[Die Bücher meines Lebens] Ein Nachwort…

Nun ist sie auch schon wieder vorbei – die Rückschau auf mein (Lese-)Leben anlässlich meines 50. Geburtstages. Ich hoffe, sie hat Euch gefallen!

Ich möchte mich von Herzen für Euer Feedback bedanken, das mich via Kommentar und Mail aber auch persönlich erreichte: Euer Interesse an mein (Lese-)Leben hat mich sehr gefreut! Neben all der Lobhudelei, die natürlich mein Herz entzückt, meine Seele berührt und mein Ego gestreichelt hat, fiel auch häufig der Satz „Das war aber sehr persönlich!“. Ja, ich stimme Euch zu: Es war sehr persönlich! Aber „anders“ hätte ich es für mich nicht realisieren können. Wie hätte ich sonst nachvollziehbar vermitteln können, warum ein literarisches Werk mein Leben bereichert hat, wenn ich die Umstände der entsprechenden Lebenssituation nicht beschreibe? Und trotzdem ich vieles an persönlichen Erinnerungen mit Euch geteilt habe, bleibt eine Vielzahl an Details zu diesen Erinnerungen weiterhin ganz bei mir…!

Diese Rückschau war auch nur möglich, da ich ohne Zorn zurückblicken konnte. Auch auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole, aber ich war nie jemand, der frühere Entscheidungen irgendwann bereut hat oder über erlittene Schicksalsschläge in Selbstmitleid verfallen wäre. Alles, was mir in meinem Leben bisher passierte, hat im Nachhinein einen Sinn ergeben,…

…und so halte ich es (insbesondere auch in schwierigen Zeiten) mit Elke Heidenreich alias Helma Krap aus „Raumpatrouille Orion – Rücksturz ins Kino!“:

„Alles wird galaktisch gut!“ 🙂

Frühestens in 10 Jahren – sofern es mich und meinen Buch-Blog da noch gibt – wird es eine Fortsetzung geben: Freut Euch nun schon auf…

[Die Bücher meines Lebens – Reloaded!]

Herzlichen Dank für Euer Interesse!

Liebe Grüße
Andreas


 

[Die Bücher meines Lebens] Anne Müller – Sommer in Super 8

– 2018 –


Eine scheinbar perfekte Kindheit in den 70er Jahren, festgehalten auf etlichen Super 8-Filmchen, in einer scheinbar perfekten Familie, in einer scheinbar perfekten Idylle. Aber schon ab dem ersten Kapitel durchzieht den Roman einen Hauch des Vergänglichen: Dieses filigrane, familiäre Konstrukt droht in jedem Moment in sich zusammen bzw. auseinander zu brechen, auch wenn angestrengt versucht wird, das Bild einer Vorzeige-Familie aufrechtzuerhalten. Bilder können täuschen…

Diese perfekte Idylle bekommt sehr schnell die ersten Risse: Das bemerkte ich an einem scheinbar belanglosen Nebensatz, an einer wie zufällig hingeworfenen Beschreibung – Anne Müller kreiert hierfür nicht die großen Szenen sondern lässt die Familientragödie in kleinen Augenblicken ablaufen, die zusammengenommen eine umso zerstörerischere Wucht entwickeln. Ganz langsam aber subversiv tropft das Leben mit seinem alltäglichen Wahnsinn in die Kindheit und raubt ihr die Unbeschwertheit.

Es vervollständigt das Bild keiner perfekten Familie aber doch einer sehr normalen Familie: Die Tragödien in der Kindheit hinterlassen in jungen Jahren immer den Eindruck, dass sie alleine nur die eigene Familie treffen. Mit der Zeit kommen wir zu der tröstlichen Erkenntnis, dass sich Tragödien hinter jeder Fassade abspielen. Doch mit der Erkenntnis schwindet die Kindheit.

Ich kenne dieses Gefühl, das Anne Müller in ihrem Erstlingsroman aufleben lässt, nur zu gut: Der Zauber der unbeschwerten Kindheit ist noch spürbar, zugleich nimmt man verunsichert die kommende Veränderung wahr und lauert ängstlich auf den Wendepunkt!

Als ich diesen Roman Ende August letzten Jahres zum ersten Mal las, traf er mich still, leise und überraschend heftig. Voller Erstaunen über meine Empfindungen las ich von dieser Kindheit, die so flüchtig wie der Sommer schien. Ich las so vieles von dem, was mir schmerzlich bekannt war, und spürte der Einsamkeit meiner eigenen Kindheit und Jugend nach. Die Wunden sind noch wahrnehmbar. Vielleicht werde ich sie mein Leben lang fühlen, aber mit Ablauf der Jahre sind sie nicht mehr so schmerzhaft. Doch jedes Jahr zum Spätsommer empfinde ich diese besondere Atmosphäre: Das Licht ist sanft. Die Luft ist mild. Der Sommer ist noch nicht gänzlich verflogen, doch sein Ende lässt sich schon erahnen…

…Vergänglichkeit! …Wehmut!

Bei einem Klassentreffen zeigte ein ehemaliger Mitschüler mir Fotos von unseren Klassenfahrten: Von den Fotos lachte mir ein scheinbar fröhliches Kind entgegen. Wenn ich den Fotos Glauben schenke, dann bin ich glücklich gewesen! Ich weiß es besser…

…und bin voller Dankbarkeit für mein jetziges Leben!


erschienen bei Penguin/ ISBN: 978-3328600152


[Die Bücher meines Lebens] Agatha Christie – Und dann gab’s keines mehr

– 2011 –


 

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Osterholz-Scharmbeck, im Jahre 2019

Sehr geehrte gnädige Frau!

Leider habe ich es bisher versäumt ihnen mitzuteilen, wie sehr ich sie und ihre Kunst verehre: Seit Jahren – Ach, was sage ich! – seit Jahrzehnten lese ich mit zunehmender Begeisterung Ihre Romane und Geschichten. Zuerst nur sehr vereinzelt, mal hier einen Roman, mal da ein Geschichtchen, bis ich im Jahre 2011 in Gänze zu Ihnen fand und sowohl hoffnungs- als auch hemmungslos ihrem Talent verfiel.

Aber auch auf der Kino-Leinwand, dem Fernseh-Bildschirm oder der Theater-Bühne verzück(t)en Ihre Werke mich und sorg(t)en für eine spannende Unterhaltung. Sei es mit den wunderbar-kurzweiligen vier Miss Marple-Filmen aus den 60er Jahren, mit der exzellenten TV-Serie „Poirot“ oder der Bühnenadaptionen zu „Tod auf dem Nil“. Mir ist durchaus bekannt, dass ihnen die Darstellung der Miss Marple durch Dame Margaret Rutherford so ganz und gar nicht zugesagt hat, da sie ihrer Original-Typisierung des Charakters so gänzlich widersprach. Aber vielleicht tröstet sie das Wissen, dass diese Filme sich einer ungebrochen großen Beliebtheit beim Publikum erfreuen. Bei David Suchet als Hercule Poirot bin ich mir sehr sicher, dass er vor ihrem strengen Auge Gnade gefunden hätte: Dieser großartige Schauspieler hat die Rolle des belgischen Privatdetektivs mit einer solchen Brillanz verkörpert und damit andere Interpretationen ins Abseits gedrängt.

Aber was ist es, das ihren Ruhm – allen Ostfriesenkrimis und skandinavischen Meuchelmördern zum Trotz – bis heute nicht verblassen lässt und für eine über Jahre andauernde Begeisterung bei Ihren Leserinnen und Lesern sorgt? Vielleicht darf ich es Ihnen anhand Ihres Romans „Und dann gab’s keines mehr“ erläutern?

Wirft man einen Blick auf Ihre Rezeptur, erscheint es ganz leicht:

  • Zutatenliste: eine einsame Insel als Ort der Handlung, ein geheimnisvoller Gastgeber, eine überschaubare Anzahl an Protagonisten, skandalöse Vorwürfe als Begründung für die Tat(en)…
  • Zubereitung: Nacht für Nacht bzw. Tag für Tag stirbt auf mysteriöse Art und Weise ein Protagonist nach dem Vorbild einer Strophe aus einem Kinderreim, jede(r) verdächtigt jede(n), Verwirrungen über Verwirrungen…
  • Beilagen: packende Charaktere, flüssige Dialoge, schlüssiger Handlungsaufbau, Spannung bis zum Schluss mit dem gewissen „Aha-Effekt“…

…und immer die über allem schwebende Frage „Whodunit?“

Doch so manche Nachahmer, die Ihrer Rezeptur folgten, scheiterten kläglich, da das Handwerk nicht beherrscht wurde. Bei Ihnen, gnädige Frau, haben wir es mit einer Autorin zutun, die ihr Handwerk von der Pieke auf gelernt hat und die Leserschaft mit ihrer langjährigen Erfahrung im Aufbau des Spannungsbogens und mit raffinierten Stimmungswechseln begeistert, ohne dass sie – trotz der vielen Erfahrung – in eine routinierte Monotonie verfällt. Werke von Ihnen, Mrs. Christie, verlocken geradezu, vorgetragen zu werden.

Doch es sollten noch einige Jährchen ins Land ziehen, bevor ich die Traute hatte, mit meiner Verehrung an die Öffentlichkeit zu treten: So habe ich mir erlaubt im Rahmen einiger Lesungen, die eine und andere Geschichte aus ihrer Feder einem fraglos wohlwollenden Publikum vorzutragen. Und ich darf ihnen ohne Übertreibung aber durchaus mit einem Hauch Stolz versichern: Ihre Schöpfung und meine Interpretation bildeten eine kongeniale Einheit…!

…und so danke ich Ihnen, liebe gnädige Frau, aus voller Überzeugung und übervollem Herzen für die vielen Stunden an Zerstreuung und Inspiration, an Spannung und Humor, die sie mir mit Ihren Werken geschenkt haben.

Ich verbleibe mit hochachtungsvollem Gruß
Ihr sehr ergebener
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erschienen bei Fischer/ ISBN: 978-3596511143 / Neu-Auflage erschienen bei Atlantik/ ISBN: 978-3455650716


[Die Bücher meines Lebens] Erich Kästner – Drei Männer im Schnee

– 2007 –


Es gibt sie, die Bücher, die Balsam für die Seele sind.
Es gibt sie, die Bücher, die dich einhüllen wie in einen schützenden Kokon.

Es gibt sie, die Bücher, die dich gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen bringen.

Der Roman „Drei Männer im Schnee“ von Erich Kästner zählt für mich zu diesen kleinen, literarischen Schätzen, die gar nicht häufig genug gewürdigt werden können.

Natürlich habe ich als Kind die wunderbaren Kinderbücher von Kästner gelesen, schließlich war ich Dauergast in unserer kleinen Gemeindebücherei in meinem Heimatort. Anfangs war sie sogar in zwei Klassenräumen in meiner Grundschule untergebracht. Da meine Eltern nicht über die finanziellen Mittel verfügten, mich mit ausreichend Lesestoff zu versorgen, war die Gemeindebücherei mein Buch-Paradies, mein Lese-Eldorado, mein Zufluchtsort! Zumal die Ausleihe für Kinder und Jugendliche damals noch kostenfrei war. Wahrlich paradiesisch…!

…und so schloss ich Freundschaft mit Emil und Gustav mit der Hupe, mit Pünktchen und Anton, mit Lotte und Luise,…

…und erst viele Jahre später begriff ich, welch feinsinniger Beobachter Erich Kästner war, der die Sorgen der Kinder wahrnahm und auf seine einfühlsamen Art thematisierte. Dabei stellte er die Kinder mit ihren Problemen nie bloß sondern nahm sie in ihren Nöten ernst. Leider dauerte es einige Jahre bis ich den „Kästner für Erwachsene“ für mich entdeckte. Warum es dauerte, kann ich nicht sagen. Manchmal braucht etwas seine Zeit, und manchmal muss der Mensch erst reifen, um für ein bestimmtes, literarisches Werk empfänglich zu sein.

Für den „Kästner für Erwachsene“ war ich erst in meinen 30ern erwachsen genug, für den „Kästner für Kinder“ bin ich hoffentlich nie zu erwachsen. Wie passend, dass „Drei Männer im Schnee oder Das lebenslängliche Kind“ einen absoluten Spitzenplatz in meinem Kästner-Kosmos einnimmt. So erfreue ich mich bei jedem Wieder-Lesen an den intelligent-witzigen Dialogen und genieße die feine Kästner’sche Ironie, die so leicht zu überlesen wäre, wenn der geneigte Leser zu oberflächlich lesen würde. Erich Kästner war ein wahrer Könner seines Fachs: Schaute er auch sehr genau auf die menschliche Natur und entlarvte Eitelkeiten und Standesdünkel, so blieb er doch durch und durch ein Menschenfreund und kommentierte als Satiriker und Romancier die Schwächen der Leute immer mit einem Augenzwinkern,…

…und so menschelt es an allen „Ecken und Kanten“: Die Geschichte durchzieht ein altruistischer Grundgedanke ohne den erhobenen Zeigefinger der Moral. Ein allzu dogmatisches Verweisen auf die offensichtliche Botschaft vom Gutmenschen wäre bei mir auch eher auf Ablehnung gestoßen. Wie schon erwähnt, erscheinen mir dogmatisch und vehement vertretende Ansichten fragwürdig und lösen meinen Impuls zur Kritik aus. Vielmehr fliest der humanitäre Geist leise und unaufdringlich durch die Zeilen. Diese charmante Geschichte katapultierte sich in mein Herz hinein, und ich konnte nichts dagegen tun! Immer wenn meine Seele eine ordentliche Portion Streicheleinheiten benötigt, greife ich zu diesem Buch oder schaue mir den alten Film mit Paul Dahlke, Günther Lüders und Claus Biederstaedt an,…

…und dann rollten sie bei mir wieder, die Tränen: vor Lachen und vor Rührung.

Ein richtiger Seelentröster…!!!


erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3855359585 / Neu-Auflage erschienen bei Atrium/ ISBN: 978-3038820161


[Die Bücher meines Lebens] Truman Capote – Frühstück bei Tiffany

– 2002 –


Na, da bist du ja wieder, Holly Golightly! Wie viele Jahre haben wir uns nicht gesehen? Dabei haben wir uns nie aus den Augen verloren – vielmehr: Ich habe dich nie gänzlich aus den Augen verloren. Manchmal hat sich mir vielleicht etwas in den Vordergrund gedrängt und dich verdeckt (Als wenn es möglich wäre!), aber du bist nie völlig aus meinem Blick entschwunden. Häufig hörte ich schon die ersten zarten Töne deiner Gitarre, lange bevor ich dich erblickte. Im Gegenzug hast du mir nie Deine Aufmerksamkeit geschenkt. Warum solltest Du auch? Ich gehörte nie zu deinen präferierten Verehrern: zu unscheinbar, zu mittellos, zu wenig Stiel. Ich spiele nicht in deiner Liga! Aber das ist absolut okay für mich. Ich bin sehr zufrieden mit meiner stillen Beobachter-Rolle und sehr glücklich, hin und wieder meinen Blick auf dich, du kapriziöses Geschöpf, werfen zu dürfen…!

„Moon river, wider than a mile / I’m crossing you in style some day!“

Na, da bist du ja wieder, Holly Golightly! Und nach all den Jahren, nachdem Truman Capote im Jahre 1958 zum ersten Mal der Welt von deiner Existenz berichtete, hast du nichts von deinem Zauber eingebüßt. Dabei lag selbst die Geschichte, die Truman uns erzählte, schon einige Jahre zurück: Es war 1943 als Du in dieses alte Backsteinhaus in der East Side von New York gezogen bist – zusammen mit dem namenlosen Kater, den du irgendwann am Flussufer aufgegabelt hattest. Da er dir nicht gehörte, wolltest du ihm auch keinen Namen geben. Du wolltest nichts in Besitz nehmen, solange du nicht die Stelle gefunden hast, wo du und dein Besitz gemeinsam hingehören. Heute weiß ich, dass du nach einem Ort gesucht hast, den du hättest „Heimat“ nennen können…!

„Oh, dream maker, you heart breaker / Wherever you’re goin‘, I’m goin‘ your way!“

Völlig egal ob deine Geschichte 1943, 1958, 1961, 2002 oder heute erzählt wird: Du bist so jung, so schön, so mondän, so voller Klasse – und so modern, eine moderne Frau mit einer Vergangenheit voller Geheimnisse und einer Zukunft voller Ungewissheit.

Völlig egal ob du mir schwarz auf weiß oder in Zelluloid gehüllt erscheinst: Dein Lächeln betört, dein Blick verlockt, dein Charme verführt und deine Grazie überwältigt – und sei gewiss, dies wird sich nie ändern. Eine bitter-süße Wehmut überkommt mich, da ich spüre, dass du längst schon wieder fort bist – lange bevor der letzte Ton deiner Gitarre verstummt ist.

Am Briefkasten des Backsteinhauses in der East Side klebt immer noch deine Visitenkarte (das einzige, das du dir von Tiffany leisten konntest) mit dem Aufdruck „Miss Holly Golightly, Auf Reisen“.

Der namenlose Kater hat seine Heimat gefunden. Du bist weiterhin auf Reisen.

Lebe wohl, Holly!

❤️


erschienen bei Langen-Müller/ ISBN: 978-3784429946 / Neu-Auflage erschienen bei Kain & Aber/ ISBN: 978-3036951591


[Die Bücher meines Lebens] Armistead Maupin – Stadtgeschichten

– 1997 –


Ich war mitten drin in meinem Outing! Ein Jahr zuvor war ich endlich aus dem elterlichen Käfig entflohen, hatte meine erste eigene kleine Wohnung bezogen und zudem mich einer Kurs-Kameradin (= Freundin = Trauzeugin = Wahl-Schwester) offenbart. Einige mir wichtige Menschen sollten ihr peu à peu folgen. Ihre Reaktionen waren alle doch recht ähnlich: „Ja, nee, war klar!“ über „Ja, und…?“ bis „Ist mir egal! Ich hab dich lieb!“. Mit all diesen sehr wertvollen Menschen (sofern leider nicht schon verstorben) bin ich auch heute noch sehr eng befreundet. Mein Outing hatte sich zu einer emotionalen „Tour de Force“ entwickelt, die allerdings gleichzeitig aufregenden, unvorhersehbar und absolut beglückenden für mich war.

Irgendwann im Laufe des Jahres fielen mir Armistead Maupins Stadtgeschichten vor die Füße, klammerten sich an meinem Hosenbein fest und schienen „Bitte nimm mich mit!“ zu winseln. Wer hätte dieser Bitte wiederstehen können? Ich ganz sicher nicht! Und so adoptierte ich kurzerhand die bunte Patchwork-Familie aus der Barbary Lane Nr. 28 in San Franzisco: Mary Ann Singelton brachte mich mit ihrem Hang zu misslungenen Dates mit Männern zum Schmunzeln, während mein Herz bei Michael Tolliver deutlich schneller schlug (Ich könnte nicht mit 100%iger Sicherheit sagen, ob ich standhaft geblieben wäre, hätte er mir „Bitte nimm mich mit!“ zugeflüstert.), und die unübertreffliche Anna Madrigal wurde von mir kurzerhand zu meiner „Leih“-Mutter auserkoren. Ja, da war es das pralle Leben voller Lust, Leidenschaft und Liebeshunger, das gleichzeitig tieftraurig sein konnte und eine berührende Tragik beinhaltete. Waren sie doch alle Suchende nach Liebe, Akzeptanz und Anerkennung…!

Gleichwohl schafft Maupin den schwierigen Spagat zwischen „Comedy & Tragedy“: Sein Humor durchzieht alle 6 Romane und sorgt dafür, dass ich mich als Leser wohl, ja, sogar geborgen fühle. Doch sobald ich mich sicher fühlte, packte er mich emotional und rührte mich zu Tränen. Seine Figuren lassen auf ihrer Suche nach „’nem kleenen Stückchen Glück“ viele Chancen verstreichen, treffen nicht die richtigen Entscheidungen, scheitern. Da ist Trauer und Melancholie spürbar. Doch jammervoll aufgeben ist keine Option: Mit erhobenem Kopf geht es weiter!

Armistead Maupin mag seine Figuren mit all ihren Macken, Fehlern und Absonderlichkeiten und zeichnet die Charaktere zwar durchaus ironisch aber sehr, sehr liebevoll. Seine Botschaft ist eindeutig: „Es ist vollkommen in Ordnung, anders zu sein!“

Die Botschaft galt auch für mich und gab mir Halt auf meiner Suche nach einem Platz im Leben,…

„Es ist vollkommen in Ordnung, anders zu sein!“

…und diese Botschaft gilt für mich noch heute!!!


erschienen bei Rowohlt/ ISBN: 978-3499239694, 978-3499239762, 978-3499239823, 978-3499239908, 978-3499239960 & 978-3499240058


[Die Bücher meines Lebens] Rita Mae Brown – Venusneid

– 1993 –


Es war das Jahr, in dem ich mich (äußerst erfolglos) zum 1. Mal outete. Ich fühlte mich eingeengt und wie gefesselt, wollte mich nicht mehr verstecken und somit verstellen müssen. Ergo offenbarte ich mich den Menschen, bei denen ich dachte, dass ich ihnen am Meisten vertrauen könnte und somit das größtmögliche Verständnis erhalten würde: meinen Eltern!

Ich hätte es lassen sollen! Ich hätte es besser wissen müssen!

Es war ein unangenehm-beschämendes und gleichzeitig skurril-absonderliches Gespräch! Die unappetitlichen Details erspare ich meiner geschätzten Leserschaft. Das Fazit könnte wie folgt lauten: „Gehe in das Gefängnis. Begib Dich direkt dorthin. Gehe nicht über Los.“

…und das Thema wurde die folgenden 6 Jahre von meinen Eltern totgeschwiegen!

Zurück auf Anfang: Somit war ich wieder mit mir allein, aber daran war ich ja schon gewöhnt.

Ich weiß nicht mehr, ob ich diesen Roman vor meinem Outing gelesen und somit unbewusst als Inspiration genommen habe, oder ob er erst danach zu mir fand und als Trostspender fungierte. Egal!

Rita Mae Brown war damals schon eine feste Größe in meinem Bücherregal. Neben ihren Katzenkrimis las ich sehr gerne ihre Romane. Endlich wurde Tacheles geredet bzw. geschrieben: Die Liebe zwischen zwei Menschen (unabhängig welchen Geschlechts) wurde hier ohne süßlichen Liebesschmonzetten-Kitsch, dafür sehr direkt und humorvoll auf den (Höhe-)Punkt gebracht.

Die junge Frazier Armstrong liegt mit starken Schmerzen in der Brust im Krankenhaus und erfährt, dass sie Lungenkrebs hat, somit todkrank ist und nur noch wenige Wochen (vielleicht auch nur Tage) zu leben hat. Frazier macht sich so ihre Gedanken: „Wie nutzte ich meine wenige verbleibende und darum so kostbare Lebenszeit?“. Zeit! Jawohl, es wird Zeit, der Familie, den Freunden und Verwandten endlich zu sagen, was sie wirklich von ihnen hält und zudem zu bekennen, dass sie lesbisch ist. Noch in derselben Nacht greift sie zum himmelblauen Briefpapier und schreibt sie sich mit brutaler Offenheit alles von der Seele. Der nächste Tag birgt dann die große Überraschung: Aufgrund eines dummen Computerfehlers der Klinik wurden Patientendaten vertauscht. Frazier wird weiterleben. Sie hat „nur“ eine Lungenentzündung. Doch das überwältigende Glücksgefühl will sich bei ihr partout nicht einstellen, sind doch die himmelblauen Abschiedsbriefe schon auf dem Weg zu ihren Empfängern…!

Was wäre wenn? Oh, ich hatte die Möglichkeiten schon so häufig in Gedanken durchgespielt. Wenn ich mich dem Freund offenbare, wie würde er wohl reagieren? Wenn ich dieser Freundin die Wahrheit verrate, was würde wohl geschehen? Die Gedanken spielten Pingpong in meinem Kopf. Gleichzeitig spürte ich in meinem Inneren eine Schwere, die drohte, mich zu Boden zu ringen. Erst wenn der Leidensdruck unerträglich wird, trifft ein Mensch eine Entscheidung, die die Situation verändert. Plötzlich stand meine Entscheidung klar, deutlich und unumstößlich für mich fest: Ja, ich werde mich outen – nicht allen auf einmal, sondern in kleinen für mich ertragbaren Etappen und zum richtigen Zeitpunkt. Als diese Entscheidung getroffen war, löste sich langsam der seelische Knoten in meiner Brust, und ich spürte schon beinah eine kribbelige Neugierde auf die Reaktionen meines Umfelds.

Und eine wichtige Erkenntnis reifte in mir heran: Dann trennt sich nun die Spreu vom Weizen. Wer mich nicht so mag, wie ich wirklich bin, verdient meine Zuneigung nicht und kann mir gestohlen bleiben!

Das „Abenteuer“ Outing begann…!


erschienen bei Rowohlt/ ISBN: 978-3498005719


[Die Bücher meines Lebens] Victor Hugo – Die Elenden

– 1990 –


Es war das Jahr 1990: Ich fühlte mich gefangen in einer ungeliebten Ausbildung, in einem Elternhaus voller Probleme und in mir selbst: zu jung, zu ängstlich und darum zu unfähig, Entscheidungen zu treffen. In der Stadtteil-Bibliothek in Bremen-Lesum (mein damaliger Ausbildungsbetrieb befand sich dort in der Nähe) fand ich Zuflucht zwischen Ende der Berufsschule und Arbeitsbeginn im Ausbildungsbetrieb.

Jede einzelne Minute habe ich herausgekitzelt, um ja nicht zu früh im Betrieb in Erscheinung treten zu müssen. Der Grund für mein Verhalten nannte sich selbst „Ausbilderin“: Ab Tag eins der Ausbildung war mir klar, dass die Chemie zwischen uns niemals stimmen würde. Ab Tag eins der Ausbildung war ich ihr bevorzugter Prügelknabe: Lob gab es selten, dafür hagelte es Kritik. Natürlich alles im Rahmen einer qualifizierten Ausbildung…!

„Herr Kück, wie schreiben sie „nah“?“

„N A H!“ buchstabierte ich.

„Und warum haben sie es in diesem Bericht N H A geschrieben?“

„Ja, weil ich mich vertippt habe, Du dusselige Schnepfe!“ hätte ich ihr am liebsten ins Gesicht gebrüllt, aber da ich zu höflich, zu rücksichtsvoll, zu gut erzogen war, tat ich es natürlich nicht!

„Mobbing“, den Begriff kannte damals noch kein Mensch. Eher hieß es noch „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“. Aber – Hey! – ich war ein 1A-Mobbing-Opfer.

So saß ich also Stunde um Stunde in der Bibliothek, vertrödelte meine Zeit oder stöberte in den Büchern und fand diesen Roman: Eine alte Auflage aus den 70ern, wenig verliehen und somit wenig gelesen. Warum ich mir dieses Buch auslieh? Ich weiß es nicht! Ich bin nur froh, dass ich es tat. Ich tauchte ein in Jean Valjeans Welt, begleitete ihn durch sein Leben und wurde Teil seines Kosmos. Bei manchen Passagen rannen mir die Tränen über das Gesicht, und ich musste hemmungslos schlurzen. Bei manchen Passagen hatte ich das Gefühl, dass das Gelesene mir auf Brust und Seele drückte. Doch ich las weiter: morgens vor der Arbeit, in der Mittagspause, am Abend vorm Zubettgehen. Kaum brachte ich es über mich, dieses Buch nach Ablauf der Leihfrist wieder zur Bibliothek zurückzubringen, nur um es einige Wochen später abermals auszuleihen.

Ich wollte/musste unbedingt „Die Elenden“ selbst besitzen und machte mich verzweifelt auf die Suche: Nur leider war die letzte Auflage vergriffen und eine weitere Auflage stand in den berühmt-berüchtigten Sternen. Die damalige Buchhändlerin meines Vertrauens muss meine Enttäuschung gespürt haben: Ohne das ich davon wusste, ging sie weiter auf die Suche und fand „Die Elenden“ in den damals noch neuen Bundesländern. Seitdem nenne ich eine Ausgabe vom Verlag Volk & Welt mein Eigen, die ich nicht mehr missen möchte und wie meinen Augenapfel hüte.

Victor Hugo hat ein Epos voller Menschlichkeit geschaffen, das mit seiner humanitären Botschaft mein Herz und meine Seele zutiefst berührte. Ich fühlte mich in meinen Nöten verstanden und schöpfte Kraft für die Herausforderungen meiner kleinen, wirren Welt. Nachdem ich das Buch zu Ende gelesen hatte, war ich ein anderer Mensch – ob auch ein besserer? Ich weiß es nicht. Dieses Urteil maße ich mir nicht an. Ich bin mir aber absolut sicher, dass das Lesen dieses Romans mich verändert hat! Lesen bewegt!

Nachtrag Ich habe durchaus etwas von meiner damaligen Ausbilderin gelernt: Als Praxisanleiter in der Krankenpflege (meine 2. Ausbildung) weiß ich nun sehr genau, wie ich mich meinen Auszubildenden gegenüber NICHT verhalte!

„Liebe Frau S., dafür danke ich Ihnen. Ansonsten vermeiden Sie es bitte in meiner Gegenwart zu verunfallen. Ich käme als examinierter Krankenpfleger evtl. in Versuchung, spontan an fachlicher Amnesie zu leiden.“

Hallo?! Ich habe gesagt, der Roman hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Von einem Heiligen war nie die Rede…!!!


erschienen bei Volk und Welt/ ISBN: 978-3353001030 / Neu-Auflage erschienen bei Anaconda/ ISBN: 978-3730600429


[Die Bücher meines Lebens] Margaret Mitchel – Vom Winde verweht

– 1986 –


Was liest ein schwuler Junge Mitte der 80er Jahre auf dem Höhepunkt der AIDS-Debatte? Richtig! …ein 916-Seiten starkes Epos über Bürgerkrieg, Sklaven und verzärtelten Ladies in Korsett und Krinoline!

Dabei interessierte mich weniger Scarlett O’Hara: In ihr konnte ich lesen wie in dem sprichwörtlich offenen Buch. So war sie in ihren egoistischen Beweggründen völlig durchschaubar, hatte in ihrer unverblümten Arroganz allerdings durchaus Unterhaltungswert. Vielmehr war Rhett Butler das Objekt meines Interesses und (im schicklichen Maße) meiner Begierde. Dieser hochgewachsene Mann in den besten Jahren und mit dem frechen Funkeln in den Augen war geradezu prädestiniert, als Projektionsfläche meiner erotischen Fantasien zu fungieren. Was blieb mir auch anderes übrig? Es waren die 80er Jahre, und die sogenannte Schwulen-Seuche AIDS wütete. „Schwul“ galt als gängiges Schimpfwort. Zuhause, in der Schule oder im Freundeskreis zuzugeben, selbst „ein warmer Bruder“ zu sein, wäre einem emotionalen Todesurteil gleichgekommen. Selbst noch 7 Jahre später endete mein erstes Outing gegenüber meinen Eltern in einem völligen Desaster, da hätte ich mich im Jahre 1986 nie getraut, irgendetwas in dieser Richtung anzudeuten. So blieb ich alleine mit meinen Gefühlen und Sehnsüchten…

…und flüchtete mich in die Welt meines Romanhelden. Männliche Vorbilder waren in meiner näheren Umgebung absolute Mangelware: Zu mindestens gab es keine, die ich mir gerne zum Vorbild genommen hätte (Schwule Vorbilder waren schier nicht existent.). „Vom Winde verweht“ bot all das, was das schwule Herz eines naiven, jungen Mannes begehrte: das große, seitenstarke Drama voller Emotionen, Irrungen und Wirrungen. Zwischen den Zeilen meinte ich, Parallelen zu meinem eigenen Leben, meinen eigenen Empfindungen zu entdecken: Was passiert mit Menschen, die aus ihrer Welt gerissen (verstoßen) werden? Sind sie ebenso in der Lage, in einem anderen Lebensmodel hinein zu wachsen und zu gedeihen? Besteht auch für diese Menschen die Möglichkeit, glücklich zu werden?

Ich war verunsichert, ängstlich und voller Zweifel…!

Rhett Buttler schien nie zu zweifeln: Inmitten des Chaos stand dieser attraktive Kerl mit dem dunklen Haar und den breiten Schultern wie ein Fels in der Brandung, handelte mit stoischer Ruhe und scheute sich nicht, unbequeme Entscheidungen zu treffen und ungewöhnliche Wege zu gehen. Konventionen interessierten ihn nicht. Seite für Seite, Kapitel für Kapitel schlich sich diese Romanfigur tiefer in mein Herz und prägte somit sowohl mein Männer-Bild als auch meinen Männer-Geschmack.

Um eventuellen Fragen vorzubeugen: Nein! Mein Angetrauter entspricht äußerlich so gar nicht diesem Männer-Bild. Die Wege der Liebe sind eben tückisch und voller Überraschungen…!

❤️


erschienen bei claassen/ ISBN: 978-3546467544

Im Januar 2020 erscheint die lang erwartete und längst überfällige Neu-Übersetzung im Verlag Antje Kunstmann/ ISBN: 978-3956143182.


[Die Bücher meines Lebens] Fynn – Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna

– 1984 –


„Der Unterschied von einem Menschen und einem Engel ist ganz einfach: Das meiste von einem Engel ist innen, und das meiste von einem Menschen ist außen…“

Anna ist 4 Jahre alt als der 19-jährige Fynn sie bei den Londoner Docks aufsammelt. Naja, genaugenommen hat Anna Fynn auserwählt, war sie doch von ihren Eltern weggelaufen und wollte/sollte auch nie wieder zurück. „Sie ist eine Kuh, und er ist ein Säufer. In das Scheißhaus geh ich nie mehr. Ich wohne bei dir.“ sprach’s und adoptierte kurzerhand Fynn und mit ihm seine gesamte Familie. Anna ist schlau und interessiert sich für alles und jeden, hat eine reine Seele, ein großes Herz und ihre ganz besondere Sicht auf die Dinge. So hält sie immer Zwiesprache mit Mister Gott, hinterfragt auf kindlich-weiser Art Geschehnisse, die ihr nicht richtig erscheinen. Kurz vor ihrem 8. Geburtstag stürzt Anna schwer von einem Baum und stirbt mit dem Satz „Wetten, dass mich Mister Gott dafür in seinen Himmel reinlässt.“ Sie hat die Wette sicher gewonnen!

Es war zum Osterfest 1984 als mein Bruder gemeinsam mit seiner damaligen Freundin mir dieses Buch schenkte. Ich gebe zu, ich war überrascht, weil a). mein Bruder mir ein Buch schenkte, b). es zudem von Gott handelte (und mit Gott hatte mein Bruder ungefähr soviel am Hut wie mit Töpfern in der Toskana) und c). es mir gefiel – sehr sogar! Ich hege bis heute den leisen Verdacht, dass die Initiative eher von Seiten der damaligen Freundin kam.

Ich befand mich am Ende meines 2-jährigen Konfirmationsunterrichts, stand somit kurz vor meiner Konfirmation und beschäftigte mich gerade sehr intensiv mit Glaubensfragen. Da bot mir dieses kleine Büchlein eine sowohl gelungene wie charmante Möglichkeit, mich aus einer anderen Perspektive Gott zu nähern. So lag das Buch schon seit Wochen griff- und somit stets lesebereit auf dem Tisch in meinem Zimmer – so auch an meinem Konfirmationstag. Ein (sogenannter) Freund, der an diesem Tag ebenfalls konfirmiert wurde und sich auf seiner eigenen Feier langweilte, tauchte während meiner Konfirmationsfeier bei uns zuhause auf, um mich zum Stromern um die Häuser zu überreden. Mein fassungsloses „Nein!“ konnte er nur schwer akzeptieren. Sein Blick fiel auf das kleine Büchlein auf meinem Tisch. „Du rennst wohl noch zur Kirche, wenn du erwachsen bist!“ meinte er verächtlich und zog von dannen, um sich mit Jungs, die cooler waren als ich, zu treffen.

Im Gegensatz zu vielen meiner Klassenkamerad*innen habe ich die Konfirmationszeit sehr genossen, da das Selbstverständnis des Christentums auch meiner Sicht entsprach und ich vieles für mich auf meinen Weg zum Erwachsenwerden mitnehmen konnte. So habe ich nach meiner Konfirmationszeit weiterhin die Jugendgruppe meiner Heimatgemeinde besucht.

Nein! Ich renne als Erwachsener sehr wenig zur Kirche!

Ich habe mich aber immer der Kirche verbunden gefühlt. Dabei hatte ich das große Glück, dass ich immer einer Kirchengemeinde, die sich durch Toleranz und Offenheit auszeichnete, angehörte. Mir ist durchaus bewusst, dass es auch andere (negative) Beispiele gibt. Leider gibt es auch „Christen“, die eben nicht die Menschen „aller Nationen, unabhängig von Rassen- oder Klassenzugehörigkeit, Geschlecht oder gesellschaftlicher Stellung“ tolerieren und/oder ihre Stellung auf verachtungswürdige Weise ausnutzen. Dies alles hat für mein Verständnis und Empfinden nichts mit „Christ sein“ zu tun und geschieht ganz sicher nicht „im Namen Gottes“. Dogmatisch und vehement vertretende Ansichten erscheinen mir äußerst fragwürdig und lösen meinen Impuls zur Kritik aus. Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbild. Ich bin ein schwuler Mann: Noch Fragen?!

Nein! Ich renne als Erwachsener sehr wenig zur Kirche!

Dieses kleine, unspektakuläre Büchlein hat viel dazu beigetragen, um meinen Glauben zu festigen – auch ohne wöchentlichen Besuch des Gottesdienstes. Doch ich fühle mich in meiner kleinen Kirchengemeinde zuhause und bin gerne bereit, im Rahmen meiner bescheidenen Möglichkeiten einen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.

Manchmal schließen sich Kreise: Am 24. Dezember 1978 schritt ich als Joseph im Krippenspiel durch die Kirche meines Heimatortes. 34 Jahre später stand ich erstmals als Spielleiter in der Kirche meiner jetzigen Gemeinde und probte mit den Kids das Krippenspiel für Heiligabend. Halleluja!


erschienen bei Scherz/ ISBN: 978-3502192459 / Neu-Auflage erschienen bei Fischer/ ISBN: 978-3596806157