MONTAGSFRAGE #72: Was ist das älteste Buch, das ihr je gelesen habt?

Es ist nur eine schlichte Frage, und doch nicht so einfach zu beantworten.

Da könnte ich mich ganz gelassen zurücklehnen und auf die schon in der Montagsfrage der letzten Woche erwähnten Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm verweisen. Schließlich wurde deren erster Band bereits im Jahre 1812 veröffentlicht. Aber „einfach“ könnte ja jeder…! So krame ich tiefer in der Kommode meiner Erinnerung in der Hoffnung, dass nicht allzu viele Schubladen klemmen.

Vor genau hundert Jahren erblickte das Erstlingswerk einer jungen aufstrebenden Autorin das Licht der Öffentlichkeit, nichtsahnend, dass hier die zukünftige „Queen of Crime“ einen ihrer erfolgreichsten Detektive ins Rennen schickt: 1920 war das Geburtsjahr von Hercule Poirot, der mit „Das fehlende Glied in der Kette“ seinen Einstand gab. Selbstverständlich wurde vor ein paar Jahren meine wiederentdeckte Liebe zu Agatha Christie mit der Lektüre eben dieses Krimis neu entfacht.

Eine der ersten Sherlock-Holmes-Geschichten, die ich je gelesen habe, war „Der Hund von Baskerville“, die im Jahre 1902 erschienen ist und sicherlich als eine der erfolgreichsten Werke von Sir Arthur Conan Doyle gelten darf. Im Laufe der Jahre habe ich diese spannende Geschichte nicht nur unzählige Male gelesen, auch die vielfältigen Film- und TV-Adaptionen fanden mein Interesse, und sogar eine gelungene Bühnenadaption schenkte mir spannende Unterhaltung.

1977 flimmerten die ersten Folgen der Zeichentrickserie „Heidi“ über die Mattscheibe, und ich wurde ein bekennender Fan. So fand auch das literarische Vorbild von der Autorin Johanna Spyri, das beinah 100 Jahre zuvor (1879) veröffentlicht wurde, schnell Eingang in meinem Kinderzimmer. Zudem handelte es sich hierbei um die Kinderbuchausgabe meiner Mutter aus den 40er Jahren. Doch leider hat dieses Exemplar die div. Umzüge nicht überlebt!

Im September 2018 wagte ich mich doch tatsächlich an Dante Alighieris „Die göttliche Komödie“, die er erst kurz vor seinem Tod im Jahre 1321 vollendete. Dieses Werk wird gerne von mir als meine „literarische Lebensaufgabe“ bezeichnet, und damit habe ich wahrlich nicht übertrieben. Dieses Werk ist alles andere als „leichte Kost“. Ganz im Gegenteil: Es liegt eher schwer im Magen oder auf dem Magen – je nachdem, wie ich den seitenstarken Schinken bei der Lektüre positioniere.

…und welche antiken Leseschätze habt Ihr in Eurer Erinnerungskommode versteckt?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Rezension] Dante Alighieri – Die göttliche Komödie

Uih! Ich fürchte, dies wird meine literarische Lebensaufgabe…

Kennen Sie das auch? Sie haben schon mal etwas von einem Werk gehört? Zu mindestens der Titel kam ihnen bekannt vor? Auch den Namen des Autors haben sie irgendwo schon mal gelesen? So erging es mir mit diesem Klassiker der italienischen Literatur.

Völlig spontan und naiv und ohne jegliches Hintergrundwissen habe ich mir dieses Werk als Rezensions-Exemplar zusenden lassen. Nun halte ich dieses stramme Exemplar in meinen Händen, blättere ehrfürchtig in den 1200 Seiten und habe das Gefühl, ich bin zu ihm gekommen wie die sprichwörtliche Jungfrau zum Kind,…

…und schon sind wir mitten in Dantes „Divina Commedia“: Unterteilt in die Abschnitte Inferno (Die Hölle), Purgatorio (Der Läuterungsberg) und Paradiso (Das Paradies) handelt es von den Erlebnissen des Dichters Dante, der sich auf einer Reise durch das Reich der Toten in einem großen, undurchdringlichen Wald verirrt. Dort stellen sich ihm einige gefährliche Tiere (die als Parabel für Verführung und Sünde gedeutet werden können) in den Weg, drängen ihn vom Pfad der Tugend und verweigern den Ausweg. Bevor Dante im unwirtlichen Wald zugrunde geht, erscheint ihm Virgil: Der weise Mann wurde ihm von Beatrice, seiner Geliebten, geschickt. Gemeinsam können sie den Wald mit seinen Versuchungen hinter sich lassen und stehen vor der Pforte der Hölle…

Ich habe meine Studien noch lange nicht beendet. Einige Passagen musste ich ein zweites oder drittes Mal lesen – manchmal sogar laut rezitieren – um den Inhalt über den Duktus der Sprachmelodie zu verstehen. Dabei liegt mir in der Übersetzung von Ida und Walther von Wartburg eine Referenzausgabe vor. Gustave Doré schuf im Jahr 1861 zahlreiche Holzstiche, die heute zu den bekanntesten Illustrationen des Werks zählen.

„Die göttliche Komödie“ ist kein Werk für „Zwischendurch“, kein Werk für „in einem Rutsch durchlesen“,…

…aber ein Werk, das mich zwingt meine literarische Komfort-Zone zu verlassen, meine Konzentration fordert und meinen Blick weitet.

Meine persönliche literarische Herausforderung: Schön, dass es sie gibt!


erschienen bei Manesse/ ISBN: 978-3717524601

Ich danke dem Verlag herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar!