MONTAGSFRAGE #61: Welches Buch gehört dieses Jahr unbedingt auf die Weihnachtswunschliste?

…und jährlich grüßt das Murmeltier: Irgendwie kommt mir diese Frage bekannt vor. Ein erster Blick in mein MONTAGSFRAGE-Archiv offenbarte mir, dass Antonia diese Frage bereits im letzten Jahr gestellt hatte. Ein zweiter Blick auf meine damalige Antwort zeigte mir, dass sich beide, der dort von mir genannten Bücher, nun in meinem Besitz befinden: Allerdings wurden sie mir nicht, wie erhofft und gewünscht, vom Weihnachtsmann gebracht. Es sei denn, der Weihnachtsmann hat neuerdings eine erschreckende Ähnlichkeit mit mir selbst und verteilt auch Geschenke an sich selbst!

Da ich in diesem Jahr meinen 50. Geburtstag gefeiert habe (…hatte ich, glaube ich, noch nicht erwähnt, oder?), wurden mir viele meiner Buchwünsche (incl. zwei Büchergutscheine) von meinen Liebsten zu diesem Anlass schon erfüllt. So fällt meine Wunschliste zum diesjährigen Weihnachtsfest sehr überschaubar aus…!

Ein Blick auf meine Geburtstags-Wunschliste verriet mir zudem, dass es ein Buch nicht auf meinen Gabentisch geschafft hat: Eduard von Keyserlings „Landpartie: Gesammelte Erzählungen“ (ISBN: 978-3717524762) aus dem Manesse Verlag ist wieder eines jener Bücher, um das ich regelmäßig in der Buchhandlung drum rum schleiche. „Schon viel von Keyserling gehört, bisher noch nichts gelesen“, das soll sich bitte bald ändern, lieber Weihnachtsmann!

Prinzipiell kann (Weihnachts-)man(n) mir mit Krimi-Klassikern immer eine Freude bereiten: Da ich mich seit einiger Zeit langsam aber stetig dem sowohl großen wie großartigen George Simenon nähere, dürfen gerne seine Werke in gebundener Form aus dem Kampa Verlag bzw. von Hoffmann & Campe meinen Gabentisch bereichern. Beide Verlage sind seit einiger Zeit nun gemeinsam die Heimat für Simenons Werke: Während Hoffmann & Campe sich den großen Romanen angenommen hat, ist der Kampa-Verlag das Zuhause von Kommissar Maigret. Zudem habe ich entdeckt, dass es im Diogenes Verlag den wunderbaren Bildband „Maigrets Frankreich“ (ISBN: 978-3257021288) gibt, der mich nicht nur mit Texten von George Simenon für sich einnehmen kann, sondern auch die Fotografien von Brassaï, Cartier-Bresson, Doisneau u.a. ganz ausgezeichnet den Flair der damaligen Zeit wiederspiegeln.

So, lieba Weihnachtsmann, nu weißte Bescheid, nich?!

Und sollte der Weihnachtsmann sich wider Erwarten verweigern, habe ich zum Glück noch meine Büchergutscheine!!!

…und habt Ihr Euren Wunschzettel zum Fest schon geschrieben?


Antonia Leise von „Lauter & Leise“ hat dankenswerterweise DIE MONTAGSFRAGE: Buch-Blogger Vorstellungsrunde wiederbelebt und stellt an jedem Montag eine Frage, die Interessierte beantworten können und zum Vernetzen, Austauschen und Herumstöbern anregen soll! Ich bin gerne dabei!!!

In meinem MONTAGSFRAGE-Archiv findet Ihr Fragen & Antworten der vergangenen Wochen.

[Noch ein Gedicht…] Klaus Göltl – ADVENT ADVENT: EIN JEDER RENNT

Im Kaufhaus sieht man Menschen flitzen.
An Fenstern grelle Lichter blitzen.
Auch seit November hängt nun schon
der Weihnachtsmann dort vom Balkon.

Die Hausfrau überlegt seit Wochen:
Was tut sie wann an Weihnacht kochen?
Wo ist sie die Besinnlichkeit
in dieser Vorweihnachtszeit?

Der Plätzchenduft, der Kerzenschimmer,
Geschenke basteln im warmen Zimmer,
Weihnachtslieder und Geschichten,
die von der Geburt Jesu berichten.

Ich wünsch euch für die kommende Zeit
etwas mehr von der Besinnlichkeit.

Klaus Göltl

[Die Bücher meines Lebens] Erich Kästner – DREI MÄNNER IM SCHNEE

– 2007 –


Es gibt sie, die Bücher, die Balsam für die Seele sind.
Es gibt sie, die Bücher, die dich einhüllen wie in einen schützenden Kokon.

Es gibt sie, die Bücher, die dich gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen bringen.

Der Roman „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner zählt für mich zu diesen kleinen, literarischen Schätzen, die gar nicht häufig genug gewürdigt werden können.

Natürlich habe ich als Kind die wunderbaren Kinderbücher von Kästner gelesen, schließlich war ich Dauergast in unserer kleinen Gemeindebücherei in meinem Heimatort. Anfangs war sie sogar in zwei Klassenräumen in meiner Grundschule untergebracht. Da meine Eltern nicht über die finanziellen Mittel verfügten, mich mit ausreichend Lesestoff zu versorgen, war die Gemeindebücherei mein Buch-Paradies, mein Lese-Eldorado, mein Zufluchtsort! Zumal die Ausleihe für Kinder und Jugendliche damals noch kostenfrei war. Wahrlich paradiesisch…!

…und so schloss ich Freundschaft mit Emil und Gustav mit der Hupe, mit Pünktchen und Anton, mit Lotte und Luise,…

…und erst viele Jahre später begriff ich, welch feinsinniger Beobachter Erich Kästner war, der die Sorgen der Kinder wahrnahm und auf seine einfühlsamen Art thematisierte. Dabei stellte er die Kinder mit ihren Problemen nie bloß sondern nahm sie in ihren Nöten ernst. Leider dauerte es einige Jahre bis ich den „Kästner für Erwachsene“ für mich entdeckte. Warum es dauerte, kann ich nicht sagen. Manchmal braucht etwas seine Zeit, und manchmal muss der Mensch erst reifen, um für ein bestimmtes, literarisches Werk empfänglich zu sein.

Für den „Kästner für Erwachsene“ war ich erst in meinen 30ern erwachsen genug, für den „Kästner für Kinder“ bin ich hoffentlich nie zu erwachsen. Wie passend, dass „Drei Männer im Schnee oder Das lebenslängliche Kind“ einen absoluten Spitzenplatz in meinem Kästner-Kosmos einnimmt. So erfreue ich mich bei jedem Wieder-Lesen an den intelligent-witzigen Dialogen und genieße die feine Kästner’sche Ironie, die so leicht zu überlesen wäre, wenn der geneigte Leser zu oberflächlich lesen würde. Erich Kästner war ein wahrer Könner seines Fachs: Schaute er auch sehr genau auf die menschliche Natur und entlarvte Eitelkeiten und Standesdünkel, so blieb er doch durch und durch ein Menschenfreund und kommentierte als Satiriker und Romancier die Schwächen der Leute immer mit einem Augenzwinkern,…

…und so menschelt es an allen „Ecken und Kanten“: Die Geschichte durchzieht ein altruistischer Grundgedanke ohne den erhobenen Zeigefinger der Moral. Ein allzu dogmatisches Verweisen auf die offensichtliche Botschaft vom Gutmenschen wäre bei mir auch eher auf Ablehnung gestoßen. Wie schon erwähnt, erscheinen mir dogmatisch und vehement vertretende Ansichten fragwürdig und lösen meinen Impuls zur Kritik aus. Vielmehr fliest der humanitäre Geist leise und unaufdringlich durch die Zeilen. Diese charmante Geschichte katapultierte sich in mein Herz hinein, und ich konnte nichts dagegen tun! Immer wenn meine Seele eine ordentliche Portion Streicheleinheiten benötigt, greife ich zu diesem Buch oder schaue mir den alten Film mit Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt an,…

…und dann rollten sie bei mir wieder, die Tränen: vor Lachen und vor Rührung.

Ein richtiger Seelentröster…!!!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855359585 / Neu-Auflage erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3038820161