
Schlagwort: Simon Röthlisberger
[Rezension] Rebecca Gugger & Simon Röthlisberger – DIE FABELHAFTE GESCHICHTE VON HERRN LEOPOLD, DER SCHWEBEN KONNTE
Es gibt sie, diese Menschen, die ein einzigartiges Talent besitzen, gar reichlich von der Muse geküsst oder mit Genialität überschüttet wurden. Es gibt sie, diese Menschen, die vor Sex-Appeal sprühen, mit Charisma für sich einnehmen oder besondere mentale wie physische Merkmale ihr Eigen nennen.
Es sind Menschen, die absolut außergewöhnlich sind und so von der Norm abweichen, dass sie andere Menschen, die weniger mit Außergewöhnlichem bedacht wurden bzw. ihre ganz eigene Außergewöhnlichkeit für sich noch nicht entdeckt haben, verunsichern, ja, wenn nicht sogar ängstigen können. Auch kann hierbei durchaus Neid und Missgunst eine Antriebsfeder für deren weiteres Verhalten sein. Diese bemitleidenswerten Menschen erkennen das Außergewöhnliche nicht als ein Zugewinn für ihr Leben. Vielmehr wird es als Gefahr betrachtet, da die eigene Mittelmäßigkeit umso deutlicher in den Vordergrund tritt.
Ich persönlich liebe außergewöhnliche Menschen, da ich mich an ihrer Außergewöhnlichkeit erfreuen und vieles lernen kann. Für mich stellt der Austausch mit diesen außergewöhnlichen Menschen eine enorme Bereicherung für mein Leben dar und eröffnet mir unbekannte und spannende Welten, die mir sonst im Verborgenen geblieben wären.
DIE FABELHAFTE GESCHICHTE VON HERRN LEOPOLD, DER SCHWEBEN KONNTE hebt das Besondere an einem Menschen hervor, feiert die Vielfältigkeit und macht Mut, den eigenen Talenten zu vertrauen.
Herr Leopold konnte schweben – und das schon seit seiner Geburt. Niemand hatte dafür eine Erklärung, nicht einmal die Schwebe-Forscher und -Forscherinnen. Leopold störte das nicht, doch die anderen fanden: Schweben ist nichts für Menschen! Da bemühte er sich, am Boden zu bleiben. Um auf Nummer sicher zu gehen, hängte man ihm auch allerlei Gepäck um. So kam Leopold eines Tages wirklich die Leichtigkeit abhanden. Bis, ja bis er die kleine Mathilda traf und sich wieder an die Unbeschwertheit und seine besondere Fähigkeit erinnerte.
(Inhaltsangabe der Homepage des Verlages entnommen!)

Das erfolgreiche Erzähler-Duo Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger haben wieder zugeschlagen, indem sie ihre Talente abermals gar wunderbar bündelten, um eine außergewöhnliche Geschichte zu kreieren.
(Das Wort „außergewöhnlich“ wird in dieser Rezension sicherlich noch häufiger auftauchen!)
Denn so vieles ist an dieser Geschichte wahrlich außergewöhnlich. Da ist zum einen unser Held, der älterer Herr Leopold, dem mit jedem Jahr, das er älter wurde, immer mehr von seiner außergewöhnlichen Fähigkeit abhandenkam. Die Leichtigkeit ging ihm verloren, und so nimmt die mentale Gesundheit Einfluss auf das sehr eigene, höchst individuelle Befinden. Doch manchmal braucht es nur einen Anstoß von außen, um sich zu erinnern. Es muss nichts Großes sein. Da reicht es völlig, wenn die kleine Mathilda an ihm vorbeischwebt, um ihn daran zu erinnern, welche außergewöhnliche Fähigkeit er mal besessen hatte. Es ist nie zu spät, diese verschütteten Talente aus dem tiefsten Keller der Erinnerungen wieder ans Tageslicht zu befördern, und – vor allem – man ist nie zu alt, um sich an diesen Talenten zu erfreuen. Denn genau sie sind es, die die Würze in die Suppe des Lebens bringen und sie wahrhaft schmackhaft macht.
Auch die Illustrationen sind so wunderbar außergewöhnlich, indem sie eine bezaubernde Leichtigkeit ausstrahlen. Sie sind so beschwingt und amüsieren mit ihren skurrilen Typen und einer Vielzahl an witzigen Ideen und liebevollen Details. Der positive Eindruck wird durch die geschmackvolle, fein abgestimmte Farbgebung der Illustrationen noch unterstrichen, die alles ordinär Plakative tunlichst vermeidet.
Rebecca Gugger und Simon Röthlisberger schenkten ihren kleinen und großen Fans eine warmherzige Geschichte voller Humor, die mit zarter Melancholie bestäubt wurde und sie so aufs Schönste verfeinerte und zum Funkeln brachte.
