des Schleppkahns von Alec Puch und lässt dessen drei Söhne Sybba, Schissomir und Quaken, benannt nach den masurischen Ortschaften in denen sie zur Welt kamen, erst aus dem Schlaf und dann aus den Hängematten schrecken. Ihr Vater steht weinend an Deck: Ostern naht und noch nichts ist für den Ostertisch parat. Wenn sie da nicht schleunigst Abhilfe schaffen, wird das Osterlamm sich mit seinem Erscheinen wohl ebenfalls Zeit lassen. Doch der schöne und prachtvolle Alec Puch ist ein wahrer Stratege und hat schon so einiges zustande gebracht – und damit sind nicht nur seine schönen und prachtvollen Söhne von drei ebenso schönen und prachtvollen Frauen gemeint. Und so machen sie sich auf den Weg ins nahe gelegene Örtchen und schlawinern sich die Zutaten für ihr Ostermahl zusammen: Stehlen könnte man es nicht nennen, vielmehr handelt es sich um eine Umverteilung der Güter. Doch zurück auf dem Kahn geht Papa Puchs Klagen von vorne los, denn was wäre ein richtiger Ostertisch ohne Ostergäste. So strömen die Knaben wieder in dem Örtchen aus, um Einladungen auszusprechen. Viele können nicht kommen, da schon andere Verpflichtungen sie vereinnahmen. Und die drei Gäste, die erscheinen, sind justemang die, denen Puch und seine Racker um die Leckereien für ihren Ostertisch erleichtert haben. Doch noch bevor die feierliche Stimmung kippt, steht plötzlich ein weißes, unschuldiges Lamm am Ufer des Flusses. Wer mag da nicht an ein friedvolles Wunder glauben…!

Wie schon in Das Wunder von Striegeldorf lässt Lenz auch hier den Flair seiner ostpreußischen Heimat wiederaufleben und zeichnet seine Figuren voller liebenswerten Witz. Der Hallodri Alec Puch steht dabei so einnehmend sympathisch im Mittelpunkt des Geschehens und amüsiert mit seinen kruden Ideen und seinem unkonventionellen Handeln. Dabei bringt er seinen drei Söhnen so viel Herzenswärme und Liebe entgegen, dass man ihm so manche Unzulänglichkeit verzeiht. Und auch die drei diebischen Knaben sind so schelmisch porträtiert, dass man ihnen einfach nicht böse sein kann. Haben sie doch alle gemein, dass sie das Herz am rechten Fleck tragen und uns so durch ihren Charme bezaubern.

Jacky Gleichs Illustrationen greifen den Ton der Erzählung gut auf, karikieren die Dorfbewohner amüsant und gefallen mir besonders in der Darstellung des Vaters und seiner Söhne.

Bei so viel entzückender Naivität erscheint das Lamm als Symbol für Reinheit sehr passend. Gleichzeitig gilt es allerdings auch als Symbol des Lebens und steht für Christis Auferstehung zu Ostern, der sich für die Menschheit geopfert und diese von ihren Sünden erlöst hat. Und so scheint es mir beinah, als würde mit dem Erscheinen des Lamms auch der Held in unserer Geschichte von seinen Sünden freigesprochen werden. Er hätte es verdient.

Beinah beiläufig flicht Lenz die Auferstehungsgeschichte mit dezenter Symbolik in sein Werk ein und präsentiert sich wieder als ein hinreißender Märchenerzähler.


erschienen bei Hoffmann und Campe/ ISBN: 978-3455013313

Neues Jahr, neues Glück, neue Ideen…

…wohl eher nicht! Eher ist es ein erleichtertes Aufatmen, dass das letzte Jahr nun der Vergangenheit angehört. Wobei es sich hierbei wohl eher um eine kurze Verschnaufpause handelt, da seine Auswirkungen noch weit in dieses Neue Jahr hinein reichen werden! Doch wir sind nun einen großen Schritt weiter als noch vor zwölf Monaten, die Impfungen haben begonnen, und so bin ich frohen Mutes…!!

Manchmal ist es sehr interessant, einen Blick auf vergangene Beiträge zu werfen. Der obige Text war übrigens die Eröffnung zu meinem Jahresausblick vor genau einem Jahr. Und: Hat sich etwas verändert? Nein! Es klingt irgendwie alles erschreckend aktuell.

Noch ist das Neue Jahr 2022 frisch und neu und unberührt! Wir dürfen gespannt sein, wie es sich entwickelt. Mein Blog ist schon seit Langem nichts mehr von alledem – weder neu noch unberührt. Und momentan kann ich Euch auch keine Frische versprechen. Vorerst wird es hier in gewohnten Bahnen weitergehen mit der Hoffnung, dass im Laufe des Jahres aus mir die Ideen nur so heraussprudeln, voller Elan umgesetzt werden und für die besagte Frische auf meinem Blog sorgen.

Dafür offenbarte mir ein Blick in die Frühjahrsvorschauen der Verlage „Erschreckendes“: Ich glaube, selten haben so viele Bücher mein Interesse geweckt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass in meiner Auswahl – obwohl ich mir viele, viele Vorschauen angesehen habe – sowohl liebgewonnene Autoren als auch von mir geschätzte Verlage wiederholt auftauchen. Somit gibt es auch dort nur wenig „Frisches“ zu entdecken. Aber – Hey! – haben wir nicht alle unsere kleinen Lieblinge?


Selbstverständlich wird Kulturelles Kunterbunt weiterhin von mir mit Enthusiasmus gefüttert werden, und auch hier findet man die üblichen Verdächtigen: Ich bin eben so ’ne treue Seele! Und ich hoffe inständig, dass bei einer Verschärfung der Corona-Maßnahmen die kulturellen Einrichtungen nicht betroffen sind.


Doch am wichtigsten und mir am wertvollsten sind die vielfältigen Begegnungen mit lieben Menschen, die ganz sicher auch im Jahr 2022 stattfinden werden! Diese Begegnungen – in welcher Form auch immer – genieße ich sehr: das Telefonat mit einer Freundin, ein Chat auf einem meiner Social-Media-Kanäle, ein Lächeln an der Supermarktkasse, Lachen mit Kolleg*innen, Klönen mit Nachbarn über’n Gartenzaun – nur Kleinigkeiten und doch so wichtig! Dies alles lässt unsere Welt ein klein wenig wärmer, ein klein wenig menschlicher werden. Dafür bin ich sehr dankbar!

Bleibt bitte ALLE gesund!

F R O H E S   N E U E S   J A H R

Liebe Grüße
Andreas