[Rezension] Melanie Raabe – DAS JAHR DER WUNDER/ mit Illustrationen von Rumi Benecke

365 schöne, kreative und inspirierende Ideen für mehr Freude und Leichtigkeit

Ich las den Untertitel dieses Buches und verdrehte die Augen. „Ach, herrje, das klingt aber sehr esoterisch angehaucht!“ dachte ich und wusste, ich würde ein solches Buch im Normalfall nie und nimmer in die Hand nehmen. Bei DAS JAHR DER WUNDER machte ich die berühmte Ausnahme von der Regel. Ich schätze Melanie Raabe sehr und durfte sie bereits bei Lesungen erleben. Darum ahnte (bzw. hoffte) ich, dass der Hauch der Esoterik nur in homöopathischen Dosen bei ihrem neusten Werk zum Einsatz käme. Zumal mir bereits ihr Buch KREATIVITÄT. Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht durchaus gefallen hat.

Dort wie hier zeigt sich Melanie Raabe als sympathische Impuls-Geberin, und ich gewann bei der Lektüre den Eindruck, dass sie auch mehr nicht sein möchte. Lehrmeisterhafte Attitüden gehen ihr völlig ab. Ihre 365 Ideen für DAS JAHR DER WUNDER formiert sie unter den folgenden 12 Überschriften: INSPIRATION, LEICHTIGKEIT, FREUDE, EINFACHHEIT, EMPFINDSAMKEIT, STILLE, FREUNDLICHKEIT, SPIEL, MUT, STIL, BEWEGUNG und SPASS.

Zu jeder Überschrift schenkt uns die Autorin eine fein abgestimmte, sehr persönliche Einleitung, die sie mit einer Definition wie aus einem Wörterbuch zur jeweiligen Überschrift beginnt. Sie arbeitet in wunderbaren Bildern und charmanten Metaphern, die so den Zugang zu den nachfolgenden Ideen erleichtern. Dabei verlangt sie von mir keinen Kraftakt bei der Realisierung – höchstens ein klitzekleines Maß an Überwindung. Aus der Fülle ihrer Impulse gibt es nicht einen einzigen, der nicht umsetzbar wäre. Somit würde sie eine Ausrede wie „Das ist nicht zu schaffen!“ ad absurdum führen. Es ist zu schaffen – für mich, für dich, für jeden!

Bereits beim ersten Lesen hatte ich für jede Rubrik gleich mehrere Impulse für mich entdeckt und merkte bei der Umsetzung, dass diese – je nach Impuls – zwar durchaus (wie bereits erwähnt) ein wenig Überwindung kosten könnten aber keine unüberwindbare Herausforderung darstellten. Vielmehr war ich bei der Umsetzung mit Begeisterung am Werke und freute mich, wenn es gelungen war. Zum besseren Verständnis verrate ich euch zu jeder Überschrift einen meiner favorisierten Impulse:

  • INSPIRATION / Idee (3) Erstelle eine Liste der Dinge, die du als Kind gerne gemacht hast.
  • LEICHTIGKEIT / Idee (43) Betrachte die Wolken, wie du es vielleicht als Kind getan hast. Welche Formen haben sie? Siehst du Tiere? Gesichter? Etwas anderes?
  • FREUDE / Idee (62) Geh heute Abend, wenn sich die Spielplätze ein bisschen gelehrt haben, eine Runde schaukeln.
  • EINFACHHEIT / Idee (98) Lerne ein Gedicht auswendig, und sage es für jemanden auf (Es ist okay, wenn es kurz ist.)
  • EMPFINDSAMKEIT / Idee (142) Schreibe deinem zukünftigen Ich einen Brief und lies ihn in einem Jahr.
  • STILLE / Idee (152) Langweile dich mit voller Absicht.
  • FREUNDLICHKEIT / Idee (184) Setze ein Buch aus. Leg eine nette Notiz für die Finderin oder den Finder hinein.
  • SPIEL / Idee (216) Übe dich in Vorfreude wie ein Kind. Finde Dinge in der Zukunft, auf die du dich freuen kannst, und zelebriere sie.
  • MUT / Idee (256) Beantworte die Frage: Was ist das Interessanteste, was dir jemals passiert ist?
  • STIL / Idee (299) Hole heute dein bestes Geschirr und die guten Servietten heraus und richte dein einfaches Gericht edel und extravagant an.
  • BEWEGUNG / Idee (326) Schreibe eine Radieschenliste. Auf dieser Liste stehen die Dinge, die du tun willst, bevor du die Radieschen von unten betrachtest. Nimm etwas davon in Angriff.
  • SPASS / Idee (363) Schreibe lauter witzige Tätigkeiten auf kleine Zettel, falte sie und stecke sie in ein Glas. Immer, wenn dir langweilig ist, ziehe einen der Zettel.

Hierbei geht es der Autorin nicht um die machtvolle, allumfassende Veränderung, vielmehr sind es gerade die kleinen Impulse, die oftmals eine große Wirkung zeigen, indem sie meinen persönlichen Blickwinkel verändern und so das Leben bereichern.

Melanie Raabe schenkte mir ein Buch, das ich nur allzu gerne zur Hand nahm, um in ihm zu blättern – auch dank der geschmackvollen Gestaltung durch Rumi Benecke. Doch es wird nicht bei diesem einmaligen Blättern bleiben: Vielmehr wird mich dieses Buch unterstützen, dass aus jedem Jahr ein JAHR DER WUNDER werden kann.


erschienen bei btb / ISBN: 978-3442759583
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Ute Woltron – HEUTE NICHT, ICH HAB MIGRÄNE

„Heute nicht, Schatz, ich habe Migräne!“ Wer kennt ihn nicht, diesen Altherrenwitz aus der Mottenkiste des schlechten Humors. Es ist erschreckend, dass sich solche Bilder nach wie vor fest in den Köpfen Nichtbetroffener festgesetzt haben. Doch welche Botschaft versteckt sich hinter einem solchen „Witz“? Bedeutung: Migräne ist ein Leiden, von dem vornehmlich sexuell unbefriedigte wenn nicht sogar frigide Frauen betroffen sind. „Solche Weiber müssten mal so richtig…!“ sind sich die Herr(lichkeit)en mancher Stammtischrunden einig. Im Umkehrschluss stelle ich mir als Mann, der unter Migräne leidet, natürlich folgende Frage „Was müsste ich mal so richtig…, damit die Migräne wie durch Zauberhand von mir abfällt?“

Autorin Ute Woltron weiß, wovon sie schreibt. Hat sie doch, wie viele von uns, die betroffen sind, alle dummen Witze, ungewollten Ratschläge und jegliche Reaktionen von Unverständnis im Laufe ihrer „Migräne-Karriere“ selbst erleben oder vielmehr erdulden müssen. Was musste ich mir im Laufe der 25 Jahre, in denen dieser Untermieter, den ich nie haben wollte, bei mir eingezogen ist, schon alles anhören. Jedes mögliche (und auch unmögliche) Thema fand Erwähnung und war Ursache und Lösung zugleich: Ernährung, Schlaf, Sex, Stress, Sport und Bewegung, Chakren, Körpersäfte undnochvielesmehr – entweder hatte/machte ich zuviel oder zuwenig, und prinzipiell war irgendetwas davon nicht in der Balance. Besonders liebe ich die Aussagen ohne jeglichen Nährwert: „Du machst dir einfach zu viele Gedanken!“ Danke, sechs, setzen! Wenn es wirklich einfach wäre, dann hätte ich es längst geändert.

Ausgenommen davon sind die Tipps und Hinweise, die ich von anderen Betroffenen erhalten habe: Hier sprachen wir auf Augenhöhe miteinander. Und so manches Mal half ein verständnisvoller Blick und ein wissendes Nicken so viel mehr und schenkte mir Trost.

Die Autorin schafft es wunderbar, eigenes Erleben mit wissenschaftlichen Fakten und Zahlen zu vermischen. Sie vergisst dabei auch nicht, eine Prise Humor einzustreuen – manchmal ist es auch Ironie, und hin und wieder meinte ich wahrzunehmen, dass in ihren Worten auch ein sarkastischer Unterton mitschwang. Bei dem, was sie durchleben und erleiden musste, ist dies absolut nachvollziehbar und verständlich.

Jede Migräne ist ebenso einzigartig, wie der Mensch, der von ihr betroffen ist. Doch es gibt viele Parallelen, und ich konnte mich oft in den Worten der Autorin wiederfinden. Auch die Zahlen, wie viele betroffene Menschen es weltweit gibt, haben mich sehr erstaunt. Diese Dimension nimmt durchaus Einfluss auf die Produktivität einer Bevölkerung. Umso verwunderlicher, dass dieser Umstand weiterhin noch viel zu wenig Beachtung erfährt.

Dass Frauen und Männer verschieden ticken und ihre Körper unterschiedlich „funktionieren“, sollte hinlänglich bekannt sein. Entsprechend variiert auch die Ausprägung der Migräne bei den Geschlechtern. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, weshalb Migräne oftmals als reines Frauenleiden abgetan wird. So ganz von diesem gängigen Vorurteil konnte sich anscheinend auch der Verlag dieses Buches nicht freimachen: Wenn ich mir das Design und die Farbgebung des Umschlags anschaue, scheint hier eher eine weibliche Leserschaft angesprochen zu werden. Schade, da hätte ich mir ein wenig mehr Diversität in der Gestaltung gewünscht.

Doch ehrlich gesagt, achte ich bei einem Sachbuch viel mehr auf den Inhalt als auf die Verpackung. Hier liefert Ute Woltron in knappen, doch nie oberflächlichen Kapiteln eine Auswahl an vielfältigen Informationen, von denen sich jede*r wie an einem Buffet bedienen und so seinen persönlichen Teller an „Leckereien“ zusammenstellen kann. Da finden Trigger, die Auslöser einer Migräne, ebenso Erwähnung wie die Möglichkeiten der medikamentösen Therapie. Gerade hier hat sich in den vergangenen Jahres einiges getan, wie am geschichtlichen Exkurs verdeutlicht wird. Auch die Variationen in der Ausprägung der Migräne (mit Aura, ohne Aura etc.) werden verständlich geschildert. Als kulturell interessierter Mensch fesselte mich das Kapitel über Künstler, die angeblich unter Migräne litten, und wo vermutet wird, dass dieser Umstand Einfluss auf ihre Kunst nahm.

Doch besonders ihr Appell, die wenige Zeit (ohne Migräne) zu nutzen, traf bei mir auf offene Ohren. Ich empfinde die Tage unter Migräne immer, als würde mir wertvolle Lebenszeit gestohlen werden. Wie oft konnte ich inspirierende Theater- und Konzertabende nicht wahrnehmen? Wie oft musste ich gesellige Treffen mit lieben Menschen absagen? Wie oft…? Zu oft!

So nehme ich aus der Lektüre dieses Buches nicht nur eine Fülle an Informationen mit. Vielmehr fühle ich mich bestätigt und gesehen. Unter Migräne zu leiden, kann sehr einsam machen, da ist es schön zu wissen, dass ich nicht alleine bin.

NACHTRAG Auf der Homepage von Ute Woltron findet man – neben vielen wunderbaren Beiträgen – sogar eine MIGRÄNE-TRACKLIST mit Songs, die die Autorin durch die guten und die weniger guten Tage des Lebens begleitet haben. Dazu schreibt sie: „Die besten Tracklists sind die eigenen. Hauptsache, man hat eine.“

Habt ihr eine Tracklist? Ich habe eine – schon lange!


erschienen bei ecoWING (Benevento) / ISBN: 978-3711003713
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] James Norbury – DIE KATZE, DIE NACH WEISHEIT SUCHT

James Norbury ist Künstler, Illustrator und Schriftsteller, der sich mit Spiritualität, insbesondere dem Buddhismus beschäftig. Er schöpft hieraus seine Ideen und Sichtweisen auf das Leben, die er in seinen Texten einfließen lässt. Bei seinen Illustrationen arbeitet er bevorzugt mit schwarzer Tinte, Pinsel und Wasserfarben und lässt sich durch Arbeit von Zen-Malern, Mangaka- und Ukiyo-e-Künstlern inspirieren. So entstehen seine Bilder sehr intuitiv, fallen in keiner Weise einer Bearbeitung „zum Opfer“, sondern bleiben in ihrer Originalität erhalten.

Er lebt mit seiner Frau und sieben (!) Katzen in Wales, England. Da liegt die Vermutung nah, dass seine tierischen Hausgenossen die Vorbilder für die Haupt-Charaktere seiner neusten Geschichte waren.

Dies ist die Geschichte einer Katze, die nach Frieden, innerer Ruhe und einem Sinn im Leben sucht. Eines Tages erfährt sie von einer sagenumwobenen alten Kiefer. Unter dem Schutz ihrer Äste, so heißt es, lässt sich unendliche Weisheit erlangen. Die Katze begibt sich auf die Reise, und unterwegs trifft sie eine Reihe von Tieren, die alle ihre eigene Geschichte haben: einen sorgenvollen Affen, eine Schildkröte, die ihren Lebensmut verloren hat, einen Tiger, der mit seiner Wut kämpft, ein verwirrtes Wolfsjunges und eine begehrliche Krähe. Aber erst die unerwartete Begegnung mit einem Katzenjungen wird sie zwingen, alle Gewissheiten infrage zu stellen.

(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Eine Geschichte, in der sich der Hauptcharakter auf eine Wanderschaft begibt, auf diesem Weg etliche skurrile Gestalten begegnet, die ihm alle Schritt für Schritt der inneren Läuterung näher bringen, die dabei noch Denkanstöße für die Leserschaft parat hält, dies in einer poetischen Sprache verpackt und mit Illustrationen des Autors schmückt,…!

Hm? Gab es so etwas nicht schon einmal?

Ich bitte um Entschuldigung, aber der Vergleich mit DER KLEINE PRINZ von Antoine de Saint-Exupéry sollte erlaubt sein. Nun ist Saint-Exupérys entzückende Geschichte voller Zauber und Poesie und völlig zurecht ein literarischer Dauerbrenner. Ob DIE KATZE, DIE NACH WEISHEIT SUCHT diesen Status einmal erreichen wird, möchte ich nicht beurteilen.

Bei seiner Erzählung bezieht sich James Norbury auf die traditionellen Zen-Geschichten und verwebt diese mit seiner Handlung. Nun sind die darin enthaltenen Lebensweisheiten nicht unbedingt revolutionär neu, womit mein Erkenntnisgewinn auch eher überschaubar ausfiel. Doch Norbury überzeugte mich mit seinem erholsam ruhigen Erzählton: Die Lektüre war beinah meditativ. Und zugegeben: Auch wenn die enthaltenen Weisheiten beinah simple erscheinen, wissen wir doch alle, dass deren Umsetzung in den Alltag die wahre Herausforderung darstellt. So war ich dankbar für die Impulse und Denkanstöße, die Augenblicke im Leben als einzigartige Chancen zu betrachten und sowohl neuen Begegnungen wie auch Herausforderungen aufgeschlossen zu sein.

Die Illustrationen sind deutlich von der fernöstlichen Malerei beeinflusst und passen mit ihrer harmonischen wie auch reduzierten Farbgebung ganz wunderbar zum ruhigen Erzählton der Geschichte.

So kommt dieses charmante Büchlein ebenso sanft und leichtfüßig daher, wie eine Katze, die sich auf leisen Pfoten fortbewegt, und schenkte mir als Leser erholsame Momente der Ruhe.


erschienen bei Wunderraum / ISBN: 978-3442317639 / in der Übersetzung von Sibylle Schmidt
Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!

[Rezension] Melanie Raabe – KREATIVITÄT. Wie sie uns mutiger, glücklicher und stärker macht

„Hach, ihr schwulen Männer, ihr könnt ja so gut zuhören, seid so emphatisch und so unglaublich kreativ…!“ Ich bin mir sicher, dass ich nicht der einzige schwule Mann bin, der im Laufe seines Lebens eine dem ersten Anschein nach wohlmeinende Lobeshymne über sich ergehen lassen musste. Dabei fühlte ich mich bei diesen Worten nie geschmeichelt, vielmehr wurde tief in die Klischee-Kiste gegriffen, und es versteckt sich hinter diesen Worten eher eine verkappte Diskriminierung. Denn ich konnte nie begreifen, warum mich meine sexuelle Orientierung für die oben genannten Attribute per se prädestinieren sollte. Ja, es gibt durchaus Bereiche in meinem Leben, in denen ich unglaublich kreativ bin. Aber Kreativität ist ja nicht unbedingt angeboren – im Sinne von: entweder ein Mensch besitzt sie oder eben nicht. Kreativität ist für mich eher etwas, dass gehegt, gepflegt und sich dadurch entwickeln kann. Häufig blockiere ich mich selbst, indem ich mir vorgaukle, ich bräuchte für die Kreativität mehr Zeit, Raum, Geld, Luft, Liebe etc. Doch allzu oft benötigt die Kreativität nur einen kleinen Impuls, um ans Tageslicht zu gelangen.

Melanie Raabe ist eine dieser Menschen, die so unglaublich kreativ sind – und dabei ist sie gar nicht schwul! Doch auch sie wird – wie wir alle – von Günther, dem inneren Schweinehund, ausgebremst, der ihr warnend die evtl. möglichen Konsequenzen ihres Tuns ins Ohr flüstert und uns somit durch unsere Ängste manipuliert. Melanie Raabe legt uns mit ihrem ersten Sachbuch ein Mutmachendes Plädoyer in die Hände, das uns befähigt, Günther vielleicht nicht gänzlich verstummen zu lassen, aber wenigstens dröhnt seine Stimme nicht mehr ganz so laut in unseren Ohren.

Wenn wir alle Tipps der 7 Kapitel befolgen, werden wir die „vollkommende Kreativität“ erlangen…! Nein, natürlich nicht: Melanie Raabe verspricht nichts Unmögliches. Vielmehr lässt sie uns an ihrem eigenen kreativen Prozessen teilhaben, plaudert sozusagen aus dem Nähkästchen der eigenen Schaffensperioden, die durchaus auch Stagnation erleben und würzt ihre Thesen mit entsprechenden Zitaten bzw. Hinweise auf Personen und Bücher, die sie inspiriert haben (die jeweiligen Quellen sind im Anhang des Buches zu finden). Dabei geht sie in ihrem Aufbau des Buches sehr organisch vor: Nachdem sie versucht, eine Definition für „Kreativität“ zu finden, ermutigt sie uns, die eigene Kreativität wachzurütteln. Ist diese Kreativität erst in uns erwacht, braucht sie Dünger, um weiter blühen zu können. Doch so wie wir wissen, was uns kreativ werden lässt, ist es ebenso wichtig zu wissen, was uns hemmen kann. Aber auch beruflich kann kreatives Arbeiten genutzt werden. Häufig wird Kreativität in Zusammenhang mit einem künstlerischen Ausdruck gesehen: Im letzten Kapitel offenbart uns die Autorin, dass Kreativität unser Leben auch im schnöden Alltag bereichert.

In ihren Texten spricht die Autorin ihre Leserschaft (m/w/d) sehr neutral doch durchaus persönlich an und macht damit deutlich, dass dies ein Buch für alle Menschen unabhängig ihrer Geschlechtsidentität ist. Darum verwunderte mich die grafische Gestaltung dieses Buches, und ich kann nur vermuten, dass dies einem Kompromiss der Autorin mit dem Verlag geschuldet ist: Weiblich anmutende Figuren tummeln sich verspielt über die Seiten und frönen vornehmlich Hobbies wie Malen, Backen oder Stricken. Die Optik wirkt auf mich eher bieder. Da hätte ich mir – neben dem Mut zur Kreativität 😉 – ein wenig mehr an Diversität gewünscht!

Dem Spaß an der Lektüre tut dies kein Abbruch: Melanie Raabe ist ein unterhaltsames Sachbuch gelungen, das – im launigen Plauderton einer Freundin gehalten – nicht überfordert sondern durchaus auf mich inspirierend wirkte.

Und so favorisiere ich besonders ihre Taktik der „kleinen Schritte“, die ich mit einem Zitat aus dem Buch veranschaulichen möchte:

Wenn ich nach Lesungen aus meinen Romanen am Signiertisch sitze, komme ich häufig mit Leuten ins Gespräch, die auch gerne einmal ein Buch schreiben würden. Ich sage dann immer dasselbe: „Bitte tun Sie es doch einfach! Wenn Sie es nicht wenigstens versuchen, bereuen Sie es vielleicht irgendwann!“ Häufig antwortet man mir dann, dass die nötige Zeit einfach nicht da sei. Ich rate dann immer, ganz kleine Schritte zu machen. Sich jeden Tag eine Stunde zu nehmen. Und wenn das nicht geht, eine halbe. Ich feilsche. „Fünfzehn Minuten! Zehn! Fünf?“ Oft höre ich dann eine Variation dieser Antwort: „Nur fünf Minuten am Tag? Wissen Sie, wie alt ich sein werde, wenn ich dann mit meinem Buch fertig bin?“ Ja, das weiß ich. Genauso alt, wie Sie sein werden, wenn Sie es nicht tun.

Ich versuche mich an meiner ganz eigenen und persönlichen Kreativität, denn ich möchte später nichts bereuen!

Lust auf eine weitere Meinung? Dann empfehle ich Euch die Rezension meiner Blogger-Kollegin Kim von „Populär Kollektiv“. 


erschienen bei btb/ ISBN: 978-3442758920

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!